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Full text of "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich OCR 55"

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Wurzbach55 . txt 
Biographisches Lexiton 
des 

Bnilerthums Mterreich. 
enthaltend 

die leBenssliizzen der denkwiirdigen Personen, welche seit?750 in den 
olierleichischen 

Gronlandern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haken. 
Von 

I>r. Cclllstallt von Wurzbach. , ' s _' s 
Funf undf unf zigster Theil. 
Weninger — Mied. 

M!t sieben genealogischen Tafeln. 

Nil Unlersiiit zung t>es Aulors durch die staisersiche Akadcmic dcr 
Uiissrnschaflen, 
- Wien. 

Druck und Verlag der k, k. Hof- und St»at«>ruckerei . 
1887.^ 

!.'!, und 1 . "lwal jrung ge,zen unn ' chimakigeȴ 
Vorwort . 

Wenn ich diesem Bande ein kurzes Borwort vorsetze, so geschieht es 
wohl zunachst darum, urn einem theueren Verblichenen, der nicht nur an 
meinem Werke den regsten Antheil nahm, sondern mich mit seinem 
umf angreichen Wissen in liebenswiirdigster Weise seit mehr denn zwolf 
Icchren forderte, ein Wort der Erinnerung zu widmen. Ich meine den 
Bibliothekar an dcr Munchener koniglichen Staatsbibliothek Dr. Anton 
Gutenacker (gest. in Miinchen 16. Marz 1887), durch den mir in liberalster 
Weise die Schatze derselben eroffnet wurden, und der, da er 
unausgesetzt die Ereignisse des Tages verfolgte und die beziiglichen Vor» 
merkungen machte, mir nicht selten die gesuchten Aufschliisse ertheilte. 
Aber nicht allein, daB er ein lebendiges Konversationslexikon war, daB 
er auf jede Frage, die man an ihn richtete, einen erschopf enden Bescheid 
gab, daB er jede Neuigkeit des Biichermarktes kannte und mich auf sie 
hinwies, wenn sie etwas meine Arbeit Forderndes enthalten mochte, 
nein, nicht nur diese kostbaren Eigenschaf ten des Biichermannes besaB er, 
sondern die Art und Weise, wie er dem Forscher auf die rechte Fahrte 
half, die Liebenswiirdigkeit , mit welcher er Jedem, der sich an ihn 
wandte, diente, die unerschopf liche Bereitwilligkeit , mit der er Quar« 
tanten und Folianten nicht selten in eigener Person brachte, nie auch 
nur einen Zug des Unwillens, Verdrusses oder der Ermudung zeigend, 
nur stets mit frohlicher, ja fast mit Siegermiene ausrufend: A da finden 
wir sicher etwas", diese an einem Bibliothekar besonders schat zbaren, £ 
aber auch nicht zu hausigen Eigenschaf ten zeichneten ihn aus und 
machten mir den zu fruh Verblichenen, der unter seinem vorletzten Vorsteher 
nicht auf Rosen gebettet gewesen, schwere Unbill im Amte erlitten 
und wohl auch die ersten Keime des Leidens davontrug, das ihn vor der 
Zeit dahinraffte, ganz besonders werth. Ha,vo amma p i a ! Gutenacke' 1 ' 
war ein Bibliothekar, wie er sein soil! Er beirieb kein Lieblingsf ach, 
welches ihn seine amlliche Stellung als Ncbendicnst betrachten lieB, 
er war der vollendete Buchcrmann, allseitig, die Bibliographie als 
Wissenschaft betreibend, der biicher- und quellenkundige ' Encyklopadist , 
der bereitwilligste kemitnihreiche Lustode, der nicht auf seinen Schatzen 
saB, dem Hunde im polnischen Sprichwoite gleich, der auf dem Heu sitzt, 
es selbst nicht friBt, aber auch keinem Anderen gonnt, eine Eigenschaft, 
die wir bei diesen Hiitern der Schatze Minerva? leider nur zu oft angetroffen. 
Ein Beispiel fur mehrere: Ich arbeitete fur mein Lenkon gerade 
den Artikel K r i ? huber, und cs gait, eine Uebersicht wenigstens jener 
Bildnisse dieses Kiinstlers, der mit einer nur ihm eigenen Genialitat die 
groBte Aehnlichkeit mit vollendeter Idealisirung zu verbinden wuBte, zu 
bringen, welcbe als historische Personlichkeiten einen mehr als ephemeren 
Werth besitzen. Nun wuBte ich, daB ein Institut der Kaiserstadt eine 
reiche zur offentlichen Beniitzung bestimmte Bildersammlung und in 
dieser die vollstandige Col'ection der Werke dieses vortreff lichen BildniBmalers 

besaB. Die Einsicht in die wohlgeordneten Mappen hatte mir 

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die Arbeit wesentlich erleichtert, aber der Eustode der Bildersammlung, 
ein Eerberus im wahren Sinne des Wortes, mit dem man sich am 
liebsten nicht zu schaffen machte, fuhr mich auf meinen Wunsch, die 
Mappen mit Kriehuber's Bildnissen einzusehen, derart an, daB ich 
darauf verzichtete und mich lieber an den Kiinstler selbst wandte. Dieser 
nun gmg mit solcher Liberalitat vor, daB er mir sammtliche Mappen 
zur Verfugung stellte, welche ich denn auch buchstabenweise dmch einen 
Dienstmann in mcine feme Wohnung schaffen lieB, wo ich das in meinem 
Lcrikon befindliche BcrzeichniB der Bildnisse M d . X I I I , S. 222— 229)£ 
anfertigte. Aber der ganze Vorgang war ein sehr kostspieliger , weil der 
Nienstmcmn, der die schweren Foliomappen in meine in einer fernen 
Vorstadt gelegene Wohnung trug, bezahlt werden muBte. Auch tonnte 
ich noch mit mancher anderen Ergo^lichkeit dienen, die mir bei Beniitzung 
offentlicher Bibliotheken wahrend der dreiBig und mehr Jahre, welche ich 
an meinem Lerikon arbeite, widerfuhr, aber heute will ich nur dem Andenken 
meines zu friih verblichenen mir unvergeBlichen Gutenacker 
das Dankesopfer bringen. DaB er aber ausschlieBlich Bibliograph und 
somit ein Bibliothekar in des Wortes eigentlichem Zinne war, ZeugniB 
dafiir gibt sein iiberraschend reicher handschrif tlicher NachlaB, der aus 
90 Cartons mit mehr als hunderttausend Blattern besteht, deren bibliographische 
Auf zeichnungen, nach zehn Kategorien (Bibliotheken, Kiinstler, 
Typographie, Xylographie, Wappen, Briefmarken. Literatur, Bioa. 
raphic, Lnlturgeschichte und die Stndt Miinchen) geschieden, eine nach 
Hunderttausenden zahlende Menge von literarischen Nachweisen enthalten, 
und dessen Erwerbung eine offentliche Bibliothek, die davon zunachst 
den entsprechenden Gebrauch zu machen verstiinde, sich nicht entgehen 
lassen sollte. 

DaB ich l^i einer Arbeit, wie es mein Lerikon ist, auf die Unterstiit zung 
offentlicher Bibliotheken angewiesen bin, ist selbstverstandlich, 
und so erstatte ich denn bei dieser Gelegenheit, als ich des verstorbenen 
Freundes und Bibliographen mit Wehmutb und Trauer gedachte, auch 
einigen Lebenden meinen warmsten Dank fur die Art und Weise, wie sie 
mich in meiner Arbeit fordern, und so wollen denselben denn die Herren 
Dr. F. Grassauer, Direclor der Universitatsbibliothek in Wien, 
Dr. Alois M u 1 1 e r , Director der Universitatsbibliothek in Orah, 
Oi-. Ludwig o. Hormann, Director der Universitatsbibliothek in 
Innsbruck, A. I . Hammerte, Vorstand der Collegienbibliothek in 
Salzburg. Dr. Gottfried Mut)s, Borstand der k. f. Studienbibliothek 
in Laibach, Dr. Fischnaler, Custos des Ferdinandeums in Innsbruck 
und Adalbert Valenta, Scriptor an der Bibliothek der deutschen tech-^ 
VI 

Nischen Hochschule in Prag fur die Bereitwilligkeit entf tegennehmen, mit 
der sie mich in meinen bio- und bibliographischen Anliegen unterstiit zen . 
Zum Schliisse sage ich meinen verbindlichsten Dank den Herren Hofrath 
Ritter d'Elvert, Paul Hunfalvy, Gustau Heinrich und Dr. Ludwig 
Schlesinger, welche mir durch Zusendung der von ihnen redigirten 
Bereinsschrif ten, als: , Notizenblatt der historischen Section der 
mahrisch-schlesischen Gesellschaft fur Ackerbau", der „Ungarischen Revue" 
und der „Mittheilungen des Bereines fur Geschichte der Deutschen in 
Bohmen", Materialien zur Verfugung stellen, die einen wahren Schatz 
bilden fur mein Werk. und welche ich von Seite anderer Kronlander 
leider entbehren muB . 
Verchtesgaden, 13. Juni 1887. 
Dr. Constant von Wurjbiich.^ 
Weninger, Vincenz von (national» 
okonomischer S chrif tsteller , geb . 
13. April 4834, gest. zuBudapesth 
am 29. Mai 1879) . Ueber Lebens- und 
Bildungsgang dieses nachmals als kennt» 
niBreicher Finanzmann allgemein geschatz» 
ten Beamten besitzen wir nur ungenaue 
Nachrichten. Er war urspriinglich Inge» 
nieur, dann Lehrer der Mathematik an 
der ungarischen Handelsakademie, darauf 

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Sectionschef im Reichs - Finanzministerium, 
zuletzt Director der ungarischen 
Creditbank und correspondirendes Mit« 
glied der ungarischen Akademie der Wissenschaf ten 
der mat hemat isch-naturwiss ens chaft lichen 
Classe. I n letzteren Eigenschaf ten 
starb er im besten Mannesalter 
von erst 43 Jahren. Auf financiellem 

und nationalokonomischem Gebiete schrif tstellerisch 
thatig, hat er nachstehende 
Werke herausgegegeben : „H 

7-a") d. i. Mathematik fur Real», Handels 
« und landwirtschaf tliche Schulen, 
sowie zum Selbstunterricht (Pest 1837, 
Beimel, neue Aufl. ebd. 1838); — 

„Schlussel zur VergleichnnZ nnd Amrechnnny t>es 
bisherigen Geldes in neues Geltl, '"urn (lZebrauche 
'iir Hrdermunn" (Pesth 1837, 80.) , auch in 
o. Wiirzbach. biogr. Lexikon. I.V. l^Gedr. 3 
ungarischer Sprache: .. 

?>lc»s/a7i A a3H?la// '"snsnsk" u. s. w. 
(ebd.); — „Anweisung zur mathematischen 

Negraponny einiger Kaufmannischen Berrchnungzllperatianrn 
tnr hohere Handelsschulen" (Pesth 
1838, Mor. Rath, 8".)-. - 
AA d. i. Politische oder hohere 
biirgerliche und kaufmannische Arith' 
metik, 3 Hefte (Pefth 4860, 
gr. 80.-, neue Aufl. 1862); - 
Politische Arithmetik. Fur Rechtskundige, 
Wirthschaf ter , Kaufleute und Ge 
werbetreibende (ebd. 1861, R^th, neue 
Aufl. 1870, 80.);-„ A 6s A s A s/mi 
/667zHo//16H! ra A zis A A d. i. 
Grundzijge des kaufmannischen Rech» 
nens; fur Anfanger, Sonntags- und 
untere Handelsschulen (ebd. 1361, 8".); 
d. i. Die einfache und doppelte Buch» 
Haltung (Pesth 1863, 8".), wurde von 
Samuel Winter herausgegeben; — 
) d. i. Die Frage der 
gemeinsamen Angelegenheiten (Pesth 
Febr. 1887.) 1$ 
Menk, Alois Menk, Alois 
1867. K. Grill, 8".), wurde von Kar 
Szatmari herausgegeben. So macht« 
sich Weninger durch Popularisirung 
abstracter mathematischer Disciplinen 
m Fachkreisen und durch seine publici 
stische Thatigkeit im Gebiete des Spar» 
kassenwesens in vortheilhaftester Weise 
bekannt . Als Mitglied der ungarischen 
Akademie der Wissenschaften entfaltete er 
vornehmlich in der statistischen und 
nationalokonomischen Commission, in die 
er gewahlt worden war, eine ersprieBliche 
Thatigkeit. Fur seine im Amte und urn 
den Staat erworbenen Verdienste aber 
ward ihm von Seiner Majestat dem 
Kaiser mit ah. Handschreiben vom 
21. April 1870 der Orden der eisernen 
Krone zweiter Classe verliehen. 
Neue Illustrirte Zeitung (Wien. Za» 
marski. kl. Zol.) 1879. Nr. 37. - Ki> 

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lg.Ua el lnattiesyos. ' s laz' s Krors' s li' s t< A r> 
626te 1472-<873. A saxitettsic 32iuQ>-6i 
"N286k (Vater) 66 Dr. 82inn?6i "1622ef 
(Todn) (Budapesth 1878, schm. 4".) Sp . 834 
und 383 "letztere Zabl ist ein Druckfehler und 
soil 833 heiBen) . 

Weninger, s. auch: Wenninger A S.Z A j . 
Wenk, Alois (Forstmann, geb . zu 
Wegscheid, Herrschaft Wolfsberg im 
Erzherzogthum Oesterreich im Viertel 
ober dem Manhartsberg, am 23. April 
4793, gest. in Mahren 1848). Er 
widmete sich fruhzeitig dem Forstwesen 
und trat zu Loretto auf der Herrschaft 
Hornftein im Oedenburger Comitate Ungarns 
in die Praxis. Seinem Drange 
aber nach wissenschaftlicher Ausbildung 
in dem selbstgewahlten Fache folgend, 
bezog er 1810 als Zogling das zu jener 
Zeit eroffnete furstlich Eazterhazy ' sche 
Forstlehrinstitut zu Eisenstadt, in welchem 
er bis 1814 verblieb. Mit den besten 
Zeugnissen des k. k. Hof- und Landjagermeister- 
Amtes ausgestattet , begann er 
noch im namlichen Jahre als Revierf orster 
auf der im Briinner Kreise gele» 
genen Herrschaft Boskowitz den prakti» 
schen Dienst und wurde daselbst 1821 
zum Oberjager befordert. 1828 zum 
Waldbereiter auf der im Olmlitzer Kreise 
befindlichen Herrschaft Ullersdorf er« 
nannt, kam er in Fiirst Karl Liechten« 
stein'sche Dienste, und zwar vorerst in 
gleicher Eigenschaft auf die groBe Herr« 
schaft Mahrisch-Kromau im Znaimer 
Kreise. Da er sich aber urn die Bewirth« 
schaf tung . Hmd Regulirung der fiirstlichen 
Forste, urn die Jagdbarkeit in denselben 
und iiberhaupt urn die Forderung des 
Forstwesens nach alien Richtungen auf 
den fiirstlichen Giitern sehr verdient 
machte, wurde er 1842 zum inspicirenden 
Forstmeister fur Kromau und Ullersdorf 
ernannt. Er gait bald als Autoritat in 
Forstsachen und ward in forstlichen An» 
gelegenheiten auch von anderen Herr« 
schaf tsbesitzern zu Rathe gezogen. Sein 
Dienst erlaubte ihm nur wenig, schrif tstellerisch 
in seinem Fache aufzutreten, 
doch that er es einige Male, und in den 
Mittheilungen der mahrisch ' schlesischen, 
Gesellschaft zur Beforderung des Acker« 
baues, der Natur- und Landeskunde" 
sind in den Jahrgangen 1826, Nr. 20, 
und 1828 Nr. 16 und 17, namentlich da 
er als Gegner des Altgraf Salm' schen 
Forstmeisters Johann Georg Schlatter 
n Slaup auftrat, seine Aufsatze ent< 
halten. I m Dienste des Fiirsten Karl 
von Liechtenstein starb Wenk m 
der Vollkraft seines Mannesalters , erst 
35 Jahre alt, allgemein beklagt, da er 
nicht nur ein Fachmann ersten Ranges, 
sondern auch ein wohlwollender , liebe« 

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voller, leidenschaf tsloser Vorstand dem 
zahlreichen Wirthschaf tspersonale gewesen? 
Menninger. Joseph Menninger, Ioscph 
war, das an ihm mit Liebe hing, wie 
sein Gebieter, der Fiirst, ihm stets sehr 
zugethan blieb. 

Mittheilungen der makrisch-schlesischen Ge< 
sellschaft fur Beforderung des Ackerbaues, der 
Natur' und Landeskunde (4".) i849, S. 163. 
— d'Eloert (Christian Ritter) . Geschichte 
der k. k. mahrisch . schlesischen Gesellschaft zur 
Beforderung des Ackerbaues u. s. w. (Briinn 
<870. gr. 8".) S. 312. 320. 401 und Bei» 
lagen S. 228. 

Wenk, Johann, siehe: Wenckheim. 
die Freiherren sBd. I^IV, in den Quellen, 
S. 267, Nr. 5 A . 

Wenkheilll, die Freiherren und Gra> 
fen, siehe: Wenckheim sBd. I.IV,S. 2 
Nenninger, Joseph (Humanist, 

geb . zuKnittelfeldin Steiermark 
25. Janner 1762, gest. daselbst 9. Mai 
1833) . Der Sohn eines biirgerlichen 
FloBineMrs, besuchte er die Gymnasien 
zn Iudenburg und St . Lambrecht und 
beendete in Gratz die Studien. Durch 
seine Heirat mit der Floflmeisterswitwe 
Theresia Steinkellerim Jahre 
1780 gelangte er zum Besitze einer 
Floflfahrt - Gerechtsame in Knittelfeld, 
welche er bis 1797 eifrig und geschickt 
betrieb. 1788, im Alter von erst 26 Jahren, 
wurde er, der bereits das Vertrauen 
der Gemeinde besaB, zum Burgermeister 
von Knittelfeld gewahlt und versah 
ehrenvoll dieses Amt bis 1793. Im 
Jahre 1790 brachte er das ganz in Ver> 
fall gerathene Hammerwerk Ainbach 
nachst Knittelfeld durch Kauf an sich, 
und nun war es seine Aufgabe, dasselbe 
zu heben, was ihm auch durch seine 
Miihe, Thatigkeit und Erfahrung ge» 
lang. Er erbaute dann zu Ainbach die 
erste schottische Dreschmlihle und verband 
mit derselben eine Hacksel»Schneide« 
Maschine. Den Verwiistungen der reiBen» 
den Mur ein Ziel zu setzen, fiihrte er 
aus eigenen Mitteln kostspielige Ufer» 
bauten aus, durch welche er ebenso den 
Verheerungen des bei starken Regengiissen 
reiBend anschwellenden Waffers 
vorbeugte, als er auf diese Weise der 
armeren Bevolkerung Arbeit und dadurch 
Lebensunterhalt gab. Dabei lieB er diese 
Wasserbauten in wahrhaft muftergiltiger 
Weise vollenden. Von 1793 leitete er 
durch 37 Jahre als Mandatar die Ge» 
schafte der Hammergewerke des Viertels 
Murboden mit allem Eifer und zur vollen 
Zuf riedenheit seiner Mitgewerke; mit 
gleichem Erfolge wirkte er durch dreiBig 
Jahre als Aufseher der Schule in Knittelfeld. 
machte eine Stiftung zur besseren 
Dotirung des Lehrers, gab 1818, als 

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das Schulhaus abgebrannt war, einen 
ansehnlichen Beitrag zum Wiederaufbau 
desselben und ermunterte Lehrer und 
Schiller, Erstere durch lobende Anerken» 
nung, Letztere durch Geschenke. Als dann 
Knittelfeld innerhalb zweier Jahre durch 
drei Feuersbriinste verheert wurde, half er 
den Verungllickten durch Baumaterialien 
und mit Geld. Bei der ! 8 1 9 staltgehab, 
ten Errichtung der k. k. steiermarkischen 
Landwirthschaf ts-Gesellschaf t wurde er 
zum Vorstande der Filiale Iudenburg 
gewahlt und versah vierzehn Jahre hin» 
durch dieses Amt mit Umsicht und bestem 
Erfolge. 1822 griindete er auf seine 
Kosten eine Obstbaumschule und entsen« 
dete 1824 einen Schiitzling in die k. k. 
Thierarzeneischule in Wien. welcher dort 
sich ordentlich zum Hufschmied bildete 
und dann in der heimischen Gegend sein 
Geschaft in ersprieBlichster Weise ausiibte. 
Bis zu seinem im Alter von 
71 Jahren erfolgten Tode wirkte er in 
vorbezeichneter wohlthatiger und nutz» 
reicher Weise. Von dem Monarchen 
wurde er durch die goldene Civil C'hren-^ 
Wenrich Menrich 

Medaille mit Oehr und Band, die er aus 
des Erzherzogs J o h a n n Handen 

empfing, und von der steirischen Landwirthschaf ts- 
Gesellschaft 1822 durch Zuerkennung 
der Gesellschaf tsmedaille ausgezeichnet . 
Mit ihm schied ein Wohlthater 
der ganzen Gegend, ein Vater der 
Armen und ein Burger von altdeutscher 
Redlichkeit, Treue, Geradheit und Einfachheit 
aus der Welt . 

Steier markische Zeitschrift. Redigirt von 
I)r. G. 3. Tchreiner, Vr . Albert von 
Muchar, C. G. Ritter von Lettner. 
Anton Schrotter (Grcch, i>".) Neue Folge, 
VI. Jahrg., 1. Heft. T. 131. 
Wenrich, Johann Georg (Orienta» 
list, geb . zu SchaBburg in Sieben» 
biirgen am 13. October 1787, gest. zu 
Wien 13. Mai 4847). Der Vater, 
seines Amte's Communitatsmitglied, war 
ein Deutscher von altem Schrot und 
Korn und pflegte den Ehrgeiz seiner 
Sonne durch den Wahlfpruch zu be> 
leben: „Zeige, daB du ein Wenrich 
bist". Bei seinem Sohne Johann 
Georg bediirfte es dieses Zurufes 
kaum, denn der Knabe saB so eifrig iiber 
seinen Biichern, daB man ihn mit Ge> 
wait von denselben wegziehen muBte 
Nachdem er das Gymnasium seiner Vater« 
stadt, auf welchem ec seine groBe Vorliebe 
fur alte Sprachen und Literatur an den 
Tag legte, besucht hatte, bezog er 
181) o das Lyceum in Hermannstadt , urn 
Philosophie und Theologie zu horen. 
Nach Beendigung des zweijahrigen philosophischen 
Curses unterzog er sich vor 

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dem Ober-Conf istorium der sachsischen 
Nation einer strengen Priifung mit sol» 
chem Erfolge, daB ihm sofort die Stelle 
eines Lehrers der Elemente der lateini' 
schea Sprache iibertragen wurde. Doch 
nur kurze Zeit versah er diese Stelle, da 
er an fremden Universitaten noch sein 
Wissen vervollstandigen wollte. So verlieB 
er denn 1809 seine Heimat, muBte 
aber der damaligen Kriegswirren wegen 
seinen Aufenthalt in Wien nehmen, wo 
er durch dritthalb Jahre unter der An» 
leitung A r y d a ' s , eines geborenen Sy> 
riers, mit allem Eifer dem Studium der 
semitischen Sprachen oblag. Nun folgte 
er 1812 einem Nufe als Professor der 
hebraischen, griechischen und lateinischen 
Sprache an das Lyceum von Hermann» 
stadt. An demselben riickte er 1813 zum 
Conrector vor und vertauschte bei dieser 
Gelegenheit den Vortrag iiber Philo« 
logie mit dem iiber Philosophie und 
Mathematik. 1818 zum Rector der Anstalt 
gewahlt, fiigte er als solcher dem 
Vortrage der let zterwahnten Gegenstande 
noch den iiber verschiedene Disciplinen 
der Theologie und iiber Weltgeschichte 
hinzu. I n dieser Stellung wirkte er, geliebt 
von seineil Schiilern und geachtet 
von seinen Mitbiigern, bis zum Jahre 
1821, in welchem an ihn der ehrenvolle 
Ruf als Professor der biblischen Literatur 
an der zu jener Zeit errichteten protestantisch . 
theologischen Lehranstalt in Wien 
erging. Da an derselben noch nicht alle 
Facher, welche gelehrt werden sollten, 
besetzt waren, so theilte er sich mit dem be< 
rufenen Professor der Geschichte Johann 
Genersich A Bd. V, S. 133^ in den 
Vortrag der noch unbesetzten Zehrfacher 
insolange, bis diese durch die gewonnenen 
Lehrkrafte versehen werden konnten. 
Nun widmete er sich vornehmlich seinem 
Lehrfache, betrieb aber nebenbei mit 
groBem Eifer das Studium der Sanskrit- 
Sprache und Literatur, iiber welche er 
auch in Wien offentliche Vorlesungen, 
hielt. Dabei war er iiberdies fortwah. 
rend schrif tstellerisch thatig, setzte zwei 
verdienstvollen ihm befreundeten Man» 
nern biographische Denkmaler und be«^ 
Wenrich Wenrich 

schaftigte sich mit der Beantwortung 
zweier von der k. Societat der Wissen» 
schaften in Gottingen und der Akademie 
der Inschriften und schonen Wissenschaft 
ten in Paris ausgeschriebenen in die 
orientalische Literatur einschlagigen Fragen, 
von welchen beiden Instituten ihm 
auch der Preis zuerkannt wurde. Die 
Titel seiner Werke folgen weiter unten. 
Durch diese Arbeiten wuchs sein Ruf als 
Orientalist in solchem Grade, daB be> 
riihmte Fachgenossen sich ihm naherten 

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und er mit den ersten zeitgenossischen 

Orientalisten, so mit Renaud, Sacy 

und Anderen in literarischen Briefwechsel 

trat. Als dann 1846 die Londoner Bibelgesellschaf t 

die Herausgabe einer hebraischen 

Bibel zur Veitheilung unter bediirftige 

Juden beschlossen hatte, betraute 

sie Wenrich mit der Aufsicht iiber den 

Druck des Werkes. Und als im Jahre 

184? mit ah. Patente vom 14. Mai die 

langst ersehnte Stiftung einer kaiserlichen 

Akademie der Wissenschaften in 

Oesterreich in Erfullung ging, befand 

sich unter den ersten vierzig der in die» 

selbe Berufenen auch unser Orientalist. 

Aber diese ehrenvolle Ernennung traf 

ihn nicht mehr am Leben. Noch hatte er 

am 14. Mai seinen gewohnlichen Abend 

spaziergang gemacht, war ganz wohl in 

den Kreis seiner Familie zuriickgekehrt 

und dann zu Bette gegangen, aber urn 

ein Uhr Nachts klagte er iiber Unwohlsein, 

starke Beklemmungen und nach 

kaum viertelstiindigem Kampfe, ehe noch 

der sofort gerufene Arzt erschien, hauchte 

der sechzig jahrige Gelehrte seine Seele 

aus . Die Titel der von Wenrich durch 

den Druck verof f entlichten Werke sind: 

40.) Miener literarischer Anzeiger 1822, 

Nr. 77 und 78 A ' - 

1824); dieses am 12. Februar 

1824 als dem Geburtsfeste des Kaisers 

Franz I. vertheilte Programm iiber die 

Rhapsodien der Griechen ist wahrscheinlich 

Wenrich's Sckuldissertation, welche 

unter dem Titel: „K5X4I003 sivs as 

Hk«is)5naii5 Di?s 6i-t<rtio . . . " mit dem 

Horazischen Motto: Vos exempia in 

o A scn nOlltlii'NI. V61'811.t6 m A nu, ver- 

La.be «liurnn. und der Zueignung: Divis 

in Handschrift ausgegeben wurde; die 

Urschrift besaB seinerzeit der Hamersdorfer 

Pfarrer Mickael Ackner sBd. I , S. 4 A '. 

? 1827); - „IlllMnnWucht 

r r n'.5 3Urii5ch. 1113 Nirner tiez Ztiillte«, nnd drr 

Nichr darg^trllt . . . " (Wien 1831, Heub« 

ner, kl. 8"., X.I. IV und 209 S.) "1.11 

und 3i) S. AI , — „Zlll A clli Glat;. A ine billgraphische 

SKijze. Mit iirm Niltlni52 i>i:5 Vlrrmigten" 

(Wien 1884, gr. 12".. VIII und 
328 S.) sV und 207 S . A - „ A s 

(I.ipLi A 1842, V0F61,80., X. 

306 S ) ; dieser Abhandlung wurde, 

lange bevor sie gedruckt worden, bereits 

1832, von der Gottinger gelehrten Societat 

der Preis von 30 Ducaten zuer« 

kannt ' , - A 7- „As A oeseos 

A iT m I A rs i et I I (vin- 

1822 et 1824, 20 und 19 S., 

. . " (I A ip8iil.6 1843, 

VIII und 276 S., 80.)'. die Pariser 

Akademie der Inschriften und schonen 

Wissenschaften erkannte diesem Werke im^ 

Wenrich Wenrich 

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Wurzbach5 5 . txt 
Juli 1834 den Preis von 1300 Francs 
zu, ungeachtet dessen fand sich ein unberufener 
(Berufener) veranlaBt, in 
Schmidl ' s „Oesterreichischen Blattern 
fur Literatur" u. s. w. 1843, Nr. 74, 
S. 377—380 gegen diese Preisschrift zu 
Felde zu ziehen' Wenrich jedoch fer 
tigte den Ungenannten und ungenannt 
gebliebenen Ehrenmann in Nr. 80, 
S. 624 desselben Blattes in ruhiger, aber 
haarscharfer Abweisung der grundlosen 
und unwahren Einwande mit wenigen 
Zeilen ab; — „ 

Vo^el, gr. 80., 22 Bogen) . Aufierdem 
war Wenricd bis an sein Lebensende 
Mitarbeiter der von 1818—1849 oei 
G e r o 1 d in Wien gedruckten „Jahrbucher 
der Literatur" und besorgte die Durch A 
ficht und Begutachtung der in Sachen 
der hebraischen Literatur fur die von 
A. Schmidl redigirten „Oesterreichischen 
Blatter' 1 eingegangenen Artikel. In 
Handschrift hinterlieB er „Grundlinien 
der Diplomatik mit besonderer Riicksicht 
auf die Urkundenschatze der Deutschen in 
Siebenbiirgen" , wozu Daniel Joseph 
Leonhard's handschrif tliche Sammlung 
von Siegeln und Facsimilien der 
wichtigsten Originalurkunden im sieben» 
biirgischen Nationalarchive, welche derselbe 
der juridischen Lehranstalt in Hermannstadt 
gewidmet hat, einen An» 
hang bildet. Bevor an unseren Orten» 
talisten <821 die Berufung als Professor 
an die protestantisch«theologische Lehr' 
anstatt in Wien ergangen war, halte er 
sich mit mehreren siebenburgischen Ge 
lehrten zu eingehenden Arbeiten uber 
vaterlandische Geschichtsf orschung verbunden, 
halte zu diesem Behufe Vieles 
vorgearbeitet . Manches zum Drucke be> 
reitet, als nun Alles durch seine Berufung 
ins Stocken gerieth. Damit aber 
sollte es noch nicht sein Bewenden haben, 
es gerieth auch die Kiste, welche diese 
Schriften enthielt, auf dem Transporre 
nach Wien in Verlust und ist nicht mehr 
zum Vorschein gekommen. Sein ganzer 
reicher handschrif tlicher Nachlaft, worunter 
sich eine Lebensbeschreibung des Con» 
fucius in deutscher Sprache befand, 
welche er wenige Monale vor seinem 
Tode begonnen, wlnde von der Witwe 
des Verstorbenen der Akademie zum Geschenke 
gemacht, die den Prasidenten 
und einen zweiten Akademiker beauftragte, 
das zur Drucklegung Geeignete 
auszuwahlen. I m Jahre 1873 fragte 
Zarncke's „Literarisches Centralvlatt " 
(Sp. 893 und 1278) an, wo sich Wenrich's 
NachlaB befinde? Die Kronstadter 
„Blatter fur Geist und Gemuth" melderen 
andererseits , daB Wenrich 1846 
wieder eine Abhandlung zur Preisbewer 

Seite 9 



Wurzbach5 5 . txt 
bung — doch sei es unbekannt, an welche 
Akademie, und welches ihr Inhalt gewesen 

— abgeschickt habe . Der Secretar 

der Akademie, als er den iiblichen Nachruf 
hielt, bemerkte zum Schliisse: „ I n 
Wenrich zeigen sich uns die Dornen 
des eigentlichen literarischen Lebens . Nur 
von Wenigen gekannt, von noch Wenigeren 
erkannt, entbehrte er der Ver> 
kunderin seines hohen Werthes; — die 
Akademie ware es gewesen, und sie wird 
das Capital, das einzige, das er seiner 
Familie hinterlieB, seinen Namen treu 
verwahren und dasselbe, so oft von Forschungen 
auf dem schwierigen Felde 
orientalischer Sprachenkunde in ihror 
Mitte die Rede ist, auf die ehrenvollste 
Weise verzinsen." Wenrich hatte sich 
1813 vermalt mit R e g i n a , der Tochter 
des evangelischen Pfarrers Johann 
Haupt in Kelling. Aus dieser Ehe iiber-^ 
Merit, Johann 7 Menusch 
lebten den Vater nur Tochter, deren 
eine, Karoline, seinem Andenken einen 
biographischen Nachruf widmete, der im 
NaoroloZk uiuv6i-861 au . XIX sieois 
seine Aufnahme gefunden hat. Der Ge> 
lehrte wurde zu Wien auf dem Gottesacker 
vor der Mariahilfer Linie bestattet. 
Wittstock, der Wenrich 's Biographie 
geschrieben und ebenso dem Gelehrten 
wie dem Lehrer gerecht geworden, bemerkt 
doch am Schliisse: den Menschen 
in ihm zu zeichnen, fiihle ich, obgleich 
willigen Herzens, meine Krafte zu 
schwach, denn ein Leben laBt sich 
w o h 1 , aber nicht ein Herz beschreiben. 
littoi-awi-eL oriLutale» sto. (?2,i-i5 18^7, 
8".) saus dem S^oi-oIoFe univlilaei au 
XIX sioole' 1 . —Die feierliche Eroff. 
nunqs ' Sitzung der kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaf ten am 2. Februar 1848 (Wien 
J852, Staatsdruckerei, gr 8°,) S. 29. — 
(Kronstadter ) Blatter fur Geist. Ge« 
miith u. s. iv. . 1857, Nr. 26. S. 212 u. f. 

— F r a n kl (Ludw. Aug.) . Tonntaqoblatter 
(Wien. 8".) Jahrgang lsi?. in der Bei» 
lage „Wiener Bute" Nr. 2 1 : „Einer der 
Vierzig" . — Oesterreichische Blatter 
fur Literatur. Kunst . Geschichte. Geographie 
u. s. w. Nedigirt von Doctor A. Adolf 
Schmidt (Wien. 4«.) I V . Jahrn . lo. Juni 
1847, Nr. 138: „Nekrolog" . Verfafit von 
Heinrich Wittstock. — Oesterreichische 

National ' Encyklopadie von G r a f f e r 
und Czikann (Wien 1836. 8".) Bd. V I , 

S. 71. — Pesther Tagblatt . Heraus, 

gegeben von Ed. Glatz (184?) Nr. 433. - 

T r a u s c h (Joseph) . Schriftsteller-Lexikon 

oder biographisch-literarische Denkblatter der 

Siebenbiirger Deutschen (Kronstadt 1871, 

Ioh. Gott und Sohn. gr. 8«.) Bd. Ill, 

S. 493. 

Went, Johann, siehe: Wend, Johann 

Seite 10 



Wurzbach5 5 . txt 
I M . I. IV, S. 372, zu Ende der Bio- 
Went von Romo, Karl, siehe: Wend, 
Johann M . I . IV, S. 273, in den 
Quellen, Nr. 6 A j. 

WeiMsch, Joseph Ritter von (C o mponist, 
geb . zuPottenbrunnin 
Niederosterreich am 10. Mai 181!, gest. 
in Wien am 6. September 1882) . Der 
Sohn eines Pf arrschullehrers , erhielt er 
schon in friihester Jugend Unterricht im 
Gesange, Clavier», Orgel« und Violin« 
spiele, sowie in den Grundziigen des 
Generalbasses . Dabei entwickelte er einen 
solchen vom Talent begleiteten Eifer, 
daB er im Alter von erst neun Jahren 
schon kleine Musikstucke und Tanze 
componirte und bei Ausfuhrung guter 
Kirchenmusik, welche der Vater eben, 
urn seinen talentvollen Sohn noch mehr 
auszubilden und anzueifern, ofter mit 
nicht geringen Opfern veranstaltete, abwechselnd 
als Sopransanger , Violinspieler 
oder als Paukenschlager mitwirkte 
und zum Schliisse der Hochamter immer 
eine Orgelfuge vortrug, freilich ohne ' 
Pedal, da er dasselbe seiner kurzen 
Beine wegen nicht zu erreichen vermochte. 
So war denn Alles danach angethan, in 
ihm den EntschluB zu zeitigen, sich ganz 
der Musik zu widmen und zuletzt zum 
Compof lteursich auszubilden. Von diesen 
Gedanken erfullt, richtete er denn auch 
seine weitere Ausbildung danach ein, 
pragte sich schwierige Musikstucke so ein, 
daB er sie fehlerlos aus dem Gedacht» 
nisfe vorzutragen im Stande war, und 
machte sich allmalig an den Vortrag 
eigener Kompositionen, die er dann auch 
niederschrieb . I m Alter von zwolf 
Jahren erhielt er noch auf sein beson« 
deres Bitten Unterricht auf der Clarinette, 
fur die er eine besondere Vorliebe 
hatte, spater noch auf dem Waldhorn 
und der Trompete, welche letztere zwei? 
Menusch 8 Menusch 

er vornehmlich darum kennen lernen 
wollte, urn sich iiber ihre Natur und ihre 
Eigenthumlichkeiten, sowie iiber ihre Wir 
kung bei der Instrumentation genau zu 
unterrichten . Als er dann vierzehn Jahre 
alt war, vollendete er die Kenntnisse 
seines Spieles auf verschiedenen Instrumenten 
noch durch jenes des Cello und 
des Contrabasses. Da er denn, wie es 
der Vater wiinschte, den Lehrerberuf er« 
greifen sollte, horte er den padagogischen 
Curs in St. Polten, welchen er 1827 
im Alter von 16 Jahren mit Auszeich' 
nung beendete. Als es nun aber dazu 
kam, eine Lehrerstelle au einer Volks' 1 
schule zu iibernebmen, war dies doch 
nicht nach seinem Sinne; und vielmehr 
entschlossen, sich ganz der Musik zu wid. 
men, erwirkte er durch vieles Bitten 

Seite 11 



Wurzbach55 . txt 
endlich 1828 vom Vater die ErlaubniB 
zum Aufenthalte in Wien, urn sich dort 
unter der Leitung eines gediegenen Ge» 
neralbaBlehrers vollends in der Musik 
und namentlich auch in der Komposition 
auszubilden. I n Wien aber, wo er mit 
mehreren erfahrenen Leuten, die ihm 
ebenso wohlwollten, als sie die Klippen 
einer ausschlieBlich musicalischen Laufbahn 
kannten, zusammenkam, wurde er 
durch sie bald auf die Schwierigkeiten 
seines Vorhabens aufmerksam gemacht 
und ihm von den Wohlmeinendsten der 
Rath gegeben, sich nicht ausschlieBlich der 
Musik zu widmen, sondern einen solchen 
Beruf zu wahlen, welcher ihm fur die 
ganze Lebenszeit einen sicheren Erwerb, 
fur das hohe Alter aber die Aussicht auf 
einen sorgenfreien Ruhestand und nebenbei 
noch immer so viel MuBe gewahre, 
seine Lieblingskunst , die Musik, zu pfle» 
gen, und wenn er wirklich die Begabung 
dazu besitze, auch in der Composition sich 
zu iiben. Nach reiflicher Ueberlegung erkannte 
er nicht nur das Wohlmeinende, 
! sondern' auch das Richtige dieses Rathes 
und schritt auch sofort zur Ausfiihrung 
desselben. Er schrieb sich als Zogling 
des polytechnischen Institutes ein und 
beendete bis 1832 die damalige Realschule 
und die Abtheilungen der technischen 
Facher. Dann trat er im Mai 1833 
als Practicant bei der damaligen Hof» 
kriegsbuchhaltung ein, und allmalig vor» 
riickend, beschloB er bei der an ihre Stelle 
getretenen k. k. Militar - Rechnungs» 
controlsbehorde seine active Beamten» 
laufbahn im October 1873 als Militar- 
Oberrechnungsrath erster Classe. Beim 
Uebertritt in den Ruhestand wurde er 
fur seine verdienstvolle amtliche Wirksamkeit 
mit dem Orden der eisernen Krone 
dritter Classe ausgezeichnet , worauf fta> 
tuienmaftig seine Erhebung in den 6ster» 
reichischen Ritterstand erfolgte. That» 
sachlich lieB ihm sein amtlicher Beruf 
immer noch MuBe genug, seiner Lieblingsneigung 
zu huldigen, und alle seine 
freie Zeit, insbesondere aber die Morgen« 
stunden, widmeie er dem Studium der 
Musik u.nd wenn ihm die Muse lachelte, 
der Composition. I n den Jahren 1830 
und 183t hatte er bei Joachim Hoff» 
mann "Bd. I X , S. 170, Nr. 16", einem 
gediegenen Lehrer der musicalischen 
Theorie und des Generalbasses , Unter« 
richt genommen, nebenbei aber sich mit 
dem Studium der anerkanntesten Autoren 
der Compositionslehre und des Contra* 
Punktes, so mit den Werken von 
A. R e i c h a , Dr. Adolf Marx, 
Dr. Gottfried Weber und Anderen 
beschaftigt. Mit diesen Studien und den 
damit verbundenen praktischen Ausar» 

Seite 12 



Wurzbach55 . txt 
beitungen verband er fieiBiges Lesen von 
Partituren groBer Meister, das Anhoren 
gediegener Musikauf fiihrungen, das 
Selbf tspielen classischer Tonwerke und die 
Lecture f achmannischer Kritik. > So vor«? 
Wenusch 

bereitet, schritt er dann in seinen Weihe» 
stunden zu eigenen Schopfungen, deren 
vollstandiges VerzeichniB, sowohl der ge ! 
druckten als der ungedrucktm, unten 
f olgt . I n diesen Arbeiten zeigt sich W enusch 
als gediegener Praktiker guter 
Schule, nicht fur sensationellen Vortrag, 
aber fur empf indungsvolles von der 
Stimmung echter Kunstweihe getragenes 
Spiel. Seine Kompositionen im Lied 
und im Kirchenjtyl gehen iiber den Cha 
rakter des Versuches nicht hinaus, sind 
aber regelrecht und treffen den rich» 
tigen Ton. 

Vollstandiges VerzeichniB der Compos it ioncn 
von Joseph Ritter von Wenusch. sDas zwi» 
schen Verlnaoort und Verleger gesetzte I a 1 ' r 
bedeutet da? Iabr der Comp- 'Ntion . A I. I m 
Druck erschieneneCompositionen . , . Streich 
quartett" Op. 1 (Bonn 1844, Timrock) . - 
„Abendglocklein . Gedicht oon Weschel. Lied 
mit Clavierbealeituna . " Op. 2 (Wien 1839. 
Diabclli) A — „/'ve Hlaria. Text von Hel« 
ler. Fur Gesang, mit Begleitung von' (51a> 
vier. (Hello oder Viola" Op. Z (Wien 1862, 
Witzendorf) . — „Drei Lieder mit Clavier, 
begleituna. A ) Iagerun^luck . Von Moriz 
Warkl>Werner; -) Der arme Sanger. 
Von L c b r e t ; 2) An die Feme. Von Jean 
Charles" Op. 4 (Nien 1862. Ant. Goll). 

— „Vier Nondmos fur C'avier" Op. 5 
(Wien 1832. Witzendorf) . — „Praktischer 

Wegweiser zur Vir.uosiiat im Clavierspiele" . 

I . Tdeil: „Tonleiterubung< 'N in zebn brillan« 

trn Etiiden, m't Bezeichnung deo Fingersatzes 

auf uier Hande" il) Hefle. (Dp. 6. - I I . Theil: 

„Die nothwendigsten Fingeriibungen auf dem 

Clauier als brillante Musikstiicke in Form 

von Etiiden zn hauslichen Productionen" 

3 Hefte. Op. 7 (oicsea uno das vorige N'en 

j8 A >i-18 :»<; . Spina) -till. Theil: „Prak 

tische Anleitung zum schonen Vortrage fur 

Anfanger im Claoierspiele" 11) Nummern in 

6 Heften. Op. 8 (ebd. 1862) . - „8klvo Ks- 

Ziull. Solo fur Sopran oder Tenor und 

Violine, mit Begleitung von Orchester oder 

von Claoier" 0". 9 (Wien i854, Tpina) . 

— „Brillante Uebungsstiicke fur das Pianoforte" 
Op. 10. 12 Nummern in 4 Heften 

, (Wien 18U3. Hasliniier) . — „D A e fcobliche 

Jugend. Lichte Tanze mit Bezeichnung des 

Menusch 

Fingersatzes, i. Heft: Walzer und Polka ->u 

zwei Handen; A . Heft: Quadrille zu zwei 

Handen; 3. Heft: Walzer zu vier Handrn; 

4. Heft: Quadrille zu vier Handen" Op. i i 

(Wien 1863. Witzendorf>. — „Rondino im 

leichten Style fur das Pianoforte" Op. 12 

Seite 13 



Wurzbach55 . txt 
(Wien 1863. Wit zendorf j . — . . Wachtelschlag 
und Kuckukruf. 2 Nonoinos fur das Piano« 
forte zu vier Handen" Op. 13 (Wien 18<»5. 
Haslinger) . — „Leichte Etiiden, mit besonderer 
Beriicksichtigung der Tonleitern fur das 
Pianoforte. 21 Nummern je zu einer Ton« 
leiteriibung und einem melodischen Trio" 
4 Hefce. Op. 1 i (Wien 18«7. Goll). - 
„Vrillante Uebungen mit besonderer Veriick« 
sichtigung der Tonleitern" Op. 16 (ebd. 
186V) . — „Leichte Melodien fur das Piano» 
forte mit Notenlehrubungen fur Anfanger" 
6« Nummern in 5 Heften. Op. 16 (cbd. 
1870), — „ M m fleiBigen Anfangcm des 
Pianospiels zur Erkolunq gewidmet . 50 me» 
lodische Originalstucke" 4 Hefte, Op. j? (rbd. 
187U) . — „Tonatine fur das Pianoforte 
oline Octavenspannung und mit Bezeichnung 
des Fingersat zes " Op. 18 (ebb «873) .11. Un< 
gedruckte in Handschrift vorhandene 
Compositionen . ») Lieder fur eine 

Singstimme niitKlavierbegleitung 
') „Armes Herz". Von Tbeodor Korner, 
») „3el'nsucht" . Von Scl)iller, A ) „?er 
Bergmann" . Von Emmy. A ) „Der Anruf " . 
Von R.-.-s. 6) A .Mochl' ein Poglein sein" . 
Von Qesterlein. A ) „Liebesgabe" . Von 
demselben. ') „Der Ungenannten" . Von 
Uhl and A ) „Die Heimkcdr des Orcnzers" 
A ) „Kriegerscherz " ") „Vlume, . sprache" . 
" ) „Lirbesrosen" . " „Die Wolken" . A ) „Tler« 
nengrufi" . Nr. 8— I A i uon Moriz M a r k 1 ' 
Werner. " ) „Der Liebe Leichmbegangnih" . 
Von Heine. ") „Die Wehmut ! ) " . Von 
Goetbe, "> „Trinklied" . Von Doczkal. 
— b) Lieder fur vier Mann er st im« 
men: ') „Der Wahrheit Hochgesang" . 
") „Geistliches Lied". Von N o v a 1 i s . 
") „Wijrde der Frauen" . Von Schiller . 
5) „Vaterunser" . Von Lothar Fiirst M e t« 
ternich. Tohn. 5) „Trinklied" . Von Bonn» 
steten. — «) Can t a t e : „Die Freund« 
schaft". Gedicht von Schiller . In Mmt 
gesetzt fur Solo. Chor. Tingstimme mit Be. 
gleitung einea kleinen Orchesters (1849) . — 
a) Musikdramen (Gesang mit Clanier« 
be A , leitung) : „Der Ka A g" und „Feodore". 
2 Operetten von Kotzrbue (18i A ). ,,Kos,'ik 
und Freiwilliger " Liederspiel von Kotzebue? 
Menusch 10 Mensel. Andreas 

(1830) . — o) Kompositionenfur Cla« 
v i e r zu zwei Handen: 1) Drei Melo« 
dien: I>«, 5tol-2 . I<? . aa, !!« A ouci. I A ' inuockncs 
(1854). A ) „Fortschreitende melodische Uebungs» 
stiicke fur Anfanger im Clauieispiele mit einer 
Begleitung acl libitum fur e.ne Hand". 
A4 Nummern (1«56) . A ) „Abendgesange" . 
24 Nummern (1834) . A ) „Fortschreitende 
Fingeriibungen fur das Claoier in Form 
von Variationen iiber ein Originalthema" . 
48 Nummern (1866) . 5) „Hundert kurze 
brillante Tonstiicke als Finger« und Ge« 
dachtnifiubungen" (1870). ") „Siebzig verschiedene 
Melodien" (187!). ?) „Die ersten 

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Wurzbach5 5 . txt 
Tonleiteriibungen im Claoierspiele" (1878). 
") „Die ersten Fingeriibungen fur Anf anger 
im Clavierspiele in Form von Variationen 
mit beliebiger Begleitung einer Second« 
stimme" (1878) . — k) Compositionen 
fur das Klavierzu vier Handen: 
i) „Zestmarsch" (1848). ") „Zwei Nondinos" 
(1850) . A ) „Zwei Partien brillante Etiiden« 
Walzer" (1853) . - x) Sonaten fur 
Clauier zu zwei Handen: A ) A Sonatine 
in <7-cill?>", ») "in .1-mo//", A ) „in 0-ciitT»". 
A ) „in <?-iilt7>", alle. uier im leichten Styl. 
5) „Sonate in /)>mo/i", 6) AA A s-cki/T'", 
A ) „in D-?no//". s) A in H's-clu,-". innerhalb 
der Jahre 1871—1378 componirt. — K) Sonaten 
fur Claoier zu vier Handen: 
1 ) „Sonatine in A »till?«" (1876), ") „in 
F'-HuT- (1876). ") „in 0-Htt?»" (1876) 
A ) „Grofie Sonate" (1871) . - i) Sonaten 
furVioline und Clavier : A ) „GroBe 
Sonate in t7-«lo A ", bestehend aus Allegro, 
Adagio und Scherzo (1846) . ") „Sonatine 
in <7>clil?-". A ) „in F-cku?-". A ) „Sonate in 
<7-cku A ", 5) A /) .cktt7>" (diese vier compo» 
nirt 18??), A ) „in 6-ckltT-". - k) „PHan» 
tasie in FVs>7,«>tt", fur das Clavier zu zwei 
Handen (1868) . - 1) Trio fur V i o 1 i n e . 
Cello und Clavier: ') „Trio in D-ck«?-', 
-) „in A l..?,iott". 2) A in <3>mo//" (1866). - 
m) (5 lavier» Quartette: ') „Quartett in 
A -mo/i" (1847). -) „in F'.HuT-" (1833). 
A ) „in F«-cku A " (1846) . - n) Quintette : 
' ) „Quintett fur 2 Violinen, Viola, Cello 
und Piano in <7-,no//" (1847), 2) „Quintett 
fur 2 Violinen. 2 Violas und Cello in 
6-mott" (1833) . 2) „Quintett fur 2 Violinen. 
1 Viola und 2 Celli in D-mo/7 (1846) . - 

0) Streichquartette : A ) „in F'-cku?-" 
(1843). -) „in A ..mo//" (1843). A ) A N 

A .'.elil?-" (1848), A ) „in A 'Hli?-", mit Fuge 
im Finale (1846) . — 9) Kirchenmusik : 

1) „Festmesse in A -H» A ", fur vier Solo» und 
Chorstimmen mit vollem Orchester (1330); 

2) „Festmesse in D-H«?'", fur vier Solo, wie 
oben (1851); ') „Festmesse in D-clu?-". fur 
Singchor mit vollem Orchester (1852),- 

4) „Pastoral ' Festmesse in H-H A ", fijr vier 
Solo- und Chotstimmen mit vollem Orchester 

(1833); 2) „Kurze Messe in S - a A " , fur 

Singchor mit Orchester (1853); °) „Festmesse 

in S-cll/7-". wie Nr. 1 (1877); 7) „Festmesse 

in F'-H A ". wie Nr. 1 (1879) ; - <i) Gra< 

d u a 1 i e n und Qffertorien : A ) „ A .soonait 

veu»" (1831); A ) „Venoaiows" (1851); 

A A Oki-i5w5 natua" (1831) . A ) A v s 

A lariH" (1831); ") AA A titncia" (1832); 

«) «Leatua vii-" (1833) ; ?) «lDiunsL I A uoU" 

(1835); «) A udiiato" (1836), alle bisher 
genannten 1 bis 8 fijr vier Singstimmen 
mit Orchester und Qrgelbegleitung : s) „vsus 
Nilzersawr", Solo fijr Sopran mit Orgel« 
begleitung (186!i); " ) „?atsi- nostsr", Solo 
fijr Alt« oder BaBstimme und Cello, mit Begleitung 
des Orchesters und der Orgel (1835) . 

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Wurzbach55 . txt 
" ) „ v e z ) rokun< ji5 " , 129. Psalm, Solo fur 
Alt und Viola. Solo mit Orchester« und 
Orgelbegleitung (1880) . seine letzte Com» 
Position . 

Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt) 
1882. Nr. 6477. Morgenblatt . Seite 5 k 
und 14 a. 

Wenzel, Alphons, siehe.' Wenzel, 
Johann A S. 49, in den Quellen, Nr. A . 
Wenzel, Andreas (64. Abt des 
Benedictinerstistes Schotten in Wien, 
geb . zu Wien am 4. Marz 1739, gest. 
daselbst 17. November 183t) . Nach 
dem friihzeitigen Tode des Vaters, eines 
gemeinen Soldaten, erwirkte die mittel« 
lose Witwe fur den Knaben, der in der 
Taufe den Namen Joseph erhalten 
hatte, eine Zuf luchtsstatte im kaiserlichen 
Waisenhause zu Wien. I n dieser Stadt 
besuchte er dann bei den Plansten die 
Grammaticalclassen, und als er 17 Jahre 
zahlte, trat er aus eigenem Antriebe in 
das Benedictinerstif t bei den Schotten 
ein, wo er seine Studien fortsetzte und 
am 12. Marz 1783 das Ordensgeliibde^ 
ablegte, bei welcher Gelegenheit er seinen 
Taufnamen Joseph mit dem Kloster« 
namen Andreas vertauschte. Am 
1 Wen.;tl, Andreas 

dessen Noth ; u dienen, gab dau Stift sein 
Silber hin. Es trug die schweren Lasten 
der f ranzosischen Occupation. Das Klo« 

22. Juni desselben Jahres las er die ster, das 200—300 Mann im Quartier 
erste Messe. 1786— «798 versah er den hatte und mit Allem verpflegte, glich 
Dienst eines Cooperatois an der damals 
neu errichteten Pfarre St. Lorenz am 
mehr einer Kaserne als einem Ordenshause. 
Der Feind hauste mit erbar- 

Schottenf elde und wirkte dann in gleicher! mungsloser Willkur. Aus dieser Zeit 
Stellung an der Stif tspf arre . 1806 ! wird der nachstehende Zug des Pralaten 
iibertrug ihm Abt Benno die Leitung 
der alten Stiftspfarre St. Ulrich. Nach 
dem am 14. Februar 1307 erfolgten 
Tode des Abtes Benno Pointner 
'"Bd. XXIII, S. 33^ wahlten ihn seine 
Mitcapitularen am 18. Juni 1807 zum 
Nachfolger desselben, und am 9. August 
empfing er die Pontif icalien und die 

I n f u 1 . I m Jahre 1809 wurde er ksotoiinAAniuaut; 
der Wiener Universitat, am 
26. Februar 1814 Director der theologi» 
fchen Studien, dann Beisitzer der Stu> 
dieivHof commif f ion und wirklicher nieder» 
erzahlt. Das Vermogen des Stiftes be° 
stand hauptsachlich in den vollen Weinkellern. 
Diese sollten nach der Schlackt 
von Aspern auf feindlichen Befehl geleert 
werden. Das Gebot war so grausam, 
daB sogar ein feindlicher Obercommissar , 
der damals im Stifte im Quartier lag, 
dariiber entriistet, den Abt fragen lieB, 
ob er denn nicht den Muth habe, sich in 
Person vor die Thiir des Kellers zu 
stellen und tapfer den Eintritt zu ver» 

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Wurzbach55 . txt 
wehren? Abt Andreas bejahte ohne 
Bedenken und stand urn die vierte Nach» 
osterreichischer Regierungsrath, 1818 zum ! Mittagsstunde, fur welche der fremde 

zweiten Male Kttowr N^iliKouft und j Commissar angesagt war. auf dem Posten, 

am 20. April 1819 k. k. Hofrath. M i t ! Der Commissar erschien mit Gefolge, urn 

diesen Andeutungen sind die auBeren A die Fasser in Empfang zu nehmen. Als 

Ehren und Wiirden unseres Pralaten ! er den Abt Andreas vor der Thiir sah, 

abgeschlossen . Wir werfen nun noch einen ! stutzte er erst, dann tobte er und 

zuckte 

Blick auf seine vielseitige Wirksamkeit j drohend seinen Degen, aber fest und 

unals 

Abt. Als eine seiner ersten Thaten 

in dieser Stellung ist die Errichtung des 

bewegt, ohne die geringste Furcht zu 

verrathen, ganz des Sohnes eines ofter» 

Stiftsgymnasiumszu bezeichnen, reichischen Kriegsmannea wiirdig, 

bleibt 

das am 4. November 1807 erof fnet ! der Abt in seiner Stellung, bis endlich 

wurde; heute noch zahlt diese Lehranstalt der Abgeordnete doch, keine fernere 

Gezu 

den gediegensten der Monarchie, und A waltthat wagend, wuthergrimmt abzog. 

Zoglinge derselben, gleich denen deS I Aber das Vermogen des Klosters war 

Stiftes Kremsmunster , gelten immer als 

bevorzugt. Schwere Zeiten traten fur 

das Stift im Kriegejahre 1809 ein. Es 

trug reichlich zur Ausriistung des 4. Bataillons 

der Wiener Freiwilligen bei, 

welches bei Ebersberg und in den nachf olgenden 

Gefechten und Schlachten so 

gerettet. Dagegen erlitt das Stift durch 

die wilde Soldateska, die iiberall scho» 

nungslos hauste, unerset zlichen Schaden, 

die Klosterhofe zu Ottakring und Enzersdorf 

wurden geplilndert und verheert, 

ein Gleiches war in Eggersdorf und 

Gaunersdorf der Fall, wo iiberdies 

riihmlich kampfte. Dem Vaterlande in ! Pfarr Schulhaus und Kircken einer van-? 

Mensel, Andreas 12 Andreas 

dalischen Verwiistung anheimf ielen, und 

ahnliches Geschick erlitten die Pfarreien 

des Stiftes zu Hobesbrunn, Martins» 

dorf, Brekenlee, Stammersdorf , Pulkau 

u. a. Der Abt wirkte in dieser ver> 

hangniftvollen Periode mit der ganzen 

Macht und dem Ansehen seines heiligen 

Amtes, urn Ungliick und Schadigung zu 

verhijten und die erlittenen Schaden zu 

heilen. Er war Mitglied des verstarkten 

standischen Ausschusses zur Berathung 

und Besorgung der "andesangelegen* 

heiten, dann der Deputation, welche von 

dem siegreichen Kaiser Napoleon in 

Schonbrunn uin Schutz fur Wien bat. 

Durch sein Verbalten in dieser traurigen 

Zeit hatte er sich so sehr das allgemeine 

Vertrauen erworben, dafi> ihm die Stande A 

die erste erledigte Stelle eines AusschuB» 

rarhes verliehen und ihm spater der Pralatenstand 

das Amt eines Abgeordneten 

iibertrug. Als von Seite der kaiserlichen ! 

Negierung an die Stifte die dringende ! 

Aufforderung erging, dafiir zu sorgen, ! 

daB es unter den Ordensmitgliedern 

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Wurzbach5 5 . txt 
nicht an gediegenen Vertretern der Wissenschaf ten, 
namentlich der theologischen 

und kirchengef chichtlicken, fehle, richtete 
Abt Andreas sein besonderes Augen» 
merk auf die wissenschaftliche Richtung 
und Ausbildung feiner Capitularen, und A 
treffen w!r in der Zeit, in welcher er seine' 
abtliche Wiirde trug, unter denselben: 
den Orientalisten Andreas Oberleitner, 
den gelehrten Theologen Paul 

H o f m a n n , die Kirchenhistoriker Bernard 
Wagner und Leander Konig, 
den gediegenen Schulmann Meinrad 
31ch 5 enste i n e r , den Naturf orscher und 
Mathematiker Ernest Kuschel, den Padagogen 
und Philologen Berthold Sengs 
ch m i d t , den Homileten Adrian 
G r a t s c h , den Patristiker Lambert 
Mick und den Humanisten Maximilian 
Rumelsberger , welcher der Erste 
roar, der in Wien zu Gunsten der Armen 
die Neu jahr-Enthebungskarten einfuhrte. 
Dabei behielt er fest im Auge ebenso die 
Auf rechthaltung der klosterlichen Ordmmg, 
wie die okonomischen Verhaltnisse 
des Stiftes, die unter seiner Oberleitung 
laugsam, aber stetig gediehen. Die Stifts« 
kirche zu den Schotten in Wien bewahrte 
ihre Anziehungskraf t fur die christliche 
Bevolkerung, wozu das wurdevolle echt 
priesterliche Verhalten der Capitularen 
in nicht geringer Weise beitrug, sowie 
auch in alien iibrigen Verhaltnissen des 
Stiftes ein gesundes Gedeihen sich kund» 
gab. Noch eins war dem Pralaten be' 
schieden, Entwurf und Beginn des 
Baues im groBen Schottenhofe und die 
Auffiihrung des neuen Conventgebaudes, 
womit sich derselbe ein dauerndes Denk« 
mal selbst gesetzt hat. Am 6. April 183 1 
fand die Grundsteinlegung zu dem neuen 
Schottenstif te durch den damaligen Kron- 
Prinzen Konig Ferdinand V. in Gegenwart 
der Erzherzoge Franz Karl, 
Karl, AntonVictor und Ludwig 
in f eierlichster Weiser. Weise statt, doch 
die Vollendung der von ihm begonnenen 
groBen Bauunternehmung sollte der Abt 
nicht mehr erleben. I m Spatherbst 183 1 , 
an der Schwelle seines f iinf zig jahrigen 
Priester jubilaums stehend, beschloB er 
seine irdische Laufbahn, das Andenken 
eines wiirdigen Vorstandes seiner Abtei, 
die er durch nahezu ein Vierter jahrhundert 
und in schweren Zeitlauften ge« 
leitet, hinterlassend. 

Pietznigg (Zran;) . Mittheilungen aus Wien, 
Zeitgemalde des Neuesten und Wissens 
wiirdigsten u. s. w. (W en 1832. I . P. Sol< 
Under. 8".) Bd. I I (!833) S. to(): „Andreas 
Wenzel. Abt des Stiftes Schotten". — 
Oesterreichi sches Archiv fur Geschichte, 
Erdbeschreibung u s. w. (Wien, 4".) t8 A l. 
Nr. J44, S. 370: „Wehmuthige Erinnerung" .£ 

Seite 18 



Wurzbach55 . txt 
Gottfried Immanuel A 3 Wenzel, Gottfried Inimanuel 
— Hauswirth (Ernest v r . ) . AbriB einrr 
Geschichte der Benedictineibtei U. L. F. zu 
den Schotten in Wien (Wien 1838. Mechita» 
ristewDruckerei . gr. 4°.) S. io?— 163. 
Wenzel, Bernhard, siehe: Wenzel, 
Johann > A S. 19, in den Quellen, Nr. 2 A j. 
Wenzel, Christoph, siehe: Wenzel, 
Johann A S. 20, in den Quellen, Nr. 3 A . 
Wenzel von Uffenberg, Franz, siehe: 
Wenzel, Iohannn j A S. 20, in den Quellen, 
Nr. 4 A . 

Wenzl, Franz, siehe: Wenzel, Johann 
A S. 20, in den Quellen, Nr. 3 A >. 
Wenzel, Gottfried Immanuel spada» 
gogischer und philosophischer Schrif tsteller , 
geb . zu Chotzen in Bohmen 
am 13. Janner 1734, nach dem einzigen 
von ihm vorhandenen BildniB erst 1738, 
gest. zu Linz 4. Mai 1809). Seine 
Studien begann er in Prag und voll» 
endete sie an der Hochschule zu Wien, wo 
er auch den philosophischen Doctorgrad 
erlangte. Mehrere Jahre lang stand er 
in Privatdiensten und zeigte sich als 
padagogischer und philosophischer Schrift« 
steller ungemein thatig. 1800 erhielt er 
endlich die Professur der theoretischen 
und praktischen Philosophie am k. k. 
Lyceum zu Linz, mit welcher auch der zeitweilige 
Vortrag der allgemeinen Welt» 
und deutschen Reichsgeschichte verbunden 
war. Nur neun Jahre hatte er im Lehramte 
gewirkt, als er im Alter von 
33 Jahren zu Linz starb. Wenzel, 
dessen schriftstellerische Thatigkeit gerade 
in die Zeit der Reformen des Kaisers 
Joseph in Oesterreich und des Aufbliihens 
der Kant'schen Philosophie in 

Deutschland fallt, ist eine der eigenartigsten 
Personlichkeiten in der zweiten Halfte 
des vorigen Jahrhunderts und als 
Schrif tsteller im Iosephinischen Oester< 
reich, wo alles im Werden und Wachsen 
begriffen war, weit einf lufireicher , als man 
bisher geneigt war, ihn anzusehen. Er 
war Padagog, Philanthrop, Philosoph, 
ja wohl der erste selbstandige philoso» 
phische Schrif tsteller in Oesterreich, der 
sogar, es ist nicht unsere Sache, zu untersuchen, 
ob mit Recht oder llnrecdt. 
mit oder ohne Erfolg, unbestritten mit 
dem Muthe des Denkers und mit einer 
gewissen Logik gegen Kant auftrat, 
viel und gern gelesen wurde und auch 
nicht ohne EinfluB blieb. Er schrieb viel 
und allerlei; die verschiedenen Disci» 
plinen der Philosophie, Logik, Psycko» 
logie, Ethik, Metaphysik, Biologie und 
Padagogik waren alle Gegenstand seiner 
Feder, und er schrieb leicht, faBlich und 
gut. Man nannte ihn seinerzeit den 
osterreichischen Eckartshausen, wie 
dieser der bayrische Wenzel hieB . Aber 

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Wurzbach5 5 . txt 
Wenzel iiberfliigelte weit den bayrischen 
Rationalisten . Er war mannigf altiger , 
kenntniBreicher , wissenschaf tlicher . Er hat 
wohl nahezu ein halbes hundert Werke, 
deren Ba.-idezahl nicht weit vom vollen 
Hundert fallen diirfte, geschrieben und in 
vielen derselben Gebiete beriihrt, welche 
damals noch wenig betreten waren. 
So zum Beispiel lieferte er ganz gute 
und lefenswerthe Beitrage zur Thler» 
seelenkunde, welche eine scharfe Oeob» 
achtungsgabe verrathen und uns Ein» 
blicke in das Leben und die Fahig» 
keiten jener Wesen eroffnen, die, wenngleich 
sie zum Theile mit und neben uns 
leben, doch am wenigsten beobachtet 
werden, so sehr auch sie Beobachtung 
verdienen. Seine padagogischen Schriften 
enthalten aber goldene Wahrheiten, und 
eine Auslese derselben wiirde manche 

Schrift weit iibertreffen, die heute in Goldschnitt 
und elegantem Einband ungelesen 
auf dem Prunktisch eines Frauengemaches? 
Wendel, Gottfried 7nnmanuel 14 Wendel. Gottfried I 
den ungestorten Schlaf schlaft. Heute 
noch erfreut sich ein Buch Wenzel 's 
groBer Beliebtheit, ohne daB nach dem 
Autor weiter gefragt oder iiber dessen 
Lebensumstande Nachf orschung gehalten 
wiirde. Wir meinen seinen „Mann von 
Welt", der noch vor einigen Jahren fur 
die Gegenwart umgearbeitet , die drei« 
zehnte Auflage erlebte und sich wie 
Knigge ' s „Umgang mit Menschen" 
noch immer der Theilnahme jener Leser 
erfreut, denen es nicht gegonnt ist, von 
Jugend auf sich auf dem Parquet des 
Salons heimisch zu fiihlen. GewiB aber 
ist es der beste Beweis fur die Popularitat 
eines Buches, wenn man der bereits 
wiederholt umgearbeiteten Auflage doch 
immer wieder den Namen des ersten 
A u t o r s voransetzt, der in die Seelen 
der Leser einzudringen verstanden hat. 
I n seinem ganzen Wesen munter und 
beweglich, besaB Wenzel Witz, groBe 
Belesenheit und eine seltene Vertrautheit 
mit den geistigen Erscheinungen des 
Tages. Jedes gute Buch elektrisirte ihn 
formlich, und wenn es in einer fremden 
Sprache erschienen war, suchte er sofort 
einen Verleger fur die deutsche Bearbei> 
tung zu gewinnen. Und bei der Ueber« 
redungsgabe, die er besaB und den zuthunlichen 
Manieren, die ihn Niemands 
Feind werden lieBen, gewann er bald 
den Einen oder den Anderen fur sein 
Project. Als er als Professor der Philosophie 
nacb Linz kam, verlieB er nur 
schweren Herzens Wien, dessen damals 
aufbliihender Buchermarkt fur ihn eine 
geistige Weide war und wo er mit den 
Verlegern einen lebhaften Verkehr pstegte. 
Wohl fand er auch in Linz an Eurich 

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Wurzbach55 . txt 
einen wohlwollenden und unternehmenden 
Verleger, der ihm manches gute 
Buch druckte und ihm, wenngleich mit 
mafligen Honoraren, doch aus der Noth 
half, denn Wenzel litt, wie auch noch 
heutzutage die meisten Schriftsteller, an 
einem grausamen Uebel: er hatte nie 
Geld und solches immer von. Nothen. 
Seine alphabetische Encyklopadie der 
Philosophie, welche in zwei Banden bis 
zum Buchstaben H gediehen war, wurde 
in der Fortsetzung durch, seinen Tod 
unterbrochen . 

Uebersicht der im Drnck erschienenen Werke 
van Gottfried Immanuel, Wendel. „Philoso« 
phische Werke vermischten Inhalts" (Wien 
1781. Ghelen. 8".). - „Der Philosoph. Ein 
periodisches Werk" 12 Stlicke oder 4 Bande 

(Wien 1781 und t?82. Ghelen. gr. 8".). - 
„Freimuthige Briefe iiber Religion, Geist« 
lichkeit und die Verwaltung gottesdienstlicher 
Aemter" (Wien 1782. Ghelen. 8°.). ist ano< 
nym erschienen. — „Freimiithiger Briefwechsel 
aufgehobener Nonnen mit einem Laien" 

(Nien 1783. 8") . — „Abhandlungen aus der 
physikalischen und moralischen Crzieyungs« 
kunst" (Prag 1788. Widtmann. 8".). - 
„Dramatische Werke" 2 Theile (Prag 1788. 
Widtmann. 8") . — „Auserlesene Schriften 
philosophischen und physikalischen Inhalts" 
lcbd. 1789. 8'.), - „Blicke in die Natur" 

(Prag 1793. Buchler. 8".). - „Geister«. 
Wunder«. Heren« und Zaubergesch ' chtcn . vor» 
zuglich neuester Zeit" (Prag 1794. Schon» 
feid. 8".) . — „W6rterbuch der Gesundheit, 
welches alle diejenigen Dinge kurz und 
deutlich erklart, die die Erhaltung des ge« 
sunden Zustandes entweder befordern oder 
demselben nachtheilig sind" (Wien 1793. Pci» 
zowsky. 8".). — . .Naturbuch" (Wien 1793. 
Pazowsky. 8° .) . — „Das Buch fur alle 
Menschen" (W en. 1793. Pazowsky. 8".). - 
„Versuch eines Sittenbuches fur den Nahr» 
stand oder allgemein faBliche Anweisungen 
weise und gliicklich zu leben" (Wien 1796, 
Schaumburg. 8") . — „Dramatische Erzal) « 
lungen aus dem Gebiete des Wunderbaren" 

(Wien 1796. 8".) . erschienen ohne Augabe 

seines Namens . — „Beobachtungen und 

Versuche iiber einige interessante Gegenstande 

der Physik. Naturgeschichte . Chemie und 

Oekonomie" (Wien 1796. Schaumburg. 8° . ) . 

— „Auserlesene Ecziehungskenntnisse . praktisch 

bearbeitet fur Eltern und Erzieher" 4 Theile 

(Wien 1796. Schaumburg. 8".) . — „Drei 
Biicher von den Pflichten der Mutter" (Wien^ 
Wenzel, Gottfried Iinmanuel 1 
1796. 8".) — „Vadagogisck) e Encyklopadie, 
worin in alphabetischer Ordnung fur Vater, 
Mutter, Erzieher. Hebammen, Ammen u. s. w 
enthalten ist" (Wien 1797. gr. 8°.). - „Ueber 
Ammen. Kinder. Frauen und Warterinen, 
ein nothwendiger Unterricht fur Eltern, die 
dergleichen Personen fur ihre Kinder unter« 

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Wurzbach55 . txt 
halten mussen" (Wien 1797. Schaumburg . 
8") . — „Wichtige Erinnerungen an Eltern 
in Hinsicht des Einflusses der Dienstboten 
auf den physischen und moralischen (ihu» 
rakter der Kinder" (Wien 1797. Schaum« 
burg. 8".) . — „Drei Biicher von den Pflichten 
der Vater. Nebenstiick zu den drei Biichern 
von den Pflichten der Mutter" (Wien 1797. 
8".) . — „Alphabet edler Vergniigungen und 
Freuden oder Angabe und Beniitzung der 
physischen und moralischen Vergniigungs ' 
quellen in der Natur" (Wien 1800. Anton 
Doll, 8".) . — „Diatetik der menschlichen 
Seele oder Gesundheit des Herzens, Verstan» 
des und Willens u. s. w. Ein Seitenstiick zu 
Hufeland' s „Kunst das Leben zu verlan» 
gern"" (Gratz 1800. Tusch; 2. Aufl. 1802). 
— „Unterhaltungen iiber auffallende Geister» 
erscheinungen . Traume und Ahnungen nebst 
Darstellung anderer sonderbarer Beobachtun» 
gen" (Gratz 1800, Kienreich, 8".). - „Die 
Kunst gesund, jugendlich, stark und schon 
auch im Alter zu bleiben" (Wien 1800, neue 
Auflage 1809; 3. Aufl. Pesth 1816. Hart» 
leben, 8") . — „Neue Priifung der Kopfe fur 
Kunste und Wissenschaf ten u. s. W." (Wien 

1800. Grasser. 8«.) . — „Biographische Skizzen 
der neuesten Abenteurer, Sonderlinge und 

von dem Gewohnlichen abweichenden Men« 

schen" (Wien 1800. 8".). - „Die Svecula< 

tionskunst auf ihre Griinder zuriickgef iihrt 

und erlautert" (Wien 1800. Schaumburg, 

8".) . — „Biographien beriihmter Romer und 

Romerinen in historisch dramatischer Darstel« 

lung" (Wien 1800. Doll, 8". mit K. und 

Vign.) . — „Darstellung der GroBe der 

Missethaten, auf welche das neue Gesehbuch 

iiber Verbrecken und schwere Polizeiuber' 

tretungen die Todesstrafe verhangt, zum Gebrauche 

der Seelsorger. Iugendlehrer . u. s. w. 

in den k. k. Staaten" (Linz 1800; 2. Aufl. 

1804, 8") . — „Die natiirlichen Zauberkrafte 

des Menschen erklart und in Geschichten, 

Anekdoten und Beispielen dargestellt" (Wien 

1800 lHartleben in Pesth) 8".. mit KK ) . - 

„Der Weise in den wichtigsten Verhaltnissen 

des Lebens" (Wien 1801. 8".) . — „Versuch 

einer praktischen Seelenarzeneikunde" (Gratz 

Mensel, Gottfried Immmmel 

1801. Kienreich. 8«) — „Neue auf Vernunft 
und Erfahrung gegriindete Entdeckung iiber 
die Sprache der Thiere" (Wien 1801. Doll, 
8<>) . — „Dir neuesten Beobachtungen und 
Erfahrungen iiber die Verstandes» und K6r« 
Perkrafte der Thiere in unterhaltenden Ge» 
schichten vorgetragen" (Wien 1801, Doll, 8". 
spater Hartleben in Prsth) . — „Kanonik des 
Verstandes und der Vernunft. Ein ssom» 
mentai, ' iiber I . Kant's Lo^ik" (Wien 1801. 
Pazowsky. 8°,). — „Die Liede unter den 
Thieren, in einer Reihe von Beobachtungen 
dargestellt und mit philosophisch »naturhistori« 
schen Anmerkungen begleitet" (Wien 1801, 
Pichler. mit 1 K., 8°,). — „Der Mann uon 

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Welt oder Grundsatze und Regeln des An» 
standes, der Grazie, der feinen Lebensart 
und wahren Hof lichkeit " (Wien 1801. 3. Aufl. 
1809; 4. Aufl. Pesth 1810; 5. Aufl. 1816; 
6. Aufl. 1817; 8. Aufl. 1825; 12. Aufl. 
1830; 13. Aufl. 1872. 8".). - „Der goldene 
Schliissel oder neu entdeckte Zugange zum 
menschlichen Herzen, ein nothwendiges Buch 
fur das gesellschaftliche Leben" (Wien 1801. 
Pichler. 2. Aufl. ebd. 1843. 12°). - „Scipio 
der Africaner und Scipio Aemilius" (Wien 
1802. Doll. 8",). - „Welche Philosophie hat 
unser Zeitalter und worin besteht in An« 
sehung dieser Philosophie die Pflicht des phi« 
losophischen Lehrers" (Linz 1302. 8") . — 
„Menschenlehre oder System einer Anthro« 
pologie nach den neuesten Beobachtungen . 
Versuchen und Grundsatzen der Physik und 
Philosophie" (Linz 1802. 2. verbesserte Aufl. 
18-.. 8".). — „Vollstandiger Lehrbegriss der 
gesammten Philosophie, dem Bediirfnisse der 
Zeit gemaB eingerichtet " 4 Theile mit Real« 
register (Linz 1803—1803. akao. Buchhand' 
lung. gr. 8".) . 1: „Logik oder die Wissen« 
schaft von dem Gesetze des Dmkens"; 
2.: „Metaphysik des Sinnlichen und Ueber» 
sinnlichen oder die Wissenschaft von Dingen 
iiberhaupt, von der Welt, von der Seele und 
von Gott"; 3: „Moral uno Recht oder die 
Wissenschaft von dem sittlichen und rechtlichen 
Verhalten des Menschen"; 4: „Klugheitslehre 
oder Anleitung zur vortheilhaf ten Menschen« 
behandlung. Haushaltungskunst und Politik" . 
— „Der Staat der Thiere oder Lebens» 
art, Beschaf tigungen . Kiinste und Handwerke 
der Thierwelt" (Linz 1804. akadem. Buch« 
Handlung. 8".) . — „NlemsutH pnilosapkiks 
1806, 8«.). I : A osiea"; I I : „Uot»- 
vkvsica"; III: «Liementa etkioas, Mi-is^ 
Menzel, Gustav ) Gustav 

t criticll 1 A 2.nr i».n 2. illoa tiuctus Lg . Iuxtlriliio 
», <iua3 tklito rumoi-6 A 'us aasertae 
Vom Einfliisse der kritischen Philosophie auf 
die Physik" (Linz 18(1?. 8°.). - „Neues 
oollstanoigea philosophisches Real» Lexikon" 
1, und 2. Band A bis H (Linz 1807. lir. 8".) 
Nenzel's Tod vereitelte die Vollendimg. — 
„Andachtsbuch fur Beter uon Verstand und 
Gefuhl" (Linz. 2. Aufl. 1808; 3 Aufl. 1 8 i 5 : 
4. Aufl. mit 1 1 KK <817). „Andachtsbuch" 
mit 7 KK . (Bamderg !809. neue Auflage 
1 8 ' 8 . 8 " . ) . 

e st e r reich ische National « Encyklo< 
padie uon G r a f f e r und ( I z i k a n n 
(Wien 1837. 8°.) Band V I , Seite 73. - 
C.chw al do p 1 c r ) . Historisches Taschenbuch. 
"))lit besonderer Hinsicht auf die 6sterreichi» 
schen Staaten (Wien 1808. Doll, 8".) I . Jahr» 
gllN6 <80i. S. 234 und 239; 1802, S. 101: 
i80.j, T. 128; 18U4, 2 . 176 uno 191. 
P«trat. Unterschrif t : „Gottfried Immanuel 
Wenzel, > k. k. ossent . ordent . Professor der 
theoret . und prak» < tischen Philosophie zu 
Linz. > geb . zu (5hotzcn in Bohmen 1738". 

Seite 23 



Wurzbach55 . txt 
Weinrauch 3c. A Medaillon) (8° . ) . 
Wenzel von Kronfeld, Gustav, siehe: 
Wenzel, Johann j^S. 21, in den Quellen, 
Nr. 6) . 

Wenzel, Gustav (Rechtsgelehrter , 
geb . zu Luckau in der Niederlausit z urn 
das Jahr 18! 3) . Er verlebte eine ziemlich 
wechselvolle Jugend; nachdem er, 
ein Soldatenkind, in einer Militarschule 
zu Mailand die ersten Studien gemacht 
hatte, setzte er dieselben in Verona, 
Salzburg und spater zu Veszprim in 
Ungarn fort, von wo er nach Waitzen 
ging, urn dort die philosophischen Studien 
zu horen, und von da nach Pesth 
und zuletzt nach Wien, wo er die Rechte 
beendete. Mit 21 Jahren, 1836, erlangte 
er die Doctorwurde der Philosophie 
und jene der Rechte und legte be> 
reits die Advocatenpriif ung ab . Auf ihn 
fiel nun die ehrenvolle Wahl, den Erz« 
herzog Alexander, einen Sohn des 
Erzherzogs Palatin Joseph, in der Ge» 
schichte, Geographie und Mathematik zu 
unterrichten; aber nicht lange verblieb 
er in dieser Wirksamkeit, da schon im 
November 1837 der Tod den erst zwolf« 
jahrigen Prinzen dahinraffte. Eine Supplentenstelle 
an der Pesther Universitat, 

die er dann erhielt, bekleidete er nur ein 
halbes Jahr, indem er 1839 einem Rufe 
als Professor an der Theresianischen 
Ritterakademie in Wien folgte, wahrend 
er zu gleicher Zeit den Posten eines Hof» 
secretars bei dem k. k. Miinz- und Berg/ 
wesen versah. 1830 wurde er ordentlicher 
offentlicher Professor des Privat» 
Bergrechtes und der Rechtsgeschichte an 
der koniglich ungarischen Universitat zu 
Budapesth, welche Stelle er zur Stunde 
noch bekleidet, zugleich als Prases und 
Mitglied der Staarspriifungscommisston 
fungirend. Friihzeitig war Wenzel in 
seinem Fache schriftstellerisch thatig, Und 
sind uns uon seinen theils selbstandig erschienenen, 
theils in gelehrten Fachblattern 
abgedruckten Arbeiten in chronolo» 
gischer Folge bekannt : die Inauguraldissertation 
„Ds/on?l'6«s A '?b?'l's /i«nF<2- 
?-/«" (1836); in der von Dr. Wagner 
herausgegebenen Zeitschrift fur 6ster» 
reichische Rechtsgelehrsamkeit : 
„Uebersicht der Berggeset zgebung des 
osterreichischen Kaiserstaates " A 1844, 
Bd. I I , S. 49, 113, 180, 217, 298; 
1845, Bd. I I , S. 240, 299, 338; 1846, 
Bd. I I , S. 242, 408 A ; -in dem von 
I)r. Ignaz W i 1 d n e r Edlen v. M a i t h - 
stein herausgegebenen Jurist : „Das 
Wirken der koniglich ungarischen Wechselgerichte" 
j>841, Bd. X I , S. 333; 
1842, Bd. X I I , S. 18 und 192"*; - 
„Versuch einer berg juristif chen Beleuch»^ 
Mensel, Gustav 47 Wendel, <5ustav 

Seite 24 



Wurzbach55 . txt 
des § 3 1 1 de A a. b. Gesetzbuches Wissenschaft (Pesth < 8 7 7 j ; — „ A sn— 
liber das Recht des Fruchtmeisters an e-//tts /?i„i/ /?/i»i//e/i A / /icl A ?/ 
A 'o A ?i, 1H 

Bergwerkantheilen" sXIII (n. F. I) ?-s , lcis2S) -66s?' 1 , d. i. Die Servitut lumi 
S. 40 A ; — „Das Gerichtswesen und imvnitenai nach unserem vaterlandi» 
das Verfahren der Gerichte in Ungarn , schen Rechtssystem (Budapesth 1878, 
und Siebenburgen" sXV (n. F. I I I ) 8".); - 
S. 411 und 
und in 

7-asa/tt", d. i. Erklarung des allgemeinen A 4 6 ' A — A 5 A F) " . Iu ooa. Vlc'nn. A ai,l. 
osterreichischen biirgerlichen Gesetzbuches" <?e8t 1837,, nur Titel und Vorrede 
(Pesth 18 3 3) ;- . , A B/ A e A /s?i/ A c) /c/<?? ' i ungarisck, Text lateinisch; - 
A -inwul ' / 

AA T'T'e A lci'' A /tts", d. i. Die provisorische i I'e?'a, ?i <? / / 
s"a) '<?/i/s/>/seo A i .3 A i'//c>/i. /o- 

CivilproceBordnung (ebd. 1833); -in>e A m A s A /s ?-6 A // s/ A /h?-/a«l, 
Ottc>//i. 

A. S ch in i d 1 ' s Oesterreichi s ch e n /e A ssi'i/ o A s?-« s/ e A /s/o/«6 A 
oZ ! 5-7 «5 7.3 " 

BlatternfiirLiteraturund Kunst : 12 voluin. (Pesth 
1837-1873), dieses 

„ErgebniB der Untersuchungen iiber die A Werk verof f entlichte Wenzel in 
Gemeineinzigen 

bisher bekannten echten romi« schaft mitLadislaus S z a 1 a y ; dieses und 
schen Wachstafeln, welche 1788 in einem , das vorige bilden die ssriss II". ' der 

alten Bergwerke bei Abrudbi'mya in ! von der ungarischen Akademie der Wis» 

Siebenburgen gefunden wurden" A Iahr A senschaften herausgegebenen 

gang 1844, I I . Quartal, Nr. 3, tt, 7 A ; rnSnta NuliFilriao tii A toric A 

— «Zur statistischen Literatur iiber un- A dieser die Bande 1—6, 8, 11), 19, 20, 

garische Zustande und Verhaltnisse" ! 23, 26, 32; Verancius ist fast aus ' 

sebd., IV. Quartal, Nr. 70, 71, 72 A ; — schlieBlich in lateinischer Sprache 

verf a Jit ; 

„Die neuere ungarische lyrische Poesie" ! Band 3—3 enthalt die Gesandtsckaf ts- 

A 1843, Nr. 86 A ; — „Die neuere deutsche berichte aus Coustantinopel, Bd. 6—9 

Reiseliteratur iiber Ungarn" A ebenda, A den ausgedehnten Briefwechsel, Bd. 1 2 

Nr. 97 A ; - , A 4 ??m A M?' es 67- A e??//! ein Register; - A I/a A i/aT-oi ' s A tt A 6<7- 

mla A se«/o// ? ' 6?i A s A e? ' s" I und I I , d. i. ! A l/as A al ' ce/iaH A / / / A « i 

/c/>/e/i6/6", d. i. 

Ungarns und Siebenbiirgens Privatrecht A Kritische Geschichte des Bergbaues in 

(Pesth 1862 u. f., Lauffer, gr. 8".); - j Ungarn (Budapesth 1880, gr. 8".), wo- 

AA 4 mtt A M?'<<>; 6?-cke?Hs/ 6««l/e?/o A ?-6)/<H- ruber Professor Dr. Schwicker, 

einer 

FI6?-s", d. i. Das ungarische und sieben- der griindlichsten und 

vorurtheilslosesten 

biirgische Bergrecht (ebd. 1866, 8".; Kenner und Beurtheiler ungariscker Zu- 

2. Ausg. 1878); — „I A s/srass s « A - stande im Gebiete der Geschichte und 

A >ai A ' oF?6>/ 6?16t " , d . i . Allgemeine euro- Literatur eine sehr eingehende 

Besprepaische 

Rechtsgeschichte (Pesth 1868 und chung in P. Hunfalvy's „Ungarischer 

1869, Aigner, 8".); - VaFM?-o?-s A i<? A Revue", Jahrgang 1881, S. 798-823, 

d. i. 

Ungarns Stadte und Stadtrechte in der 

Vergangenheit und Gegenwart . Eine 

bringt; — AA 1. e?tts«/2' «F1/ s a A >os/a 6 

/, /i ' /? ' A <2z ' «//?/", d. i. Der Zusammenhang 

des Eisenbahnwesens mit dem Postund 

Telegraphenwesen in Ungarn u. s. w. 

(Budapesth 1884); - „Tw A /m A l/ock 

Studie aus dem Kreise der socialen! 

o. Wurzbach, bio A r. Lerikon. I.V. l A Gedr. 4, Fevr. -£ 

Meinel, ( A n stall 

d. i. Studien zur Geschichte der Familie 

Frangepan (ebd. 1884), dieses und 

Seite 25 



Wurzbach5 5 . txt 
das vorige Werk befinden sich in den 
Serien der von der ungarischen Aka> 
demie herausgegebenen Schriften; — 
d. i. Das ungarische Privatrecht vor 
dem Jahre 1848, mit Rucksicht auf 
dessen neuere Umgestaltung (Budapesrh 
1883, 81>.) . Ueberdies ist Professor Wenzel 
ein fleiBiger Mitarbeiter der periodilcken 
Fach-, vornehmlia) rechtswissen« 
schaftlichen und historischen Schriften 
seines engeren Vaterlandes ; so veroffenr» 
lichte er in der von der ungarischen histo» 
rischen Gesellschaft herausgegebenen Monatschrift 
"8/. li2 A 6. A ", d. i. Die Jahr» 
Hunderte, den grofieren Kfsay: „Die 
Familie und das hausliche Leben Wla» 
dislaus'III." "1877, Heft 7, 9, 10 A 
und, wenn ich nicht irre, daselbst eine 
groBere historische Abhandlung: „Ueber 
vier Bischofe aus dem Hause Thurz6 
de Beth lenfalva" ; dann in Paul 
von Hunfalvy ' s Ungarischer Revue: 
„Historische Skizze iiber die Bedeutung 
der Familie Fugger in der 

ungarischen Geschichte" s<883, S. 199 A j, 
mit welcher er an eine Arbeit des Fug» 
ger'schen Hausarchivars Dr. Friedrich 
D o b e 1 : „Der Fugger Bergbau und 
Handel in Ungarn", die im 6. Jahrgange 
der Zeitschrift des historischen Vereines 
fur Schwaben und Neuburg abgedruckt 
war, ankniipf t . Professor Wenzel ist 
seit 1847 Mitglied der ungarischen Akademie 
der Wissenschaf ten und als solches 
:iner der fleiBigsten Mitarbeiter an den 
von derselben verof f entlichten Schriften, 
fowohl der Denkschrif ten, als der 
Sit zungsberichte und der von ihr redigirten 
Sammlungen. Wir verweisen in 
Bezug derselben auf die von Joseph 
Szinnyei herausgegebene historische 
Bibliographie Ungarns, welche unter 
dem Titel: „llasai 6s kiilMai lol A otoriumA." 
(Vuaapssti 1874, gr. 8".) 

erschienen ist und im Register eine aus» 
fiihrliche Darstellung der Arbeiten Wen» 
zel's darbietet. Von Seiner Majestat 
erhielt derselbe den Titel eines koniglich 
ungarischen Rathes. 

>Ia3?Hril6k. A K, 'tr: A, 2 - F A u . jt 611isilv . 
(3?u A 't61c I?e 1-61102 A «7aka,d esvanielilc 
A osLek, d. i. Ungarische Schrif tsteller . Samm< 
lung von Lebensbeschreibungen . Von Jacob 
Ferenczy und Joseph Danielik (Pefth 
183«, Gustav Emich. 8".) Vd. I , S. 633. - 
Neue Freie Prsse. 2 A i. April 1870. im 
Feuilleton: „Erinnerungen uon der Pesther 
Universitat " . Von K. W. 

Portrait. Zitdogmphie in ri ' . icni Vledaillon 
auf dem ,;we!trn Blatte des 18>>? heraus» 
gegebenen Gruppenbildes „ A la AA ar iroic 
Wenzel, Johann (Componift und 

(51aviervirtuos, geb . zu Ruppau, 
nach Anderen zu Rothportlicz in 

Seite 26 



Wurzbach55 . txt 
Bohmen am 18. Mai 1739, Todesjahr 
unbekannt) . Er kam noch in Knaben» 
jahren nach Prag, wo er im Convicte 
eine Altistenstiftung erhielt und sich bald 
durch sein musicalisches Talent so her» 
vorthat, daB er schon 1772 daselbst die 
i Orgal ' istenstelle vertreten konnte. Er 
! beendete im Convicte die philosophischen 
A Studien und horte dann, da er sich dem 
! geistlichen Berufe zuzuwenden gedachte, 
A an der Prager Universitat Theologie. 
! Schon hatte er die Subdiakonsweihen 
, empfangen, als er mit einem Male die 
geistliche Laufbahn aufgab, urn sich aus» 
schliefilich der Musik zu widmen. Er 
nahm nun seinen bleibenden Aufenthalt 
in Prag, ertheilte Unterricht im Singen 
und Pianospiel und wurde 1792 Orga« 
i nist an der Prager Metropolitankirche, 
in welcher Stellung er bis zu seinem im^ 
Alphons Bernhard 

ersien Viertel des laufenden Iahrhun» 
derts erfolgten Tode wirkte. Von seinen 
Compositionen sind nur „ZrchZ Saunten tnr 
dllZ Olllnier" (Leipzig bei Kiihnel) bekannt, 
doch hatte er noch manches Andere 
componirt, was in Handschrift unter 
seinen zahlreichen Schiilern verbreitet 
war. Nebrigens ist er der Erste, der einige 
Compositianen Mozart ' s fur das Clavier 
einrichtete, und zwar eine grofie 
Symphonie, dann eine zweite desselben 
Meisters in die als Wenzel's — 
Op. 3 gleichfalls bei K u h n e 1 in Leipzig 
erschienen ist, und die Oper „Idomeneo" . 
Wenzel war ein Primavistaspieler ganz 
ausgezeichneter Art und trug die Sachen 
Mozart ' s , dementi's, Leopold Ko< 
zeluch's in vollendeter Weise vor. — 
Seine Gattin war eine ebenso treffliche 
Pianistin als Sangerin und erntete in 
beiden Eigenschaften zu ihrer Zeit groBen 
Beifall. — Beider Sohn, , Johann, hatte 
das Musiktalent seiner Eltern geerbt und 
bildete sich insbesondere im Harfenspiel 
aus . Er lebte als Lehrer desselben in 
Wien und gab bei Caftpi daselbst eine 
„Neue vollstandige theoretisch-praktische 
Pedal- und Hakenharf enschule nach 
Lang, Krumpholz, Bier freund 
und Backofen" heraus. 

D 1 a b a c z (Gottfried Johann) . Allgemeines 
historisches Kiinstler-Lerikon fur Bohmen und 
zum Theile auch fur Mahren und Schlesien 
(Prag 18i3 . -Haase, , 4 " . ) S. 334. - Gerber. 
Neues historisch ' biographisches Lerikon der 
Tonkiinstler u. s. w. (Leipzig 1814. A. Kiihnel, 
Ler. 5<>.) Bd. IV, 3. 24«. 

AuBer den bisher Genannten sind noch er» ! 
wahnenswerth : 1. Alphons Wenzel (geb. 
zu Salzburg am 8. April 166t) . gest. in 
seinem Stifte zu Mallerstorf am 2i) . Juli 
1743) . Na ' chdem er die Vorbereitungsschulen 
in seiner Heimai beendet hatte, trat er 1678, 

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Wurzbach5 5 . txt 
18 Jahre alt, in das Benedictinerstif t Mal» 
lerstorf. Dem Lehramte sich zuwendend, iibte 
er seinen Beruf mehrere Jahre in drm be« 
riihmten Kloster St. Martin in Ungarn, dann 
in verschiedenen anderen Klostern seineo 0r» 
dens in Vayern und Schwaben. Von 1721 
bis 1723 lebrte er am Lyceum in Freysing, 
dann als Professor der Theologie am 15ommun< 
studium der bayrischen Brnedictiner-Congre» 
gation. 47 Jahre wirkte er im Lehramte, 
feierte als Ordensmann und Priester das 
Jubilaum und segnete. 83 Jahre alt. in 
seinem Kloster das Zeitliche. Von seinen zahl« 
reichen Schriften, welche Baaoer verzeichnet, 
nennen wir: „d. ' onti-ove ! -i jik6 soloctio ex 
univ6i-«a I'keolaxill scllolas ' jeii" torn. I— IV 
(liatiLdona . 6 1722, Fol,, neue Aufl. 1733); 
ioai-ium sHt'liii'um ine6ituu ' onuin" 
(Norimb. i?31. neue Auflagen 1737. 1739. 
8".), die erste Auflage erschien untpr dem 

Pseudonym PkalesiusNelson;— «?kilOLoplnil, 
".nT.icn-I'liorniatica. . ." tomu« 
I-III ( A ux. Vinaol. 1739, Fol.); - «Viriaal- 
iuin sacrar. ms 6itl> . tiounm '"usai-ipartitum" 
torn. I-IV (liatisdonijs 1744, 
8«.) . IBaader (Clemens Alois) . Leiikon 
verstorbener bayrischer Schrif tsteller des acht« 
zehnten und neunzehnten Jahrhunderts (Augs« 
burg und Leipzig 1823, Jenisch und Ttage. 
8".) I I . Bandes 2. Theil. Seite 230. - 
2. Bernhard Wenzel (geb. zu Hondorf 
im Salzburgischen am 14. November 1637. 
gest. am 27. Februar 1714) . Er trat nach 
beendeten Studien ;u Tegernsee in den Ve< 
ned ! ctinerorden . ittljo wurde er als Professor 
der Philosophie an die Salzburger Hochschule 
berufen und nach mehrjahriger Thatigkeit in 
dieser Stellung am 13. Mai 1673 zum Abte 
seines bertihmten Klosters erwahlt, als welcher 
er durch 27 Jahre Kunst und Wissenschaft 
in demselben auf das wirksamste forderte. 
17U0 legte er aus freien Stiicken seine Pra» 
latcnwijroe nieder, fcierle noch 17 13 sein 
f unf zig jahriges Pciesicr jubilaum und starb 
1714 im Alter von 77 Jahren. Von ihm 
sind erschienen: „DiSLertatio as i-erum 22- 
wralium cauLis" (saliizb. 1667, 4".); — 
„Ve inotu. iu FLnore" (ib. 6..); — „ v o 
inotu. in, spec'ill" (id. «oa.). — A Dc anim,».". 
Seine werthvollste Arbeit ist ungedruckt in 
Handschrift im Besitze des Stiftes geblieben: 
/labulas <lo Luc^euaione et vita l».ddatuin 
isFernseenLiuni g.a il!i,u2 na A us temvor A 
aeauotae". ''Kobolt . Bayrisches Gelehrten» 
Lcrikon. S 741, — liiatorin I'nivoi-Lir. 
Lll. I A du5z; . - Fi '<?Fe/5tl A -. Uiatoi ' . litter, 
oi-a. s A ncti A sncaieti, Bd. IV.— Baader 
(Clemens Alois) . Lexikon verstorbener van«£ 
Wenzel. Christoph 20 Franz 

rischer Schrif tsteller des achtzehnten und 
neunzehnten Jahrhunderts (Augsburg und 
Leipzig 1824, Ienisch, »" . ) 1. Bandes 2. Theil, 
S. 318.) - 8. <5hristoph Wenzel (geb. 
zu Erbach im Bayreuth ' schen 1742, gest. in 

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Wurzbach5 5 . txt 
Gratz 3. November 1800) . Ein denkwiirdiger 
Padagog. Nachdem er guten Unterricht ge< 
nosscn hatte, sollte er sich dem geistlichen Be» 
ruse widmen, traf aber eine diesem gerade 
entgegengeset zte Wahl und trat in das 6ster« 
reichische Inf anterie-Regiment Puebla als ge« 
A meiner Soldat ein. Daselbst gewann der ge« 
bildete Gemeine bald die Gunst seiner Vor« 
gesetzten, welche noch mehr wuchs, als durch 
feine schone Schrifc und sein muficaiiches 
Compositionstalent seine Verwendbarkeit sich 
steigerte, indem die Offtciere ihm ihre Kinder 
zum Unterricht schickten. Mittlerweile zum 
Fourier vorgeriickt, erhielt er, als sich die 
Heeresreduction, welche 1767 stattfand, auch 
auf die Fouriere erstreckte, seine Entlassung 
und in Klagcnfurt seinen Abschied. Zunachst 
trat er als Spielmann bei Palf f y-Inf anterie 
ein, wo bald seine Beforderung zum Capell» 
Meister erfolgte. Auch verwendete man ihn 
seiner Geschicklichkeit wegen in der Negi« 
menisschule, und wieder lieflen ihn die Offi« 
eiere ihre Kinder unterrichten . Als er dann 
im April 1773 auch in diesem Rpg'mente. 
das damals in Kaschau stationirte, entlassen 
wa?d, wirkte er einige Zeit in dieser Stadt 
als Hofmeister bei einer adeligen Familie. 
Dann gin' 1 er nach Pettau in Untersteiermark 
und leistete Aushilfe in einer Mttitarschule . 
bis er zu Gral; an einer eben errichteten 
Hauptschule in der Muruorftadc zuerst als 
Tchuldiener eintrat. Schon nach kurzer Zeit 
wurde er Zehrer an der Pfarrschule im Miinz» 
graben zu Gratz und leitete gegen besondere 
Vergiitung auch den Unterricht in der in der 
Kaserne befindlichen Militarschule . Als in 
dieser Zeit e'.nes Tages Kaiser Joseph wahrend 
seines Besuches der Stadt Gratz einer Un» 
terrichtsstunde beiwohnte, war er r>on drn 
Leistungen Wenzel's in hohem Grade be» 
f riedigt . Bei der noch im naml^chm Jahre 
vorgenommenen E nrichtung des Normalschul« 
Wesens wurde dann derselbe von der deutschen 
Schuldirection berufm, die Lehrer und 
Gehilfen in der neuen Normallehrmetdode 
und in den Lehrgegrnstandm zu unterweisen. 
Auf diesem Posten leistete er so Verdienstliches, 
daB ihm von allrn S A tcn Anerkm» 
nungen und Belodnun A en Zutbril wurden 
I n den letzten zw.olf Jahren verfiel er infolge 
der groBen Anstrengungen wiederholt in 
schwere Krankheiten, welche ihn zuletzt seines 
Gehors vollig beraubten. Aber nichtsdesto» 
weniger versah er nach wie vor in so musterhafter 
Weise sein Lehramt, daB Niemand, 
der dem Unterrichte Wenzel's beiwohnte, 
ahnte, daft derselbe taub sei. Noch mehrere 
Jahre wirkte unser Padagog, bis zunehmende 
Leiden ihm die Ausiibung seines Berufes, in 
welchem er fur andere ein Muster gewesen, 
ganzlich unmoglich machten. 1797 trat er in 
den Ruhestand, den er nur noch drei Jahre 
genoB . Von seinen zwolf Kindern iiberlebten 
ihn nebst seiner Frau nur vier. '"Kunitsch 

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Wurzbach55 . txt 
(Michael) . Biographien merkwijrdiger Mannr, . 
der osterreichischen Monarchie (Gratz 1803 
Tanzer, ar. 12".) Bd. I , S. 85,) - 4. Franz 
Wenzel von Uffenberg (geb. zu Pettau 
in Steiermark 26. December 1792. gest. zu 
Alt-Gradisca 16. August 1833) . Er trat im 
November 1806 zur militarischen Ausbildung 
in die Wiener < Neustadter Akademie, aus 
welcher er im November 1809 a!a Fahnrich 
zu Kerpen' Infanterie Nr. 49 eingetheilt 
wurde. I m September 1810 kam er in die 
Militar-Zeichnungskanzlei, spater zur Militar» 
mappirung, riickte im Juni 1813 zum Lieutenant 
im Pionniercorps und 1814 zum Ober» 
lieutenant im 8. Iager-Bataillon vor. aus 
welchem im Juli j«lo seine Uebersctzung in 
den Generalquartiermch ' terstal) erfolgte; in 
diesem brachte er es stufenweise bis 1843 
zum Obersten. Am 20. August 1848 wurde 
er Generalmajor und Festungscommandant 
von Nagusa. I860 Stadtcommandant zu 
Fiume und 1831 Iestungscommandant von 
Alt-Gradisca. Daselbst trat er am 11. Juli 
1833 als Feldmarschall - Lieutenant in Pen» 
fwn. Gleich nach seinem Eintritt in die 
Armee machte er den Feldzug 1809 im Corps 
des Feldmarschall-Lieutenants H i 1 1 e r mit, 
kampfte dann in den Frldziigen 1813—1813 
gegen Frankreich und nahm 1821 an der 
Erpedition nach Neapel Theil. Spaterhin 
wurde er vielfach w. der Militarmappirung 
verwendet und entwarf den Plan zu einem 
befestigten Lager bei Bri,ren. au6 welchem 
sich in <x>r Folge die ansehnlichen und starken 
Vef estigungswerke von Franzensveste ent» 
wickelten. A Oesterreichischer Militar» 
Kalender, herausgegeben von 0? . I . H ir» 
t e n f e 1 d und Meynert (Wien. kl. 8".) 
I V . Iahrg, (!853) S, 287.) - 3. Franz 
N e n z 1 (geb. zu Vohmisch-Kamnik urn 1820, 
gest. ; u Pittsburg Landing im Nordamerika»? 
, Ludwig , Paul 

nischen Staate Tennessee im Jahre 1862) . 
Das Gymnasium, den philosophischen Curs 
und die medizinischen Studien beendete er in 
Prag, wo er aus letzteren auch die Doctor* 
wiirde erlangte und unter dem Namen 
H u t t e n in der Burschenschaf t „Markoman« 
nia" sein Andenken sich erhalten hat. Sein 
Antheil an den Prager Mai«Ereignissen 4848 
geniigte bei den damals herrschenden Aus» 
nahmsgesrlzen, daB er wegen Hochvenathes 
in den Anklagestand versetzt und, da er sich 
der unausbleiblichen Verurtheiluna durch die 
Flucht ei't^o' 1 . unterm 23. September 1849 
steckbrief lich verfolgt wurde. Er wendete sich 
schliefilich nach der neuen Welt, wo er seine 
medizinische Praris auszuiiben begann, beim 
Ausbruch des amerikanischen Krieges als 
Feldarzt Dienste nahm und zuletzt die Stelle 
eines Chefarztes in der Unionsarmee erlangte. 
Nach hergestelltem Frieden von Sehnsucht 
nach seiner Heimat ergriffen, suchte er 186t 
urn Bewilligung zur straffreien Riickkehr an. 

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Wurzbach55 . txt 
und da die iiber ihn eingeholten Consulats« 
berichte gunstig lauteten, sah seine zu Kam« 
nitz in Bohmen lebende Familie bereits 
seiner Heimkehr entgegen, erhielt aber bald 
die Nachricht von seinem in der Zwischenzeit 
erfolgten Tode . '"Vohemia (Prager polit. 
und Nnterhalrungsblatt . 4".) Nr, 228. Bei« 
lage. S. 723/> — 6. Gustav Wenzel von 
Kronfeld (gef alien bei Magenta am 4. Juni 
1839) . Friihzeitig trat er in die kaiserliche 
Armee und befand sich 1843 als Cadet im 
14. Militargrenz ' Inf aiUerie ' Regimente . Stu< 
fenweise vorgeriickt, kampfte er als Major des 
10. Huszaren-Regiments Friedrich Wilhelm IV. 
von PreuBen im italienischen Feldzuge 1839. 
in welchem er bei Magenta den Heldentod 
starb. 1"T h u r h e i m (Andreas Graf) . 
Die Reiterregimenter der k. k. 6sterreichi« 
schen Armee (Wien 1862. F. B. Geitler. 
gr. 8".) Bd. I I : „Huszaren", S. 283.) - 

7. L u d w i g Wenz 1 (geb. zu Knin in Dal< 
nilltien am 10. Februar 1835, seinen bei 
Skalitz in Bohmen am 28. Juni 1866 empfangenen 
Wunden am 20. Juli d. I . erle« 

gen) . Er trat im September 1846 zur militarischen 

Ausbildung in die Wiener»Neu» 

stadter Akademie, aus welcher er im Sep« 

tember 1833 als Lieutenant minderer Gebiihr 

zu Mazzuchelli . Inf anterie Nr. 40 eingetheilt 

winde . Im October 1838 zum Lieutenant 

hoherer Gebiihr befordert, kam er in gleicher 

Eigenschaft noch im November desselben 

Jahres zu GroBfiirst Michael - Infanterie 

Nr. 26 und riickte im April 1859 zum Haupt« 

mann zweiter blaffe im Generalquarlier« 

meisterstabe und im Juni dieses Icchres zum 

Hauptmann erster blasse daselbst vor Wenzl 

machte die Feldzuge 1839 in Italien. 1864 

gegen Danemark und 1866 gegen PreuBen 

mit und trug in letzterem die todtliche Wunde 

davon, welcher er auch ein paar Wochen 

spater erlag, Tckon fur sein Veralten im 

Feldzuge gegen die Danen hatte er am 

1!>. December 1864 die ah, Anerkennung er« 

halten, fur seine Leistungen im Feldzuge 

gegen die PreuBen 1866 wurde ihm eine ' 

gleiche noch nach seinem Tode mit ad. Gnt» 

schlieBung aao. 3. October 1866 zutheil. — 

8. Nicolaus Franz Wenzel oder nach 

der damaligen Sittr, die Familiennamen zu 
latinisiren. Wenzelius. lebte in der zweiten 
Halfte des 17. und zu Beginn des 18. Jahr« 
Hunderts, war aus Vohmett gebiirtig und ein 
tuchtiger Musiker. 1684 dirigirte er zu Prag das 
Chor an der Lorettokirche auf dem Hradschin 
und dann durch viele Jahre in der Kreuz« 
Herrenkirche an der Prager Briicke, Zuletzt 
fungirte er als CapeUmcister an der Dom» 
kirche zu Prag, an welcher er in dieser Eigen« 
schuft noch im Iabre 1701 wirkte, Br war 
auch als Comvonist thatig und gab „V'Ior A L 
vei-nns oder Kirchenmusik in fiinf Messen" 
1699 im Druck heraus, ferner ein NeguiLln 
und ein salve Ne^ina. mit 4 Hing stimmen, 

Seite 31 



Wurzbach55 . txt 
2 Violinen und 3 Posaunen, A «/anowi-a 
inHMks artiL muLieas eto. (Vetsi-. I»i-KF2o 
1701, t?pi2 A iHuhkn, 8".) V. 57. - Wal« 
ther (Ioh. Gottfr.) . Musicalisches Lexikon 
oder musicalische Bibliothek u. s. w. (Leipzig 
1732. Wolfg. Deer. 8".) S. 648. - Rieg. 
ger. Statistik von Bohmen. Heft XII, 
S. 293.) - 9. P a u 1 Wenzl (auch lati« 
nisirt: Wenzelius) von Bochov (gest. 
1663) . Ein bedeutender oechischer Rechts» 
gelehrter seiner Zeit (1623—1663), der so viel 
wie Rath an dem Appellationsgerichte auf 
dem Prager Schlosse war. I m Jahre 1638 
erlangte der Prager Erzbischof, welcher als 
Abgesandter des Kaisers nach Rom gegangen, 
eine papstliche Bulle, durch die das erz« 
bischofliche Seminar mit groBen Freiheiten 
ausgestattet und unter Anderem dem Kirchen» 
fiirsten das Recht zugesprochen wurde, an 
diesem Institut in der Theologie und.Philo« 
sophie akademische Grade zu ertheilen. Durch 
die kriegerischen Ereignisse, welche Bohmen 
heimsuchten, verzogerte sich die Bekannt»? 
Wenzel v«n Alottau 22 Wenzel von Arumau 
machuna dieser Bulle, welche der Erzbischof 
erst 1640 drucken lieB. Der Kaiser, dariiber 
aufgebracht, erklarte d'e Bulle fur ungiltig 
und verbot dem Erzbischof. daB derselbe von 
der in dieser ertheilten ErlaubniB, Promo« 
tionen vorzunehmen, Gebrauch mache . Der 
Kirchenfurst aber leistete diesem Verbote 
Widerstand, wendete sich neuerdings an den 
Papst und erhob ob der ihm entzogenen 
Rechte Procefi gegen den Kaiser. Bei dem 
groften Aufsehen, welches die Angelegenheit er< 
regte, beschloB Letzterer, dieselbe gutlich beizu« 
legen. Er ernannte also eine Commission, in 
welcher neben Friedrich von Talmberg, 
Prorector der Carolinischen Universitat, und 
Bernhard Grafen von Martinitz auch 
Paul Wenzl von Bochov. und zwar als 
Rechtsgelehrter berufen ward, der einen Aus» 
gleich, so weit als der Erzbischof nachgab, zu 
schaffen suchte. Fur die dem Staate geleisteten 
Dienste wurde er zuqleich mit seinem Bruder 
G r e g o r , der bei der bohmischen Kammer 
bedienstet war, schon im Jahre 1642 in den 
Adelstand erhoben. 1631 erfolgte seine Erbe» 
bung in den Rilterstand, worauf er vom Sitz 
derDoctoren beim Prager Appellationsgerichte 
in den der Ritter iibertrat. sTomek (Wenz. 
Wladiwoj) . Geschichte der Vrager Univer» 
sitat (Prag 1849. Haase's Sonne, 8°,) 
S. 269.) — 10. Wenzel von I g 1 a u . Der» 
selbe war Stadtschreiber friiher in Olmutz 
spater in Briinn, zuletzt in Iglau und lebte 
in der ersten Halfte des fiinfzehnten Jahr« 
Hunderts. Seine wichtigen geschichtlichen Be» 
richte (1416 — 1437) wurden seinerzeit von 
Boczek aufgefunden. Einige seiner Manu« 
scripte. und zwar „Nonus Oato«, mit der 
Jahreszahl 1422 zu Ende . „axeouwin gtuitoi- 
um", „llistoriu, «luadrixartita, " und „Occnltns", 
alle vier in einem Bande (4».) 

Seite 32 



Wurzbach55 . txt 
werden in der Olmlitzer Universitatsbibliothek 
aufbewahrt . Noch hat er eine Sammlung 
Rechtsspriiche im Jahre 1446 vollendet, welche 
einer 1490 gedruckt erschienenen zu Grunde 
gelegt ist. Und im Archiv der Stadt Brunn 
befindet sich ein mit schonen Miniaturen ver« 
sehener rechtsgeschichtlicher Pergamentcoder , 
iiber den d'Elv ert in der unten angefuhrten 
Quelle berichtet. "d'E 1 v ert (Christian) . Histo« 
rische Literaturgeschichte von Mahren und 
Oesterreichisch »Schlesien (Briinn 1830. Roh» 
llr's Witwe. 8") S. 23. A !l. 370, 487) - 

11. Wenzel von K 1 a t t a u , bertihmter 
bohmischer GlockengieBer , der in der zweiten 
Halfte des fijnfzehnten und zu Beginn des 
sechzehnten Jahrhunderts lebend, mit dem 
Magister Andreas Ptaczek zu Koniggratz 
gemeinschaf tlich arbeitete. Von seinen Glocken 
sind bekannt : „Die Glocke fur die Peters« 
kirche zu Koniggratz". gegossen 1488; „Die 
Glocke fur die Heiligengeistkirche" , daselbst 
1483. eine dritte Glocke. „Worel" genannt, 
ebenda 14 96; auch goB er den zinnernen 
Taufbrunnen in der Stadtkirche zu Laun 

1318. sDlabacz (Gottfr. Ioh, ) . Allgemeines 
historisches Kunstler ' Lerikon fur Bohmen und 
zum Theil fur Mahren und Schlesien lPrag 
1813. Haase. 4".) Bd. Ill, Sp . 331.) - 

12. Wenzel von Krumau (Wences» 

lausdeCrumlow, gest. am 13. December 
1460) . Aus Krumau in Mahren gebiirtig, 

bildete er sich an der hohen Schule zu Paris 
fur den geistlichen Stand aus und wurde 
dort Ooctor asoi-storuni . Nach seiner Nuck» 
kehr in die Heimat 1433 zum Dechanten an 
der Prager Domkirche ernannt, leitete er als 
solcher mit Wiirde und Nutzen die geistliche 
und weltliche Verwaltung des Erzbisthums. 
I n den damaligen kirchlichen Wirren trat 
er mit Entschiedenheit und groBem Muth fur 
die katholische Kirche und das Papstthumein 
und reiste 1438 nach Norn, wo er person« 
lich dem Papste P i u s I I . die- Drangsale 
vortrug, welche die katholische Kirche in B6t> 
men durch die Hussitrn zu erdulden hatte. 
Der Papst, die Tiichtigkeit und den Opfer» 
muth des Priesters erkennend, ernannte ihn 
zum Administrator des Prager Erzbisthums 
und zugleich zum A uaiwi- oau8u,i-um 8. I>a,- 
latil av05wlioi (3. laus sept. 1438) . I n 
dieser Stellung vertheidigte Wenzel die 
Rechte der katholischen Kirche in Bohmen 
energisch gegeniiber dem Konige G e o r g 
Podiebrad. der in den kirchlichen An» 
gelegenheiten eine zweideutige Nolle spielte. 
Als er dann am 13. December 1460 plotzlich 
aus dem Leben schied, behaupteten dir geist» 
lichen Alntsbiicher, dafi eine Vergiftung statt» 
gefunden, veranlafi 1 durch die iiber seinen 
kirchlichen Eifer und Muth erbitterten Gegner, 
unter denen in erster Linie Johannes No» 
kyczana stand. Von Wenzel sind Hand» 
schriftlich vorhanden: A irao A Nla au «i A ni« 
'"oannulu kokisauuin tsinport: re A is '"Vlnaislki" , 

Seite 33 



Wurzbach55 . txt 
in der Krumauer Kirchen- und in 
der Prager Capitelbibliothek : — A 01osaQo 
iu kexulas A uri5 A , in der Prager Capitel« 
b . bliothek; — „ A olnmontHi ' juZ kistorieua 
au robnL 8U,o lemvork AA LtiL"; — „0on-^ 
von Mnmh 

tutmio 70 errorum A aanniZ lioki A anas " ; 
utriusyu« Lpeolei" in der Pauliner Biblio. 
thek zu Leipzig. sFrind (Ant.) . Die Ge< 
schichte der Bischofe und Erzbischiife von 
Prag (Prag 1873. Ealve. 8«.) S. 14« u. f.) 

— 13. Wenzel von Olmiitz, ein Gold« 
schmied und Kupf erstecher aus der zweiten 
Halfte des 13. Jahrhunderts . Es sind weder 
seine Lebensverhaltnisse bekannt, noch die ihm 
zugeschriebenen Blatter mit Sicherheit zu be« 
stimmen, Erst Adam von Parisch machte 

auf die Leistungen des vor diesem beriihmten 

Kenner wenig gewiirdigten Kiinstlers auf» 

merksam und beschreibt von ihm 37 Blatter 

welche zum grofiten Theile Copien nach 

Albrecht D u r e r . Martin Schongaue r, 

Israel von Mekeneu und Anderen sind, 

aber in ihrer Behandlung eine so auffallende 

Verschiedenheit zeigen. d.'B es schwer fallt, sie 

einem und demselben Meister zuzuschreiben . 

Andere Kunstf reunde, die auch zu einem Urtheil 

berechtigt sind, halten viele von den 

Blattern, welche Wenzel von Olmiitz zu« 

geschrieben werden, fur Werke M. Wohl» 

gemuth's. und bei genauer Priifung solcher 

Blatter sind viele Griinde fur die Richtigkeit 

dieser Ansicht vorhanden. Die meisten Blatter, 

nur sehr wenige, etwa 4—3, ausgenommen, 

sind M't einem A V und nur eines: „Der Tod 

der h. Jungfrau", Copic nach Schon gauer, 

in der Mitte mit Jahr und Namen.- 1481 

bezeichnet. Die meisten Blatter sind. wie ge< 

sagt, Copien nach den oben genannten Mei» 

stern, behandeln die Passionsgeschichte, die 

Mutter Gottes, Stoffe aus der heiligen Le> 

gende, ein paar mythologische und allegorische 

Stosse und etliche Conversations* oder soge« 

nannte Genrestiicke. Bei der Unsicherheit , 

welche Blatter von Wenzel gestochen sind, 

mussen wir von einer Aufzahlung derselben 

Umgang nehmen und auf die Quellen ver» 

weisen, die fur Kenner und Sammler sowohl 

in Beziehung der Beschreibung als der Matze 

ausreichende Aufschliisse geben. sSa A iHck 

A clll//i cls A ) . I A n poinrrL gra.veui', Bd. V I 

S. 319 u. f. - Naglec (G. K. !>?.). 

Neues allgemeines Kiinstler«3erikon (Miinchen, 

G. A. Hleischmann, 1>".) Bd. X, Seite 347 

big -;-;2 — Derselbe . Alono A i- A minia A s, 

— Handbuch fur Kupf erstichsa m m 1 e r 

oder Lexikon der Kupf erstecher , Maler, Nadirer 

und Formstecher aller Lander und Schulen... 

23 Men A l. oon Kochov, Paul 

Auf Grundlage der zweiten Auflage oon Heller's 

praktischem Handbuch fur Kupferstich» 

sammler neu bearbeitet. . . uon Di-. i i 1 n i . An» 

dreas Andrescn. Nach des Herausgebers 

Tode fortgesetzt und beendigt von I.E. Wesse 

Seite 34 



Wurzbach55 . txt 
1 v (Leipzig 1873. I . 5. Weigol. Ler.-8".) 
Bd. I I , S. 723. der 20 Werke Wenzel's 
aufzahlt.) — 14. Die Familie Wenzell von 
Wenzel 1 i . Einige Nachkommen des Wechs . 
lers P h i 1 i p p Wenzell. welcher l?i3 mit 
dem Eradicate von Nen z e 1 1 i in den erb» 
landischen Nittcrstand erhoben wurde erwar» 
ben sich durch humane Stiftungen ein Anrecht 
auf dauernoe Erinnerung. So stiftete: Ar A 
nold P h i 1 i p p von Wenzelli mit seinem 
am 19, «rbruar 1?43 verfafiten Testamente 
fur vier arme ledige Dienstboten weiblichen 
Geschlechts, welche sich in ihrem Dienste treu, 
ehrllch und fleiBig durch einige I^ihre auf» 
gefiihrt haben, ein Capital von 4000 St. mit 
der Bestimmung, daB von den f unfpercentigen 
Z nsen desselben jedem der Dienstboten eine 
He ratobeistcuer von funfzig Gulden zu ver» 
abre.'chrn und das Velle ! hungsrean oon den 
k. k. niederosten ' '"chischen Lanorrchten auszu« 
iiben sei. — Ein Franz Anton oon Wen» 
z e 1 1 i verfugte mit Stiftbrirf 6<lo. 20. August 
1731 fur vier Studenten ein jahrliches Sti» 
pendium von je 100 St., wofur dieselben die 
Verpf lichtung haben, am 2t . December Beichte 
und Kommunion zu verrichten-, das Prasen» 
tationsrecht besaB ein Johann Ne>p. o, Kunz. 
— SchlieBlich bestimmte Anton oon Wen« 
z e 1 1 i am 29. Janner 1781, daft die funf« 
percent ' gen Zinsen eines Capitals von 4300 st 
unier drei Knaben des Waisenhauses zu ver» 
theilen seien und das Pmsrnmtionsrrcht die 
niederosterreichische Regierung auszuilben habe . 
sGeusau (Anton von) . Geschichte der Stif« 
tungen. Erziehungs- und Untenichtsanstalten 
in Wien von den altesten Zeiten bis auf das 
gegenwartige Jahr (1803) (Wien 1803, kl. 8") 
S. 307. 336. 489.) 

Wenzel. Ludwig, siehe: Wenzel, I o - 
hann > A S. 2 1 , in den Quellen, Nr. 7 A . 
Wenzel. Nicolaus Franz, siehe: Wenzel. 
Johann A S. 2 j , ill den Quellen, 
Nr. 8 A . 

Wenzl von Vochov, Paul, siehe: 
Wenzel, Johann A S. 2 1, in den Quellen, 
Nr. ! ) 1.? 
Men A elides 24 

Wenzel von Iglau, siehe: Wenzel, 
Johann sS 22, in den Quellen, Nr. 10 A . 
Wenzel von Klattan, siehe: Wenzel, 
Johann sS. 22, in den Quellen, Nr. 11 A . 
Wenzel von Krumau, siehe: Wenzel, 
Johann sS. 22, in den Quellen, Nr. 12 A . 
Wenzel von Olmiitz. siehe: Wenzel, 
Johann A S. 23, in den Quellen, Nr. 13 A j. 
Wenzell von Wenzelli, siehe: Wenzel, 
Johann sS. 23, in den Qliellen, Nr. 14 A . 
Wenzelides, Karl (Polyhistor, geb . 
zuTroppau am 24. September 1?70, 
gest. zuNikolsburg am 6. Mai 1832) . 
Er beendete das Gymnasium in Troppau, 
d A e philosophischen und rechtswissenschaf t- 
"lichen Studien in Wien, ubernahm dann 
eine Erzieherstelle im Hause des Barons 

Seite 35 



Wurzbach5 5 . txt 
Badenfeld, wurde 1803 Justitiar in 
Fiirst Dietrichstein ' schen Diensten zu 
Polna, Nikolsburg und Kanitz, fungirte 
1810-1811 als Verwalter in Tieschov, 
1812—1813 als solcher in Rappoltew 
kirchen, ward 1813 Hauptregistrator im 
Fiirst D i e t r i ch stei n' schen Hauptarchive 
zu Nikolsburg und 18 19 Archivar daselbst. 
Aus letzterer Stellung trat er nach 
28jahriger Wirksamkeit 184? in den 
Ruhestand, in welchem er im Alter von 
82 Jahren starb. Ein Mann von viel» 
seitiger Bildung, dichtete er in deutscher 
und lateinischer Sprache — es gibt eine 
Menge Chronogrammata von ihm — 
iibte er Musik und Gesang, setzte eigene 
und fremde Lieder in Musik, componirte 
eine Gesangmesse, betrieb Physik, Bo« 
tanik, Geschickte, unterhielt mit Wo lny, 
Ens, Dr. A 1 t in Troppau, Dr. Homes 
in Wien, mit Glocker in Breslau, 
mit Me i n e r t und Anderen einen lebhaften 
Briefwechsel . Er war auch nach 
verschiedenen Richtungen hin eifriger 
Sammler, und seine schone und reiche A 
Schmetterlingsammlung, ferner die seiner 
Petrefacten, seiner Karten und seiae 
iiber tausend Bande umfassende Bibliothek 
vermachte er letztwillig dem Trop« 
pauer Museum, in welchem auch seine 
Korrespondenz mit Ens. Dr. Alt und 
01-. Homes aufbewahrt wird. Uebrigens 
hatte er schon bei Lebzeiten in dieses 
Museum manches Werthvolle, wie: alte 
Miinzen, verschiedene keltische Alter» 
thiimer, Petrefacten, darunter das Pracht' 
eremplar einer bei Nikolsburg ausgegra» 
benen Unterkinnlade mit einem Hau — 
und mehreren Backenzahnen eines Dinotiisriuin 
FiFantOUin geschenkt. Eine 
andere in der Umgebung von Nikolsburg 
durch Ankauf zusammengebrachte Samm> 
lung, bestehend aus irdenen Geschirren 
und Bronzestiicken germanischen (keltischen) 
Ursprungs, hatte er dem Fiirsten 
D iet r i ch stein fur dessen im Nikolsburger 
Schlosse befindliche Sammlungen 
vermacht. Schrif tstellerisch war er 
nur ganz ausnahmsweiie thatig, so sind 
von ihm abgedruckt in den „Mittheilun» 
gen der mahrisch»schlesischen Gesellschaft 
fur Landwirthschaf t u. s. w.", historisch, 
statistische Section, die „Abhandlungen 
iiber die Fliisse Schwarza und Thaya" 
»831, Nr. 106"", „Ueber den Ort Surgustum" 
»832, Nr. 130"*; imd'Elvert'- 
schen „Notizenblatt " : „Ausziige aus 
dem Tagebuche des Freiherrn Karl von 
Zierotin" »836, Nr. 1, S. 7 A j, welche 
Bezug haben auf den Cardinal Diet» 
richstein und seine Briider Maximi» 
1 i a n und Sigismund; in den Jahr» 
biichern der k. k. geologischen Reichsanstalt : 
„Ueber f ossileMolusken" » 8 3 1 , 

Seite 36 



Wurzbach55 . txt 
S. 131", diese enthalten auch ebenda 
Seite 103 und 110 Nachrichten liber 
Wenzelides ' Petref actensammlung. 
I m Jahre 1847 hatte er die Stadt 
Troppau, von welcher er zum Ehren-? 
Wendig 

burger ernannt worden war, unter ge« 
wissen Bedingungen zur Erbin seines 
Vermogens im Betrage von 10.000 St. 
eingesetzt . 

d'E 1, o e r t (Christian) . Geschickte des Bucher« und 
Steindruckes , des Buchhandels, der Bucher' 
censur und der periodischen Literatur u. s. w.. 
auch unter dem Titel: „Beitrage zur Ge< 

schichte und Ttatlstik Mahrens und Oesterreichisch ' Schlesiens " 
I . Bd, (Bmnn 18">4. Rohrcr. 
gr . t>" . ) S. A N . 

Wenzelius, Nicolaus Franz, siehe: 
Wenzel, Johann j A S. 21, in den Quellen, 
Nr. 8 A . 

Wenzelius von Bochov, Paul, siehe: 
Wenzel, Johann A S. 24, in den Quellen, 
Nr. 9 A . 

Wenzell von Wenzelli, siehe: Venzel, 
Johann sS. 23, in denQuellen A Nr. 14 A j. 
Wenzjg Joseph (Schulmann und 

der eigentliche Urheber des Sprachenzwangsgeset zes 
in Bohmen, geb . zu P r a g 
am i8. Janner 1807, gest. daselbst 
am 29. August 1876) . Die Versuche, die 
polnische Familie We5yk und die bohmische 
Wenzig als zusammengehorig 
— als stammverwandt — zu erweisen, 
sind in keiner Hinsicht aufrecht zu erhalten. 
Was den nationalen Ursprung 
der Familie anbelangt, so ist derselbe 
theils deutsch, theils oechisch, aber schon 
der Vater Josephs bediente sich mit 
Vorliebe der oechischen Sprache. Letzterer, 
dessen GroBvater mutterlicher- und vaterlicherseits , 
dessen Oheime und Geschwifterkinder 
alle in der kaiserlichen 
Armee gedient hatten, und dessen Vater 
Hauptmann in einem kaiserlichen Infan« 
terie-Regimente war, sollte eine andere 
Lausbahn einschlagen und dafiir auch die 
Erziehung erlangen. Er besuchte die 
Hauptschule und das Gymnasium bei 
den Piaristen in Prag, welche in deutscher 
Sprache unterrichteten . Da er sich 
fur ein Gymnaf iallehramt vorbereitete, 
bezog er die Prager Hochschule, wo 
Anton HansgirgM.VII, S. 
und Fr. Iarosl. Vacek M 
S. 178 A j seine (5ollegen waren, und 
namentlich durch diese Beiden angeregt, 
begann er die oechischen Volkslieder und 
Sonette K o 1 1 a r ' s ins Deutsche zu iibersetzen. 
Nach beendeten Studien unterzog 
er sich der Lehramtspruf ung fur das 
Gymnasium und die Hnmanitutsclassen 
und ertheilte bis zur Erlangung einer 
Stelle Unterricht in verschiedenen Fami» 
lien, so unter anderen durch sechs Jahre 

Seite 37 



Wurzbach55 . txt 
in jener des Grafen Chotek, damaligen 
Oberstburggraf en von Bohmen. Auch 
kam er in bestandige Beruhrung mit den 
Vertretern der deutschen und oechischen 
Literatur in Bohmen, mit Karl Hugo 
R 6 B 1 e r , Egon E b e r t , Glaser, 
G e r 1 e , mit oelakovsk) ' , Vina> 
rick) ' , Chmelenskv, Svoboda und 
Anderen. Zu jener Zeit bestand noch 
zwischen Deutschen und oechen kein 
solcker Gegensatz, nickt soled erbitterter 
HaB, wie derselbe in der Gegenwart 

i.eide Stamme die gebieterische Zusammengehorigkeit 
zu einem Gesammtstaate 
vollig vergessen laBt . IndeB vertrat 
Wen zig zeitweilig die damals bekannten 
Professoren Klicpera, Iungmann 
und Zimmermann, bis er 1833 eine 
Supplentur und im folgenden Jahre 
eine wirkliche Professur der deutschen 
Sprache und der Geographie an der eben 
neu errichteten standischen Realschule in 
Prag erhielt, an welcher er durch 
jt> Jahre wirkte, die MuBe seines lehramtlichen 
Berufes in lilerarischen Stu» 
dien und praktischen Arbeiten ausniitzend. 
Auch lernte er den Katecheten Franz 
Schneider Md. XXXI, S. 17 A > und 
den Professor B. Volzano sBd. II,? 
Mennig 26 Menzig 

S. 33^ kennen und trat zu Beiden, 
welche nicht unwesentlichen EinfluB auf 
ihn iibten, in f reundschaf tliche Beziehungen. 
I m Jahre 1848 besaB er infolge 
seines bisherigen Verhaltens bereits in 
solchem Grade das Vertrauen der Herrschenden 
Partei, daB er in den nationalen 
AussckuB gewahlt wurde. Uin diese Zeit 
richtete er sein Hauptaugenmerk auf drei 
Punkte.' auf das Schulwesen, dann 
darauf, daB sich die Deutschen mit der 
Literatur, dem Lande und deu Geschichte 
Bohmens bekannt machten, und auf die 
nationale Dichtung. Was nun das 
Schulwesen betrifft, so wirkte er zunachst 
dahin und lieB es sich selbst auch angelegen 
sein, daB die Schiiler das tlechische 
regelrecht schreiben und sprechen und 
die erf orderlichen Geschafte in dieser 
Sp ' ache ordnungsmaBig ausfiihren lernten. 
I n Bezug auf die KenntniB des 
Landes war sein Vorbild der beriihmte 
Geograph R i t t e r , und in der Geographie 
die Hauptquelle zur genauen KenntniB 
des Landes, in dem man geboren, 

erkennend, bezeichnete er sie als die vorbereitende 
Grundlage fur die iibrigen 
Gebiete des Wiffens. Er war nach dieser 
Richtung auch schrif tstellerisch thatig, gab 
eine „Vorschule der Erdkunde" und 
Anderes — die Uebersicht seiner Schriften 
folgt S. 29 — heraus und forderte diesen 
Wissenszweig mit alien ihm zu Gebote 
stehenden Mitteln. Die Methodik, welche 

Seite 38 



Wurzbach55 . txt 
er darin einschlug, war eine so praktische, 
daB . als Leo Graf Thun das Ministe« 
num des Unterrichts angetreten hatte, 
Wenzig's „Vorschule der Erdkunde" 
als Lehrbuch empfohlen, ofter aufgelegt 
und selbst ins Ungarische ubersetzt wurde. 
I m Jahre 1849 ward Wenzig zu den 
ministeriellen Berathungen iiber die Re 
formen im Unterrichtswesen berufen. 
„Schon damals", heiBt es in einem ihm 
gewidmeten Nachrufe, „gehorte, wenn er 
auch deutsch schrieb, doch sein Herz 
ganz dem sechischen Volke." ( I n jenen 
Tagen lernte ich den Schulrath Wenzig 
personlich kennen, und damals barg der» 
selbe so vortrefflich seine oechische Gesin» 
nung, daB ihn Jeder fur einen heiB' 
bliitigen Partisan der Deutschen halten 
muBte, wie auch seinen Zeitgenossen, den 
Buchhandler Kober. Beide zeigten sich 
dann freilich, als die Dinge sich wendeten, 
in ihrer wahren Farbe, und sie 
wiirden sie wohl auch wieder gewechselt 
haben, sobald sich die Umstande danach 
gestaltet hatten.) I n den oben erwahnten 
Berathungen iiber das Unterrichtswesen 
betrieb Wenzig vornehmlich die Errichtung 
einer selbstandigen Realschule in 
Prag mit oecbischen Lehrkraf ten . Es war 
dies die erste oechische Mittelschule im 
Konigreiche Bohmen, denn das Gym» 
nasium in der Prager Altstadt wurde erst 
im folgenden Jahre fur ein oechisches 
erklart. Ueberdies hatte er damals mit 
nicht geringen Schwierigkeiten fur die 
Realisirung der Plane, die er sich gestellt, 
zu kampfen, da es ebenso an geeigneten 
Lehrkraf ten, wie an den erf orderlichen 
Lehrbuchern in oechischer Sprache fehlte. 
Aber diese Schwierigkeiten rasch iiber» 
blickend, schaarte er sofort die geeignet» 
sten vorhandenen Lehrkrafte urn sich, 
und mit Krejoy, Valenta, Muzak, 
Dr. A. M a j e r , spater mit N i k 1 a s , 
Zap, a t a f t n A , Erben und Anderen 
im Vereine arbeitete er an der Durch» 
fiihrung seiner Zwecke. Als dann 1830 
der neue Landesf chulrath ins Leben trat, 
betraute man ihn mit der, Aufsicht der 
Gemeinde» und Realschulen in Bohmen 
und iibertrug ihm zugleich die Organist' 
rung der hoheren Realschulen nach 
eigenem Entwiirfe. Zu gleicher Zeit 
wurde unter dem Vorsitze P.I. 8afa-^ 
Menzig 27 Mennig 

r i k ' s eine Commission eingesetzt zur Her» 
stellung einer ordentlichen Terminologie 
fur die sechischen Schulen. Urn sich 
iiber den jeweiligen Stand und die 

stetige Entwickelung der Sechischen Lehranf talten 
durch den Augenschein zu iiberzeugen, 
besuchte W enzig von Zeit zu 
Zeit die Schulen des ganzen Landes. 
Auch urn den Stand des Unterrichtswesens 

Seite 39 



Wurzbach5 5 . txt 
im Allgemeinen kennen zu lernen, 
erhielt er hoheren Orts die Erlaubnifl, 
den Lehrerversammlungen in Kosen, 
Braunschweig, Eisenach, Hannover, 
Altenburg und sonst in Deutschland beizuwohnen, 
wo er uberall, indem er den 
Deutschenf reund spielte, Theilnahme und 
f reundschaf tliche Aufnahme fand und 
Verbindungen mit bedeutenden Padagogen 
und Schulmannern ankniipfte. 
Nach der darauf erfolgten Aufhebung 
des Landesschulrathes wurde er mit dem 
Titel eines Schulrathes zum Director der 
k. k. oechischen hoheren Realschulen er> 
nannt, welches Amt er mit einer seltenen 
seine Uechisirungsplane fordernden und 
bef estigenden Ausdauer versah. Bei dem 
nun folgenden Umschwunge in den poli» 
tischen Verhaltnissen des Kaiserstaates 
sah er seiner oechisirenden Praxis mit 
einem Male einen Damm gesetzt, und er 
konnie seine padagogischen Plane nur 
noch theoretisch verwerthen und that es 
auch in einer Reihe von Flugschrif ten, 
wie: „Betrachtungen eines Oef terreichers 
iiber das kais. Handschreiben vom 9. September 
1837", „Grundideen der Erzie» 

hung im nationalen Charakter", „Sachunterricht 
und Sprachiibung, Vor« 

schlag zu einer anderen Betreibung der 
deutschen Sprache", , Neber die Schulen 
Oesterreichs , mit Hinblick auf die Grundideen 
der Erziehung mit nationalem 

Charakter, welche vier Schriften als Beitrage 
zur Padagogik im 6 
auch in eechischer 

Sprache erschienen. Diese Schriften aber 
erregten in den damals maflgebenden 
Kreisen nicht die von Wenzig beabstchtigte 
Wirkung, vielmehr wurde ihm die 
Verof f entlichung solcher Arbeiten, als 
mit seiner Stellung als k. k. Beamter 
unvereinbar, riigend und mit der Bemerkung 
vorgehalten, er trete darin weniger 
als Lehrer, denn als Verfuhrer der 
Jugend auf. Da nun im amtlichen 
Berufe vorderhand seine agitatorische 
Thatigkeit lahm gelegt war, versuchte er 
es auf anderem, aber weit dankbarerem 
Felde: er betrat das parlamentarische 
Gebiet; erlieB sich 1861 im Koniggratzer 
und Nehanicer Wahlkreise in den bohmi» 
schen Landtag wahlen und kam noch im 
namlichen Jahre zu-Prag in den Aus» 
schuB der Gemeindealtesten, da und dort 
die oechische Sache energisch vertretend. 
I m Landtage agitirte er mit alien Mit» 
teln, ebenso im Stadtverordnetencolle» 
gium. Als am 1 1 . September 1861 in 
letzterem die Sprachen fragc in der 
Volksschule zur Berathung gelangte, 
eroffnete er die Debatte mit der Beiner» 
kung: daB der Stadtrath von dem besten 
Willen geleitet werde, dem oechischen und 

Seite 40 



Wurzbach5 5 . txt 
deutschen Theile der Bevolkerung Prags 
gerecht zu werden. Wenn etwas an den 
Antragen Mangelhaftes vorkomme, so 
liege die Schuld nicht an dem guten 
Willen, sondern nur vielleicht am Mangel 
hinreichender Einsicht, und nun brachte 
der Redner als Blasphemie auf das eben 
Gesagte den Antrag: „Es moge an 
sammtlichen stadtischen Pfarrhaupt' und 
Trivialschulen, sowie auch an der Teyner 
Hauptschule die bohmi sch e Sprache als 
Unterrichtssprache, die deutsche 
als Lehrgegenstand eingefuhrt werden!" 
In gleicher Weise agitirte er im 
Landtage, und nach 22 im AusschuB? 
Wendig 28 Menzig 

stattgehabten Sitzungen kam das Gesetz 
der' sprachlichen Gleichberechtigung zu 
Stande, welches sich in der Folge als 
das Sprachenzwangsgeset z entpuppte. 
Wen z ig konnte mit seiner parlamenta« 
rischen Thatigkeit zufrieden sein. Endlich 
wurde er 1864 in den bleibenden Ruhestand 
versetzt, den er noch zwolf Jahre, 
aber nur im Hinblick auf seine abgeschlos ' 
sene amtliche Thatigkeit genoB, denn er 
that noch iiberall mit, wo es sich im 
Prager Gemeinwesen urn Schule und 
verwandte Angelegenheiten handelte, so 
bei der Organisation des gemeindlichen 
Realgymnasiums auf der Prager Klein» 
seite, bei der Griindung des Gemeinde» 
Armenhauses zu St. Jakob, bei der Aufsicht 
liber die Gemeindeschulen, bei der 
Griindung eines Nnterstiit zungsf ondes 
fur arme Studenten an den Prager 
Mittelschulen u. s. w. Wenzig war un 
bestritten ein ungemein begabter und 
energischer Schulmann von umfassenden 
Kenntnissen. Sein padagogisches Wirken 
wiirde gewiB allgemeine Anerkennung ge» 
funden haben, wenn er ihm nicht selbst 
den Makel der Zweideutigkeit als Stempel 
aufgedruckt hatte. Es gab eine Zeit, 
wo die deutsche Kritik in anerkennender 
Weise sein Wirken als Schulmann, Fachschrif tstelier 
und Dolmetsch der oechischen 
Nalionalliteratur uneingeschrankt aner« 
kannte, ja wo er selbst nach solcher Auer> 
kennung deutscherseits strebte, das 
war jene Zeit, in welcher er in dem von 
ihm in Spamer's Verlag herausgegebenen 
„Illustrirten vaterlandischen Ge> 
schichtsbuch" , und zwar ander Stelle, da 
er das osterreichische Schulwesen und 
dessen Leistungen unter Kaiser Franz 
Joseph darstellt, wortlich schreibt: 
„Kaiser Franz Joseph schlang urn alle 
Schulen seines Staates das gemeinschaftliche 
Band der deutschen Sprache, 
aber wie ein Band urn einen B 1 u - 
menstrauB, nicht wie eine Fessel". 
Einige Jahre spater wollte dieser nam> 
liche Schulrath Wenzig die oechische 

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Wurzbach5 5 . txt 
Sprache urn alle Schulen, aber nicht wie 
ein Band um Blumen, sondern wie einen 
Strick um Menschenkehlen geschlungen 
sehen. Es ist ihm gelungen, den Hader 
zwischen den oechen und Deutschen zu 
entf lammen . Die Saat, welche daraus 
aufkeimt, sehen wir mit eigenen Augen ' 
aber die Frucht ist eine andere, und der 
wahre Oesterreicher wird Wenzig's 
Namen nie mit einem Segensworte verbinden. 
Die padagogische Wirksamkeit, 
die Wenzig anfangs so erfolgreich 
ubte, hat er in der Folge mit der agita» 
torischen vertauscht; in die Schule aber, 
welche die Gemiither lautern, die Geister 
erheben und mit der milden Flamme des 
Humanismus durchwarmen soil, in diese 
Hallen des Friedens die Brandfackel der 
Agitation zu schleudern, ist ein Ver» 
brechen gegen die Jugend, welche auf 
verkehrte Bahnen getrieben wird, ist ein 
Verbrechen gegen den Staat, fur den 
man nicht edle Burger, sondern Rebellen 
erzieht. Der Vollstandigkeit halber sei 
noch erwahnt, daB Wenzig funfmal in 
den bohmischen Landtag gewahlt wurde 
und Ehrenmitglied mehrerer oechischer 
Stadte war. I m stadtischen Schulansschufl 
fuhrte er den Vorsitz, war padagogischer 
Inspector der hoheren Madchenschule 
und AusschuBmitglied des Ver» 
eines zur Griindung einer Gewerbeschule 
in Prag; wirkliches Mitglied der bohmischen 
Gesellschaft der Wissenschaften, 
Curator der oechischen Matice, Mitglied 
und Vorstand verschiedener Geselligkeitsund 
padagogischer Vereine. I n seinen 
letzten Jahren, da ihm nach Versetzung 
in den Ruhestand einige MuBe blieb, 
arbeitete er an einer oechischen Ausgabe^ 
Wendig 29 Mennig 

seiner deutschen Gedichte, ein Unter» 
nehmen, das er sich gestatten mochte, 
denn moglich, daB seine Poesien in oechischer 
Sprache Wirkung machten, in der 
deutschen sind sie spurlos verhallt; an 
einer Selbstbiographie und an einem umfassenden 
naturwissenschaftlichen Lehrbuche; 
auch trug er sich mit einer Sammlung 
seiner philosophischen und asthetischen 
Aufsatze. Wenzig war verheiratet, 
seine Frau starb 4874, die zwei Kinder 
aus dieser Ehe schieden vor den Eltern > 
dahin, die Tochter im Alter von 42, der i 
Sohn im Alter von 3t) Jahren. ! 
Uebersicht der im Druck erschienenen Werke A 
von Joseph Weiyig. „Slavische Volkslieder! 
iiberset zt . . . " (Hatte 18A) . Nenger'sche Buch ' ! 
Handlung, 16".) — „Bluten neubohmischrr , 
Poesie. Ilebertragen von. . . " (Prag 18s3. ! 
f urstrrzbischiif liche Druckerei. 8".). — „Die 
Flachenraume und Einwohnerzahlen der Welt« 
theile und wichtigsten Ziinder und Stadte, 
zum leichteren Erlernen und besseren Behalten 

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Wurzbach55 . txt 
nach Reventlow ' s mnemotechnischer Me« 
thode in numerischen Ausdrucken dargestellt" 

(Prag 1843, Landau, 8".). - „Ein Wort 
liber das Streben drr bohmischen Literarur" 

(Prag 1848, Kiwinic) . - „?5-sliI(!a od<»i'U 
N6ti") d. i. Ueberblick der Erdoberf lache 
durch KenntniBnahme derselben im Wege des 
freien und aus dem GedachtniB ausgefiihrten 
Handzeichnens (Prag 183«; 2. Aufl. mit 
einer Uthogr. Karte cbd. 1851) . — „lieatni 
«lcol' s v ooclnlcli", d. i, Die Realschulen in 
Bohmen; im ersten Schulprogramm der k. k. 
hoheren c-echischen Realschule in Prag (1862) . 
t A rn inlaasaii n» alcolacl' 1 ", d. i. Von den 
Mitteln, den Charakter der Jugend auf den 
Schulen zu entwickeln; im 2. Schulprogramm 
der k. k. aechischen hoheren Realschule 
in Prag (Prag 1833. 4".) . — „Blumenlese aus 
der bohmischen Kunst« und Naturpoefie neuerer 
und alterer Zeit. I n deutschen Uebertraguw 
gen" (Prag 1834. Nohlioek. 16".). - „Der 
„„neue Nach"" des Herrn Smil von Pardubic. 
eine Thierfabel aus dem 14. Iahrhun« 
derte. nebst dessen iibrigen Dichtungen und 
einer Auswahl aus seiner Sprichworter« 
sammlunq. Nach dem bohmischen Original' 
tert zum ersten Male bearbeitet" (Leipzig 
1855, Weigel, 8° . ) . — A nc>v A raas pilna 
8mila, 2 I?2.raubic, <:«3k< A c> L^iliavatelu 
XIV. stolsti«, d. i. Der neue Naw des 
Herrn Smil von Pardubic; im 3. Schulpro« 
gramm der k. k. iiechischen hoheren Realschule 
in Prag (Prag 1854, 4"). - ,,1'omaz 2« 
8ti'tn61w viideii a A 'eko ND'^I^nkv o doliu 
2 . vla^tl, -" , d, i Thomas von atiin' 1 im All« 
gemeinen und seine Gedanken von Gott ins« 
besondere; iin vierten Schulprogramm der k k. 
hoheren Realschule in Prag (1855) . — „Rosmarinkranz . 
Eine Sammlung bohmischer 

Dichtungen in deutscher Uebertragung" (Regensburg 
1855, Man;, j « " ) __ "-Blicke uber 
das bohmische Volk, seine Geschichte und 
Literatur, mit einer reichen Auswahl von 
Literaturproben" (Leipzig 5855. Brandstetter . 
6".) . — „Studien liber Nitter TbomaZ von 
8titn«. Ein Beitrag ;ur europaischen Cultur» 
geschichte" (Leipzig 1856, Wiedelnann. 8".). 

— A oina» 2 Ititnelio 3pi3 '"eko: "nae- 
Iicli n. Uaeek", d. i. Thomas von stitns 
und dessen Schrift von den Engeln und den 
Menschen; im funften Schulprogramm der 

k. k. hoheren Realschule in Prag (1856) . — 

„Die Umgebung Prags. Orographif ch . pittoresk 

und historisch geschildert. Mit 20 physiognomischen 

Landschaf tsskizzen und einer 

Karte (Prag 1857. Vellmann. kl, 4". 2. Aufl, 

1859). — „Westssavischer Marchenschat z . E!n 

Charakterbild der Bohmen. Mahrer und Slo« 

vaken in ihren Marchen. Sagen. Geschichten. 

Volksgesangen und Sprichwortern . M!i 

Musikbeilagen" (Leipzig 1857. K. Lorck. »" . ) . 

— „Literaturbild des Konigreichs Vohmen 
aus den Jahren 1855 und 1834" (Prag 

1858, Credner. 8".) . ein Bohmen betreffender 

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Wurzbach55 . txt 
Auszug ous den im Auftrage des Ministers 
des Innern vom Schreiber dieses erstatteten 
Berichten iiber die literarische Bewegung in 
Oesterreich. — „struane S^'inv c. k. v)-' 1 ! 
rekini »koiv cLL^s oa i-oku 1843 » A ao 
n A n A,A, H", d. i. Kurze Geschichte der k. k. 
hoheren aechischen Realschule vom Jahre 1849 
bis auf die Gegenwart (1838); im achten 
Schulprogramm der k. k. hoheren neckischen 
Realschule in Prag (1838). — „IUustrirtes 
vaterlandisches Geschichtsbuch . Bilder aus der 
Staaten», V61ker» und Culturgeschichte Oester« 
reichs. fur Freunde vaterlandischer Geschichte, 
insbesondere fur die Jugend bearbeitet, zwei 
Bande mit 160 in den Tert gedruckten I 1 1 u - 
strationen. « Tonbildern" (Leipzig 18N0 und? 
30 Wenzig 

1861. Otto Spamer, gr. 12".) . — „Kranze 
aus dem bohmischen Dichtergarten" (Leipzig 
1860. Wiedemann, kl. .16°) . enthalt Ueber« 
setzungen von Gedichten K o 1 1 a r ' s und Oe« 
lakovsk>'s. — „Ueber die Schulen Oestrr« 
reichs mit Hinblick nuf die Grundideen der 
Erziehung mit nationalem (5barakter" (Leito» 
mischl 1860. Augusta, 8":) — „Sachunter« 
richt und Sprachiibung. Gin Vorschlag zu 
einer anderen Betreibung der deutschen 
Sprache in den Stadt-, Haupt« und Mittel« 
schulen mit Schiilern bohmischer Zunge, 
nebst einem Blick aus die ostlichen Lander 
Oesterreichs " (Leitomischl 1860. Augusta. 8".). 
— „Der Bodmerwald. Natur und Mensch. 
Geschildert von I . Wenzig und Johann 
K r e j A i . Mit einem Porworte von Karl 
R i t t e r in Berlin. Mit 23 Holzschnitten nach 
Eduard Herold" (Prag 1860. Bellmann. 
8«) . — „Grundideen der Erziehung mit 
nationalem Charakter" (Leitomischl 1860. 
Augusta) . — „Betrachtungen eines Oesterrei» 
chers iiber das kaiserliche Handschreiben vom 
7. September 185?" (Leitomischl 1860, 
Augusta, 8".) . — „Die Durchfiihrung der 
Gleichberechtigung beider Landessprachen in 
den Schulen Bohmens (Leitomischl 1861, 
Augustll. gr. 8".) . — A I A rovscl A ni ravcio- 
Fi-avnoati obou, ' s 2.2ykii vs »kolilek ae- 
5k) '-ed, ", d. i. Einfiihrung der Gleichberechti» 
gung beider Sprachen in den iiechischen 
Schulen (Prag j.^62. Augusta 8".); mit 
dieser Schrift war das Signal gegeben zum 
stehenden Nationalitarenstreit , der sich immer 
mehr zuspitzend bis zur Gegenwart reicht, in 
welcher sich die beiden Volker, dir bis dahin 
friedlich neben einander lebten, im blinden 
Viilkerhasse feindlich gegeniiber stehen. — 
AuBer diesen selbstandig erschienenen Werken 
verof f entlichte aber Wenzig sehr viel in 
deutschen und slavischen Zeitschriften, und 
zwar auBer Poesien padagogische und andere 
Artikel, so in S ch e r r's „Bildersaal der 
Weltliteratur " , in A. Luksic „Sudslavischen 
Blattern", in der Prager Zeitschrift „Ost und 
West", im Taschenbuch „Libussa" und in 
anderen. Auch auf dramatischem Gebiete hat 

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Wurzbach55 . txt 
er sich wiederholt versucht und Anlaufe ae« 
nommen, das noch ziemlich arme aechische 
Theaterrepertoire zu bereichern; so brachte er 
zur Auffiihrung: „Klkli'i- eo AA nialion" , 
d. i. Der Maler als Pygmalion, Lustspiel in 
3 Acten; — „Xoruna", d. i. Die Krone, 
dramatisches Gedicht in 3 Acten! — „8n A 
aani a. odoavani", d. i. Gabelf ruhstiick und 
Mittagmahl. Scherz in 1 Act; — „ v alibor«, 
Oper in 3 Acten, von Kapellmeister Friedrich 
S m e t a n a "Vd. XXXV, S. 173) in Musik 
gesetzt; — „Lasnik 062 latk?", d. i. Der, 
Dichter ohne Stoff, Humoreske in 3 Acten; 

— ,l A .l-i-ia a. ?liw3", historisches Drama in 
5 Acten. Ein Drama „ A lasta" gelangte 

schon zu Anfang der DreiBiger-Jahre zur 

Auffiihrung, verschiedene Operntexte aber, wie: 

„Libussa" . „Sischka vor Prag", „Der lebendige 

Neptun" und andere, hat er fur K. Se< 

bor, Amoros, ! A r. Prochazka, Sku< 

hersk? geschrieben, und ein Oratorium, 

„Das Labyrinth der Welt", nach Come« 

n i u s . soil Director K r e j 6 i in Musik gesetzt 

haben. Noch erfahren wir, daB einige Theater» 

stiicke Wenzig's in zwei oechischen periodi« 

schen dramatischen Sammelwerken aufgenommen 

seien, und zwar in der P ospi«i 1' schen 

„I)iv2a61ni VibUotelca-1 (Theaterbibliothek) : 

„Oorilia.". eine Posse in 3 Acten, und 

„Xova kon^i-i^QL" , d. i. Die neue Con» 

scription ein dramatischer Scherz in 2 Acten, 

und im Jahrgang 1871 und 1872 der Ko« 

b er' schen Sammlung: „V<'I>or sMiiv arg.- 

NktiLkxcll", ,,1'imoleon", Trauerspiel in 

5 Acten und „Ooktoi-Kk uieaiein A o", d. i. 

Die Doctorin der Medicin, Lustspiel in 5 Auf» 

ziigen . 

(Quellen ) ur Dillgrapl) ie . i7?-6«?16/c A . A l..>>. 
a, dasnik. A ivoto A isn) ' niiLtin, d. i. Joseph 
Wenzig. occhischer Schrif tsteller . Padagog 
und Poet. Biographische Skizze (Prag 1872. 
Kober. 12") . — Allgemeine Z e i t u n g 

(Augsburg. (5otta. 4°.) 1836, Nr. 33: „Zur 
Geschichte der bohmischen Literatur" . — B o« 
hernia (Prager polit. und Unterhaltungs« 
blait. 4".) 1860. Nr. 30. S. 26!).- „Ueber die 
Erwiderung des Herrn Wenzig" . — Die« 
selbe. 1861. Nr. 139, S. 1313: in der 
„Mosaik" . — Deutsche allgemeineZei . 
tuna (Leipzig 1836) Nr. 39. im Feuilleton. ' 

— Dieselbe. Nr. 277. ebenda. — Prager 
Morgenpost (polit. Blatt) 1864. Nr, 143, 
im Feuilleton: „Prager Wochenskizze" . — 
Presse. 1861. Nr. 232.- „Verhandlungen 

liber die Volksschule in Prag" . — Seidlitz 
(Julius Dr.) . Die Poesie und die Poeten in 
Oesterreich im Jahre .1836 (Grimma 1837, 
Gebhardt, 12") S. 42. — 6 s s k o inor 
avLkilxoklaclnioo . Xalenaar obr A - 
kov> ' nk i-ulc 1862, d. i. Oecho«mahrisches 
Schat zkastlein . Bilderkalender auf das Jahr£ 
Weniyk, Franz 31 Meniyk, Franz 
1862 (Prag, Bellmann. schm. 4".) S 113, mit 
Portrait im Holzschnitt. 

Seite 45 



Wurzbach5 5 . txt 
Portrait. Nach einer von Kehula auf» 
genommenen Photographie von A. Dirks 
lithographirt und bei Henry und Cohen in 
Bonn gedruckt . Von den Schiilern der boh» 
mischen Dberrealschule dem Director derselben 
dargebracht (Fol.), 

Weuzl, Franz, siehe: Wenzel, Johann 
A S. 20, in den Quellen, Nr. 3 A . 
Wenzl, Ludwig, siehe: Wenzel, Johann 
A S. 2 t , in den Quellen, Nr. 7 A j. 
Wenzl von Vochov, Paul, siehe: 
Wenzel, Johann sS. 2 1, in den Quellen, 
Nr. 9 A . 

Wenzlewski, siehe: Wenclewski, 
Siegmund sBd. I . IV, S. 2 7 A . 
Weniyk lWtziyk), Franz (polnischer 
Dichter, geb . im Dorfe Witulinin 
Podlasien am 7. October 1 7 8u , gest. in 
Krakau am 2. Mai 4862). Ein Sohn 
Kasimir Wen A yk's, Abgeordnetender 
Wojwodschaft Sandomir auf dem War" 
schauer Reichstage, aus dessen Ehe mit 
MarianneBoguslawski, besuchte 
er die ersten Schulen in Bially, einem 
dem Fiirsten Radziwill gehorigen 
Stadtchen, wo er den Fiirsten Karl 
Radziwill kennen lernte, welcher den 
Beinamen „pana. Kookunku" von 
dieser Redensart trug, deren er sich in 
der Ansprache gegen Andere ofter zu bedienen 
pflegte. Als nach der durch 
Kosciuszko veranlaBten Erhebung 
Polens jener Theil dieses Landes, in 
welchem Weniyk geboren worden, 
unter die osterreichische Regierung kam, 
schickten die Eltern den Sohn nach Warschau 
in das Moller'sche Institut, aus 
welchem er nach beendeten Vorberei» 
tungsstudien auf die Iagiellonische Uni» 
versitat in Krakau ging, urn sich an derselben 
der Rechtswif f enschaf t zu widmen. 
Daselbst blieb der beruhmte Professor 
Hyacinth Aegyd Przybilski Mand 
XXIV, S. 3 A nicht ohne EinfluiJ auf 
Wenayk ' s geistige Entwicklung, auch 
traf des Letzteren Universitatsstudium in 
die Zeit, als Kollatay ' s wohlthatige 
Reformen ihre Wirkung zu auBern be> 
gannen. Es war eine Periode denkwiir» 
diger Ereigisse. Napoleon, nachdem 
er die Macht PreuBens in der Schlacht 
bei Jena zertrummert hatte, iiberschritt 
die Grenzen Polens. Wen5yk zogerte 
nun nicht langer, er eilte 1807 sofort 
nach Warschau und wurde Assessor bei 
dem Appellationsgerichte daselbst. Unler 
der allgemeinen Aufregung, welche sich 
der Warschauer Bevolkerung bemachtigt 
hatte, betrat er das Gebiet der Literatur 
und nahm bald unter den zeitgenossischen 
Poeten eine hervorragende Stelle ein. 
Seine erste groBere Arbeit war: A I / s A 
s A /s/a", d. i. Die heilige Messe, verfaBt 
1808 auf Verlangen des Geistlichen 

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Wurzbach5 5 . txt 
Cybulski, Directors der Organistenschule 
in Warschau. Dieser Dichtung, 
welche man einige Zeit irrthumlich dem 
Poeten Alois Felinski zuschrieb, folgte 
1809 das Drama „ A A m osnooo A on A ", 
d. i. Das befreite Rom. Dasselbe, in 
Versen gedichtet, wurde auf dem Nationaltheater 
in Warschau anlaBlich der 

siegreichen Riickkehr der polnischen Truppen 
aus dem beendeten Feldzuge auf» 
gefuhrt, erregte eine allgemeine Begeisterung 
und erhob den Dichter zum 
Helden des Tages. Nach diesem drama» 
tischen Erfolge betrat er mit der Dichtung 
„OHo' s css /s ?>aH<?U'«", d. i. Die 
Umgebungen Krakaus, welche er damals 
in dem von Osinski herausgegebenen 

. , ?Awi6tin ! v" verof f entlichte, das epische 

Gebiet . Auch dieses Werk, wiederholt verlegt, 

und zwar Krakau t820, . dann 

5823 und 1833. fand so begeisterte Auf-£ 

Weniyk. Franz 32 ) Franz 

nahme, wie das 18 1 aufgefuhrte Drama 

,,<3 A ?FHi", well es aber erst 1822 zu 

Krakau im Druck erschien. Die Warschauer 

Gesellschaft der Wissenschaftsf reunde 

nahm nach der Auffuhrung des 

„01inski" «den Poeten unter ihre Mit» 

glieder auf. I m Jahre 1811 brachte er 

die Tragodie „HaD'6«)' s A a A sin//- 

?on?is5" zur Auffuhrung und kam so 

dem beruhmten gleichnamigen Drama 

Felinski ' s zuvor. I n der Zwischenzeit , 

1810, war Wen A yk in den Reichstag, 

der zu Warschau zusammentrat , gewahlt 

worden und versah sein Mandat bis 

1813. Mit Anton Ostrowski und 

K. Sk6rkowski bildete er die Opposition 

und entwickelte als Deputirter einen 

Freimuth, der bei den damaligen un» 

gesunden politischen Verhaltnissen, welche 

die Existenz des GroBherzogthums untergruben, 

leider ohne Wirkung blieb, nur 

in den Reichstagsacten haben seine 

Reden sich erhalten. Nach Napoleons 

Sturze, welchem das Aufgeben der Hoff» 

nungen Polens folgte, zog sich Weniyk 

in landliche Einsamkeit zuriick, und dort 

dem Familien' und Landleben sich wid» 

mend, gab er sich in seiner MuBe auch 

literarischem und poetischem Schaffen hin. 

Als Frucht dieser Zeit sind zu verzeichnen : , 

die Tragodien „So/>°s«?Kn Fn««/?/", d. i. 1 

Boleslaw der Kiihne (Krakau 1822) 

und n A anFa- (ebd. 1826), wie auch 

einige historische Erzahlungen, und zwar: 

ieoi' s , d. i. Wladislaus Lokietek 

oder Polen im 13. Jahrhunderte, 3 Bande 

(Warschau 1828) und „ A z A nnn? 6 >3<3ttn 
w A i / - , d. i. Siegmund von Szamotul, 
3 Bande (ebd. 1830) . Noch einmal betrat 
Wen/yk den offentlichen Schau« 
platz, als ihn d!e einmuthige Erhebung 
des polnischen Volkes im Jahre 1830 

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Wurzbach5 5 . txt 
nach Warschau berief, wo Caftellan 
Wenayk seinen Platz im Senate einnahm. 
Aber auch damals wurde durch 
die Uneinigkeit des Volkes alle gedeihliche 
Wirksamkeit gelahmt. RuBland trat die 
Grhebung mit seinen Kolben und Knuten 
nieder, und nun kehrte Wenayk nach 
Krakau zuriick, wo er fortan seinen blei» 
benden Aufenthalt nahm. Als sich die 
gelehrte Gesellschaft in Krakau von der 
dortigen Universitat abzweigte, wahlte 
sie unseren Wenxyk einstimmig zum 
Prasidenten, und versah er dieses Ehren« 
amt bis zu seinem im Alter von 
7? Jahren erfolgten Tode . Unter seinem 
Presidium in besagter Akademie faflte er 
den Gedanken der Erbauung eines eige» 
nen Hauses fur dieselbe, in welchem sie 
ihre Sitzungen halten und die seit Jahren 
' auf gespeicherten Sammlungen aufstellen 
sollte. Er wendete sich an die Bevolke» 
rung, fur diese Idee von ihr Forderung 
und Unterstiit zung erbittend, und fand 
beides. Alltnalkg erhob der Bau sich aus 
den Grundlagen, indeB Wrn/.yk sollte 
die Vollendung desselben nicht erleben, ' 
doch aber die Zuversicht ins Grab mitnehmen, 
daB sie nahe bevorstehe. Von 
WenHyk ' s iibrigen Arbeiten sind nur 
noch bekannt : „ I "'a ts5 o2)-U K A eex A - 
. poLvolitg. Vadiilska.") d. i. Ich auch 
1 oder die Babms'sche Republik, ein Lust« 
! spiel in Versen, welches in einem Anhang 
A der „6- A 26ta. pol8ka." (Polnische Zei- 
A tung) abgedruckt wurde, und in seinen 
, letzten Lebensjahren ging er daran, in 
! breiten Umrissen ein groBes historisches 
> Drama, betitelt: „V62 A rolexvie", d. i. 
, Ohne Konig, zu schreiben, von dem aber 
nur einige Bruchstiicke zur Verof f entlichung 
gelangten. Wenxyk zahlt zu den 
! begabtesten Poeten seines Vaterlandes, 
aber in den Fesseln des Classicismus er- 
A lahmte auch der Schwung seiner Phan> 
i'tasie. I n seinen anlaBlich der Siege Na«^ 
Menzyk, Leonhard 33 Leonhnrd 
p o 1 e o n s geschriebenen Oden, in denen 
er derselben freien Raum liefl, bekundete 
er den tief ent z?sindenden begeisterten Dich' 
ter' hingegen verfehlen seine drama» 
tischen Arbeiten, trotz einzelner Schon» 
heiten, ihre Wirkung, immer aber, was 
Reinheit der Sprache und Vollendung 
der Form betrifft, wird er als muftergiltig 
angesehen werden mussen. Auch 

ein groBes Verdienst bleibt ihm noch ungeschmalert , 
namlich das, in den Ver« 
Handlungen der Krakauer Akademie auf 
die dramatische GroBe und Bedeutung 
Shakespeare ' 3 die polnische Nation 
aufmerksam gemacht zu haben. I n seinem 
NachlaB fand sich eine Uebersetzung von 
Virgil ' s „Aeneide" vor. Franz Wen- 
Hyk war vermalt, und von seinen Kindern 

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Wurzbach55 . txt 
sind nur zwei Tochter bekannt, die beide 
trotz aller Vorstellungen des greisen 
Vaters, ihn im Alter nicht zu verlassen, 
ins Kloster der barfuBigen Karmeliterinen 
zu Wesola bei Krakau eintraten, und 
deren eine, Marie sS. 37, Nr. 3 A >, als 
Oberin diesos Klosters in der Schauer» 
geschichte der Barbara Nbryk eine wenig 
beneidenswerthe Nolle gespielt hat. 
i xiLniuck I'rauciLZlia ' s Vy' s 'kk, d. i. Erin» 
nerung an das Leben und die Schriften des 
Franz We/yk (Krakau 1865. 8".. 34 S ) . - 
xoluki«.' s v -ar A aacli, d. i. Gesch'chte der 
polnischen Literatur in Umrissen (Warschau 
1845. Tcnnewald, gr. 8".) Bd. I I I , S. 378 
A nach diesein geb . am 10. October 1785'". — 
d. i. Die polnische Literatur im historisch» 
kritischen Abrisse (Krakau 1868, Himmelblau, 
gr. 8".) Bd. I, S. 21. 32. 3i> uno 220; 
Bd. I I , S. 1 A , 46, 257. - (I>'2u,a, d. i. 
Die Zeit (Krakauer politisches Blatt) 1862. 
Nr. 104. im Feuilleton.- ^l-anci 
Wenzyk (WBiyk) , Leonhard Ritter 

von (Mitglied des Abgeordneten- j schafts- und 
u. Wiirz dach. biogr. Lerikon. I.V. Mdr . 7. Fcdr. 188? A l 
Hauses des osterreichischen Reichsrathrs , 
geb. ; u K o t 1 i c e 18 ! 6, gest. zu Kra" 
kau am 7. Janner 1876) . Der SproB 
einer altadeligen polnischen Familie; ob 
jeZer der Wenzyk vom Geschlechte 
Wirz, oder jener vom Geschlechte Kot» 
wicz, kann nicht bestimmt werden, weil 
alle genealogischen Anhaltspunkte fehlen. 
Er soil ein Bruder des beriihmten Dich. 
ters. Castellans und Senators Franz 
von We5yk sein, dessen Lebensskizze 
S. 31 mitgetheilt wurde. Indeft spricht 
gegen diese Angabe der Unterschied 
der Geburts jahre : der Dichter ist 
1783, der Abgeordnete 181t> geboren, 
es lage also ein Zeitraum von 31 Jahren 
dazwischen. Seine "Mutter Salomea 
war eine geborene von Roter mund 
und eine Nichte des osterreichischen Feld» 
marschall ' Lieutenants gleichen Namens. 
Die Vermogensverhaltnisse seiner Eltern 
sicherten der Familie eine unabhangige 
Stellung. Daher stand auch sein Vater 
Stanislaus in keiner Staatsbedien« 
stung, sondern derselbe bekleidete nur 
Aemter, zu welchen ihn das Vertrauen 
seiner Mitbiirger berief, so das eines 
Friedensrichters und Wo jwodschaf ts " 
rathes. Von Leopolds vier Geschwistern 
wurde Alexander infolge der 

politischen Ereignisse zur lebenslanglichen 
Arbeit in den sibirischen Bergwerken vei> 
urtheilt, spater jedoch zu lebenslang» 
lichem Exil begnadigt . Er starb auch in 
Sibirien, und seine Mitverbannten errich» 
teten ihm nach eingeholter kaiserlicher 
Genehmigung daselbst ein Denkmal. 
Leonhard besuchte das Gymnasium zu 
Krakau, horte auf der dortigen Nniversitat 

Seite 49 



Wurzbach55 . txt 
die philosophischen und juridischen 
Studien und beendete letztere auf der 
Hochschule zu Breslau. Hierauf bildete 
er sich an der beriihmten Landwirth» 
Forstschule 
3 

Tharand^ 
Lecmhckrd 

praktisch zum Oekonom und kehrte dann 
zu seinen Eltern zuriick, welche ihm das 
Gut Paszkowska zur selbstandigen Bewirthschaf tung 
libergaben. I n den nacl> 
sten Jahren bereiste er Italien, die 
Schweiz, Frankreich, Belgien und Deutsch 
land und besuckte, seinem Drange nach 
weiterer Ausbildung folgend, in Paris 
die Sorbonne und das Ooll<' s o as 
I'l-nneo. Nack seiner Heimkehr wurde er 
1848 Vizeprasident des Nationalraihes 
von Wadowice. I n den Jahren 1861 
und 1867 wahlten ihn die GroBgrundbesit zer 
des Krakauer Kreises in den galizischen 
Landtag, welcher ihn in das 
Abgeordnetenhaus des osterreichischen 
Reichsrathes entsendete. I n der Session 
1870/73 war er nicht Mitglied des 
selben, dagegen wurde er im October 
1873 vom Groflgrundbesit ze der Wahl 
bezirke Wadowice, Biala und Saybusch 
wieder mit einem Mandate betraut. 
Was sein parlamentarisches Auftreten 
anbelangt, so weicht es in Nichts von 
dem der Slaven iiberhaupt im osterrei 

chischen Parlamente ab, die, nie zuf riedengestellt , 
immer interpelliren und 

schliefilich mehr erlangen, als mit dem 
Wohle des Gesammtstaates vereinbar ist. 
I n einer Folge von „Silhouetten" , 
welche die „Bohemia" von einzelnen Ab ' 
geordneten des Parlaments seinerzeit 
entwalf, heiBt es von ihm: „Eine urwiichsige 
Erscheinung voll Derbheit, mit 
einer Lunge, wie sie auf einem polnischen 
Reichstage einem Redner nicht besser gewiinscht 
werden kann, ist der Ritter von 
Wenzyk. Er spricht selten, aber dann 
gibt ' s aus, wie der Wiener sagt, und wo 
die Keulenschlage seiner sarkastischen Ein» 
falle hintreffen, wachst kein Gras mehr. 
Er hat den siiBen Vergleich zwischen 
Lehengesetz, Ausgleichverf ahren und Erd< 
b . ' ergef rorenem, mit denen man den 
, ) Valentin Fmnz Sales 
Hunger der Volker Men wollte, wenn 
auch nicht erfunden, so doch ausgebeutet . " 
Nun, der Vergleich war imme»hin komisch, 
doch paBte er nicht, da ihn Ritter von 
Wenzyk auf einen von Hunger sterben» 
den Mann — worunter er den Staat 
meinte — anwendete. So schlimm steht 
es mit dem Staate noch nicht, am 
wenigsten mit Galizien, das ja von 
PreuBisch' und Russisch-Polen betreffs 
seiner politischen Lage geradezu beneidet 

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Wurzbach55 . txt 
wird. I m Jahre 1860 wurde Wenzyk 
auch zum Comitomitgliede der agronomischen 
Gesellschaft in Makau gewahlt . 
1834 vermalte er sich mit Luise Grasin 
Z a 1 u s k i , Witwe des Freiherrn Hieronymus 
von Borowski . Im Abgeordnetenhause 
zahlte er zur Partei der Foderalisten . 
1870 gab er die Flugschrift: 
<si>?/i'", d. i. Blick auf den allgemeinen 
Stand der Dinge in Oesterreich (Krakau, 
8" . ) heraus . 

Bohemia. ji>61. Nr. 247. — Allgemeine 
Z e i t u n g (Au A bur A . O'o.'la, 4") 1876. 
Nr. 13. A l'llc A e. 

Weuzyk <V5tzil)k), Valentin Franz 
Sales (Bischof von PrzenuM, geb . 
24. Februar 1703, gest. zuBrzozow 
am 26. October 1766) . Sein Vater 
aurenz bekleidete eine hohere Militarstelle 
zu Ostrezow, und seine Mutter 
Marianne war die Tochter des Sia« 
rosten Olszewski von Wielun, einem 
Stadtchen in GroBpolen. Die Eltern 
'chickten den Sohn nach Rom, wo er 
dem Studium der Rechte und der Theoogie 
oblag und nach deren Beendung ein 
Panegyricum auf den seligen Johannes 
C a n t i A s (1720) im Druck herausgab. 
I n seine Heimat zuriickgekehrt , erhielt 
er zunachst ein Canonicat in Gnesen, 
wo er spater Domcustoa wurde, 1743 
in Canonicat in Krakau, in welcher? 
) Valentin Franz Sales 38 A Valentin Franz Sales 
Stellung er als Deputirter des Capitels 
daselbst zum Beischer des koniglichen 
Tribunals berufen ward. Auf demselben 
lenkte er die Aufmerksamkeit Konig 
Augusts III. auf sich, der ihn 1753 
zum Bischof von Chelm ernannte. Als 
solcher restaurirte Wenzyk die Kathedrale 
von Krasnijrow und erstattete 
einen langjahrigen Rijckstand, der zu an» 
sehnlicher Summe angewachsen und der 
Diocese auszuzahlen war, aus seinen 
eigenen Mitteln. 1763 von Konig Stan 
i s 1 a u s August zum Bischof von 
Przemyal ernannt, bekleidete er diese 
Wiirde nur kurze Zeit, doch that er wahrend 
derselben Manches, was ihm das 
Andenken in der Diocese sicherte. So 
schaffte er die groBe Glocke fur die Ka« 
thedrale urn 30.000 polnische Gulden 
an, wie es die Glockeninschrift bezeugt, 
und bestimmte zum Ankaufe eines goldenen 
Kelches die ansehnliche Summe 
von vierhundert ungarischen Goldgulden; 
erbaute im Dorfe Huta Krzeszowska, 
welches damals zur Przemyaler Diocese 
gehorte, als Krzeszower Filiale eine 
eigene Kirche und lieB zum Gebrauche 
des Clerus seiner Diocese durch Kuczborski 
den romischen Katechismus ins 
Polnische ijbersetzen und in Druck legen, 
welche Nebertragung aller Wahrscheinlichkeit 

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Wurzbach5 5 . txt 
nach der zu Przemysl 1766 ge» 
druckte, heutzutage bereits ungemein 
seltene Katechismus ist. Zu Wenzyk's 
Zeit erwachten die Kirchenstreitigkeiten, 
die friiher schon den Frieden der katholischen 
Kirche in Polen gestort hatten und 
nun von den protestantischen Fiirsten des 
Auslandes genahrt wurden, zu erneuerter 
Heftigkeit und schwachten die Macht des 
Konigthums immer mehr, bis dieselbe 
vollends gebrochen war. W e n z y k 
steuerte in dieser bedrangniBuollen Zeit 
das Kirchenschif f mit Muth und Umsicht. 
Unter ihm fand am i 3 . August 1766 die 
Kronung der alabasternen Statue der 
Mutter Gottes in der Dominicanerkirche 
zu Przemyltt statt, zu welcher Feierlichkeit 
Adel und Volk von Fern und Nah herbeistromte . 
Der damals schon leidende 
Bischof erlag wenige MKiate danach 
seinem Uebel im Alter von 61 Jahren. 
Er ist in der h. Kreuzcapelle der Prze< 
myiler Kathedrale beigeseht, wo jetzt 
noch sein Bildnifl sich befindet. Sein 
letzter Willensact, welchem zufolge das 
Przemyd-ler Domcapitel zweihundert» 
tausend polnische Gulden als Legat erhalten 
sollte, erfuhr durch den Vinsvruch, 
den die Verwandten des Bischofs dagegen 
erhoben, eine sehr bedeutende 
Schmalerung. Auch aus seinem ansehnlichen 
Silberschat z , dessen sich seine Anverwandten 
fast vollig bemachtigten, gelangte 
in den Besitz des Capitels nur ein 
kostbares ?s6uni p^stor^ie, das mit 
dem Bilde seines Namenspatrones, des 
h. Valentin, und dem Wenzyk'schen 
Wappen geschmuckt ist. I n einem Nachrufe 
wird der Bischof als ein ausgezeichneter 
Oberhirt der Kirche, als Canonist 
ersten Ranges, als ein strenger Verthei« 
diger des katholischen Glaubens geschil» 
dert. Auf strenge Zucht seines Clerus 
und Frommigkeit des Volkes bedacht, 
zeigte er sich auf den Landtagen als 
Staatsmann voll Einsicht und besorgt 
fur das Wohl des Vaterlandes. 

Loritis et A esta, oFiLco^oi-um r. I. ?romis- 
IlsnLinm. N tontibu3 aoniol-tieis et extranei8 
con^eLLit ( A lacoviae I8?o, V. A 2,- 
norskj, l?r. i>°.) P. tt<)2— 6(15 ''nach diesem 
gest. 1766) . — A iulvH A i s' s ul/ici/' s ) . Ivataw A 
slcic' 1 , d. i. VerzeichniB der Krakauer Bi« 
schiife, Pralaten und Domherren (Krakau 
1833. Universitatadruckerei . gr. 8".) Vd. V I , 
N. 22 1 snach diesem gest. 1770; Pawlow« 
ski's Anciabe ist die richtig. 
3 "? 

, Johann . . Johann 

Noch sind von dieser Familie bemcrkcnswcrth 
1. Adalbert Nenzyk (Wa5yk) (gest 
1659), ein Sohn Peters, Jagermeisters v< 
Sieradz, nach Anderen Martins aus dess 
Eke mit Sophie Bolkowska vom G 

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Wurzbach55 . txt 
schlechte Nal?cz. Er widmete sich dem geist. 
lichen Stande, erlangte im Jahre 1636 ein 
Cllnonicat cM der Krakauer Kathedrale unl 
wurde stufenweise Eustos von Krakau, De 
chant von Gnescn, Propst von Lowicz und 
zuletzt Sccrciar des Konigs. Die Angabe, da' 
Adalbert Wenzyk Abt von Mogila ge 
wescn sei. stellt Constantin Hoszowski ii 
feinem Werke: „Odra« A >'<.'la, i 22,31uF oz> A 
to>v mogN^icli", t» i. Gemalde des Leben« 
und der Verdienste der Aevte von Mogilc 
(Krakau 18-i?) S. 76 entschieden in Abrede, 
da nur ein N e n z y k . und zwar Johann 
der nachmalige Bischof von Przemysl, Posei 
und zuletzt Erzbischof von Gnesen und P n 
mas von Polen, Abt von Mogila war. Al< 
Teputirtcr beim koniglichen Tribunal vcrtra 
Adalbert mit Entschiedenheit , unbeu^scm 
gegen Bitten und Drohungen, das Recht 
Als er starb, tbeilte er sein Vermogen zwi 
schen der Kirche und den Armen, A s - 
ton i Icauaniko A v lc"Zcon-slcicil, d. i> Ver< 
zeichniB der Bischofe, Pralaten und Dom« 
Herren von Krakau (Krakau 1833, Nniversitats« 
druckerci, 8".) Bd. I V, S. 222." - 2. Johann 
Wenzyk (NB^yk) (grb. 1375. gest. am 
26. Mai 1638) . Ter Sohn eines mittellosen 
Edelmannes H i erony mus» We^yk aus 
drssen Ehe mit Dorothea aus dem Hause 
Zaleski. Nachdem er die Icsuitenschulen 
zu Kalisch beendet hatte, bezog er die Kra< 
kaucr Hochschule, worauf ihn die Eltern, die 
ihn fur den geistlichen Stand bestimmt hatten, 
nach Rom brachten, wo er sieben Jahre lang 
den Studien oblag, aber nicht bios Theo« 
logie. sondern mit nicht geringem Erfolge auch 
die Arzeneiwissenschaf t betrieb. Doch wuwe 
cr Priester und kehrte nun in die Heimat 
zuriick, wo ihn Johann Tarnowski, da« 
mals Bischof von Kujawien, als seinen 
Kanzler anstellte. I n kurzer Zeit wurde 
Wenzyk Tomherr in Krakau und Sccretar 
des Konigs. Seine SprachenkenntniB und gc< 
schaftlichc Gewandtheit lenkten die Aufmerke 
samfcit der Konigin Constanze auf ihn, 
die ihm trotz der Gegenbemiihungen seiner 
Neider, zunachst zur Abtei Mogila. 1619 aber 
zum Bisthum von Przemysl verhalf. Fiinf 
Jahre spater wurde er Bischof von Posen 
und schon zwei Jahre danach Erzbischof von 
Gnesen. Alle diese Wiirden verdankte er dem 
Einfliisse der Konigin, die aroBe Stiicke auf 
ihn hielt und ihn zum Primas erhoben sehen 
wollte. Seine Gegner aber ruhten nicht, ihn 
zu verdachtigen, und damals hieB es in Polen: 
Adam wurde durch Eua. Eva durch die 
Schlange verfiihrt, den Konig verrath die 
Konigin, und Wenzyk verfiihrt die Komgin. 
Nichtsdestoweniger aber erkannte, man an, 
daB er seine vrirsterlichen Obliegenheiten mit 
groBem Eifer erfullte und in der Forderung 
der katholischen Kirche unermiidet. war. 1628 
berief er die Nrovincialsynode nach Piotrkow, 
auf welcher cr alle ferneren Zwistigkeiten und 

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Wurzbach5 5 . txt 
Kampfe der Akademie mit den Jesuiten unter» 
sagte; dann beauftragte er. wie auch auf der 
spateren Synode 1630, Johannes For mit 
der Ausarbeitung eines neuen Rituals. Gegen 
Arme und Leidende iibte er groBe Milde und 
Barmherzigkeit und bewahrte diese Tugenden 
insbesondere, als 1629 unter der Landbevol» 
kerung die Hungersnoth ausbrach. Auch in 
seinen politischen Pflichten war cr eifrig und 
besuchte jeden Landtag. Als im Jahre 1632 
Konig Siegmundlll . starb, nahm Wen» 
zyk als Reichsverweser die Ziigel der Regie» 
rung in die Hand, rief WladislawIV. i 
Konige aus und berirf auf den 13. Janner 
1633 den Kronungslandtag, ungeachtet der 
Konig selbst, der leidend war, n ! cht auf ihm 
erscheinen konnte, nach Krakau. Als dann 
am 3. Februar Wladislaus daselbst ein» 
traf, nahm Wenzyk dessen Kronung vor 
und hielt jene denkwijrdige Rede, die den 
Akatholiken so sehr miBfiel. Die Veranlassung 
aber war folgende: Die Danziger hatten mit 
verschiedenen Verstummelungen die Bibel 
drucken lassen und beabsichtigten, ste. urn ihr 
Eingang im Volke zu verschaffen, dein Konige 
zu widmen. Da aber trat Primas Wenzyk 
dazwischen und erwirkte ferner, als man 
durch einen schr geringen Preis die Verorei» 
tung dieser Bibelausgabe im ganzen Lande 
versuchte, das Verbot des Verkaufes-, iiber 
jene aber, welche sie dennoch lasen, verhangte 
er den Kirchenbann. 1534 berief er wieder 
eine Provincialsynode nach Warschau. i637 
kronte er die Konigin lHacilia Renata, 
fur deren Vermalung er besonders thatig ge» 
wes?n, da er den Konig davon abbrachte, die 
Tochter Friedrichs Pfalzarafen am Rhein, 
e!ne Protestantin, als Gattin ins Land zu 
bringen. Die durch Brand eingeascherte Stadt 
Zowicz lieB er neu aufbauen. Seine Unter«? 
Marie 37 Wepler 

thanen bewahrte er uor den Bedriickungen 
der auo dem schwedischen Kriege zuriickkehrenden 
Soldateska. Er haufte nicht Reichthiimer 
fur seine Verwandtschaft zusammen, 
sondern verschrieb letztwillig sein ganzes Ver« 
mogen der Kirche und den Armen. Bei der 
Curie genoB er groBes Ansehen, und von 
Papst Urban VIII. wurde vor Allem sein 
kirchlicher E,fer geriihmr. Schon stand ihm 
der ijardinalshut in Aussicht, als ihn im 
Alter von 6;; Jahren der Tod ereilte. Von 
Wenzyk sind erschienen: „3vnoau5 provwci A 
Ila <3nl>8nenLi3 . A .. 1). t628 aie 22. A I«,i 
celedrata" A Ivra.ko>v 1629, 2. Aufl. ebd. 
1644): — „Oongtitutionsa synocloi-um I A Ie.- 
troi>oIill> . QH6 L>elo3i!,6 Onesnonaia ?rovin> 
cialiuui" (ebd. 163U. 2. Aufl. 166!) und 
„8>noau5 provincial !« Oueansnaia A (ebd, 
1634) . 

"liieiiZkiexo (Ivi-nko"v 1638). — N'^ieu?" 
"IP ' au ' T ' ZMise) / Ivatealij. I"o2Qa . na A a, d. i. 
Die Posener Kathedrale (0ie52) 'n 1861, 
I>i-ocIiH2kn, Ler. 8".) S. 22. - A . is-oios" ! 

Seite 54 



Wurzbach55 . txt 
A IoFilall . lcli, d. i. Lebensaemalde und Ver» 
dienste der Aebte von Mogila (I A i-g.ko>v 1867, 
4«.) Seite 7. 71 bis ?>>. 78. 79. - i,s- 

31>.to>v i kanonilcovv icrako A vskick, d. i. Verzeichnifl 
der Bischofe. Pralacen und Dom« 

Herren von Krakau (Krakau I8 A i' s . Uniuersttats ' 
druckerei, 8 A .) Vd. IV, S. 213 u. f. - 
Nachricht von vorm. polnischen Buchern, 
I I . Theil, S. 24. - Anoeok'H"' s"F>an- 
<?i's«es A . i^emiLlia, iiaera., sivs s A riea et 
ge5ta. 6pi2 ( . -o A »oi ' uiii r. 1. I ' i ' einislisnZiuiu . 
15 lontidus aoinegticiL et extr A neis (Oi-acttviaL 
187U, V. AA voiaki, Fr. 8".) V- 372 
bio 387." - 3. Marie Wenz yk ( N e A y k) 
Aebtissin des Klosters der barfuftigen Karme« 
literinen in der Vorstadt Nesola in Krakau 
zur Zeit, als das Opfer der grausamsten 
klosterlichen Disciplin Barbara Ubryk, 
welche einundzwanzig Jahre lang heimlich 
eingesperrt schmachten muBte, infolge einer an 
das Krakauer Iandesgericht gelangten ano« 
nmnen Anzeige entdeckt wurde. Die Oberin 
Marie ist eine Tochter des beruhmten Dich« 
ters und Staatsmannes Franz von Wen« 
zyk ( W e i y k ) lsiehe diesen S 31) und war 
mit noch einer Schwester in das oberwahnte 
Karmeliterinenkloster eingetreten. Obwohl der 
greise Vater Veide instandig anflehte, ihn 
nicht hilflos zu lassen, nahmen sie doch den 
Schleier. Unter der Aebtissin Marie ereig« 
nete sich nun jenes grauenerregende VreigniB. 
welches leider zu spat der Behorde bekannt 
wurde, denn das Opfrr des religiosen §an> 
tismus Barbara Nbrnk war zur Zeit. a! 5 
man sie im scheuBlichsten Zustande auffand, 
irrsinnig. Die Ungliickliche, welche damals 
32 Jahre alt sein mochte, wurde von 1848 
bis 1869 gefangen gebaltcn. Nach Aussage 
der Oberin Marie ware es geschehen, weil 
Barbara 1848 rerriickt geworden sei. I n 
Wadcbeit jedoch geschah ea, weil Barbara 
Ubrnk im Kloster ein Kind geboren datte. 
Wer der Vater des Kindes war. dies blieb A 
obwohl greifbare Vermuthungen eines straf« 
lichen Umganges mit dem Beichtvater vor» 
lagen, in Dunkel gehiillt. Fur unser Werk 
bat die Geschichte der Barbara N b?v k 
weiter kein Interesse; nur der Name der 
Oberin, als der Tochter eines bedeutenden 
polnischen Poeten, soil als ein Denkmal 
grausamer menschlicher Verirrung, als Bei» 
spiel weiblicher Entmenschung und unnatiir» 
licher kindlicher Michcoergessenheit zur War» 
nung fur die Zukunft erhalten bleiben. 
INeue 2 Wiener Tagblatt . 1869. Nr. 204. 
im Feuilleton: „Das Nonnengrab in Kra> 
kau" . — Nr, 20i> und 210-. „Die Nonne von 
Krakau". — Nr. 230: „Ein Menschenf reund 
und Barbara Ubryk". — Nr. 234: „Barbara 
Ubrnk". — 1870. Nr. 71: „Die unschuldigen 
Karmeliterinen" . A 
Wepler, Ludwig, nachmals Taifur 

Vel) (tiirkischer Reitergeneral, geb . 
zu Kassel am 16. Janner <820, gest. 

Seite 55 



Wurzbach55 . txt 
zu Bagdad am 2 1 . November 1862) . 
Ein Sohn des !861 verstorbenen Landrichters 
Wepler zu Kassel, trat er 

1837 als Regimentscadet in die kaiserlich 
osterreichische Armee und war 1843 dei. 
zweit jiingste Unterlieutenant bei Kaiser 
Ferdinand-Huszaren Nr. 1, welche da» 
mals in Slavonien an der turkischen 
Grenze cantonirten. Dieses Regiment, 
in welchem er bis 1848 zum Rittmeister 
vorriickte, wurde im Juni desselben 
Jahres nach dem Bacser Comitate an 
j der Militargrenze beordert und muBte 
auf kaiserlichen Befehl den Eid auf die 
ungarische Verfassung leisten. Als dann 
! «? 

Mepler 38 Werklein 

Ungarn 1849 sich von Oesterreich losriB, 
diente Wepler im ungarischen Heere 
fort und nahm an den nun folgenden 
Kampfen mit den osterreichischen und russischen 
Truppen Theil. Allmalig riickte er 
im 42. ungarischen Huszaren-Regimente 
bis zum Commandeur vor und focht 
mit demselben unter den Befehlen der 
Generale P e r c z e 1 , Dembinski, G6r» 
g e i , Klapka und Bern in mehr als 
zwanzig Schlachten und Gefechten gegen 
die osterreichischen und russischen Truppen. 
Nach dem Verluste der Schlacht 
vo« Temesvar am 9. August 184 9 deckte 
er mit drei Schwadronen seines Regi» 
ments — etwa 300 Huszaren — Heldenhaft 
den Riickzug des Generals Bern 
nach der Turkei. Unter den Ofsicieren, 
welche demselben in dieses Reich folgten, 
befand sich auch Wepler. Langere Zeit 
hielt er sich in Constantinopel auf, eine 
Anstellung erwartend, erlangte aber eine 
solche erst bei Ausbruch des orientalischen 
Krieges, indem er als Oberst in die tiirkische 
Reiterei trat. Durch seine Geschicklichkeit 
in der Ausbildung der Reiter und 
in der Abrichtung der Pferde leistete er 
der Pforte treffliche Dienste. I m Janner 
1834 erhielt er den Auftrag, eine ungarische 
Legion zu bilden, deren Commando 
er ubernehmen sollte. Doch infolge der 
sich rasch drangenden Ereignisse kam es 
nicht mehr dazu, dagegen bildete er im 
Friihjahr 1833 am schwarzen Meere 
tscherkessische Reitercorps aus . Nun kam 
er als Befehlshaber der Reiterei in das 
tiirkische Armeecorps, welches unter den 
Befehlen der Paschas S e 1 im und Mustapha 
Anfangs in Batum und in der 
Umgegend am schwarzen Meere (in 
Tiirkisch-Georgien an der Grenze der den 
Russen unterworf enen kaukasischen Pro» 
vinz Guriel) stand, und nahm an alien 
Vorgangen daselbst riihmlichsten Antheil, 
so dafl ihn der Sultan mit dem Med» 
schidie - Orden auszeichnete . I m Mai 
1862 wurde er zum Befehlshaber der in 

Seite 56 



Wurzbach5 5 . txt 
Mesopotamien stehenden Reiterei des 
sechsten turkischen Armeecorpo ernannt, 
dessen Generalstab damals in Bagdad 
lag. Dort von einem hitzigen Fieber befallen, 
erlag er demselben in der Voll» 
kraft des Lebens, im Alter von erst 
41 Jahren. Wepler hatte sich in Con» 
stantinopel mit einer Wienerin vermalt, 
welche ihm zwei Kinder gebar. 
Bohemia (Pragcr politisches und Unter» 
haltungsblatt . 4".) 1863. Nr. 41 in der 
Rubrik „Mosaik". - Kertbeny (K. M.). 
Die Ungarn im Auslande I. Nammoliste 
ungarischer Emigration seit 1849. 2U00 Namcn 
mit biographischem Signalement (Briissel 
und Leipzig 18N4. KieBling und Comp., 12<>.) 
S. 73. Nr. 1884. 

Werhow2.6, siehe: Verhodacz zu Rakitoveo, 
Maximilian Md. I., S. 
Werkleill, Joseph Freiherr (k. k. 
Oberst, geb . zu St. Michael im 
Ziccaner Grenz - Regimentobezirke am 
1. Marz 1777, gest. zu Wien nach 
Swoboda bereits am 4. Marz 1829, 
nach dem „Taschenbuch f reiherrlicher 
Hauser" erst 1849) . Der SproB einer 
angesehenen siidslavischen Familie, iiber 
welche die Quellen nahere Nachricht 
geben. Ein Soldatenkind, trat er im 
Juli 1784 zur militarischen Ausbildung 
in die Wiener-Neustadter Akademie, aus 
welcher er im August 1794 zu Erzherzog 
Ferdinand-Inf anterie Nr. 1 als Fahnrich 
ausgemustert wurde. Aus diesem Regi» 
mente kam er, stufenweise vorriickend, 
im September 1893 als Hauptmann in 
den General - Quartiermeisterstab und 
nach wiederholten Versetzungen in I n - 
f anterie-Regimenter 1809 wieder als 
Hauptmann in denselben zuriick, in wel« 
chem er noch im namlichen Jahre zum£ 
Merklein 39 Werklein (Genealogie) 
Major und 1813 zum Oberstlieutenant 
befordert wurde, worauf er 4819 als 
Oberst in den Ruhestand trat. I n diese 
23jahrige active Dienstzeit fallen mehrere 
Feldzuge, welche er mit Auszeichnung 
mitmachte. So focht er ruhmlich in den 
Feldziigen 1794-1797, 1799 und 

1801, war dann in jenem 1803 im Generalstabe 
unter Erzherzog Ferdinand 
d'Este bei Ulm und in Bohmen und 
1809 beim 6. Armeecorps, und zwar an» 
fangs bei der detachirten Brigade Nordmann 
M . XX, S. 383.1, spater im 
Hauptquartier in Verwendung. 1812 
kam er zum Reservecorps in Galizien, 
nahm 1813 an dem Feldzuge in Deutschland 
bei der leichten Division des Feldmarschall 
- Lieutenants Moriz Fiirsten 

Dietrichstein Theil und zeichnete sich insbesondere 
im Treffen bei Naumburg am 
1«0. October let ztgenannten Jahres aus. 
I m Feldzuge 1814 war er Generalstabschef 

Seite 57 



Wurzbach5 5 . txt 
beigem Corps des Generals Nugent, 
mid iiber sein ausgezeichnetes 
Verhalten im Gefechte von Castel Guelfo 
am 13. April heiJit es in der Relation 
iiber dasselbe: „daB Werkle in in jeder 
Gelegenheit die ruhmlichsten Dienste ge° 
leistet". I m April 1813 stand er mit 
seinem Detachement A u St. Lucca und 
Piombino, marschirte dann mit General 
N 1 i g e n t gegen Florenz und wurde wahrend 
der Jahre 18 16 und 1817 als 
Civil- und Militargouverneur mit der 
Verwaltung des Herzogthu ms Lucca betraut. 
I n Anerkennung seiner Verdienste 

erhielt er 1814 das Ritterkreuz des Leopoldordens, 
1816 den Orden der eisernen 
Krone dritter Classe, 1818 aber jenen 
zweiter Classe und 182 1 den Statuten 
gemaB den osterreichischen Frei» 
Herren stand. Wahrend seines Ruhe« 
standes lebte er zuerst am herzog» 
lichen Hofe zu Parma, spater in Wien, 
beschaftigt mit licerariscken und wissen' 
schaftlichen Arbeiten, als deren Frucht 
das Nerk zu betrachten: „Nr . w3nchnnyrn 
iiber den Dienst !iir5 Gnirlalztubtt M r iiber daz 
Nrtail bci tirr Fiihrung drr UrirMerre. Nut 
A Piiwn nnd Tllkcllrn" (Wien 1822, 
2. verm. Aufl.; mit U Planen, 2 lithogr. 
Schlachtordn, und Tab., Wien 1828, 
gr. 8 A .) • I m Alter von 32 Jahren starb 
er zu Wien, nachdem er noch mit Di« 
plom aao. 22. August 1823 auch den 
ungarischen Freiherrenstand er» 
langt hatte. Ueber seine Genealogie und 
seinen Familienstand vergleiche unten die 
Quellen . 

L e i t n c r von Leitncrtreu (Tb. Ios.). Ge» 
schichte der Wiener-Ncustadter Militar «Aka« 
demie (Hermannstadt 186'. >, Theodor Stein« 
haufier. 8".) A . 4?7. - 3uoboda (Ioh.). 
Die Zoglinge der Niener-Neusiadter Militar« 
akadem'.e u. s. w. (Wien i8?<>. Oeitl>.'r, 
Lrx. 8".) Tp. "<)<>. 

Partrat. Unterschrif t : „Oberst Baron j Werk» 
lein" . 0. Xn. rainii' 1 . nullo atuaio 
lazcki ( A ) . 

Zur Genealogie der Freiherren von Werklein. 
Die Familie lucB eigentlich Wcrklian und 
besafi oor der Eroberung (5roatiena durch die 
Tiirken Knesenrang und medre : e dort liegende 
Giiter. Von den Tiirken mia denselben oer» 
trieben, blieb sie verschollen, bis 1L89 nack 
der Niedereevbcrun, ; der Orafschaft oirca ein 
Peter Verklian als F A br>r einea eigenen 
Haufleins das uon den Tiirken vertheidigte 
schloB Vranirk bei Lovincir; zur Ueberaabe 
i>wang. Peters 2ohn, N i c 1 a s , sie! ±1 * '. 9 
bei Vacup im Kampfe gegen den Ha'bmond. 
Des Niclas Tohn, Stephan, wurde Knes 
in L"uinae; , diente dein (nzl)ause Oesterreich 
ini sieben jahrigen und iiu tiirkischen Kriege 
alo Haupimann im Lircaner Grenzinf anterie» 
Regiments und crlangtc iliit Diplom aao. 

Seite 58 



Wurzbach5 5 . txt 
Nien 2?. October 17 A >Z eine Erneuerung und 
Bestatigung seines A A elo. 3tepdans Enkel 
ist un>er Oberst Joseph Werk 1 e i n . der 
mit Diplom c!aa. Wen 24. 'April 182U den 
erblandisch-osterreichischen und am 22. August 
182 A den ungarischen Freiherrenstand er» 
langte; jedoch fchlt die Familie in loan 
N a g y's genealogischem Werke, des ungari«^ 
, Ignaz ) Joseph 
schen Adels: A , A » . 372 . A ors A a 
welches ne gehort . Oberst Joseph Frei» 
Herr von Werklein hatte sich zweimal uer« 
malt, erstens 1822 mit Maria geborenen Grafin 
hu A os Freiin zu 5> luchsen stein,- zweitens 1827 
mit Naria geborenen Grastn Almas'" von 
Zsadanlj und Toroli-Szenl-Niklos (geb. 1809). 
Werle, Candidus (gelehrter Bene, 
dictiner, Ort und Jahr seiner Geburt 
wie seines Todes unbekannt) . Er trat zu 
Irrsee in Schwaben in den Benedictinerorden 
und wirkte dann durch vierzehn 
Jahre, 1748—4762, als Professor der 
mathematischen Wissenschaf ten an der 
Universitat Salzburg. Als Friichte seiner 
Lehrthatigkeit sind anzufuhren: A 4?-?7/i- 
/eo?-/6" sid. 173o, 4".). Von Salzburg 
kehrte Werte in sein Kloster zuriick, in 
welchem er auch gestorben sein diirfte. 
Meusel (Iodann Grorg) . Lerikon der vom 
Jahre 1730 bis A 81.»0 uerstochenen teutschen 
San' ifnteller (Leipzig tul6, 8°.) Bd. XV, 
S. t7. — AerzeichniB aller akademischen 
Professoren zu Sal;burg, 2. 40. — P gg 
endorff(I. (5.). Biblio^raobisch-lite ' 
rarisches Hcindworierdua) zur Geschichte der 
eracten Wissenschaf ten (Leipzig 1865 I . A. 
Bartd. gr. 8".) Bd. I I , Sp . 1298, 

Noch sei in Kiirze qedackt dea Arztes und Professors 
IgnazNerle, der, ein geborener 
Marbmger. als Doctor der Arzeneiwissen« 
schafc zuerst in Landiiberg practicirte und 
dann als Professor an die Oral-er Hochschule 
kam, wo er bio an se.nen 1834 e A f A lgten 
Tod als Arzt und Lehrer in so segensreicher 
Weise wirkte, dafi> sein Hinscheiden in alien 
Schichten d.'r Gesellschaft tief betrauert wurde, j 
„Ruhig und besonnen, sanft und emst, liebe» ! 
voll und theil nehm end als Arzt. vielseitig gebildet 
und geistreich als Gesellschaf ter in 
jedem Kreise, mit Rath und That fordernd 
alles Gemeinnut zige, war er der Gegenstand 
allgemeiner Verehrung ins Gratz und ein 
Humanist in d?a Wortes bester Vedeutung." 
A (Hofrichter) . Lebensbilder aus der Vergangenheit 
(Gral; 1863. Leyrer. kl . 8".) S. 22. 
— GroBer steiermarkisch er N a i i nal» 
kalender (Gratz, Kaiser. 4".) Jahrg. 1838. 
S. 22.1 

Werndl, Joseph (Erfinder des 
nach ihm benannten Gewehrsystems und 
Director und Leiter der osterreichischen 
Waffenfabrik in Steyr, Ort und 
Jahr seiner Geburt unbekannt), Zeit« 
genoU . Die dem Verfaffer des biographischen 

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Wurzbach55 . txt 
Lerikons zu Gebote stehenden 

Quellen iiber W e r n d 1 , so zahlreich sie 
sind, berichten alles Mogliche, nur nichts 
iiber Lebens ' und Bildungsgang dieses 
GroBindustriellen, dessen Namen insb' 1 - 
sondere seit 1866 oft genannt wird. Und 
gerade bei einem Manne von, so groBartiger 
Thatkraft, welche die umfassenden 
Bauten beweisen, die er auf gerichtet , die 
vielen und verschiedenartigsten Maschinen, 
welche er auf gestellt , wiirde 2s 
wichtig genug sein, zu erfahren, wie, wo 
und von wem er zu einem Berufe herangebildet 
worden, den er mit seltener 
Vollkommenheit ausfullt. Ein Versuch, 
von authentischer Se.te etwas zu erfahren, 
scheiterte in klaglicher Weise. Das 
Nachfolgende gibt also nur Thatsachen 
iiber die Fabrication der Waffen in 
Werndl ' s Fabriken und somit einen 
Begriff von der GroBartigkeit dieses Be> 
triebes. Vor Entstehung der Werndl '» 
schen Fabriken in Stadt Steyr wurden 
osterreichische Militargewehre — auBer 
im k. k. Alsenal zu Wien — in Privat' 
Werkstatten aller osterreichischen Kron» 
lander erzeugt und vornehmlich diese 
Waffe aus Wien, Weipert im Ganzer? 
Werndl, Joseph Werndl, Joseph 
Kreise Bohmens, Ferlach, Prag und 
anderen Orten geliefert. Als nach dem 
Kriege 1866 man in den preuBischen 
Hinterladern die eigentliche Ursache der 
uns so schwer demiithigenden Siege 
PreuBens zu finden glaubte, entschloB 
sich auch die osterreichische Regierung 
endlich zum Hinterladungssystem. Da in 
Oesterreich aber keine groBe Waffenfabrik 
eristirte, war die kaiserliche Regierung 
genothigt, die Lieferung fur die nach 
neuem System construirten Gewehre aus' 
landischen Firmen anzuvertrauen . Nun 
faBte Werndl den Muth, eine Waffenfabrik 
zu griinden in einem Umfange, 
wie eine ahnliche in der Monarchie noch 
nicht bestand, und so der auslandischen 
Concurrcn; zu trotzen. Es wurde ihm 
denn auch die Anfertigung sammtlicher 
Gewehre nach dem neuen System fur 
das kaiserliche Heer iiberlassen. Nach 
Erledigung dieses Auftrages konnte er 
seine Arbeit auch dem Auslande anbieten 
und mit dem besten Erfolge mit 
den bedeutendsten osterreichischen Firmen 
concurriren. I n der That schuf er groB» 
artige Anstalten. Langs des Ufers der 
Steyr erhebt sich eine Reihe von zwei 
bis drei Stock hohen Gebauden, sammtlich 
im Rohbaustyl ausgefiihrt. Das sind 
die Werndl 'schen Fabriksgebaude, etwa 
13 an Zahl, und das kleinste derselben 
immer noch groB genug, urn ein ansehn» 
liches Zinshaus in Wien zu reprasentiren . 
Daselbst befinden sich die verschiedenen 

Seite 60 



Wurzbach55 . txt 
Schleif ereien, Schaf tmaschinen, 
Montirmaschinen u. s. w. Aber in diesen 
13 Gebauden wurde nur das bearbeitete 
Product der Vollendung zugefuhrt. 
Mit der Werndl'schen Fabrikstadt in 
Steyr stehen die Fabriken in Letten, 
einer etwa eine Stunde von Steyr ent> 
fernten Ortschaft in Verbindung. Diese 
Filiale ist eine Anlage, etwa so groB wie 
das kaiserliche Arsenal zu Wien und be> 
steht aus sechs grofieren Gebauden am 
rechten Ufer der Sirming, welche das 
Maschinengebaude, die Magazine, die 
Arbeiterwohnungen und die Tormentir» 
Hiitte und am linken Ufer die Hammer» 
schmiede und Reparatunverkstiltte, den 
Gliihofen, einen Kalkofen, Schleif ereien, 
eine Sagemiihle u. s. w. enthalten. Die 
Gesammtanlagen umfassen einen Flachen» 
raum von fast 3000 Quadratklaf tern 
und beschaftigen 1200 Maschinen, welche 
von 2300 Arbeitern iibeuvacht und ge» 
leitet werden, wochentlich 1000 Centner 
GuBstahl, 300 Centner Steinkohle und 
3000—4000 Mchen Holzkohle consumiren. 
Eine sehr eingehende Beschiel» 
bung der Werndl'schen Fabriken und 
ihrer Leistungen brachte die „Neue Freie 
Presse" 1868 im Feuilleton der Nr. 1439. 
Werndl's Name wird ijbrigens in der 
Geschichte der Scbieftwaf f en, welcde ver« 
schiedene von ihm gemachte Erfindungen 
und Verbesserungen verzeichnet, oft ge> 
nannt . Da aber bei andauerndem Frieden 
in der Gewehrf abrication Stockungen 
eintreten konnen und wirklich auch ein» 
traten, welche die Entlassung von zahl» 
reichen Arbeitern und damit den Eintritt 
von allerlei Nothfallen und nock schlimmeren 
Verwicklungen zur Folge haben, 
war Werndl auf einen Ersatz bedacht, 
der seinen Arbeitern auch weiter Beschaf tigung 
sicherte. Und da trat eben die 
Frage der elektrischen Beleuchtung und 
iiberhaupt die dec Benijtzung der Elektri« 
citat als Kraft filr das praktische Leben 
an die Tagesordnung. Mit der ihm angeborenen 
Energie bemachtigte er sich 
sofort dieser wichtigen Angelegenheit , 
und er war es, der in Stadt Steyr der 
Erste eine elektrische Ausstellung ins 
Leben rief. welche allgemeine und ge» 
rechte Bewunderung erregte und welcher? 
Merndl von Lehen stein 
dann die Ausstellungen von Miinchen 
und Sien folgten. Und so bewahrte er 
sich denn auch da als der Mann der 
Zeit, der ebenso fur den Fall eines blutigen 
Krieges wie filr den dauernden 
Friedens seine Anstalten zu treffen und 
seinen Arbeitern, die nach Tausenden 
zahlen, Beschaf tigung zu schaffen verstand. 
I n der Stadtgemeinde Steyr 
spielt Werndl , der in derselben so zahlreiche 

Seite 61 



Wurzbach5 5 . txt 
Arbeiter beschaf tigt , begreif licher 
Weise eine einf luBreiche Rolle, und die 
Zeitungen geben ab und zu Nachricht, 
wie machtig er in den Gang der Ereignisse, 
wie solche sich in einer kleineren 
Gemeinde abspielen, einwirkt. I m Jahre 
187N wurde aucd bericl'iet, daB Generaldirector 
S e r n o 1 seine im Rohbaue vollendete 
schloBartige Villa sammt den dazu 
gehorigen Grundstiicken im Gesammtwerthe 
von einhunderttansend Gulden 
dec Stadtgemeinde Steyr mit der Widmung 
zu einem Armenversorgungshause 
unter der Bedingung zum Geschenke gemacht 
habe, daB die in Stadt Steyr ein» 
zuleitende Subscription zur Bildung 
eines Fondes fur dieses Armenhaus min» 
destens das Doppelte des von ihm zur 
Verfugung gestellten Werthes erreiche. 
Ob diese groBartige Sa'enkung mit Riicksicht 
auf die infolge der materiellen Verhaltnisse 
einer kleinen Stadt immerhin 
driickende Bedingung durch Annahme 
von Seite der Stadtgemeinde Steyr perfeci 
geworden, ist uns nicht bekannt . 
Nach ixun uns vorliegenden Bildnisse 
W e r n d 1 ' 6 , das den beriihmten Industriellen 
in der Vollkraft dos Lebens 
darstellt, mochi>n wir seine Geburt in 
die Mitte der DreiBiger ° Jahre setzen. 
W e r n d 1 ' a vielseitige Verdienste urn den 
Staat, urn die Geme.nde und die 
Industrie wiirdigte am 13. Februar 
1870 Seine Majestat durch Verleihung 
des Ordens der eisernen Krone 
dritter Classe. 

Arenstein (Joseph Prof. Di-.). Oesterreichischer 
Bericht iiber die internationale Ausstellung 
in London 1862 iiu Auftrage des k. k. Han» 
delsministeriums . . . (Wien 1563, Staatsdruckcrei . 
Ler. 4" . ) 2. 376 und 627. - 
Der Kamerad. Oesterreichische Militar« 
Zeitung (Wien. 4".) V I I . Jahrg., 2:;. August 
1868. Nr. 67: „Die Nerndl'sche Gewehr« 
liefcrung" .— Militar-Zeitung (Wien, 
4".) 1868, Nr. 62. 3. 300: „Wcrndl ' s HnUerlader" . 
— Neue Freie Presse (Wiener 

polit. Blatt) 1863. Nr. 1439 im Feuilleton: 
„ I n der Wcrkstaite der osterreichischen GroB ' 

Machtstellung" . Von W. — Dieselbe. 

Nr. 1320: „Die Hinterladerf rage" . — Neues 

Wiener Tagblatt, 1868, Nr. 229, im 

Feuilleton: „Herr Werndl und die Wernd< 

ler". - Dasselbe. 18 A 8. Nr. 263. im 

Feuilleton: „Dk Fricdenowerkstatte Oester« 

reich) in Steyr" — Neuer Freier Ki» 

, keriki (Men. kl. Fol.) Beilage zu Nr. 27. 

1873: „Dao Ausstellungsob ject der osterrei' 

chischen Waffenfabriksgesellschaft".— Presse 

(Wiener polit. Blatt) 26. Janner 1878. 

Nr. 26: „C'm Att "on GroBmut ! ) " . - Der 

Waf f enschmied. Erste illustr. Zeitschrift 

fur die gesamn'te Naf f enf abricatiun . ''ietiigirt 

ron Friedrich Brand eis in Praa (qr. 4".) 

Seite 62 



Wurzbach55 . txt 
! V. Jahrg. Nr. 1: „Biographien beruhmter 
i Fachgenossen" smehr muBiges Geschwal; alu 
! eine Biographie Werndl 'c' 1 . 

A Portrat. Unterschrif t : „ I X . Joseph Nerndl 
! in 2teyr. R. Heber (lithogr) iu Nr. 1, 

, 1883, des „Waf fenschmied" . 
[ 

> Noch sei in Kur;e der bohmischen Fannlie 
! Werndl von Lehen stein gedacdt, welche 

' 163« uon Kaiser Ferdinandll . in den 

! Adelstand und mit Diplom clcio. 6. August 

! 1787 von Baiser Joseph II. 'in den >)iitter» 

s stand erhoben wurde. Sie fiihrt ihre Gc« 

! schlechtsregister biii zum Beginn des funf» 

! zehnten Jahrhunderts zuru« A , wo ein E r h a r d 

A Werndl (geb. 1401) ala Burgermeister zu 

! Eger und Besitzer deo Gutes Lehenstein in 

A Bohmen erschein:. Wohl ein halbes Dutzend 

! der meist mit zahlreicher Familie gesegneten 

! Sprossen dieses Geschlechtes bekleidete die 

! Burgermcisterstelle in genannter Stadt. Zur 

> Stunde bliihen nocb eine a 1 t e r e und eine 
! jiingere Linie, beide mii zahlreichen Nach» 

A kommen. Der heutige Familienstand, wie^ 

Merneck, Frmiz 43 Werneck, 

iiberhaupt die ganze Stammtafel dieses Geschlechtes 

ist im Genealogischen Ta s ch e nbuch 

der Rittor'« und Adelsgeschlechter (Brunn, 

Buschak und Irl-aanq. 32".) I . Jahrg. (1870) 

S. 4:i3— 4 A 9 verzeichnet. A Hellbach (Ioh. 

odristian) . Adelslerikon (Ilmenau 5826, 

Voigi. 8".) Bd. I I , S. 71i)/j 

Niappen. Qnadrirter Schild, i und 4 in 

Tchwar; ein Muhlstein mit seinem Eisen; 

2 und 3 in Noth ein silberner wellenf ormiger 

mit drei rotbgef utterten eisernen Hiittlein be» 

legter Querbalken. Auf dem Tchildo ruben 

zwei gegeneinander gekehrte goldgekronte Turnierhelme, 

die Krone des rechten tragt einm 

zusammengeschlagenen §lu. A der untere Fliigel 

desselben ist schwar; , der obere aber silbern 

und mit zwei schragrechten Balken belegt, 

von denen der obere schwarz, der uncere roth 

ist. Die Krone des linken Helmes tragc einen 

schwarten offenen Flua. Die Helm decken, 

u A ie des rechten Helmes ist schwar;, d.e des 

linken rotl), beide mit Silber unterlegt. 

Werneck, Franz Freiherr von (k. k. 

Fe 1 d ma r sch all°Lieutenant und 

Kommandeur des Maria TheresieN' 

Ordens, geb. zu Stuttgart 13. October 

1748, gest. zu K6 niggratz 17. Janner 

1806). Es gibt eine bayrische (Werneck), 

eine steirische iWerneg) , in 

welcher ein Hans Adam 1634 die siei« 

rische Landmannschaf t erhielt, und eine 

oberkrainische (W e r n e g k h) Familie 

dieses Namens . Welcher dieser Familien 

unser General, der librigens ein geborener 

Wiirttemberger ist, angehort, laflt sich nirgends 

ersehen. Nachdem er.mit 16 Jahren 

seine Studien abgeschlossen hatte, trat 

er sogleich als Oberlieutenant bei Wied- 

Infanterie in die kaiserliche Armee, kam 

Seite 63 



Wurzbach5 5 . txt 
bald darauf als Hauptmann zu Stain- 
Infanterie Nr. 30 und wurde in verhalt» 
nifimafiig sehr kurzer Zeit und mit sehr 
jungen Jahren Oberst und Commandant 
dieses Regiments. Als solcher erkampfte 
er sich im Tiirkenkriege 1788 das Ritterkreuz 
des Maria Theresien-Ordens, indem 
er in der Nacht des 13. September bei 
Slatina mit einer gan; kleinen Truppe 
die Tiirken von einer Anhohe, deren 
Besitz fur uns groBe Wichtigkeit hatte, 
vertrieb. 1789 befehligte er bei Mehadia 
im ersten Treffen ein Bataillon mit sel' 1 
tenem Muth und standhafter Ausdauer, 
und als dann im October dieses Jahres 
der Sturm auf Belgrad stattfand, wurde 
er mit der Fiihrung der zweiten b'olonne, 
welche aus einer Compagnie Freiwilliger , 
einem Grenadier-Bataillon und einem 
Bataillon seines eigenen Regimentes be< 
stand, betraut und machte sick ebenso 
durcb seine Tapferkeit, wie durch seine 
klugen Dispositionen verdient. Bei der 
23. Promotion des Maria Theresten» 
Ordens am 19. December <790, in wel« 
cher jene Helden, die sich im Turken» 
kriege hervorgethan hatten, ausgezeichnet 
wurden, erhielt er das Ritterkreuz dieses 
Ordens. Den Mdzug 1793 in den 

Niederlanden macbte er bereits als Generalmajor 
mit, entwickelte insbesondere 
unter Ferrari bei der Belagerung von 
Valenciennes ruhmvolle Thatigkeit und 
commandirte danu unier d'Alton das 

osterreichische (5orps, daa sich bei der Belagerung 
von Dunkirchen befand. I m 
Feldzuge 1794 sehen wir den General m 
den Niederlanden M't erprobter Tapferkeit 
kampfen, insbesondere zeichnete er 
sich am 29. Marz dieses Jahres in der 
Schlacht bei Cambresis aus. Noch im 
Juni zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt, 
nahm er ruhmvollen Antheil 
unter General von Wartensleben an 
den blutigen Kampfen im Monat April 
1796, focht wieder mit Auszeichnung bei 
Wetzlar'13. Juni, Montabaur 3. Juli, 
Limburg 6. Juli, Ambach 23. August, 
insbesondere aber in der Schlacht bei 
Wiirzburg am 3. September 1806, in 
welcher er die vorliegenden vom Feinde 
besetzten und hartnackig vertheidigten ' $■ 
Merneck, Franz Merneck, Franz (Quellen) 
Walder angriff. An der Spitze der drei 
Grenadier-Bataillone Paulus, Ghene» 
degg und Kraysern drang er mit gefalltem 
Bajonnete, ohne einen Schufi zu 
verlieren, mit klingendem Spiele und 
unter dem feindlichen Kartatschenf euer in 
geordneten Reihen mit solcher Entschlaf' 
senheit vor, daB der Feind von alien 
Seiten wich und der Sieg der Unsern 
glanzend entschieden ward. I n der 
44. Promotion vom 18. September 

Seite 64 



Wurzbach55 . txt 
1796 wurde ihm fur diese herrliche 
Waffenthat das Commandeurkreuz des 
Maria Theref iewOrdens zuerkannt. Nun 
erhielt er am 22. September das Commando 
eines Armeecorps in der Starke 
von 33.000 Mann am Niederrhein. I m 
Anfang operirte er mit Umsicht und 
glucklichem Erfolg, als aber 1797 Hoche 
vordrang, verlor er, durch seine Leidenschaft 
am Spieltisch f estgehalten, mit 
einem Schlage alle die Vortheile, welche 
seine Tapferkeit verbunden mit seinem 
Genie bisher erfochten hatte. Den ihm 
unterstehenden Generalen es iiberlassend, 
die Front seiner Linie zu vertheidigen, 
erschien er im Augenblicke, als Ho che 
eben den Rhein uberschritt, auf dem 
'"Kriegsschauplat ze, nicht mehr urn dem 
f ranzosischen General diesen Uebergang 
zu wehren, sondern urn Augenzeuge zu 
sein der f urchtbarsten Niederlage, welche 
bisher ein osterreichisches Armeecorps erlitten 
hatte. Man ging noch sehr glimpflich 
mit ihm urn, als man ihn — statt 
ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen — 
mit halbem Gehalt pensionirte. Und 
nichtsdestoweniger fand er im Feldzuge 
1803 bei der Armee in Deutschland 
wieder eine Anstellung. Vor der ungluck» 
lichen Katastrophe bei Mm suchte er mit 
seinen sehr herabgekommenen Corps 
Bohmen zu erreichen, gelangte auch, 
unter steten Gefechten von M u r a t verfolgt, 
am 16. October bis Herbrechtingen, 
am 17. nach Neresheim, an beiden Tagen 
dem drangenden Feinde noch herzhaften 
Widerstand entgegenstellend. I n letz» 
terem Orte muBte er seinen erschopften 
Truppen einige Stunden Rast gonnen, 
aber schon urn 4 Uhr Friih war ihm 
M u r a t bereits auf dem Halse. Werneck 
warf demselben acht schwache Schwadronen 
entgegen, sehte unter deren 
Schutze mit seiner kaum sechzehnhundert 
Mann starken Infanterie den Marsch 
fort und erreichte Trachtelf ingen nm 
Mitternacht. Von da aus dirigirte er die 
Reiterei sofort nachOettingen und wollte 
mit dem Fufivolke am Morgen des 18. 
nachfolgen, urn sich mit dem Erzherzog 
Ferdinand zu vereinigen. Die Truppe 
aber war durch die Strapazen der Eilmarsche 
und die bestandigen Gefechte, 
welche sie mit ihren Verfolgern zu bestehen 
hatte, in ihrem physischen Zustande 
so herabgekommen, daB er sich ge> 
nothigt sah, mit dem Gegner eine wenig 
ehrenvolle Capitulation einzugehen, wel> 
cher zufolge der Nest seines Corps kriegs» 
gefangen wurde. Nach abgeschlossenem 
Frieden sollte er fur diese Handlung vor 
ein Kriegsgericht gestellt werden. Alle 
diese Vorgange aber hatten den General, 
der sich nicht so schuldig fiihlte, als im 

Seite 65 



Wurzbach5 5 . txt 
Allgemeinen angenommen ward, so angegriffen, 
daB er einem Schlaganf alle, 

der ihn iraf, erlag, wodurch er vielleicht 
der kriegsrechtlichen Verurtheilung entging. 
Ueber die oben erwahnten Vor» 
gange im Feldzuge des Jahres 1797 soil 
er sich selbst in einer Schrift, welche in 
den Quellen angegeben ist, gerechtf ertigt 
haben . 
V a u r (Samuel) . Allgemeines historisch-biographisch 

- literarisches Handworterbuch aller 
merkwiirdigen Personen, die in dem ersten 
Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts^ 

. Franz (Quellen) Mernek.ingh 

gestorben sind (Ulm 1816, Stettini. lzr. 8".) 

Band I I , Sp . 703. — Oesterreichische 

National ' Encyklop adie von Graffer 

und Czikann (Wien 1832. 8".) Bd. V I , 

S. 76 lnach diesem geb . urn 1763) . — 

Hirtenfeld (I.) . Der MilitarMaria-The . 

resien-Orden und seine Mitglieder (Wien 

1837, Staatodruckerei, schm. 4°.) Bd. I, 

S. 303. — Neb er das Betragen des 

Feldmarschall ' Lieutenants Baron von Wer« 

neck wahrend des Feldzuges am Nieder» 

Rhein (o. 0. 1797) l>es Generals eigene 

Verteidigungsschrif t . — Bornschein 

(Adolf) . Ocsterreichischer Cornelius Nepos 

oder Leben, Thaten und Charakterzuge 6fter« 

rrichischer Feldherren (Nien 1812, kl. 8".) 

S. 268. — Diotionnairs dioFi-avdi<ius 

ot nistoric A uu cl65 noninios uill, r< A uau8 

as lg. 5n ciu, ciix-iinitionis ai A cis oto. (I A onars8 

1800, gr. 5".) I ' oms III« p. 303 A da« 

selbst heiflt es wortlich: avi-6s lg. aei-outs 

comolots as l'g.i'in A 6 lra,n?2.136 HI. as "V. 

lut cliai'Ft?, Is 22 Isot., au coiuruanasiNLllt 

sa oliel cles loi-es3 autrioliiennes sur lo 

Vas-I AA in. Zlais uns MLsioli inai A sursuss 

lui lit diontot vei-ars Is trnit ao 8«, bravours 

yt aa 868 tklsns; rStenn par l'a,mour 

au. Heu. a. V rg. notai ' t , 6N 2vril 1797, ii »e 

ropalia. 5U.r 863 g"ner A nx, <Nvi3ioQN2 , ii-s3 an 

eoin as attl<iQ6rs Is tront <ls 39. IlFne. au 

inoment, oti Hoobk z>a332. 1« I A .kin; 6r U 

ns x"rnt « A , I'ai-ni«)6 Hus pour A Ltre tomoiu 

as la asi'outs la plu3 comxlots c A u'ait 

oij'erts touto 1», Fusrro iio la revolution. 

laitS8; st on, alia M3<iu' a aouter as 8on 

doukenr et as 3a A lodito. <Uei>01icIl ! , nt a A ant 

A tii lsoounu iunoesnt (<lu moins 50U5 eo 

rapport) par un oonssil clli Fusrrk «a 

A la A 5t«Z lui Kt prenars sa rsti-aito avoo 

iismi ' ponaion, aans Is courant 6e A uiNst A . 

— (Schlosser ' s ) Geschichte des achtzehnten 
und neunzehnten Jahrhunderts b A .5 zum Sturz 
des frcmzosichen Kaiserreiches (Heidelberg, 
Mohr. 8«.) III. Auflage. Bd. VI, S. 24 

und 621. — LioFraridionauvslis aes 
OonteniP0i-aiu8 oli vietiannairs K,i5tari A u6 
et raisonns cla tau« 165 koniiues <iui, asouis 
12 revalution 5ran.siai3o, ont acquis as la 
eolsdrite otc. ?ar A l. ) I . . A . V. . A rnauit, 
A . . A a / , A . «lou?, A . XorviQL eto. 

Seite 66 



Wurzbach5 5 . txt 
(?Hri3 1823, Ndrairis ln3toriciu2, 8".) 
' loms XX, p. 467. lder Artikel schlieBt: 
yOs s' ws ' s ' s ' s A ut vlus u, plainars c^u'a, 
dlanier; II avait 6e5 ta!6N5 et beaucoup 
as eonrass". — Denkwiirdiger und 
nutzlicher rheinischer Antiquarius 
u. s. w. Von einem Nachforschcr in hifiori< 
schen Dingrn (Coblenz 1834. R. F. Hengt . 
gr. 8".) Ill . Abtheilung: Mittelrhem (auch 
unter dem Titel: Das Nheinufer von Coblenz 
bis Bonn. Historisch und topographisch dar« 
gestellt von Chr. von Ttramberg) Bd. I I , 
2. 314-326. 

Wernekillgh, Joseph (Priester der 
Gesellschaft Jesu und Poet, geb . zu 
S t e y r in Oberosterreich am 4. Mar; 
i743, gest. zu Gratz am 3 1 . Janner 
t 8 1 ) . Er wurde 1762, damals 17 Jahre 
alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu 
aufgenommen, in welchem er die philoso» 
phischen und theologischen Studien been» 
dete und die Priesterwiirde erlangte. 
1772, nach Aufhebung des Ordens, trat 
er in den Stand der Weltgeistlichen liber 
und fand Verwendung im Lehramte, zu« 
nachst 1773 als Professor der Gram« 
maticalclassen in Graz, in welcher Stel» 
lung er bis 1792 verblieb, worauf er 
eine Humanltatsprof essur erhielt, die er 
bis 1797 versah. Als dann im Herbste 
let ztgenannten Jahres die Theresianische 
Ritterakademie in Wien wieder errichtet 
wurde, kam er als Professor der Poesie 
und Subdirector dahin. Nach mehr. 
jahriger Thatigkeit an dieser Anstalt 
endlich in den Ruhestand ubernommen, 
kehrte er 1806 nach Gratz zuriick, wo er 
im Alter von 63 Jahren sein 3eben beschloB. 
Wernekingh hatte noch in 
den Iesuitenschulen den allgemein aner. 
kannten classischen Unterricht genoffen 
und seine Muse an den Vorbildern der 
romischen und griechischen Poeten erwarmt 
. ind genahrt . So wurde er selbst ein begeisterter 
Odendichter, der historische Mo« 

mente seiner Zeit mit schwungvollenHymnenundGesangen 
zu begrufien pflegte. Von 

seinen in deutscher Sprache gedichteten^ 
Mernekingh Werner, Franz 

Oden, welche einzeln erschienen, fanden 
wir in Gratzer Bibliotheken die folgenden 
: „ Int den >' s ab Maricn Cherr 5 i r n " 
(Gratz, Lechner'sche Universitats ' Buch- 
Handlung 17 8 1,8".);- „Vn; Eroffnung 
de5 Nuchrr21111 ! 15 un drr hllhen Fchnle in Ornh" 
(Gratz 1781, Widmanstatter , 8 A ., 2 B 1 . ) ; 
— „Arkci, drr Nrnidrnt ' iirat an der KNurr, brim 
Zntrittr 5einr5 Nomr2, deLungrn uon I . A.'"" 1 ' 1 . 
I m Winirrmondr N s 6 " (Gratz, A. Leykam, 

! i A S . ) ' , — „An <Oriitz nach der lryrrlichrn A>cihnng 
drr nrurn Stadt-Fahne am 27. I p r i 1 A Is96. 
Vun W A n A k" sgedruckt mit Leykam' schen 
Schriften, 4"., 8 B 1 . ) ; dann die lateinische 
i , 4" . , 3 Bl. ) . Aber er 

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schrieb in deutscher Sprache auch noch 
folgende Oden: „Aut dri: Nachfolger lieg 
in Illlicruaterrcich" ; — „Znk 
Anknuit 

11. t A ruz Iir2nchte" ; — 
„ p h 11, ZarMt kur duz Z, A ccum in 

(Hraz"; — „Zn dir Zcrlrnmdcr drr W6nch5- 

llrdcn"; — „Ani die CIMwf rrnndr" . Diese 

und noch viele andere Dichtungen, sammtlich 

im antiken VersmaB gehalten, 

schwungvoll in Sprache und nicht ohne 

Begeisterung in Gedanken und Rhythmus, 

in Ausdruck und Form, sind verschollen 

und vergessen, aber, indem sie einzelne 

historische oder culturhistorische Momente 

feiern, immerhin einiger Beachtung werth. 

Wernekingh liefi sie anonym erscheinen 

oder zeichnete sie mit W A n A k, W A * , 

I . W. oder einfach mit W. Joseph 

Wernekingh, den wir auch Werneking 

und Wernekink geschrieben finden, 

ist nicht mit seinem zeitgenossischen 

Namensvetter Fran) Karl Wernek ing 

zu verwechseln, welcher mit unserem 

Joseph gleichzeitig sang, ebenfalls 

Priester (Pfarrer in Miinster) und insofern 

gliicklicher war, als seiner wenigstens 

in Goedeke ' s „GrundriB der deutschen 

Dichtung" Bd. I I I , S. 1113, Nr. 1461 

gedacht wird. Derselbe wurde 1736 geboren 

und starb 1829. 

Peinlich (Richard Di-.) . Geschichte des Gmnnasiums 

in Gratz (Grah 1872, 4".) 2. Periode. 

S. 80 und im Jahresberichte des k. k. 

ersten Staatagymnasiums zu Gral; oun 1872 

S. 24 unter Jahr 1810. — Lchlossar 

(Anton Dr.). Innerosterrrichisches Stadtleben 
vor hundert Jahren. Eine Schilderung 
der Verhaltnisse in der Hauptstadt Steiermarks 
im 18. Jahrhundert u. s. w, (Wien 
1877. Braumliller, gr. 8".) S. 220 u. 308. 
Werner, Franz (gelehrter Theolog, 
geb . zu St . P o 1 t e n in Niederosterreich 
am 26. October 1810, gest. daselbst 
am 17. Februar Morgens 18661> Sein 
Vater, Schornsteinf egermeister seines Zeichens, 
war ein wohlhabender und angesehener 
Burger in St. Polten. Die 
Mutter Th ekla heiratete nach dem Tode 
ihres Mannes des Geschaftes wegen zum 
zweiten Male, und zwar einen Italiener 
C o n t i , dessen lebendige und leicht reizbare 
Gemuthsbeschaf f enheit auf den 
Knaben nicht ohne EinfluB geblieben sein 
mag. Die Studien machte Werner am 
Gymnasium zu Melk, dann an der Universitat 
in Wien, und betrieb die alten 
Classiker, vornehmlich Lateiner und 
Griechen, mit Vorliebe. Mit Joseph 
Schmonn, damals Professor im Seminar 
zu St. Polten, spater Pfarrer in 
Boheimkirchen, zuletzt Consistorialkanzler 
am Domrapitel zu St. Polten, und mit 
Franz Xaver Schmiedinger , zuletzt 

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Dechant zu Gresten, schloB er Freundschaf tsbande, 
welche nur der Tod loste. 
1834 empfing er die Priesterweihe und 
trat zunachst als Cooperator zu Tulln in 
die Seelsorge. Wahrend er sich mittler» 
weile fur das theologische Doctorat vor-? 
7 Werner, Franz 

war. Nach vier Jahren legte er die 
Directoratsgescbaf te nieder und widmete 
sich fortan einfach der Wissenschaft und 
den canonistiscden Arbeiten, welche M 

Litwinowicz sHd. XV. S. 296 A j und schof Feigerle ihm ijbertrug. Dazu 
ge- 

Jacob Step ischnegg > A Bd. XXXVIII, ! horten die Vorarbeiten fur die 
bischof liche 
i Mnnz 

bereitete, ward er in das hohero welt» 
priesterliche Bildungsinstitut zum heiligen 
Augustin in Wien gesendet, wo Ludwig 
H a y n a 1 d sBd. X I ) S . 423 A , Spiridion 

seine Collegen waren. Zum Versammlung zu Wien, die Abfassung 
Doctor promovirt, wurde er nach kurier der Capitelstatuten, die Organisirung der 

Verwendung als Cooperator an der! kirchlichen Gerichtsbarkeit in Ehesachen 
Stadtpfarre zu Krems zum Professor der! fur die Diocese St. Polten, die Referate 

Kirchengeschichte und des Kirchenrechtes 

in St, Polten berufen, in welcher Stelfiir 

das bischofliche Konsistorium in 

seiner Eigenschaft zuerst als Viceprases, 

lung er vierzehn Jahre (1838—1832) I dann als Prases des bischof lichen 

Eheverblieb . 

Auf einer in dieser Zeit unter-! gerichtes. Innerhalb neun Jahre riickte 

nommenen Reise an die katholischen Universitaten 

Deutschlands lernte er G6r> 

res, M 6 h 1 e r , Hirsch er, S t a u d e n 

er zur ersten Digiiitat im Capitel, zum 

Tompropste, vor, und war er der erste kraft 

des Concordates vom heiligen Vater 

mayer, Hefele, Mayer und Andere j ernannte Dompropst . Als Bischof Feipersonlich 

kennen, wodurch er seinen kirch« gerle i863 starb und die Wahl des 

lichen Sinn erhohte und starkte. Mir der A Capitel» Generalvicars wahrend der 

Bewegung des Jahres 4848 trat auch ! Sedisracanz auf einen Anderen fiel, 

ein Umschwung in den kirchlichen Ver» 

Haltnissen Oesterreichs , ein, und Werner 

wahrend er als erste Dignitat und erst? 

geistige Capacitat im Capitel vor Allen 

blieb daher nicht ein muBiger Zuseher. ! das Anrecht darciuf hatte, verbarg er 

Zunachst bewarb er sick urn das Mandat/ wohl die gerechte Verstimmung, die er 

omes Deputirten ins Frankfurter Parla- j dariiber empfand, zog sich aber von nun 

ment und wurde auch als solcher zu A an von allem offentlichen Wirken zuriick 

Melk gewahlt . Doch spielte er dort keine! und behielt nur das Prodirettorat iiber 

hervorragende Rolle und zog, als nach A die theologische Lehranstalt und das 

Ehe» 

der Kaiserwahl das Frankfurter Parla- j gerichtsprastdium bei. I n den letzten 

ment nach Stuttgart iibersiedelte, sich i n ' Jahren steigerte sich seine 

Kranklichkeit ' , 

seine osterreichische Heimat zuriick. 4832! noch las er am 23. October 1864, 

wenn« 

wurde er zum Canonkus an der Ka A gleich mit sichtlicher Anstrengung, das 

thedrale . zu S t . Polten ernannt, nachdem! feierliche Requiem fur den 

verstorbenen 

ihm schon friiher die Direktion des Cle-! Bischof Wagner. Seitdem verrichtete 

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ricalseminars iibertragen worden war. > er keine kirchliche Handlung mehr und 
Fur diesen mit seinem ganzen Wesen hauchte nach schwerem Leiden, 36 Jahre 
nicht zusammenstimmenden Posten erwies alt, seine Seele aus . I n seiner 
gelehrten 

er sich urn so weniger geeignet, als gerade Stellung als Professor war Werner 
das Bewegungs jahr 1848, in welchem er A auch schrif tstellerisch thatig, doch 
zeicknen 

denselben versah, einen thatkraf tigen ! seine wissenschaf tlichen Leistungen sich 
Mann als Seminardirector verlangte, der z weniger durch Umfang und Groflartigkeit 

er bei alien sonstigen treff lichen Eigen»! als durch Grundlichkeit aus. Er 

schrieb, 

schaften, die er besaB, durchaus nicht. von dem Zwange der Censur gedriickt,^ 

Werner, Franz 48 Werner, Franz 

unter dem Schleier der Pseudonymitat 

unter dem Namen Myletor die theo» 

logisch-philosophische Schrift: „Ner Her» 

mrLillni3mn5 uarzugoweioe von seiner bogmatiLchen 

Seite dllrgestellt und beleuchtet in 

Vlieken zweier theolugizchrr Freunde" (Regens» 

bnrg 1843, Manz), und zeigt in dieser 

Schrift, worin eigentlich die einzelnen 

der vom heiligen Stuhle geriigten Irr« 

thiimer des Hermes bestehen, und gibt 

eine vollstandige Rechtf ertigung des papstlichen 

Verdammungsdecretes in doctri» 

neller Beziehung, wie sie vor ihm Nie» 

mand versuchte. I n der Seitz'schen 

„Zeitschrift fur Kirchenrechts ' und PastoraWissenschaf t " 

verof f entlichte er fol» 

gende Aufsatze iiber die Ehe : „Die Auf loslichkeit 

einer ursprunglich ungemischt 

nicht christlichen, spater aber durch die 

Bekehrung, Eines Gatten gemischt gewor» 

denen Ehe, im Falle das eheliche Zusammenleben 

wegen des christlichen Bekenntnisses 

durch den unglaubig gebliebenen 

Ehetheil aufgehoben worden, aus 

der kirchlichen Tradition nachgewiesen" 

"■1843, Bd. I I , 1. Heft, S. 3 u. f. A ; - 

„Dogmatisch ' speculative Darstellung des 

Begriffes der Unauf loslichkeit der Ehe 

nach katholischen Lehrentscheidungen und 

kirchlicher Praxis" »bd., S. 49 u. f. A > 

— „Exegetischer Versuch iiber Matthaus 

XIX, 9 und V, 32-34. Ein Beitrag 

zum Beweise, daB die kirchliche Lehre 

von der Unauf loslichkeit der Ehe der 

Bibel nicht widerstreitet " "1843, Bd. I I , 

Heft 3, S. 133 u. f. A >; gegen die zwei 

letzteren Aufsatze erhob sich nun Professor 

Schleyer im Breisgau in der 

theologischen „Freiburger Zeitschrift" 

A 1844, i. Heft" 1 und griff unseren Ge> 

lehrten mit leidenschaf tlicher Bitterkeit 

an, zu der Ansicht sich versteigend: , aus 

Liebe zur Orthodoxie sei Werner, ohne 

es zu wissen, heterodox geworden; dafi> 

! nach dessen Scheidungsprincipe mehr 

Ehen aufgelost werden konnten, als dies 

nur nach dem laxesten protestantischen 

moglich ware; daft Werner's Ansicht 

mit der des Rationalisten D1-. P a u 1 u s 

zu Heidelberg, im Grunde genommen, 

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Wurzbach55 . txt 
auf dasselbe Resultat hinauslaufe, Er» 
sterer also den Protestanten in die Hande 
arbeite; daB er (Schleyer) dem ganzen 
katholischen Deutschland es als eine 
merkwijrdige Erscheinung signalisire, 
daB ein katholischer Professor an einer 
bischof lichen Lehranstalt in Oesterreich 
sich so zu lehren unterfangen konne". So 
lange Schleyer 's Angriff beschrankt 
blieb auf das Blatt, worin derselbe er« 
schienen war, glaubte Werner nicht 
erwidern zu sollen, als aber der betref» 
fende Aufsatz in unverandertem Separat» 
druck herauskam, konnte Schweigen als 
Zeichen der Schwache gelten, und so ver« 

of f entlichte er die Schrift: „Ueber den nrnteatamentlichrn 
Ehetrennungzgrnnd bei M a t - 
than5 5, Z) nnd I ) , 9 und bei PllvlnS 
1. <5ar. 7, N— "16. Ein? exegetische Untersuchung 
in einem lltkencn Sendschreiben an Herrn Prllte55or 
D r . Sch 1 e g e r in Freiburg im 

(Regensburg 1843, Manz), womit stch 
Professor Schleyer freilich nicht zu« 
frieden gab, aber doch zufrieden geben 
muBte und schwieg. Treffend aber be« 
merkt Dr. Werner in dieser seiner 
Rechtf ertigungsschrif t : „Mehrmal wurde 
im auBerosterrcichischen katholischen 
Deutschland schon Klage gefuhrt, daB 
der Clerus der groBen Monarchie so 
wenig an den wissenschaf tlichen theologi» 
schen Bestrebungen der neuesten Zeit sich 
betheilige. Fragen Sie sich aber, ob I h r 
Verfahren geeignet ist, jiingere Manner 
in meinem Vaterlande auf zumuntern, 
in die Oef f entlichkeit hervorzutreten . " 
Noch einmal, und zwar in seiner Recen» 
sion einer Abhandlung des Weihbischof s£ 
Werner, Franz 49 Werner. Franz von 
von Ermeland Dr. Anton Frenz el, kam 
Werner auf seinen eben angefiihrten 
Aufsatz iiber die Ehe zuriick "vergleiche 
«Oesterreichische Viertel jahrschrif t fur 
katholische Theologie" 4864, Heft 3, 
S. 461". Von seinen Arbeiten erwahnen 
wir noch: in der Seitz' schen Zeitschrift: 
„Erlauternde Bemerkungen zu dem De« 
Crete des Concils von Trient eess. 24, 
o. 16 as re5. Die Aufstellung eines 
Capitularvicars betreffend" "Bd. I I , 
Heft 3, S. 279 u. f. A j; ferner eine kleine 
Brochure: „Vrber den Kirchlichen Ab las 5 
nnd ilie Bedingungen seiner Wirksamkeit" 

(St. Polten 1836, Paffy und Sydy) ; 

auch lieferte er fur das «Freiburger 

Kirchenlexikon" mehrere Artikel, so: 

„Oesterreich" , „Bisthum St. Polten", 

„Wiener-Neustadt" u. a.; fur die „Katholischen 

Blatter aus Tirol" : „Ueber 

die Vortheile der Einfiihrung des kirch» 

lichen MeBgebetbuches als eines gemeinsamen 

unter das glaubige Volk" 

— «Ueber Dogmengeschichte" 

in der von Scheiner und Hausle 

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Wurzbach55 . txt 
herausgegebenen „Zeitschrift fur die ge« 
sammte Theologie": „Ueber die abysst» 
nische Kirche"; — „Ueber den romischen 
Episkopat" (gegen I)i-. t t o ) ; in 
der . Oesterreichischen Viertel jahrschrif t " 
u. s. w : „Ueber die Reise P a u 1 i nach 
Spanien uiid dessen zweite romische Gef angenschaf t " 
"1863, 3. Heft; 1864, 

j . Heft A ; in der Linzer DiocesaN ' Zeitschrif t 
/s Hi' s polvw«" : „Ueber das alte 
Lorch"; — „Die Geschichte des Domcapitels" 
u. m. a. Damit ware wohl die 
wissenschaf tliche Thatigkeit Werner's, 
wenn gerade nicht erschopft, so doch in 
ihren Hauptziigen angedeutet. Eine Wijrdigung 
seiner kirchlichen, scientif if chen 
und politischen Gesinnung in seiner fruheren 
und spateren Lebensperiode, seine 
Opposition gegen die Iosephinische 
u. Wiirzbach. biogr. Lexikon. I>V. "Gedr. 
Geistesrichtung, seine Eigenart im Leben 
und Handeln bote noch reichen Stoff zur 
Schilderung, fallt aber auBerhalb des 
Nahmens einer biographischen Skizze 
fur dieses Werk. Doch kann in dieser 
Beziehung auf die prachtige in den 
Quellen genannte Studie Dr. Kersch» 
baumer's gewiesen werden, der Werner 
schildert, wie derselbe war, und seine 
Skizze mit den Worten schlieBt: Man 
hort ofter klagen, daB es heutzutage 
keine Manner — keine Originale mehr 
gebe ! Nun — an Franz Werner hat 
man einen originellen Mann zu Grabe 
getragen — freilich war er nur ein bescheidener 
Oesterreicher — in einer be> 
scheidenen Provincialstadt . Zum Uni« 
versalerben seines nicht bedeutenden Vermogens 
hat er das S t . Poltenec bischofliche 
Alumnat eingesetzt. Die Bibliothek, 
welche alle Zweige des Wissens umfaBte, 
war ein sehr werthvoller Schatz." Die 
„0 osterreichische Viertel jahrschrif t fur 
1 katholische Theologie" nennt unter den 
! Mitwirkenden bis zum ersten Vierteljahr 
1 1866 neben I . A. Ginzel und Dr. I . 
Scheiner als Dritten den Dompropst 
Franz Werner. 

Oesterreichische Viertel jahrschrif t fur katho« 
lische Theologie. Unter Mitwirkung der 
Herren Dr. I. A. Ginzel. Dr. I . Ichei» 
ner, Dr. F.Werner herausgegeben von 
!>!-. Theodor Wiedemann (Wien, t.".) 
V- Jahrg. J8611. 3. 32^-340: „Dr. Flanz 
Xauer Werner. Eine Lebensskizze von Dr. A. 
Kerschbaumer " . 

Werner, Franz von (dramatischer 
Dichter, geb . in Wien am 30. Mai 
1836, gest. im Haag am 14. September 
1881) . Der Sohn eines Gutsbesit zers in 
Croatien, nahm er spater in tiirkischen 
Diensten den Namen M u r a d Efendi 
an, unter dem er auch als Poet und 
Diplomat bekannt wurde. Ucber seine 

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2. Marz 1887.) 4^ 

Werner, Franz von Werner, Franz von 
Iugendgeschichte und seinen ersten B i 1 - 
dungsgang sind nur ungenaue und 
liickenhafte Nachrichten vorhanden. Er 
habe, heiBt es, friih osterreichische Kriegs» 
dienste genommen und sei wahrend des 
Krimkrieges (1834/36) Ofsicier in einem 
osterreichischen Huszaren>Regimente gewesen, 
dann aber in die tiirkische Armee 
iibergetreten . Nach Anderen ware er bereits 
4853 in tiirkischen Kriegsdiensten 
gestanden und hatte in diesen den Krim» 
krieg mitgemacht. Nach beendigtem Kriege 
kam er 1836 im ottomanischen Ministerium 
des Auswartigen in Verwendung 
und wurde, da er sich besonders befahigt 
erwies, dem Grofivezier Mehemed 
Pascha beigegeben und mit verschiedenen 
Missionen, so 1839 nach Bukarest 
und 1860 nach Palermo, betraut. 1864 
zum ottomanischen Consul fur Temes» 
var ernannt, versah er diesen Posten 
durch ein Decennium und ging 1873 
als Generalconsul nach Venedig und 
schon nachstf olgenden Jahres in gleicher 
Eigenschaft nach Dresden. Daselbst 1876 
zum Botschaf tsrath in Paris designirt, 
trat er jedoch diese Stellung nicht an, 
ward aber Anfangs 1877 von dem ihm 
besonders wohlwollenden Grofivezier 
Edhem Pascha in dessen Cabinet berufen 
und noch im Sommer dieses Jahres 
zum Gesandten fur Schweden und fur 
die Niederlande im Haag berufen. Dort 
starb er mitten in einer glanzenden Lauf« 
bahn in der Vollkraft seines Lebens, erst 
43 Jahre alt. Als Schrif tsteller machte 
er sich friihzeitig bekannt, denn seine 
ersten lyrischen Gedichte gab er unter 
dem Titel „Rliinge ans dem Gaten" bereits 
im Jahrs 1839 heraus; nach Anderen 
ware diese Sammlung erst 1863 oder 
gar erst 1869 erschienen. Derselben folgte 
eine zweite Sammlung: „Nnrch Ghiiringen" 
(Selbstverlag 1870) . Die Mufie 
seines Temesv A rer Ccnsulardienstes benutzte 
er besonders zu dramatischen Arbeiten, 
zu denen er sich iiberhaupt am 
meisten hingezogen fuhlte. 1 1772 brachte 
er auf dem Wiener Burgtheater sein 
erstes Stuck: „ S r 1 im IN., Trauerspiel in 
5 Aden" mit Erfolg zur Auffuhrung; 
dasselbe erschien auch als Buch bei 
Rosner in Wien 1872 und spater in 
der Reclam'schen „Universalbiblio» 
thek" unter Nr. 637. Diesem Stiicke 
folgten bald mehrere, welche er dann ge> 
sammelt als „Nraniutische Werke" in drei 
Banden (Leipzig 1861. Weigel. 8".) erscheinen 
liefl. Der erste enthalt aufter 

dem genannten „SelimIII . " noch die 
Stiicke: „Marino Faliero" (1871), 
aufgefiihrt in Dresden und Leipzig; — 

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„Auf dem Kreuzhof"; der zweite Band: 
„Mirabeau" (1873) ; — „Durch die 
Vase" (1873); - „Bogodil" (1874); 

— „Johanna Gray"; der dritte Band: 
„Professors Brautfahrt" (1874); — 
M i t dem Strom" (1874); - „Ines 

de Castro" (1872) . Aufier diesen dramatischen 

Arbeiten verof f entlichte Werner 

noch: „Turkische Skizzen", zwei 

Bande (Leipzig 1876, Alph. Durr; 

2. Aufl. 1878); - „V115reddin Ohodjll. 

Gin 115mani° ichrr Onlenspiegel" (3. Auflage, 

Oldenburg 1878, Schulze); - „GZt und 

West. Gedichte" (ebd. 1878, Schulze, 8".); 

- „" ' e2tgl 'N55 ZNIN 15 j ' 11 ' lirigrn NegirrnngZ ' 
jubiliinm lies GriJ5shtlM5 uon Oldenburg" 
(ebd. 1878) und „Balladen nnb Nildrr" 

(ebd. 1878, 8<>.) . . Sonst kennen wir noch 

das einactige Lustspiel „Gin Aaman" . Ein 

dramatisches Werk mit dem geheimniBvollen 

Titel: „Zlnt dem - M " ist 

nur im vertrautesten Freundeskreise des 

Poeten, der es demselben vorgelesen, be« 

kannt geworden. Sein „ S e 1 im I I I . " 

ist, von Professor Ionckbloet ins Hollandische 

iibersetzt, bei B r i 1 1 in Leyden^ 

Werner, Franz von Werner. Friedrich Ludwig Zacharias 

im Druck erschienen, und sollte demselben 

auch die Uebersetzung des „Marino Fa» 

liero" folgen. Mit Werner ging ein 

noch nicht vollig abgeklartes vielverspre» 

chendes dichterisches Talent zu Grabe . 

Er hatte sicher noch Vieles und Schones 

geschaffen. So lange er lebte, verhalf 

ihm seine Stellung zu Erfolgen, die er 

unter anderen Umstanden kaum erreicht 

haben wiirde . Heute ist er beinahe schon 

vergessen. Der Dichter besaB auch ein 

groBartiges Vorlesetalent , und wahrend 

er den Botschaf terposten in Schweden 

versah, gewann er die besondere Zunei» 

gung des Konigs Oskar, der, wie be» 

kannt, selbst schaf fender Poet ist. Er 

wurde vielfach ausgezeichnet : 6sterrei» 

chischerseits besaB er den Franz Josephund 

den Orden der eisernen Krone; 

auBerdem Decorationen von Schweden, 

der Tiirkei, Perfien, Sachsen »Weimar 

und Oldenburg; die Medaillen fur Kunst > 

und Wissenschaft von Schweden, Sachsen- 

Weimar, Oldenburg und Coburg-Gotha . 

und der Konig von Holland lieB eigens 

fur ihn eine groBe goldene Medaille Pragen, 

welche auf einer Seite des Konigs 

BildniB weist, auf der anderen eine latei» 

nische Inschrift, welche besagt, daB sie 

als Andenken der Kunst und Wissenschaft 

fur MuradEffendi gepragt sei. Werner 

war mit der ehemaligen Schau» 

spielerin Henriette Ebell-, welche in 

Oratz und Frankfurt a. M . das Fach der 

tragischen Liebhaberinen spielte, vermalt, 

und sind aus dieser Ehe zwei Sonne 

vorhanden, welche im Benedictinerf tif t 

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Wurzbach55 . txt 
Kremsmiinster in Oberosterreich erzogen 
werden. SchlieBlich sei noch bemerkt, dafl 
sich Werner des Namens M u r a d ' 
E f e n d i nicht etwa als eines Pseudonyms 
bediente, sondern denselben bei 
seinem Uebertritte in turkische Dienste 
zum Familiennamen machte, so zwar. 
daB seine Gattin auf dem Partezettel als 
HenrietteMurad. Efendi den Tod 
ihres Mannes anzeigt und auch nicht in 
einer Klammer auf seinen Familiennamen 
Werner hinweist. Jedoch wechselte 
er mit feinem Uebertritt in turkische 
Dienste nicht auch seine Religion, sondern 
blieb katholisch. 

B rii m mer (Franz) . Teutsches Tichter<3erikon . 
Biographische und bibliographische Mitthei» 
lungen iiber deutsche Dichter aller Zeiten. 
Unter besonderer Beriicksichtigung der Gegen« 
wart (Eichstadt und Stuttgart 1877. Krull, 
schui. 4«.)Bd.II, T. 79. - Derselbe . Lwkon 
der deutschen Dichter und Prosaisten des 
neunzehnten Jahrhunderts (Leipzig. Reclain 
Huii . , 32°.) S. 73. — Wiener illustrir« 
tes Extrablatt . i8?2. 24. Mai im Feuil» 
leton: „Ein Wiener Turk". — Magazin 
fur Literatur des Auslandes. Herausgegeben 
von I . Leh mann (Berlin, kl. Fol.) 
1880, Nr. 34 in der „Kleinen Rundschau". — 
Bornmiiller (Fr.) . Biographisches Schrift« 
steller-Zerikon der Gegenwart . Die bekanntesten 
Zeitgenossen auf dem Gebiete der National« 
literatur aller Volker mit Angabe ihrer Werke 
(Leipzig 1882. Verlag des bibliogr. Instituts 
br. 12".) S. 317. -Illustrirtes Musik« 
und Theater journal 1876. S. tl49. 
Portrait. Dasselbe befindet sich in Photo» 
graphischer Nachbildung als Titelbild vor 
seiner Gedichtesammlung ,0ft und West" 
Werner, Franz (Maler) '"S. 96, in 
den Quellen, Nr. 4 ^ . 
Werner, Franz (Jesuit) A S. 96, in 
den Quellen, Nr. 2^> . 
Werner, Franz (Rechtsgelehrter ) 
j"S. 97. in den Quellen, Nr. 3". 
Werner, Franz (Artillerieof sicier ) 
M. 97, in den Quellen, Nr. 4 A j . 
Werner. Franz A. (Schrif tsteller ) 
A S. 97, in den Quellen, Nr.'o' 1 . 
Werner, Friedrich (Orgelbauer) 
A S. 97, in den Quellen, Nr. 6 A j. 
Werner, Friedrich Ludwig Zacharias, 
siehe: Werner, Zacharias A S. 72 A . 
4 *^ 

Werner, Gregor Joseph Werner, Gregor Joseph 
Werner, Georg (Arzt) I A S. 97, in 
den Quellen, Nr. 7 A . 
Werner, Gregor Joseph (Compos 
i t e u r , geb . im Jahre 1691, gest. zu 
Eisenstadt am 3. Marz 1766) . Ueber 
diesen ebenso originellen und nicht ge» 
wohnlichen Tonkiinstler sind nur unzw 
reichende Nachrichten vorhanden. So ist 
es nicht bekannt, wo er seine musicali« 

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Wurzbach5 5 . txt 
schen Studien gemacht und zum Compo» 
nisten sich herangebildet hat. Doch muB 
es friih geschehen sein, da er schon in den 
DreiBiger-Jahren seines Alters bei der 
Hauscapelle des regierenden Fursten Nicolaus 
Eszterhazy zu Eisenstadt als 
Capellmeister angestellt war. Der Fiirst 
besaB namlich zwei Capellen: eine zu 
Eszlechaz fur die Oper, das Schauspiel 
und fur Kammerconcerte, welche Joseph 
Haydn dirigirte, die zweite in Eisenstadt 
fur Kirchenmusik, deren Leitung 
unserem Componisten, der als tiichtiger 
Contrapunctist gait, iibertragen war. I n 
dieser Stellung hatte Werner reiche Gelegenheit, 
sein Compositionstalent walten 
zu lassen, und so brachte er Oratorien, 
Cantaten, Messen und andere Kirchen- 
Musikstiicke und ungeachtet fur Opern 
Eszterhaz bestimmt war, auch solche zur 
Auffiihrung. Doch sei hier noch bemerkt, 
daB, als Haydn als Capellmeister in 
Fiirst Eszterhazy ' sche Dienste trat 
(1760), Werner bereits in hohen 
Jahren stand, woraus sich denn auch der 
Gegensatz beider Meister in Ansichten 
und musicalischer Richtung ergibt. So 
erklarte Werner den nachmals so be» 
riihmt gewordenen Joseph Haydn, 
dessen Schopfungen heute noch fortleben, 
wahrend er selbst — wenngleich mit Un« 
recht — vergessen ist, fur eine „Mode» 
puppe"; und als Haydn eines Tages 
von Eszterhaz nach Eisenstadt kam, um 
die sogenannte 6/4 Messe in <F-< A ?- dort 
aufzufiihren, und Werner um das Urtheil 
dariiber gefragt wurde, antwortete 
dieser: „Ein Gsanglmacher" . Dieses Urtheil 
kam H a y d n zu Ohren, welcher 
sich aber dadurch nicht beirren lieB, son» 
dern eine Messe im strengen Style com» 
ponirte, die er selbst Werner vorlegte,- 
und nun stand dieser auch nicht an, dem 
Werke voile Anerkennung zu zollen. Von 
dieser Zeit datirt seine Achtung fur 
Joseph Haydn. Wohl iiber 4 Jahre 
stand er in fiirstlichen Diensten und com> 
ponirte neben vielem Anderen alljahrlich 
die geistlichen Oratorien, welche in der 
Charwoche in der Chorf rauenkirche am 
heiligen Grabe aufgefiihrt wurden. Auf 
diese Weise entstanden die auf Seite 34 
namentlich angefiihrten Oratorien, und 
merkwiirdig genug fallen mehrere der» 
selben gerade in die Periode, als der 
grofie Handel in dieser Musikgattung 
in England so groBes Aufsehen erregte, 
ohne daB dem in volliger Zuriickgezogen» 
heit in Eisenstadt lebenden anspruchs» 
losen Werner von dieser Thatsache 
auch nur die geringste KenntniB zu Ohren 
gekommen ware, ja noch mehr: wieder« 
holt begegneten sich beide Tonkiinftler in 
der Wahl des Gegenstandes, den sie 

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Wurzbach55 . txt 
musicalisch bearbeiteten . Leider waren 
die letzten Jahre unseres Komponisten 
durch andauernde Kranklichkeit getrubt. 
Als Werner, 73 Jahre alt, starb, 
wurde Joseph Haydn dessen Nach» 
folger. Obgleich Werner viel componirt 
hat, sind doch nur vier seiner Composi« 
tioien im Stich erschienen, seine zahl« 
reichen anderen Werke werden im furst« 
lichen Archiv zu Eisenstadt in Handschrift 
aufbewahrt . Was nun den Geist und die 
kiinstlerische Bedeutung seiner Schopsun« 
gen anbelangt, so gehort unser Ton< 
dichter zwar noch jener Zeit an, in der^ 
Werner. Gregor Joseph Merner, Gregor Joseph 
sich die Musik nur. in den, Fesseln des 
Contrapunktes bewegen konnte, nimmt 
aber, von dem Standpunkte be« 
trachtet, einen Ehrenplatz ein neben den 
tuchtigsten Contrapunktisten seines Zeit» 
alters . Seine mitunter ganz merkwur« 
digen Werke bezeugen es, wie er aller 
Spit zf indigkeiten des Contrapunktes Herr 
war. Ioh. Nep . Fuchs, Haydn's 
Nachfolger in der Fiirst Sszterhazy'- 
schen Capelle, behauptete: „Man kann 
leichter im Styl eines Handel, Bach 
und Anderer schreiben, aber in dem Styl 
eines Werner zu schreiben, wird Nie« 
mand gelingen, so frappant sind oft seine 
Gange, seine Ausweichungen, so sonderbar 
sein Eintreten einer Stimme; es gehort 
oft eine Resignation dazu, einen Ton zu 
halten, von dem man glaubt, er konne 
durchaus nicht der rechte sein' 1 bis es die 
Auflosung bezeugt, daB es der rechte 
war." Man kann kiihn behaupten, der 
Sanger sei erst dann ein vollkommener 
„Treffer", wenn er V?erner'sche Com- 
Positionen richtig singe', gewiB wird sich 
der erfahrenste Sanger nickt unge A wungen 
bewegen. So ist es auch fur den 
Organisten eine groBe Aufgabe, Werke 
Werner's zu spielen; man erzahlt sich, 
daB sich derselbe sehr argerte, daB er 
nichts schreiben konnte, was der damalige 
Organist Novotni— zugleich Buch- 
Haltereibeamter und naher Anverwandter 
des bekannten Kirchencompositeurs N o» 
v o t n i — nicht gleich vom Blatte spielte. 
Werner, der in Eisenstadt starb, liegt 
auch daselbst begraben. Seine Ruhestatte 
befindet sich auf dem sogenannten „alten 
Friedhof" am Berg, und A wir theilen die 
von ihm verfaBte gemuthliche Grabschrift 
unten mit . Fast erscheint es uns auf« 
fallend, daB der geistvolle W. H. Riehl' 1 
in seinen mit so viel SachkermtniB und 
meisterhaf ter Kritik gezeichneten „Musi- 1 
calischen Charakteikopf en" sich unseren 
Werner entgehen lieB, dessen Composi. 
tionen d»en Stempel der Gediegenheit an 
sich tragen, den gewandten Contrapunktisten 
zeigen, dabei aber einen mit 

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Wurzbach5 5 . txt 
origineller Kunstelei verbundenen Humor 
und eine fur seine Zeit ganz beachtenswerthe 
Erf indungsgabe bekunden, so daB 
er in seiner Eigenart fur eine ganz aparte 
musicalische Kunstlernatur anzusehen ist, 
der kaum eine gleiche zur Seite gestellt 
werden kann und also einen eminenten 
musicaliscken Charaktcrkopf abgeben 
wiirde . 

VtyeichniB der Werner'schen Compositionen : 
») Gedruckte: „Der Wienerische Tandel» 
markt". Fur 4 Singst.. 2 Viol, und VaH . — 
„Die Bauernrichterwahl" . Fur 3 Singst., 
2 Viol, und BaB; dieses und das vorige 
Tonstiick gestochen zu Augsdura untet dem 
Titel: „Zwei neue und enralustige musica» 
lische Taf elstucke" . — «8ex Zz ' iupkoiNAe, 
5LU»e<iu6 5on.itae: -pliai-es zil-o Camer», , 
A astci-iorea pro (' s »ZuUia ULnrpn . u6 . Ky : 
k 2 'Viol, et ciavicemd.", gestochen zu 
Augsburg. — „Neuer und sehr curios musi« 
caliscyer Instrumentalkalender " . Partienweise 
(mit 2 Viol, und Vafl) in i'a Iahresmonate 
eingetheilt und nach eines Jedweden Art und 
Eigenschaft mit Bizarreren und seltsamen 
Erfindungen. Augoburg N4 8 in Nummern 
gedruckt . Dieses ebenso eigenthumliche als 
merkwurdig construirte Musikstiick ist von 
einer wunderlich komischen Charakteristik, so 
ist die Jahreszahl i?4s durch e, 'n Fugen« 
thema auf die f ortschreitenden Intervalle des 
Einklanges i. der Septime 7, der Quarte 4 
und der Octave s ausgedruckt ; die Haupt« 
motive eines jeden abgesonderten Satzes be« 
zeichnen der Monate specifische Eigenthum« 
lichkeiten, als Frost, Kalte, Schnee. Hitze. 
Friihlingslust . Schlittenf ahrten . Mummereien. 
Erntesegen. Winzerf reude . Iagdlust u. d. m. 
Die Menuette geben durch die verschiedene 
Tactzahl in beiden Theilm den Wechsel der 
Tages» uno NachtlanZe auf Minuten be» 
rechnet an. und w'e geschickt diese Spielerei 
ausgefiihrt, ist man kaum im Stande, die 
kiinstlerisch maskirte Ungleichheit des Rhyth« 
mus beim Anhoren der natijrlich flieftenden 
Cantilenen abzumerken. Nur diese vier Comȣ 
Werner, Gregor Joseph Werner, Johann 
Positionen Werner's sind im Druck erschie« 
nen. Ungleich groBer aber ist die Zahl 
seiner im Manuscript vorhandenen, welche 
im Fiirst Eszterhazischen Musikarchiv zu 
Eisenstadt aufbewahrt werden, b) I m Manuskript 
vorhandene: Acht Oratorien: 
„Adam" - „Job" - „Daniel" - „Esther" 

— „ Judith" — „Machabgus" — « Judas" 

— „Der jiingste Tag" . — Acht geist« 

1 i c h e Oratorien: „ A aLcieuiua Kl A rrkko 
aii6ow5 oder das geliebte MyrrheN ' Busch» 
. lein". Componirt 20. Mai 1729. 
„Schmerzhaf ter Wiederhall des David' schen 
Thranenliedes" . Comp. 8. Mai 1731. - 
„Die betriibte Tochter Zion" . Comp, 13. Ma 
1732. — „ A lkter aoloruin. Die schmerzhaft, 
Mutter" . — „Der keusche Joseph" . Comp 

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Wurzbach5 5 . txt 
4. April 1744. - „Der Tod des h. Johann 
von Nepomuk" . Comp. 4. April 1732. — 
„Tobias". Comp. 173 9. — „Deborah und 
Iahel oder Sesera's Untergang" . Comp. 
4. April 1760. — „Eine Vesper" und „Vier 
Ossertorien" (fur das Frohnleichnamsf rst ) 
fur 4 Singst.. 2 Viol, und Orgel. Die Ori< 
ginalparntur derselben besaB (noch 1843) 
Alois Fuchs in semer Autographensammlung . 

— »Vespern.« ' dreviLLiina . e, Hymnus et 
A . ntiVIiana" . I n Thalberg's „Antogra 
phensammlung beruhmter Musikwerke". — 
„Messe in A -cluT- fur 4 Singst, und Instru 
mente". Comp. 1738. - „M552, in A Lnd 
titulo: <Hu22i vero a <iua.tro voei, 2 Viol. 
01-3.". Comp. 1739. Die Originalpartitur 
besitzt das A A ctsiv des Wiener Musikoereines . 

— „Sechs Fugen fur 2 Viol.. Alt und VaB". 

— AuBerdem noch siebenunddreiBig Messen, 
drei Requiem, drei Is Dkum, vier Offerto« 
torien, ein Vsni sanoty: sechs Vespern, funf 
einzelne Vesperpsalmen, fiinfzehn Hymnen, 
zwanzig Litaneien, einhundertdreiunddreiBig 
Antiphonen, f unf undsiebenzia Nummern an 
Responsorien, Karats eosll, Miserere. Lamen« 
tationen. Adoentlieder . Pastorale, Kirchen» 
souaten und ein Orgelconcert . 

Vregor Joseph Werner's Znschrist auf dem 
Grabstein im sogenannten „alten Frieohof" 
am Derg zu Eisenftadt. Wir bemerkten, daB 
Werner diese launig gemiithliche Inschrift 
sich selbst verfaBte. Sie lautet: „Allhicr ruhet 
der Wohl'Edle und Kunstreiche Herr Grego» 
rius Iosephus Werner, weyland gewester 
hochfurstl. Esterhazischer Capellmeister , seines 
erlebten miihsamen und kranklichen Alters 
73 Jahr. dem Gott nun wolle, zur ewigen 
Ruhe aufnehmen, ist gestorben A .nno 1766 
den 3. Hlai'ti. > NMapniuin. A Hier liegt ein 
Chor>Regent . der ein groB Fiirstenhaus > Sehr 
viele Jahr bedient; nun ist die Musik aus . > 
Er hatte groBe Flag mit Kreuzl und H-mott > 
WuBt ' endlich nicht wie. wo Ers resolviren 
soil. I Bis er die Kunst erlernt, pur in Ge< 
duld zu sein, 1 Alsdann gab er sich willig und 
bereit darein. > — Dich aber groBer Gott > 
Bitt er in hochster Noth: Du wollst die Dis< 
sonanten > Von ihm gesetzt zu frei. > Ver« 
kehren in Consonanten > Durch seine BuB und 
Reu. I — Weil er die letzt' Cadenz sodann 
ins Grab gemacht, > Ist folglich all' sein 
Miih, zum guten SchluB gebracht . > Herr 
Heilandt nehm ihm auf zu Deinem Himmels» 
chor, I Den nie ein Aug geseh'n, noch gehort 
ein menschlich Ohr. > Wann dann die groB ' 
Posaunen I Wird rufen zum Gericht. > M i t 
aller Welt Erstaunen. > Alsdann verdamm 
ihn nicht. I Dich aber frommer Wanders« 
mann I Ruf' ich urn ein Gebetlein an". 
(Quellen zur Biographie. Allgemeine musi» 
ca tische Zeitung (Leipzig, 4°.) 1827. 
Nr. 49, Sp . 820 im Aufsatze: „Wiens musi« 
calische Kunstschatzc" . — Gerber (Ernst 
Ludwig) . Historisch ' biographisches Lerikon der 

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Wurzbach5 5 . txt 
Tonkiinstler u. s. w. (Leipzig 1790. Vreitkopf, 
gr. 8") Bd. I 1 / ' S p . 798. - Derselbe. 
Neues historisch ' biographisches Lerikon u. s. w. 
(Leipzig 1812, Kuhnel. gr. 8".) Bd. I V , 
Sp. 331. - Gafiner (F. S. Dr.). Uni ' 
oersal . Lexikon der Tonkunst . Neue Hand» 
ausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, 
Franz Kohler. Ler. 8".) S. 892. - Rie» 
mann (Hugo Dr.) . Musiklexikon (Leipzig 
1882, bibliogr. Institut, br. 8".) S. 1U09 
''gedenkt, wenn auch in Kiirze. Werner's, 
wahrend das dreibandige MusibLerikon von 
Berniidorf ' Schladebach keinen Platz 
fur denselben hat) . 

Werner, Johann - (Landschaf tsmaler , 
geb . zu Naggendorf im 

Viertel ober dem Manhattsberg 1813) . 
Der Sohn eines Maurers, kam er, da er 
Talent zur Malerei zeigte, 1832 im 
Alter von 1? Jahren in die Akademie 
der bildenden Kiinste zu Wien, in welcher 
er sich der Landschaf tsmalerei zuwendete 
und schon nach drei Jahren die Ausstel« 
lungen, welche dies Institut veranstal»? 
Johann Werner' 1 Johann Ludwig Freiherr 
tete, mit seinen Arbeiten beschickte. Wir 
konnen nur seit seinem ersten Auftreten 
bis 4843 die Spuren seiner Thatigkeit 
verfolgen, von da ab verschwinden sie, 
und wir haben weiter keine Kenntnifl 
iiber Leben und Schaffen des Kiinstlers. 
I n den Iahresausstellungen bei Sanct 
Anna waren von ihm zu sehen: 1835: 
„Eine Waldpartie" ; 1836: „Hirsche in einer 
telsigen Wllldpllrtie" ; 1837: „ZnLicht unn 
Mlach mit dem Nlllnt ! n551" ; 18 3 8: „Ansicht 
Nlln V i r n Ullm Olllizillberge" : - „Ner Ull 
Kllgel mit der Pfarrkirche zu I.'ienz im Pustnthllle" ; 
1839: „Ner Eingang nach Fchattlllien 
mit der Auzzicht ant den Semmering"; — 
„Felsenpartie an einem Strome"; — „Ansicht 
Ullm i§llliziubtrge"; 18 4 1: ., Cha ! nun Nleran"; 
— „Aussicht ant die niirdlichen Oedirge 
ulln Nllzen"; — „Ner Varenthlllkagl in der 
Illlizchen Alpeukette mit dem Uatharineuberg am 
Werthrrsee" ; — „Ansicht nan Vupn"; 
18 4 5: „<1) e5terreichi5che Nanrrnf llmilie" ; — 
„Zlussicht iiber den Vrrthersee bei Wrettn gegen 
die Urainer Gebirge"; — „0in6irdlerrapelle 
am Zee"; — „In /N aicht ulln Portschach iiber 
den Wcrihersee ani die Kramer Gebirge"; — 
„Winterlandschalt" ; — „Maria Verth 11m 
VerthrrZre in Narnthen. Vinterllludschaf t" ; — 
„HerkZtillndchllit" ; - „Halbinsel Muria 
Vrrtl;. Winterlandschatt" ; — „Aussicht nan 
der Villacher Alpe aui den Manhart in Narnthen" . 
Wie aas vorstehender Uebersicht erhellt, 
hat Werner in Karnthen, Tirol und in 
den Erzherzogthumern genialt und fiihrte 
seine Landschaften in Oel aus . Bemer» 
kenswerth erscheint es uns noch, daB zu 
gleicher Zeit mit ihm der beriihmte Land» 
schafter Joseph Werner, aiVH sein 
Altersgenosse, in den Iahresausstellungen 

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Wurzbach55 . txt 
bei St. Anna ausstellte, und doch er» 
wahnt N a g 1 e r in seinem „Kiinstler» 
Lexikon", in welchem er iiber Joseph 
Werner ausf uhrlicher und in ruhmlich» 
ster Weise schreibt, dessen Kunstcollegen 
J o h a n n , den wir auch sonst nirgends 
angefiihrt finden, mit keiner Sylbe, Io» 
hann Werner hatte in den Dreifliger« 
Jahren sein Atelier zu Wien in der Stadt 
am Peter 374. Von 1843 verschwindet 
er in den Ausstellungen . 

Kataloge der Iahresausstellungen der k. 1. 
Akademie der bildenden «iinste bei Tt . Anna 
in Wien vom Jahre 1835. T. 16; t836, 
S. 17; 1837, 3. 1«: i838. S. 1 I ; 5839. 
S. j«. iu. 

Werner, Johann Ludwig Freiherr 

von (Staatsmann, geb . zu T r i e r 
am 13. November 1739, gest. zu Wien 
am 18. Marz 1829) . Der SproB einer 
in Trier ansassigen und dem Rathsstande 
daselbst cmgehorigen Familie, iiber welche 
die genealogische Uebersicht S. 38 Na» 
heres berichtet, widmete er sich an der 
damals in seiner Vaterstadt bestandenen 
Universitat dem Studium der Rechts« 
Wissenschaft und begab sich 1779, urn 
praktische Geschaf tskenntnisse zu sarn« 
meln, zunachst nach Coblenz, sodann 
nach Wetzlar, wo er einige Zeit bei dem 
Reichskammergericht in Verwendung 
stand. Nun unternahm er eine wissen» 
schaftliche Reise auf die Universitaten 
GieBen, Marburg und Gottingen, wo» 
durch sich ihm die Gelegenheit bot, die 
personliche Bekanntschaf t Gatterer's, 
Putter ' s , Schlozer's, Bohmer's 
und anderer ausgezeichneter Gelehrten 
zu machen. Ende 1780 kehrte er nach 
Trier zuriick, urn daselbst die Advo> 
atenpraxis zu treiben. Doch schon im 
October 178 1 erhielt er an der Trierer 
Hochschule die Professur der deutschen 
Reichsgeschichte und spater noch jene des 
deutschen Staatsrechtes . 1788 wurde er 
mit Beibehaltung der bisber bekleideten 
Stellen zum wirklichen Mitgliede des 
kurf iirstlichen Appellationsgerichtes er» 
nannt . Nachdem er seine Inaugural))? 

Merner, Johann Ludwig Freiherr Werner' 1 Johann Ludwig Freiherr 
schrift: '"Betrachtungen iiber dir Verbindung 
politischer bllnsvnrturen unk der Stalltsmohlf ahrt 
mit der Wohlfahrt der Neliginn" (Luxemburg 
1788), in der die Grundsatze, welche den 
Kaiser Joseph I I . bei seinen kirchlichen 
Reformen in den Niederlanden geleitet, 
groBen Theils ihre Recht f ertigung finden, 
verof f entlicht hatte, erlangte er die juri» 
dische Doctorwiirde und dann eine Bei' 
scherstelle an der Iuristenf acultat in 
Trier. 4789 folgte er einem Rufe des 
Kurfiirsten von Koln als Hofrath und 
Staatsrechtslehrer nach Bonn. I n dieser 
neuen Stellung sah er sich zu verschiedenen 

Seite 81 



Wurzbach55 . txt 
wichtigen Staatsgeschaf ten und 
Sendungen verwendet, fungirte 1790 
als Wahlbotschaf tsrath in Frankfurt 
a. M. und wurde 1791, bald nach der 
Kronung des Kaisers Leopold II., 
zum Reichshof rathe in Wien ernannt. 
Als die politischen Ereignisse des Jahres 
1806 zur Auflosung des Reichshof rathes 
fiihrten, ward Werner auf die warme 
Empfehlung des Grafen Rottenhann 
M . X X V I I , S. 162" mit kaiserlichem 
Handbillet vom 26. Deccmb.>r 1807 als 
Hofrath zur obersten Justiz stelle in Wien 
berufen. 1810 kam er als Viceprasident 
zum Glatzer Landrecht und riickte nach 
der Trennung des Landrechts vom inner> 
osterreichischen Gubernium am 6. April 
4811 zum Landrechtsprasidenten vor. 
1822 zum Prasidenten des mahrischschlef ischen 
Appellationagerichtes und 
dann zum obersten Landeskammerer in 
Mahren ernannt, legte er beide Stellen 
1828 aus Gesundheitsriicksichten nieder 
und iibernahm dafiir das Presidium bei 
der Hof commission in Iustizsachen, welches 
er trotz schweren korperlichen Leidens 
bis zu seinem im Alter von 80 Jahren 
erfolgten Tode versah. AuBer der vor< 
erwahnten Inaugural schrift verossent« 
lichte er durch den Druck folgende Werke: 
„Gtwll5 iiber die Annahme und Ausschreibung 
der Aeuisiau wider beschwerende Kammergerichtsnrtheile 
zur Veleuchtnnq des Z. 100 de5 
Neichzabschiedes von 359A; mit Veiku'gung 
einiger weniger bekannten Prajudicien und nach 
nicht gedruckter Urkunden" (Bonn 1789, 
8".) ', — „Priikungss ' lit ; e an5 der deutschen 
Neichzgrschichte und den vornehmsten Aecht5- 
theilen" (Trier 1788, 8 " . ) ' — „Artenmassige 
Darstellung der Ursachen, warum die 
nun dem Kaiserl. und Neichskammergerichte den 
Alri511n55chrribendrii Herrn Fijrsten des niederrheinisch 
mestphalischrnKreises unterm 27. August 
N59 gegen die Mticher Aufriihrer aufgetragene 
Gierntillnsrllmmissilln bisher unuMstreckt geblieben 
ist" (Miinster 1790, 4 ^ . ) , „Nachtrag 
dazu" (ebd. 1790, 4".); diese Deduction 
ist auch im 7. Bande von Reussen's 
„Dedlictions» und Urkundensammlung" 
abgedruckt, in der Vorrede aber der Verfafser 
irrig Weber statt Werner genannt; 
— „Unparteiische Priiknng t>c5 uan 

Unrpflllz in der UrichsuerZammlnnss zn Negrnspurg 
und im teutschen Publirum ausgetheilten 

Arllinemurills die grgrnmurtigrn Anntinturstreitigkriten 
betreffend, uan Wittelsbach" (ohne 
Angabe des Druckortos und Jahres 
' s 1790' s , 4 A . ) ' , — „Krgrnteninaiimen uns 

lien Schriften LudwigsXIV . ullii Frankreich. 
Friedrichs I I . unn Preussen und <0 n- 
Staus III. nun Schwellen urzagen" 2 Bande 
lWien 1809) . Werner's Verdienste im 
Staatsdienste wurden wiederholt gewiirdigt, 
durch Erhebung in den Reichs» 

Seite 82 



Wurzbach55 . txt 
f reiherrenstand, welche 1803 erfolgte, 
und 1812 durch Verleihung der geheimen 
Rathswiirde . Freiherr von Werner 
hatte "sich dreimal vermalt, zuerst 1790 
mit Maria Agnes geborenen von 
B r e u n i g ; nachdem diese 1802 gestorben, 
1804 mit Maria Anna von 
Hackher zu H a r t . Witwe Michaels 
von S m i t m e r , und nach deren 1814 
erfolgtem Tode in dritter Ehe mit¥ 
Stammtafel der Freiherren von Werner. 
Aeltere Linie. 

Io!ia,,n Ludwig 4805 Freiherr A S. 35) 
qed. <3. November 1759, -<- <8. Marz 1829. 
t ) Maria Agnes geborene von Dreunig. 
gcb. I?<i8, -<- 2. September 1802. 

2) Maria An»» ' geborene Hackher von Hart, 
verwitwete Michael von Smitmer 

A t. Janner 1814 

3) Maria Margarethe neborrne Freiin von Lago. 
Jiingere Linie. 

Zoscpl) IS. (w) 
nrb 24 Deremdrr 1791. 
-f 4. I n 1 i 187i. 
Hcnriette geborene flauer 
von Frieda«, 

Tochter seiner Schwester 
Katharina 
geb 2L. October !813. 
Mnrilnilinn 
qrb. 23 October 1794, 
1-23. Augn st 18N7. 
tlosa gcborrne Freiin 
von Barbier 
A rb. 23. Juli 1?99. 
-1- IN Marz 1872. 
Antliariua 
geb. i. Janner NW. 
->- urn i««3 . 
vm. Frail' 1 paner 
Ritter von Friedn« 
1- 23. Marz i«3 ' .> 
(ihre Tochter Henriette 
heiratete der Mutter altesten 
Bruder Ioseftl') . 
neb. 28. Mai <798. 
1- 12. Miirz 1874. 

1) Zosepha von Petencck 
t 28. April 1838. 

2) Aarollne geborene 
Eltlinger 

lieb 18. Janner «823. 

Verlrud 

gcb. 31. Octoder 1799. -<-, 

vm. Zosepl) Causch 

s 3(1. Janner 184U. 

M. Anna 

geb. 31) . April 1801 

t 14. Juni 1827. 

Marimilia, , 

geb. <i9. Juni 1832. -z-. 

Fudouica 

geb. 84. Juni 1834. 

Apollonia 

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aeb. 20. Ort . 1830. 
urn Franz 

Ritter u. Friednu. 
Maria 

geb 31. Oct. 1837. 
urn. Aarl Freiherr 
v. Aiclmannsegg . 
Francisea 

geb 2«. Janner 1836. 
vm. Adam 

Mter von Tustanowbki. 
Senrielle 

grb. 14. Juli 1842. 
vm. Joseph Naabl. 
Fran) 

qrb . 4 November 1844. 
Maria geborene Mayer 
geb. 23. Februar 1854.^ 
Werner (Genealogie) Werner, Joseph 
Maria Margaretha geborenen Freiin 
von 3ago. Nur aus erster Ehe sind 
Kinder, und zwar drei Sonne und drei 
Tochter, sammtlich aus der Stammtafel 
ersichtlich, vorhanden. Neber seinen Sohn 
Joseph siehe den besonderen Artikel 
Seite 60. 

Oesterreichische National »Encyklo« 
padie von G r a f f e r und Czikann (Wien 
1833. 8°.) Bd. V I , S. 78. -Zeitschrift 
fur osterreichische Nlchtsgelehrf amkeit von 
Dr. Vine. Aug. Wagner (Wien. 8".) Jahrg. 
1829. S. 233 u f. 

Zur Venealogie der Freiherren von Werner. 
Wohl hat der Unterstaatssecretar Freiherr 
von Werner mir Nachrichten iiber seine 
Familie, unter der sich mehrere Rechtsgelehrte 
befinden sollen, zugesagt; doch hat die Erful« 
lung dieses Versprechens sein Tod vereitelt, 
und so beschranken sich die genealogischen 
Daten auf die Zeit von seinem Vater J o - 
hann Ludwig herab, mit dem auch die 
Freiberrnwiirde in das Haus Werner kam. 
Reichshof rath J o h a n n Ludwig erlangte 
dieselbe mit Diplom aaa. jg April 1803, 
ferner am 28. November <811 die Land» 
Mannschaft in Steiermark und am 8. April 
1822 das Incolat im Herrenstande in B6h< 
men, Mahren und Schlesien. Damit sind die 
dem Geschlechte der Freiherren von Werner 
verliehenen Prerogative abgeschlossen . I o< 
hann L u d w i g s altester Sohn Joseph 
erhielt als Staatssekretar im k. k. Ministe» 
riuM des Aeufiern fur seine Person die Mit< 
gliedschaft des Herrenhauses des osterreichischen 
Reichsrathes auf Lebensdauer. Der heu» 
tige Familienstand ist aus der angeschlossenen 
Stammtafel zu ersehen. Des Freiherrn Io» 
jeph zwei jiingere Briider Maximilian 
und Franz pflanzten das Geschlecht fort. 
Ersterer, zuletzt k. k. Hofrath im Staatsdienste 
(gest. 26. August 1867) . ist der Stifter der 
alteren Linie, die nur noch weiblicher» 
seis bliiht, daMarimilians einziger 
Sohn. gleichfalls Maximilian mit Vor< 

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namen, bereits verstorben ist. Der zweite 
Bruder, Franz . starb als k. k. Oberlandes« 
gerichtsrath in Pension, und sein jungster 
Sohn Franz aus zweiter Ehe mit Aaroline 
Etllniger ist zur Zeit Chef der Familie. Was 
die denkwiirdigen Sprossen derselben anbelangt, 
so wurde der beiden urn den Staat verdienten 
Freiherren JohannLudwig (S. 53) und 
J o s e p h in ausf iihrlicheren Lebensskizzen 
(S. 60) gedacht . Noch ist von dem Oberlandes» 
gerichtsrathe Freiherrn Franz zu erwahnen, 
dafi er der Malkunst huldigte und 1833 auf 
die Iahresausstellung der k. k. Akademie der 
bildenden Kiinste bei St. Anna zu Wien 
ein in Oel gemaltes Landschaftobild: „Hall» 
statt im Salzkammergute" brachte, das ein 
nicht gewohnliches Kunsttalent verrieth. 
Wappen. Ein durch eine aufsteigende weiBe 
fiinfmal gezinnte Mauer quer getheilter und 
oben von Gold und Blau gespaltener Schild. 
I m ersten Felde ein schwarzer goldgekrontcr 
und gewassnetcr Adler, der die Chiffren I ' .II. 
auf der Brust tragt; im zweiten Felde ist im 
blauen Grunde ein goldenes Wagenrad mit 
einer darauf stehenden, einwarts gewendeten 
und im Schnabel einen Oelzweig haltenden 
Taube zu sehen. Auf dem Schilde ruht die 
Freiherrenkrone, auf welcher der offene Turnierhelm 
ruht, dessen Krone den im ersten 
Frlde beschriebenen Adler tragt. Helmdecken. 
Diese sind rechts schwarz mit Gold, links 
blau mit Silber unterlegt. Schildhalter . 
Zwei natiirliche schwarze goldgewaf f nete Adler. 
Werner, Johann (Techniker) A S. 97, 
in den Quellen. Nr. 8". 
Werner, Johann (Propst) A S. 98, 
in den Quellen, Nr. 9"j. 
Werner, Johann Jacob (protestantischer 
Prediger) >"S. 98, in den Quellen, 
Nr. 10", . 

Werner, Joseph (Landschaf tsund 
Architecturmaler , geb . urn 
4818) . Ueber den Lebens- und Bit» 
dungsgang dieses Kunstlers, der in Wien 
lebte und arbeitete und seinerzeit sehr 
geschatzt und gesucht war, ist nur wenig 
bekannt . Er war ein Schiiler des be» 
ruhmten Thomas End er Mand IV, 
S. 41", eines ebenso tiichtigen als ungemein 
fruchtbaren Malers. Ziemlich friih 
trat Werner mit seinen Arbeiten in die 
Oef f entlichkeit ; denn von 1830 an be» 
gegnen wir seinen reizenden Aquarellen 
in den Iahresausstellungen der Aka-^ 
Werner, Joseph Merner, Joseph 
demie der bildenden Kiinste bei St. Anna 
zu Wien in fast ununterbrochener Folge 
bis i830. Von da ab erscheinen seine 
Bilder nicht mehr. Wir lassen hier eine 
Uebersicht seiner ausgestellten Werke folgen, 
die sammtlich Aquarelle sind. 1830: 
„Ideale Landachatt" ; 1838: „Gegend bei 
Nenbnrg in Steiermark" ; — „Ner Pa55 bei 
Hntten2teiil" ; 1839: „Ansicht im Anine 

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zwischen Minbnrg und Ohrben an der Nnnan"; 

— „Ansicht der Anine van Ghrbrn an der 
Nanlln"; 1840: „Purtie uuu Mlztlltt" ' 

— „Ansicht ulln HllllLtatt"; 1843: „Ansicht 
vl>m Oaluarienberg bei Nnchtesyallln" ; — 
„Salzbnrg nom M'6nch5berg bri Sunuennvtergang" ; 

— „NerchteZgadrn mit dem Watzmann 

bei Ibrndbelenchtnng" ; — „Partie mit dem 
Steinthllr in Salzburg"; 1844: „Mrn5trin 
lln der Nanlln bei Anend belenchtnng" ; — 
Partie uon Nnrnstrin"; — „Muhle mit dem 
WiitjMllnn bei BerchteZgadrn" ' — „Muhle ans 
der Kllmsan"; 1845: „ Fried hotacapelle in 
der Nllmsun"; — „Stadtthor uan Nnrnstein 
gegen Krrms"; — ^Alte Mnhle bei Verchteggnden" ; 

— „Pfarrkirche zn Nnrnstein"; — 
„Stadtthor vun Mrmtein grgeu WliZzen- 
Kirchen"; 1846: „Muhle ant t>rm Wcgc zum 
Mingsser" (30 ft) : - „Ruine MlN5trin 

mit der Aussicht gegrn N3ei55kirchen" (30 f 1 . ) 

— „Ansicht dr2 GrunnsteinZ am Erannsee" 

(23 f 1 . ) ; — » A 'eg ank ilcn Olllnarienberg in 
Craunkirchen" (23 f 1 . ) ; 1847: „Nagel- 
5chmiede bei Waidhoten an drr Dbbs" (40 fl,) ', 

— „Hiinsergruppr bei Vaidhafen bei herunnahendem 
NeZrn" (40 f 1 . ) ; - „3 . ' llnilnng5- 

platz in Zt. Walfang bei Zzchl" (23 f i . ) ; - 
„Platz nar der Kirche zn st . Wnligaug" 
(23 fl.)', 1848: „Partie van Ibbzch bei 
MnidlMn" (30 f i . ) ; - A Pnrtie n°n Wnidhuten 
nn der Dbbs"; — „Wa5 5ttka!l ;n 
Ibbsitz" (30 fi.); — „Schlrifmiihle an der 
Ibdz" (30 ft.); — „Schluss Waidhafen bei 
ZlbendbclruchtunL' 1 (40 st . ) ' , — „Partie non, 
siti* (40 St.); 1850: „Gistuhammer ! 
ron Hbbsitz" (40 fl.); — „Felsdnrchbruch 
an der Hbbs" (30 St.); — .Partie nun Waidholen 
an drr Ibbs" (30 fl.) . Wie Nagler 
berichtet, war Werner bereits urn 1842 
der Giinstling des Publicums, dessen 
Erstaunen er durch sein Talent und die 
Kuhnheit seiner Behandlung erregte. 
„Seine Aquarelle zeichneten sich ebenso 
durch Schonheit und Kraft der Farbung 
aus, als durch malerische und geist« 
reiche Behandlung. Er schildert interes« 
sante Ansichten von Ruinen, Schlos ' 
sern, Kirchen, Capellen, Thoren, Miihlen 
u. s. w „ welche er theils in den Donau» 
gegenden. theils in Steiermark und Tirol 
vorfindet, uberall mit Beniitzung der 
landschaf tlichen Umgebung und wo» 
moglich mit Hinzuziehung der groB« 
artigen Gebirgsf ormen . Viele seiner 
Zeichnungen und Studien in Aquarell 
benutzte er auch zu Gemalden in Oel, 
welche mit auBerordentlicher Meisterschaf t 
behandelt sind. Darunter sinden sich einige 
groBe Gebirgs- und Winterlandschaf ten 
mit landlichen Gebauden, dann treffliche 
Architecturbilder . Die Staffage von Fi» 
guren und Thieren ist immer originell 
und geistreich." So schildert Nagler 
den Kiinstler, von dessen Arbeiten wir 

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seit dreiBig Jahren nichts mehr gesehen 
und erfahren haben, der Oelgemalde gar 
nie ausgestellt hat und, wie es scheint, in 
der Fremde bekannter ist, als in der 
eigenen Heimat. DaB ihn neuere Werke 
iiber Kunst und Kiinstler nicht kennen, 
will urn so weniger etwas bedeuten, als 
sie ja alle sammt uud sonders in Lucken» 
haftigkeit wetteifern. Nagler gedenkt 
auf der nachsten Seite Mand XXI, 
S. 309^ eines Weruer, von dem er 
ein lithographirtes Blatt : «Der Konigssee' 1 ' , 
nach Gauermanri (qu Fol.) an» 
fiihrt; ob es nicht von unserem Aqua» 
rellisten lithographirt ist?^ 

Werner, Joseph Freiherr 6(j Werner, Joseph Freiherr 
Schmidt (Ad I'r.). Oesterreichische Blatter 
fur Literatur und Kunst (Wien. 4«.) i844. 
I I . Quartal. Nummer 23, Seite j?8 im 
Artikel: „Die Wiener Kunstausstellung" . Von 
- Dr. 3. o. H. — Kataloge der Iahresaus« 
stellungen der k. k. Akademie der bildenden 
Kiinste bei St. Anna in Wien. 1830. S. 5; 
1838. S. 7. 9; 1839. S. 10; 1340. S . 7. 8.' 
1843. S. 5; 1844. S . 3. N; 1843. S 6. 7 ; 
1846, S 6.8.9: 1347. S. 11; 1848, S. 11; 
1830. S. 3 und 6. 
Werner, Joseph Freiherr von 
(Staatsmann, geb . zn Wien am 
24. December 1791, gest. in Gratz am 
4. Juli 1871). Der alteste Sohn des 
Freiherrn Johann Ludwig aus dessen 
erster Ehe mit Marie Agnes geborenen 
von Breunig. Nachdem er in 
Wien das Piaristengymnafmm besucht 
hatte, begann er an der Universitat da» 
selbst die juridischen und staatswissenschaf tlichen 
Studien, die er an der Hochschule 
zu Wiirzburg fortsetzte und an 
jener zn Gottingen beendete. Im Marz 
1812, damals 21 Jahre alt, trat er bei 
der Botschaft zu Paris in den Staatsdienst 
und verblieb daselbst mit einigen 
Unterbrechungen bis August 1813, 
worauf er bei Ausbruch des Krieges 
zwischen Oesterreich und Frankreich mit 
der Botschaft Paris verlassen und nach 
Oesterreich zuriickkehren muBte. Nun 
fand er Verwendung bei dem CongreB zu 
Chatillon unter Grafen Stadion und 
wurde am 2. Juni 1814 zum Legations» 
secretar ernannt. Nach kurzer Thatigkeit 
in der damals zu Paris befindlichen 
Kanzlei des Fiirsten Mettern ich nach 
London entsendet, vertrat er dort durch 
sieben Monate den beurlaubten Botschaftsrath 
Philipp Freiherrn von Neumann 
M . XX, S. 291. Nr. 13 A j und 
kam im Marz 1815 wieder nach Wien 
zuriick, und zwar in die Kanzlei des 
zweiten osterreichischen Bevollmachtigten 
bei dem Wiener CongreB Freiherrn von 
Wessenberg. Darauf begleitete er den 
Fiirsten Mettern ich 1813 nach Paris 

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und Mailand und erhielt dann im 
Sommer 4816 die Bestimmung als erster 
Secretar zur Gesandtschaf t in Berlin, 
bei welcher er bis Juni 1832, also 
16 Jahre verblieb. Wahrend dieser 
langen Zeit versah er die Dienste theils 
als erster Gesandtschaf tsbeamter, theils 
als Geschaftstrager, stets bemuht, das 
gute Einvernehmen zwischen den beiden 
Hofen aufrecht zu erhalten. Im Februar 
1819 ward er zum Legationsrath ernannt. 
I n die Zeit seines Berliner Aufenthaltes 
fallen eine vorubergehende>, Verwendung 
bei dem Congresse von Verona 
1821; eine Mission nach Kassel 1828 
zur Vermittlung der in den churf iirstlichen 
Hausern ausgebrochenen Familienstreitigkeiten; 
mehrere Reisen nach Teplitz 
in Begleitung des daselbst die Badecur 
gebrauchenden Konigs Friedrich Wilhelm 
III. von PreuBen. Vom Juni 
1832 an fiihrte Werner an Stelle des 
Hofrathes von Krefl das deutsche Ne» 
ferat in der Staatskanzlei, zuerst noch in 
der Eigenschaft eines Legationsrathes , 
seit 13. Janner 1834 als wirklicher Hofrath, 
welchem Referate in den nachstf olgenden 
Jahren auch die Correspondenz 

mit Petersburg, jene in dem hollandischbelgischen 
Conflicte und endlich die Ge» 
schafte der Schweiz zugetheilt wurden. 
Als wichtigere, in diese Epoche seiner 
Geschaf tsthatigkeit fallende Verhandlungen 
mogen hier besonders erwahnt 
werden: die Fiihrung des Protokolls bei 
den Wiener Ministerialconf erenzen 1834; 
die Wiederauf richtung des in Versall ge> 
rathenen deutschen Ordens; die Befesti» 
Zungen von Ulm und Rastadt als vierter 
und funfter Bundesf estung; der hanno> 
verische Verf assungsstreit ' , die Schweizer 
Wirren in der Aargauer Kloster- und der^ 
Werner, Joseph Freiherr 6 1 Werner, Joseph Freiherr 
Sonderbundsf rage und die schon er» 
wahnte hollandisch-belgische Streitsache. 
Der durch die Marzrevolution des Jahres 
4848 hereingebrochene Umsturz der Dinge 
bestimmte Werner, sich von den Ge» 
schuften zuriickzuziehen . Doch nicht lange 
dauerte fur ihn diese Zeit der Ruhe, denn 
schon am 3. Juni nahm ihn Minister 
Freiherr von Wessen berg mit nach 
Innsbruck und behielt ihn auch nach der 
Riickkehr nach Wien bei sich, bis der 
6. October Minister und Hofrath zugleich 
aus Wien vertrieb. Nach Wieder» 
Herstellung der Ordnung berief der neue 
Ministerprasident Fiirst Felix Schwar» 
zenberg den Freiherrn in der Eigen, 
schaft eines Unterstaatssecretars in sein 
Cabinet, und in der That erfolgte am 
1. Janner 4849 dessen Ernennung zu 
dieser unter den damaligen Verhaltnissen 
schwierigen Stelle. Fiirst Schwarzenberg 

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war namlich bei Antritt seines 
Amtes von der Ueberzeugung geleitet, 
daB das von ihm ubernommene Ministerium 
des Aeuflern in Personal- und Geschaf tsf iihrung 
in tiefem Verfalle und 

daher hochst ref ormbediirf tig sei. Er be« 
traute den neu ernannten Unterf taatssecietar 
mit der heiklen Aufgabe, die be' 1 
stehenden Mangel ohne alle Schonung 
abzustellen. Wenn nun Werner auch 
die Meinung des Fiirsten iiber den 
inneren Verfall der Staatskanzlei bis zu 
einem gewissen Grade theilte, so waren 
doch die unlaugbar vorhandenen Mifi>» 
brauche tief eingewurzelt und vielfach 
mit der Natur von Personlichkeiten ver> 
wachsen, die ihrer sonstigen ehrenwerthen 
Eigenschaf ten halber geschont werden 
mufiten. Werner schritt mit ebenso viel 
Tact und Umsicht als doch wieder mit 
der nothigen Energie an die Losung 
dieser Aufgabe, und wurde ihm die Zuf riedenheit 
seiner Chefs, des Fiirsten 
Schwarzenberg und des Grafen 
B u o 1 , wiederholt und auch aus dem 
Munde Seiner Majestat des Kaisers die 
Anerkennung zutheil. Wahrend seiner 
Stellung als Unterstaatssecretar erfolgte 
am 30. Janner 4830 seine Ernennung 
zum wirklichen geheimen Rathe. Als 
dann am 12. Mai 1839 an Stelle des 
Grafen B u o 1 Graf Rech berg trat, 
waren die Beziehungen zwischen Werner 
und dem neuen Chef nicht der Art, 
urn ein gedeihliches Zusammenwirken in 
dem engen Verhaltnisse zwischen Minister 
und Stellvertreter voraussehen zu lassen, 
und so wurde Werner mit ah. Ent« 
schliehung vom 14. November 1839 zum 
Gesandten in Dresden und bei den 
Hofen der ernestinischen Linie ernannt. 
Vor Antritt seines neuen Postens hatte 
er noch in Begleitung des Erzherzogs 
Albrecht, der zur BegriiBung des 
Kaisers Alexander nach Warschau gesendet 
wurde, sich dahin zu verfiigen 
und daselbst mit dem russischen Reichs» 
kanzler, Fiirsten Gortschakow, Ver« 
Handlung zu pflegen. Am 6. December 
1839 iibergab er sein Creditiv dem 
Konige von Sachsen, und in den ersten 
darauf folgenden Monaten that er das« 
selbe in Weimar, Altenburg, Meiningen 
und Gotha. Mit ah. Handschreiben vom 
1. April 1867 wurde Freiherr von 
Werner zum lebenslanglichen Mitgliede 
des Herrenhauses im osterreichischen 
Reichsrathe ernannt. Am 26. Juli 1369 
bat er urn seinen Uebertritt in den Ruhe« 
stand, und am 28. October dieses Jahres 
erhielt er denselben bewilligt. Z8 Jahre 
hatte er unter drei Monarchen in wechsel» 
voller und bewegter Zeit dem Staate 
mit solcher Auszeichnung gedient, daft 

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ihn dieselben mit alien Auszeichnungen - 
schmuckten, die fur im Staatsdienste 
erworbene Verdienste zur Verfiigung ste-£ 
Werner' 1 Joseph Freiherr Merner. Karl 
hen. So empfing er schon 1819 das 
Ritterkreuz des Leopoldordens ; anlaBlich 
seiner diplomatischen Thatigkeit im hol> 
landisch. belgischen Streite 1842 den 
St. Stephansorden; bei Gelegenheit der 
Vermalung Seiner Majestat im Jahre 
1834 den Orden der eisernen Krone 
erster Classe; bei Vollendung seines 
30. Dienstjahres das GroBkreuz des 
Leopoldordens und schlieBlich bei seinem 
Uebertritte nach 38 Dienstjahren in den 
Ruhestand das GroBkreuz des St. Stephansordens . 
AuBerdem schmuckten noch 

22 GroBkreuze die Brust dieses Staatsmannes . 
Alle Hofe Europas hatten ihn 
ausgezeichnet . I n die Zeit seines Dienstes 
fallt auch die Thatigkeit des beruhmten 
Friedrich Gentz, und Werner stand mit 
demselben im lebhaften Briefwechsel, der 
sich noch ungedruckt im Nachlasse des 
Freiherrn befindet. Auch ist noch eines 
besonderen Umstandes zu gedenken. 
FleurydeChaboulonin seinen zu 
London 182t) erschienenen „Uomoireg" 
spricht auf S. 1 u. f. die Meinung aus, 
Freiherr Joseph von Werner sei der 
durch den von Napoleon nach Basel 
entsendeten falschen Agenten getauschte 
Agent des Fiirsten M e t t e r n ich gewesen. 
Diese Annahme ist unrichtig. 
Jener in Basel gewesene Oesterreicher 
war allerdings ein k. k. Diplomat, spater 
auch Gesandter, aber mit einem auf den 
Namen Werner-lautenden Passe ver»- 
sehen, woraus die Verwechslung ent> 
sprang. MistreB Trollopein ihrem 
Werke „Vi6n?13. and tko A nztrians" 
Bd. I I , S. 269, klart diese Thatsache 
nach des Fiirsten M e i t e r n ich eigener 
Erzahlung auf. Bis zu seinem Uebertritt 
in den Ruhestand war der Freiherr, ob . 
gleich damals schon 78 Jahre alt, noch 
vollkommen gesund und kraftig, bald danach 
aber trat, wohl infolge einer in den 
aufregenden Verhaltnissen seiner diplo» 
matischen und bureaukratischen Stellung, 
leicht erkarlichen Anspannung seiner physischen 
und geistigen Krafte, ein plotzlicher 
Nachlaft seiner Nerventhatigkeit ein. Er 
suchte noch Heilung oder doch Linderung 
dafur im warmeren Suden; aber so sehr 
er gegen sein Uebel ankampfte, dasselbe 
war starker als er. I m Marz 4871 
wurde er sterbend von Pisa nach Grcch 
gebracht, wo er, achtzig Jahre alt, nach 
mehrmonatlichem Leiden fur immer seine 
Augen schloU. Freiherr Joseph hatte 
sich am 8. Februar 1842 mit Henriette 
geborenen Pauer von F r i e d a u , einer 
Tochter seiner Schwester Katharina, 

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vermalt, doch blieben dieser Ehe Kinder 
versagt. Dagegen pflanzten des Freiherrn 
jiingere Briider Maximilian 
und Franz das Geschlecht fort, das A 
heute in zwei Linien, einer alteren und 
einer jiingeren, doch in ersterer nur noch 
weiblicherseits blunt . 

AllgemeineZeitung (Augsburg, Cotta. 4".) 
18?t. S. 37si. - Unsere Zeit. Neue 
Folge. Bd. Vll> S. 2; 187i, S. 503-30«. 
— Thiirheim (Andreas Graf) . Licht» und 
Schattenbilder aus dem Soldarenleben und 
der Gesellschaf t . Tagebuch-Fragmence und Riick» 
blicke eines ehemaligen Militars (Prag und 
Teplitz t876, Dominicus, 8".) S. 40. - 
Auch in Vernhards Ritter von Meyer 
sBd. XVIII, S. 88. Nr. 18) „Memoiren" 
wird des Freiherrn von Werner an meh' 
reren Stellen gedacht . 

Werner, Joseph (Professor der Philosophie) 
A S. 98, in den Quellen, 
Nr. 11". 

Werner, Karl (Arzt) A S. 98, in den 
Quellen, Nr. 12 A j. 

Werner, Karl (Geschichtsf orscher ) 
A S. 98, in den Quellen, Nr. 13 A . 
Werner, Karl (gelehrter Theolog, 
geb . zu Hafnerbach in Niederosterreich^ 
Merner. Karl 63 Merner, Karl 

V. o. W. W. am 8. Marz 1821) . Der . gensburg 1860) ; — „Runde uom gottlichen 
Sohn eines Landschullehrers , besuchte er W°rte des Dbens . Eine WrihnnchtSgabe" 
von 1831—1836 das zu jener Zeit sechs-! (Schaf fhausen 1864, 8".); — „Geschichte 
classige Gymnasium zu Melk, von 1837 ! der llpalllgetischen und palemischrn 
Mrrlltvr der 

bis 1838 die zwei Jahrgange des da> 
mals bestehenden philosophischen Stu» 
christlichen Chrlllogie" 3 Bande (ebd. 1861 
bis 1867); — „Geschichte drr katholischen 

diums zu Kremslniinf ter und trat i A helllagieHenischlands seit dem Grienter 
Cuncil" 

sodann in das St. Poltener Priester- (Miinchen 1866) ' — „Knr Grientirnng liber 
seminar ein, in welchem er 1839—1842 ! Wesen und Intgubr der christlichen 
Philosophie 

die vorgeschriebenen theologischen Stu> 
dien zuriicklegte. Von 1842 — 1843 
unterzog er sich als Mitglied des 
weltpriesterlichen Bildungsinstitutes zu 
St. Augustin in Wien der Vorbereitung 
auf die theologischen Rigorosen, iibte 
nach Erlangung des theologischen Doo 
torats l A /2 Jahre die landliche Seelsorge 
in der chegenVart" (Schaf fhausen 1867, 
8".); — „Neber Vesen und Negriff der 
Menschrnseele" (3. Aufl., Schaf fhausen 
1868); — „Zf tecnlatille Zinthrapalagie nam 
christlich-philllZllphischrn Stundpunkte" (Miin A 
chen 1870); — „Religionen und Culte des 
vorchristlichen Hridrntl jnms . Gin Neitrag "ur Oe- 
Schichte der MliiSophie der Neligianeu" (Schaffaus 

und kam im Marz 1847 als Professor ! hausen 1871); — „Vedi ' der Ghrmordige 
der Theologie ins bischofliche Seminar ! und Zeinr A eit" (Wien 1873); — „Nlcuin 
zu St. Polten, in welchem er durch j und sein Jahrhundert. Ein Veitrog ;nr 
christlich» 
23 A 2 Jahre als solcher wirkte, bis er im A thelllagischen Dterargeschichtr " 

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(Paderborn 

Herbste 1870 als Professor des neutesta-! 1876) . Als Zehrschrif ten fur die 
t he oloment lichen 

Bibelstudiums an die Wiener z gische Lehranstalt in St. Polten arbeitete 
Universitat berufen wurde. I n dieser A er seinerzeit aus : „Grrmdriss der 
Geschichte 

Stellung verblieb er bis zum Jahre A 
1880, in welchem er mit dem Titel und 
Charakter eines Ministerialrathes in das ! 
Ministerium fur Cultus und Unterricht ! 
> der Murnlf hUllsophie ulz U'eMden tnr Vor- 
Lien 1839) und «' s 7io/«>/- 
??no7-a A (Wien 1863) . 

! Am 17. August 1872 wurde Werner 

eintrat, wo er zur Zeit noch thatig ist. ! correspondirendes , am 21. Juli 1876 

Seit 1830 wissenschaf tlich literarisch be-' 1 wirkliches Mitglied der kaiserlichen 

Akaschaf tigt , 

hat er bisher herausgegeben : 

„Zqstrm der christlichen Gthik. 3 Mnde . 11. Vii, : 

A Mwlehre; 2. Nd.: Cngendlrhre; 3. Nd. : Pilichtenlehre" 

(Regensburg 1830-1832) ' - 

„Vie Grundlinien tier Pllilasllphie" (ebenda 

1833), diese und die friihere Schrift ist 

noch im AnschluB an die speculativen 

Anschauungen A. Giinthe r's gearbeitet. 

Weiter erschienen: „Ner h. Thuums van 

Iqninu" 3 Bande (Regensburg 1838), 

enthalt Leben, Schriften, Lehrsystem des 

Thomas von Aqumo und die Geschichte 

des Thoinismus; — »H'wn; Innre; und 

dir SchalllZtik der letzten Illhrhnndrlte" (Redemie 

der Wissenschaf ten . Als solches 

verof f entlichte er in den Denkschrif ten 

und Sit zungsberichten derselben folgende 

Arbeiten, und zwar in ersteren: „Der 

Entwicklungsgang der mittelalterlichen 

Psychologie von A 1 c u in bis Albertus 

Magnus" I>876); in den „Sihungsberichten" : 

„Die Psychologie des Wil< 

Helm von Auvergne" »873 /N ; — 

„Wilhelms von Auvergne Verhaltnifl 

zu den Platonikern des XII. Iahrhun» 

derts" A 1873) ' — „Die Kosmologie 

und Naturlehre des scholastischen Mittel« 

alters. Mit specieller Beziehung aul^ 

Werner, Karl 

Wilhelm von Conches 

„Die Psychologie und ErkenntniBlehre 

des Johannes BonaVentura" ' s 1876' s 

alles Fragmente einer zusammenhangen 

den Geschichte der mittelalterlichen Psy 

chologie, mit deren Bearbeitung Wer 

ner seit Jahren beschaftigt ist. Zu 

diesem Werke, in welchem die Commensuration 

der mittelalterlichen Scholastik 

mit den Errungenschaf ten deS Neuzeit 

lichen philosophischen Denkens speciell mit 

den Anschauungen des ueuzeitlichen spe> 

culativen Theismus eine der Hauptaus 

gaben ist, welche er sich fur sein wissenf chaf tliches 

Bildungsstreben zum Ziele 

geseht hat, stehen alle seine bisherigen 

Arbeiten, die auf die Geschichte der 

Theologie und Philosophie sich beziehen, 

Seite 92 



Wurzbach55 . txt 
in einem naheren oder entfernteren Ver> 
haltniffe. Dr. Karl Werner ist zur Zeit 
auch Rath des bischof lichen Consisto 
riums von St. Polten, Propst von 
Zwettl und Priif ungscommissar der theo< 
retischen Staatspriif ungscommission in 
der rechtshistorischen Abtheilung. Seine 
Verdienste urn die Wissenschaft wiirdigte 
der Monarch 1873 durch Verleihung des 
Ordens der eisernen Krone dritter Classe. 
Werner, Karl (Schulmann und 
Schrif tsteller , geb . in Wien am 
3. Mai 1828) . Der Sohn eines stadtischen 
Beamten, der anfanglich Volks, 
schullehrer war, beendete er das Gym« 
nafium in Wien unter der Leitung des 
beruhmten Padagogen Pod laha^Bcmd 
XXIII, S. 1 A , nachmaligen Directors 
des Wiener akademischen Gymnasiums, 
und widmete sich dann der Rechtswissen» 
schaft auf den Hochschulen Wien und 
Gratz. Durch friihe Neigung zum Studium 
der deutschen Sprache und Lite' 
ratur hingezogen und durch engeren Ver> 
kehr mit dem Dichter Friedrich Hebbel. ! 
4 Werner, Karl 

und dem bei ihm sich versammelnden 
Freundeskreise (Emil Kuh, Julius 
Glaser, Karl van B r u y k und Andere) 
in dieser Richtung bestarkt, gab er die 
juridische Laufbahn auf und wendete sich 
dem Gymnasiallehramte zu, in welchem 
sich damals bei den bereits durchgefuhrten 
oder vorbereiteten Reformen ziemlich 
giinstige Aussichten eroffneten. Andert» 
halb Jahre wirkte er zunachst als Supplent 
am Gymnasium zu Olmutz. dann 
bezog er das deutsch>philologische Se» 
minar in Wien, trieb sprachliche und geschichtliche 
Studien, machte 1833 die 
Gymnasiallehramtspruf ung fur Ge> 
schichte, Geographie und deutsche Sprache 
und wurde noch im namlichen Jahre zum 
Lehrer am Gymnasium ' i n . I g 1 a u er» 
nannt . Die MuBe seines lehramtlichen 
Berufes benutzte er zu Forschungen im 
dortigen Archive, von deren geistigen 
Friichten weiter unten die Rede sein 
wird. 1868 wurde er Professor am Gym» 
nafiuin zu Brunn und in rascher Folge 
erst Director des Gymnasiums in Znaim 
und dann Landesschulinspector in Prag, 
wo er auch die Redaction der litera» 
rischen Beilage der „Mittheilungen des 
Vereines fur Geschichte der Deutschen in 
Bohmen" iibernahm, eines Blattes, das, 
eine vollig objective Haltung bewahrend 
und nie zu nationalen Hetzereien, wie es 
die oechischen Blatter iiben, sich hinreiBen 
lassend, eine wahre Fundgrube fur die 
Geschichte Bohmens iiberhaupt und der 
Deutschen in diesem Lande insbesondere 
bildet. Von Prag kam er als Landes» 
' chulinspector des Herzogthums Salz» 

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burg nach Salzburg, wo er zugleich Re> 
ferent fur die administrativen und okonomischen 
Schulangelegenheiten und Vor« 
fitzender der Priif ungscommission fur all» 
gemeine Volks — und Biirgerschulen ist. 
Seine archivalischen Forschungen im^ 
Merner, Karl Merner. Karl 
Iglauer Stadtarchive veranlafiten meh> 
rere Arbeiten, und zwar zwei Abhandlungen 
iiber die Iglauer Meistersanger, 
welche in den „Blattern fur osterreichische 
Literatur" 1834, Nr. 1 i , 14, 13, 18, 
20, 22, 24, 26, 27, 28, 30 abgedruckt 
sind, ferner eine Abhandlung iiber die 
Gewerbsverhaltnif f e des sechzehnten 
Jahrhunderts in Iglau, ebenda 1834, 
Nr. 40—49 und dann seine „Geschichte 
der Igliiner GnchmllchelMt " (Leipzig 1861, A 
gr. 8"., 140 S.), zu welcher er durch j 
ein Preisausschreiben der I a b 1 o ! 
n o w s k y'schen Gesellschaft in Leipzig 
urn einen Preis fur die national-okonomische 
Abtheilung angeregt wurde, den 
er auch erhielt. Der gewiegte Historiker 
Mahrens, Ritter d ' E 1 v e r t , bezeichnet 
diese Monographien Werner's, die eine 
wahre Grundlage zur Culturgeschichte 
bilden, als so fleiBig in der Erforschung, 
so gewandt in der Darstellung, wie man 
sie jeder grofieren Stadt wiinschen muB . A 
Ein weiteres ErgebniB dieser Iglauer! 
Archivf orschuugen ist die eingehende Ge-! 
.schichte des Iglauer Gymnasiums, wozu! 
er iiberdies mit staatlicher Subvention i 
die Archive und Bibliotheken in Zittau, ! 
Gorlitz und Dresden besuchte. Doch ist! 
diese Arbeit noch immer nicht vollendet, 
da seit Werner's Uebersiedlung von 
Iglau zuerst nach Vriinn, dann nach! 
Prag und zuletzt nach Salzburg, gestei» 
gerte Beruf sgeschaf te eine nur sehr lang» 
same Forderung dieses Werkes gestatten, 
von welchem jedoch kleinere Bruchstiicke 
in den erwaynten Mittheilungen des 
Vereines der Geschichte der Deutschen in 
Bohmen erschienen sind. Einer Aufforde» 
rung des Freiherrn von H e 1 f e r t s'ol» 
gend, fur das von demselben heraus» 
gegebene Sammelwerk „Oesterreichische 
Geschichte fur das Volk" die Bearveitung 
eines Bandes zu iibernehmen, 

o. Nurzdach. b!oA-, A rikon. I.V. fGedr. 4. 
schrieb er das Buch: „Uaizrr "l'ranz 
I 1 u r i i te seiner Argiernng bis nach dem 
uau Anneuille N i A - ls05" (Wien 1866, 
kl. 8<'„ I I I und 243 S.), welches den 
19. Band dieses Sammelwerkes bildet. 
AuBerdem lieferte er zahlreiche kleinere 
Artikel fur verschiedene Fach» und voli» 
tische Blatter, wie: „Oesterceichische 
Gymnasial-Zeitschrif t " , „Brunner Zeitung", 
„Brunner Tagblatt", „Mahrischer 
Corresvondent " u. s. w. 5tackdem 
er seinen bleibenden Aufenthalt in Salzburg 

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Wurzbach5 5 . txt 
genommen hatte, verof f entlichte er 
in der „Montagsrevue" eine Reihe von 
Artikeln, in welchen er der Erste auf 
dem Continente auf die padagogischen 
Erfolge des Amerikaners Mr. Leland 
bezuglich ' dessen A anoa-rion ot ' inaustritl, ! 
art" aufmerksam machte, und die 
selbst in Nordamerika nicht unbeachtet 
blieben, wo dieses System bereits prak» 
tisch geworden. Eine weitere Frucht 
seiner Studien sind die iiber wichtigere 
Werke geschriebenen kritischen Anzeigen, 
welche er in benannter „Montagarevue" , 
in der „Wiener Zeitung" und anderen 
Blattern verof f entlichte, so iiber das 
Studium der antiken Sprachen, iiber 
Hebbel's „Tagebiicher" , iiber Kam» 
mel's, Schmids und Specht ' s „Geschichte 
der Grziehungskunde" , iibec Enk 

von der Burg, Vierthaleru. s. w. 
Zur Zeit ist Werner auBer mit der 
Vollendung der erwahnten „Geschichte 
des Iglauer Gymnasiums" auch mit 
einer langeren Anzeige iiber die A >1 
schaftigt . 

d'Eluert (Christian bitter) . Notenblatt der 
historisch-statistischen Tection der k. k. mahrisch' 
schlesischrn Gch'llschaft fur Beforderung des 
Acker A aue A u s. w. (Brunn, 4") Jahrg. 1862. 
S. 7 1 : „Iur mahrisch-schlrsischcn Geschicktsliteratur" . 
Von d'Kluert. — Magazin 

fur Literatur dl ' s Anolandea. lttlit',, 3. 210. 
Marz li' s «?,' s "? 

Werner, Moriz 66 Werner, Moriz 

— Literarisches (5entralblatt . He>. 
ausgegeben von D r . Friedrich Z a r n k e 
(Leipzig. 4°.) 1867. Nr. >i>. T p . 791. 
Werner, Ludwig (Jesuit) sS. 99, in 
den Quellen, Nr. 14^. 
Werner, Moriz Ritter von (k. k. 
Generalma jor , geb, zu Olmiitz 
1806, gest. zu Hermannstadt in 
Siebenbiirgen am 24. August 1863) . I n 
Rede Stehender, dessen Vater als Offtcier 
aus der k. k. Armee in den Civil- 
Staatsdienst iibertrat und zuletzt als 
Kreisingenieur zu Brunn wirkte, kam 
nach beendeten vier Gymnasialclassen 
1821 als Nnterkanonier in das k. k. 
3. Artillerie Regiment, in welchem er 
4839 zum Unterlieutenant avancirte. 
Stufenweise vorriickend, ward er 1831 
Major im 3. Regimente, im April 1837 
Oberst und am 27. Janner 1862 Generalma jor . 
I n diese vierzig jahrige 

Dienstzeit fallen die Erhebung des Jahres 
1848 und der Feldzng 1839 in Italien. 
Wahrend der ersteren stand er als Ober» 
lieutenant und Commandant einer zwolfpf undigen 
Batterie in Leinberg und war 
bei der denkwiirdigen- von dem commaw 
direnden General Freiherrn Hammer* 
stein- (5cquord sBd. VII, S. 2 9 ! /s 
anbefohlenen BeschieBung dieser Stadt 

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Wurzbach55 . txt 
thatig. I m Feldzuge 183!) bewahrte er 
sich als ebenso tapferer wie umsichtiger 
Stabsof sicier seiner Waffe. I n der Nacht 
vom 2. auf den 3. Mai leitete er als 
Feldartilleriedirector des 3. Armeecorps 
die Aufstellung der Feldmorserbatterien, 
welche zur BeschieBung von Valenza be» 
stimmt waren, drang dann auf dem 
Hisenbahndamme bis an die durch zwei 
feindliche Geschijtze vertheidigte Eisen» 
bahnbriicke vor, erbaute daselbst wahrend 
der Nacht eine Batterie auf zwei Geschijtze 
und eroffnete am Morgen auf 
beiden Punkten das Feuer. Am folgen» 
den Tage lieB er das Geschiitzf euer aus 
zwei Zwolfpf iinderbatterien auf die 
Stadt wirken und gab erst nach erhaltenem 
Befehl seine Stellung auf. I n 
der Schlacht bei Solferino befand er sich 
als Adlatus des Feldartilleri . edirec . tors 
und sammelte die fiinf Batterien, welche 
zur Deckung von Guidizollo in der 
rechten Flanke aufgestellt wurden. Nach» 
dem der Riickzug anbefohlen worden, 
iibernahm er das Commando, fiihrte die 
Naketenbatterie Nr. 1 unter Bedeckung 
einer Inf anterie>Compagnie liber Guidi» 
zollo gegen den Feind vor, besorgte mit 
einer Zwolfpf iinderpro jectsbatterie die 
kraftige Vertheidigung der rechten Flanke 
vor diesem Orte und eilte dann zu der 
als Deckung auf gestellten Brigadebatterie . 
Bei dem Versuche, die auf der StraBe 
vorgezogene, groBtentheils von der Be< 
spaunung verlassene Munitionsunterf tut zungsreserve, 
von der mehrere Fuhr» 

werke gebrochen waren, durch die zuriickmarschirenden 
Truppen zuriickzuziehen, 
stiirzte er mit seinem Pferde in den 
StraBengraben . Die erlittene Verletzung 
weiter nicht beachtend, lieB er sich wieder 
auf das Pferd heben und kehrte, alle 
Schmerzen iiberwindend, wenngleich mit 
der aufiersten Anstrengung, nochmals zu 
der im Kampfe befindlichen Batterie 
zuriick. Seine letzte Verwendung war die 
eines Stellvertreters des Feldartilleriedirectors 
bei der Armee in Italien, bei 
welcher Gelegenheit er auch zum General* 
major ernannt wurde. Indessen blieb die 
bei oberwahntem Sturze erlittene Ver« 
letzung nicht ohne Folgen und nothigte 
den General, urn seine Pensionirung an« 
zusuchen, die auch am 2. Janner i863 
erfolgte. Nr genoB aber den Ruhestand 
nicht lange, da er schon nach einigen Mo» 
naten in der Hauptstadt Siebenbiirgens , ? 
Werner, Paul 67 Werner, Paul 
wohin er sich aus Vorliebe fur diese 
Stadt begeben hatte, im Alter von 
87 Jahren starb. Fur sein tapferes Ver» 
halten im italienischen Feldzuge wurde 
er am A 3. August 4839 von Seiner 
Majestat mit dem Ritterkreuze des Leo« 

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poldordens ausgezeichnet und den Ordensstatuten 
gemaB am 13. Marz 1860 in 
den Ritterstand erhoben. 

Militar»Zeitung . Nediq. von Hirten» 
f e 1 d (Wien, gr. 4".) 1862, Teite 764. - 
Thiirhrim (Andreas Graf) . Ordenkblutter 
aus der Kriegsgeschichte der k. k. 6sterreichi» 
schen Armee (Wien und Teschen j 8 82 , Pro> 
chaska. ar. 8".) Bd I I , T. 373. 
Werner . N . Fr . Z . 
Quellen, Nr. 13". 
. 99, in den 

Werner, Paul von (koniglich preuBi' 
scher Generallieutenant , geb . zu 
Raab in Ungarn am N. December 
4707, gest. auf seinem Gute Pirsch in 
in Ober Schlesien am 23. Janner 1783) . 
Sohn protestantischer Eltern, erwahlte 
er gleich seinem Vater, der als Oberstwachtmeister 
in einem k. k. Huszaren- 
Regimente diente, den Waffendienst und 
trat. ii) Jahre alt. als Cornet bei Eberg 
«nyi Huszaren Nr. 9 ein, in welchem 
Regimente er Lieutenant und 4733 Ritt» 
meifter wurde. 29 Jahre diente er in der 
kaiserlichen Armee, machte in derselben 
acht Feldziige gegen Spanien, ebenso 
viele gegen Frankreich, sechs gegen die 
Tiirken und vier gegen die PreuBen mit, 
erwies sich immer als tapferer Soldat 
und wurde in der Schlacht bei Bitonto 
gefangen genommen. Da er aber, wie es 
verlautete, seines protestantischen Maubens 
wegen, der leider damals bei Be> 
forderungeli auch in Frage kam, im 
Avancement zurijckblieb, verlieB er 1730 
den kaiserlichen Dienst und trat in die 
konigliche preuBische Armee. Bezijglich 
dieses Uebertrittes wird freilich nichts 
Erwiesenes, aber immerhin nicht Un> 
glaubwiirdiges erzahlt. I n einer der 
Scblachten des schlefischen Krieges, man 
sagt bei Mollwitz 17 4 1, hatte Werner 
Gelegenheit, den Konig Friedrich II., 
als dieser eben das Schlachtfeld verlieB, 
gefangen zu nehmen, that es aber nicht, 
weil ihm der Konig das Versprechen 
gab, ihn in der Folge dafiir zu belohnen. 
Indessen blieb er noch immer in der 
kaiserlichen Armee, kampfte in derselben 
in Bayern und am Rhein und daselbst 
unter dem Prinzen von Lothringen 
in der Avantgarde und wurde 1744 bei 
dem Uebergange iiber den Rhein durch 
einen SchuB am rechten FuBe verwundet. 
Auch focht er noch im zweiten schlestschen 
Kriege in der Schlacht bei Sohr, im 
Treffen bei Rocour und in jenem bei 
Lohfeld und schied erst 1748, sieben 
Jahre nach jener unbeglaubigten Begegnung 
auf dem Mollwitzer Schlacht» 
felde, aus MiBvergniigen iiber unverdiente, 
durch sein Religionsbekenntnis 
veranlaBte Zuriickset zung, aus dem osterreichischen 

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Heere und "trat ein paar 
Jahre danach in die preuBische Armee 
iiber . I n derselben wurde er in iiber» 
raschend schneller Zeit zum Commandeur 
eines HuszarM' Regiments befordert. Als 
solcher zog er mit der Armee des Feld» 
marschalls von Schwerin, bei dem er 
in besonderer Gunst stand, in den sieben» 
jahrigen Krieg. Mit derselben Erbitte« 
rung, wie er es als osterreichischer Ossi» 
cier gegen die PreuBen gethan, focht 
er nun als preuBischer gegen die Oef terreicher . 
Vornehmlich aber war es der 
General Franz Leopold Graf N adasdi, 
der im Jahre 4742 Inhaber des 
Huszaren-Regiments wurde, in welchem 
Werner gerade diente, und dem dieser 
vornehmlich die Schuld seiner unver«? 
Werner, Paul 68 Werner, Paul 
dienten Zuriicksetzung beimaB. Auf ihn 
warf Werner seinen personlichen HaB, 
und ihn gefangen zu nehmen, war er vor 
Allem bedacht . Rastlos verfolgte er ihn 
denn auch auf Marschen und in den 
Quartieren, Nachts auf ungebahnten 
Wegen, ihn, wo sich nur Gelegenheit 
bot, beunruhigend; und vielleicht wurde 
es ihm auch gelungen sein, des Grafen 
habhaft zu werden, wenn derselbe nicht 
infolge einer anderen Bestimmung vom 
Kriegsschauplat ze abberufen worden ware. 
Als preuBischer Huszarenoberst that sich 
Werner bei verschiedenen Anlassen 
hervor, so bei Glatz, von wo er mit 
300 Mann seines Regiments im Riicken 
der Oesterreicher auf viele Meilen in der 
Runde dieselben auf das nachdriicklichste 
und mit Erfolg beunruhigte; dann beim 
Einmarsch d^r preuBischen Armee in Bohmen 
und noch sonst bei einzelnen Gele» 
genheiten, wobei er immer solche Bra» 
vour bewies, daB der Ruf des Werner '» 
schen Huszaren» Regiments im sieben» 
jahrigen Kriege in der preuBischen Armee 
anerkannt war. Entscheidend griff er in 
der Schlacht bei Prag (6. Mai 1737) 
ein. Der linke Fliigel der preuBischen 
Reiterei war bereits dreimal zum Weichen 
gebracht worden. Da griff die Reserve 
unter Ziethen's Fiihrung die Oesterrei» 
cher an, durchbrach sie in drei Treffen 
und warf sie bei wiederholtem Angriffe 
vollends zuriick. Bei dieser morderischen 
Attaque kampfte er an der Spitze seiner 
Huszaren mit beispielloser Bravour. Bei 
Kollin in der Cavallerie des preuBischen 
linken Fliigels eingetheilt, deckte er den 
Riickzug des Konigs . Dann marschirte 
er mit seinem Negimente in die Lausitz 
und erhielt seine Bestimmung im Corps, 
des Herzogs von Bevern, welches die 
Aufgabe hatte, Schlesien zu decken. Bei 
Kluttendorf, unweit Breslau, hieb er mit 
seinen Huszaren zwei Bataillons Croaten 

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nieder. Wieder focht er im November 
let ztgenannten Jahres unter Ziethe n's 
Oberbefehl in der Schlacht bei Breslau 
und am 3. December bei Leuthen, wo er 
wesentlich zum Siege beitrug, indem er, 
in aller Fruhe mit seinem Regimente an» 
riickend, die von General Noftitz be» 
fehligten aus zwei sachsischen und zwei 
osterreichischen Huszaren»Regimentern be« 
stehenden Vorposten ubersiel und zer« 
streute. I m September 1738 beforderte 
der Konig den tapferen Obersten zum 
General und schmuckte ihn mit seinem 
Verdienstorden . I m October 1758 mar« 
schirte Friedrich der GroBe der Festung 
Neifse, welche der osterreichische General 
d e V i 1 1 e belagerte, zu Hilfe. Bei dieser 
Gelegenheit griff Werner bei Lands« 
kron die osterreichischen Grenadiere mit 
glanzendem Erfolge an, ging, nachdem 
Neifse Anfang November entsetzt war, 
mit seinen Huszaren nach dem ebenfalls 
von den Unseren eingeschlossenen Kosel 
uud machte diese Festung frei. I m Friihjahr 
1759 aber zwang er den General 
de V i 1 1 e durch ein vortref f liches Ma» 
novec, nachdem er ihm nicht unbedeu» 
tenden Verlust beigebracht hatte, zur 
Raumung Schlesiens. I m September 
i761) eilte er aus diesem Lande herbei, 
urn dem von den Ruffen belagerten 
Kolberg Hilfe zu bringen. Mit nur 
3000 Mann griff er, sobald 'er des bela» 
gernden Feindes ansichtig wurde, den» 
selben mit solchem Erfolge an, daB die 
Ruffen sofort die Belagerung aufhoben 
und wahrend Kanonen, Munition, Zelte, 
Fourage und die ganze Bagage in 
die Hande des Werner 'schen Corps 
sielen, fliichteten und auf Schiffen und im 
schwer zuganglichen Innern des Landes 
Rettung suchten. Mehrere Hundert aber 
genethen in die Gef angenschaft der^ 
Werner. Paul 69 Werner, Richard Maria 
Werner'schen Reiter. Nun riickte der 
General gegen die Kiiste vor, und im 
panischen Schrecken stieflen die Kriegs» 
schiffe, urn sich zu retten, in die hohe 
See. Dieser Siegeazug erregte solches 
Aufsehen, daB der Dichter R a m 1 e r , cin 
geborener Kolberger, die Befreiung seiner 
Vaterstadt in einer schwungvollen Ode 
besang und die preuBischen Patrioten 
aus diesem Anlasse eine Denkmunze 
schlagen liefien mit den Worten Ovid's 
als Umschrift: Kss siinili« Kow« . Nachdem 
Werner den Russen ihre Wege gewiesen 
hatte, wendete er sich gegen die 
Schweden, die auch damals Preufien be> 
drohten. Zuerst iiberfiel er sie in der 
Stadt Pasewalk, nahm die Vorstadt, 
hieb 300 Mann nieder, machte 600Mann 
Gefangene und 8 Geschiitze Beute. Die 
Stadt selbst zu nehmen, unterlieB er, 

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weil die Schweden Miene machten, sie in 
diesem aufiersten Falle anzuzunden, wodurch 
viele preuflische Bewohner derselben 
zu Schaden gekommen waren. 
Nun ging er nach Mecklenburg, trieb da» 
selbst Kriegscontribution ein, wurde aber 
durch die Bewegungen der Niissen wieder 
nach Pommern zuriickgeruf en . Doch im 
September 1761 traf ihn das MiBgeschick, 
von den Russen gefangen ge» 
nommen zu werden, und erst Ende 1762 
erhielt er, die Freiheit wieder. Da ward 
ihm von Friedrich dem Groflen der 
Befehl liber ein eigenes Corps iibergeben, 
mit welchem er unter den Augen seines 
Konigs die glanzende Action bei Reifen« 
bach (21. Juli 1762) ausfuhrte, in 
welcher die Unseren an dritthalb tausend 
Mann und mehrere Standarten verloren. 
Auch nach beendetem Feldzuge erfreute 
sich der General der unveranderten 
Gunst seines Konigs. I n den letzten 
Lebensjahren zog er sich auf sein Gut 
Pitschin in Ober-Schlesien zuriick, wo er 
! im Alter von 78 Jahren starb. General 
! P a u 1 Werner erscheint auck mit dem 
1, Taufnamen J o h a n n ' vielleicht hat er 
! JohannPaul geheiBen. 

'"Tdurheim (Andrr A Graf) . Gedcnkdlatter 
1 auS der Kriegsgeschichte der k. k. 6sterrei» 
! ckisch ' M ' . qariscken Armee lWien 188». Pro< 
! chaska, ar. k" , Bd. 11,2. 2i:t. Iadr 1724. 
A — Derselbe Tie Nciler- A iegimenter der 
! k. k. osterreichischen Armee (Wien 1862, 
> Geitler, gr. «",) Bd. 11.- „Tie Huszaren". 
! 3. 227. . - W o 1 f f (0. L. V. !>!-.), Neues 
! elegantestes A ' onrersationo Lerikon fur Gebil« 
i drte aus alien Ttanden (Leipzig 1«37. Koll- 
! mann. 4".) Bd, IV, 3. lijO. - P a u 1 i 
(Karl Friedrich) . Leben ssroBer Helden des 
gegenwartigen Kri A es (Halle 1739—1763, 
8°.) Bd. I , S. 96; Bo. I I , S>82; Bd. VII, 
S. 36, 37. 62. — TroppauerZeitung . 
24. December 1854, Nr. 295: „Ein Weih» 
nachtsabend im Jahre 1778 in Troppau" . 
sGeneral Werner rettet einem 6sterreichi« 
fcken Husaren und dessen ; ukiinf ti A enl 
Schwiegervater , einem Troppauer Burger, 
die beide der Tpionage deschuld'gt und und 
von den Preufien erschossen werden sollten, 
das Leben ) 

Werner, Paul (Liedercomponist ) 
A S. 99, in den Quellen, Nr. 16). 
Werner, Richard Maria (Literatur- 
Historiker, geb . zu I g 1 a u in Mahren 
am 14. August 1834) . I n Rede Stehender, 
deffen Vater Karl A siehe 
diesen S. 64 A zur Zeit der Geburt des 
Sohnes Professor am Iglauer Gymna» 
sium war, erhielt den ersten Unterricht 
A im Elternhause, dann besuchte er in 
seinem Geburtsorte die sogenannte 
„Musterschule" , in welcher er eine 
sehr gute Unterweisung in den damals 

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daselbst vorgetragenen Disciplinen genoB . 
Da sich unter diesen weder Natur» 
kiinde noch Geschichte befanden, so trat 
das Vaterhaus erganzend ein, in welchem 
es in letzteren Gegenstanden an 
Belehrung und Lesestoff nie fehlte. Von? 
Werner, Richard Marin 70 Werner. Richard Maria 
friih auf waren Literatur und Geschichte 
seine Lieblingsf acher, Theaterbesuch und 
eine ausgedehnte Lecture traten nicht 
minder bildend hinzu. Insbesondere 
machten Grillparzer ' s Dramen, deren 
Originalausgaben sammtlich in des Va» 
ters Bibliothek standen, den ersten ge> 
waltigen Eindruck auf den jungen 3eser, 
und Werner erzahlt selbst, wie er „Das 
goldene VlieJi", freilich nur halbverstan 
den, formlich verschlang. Zehn Jahre 
alt. besuchte er das Gymnasium in 
Iglau, dann in Brunn, Znaim und zu 
letzt in Prag, wohin der Vater in rascher 
Beforderung iibersiedelte . Nachdem er in 
let ztgenannter Stadt die Vorbereitungsstudien 
auf dem Kleinseitener Gymna 
sium beendet hatte, legte er— siebenzehn 
Jahre alt — die Maturitatspriifung mit 
Auszeichnung ab . Noch wahrend seiner 
Gymnasialzeit begann er mit kleineren 
schrif tstellerischen Arbeiten und verof f entlichte 
auch eine umfangreiche Studie liber 
die Treue in Grillparzer ' s Dramen. 
I m October 1872 bezog er die Univer» 
sitat in Wien, auf welcher ihn der Un> 
terricht seines Oheims Karl Tomaschek 
M d . X I . V I , S. 49' s j, Richard Heinzel's 
und Alexander Conze's machtig 
forderte. 1876 wurde er auf Grund einer 
Dissertation: „Heinrich von Morungen, 
ein Beitrag zur Geschichte und Phraseo« 
logie des deutschen Minnegesangs" zum 
Doctor der Philosophie promovirt. Neben 
dieser Arbeit aber hatte er unter Leitung 
seiner beiden Lehrer Heinzel und Tomaschek 
bereits mehrere andere voll» 
endet, welche auch bald darauf im Druck 
erschienen. Ein Reisestipendium, welches 
ihm die osterreichische Regierung verlieh, 
setzte ihn in die Lage, StraBburg zu be> 
suchen, wo er an dem jiingst verblichenen 
Wilhelm Scher er einen Lehrer und 
Freund fand, der in Werner's einzuschlagenden 
Lebensgang entscheidend ein< 
griff. Daselbst vollendete er auch seine 
Monographie iiber Ludwig Philipp 
Hahn — die Titel seiner Schriften 
folgen auf S. 71 — und begann einiges 
Andere, wie die Vorarbeiten zu einer 
Ausgabe T a u 1 e r ' s , Studien iiber 
Goethe ' s Aufnahme bei seinen Zeit» 
genossen u. s. w. I m Jahre 1877 begab 
er sich nach Berlin, wo er auBer den 
Vortragen des mittlerweile nach Berlin 
libersetzten Scherer auch jene Mullen» 
hoff's horen konnte. D'e Schatze der 

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Wurzbach5 5 . txt 
koniglichen Bibliothek und der Nachlafl 
des aus der Goethezeit bekannten 
Schrif tstellers Friedrich N i colai nahmen 
ihn zunachst in Anspruch. I m Sommer 
1878 habilitirle er sich auf Grund einer 
Ausgabe der Baseler Bearbeitung von 
Lambrecht ' s „Alexander" und eines 
Vortrages iiber den jungen Goethe als 
Privatdocent fur deutsche Sprache und 
Literatur an der Gratzer Universttat 
und begann noch im Wintersemester 1878 
seine Vorlesungen, welche er durch zehn 
Semester — bis zum Sommer 1883 
fortsetzte. Von Gratz aus unternahm er 
wiederholt wissenschaf tliche Reisen nach 
Deutschland und verweilte behufs seiner 
Studien und Forschungen vornehmlich 
mehrmals langere Zeit in Berlin. I i n 
Mai 1883 wurde ihm die auBerordent» 
liche offentliche Professur der deutschen 
Sprache und Literatur an der k. k. 
Franzens »Universitar in Lemberg ver> 
liehen, und noch im Winter desselben 
Jahres eroffnete er seine Vorlesungen. 
Auf Vorschlag der Lemberger philoso» 
vhischen Facultat ward er im December 
1886 ordentlicher offentlicher Professor 
der bis dahin vorgetragenen Lehrfacher. 
1883 vermalte er sich mit Anna, 
Tochter des Salzburger Gewerken Franz 
Gugenbichler.^ 

Werner, Richard 71 Merner. Nichard Maria 
Uebersicht der vanNiaiard Maria Werner bisher 
selbstandig herausgegebenen und in Sammelf chlisten 
abgedruckten wissenschaftlichen Arbeiten. 
a) Selbstandig erschienene: „Lud. 
wig Philipp Hahn. E!n Beitrag zur Geschichte 
der 2turm» und Trangzeit". als 22. Band 
der zu StraBburg herausgegebenen „Quellen 
und Forschungen" (1877); — „Ter Berliner 
Weither. Mittheilungen iiber Goethe aus unge» 
druckten Brief en Nicolcu's und seiner Freunde", ! 
als Handschrift gedruckt (Salzburg 1878); 

— „Die Basler Bearbeitung von Lam» 
brecht'u Alerander untersucht", in den 

Sit zungsberichten der (Wiener) kaiserlichen 
Akademie der Wissenschaften philosophisch ' 
historischer Klasse 1879; — „Die Bauler 
Bearbeitung von Lamdrecht ' s Alerander". 
herausgegeben im 134. Bande der Bibliothek 
des Ttuttgartcr literarischen Vereines (1831); 

— „Lesnng's Emilia Galotti. Nebst einem 
Anfang: Die dreiactige Bearbeitung" (Berlin 
1882); — ..Der Wiener Hanswurst. I. Band: 
Lustige ReyB . Beschreibung von I . A. Stra« 
niBky", Nummer 6 der im Verlage Kone» 

gen's erschienenen Wiener Neudrucke (1883); — 
''Goethe und Grafin O'Donnell Ungedruckte 
Briefe nebst dichterischen Beilagen. Mit zwei 
Portr." (Berlin 1884); — „Der Wiener 
Hanswurst. I I . Band: Ollapatrida des 
dmckgetriebenen Fuchsmundi. Mit einer um« 
fangreichen Einleitung" lWien 1883); — 
„G. A. Burger's ausgewarlte Werke in zwei 

Seite 102 



Wurzbach5 5 . txt 
Bandcn. Mit einer biographischen Einlei' 
tung" . in der Coita'schen Bibliothek der 
Weltliteratur (Ttuttgart 1886); - „Goe> 
th e's Willkommen und Abschied", als Hand» 
sckrift gedruckt (Lemberg 1887) . b) I n 
Zeitschrif ten und f achwissenschaf tlichen 
Sammelwerken : „Johann Anton Lcifewitz", 
in der Wiener Abendpost . 187«. Nr. 25? 
und 258; — „Zwei Fragmente aus der Welt« 
chronik des Rudolf von Ems", in der Zeit» 
schrifc fur deutsches Alterthum. 20. Band 

(1877) T. 416 u. f.; - „Nachtrage zu 
Kuischera'a Leisewit zdiographie" , ebd. 22. Bd 

(1877). S, 83 u. f.: - „Teuffert's Maler 
Muller" . Recension im Anzeiger fur deutsches 
Alttrihum. Bd. I V (1878). S. 187-213. 
— „Krrkhoff's Lohenstein" . Recension in der 
Zeitschrift fur osterreichische Gymnasien. 1878. 
S. 296 u. f.; — „Albrecht. Sprachgebrauch 
Goethe's", ebd.. T. 645 u. f.; — „Innssen's 
Stolberg", im Anzeiger fur deutsches Alter» 
TdUlN. Bd. IV (1878). 2. 374 U. f . ; - 
„Aus Lessing'Z Tckule". in der Wiener 
Abenopost, 1878. Nr. 232-223. - „Frag. 
mente einer Vrrgamenthanoschrif t des Wiga« 
mur" . in der Zeitschrift fur deutsches Alter» 
tl!UM. Bd. 2 A 1187tt) . 2. 100 U. f . ; - 
„13rei ' , rnach, Pollosckauspiel uon Dr. Faust", 
im Anzeiger fur deutsches Alterthum. Bd. V, 
Seite 8 9 u, f ; — „Die Aufnahme des 
jungen Goetbe bei seinen Zeitgenossen" , in 
der Wiener Abendpost. 1879. Nummer 1 A 7 
bis lug; — „Zwei Dichter der Genie' 
zeit" (Lenz un9 HUinger) . in der Abendpost. 
1879. Nr. 186: — „Zum Leipziger Lieder» 
buche Goethe'S", im Archiu fur Literatur« 
geschichle von Tchnorr v. (saroliifeld. Bd. X, 
3. 74 u. f.; — „Goctbe »Literatur", in 
Meyer's 15onuersations ' 'erikon. Erganzungs» 
band 188". T. « 8-444;- „Jahrmarkts» 
fest zu Plundersweilern" , im Goethe»Iahr» 
buch 1880. 3. 174 u. f . ; - „Goethe als 
Marchenerzahler " , in der Neuen Freien 
Presse 1880, Nr. 36N8; — „W'ener Opern» 
terte aus dem siebzehnten Jahrhundert " , in 
der Neuen Freien Presse. 4881. Nr. 3833; — 
„Michel's Heinrich von Morungen" . im An« 
zeiger fur deutsches Alterthum. Bd. VII 

(1881). 3. 121-i:;i; - „Tie erste Auffuh» 
rung des G5tz von Verlichingen" , im Goethe» 
Jahrbuch. Bd. I I 11881), 3 87-ION; - 
„Bisher ungedruckte Anti.Xenim", im Goethe» 
Jahrbuch. Bd. I 1 (1881,. S. 432-428; - 

.Karl Gottfried Ritter von Leitner", in der 

Montags .Revue. 1881. Nr. 12; - „Brahm. 

das deutsche Ritterdrama" , im Anzeiger fur 

deutsches Altetthum. 1881. 2 . 417-439; - 

„Eine Parallele ;u TckMer's Handschuh", in 

der Zeitschrift fur deutsches Alterthum. Band 

XXVI (1882). S. 149 u. f. - „Pesther 

Fragment des Watschen Gastes", ebenda. 

S. 131 u. f.-, — „Klopstock's Messias und 

Gortlie's Werther in Oesterreich" , in der 

Montaasrevue . 1882, Literaturbeilage Nr. 14; 

Seite 103 



Wurzbach5 5 . txt 

— „GedachtmBrede . gesprochen bei der 
Goethrfeier in Gratz". in der Gratzer Tages» 
post, 1882. Nr. vom 23, und 2K-Mar; ; - 
„Nieland im Faust", in der Zeitschrift fur 
osterreichische Gmnnasicn. 1882. S. 319 

bis 226; — „Minor»3auer . Goethestudien" , 

im Anzeiger fur deutsches Alterthum. Bd. VIII 

(1882). T. 2!t8-271; - „Johann Nestroy", 

in der Montagsrevue . 1883. Nr. 6; — 

„Garel vom bliienden Thai", im Anzeiger 

fur deutsches Altercdum. Bd. I X (1383), 

S, 263 u f . ; — „Frankf urter gelehrte An» 

zeigen vom 3a! 're 17?:;". im Goethe-Jahr» 

buch. Bd, I V (1X83). S. 239 u. f.; -? 

Merncr. Richard Maria 72 Werner.. Zacharias 

„Wieland und Nicolai", in den akademi« 

schen Blattern, Bd. I (1884) . Seite 267 

bis 290; — „Franz Grillparzer. Kritik und 

Untersuchung . I —V", in der (Miinchener) 

Allgemeinen Zeitung, 1884. Nr. 134-156, 

158 und 160; — „Nicolai ' s Eremplar von 

Lessing's Leben" . im Archiv fur Literatur« 

geschichte. Bd. XII (1884). T. 533 u. f.; 

— „Hirzel's Hallec" . in der Zeitschrift fur 
osterreichische Gymnasien. 1884. S. 432; — 
„Emanuel Gejbel", in der Hotta' schen Zeit» 
schrift. Bd. I (1884), S. 691-71 1 ; - „Neue 

Is ) rillparzer»3iteratur " , in der Zeitschrift fur 
osterreichische Gymnasien. 1884. S. 737 u. f.; 

— „Kruger's Spil von den baurischen Nich» 
tern und dem Landsknecht " , ebenda. 1834, 
S. 845 u. f.; — „Ein apokryphes Gedicht 
Goetde's". im Archiv fur Literaturgeschichte, 
herausgegeben von Schnorr von Carolsfeld, 

Bd. XIV (1886). S. i85 u. f , - - „Ein un> 
gedruckter Bril'f C'wcild Kleist's", ebd.; — 
„Waldberg, die galante Lyrit", ebd., T. 312 
u> f-) — „Aus dem Triginalmanuscrivt dcs 
Wilhelm Tell", ebd.. S. 327 u. f , : - 
„Grillparzcr ' s Traum ein Leben", ebenda, 
S. 330 u. f.; — „Ein unbekanntes Urtheil 
Goethe's", ebd.. S. 444 u. f . ; - „Karl 
August und Glasin O'Donell". ebd., Bd. XV, 
T. 37-60; - „Frau Aja". in Cotta's Zeit» 
schrift. 1886, S. 193-211: - „Wilhelm 
Schrrer. Nekroloa" . ebd.. S 862 u. f.; — 
„Geiger Firlif imini" . in der Zeitschrift fur 
osterreichische Gymnasien, 1886. S. 2H5 u. f.; 

— „Iodann Nestroy" . in der allgemeinen 
drutschrn Biographie. Bd. XXIII . S. 447 
li. f.; — „Nicolai und seine Freunde uber 
Mendelssohn", in der Zeitschrift fur Ge< 
schichte der Juden. 1856. S. 128—135; — 
„Kralis ' Winter ' Puppenspiele" , im Anzeiger 
fur deutsches Alterthum (1886) T. 53-92. 
Kleinere Arbeiten, wie Anzeigen, N — censionen 
liber neuere literar>histor : sche Erzeugnisse der 
deutschen Literatur, auch Gedichte enthalten 
die Zeitschrift fur osterreichische Gymnasien, 
dl-r Anzeiger fur deutsches Alterthum, die 
deutsche Literatur «Zeitung, die Miinchener 
Fliegenden Blatter, die Heimat u. a. 
Deutscher Literatur « A alend er auf das 
Jahr 1884. Herausgegeben von Ios. Kiirsch« 

Seite 104 



Wurzbach5 5 . txt 
ner (Berlin und Stuttgart. W. Spemann A 
32".. V I . Jahrg. . S. 286. - Teuffenbach ' 
(Albin Neichsf reiherr ) . Vaterlandisches Ehren» ! 
buch. Geschichtliche Denkwiirdigkeiten aus A 
alien Landern der osterreichisch - ungarischen ! 
Monarchie. A Poetischer Theils (Salzburg 
1879 Dieter, gr. 8°.) S. 96. 1U8 . 135. 160 
und 1044. 

Werner, Robert, Pseudonym fur 
Robert Weifl, siehe: Weih, Wilhelm 
M . I. IV, in den Quellen, S. 137, 
Nr . 29: Robert Weifi) . 
Werner, Thomas j A S. 100, in den 
Quellen, Nr. 17) . 

Werner, Zacharias, mit ganzem Namen 
Friedrich Ludwig Zacharias (Poet 
und Theolog, geb . zu Konigsberg 
in OstpreuBen, wie er selbst wortlich 
schreibt: im Jahre 1768 gerade bei dem 
Schlage der den 18. vom 19. November 
trennenden Mitternacht, gest. zu Wien 
in den ersten Morgenstunden des !7.Ianner 
1823) . Der einige Sohn des Professors 
der Geschichte und Nedekunst an 
der Universitat zu Konigsberg Jacob 
Friedria-> Werner aus deffen Ehe mit 
Luise Henri ette Pi etsch. Der Vater 
war Numismatiker von Fach und durch 
sein Ciceronianisches Latein als Redner 
anerkannt, iiberdies ein Gelehrter, der 
allgemeiner Achtung sich erfreute; die 
Mutter eine Nichte des seinerzeit vielgenannten 
Dichters Valentin Pietsch 

lgeb. 1690, gest. 1733), dem ein Lobgedicht 
auf den Prinzen Eugen und 
deffen Sieg bei Temesvar im Jahre 
17! 7 die Professur der Poesie in Konigsberg 
verschaffte. Valentins Sohn aber, 
der Bruder von Werner's Mutter, 
seines Amtes Negimentsquartiermeister 
und ein Mann von classischer Bildung, 
war bei sonst heiterem Temperamente 
sehr schwarmerisch mit nicht geringer Hin» 
neigung zur Melancholie, welche durch 
tief religiosen Sinn einen noch ausgepragteren 
Charakter erhielt. Es waren 
dies Eigenschaf ten, die sich auch in der 
Folge bei seinem Neffen, dem Dichter^ 
Werner, ZachaNlis 73 Werner, Zacharias 
F. 3. Zacharias Werner, sehr be> 
merkbar machten. Die Mutter des Letz' 
teren, eine hochbegabte Frau voll Geist 
und Phantasie, verfiel in letzterer Zeit in 
Verstandeszerriittung, wobei der sire 
Wahn sich bei ihr ausbildete: sie sei die 
Jungfrau Maria, ihr Sohn aber der 
Heiland der Welt. Den Vater verlor 
Zacharias, als er kaum vierzehn Jahre 
zahlte, und so blieb er unter der Leitung 
der Mutter, welche seine sich friih entwickelnde 
Neigung zur Poesie und fur 
religiose Gegenstande nahlte. Wie wech' 
selnd auch und nicht immer harmonisch 
sein Lebenslauf sich gestaltete, diesc Neigungen 

Seite 105 



Wurzbach55 . txt 
brachen sich in seinem Wesen immer 
wieder Bahn und behielten bei alien 
seinen Ausschweif ungen und sonstigen 
Tone an, welche die Nachahmer Wieland's. 
Claudius ' . Blumauer's 
und Anderer damals kennzeichneten; es 
ist eine derbe hausbackene Lyrik ohne 
Schwung und Phantasie, und nur ein 
Spottgedicht auf das Monchthum, die 
Iesuiterei und Intoleranz tragt dem 
Geschmacke des damaligen Auf klarichts, 
das der wahren Aufklarung voranging, 
einige Rechnung. I m Jahre j?91) unter« 
nahm Werner eine Bildungsreise liber 
Berlin nach Dresden, von wo er in seine 
Vaterstadt zuriickkehrte, in welcber er 
verblieb, bis er j 7 93 die erste Anstel» 
lung im Staatsdienste, die eines erpedi« 
renden Secretars z'.l Petrikau im ehe» 
maligen SudpreuBen, erhielt. Die mit 
diesem ' Dienste verbundene Veschafti» 

Ausschreitungen die Oberhand. Da beide i gung war ganz untergeordneter Art und 
Eltern sich zur. evangelischen Kirche be> ! mochte zu einem Geiste, wie ihn 
Werkannten, 

wurde auch der Sohn inlner besaB, wenig paffen. Dock erlag 
dem Glauben derselben erzogen. Mit > 
16 Jahren vollendete er den vorbereiten» 
den Schulunterricht , und 4784 bezog er 
Dienste ordnungsmaftig ob, auch 
spater nach Warschau versetzt 
wo ihm freilich die Genusse der 
! jemem 
! als er 
wurde 

die Konigsberger Hochschule. An dieser GroBstadt einen Ersatz boten fur die Un . 
wendete er. sich dem Studium der Rechts- A 1 . ' e) eutenheit des amtlicken 
Dienstes, der 

und Eameralwissenschaf ten ;u, horte aber A ihm Zeit und Laune genug lieB, drei 
auch Kant ' s philosophische Vorlesungen, i Ehen, eine geschmackloser als die 
andere . 

Der beriihmte Denker, ein Schulgenosse A zu schlieften und wieder aufzulosen und 
von Werner's Vater, brachte dessen ! sich in ein wiistes Leben zu stiirzen, dem 
Sohne theilnehmende A Wohlwollen ent» A nur solch ein Athletenkorper , wie der 
gegen Ueberdies hatte sich Zacharias A seinige, auf die Dauer Widerstand leisten 

auch in don alten Sprayen ausgebildet, ! konnte. Dieses Schwanken zwischen zwei 

wofiir zwei lateinische Reden und eine 1 Extremen, Anstand und wiistem Leben, 

lateinische Disputation, welche er im A Verkehr mit Edlen und Personen nieder« 

groflen akademischen Horsale zu K6nigs». sterDenkungsart , welches lange ein 

charak« 

berg hielt, ZeugniB geben. 4789 lieB er' teristisches Zeichen Werner's blieb, 

er» 

eine kleine Sammlung Gedichte erscbei« A klart es, daB man in seinen Schritten, 

nen, aber dieselben tragen auch nicht ! Reden und Handlungen oft das Ge> 

eine Spur des Geistestitanen, als welcher A meinste neben dem Erhabensien 

f indet , 

er sich in der Folge entpuppte. Diese, Zwolf Jahre versah er den erwahnten 

heute schon sehr seltene Sammlung ver<' untergeordneten Dienst und wurde in 

rath kaum ein eigentlich poetisches Ta> ! dieser Zeit mit zwei Mcnscden bekannt, 

lent. Er schlagt darin die landlaufigen A die, jeder in seiner Richtung, nickt 

ohne? 

Werner, Zacharias 7 

Einflufi auf das leicht erregbare Gemuth 

Werner ' s blieben. Diese waren 

Seite 106 



Wurzbach5 5 . txt 
M n i o c h und Hoffmann . Ersterer, 
bei der preuBischen Lotteriedirection in 
Warschau angestellt, war ein begabter 
Schrif tsteller , dessen Ansichten sich mit 
denen Weruer's begegneten, und dessen 
f reimaurerif che Ideen fur denselben besonderen 
Anreiz ausiibten. Ernst Theodor 

Hoffmann, Verfasser der Phantasiestucke 
inCallot ' a Manier, lebte als 
preuBischer Regierungsrath in Warschau 
— gleichsam dahin wegen einiger Sa« 
tyren auf hohere Beamte verbannt — 
und iibte ebenso durch sein excentrisches 
Wesen, wie die Liebe zur Kunst, EinfluB 
auf Werner. I m Verkehr mit diesen 
beiden hochbegabten Mannern entfaltete 
sich allmalig des Letzteren poetisches Talent, 
und damals entstanden seine beiden 
dramatischen Dichtungen: zunachst „Die 
Sonne des Thales" und einige Jahre 
spater „Das Kreuz an der Oftsee". (Die 
bibliographischen Titel seiner Werke sol 
gen auf Seite 82.) Werner selbst 
nannte beide Schopfungen seine Normal' 
und Meisterwerke, die sozusagen die 
Depots vorstellen sollten: jenes das 
seiner Ideen iiber menschliche Geselligkeit , 
dieses seiner religiosen Anschauungen 
insbesondere; gleichsam eine vollstimmige 
Symphonie, damit seine kiinftigen Arbeiten 
nur Variationen einzelner darin 
schon enthaltener Tacte sein diirften. 
Auch wendete er sich damals einem 
jungen Manne (Hitzig?), der als Ref erendarius 
bei der Warschauer Regierung 
angestellt war und den Dichter, zu dem 
er bewundernd emporblickte, als seinen 
Herrn und Meister ansah, in liebevoller 
Theilnahme zu und fand in dieser das, 
was er in seinen drei Ehen und im Verkehre 
mit Frauen jeder Sorte vergebens 
gesucht. Als dieser junge Freund dann, 
j . Werner, Zacharias 

naH Berlin versetzt wurde, nahm derselbe 
die oberwahnten zwei dramatischen 
Werke dahin mit und verschaffte ihnen in 
dem Buchhandler Sander einen Vei> 
leger. Mittlerweile trafen unseren Poeten 
zwei harte Schlage des Schicksals, welche 
er lange nicht verwinden konnte und, da 
sie an ein und demselben Tage iiber ihn 
gekommen, spater in einer Dichtung ver> 
ewigte, die das Datum dieses unheil» 
vollen Tages trug. Der Zustand seiner 
in den letzten Jahren schon sehr leidenden 
Mutter, an deren Krankenlager er bereits 
1801 mit seiner dritten Frau geeilt war, 
verschlimmerte sich immer mehr, und am 
24. Februar 1804, am namlichen Tage, 
an welchem sein Freund Mnioch das 
Zeitliche segnete, hauchte sie ihren langst 
getriibten Geist aus . Von diesem fur ihn 
etitset zlichen Tage nahm er nun den Titel 
zu seinem spateren Schicksalsdrama : 

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Wurzbach55 . txt 
„Der 24. Februar" . Nachdem er den 
NachlaB der Mutter, der ihn in den 
Besitz eines Vermogens von etwa zwolftausend 
Thalern brachte, geordnet hatte, 
kehrte er im Friihjahr 1804 wieder auf 
seinen Posten in Warschau zuriick. In« 
dessen richteten seine mittlerweile erschie» 
nenen Dichtungen die Aufmerksamkeit 
auf ihn und trugen dazu bei, daB er im 
folgenden Jahre 1803 als geheimer Se> 
cretar zum neu-ostpreuBischen Departe« 
ment in Berlin berufen wurde. Die 
Sache aber hatte folgenden Zusammen» 
hang. Schiller war 1804 nach Berlin 
gekommen, urn dort, da ihn die knappen 
Verhaltnisse in Weimar wenig bef riedigten, 
eine bessere Stelle zu finden. Als 
er bei einem Zusammentref f en mit I f f » 
land denselben urn Lecture bat, erhielt* 
er Werner's fur die Biihne bearbeitetes 
Stuck „Die Sonne des Thales", das 
eben als Manuscript eingelaufen war. 
nahm es mit, las es, auf das leb-¥ 
Werner. Zacharias Werner, Zacharias 
hafteste gefesselt, die Nacht hindurch und! 
empfahl am nachsten Morgen, als er bei 
I f f 1 a n d wieder vorsprach, demselben 
den Autor auf das dringendste. Durch 
I f f 1 a n d kam der Name des Dichters in 
weiteren Kreisen herum. Staatsminister 
von Beyme sprach iiber den Verfasser 
mit Staatsminister von Schrott er, 
dem die maurerische Tendenz der Dich> 
tung schon friiher angenehm aufgefallen 
war, und Werner wurde ohne sein 
eigenes Zuthun von Warschau nach 
Berlin versetzt, wohin er am 14. October 
1803 reiste. Dort eroffnete sich ihm eine 
neue Welt, welche bei dem vorherrschend 
polnischen Publicum in Warschau fur den 
deutschen Poeten nicht zu finden war. 
Nicht nur im Hause seines Ministers 
Schrotter, seines Verlegers Sander 
und bei anderen geistig hochstehenden 
Familien fand er die gastlichste Aufnahme, 
er kniipfte auch f reundschaf tlichen 
Umgang an mit Mannern, welche zu den 
Koryphaen des Geistes in dem damaligen 
Spree-Athen zahlten, mit Johannes von 
M ii 1 1 e r , Fichte, H i r t , Schadow, 
Uh den, mit den .Kiinstlern der Berliner 
Biihne, namentlich mit der Unzel» 
mann-Beth mann, und da seine Be> 
rufung weniger des Dienstes wegen, son» 
dern uin einem ausgesprochenen Talente 
Gelegenheit zur Entfaltung zu bieten, 
erfolgt war, sah er sich auch amtlich 
wenig beschaftigt und lebte dieses letzte 
Jahr vor der feindlichen Invasion — 
denn am 14. October 1806 ward die ungliickliche 
Schlacht von Jena geschlagen 
— ganz seiner Muse und schuf das be» 
riihmte Stuck: „Martin Luther oder 
'"die Weihe der Kraft". Mit seiner Auf» 

Seite 108 



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fiihrung erlebte das Schauspiel, in wel< 
chem I f f 1 a n d Luther's Rolle spielte, 
einen so sensationellen Erfolg, daB dieser 
beruhmte Mime mit dem Manusccipte 
von Stadt zu Stadt reiste und es dem 
Publicnm Abends offentlich vorlas . Als 
aber im October 1806 die siegreichen 
Franzosen in Berlin einriickten und es 
zur Trennung Lud- und Neu-OstpreuBens 
vom preuBischen Staate kam, wurden zu 
gleicher Zeit die Dienstverhaltnisse sammt» 
licher bei diesen Departements angestellt 
gewesenen Beamten, also auch Wer» 
ne r's aufgelost. I m Dichterruhme schwel« 
gend, vernachlassigte er seine dritte Frau, 
die er 1801 in Warschau geheiratet hatte, 
und die von Allen, so sie kannten, als 
liebenswiirdig geschildert wird. Die Folge 
davon war die Auflosung der Ehe, welche 
mit Einwilligung beider Theile geschah. 
Nun fesselten ihn weder Dienst noch Familienbande, 
und nachdem er noch den 

Winter 1806 in Berlin geblieben, ging er 
im Sommer 180? auf Reisen. Zunachst 
besuckte er Flag und Wien. von welchen 
beiden Stadten er sich sehr angezogen 
fiihlte, im Spatherbst begab er sich liber 
Miinchen, wo erlakobi ' s und Schel» 
ling 's Bekanntschaf t machte, nach Frank« 
flirt a. M., Koln, dann nach Gotha, wo 
er bei dem geistvollen Herzog freundliche 
Aufnahme fand, endlich nach Jena und 
Weimar. I n letzterer Stadt verstand er 
es sogar, Goethe's, der sich fremden 
literarischen Personlichkeiten gegeniiber 
gewohnlich sehr zugeknopft verhielt, 
Theilnahme zu erregen, fand bcim A erzog 
Karl Angust huldvolle Aufnahme und 
blieb drei Monate daselbst. I m Friih- ' 
jahr 1808 kehrte er nach Berlin zuriick, 
wo er den Einzug Napoleons sah. 
Von dort reiste er im Sommer in die 
Schweiz, traf bei einem Sonnenauf» 
gang auf dem Rigi mit dem damaligen 
Kronprinzen von Bayern. Ludwig, 
zusammen und lernte dnrch ihn dann bei 
dem schweizerischen Volksfeste zu Inter* 
laken die beruhmte Madame S t a e l£ 
Werner' 1 Zachanns Werner, Zacharias 
kennen. Vier Monate hatte er — meist 
zu FuB — die Schweiz durchwandert , 
nun ging er im Spatherbste 1808 nach 
Paris, von wo er aber bereits im De» 
cember nach Weimar zuriickkehrte . Urn 
diese Zeit lieB er seinen „K6nig der 
Hunnen A t t i 1 a " erscheinen, der aber 
nach den demselben vorangegangenen 
Werken das Interesse, das fur Werner 
im Publicum in hohem MaBe sich gestei» 
gert hatte, einigermaBen abschwachte. 
I m Friihling 4809 verlieh der damalige 
GroBherzog von Frankfurt, Fiirstprimas 
von D a 1 b er g, dem Dichter eine Pension, 
deren Fortsetzung spater der GroBherzog 

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von Weimar, Karl August, gewahrte. 
Auch entstand in diesem Jahre infolge 
eines Wettkampfes mit Goethe ein 
sogenanntes Fluch- und Segensgemalde 
im begrenzten Raume nur eines Actes, 
der in der Literaturgeschichte wie ein 
Markstein dastehende „24. Februar", der 
eine formliche Fluth von Schriften ins 
Leben gerufen. Zu der vorerwahnten 
Pension des GroBherzogs gesellte sich im 
namlichen Jahre die Verleihung des Hop 
rathstitels von Seite des GroBherzogs 
von Darmstadt- man sieht, Werner 
war eine vielumworbene gefeierte DichtergroBe . 
I m Sommer genannten Jahres 
begab er sich wieder in die Schweiz, wo 
er vier Monate auf dem Landgute der 
Madapie S t a 6 1 in Coppet verweilte 
und auf ihren Rath und durch ihre Ver- 
Mittelung im November iiber Turin und 
Floren; nach Rom reiste, wo er am 
9. December ankam. Ueber vierthalb 
Jahre, bis zum 22. Juli 4813, blieb er 
in der ewigen Stadt, in welcher sein Gedicht 
auf Konigin Luise und seine Tra» 
godie „Wanda" entstanden. I n der 
Zwischenzeit — am 19. April 48W, 
nicht erst 4844, wie es meistens angegeben 
wird — trat er zur katholischen 
Kirche iiber nnd legte sein neues Glau» 
bensbekenntniB in die Hande des Pro» 
fefsors der Theologie am Collegium Ro» 
manum, des Abbate Don Pietro Ostini 
nieder. Wie er selbst berichtet, wurde er 
durch „Die Nachfolge Christi" von Thomas 
a K e m p i s , welche er nach der 
heiligen Schrift den Kern aller Biicher 
nannte, vorzuglich dazu bestimmt. Er 
trat eines Tages, noch als Protestant, in 
die Peterskirche und sank am Grabe des 
h. Petrus auf die Knie. Da nahm er 
das Werk des Thomas a K e m p i s , das 
er bei sich hatte, aus der Tasche. Zufallig 
schlug er das 33. Capitel des 3. Buches, 
das einzige des ganzen Werkes, auf,, in 
welchem Thomas a Kempis von dem 
h. Petrus redet . Bei Durchlesung dieses 
inhaltreichen Capitels fiihlte er sich tief 
ergriffen und es war ihm, als gehe erst 
ein Licht im bisherigen Dunkel seiner 
Seele auf. Nun ging er wegen seines 
kiinftigen Lebens mit sich zu Rathe und 
begann — damals bereits 43 Jahre alt 
— Theologie zu studiren. I m Sommer 
4813 verlieB er Rom. I n Loretto er< 
flehte er den Beistand der Gnadenmutter 
fur sein Vorhaben, dann ging er nach 
Paris, wo er gegen sich selbst — als 
Widerspiel seiner gefeierten Dichtung: 
„Weihe der Kraft" — die „Weihe der Un« 
kraft" schrieb; dann be ' gab er sich nach der 
alten Kronungsstadt Frankfurt, wo ihn 
der Durchzug des Heeres der Verbun» 
deren zu dem Kriegslied fur die in den 

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Wurzbach5 5 . txt 
heiligen Kampf Ziehenden und zu einem 
A s l)eum zur Feier der Einnahme von 
Paris nach dem ambrosianischen Hymnus 
begeisterte. Nun begab er sich nach 
Aschaf f enburg, wo ihm sein Gonner 
Furstprimas Erzbischof von Dalberg 
im Janner 1814 die Aufnahme ins Se» 
minar gewahrte, in welchem er, nach» 
dem er bereits in Rom mit den einzelnen? 
Merner. Zacharias Werner' 1 Zacharias 
theologischen Disciplinen sich vertraut 
gemacht hatte, nur noch das Ritual des 
katholischen Kuchendienstes studirte und 
am 16. Juni 1814, im 46. Jahre seines 
Alters von dem damaligen Suffragan 
des Erzbischofs, dem Weihbischof von 
K o 1 b o r n , die Priesterweihe empfing. 
Ende August 48 1 4 ging er von 
Aschaf f enburg nack Wien, wo sich in< 
dessen der CongreB versammelt hatte. 
Daselbst ward er ohne sein Zuthun zum 
Predigen auf gef ordert . Die Seltsamkeit 
seiner auBeren Erscheinung, das Entf lammende, 
HinreiBende seines Vortrages, 
ein sozusagen milder Fanatismus, der 
sich durch alle seine Reden zog, verbunden 
mit dem Aufsehen, das sein religioser 
Umschwung, das Entsagen alien weltlichen 
Ruhmes, der ihm als bedeutendem 
Poeten reichlich zutheil geworden, in 

alien geistig hoher stehenden Kreisen hervorbrachte, 
trieb Alt und Jung, Hoch 
und Nieder zur Kirche, in welcher der 
vom Lurherthum Abgefallene, fur die 
katholische Kirche neu gewonnene Priester 
das Gotteswort verkiindete. Vornehmlich 
lag er dem Predigtamte ob, und zwar 
den Winter iiber meist in Wien, im 
Sommer in den anderen Provinzen der 
Monarchie, in den Erzherzogthumern, in 
Steiermark, Ungarn, sogar-in Venedig. 
I n dieser Zeit erschienen sein Schauspiel: 
„Dieh . Kunigunde" und das bereits 1809 
aufgefiihrte erwahnte einactige Drama 
„Der 24. Februar" in Druck. Man hatte, 
urn den Abtrunnigen im katholischen 
Publicum zu verdachtigen und ihm sonst 
den betretenen Weg zu erschweren, 
allerlei Liigen ersonnen und Verdachti» 
gungen gegen ihn vorgebracht, so unter 
anderen, daB er friiher protestantischer 
Prediger gewesen; und in der That war 
sein Auftreten im Predigtamte vor einem ' 
so leicht beweglichen und erregbaren A 
Publicum, wie das Wiener, keine geringe 
Aufgabe. Aber er lieB sich nicht irre 
machen. Gewappnet mit einem Gleich» 
muth gegen alien Erfolg oder MiBerfolg, 
ging er an seine Aufgabe und loste dieselbe 
wider alles Erwarten, indem sein 
aus den gewahltesten Zuhorern bestehendes 
Publicum durch die Macht seiner 
Beredtsamkeit ihm mit Andacht und Hin« 
gebung lauschte und mit jedem neuen 

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Wurzbach55 . txt 
Auftreten des Predigers der Andrang 
sich steigerte. Der Friihling 1816 gewahrte 
ihm durch den Antrag in Wien 
gewonnener Freunde eine langere Echo« 
lung, die er bei der Anstrengung der 
vorangegangenen Jahre dringend bediirfte. 
Er begab sich namlich auf den in 
Podolien gelegenen Landsitz der graf» 
lichen Familie Choloniewski und verweilte 
daselbst ein voiles Jahr. Da 
wurde ihm eine neue Auszeichnung zu» 
theil, indem ihn der. Bischof Mackie» 
wicz in das altehrwiirdige Capitel der 
Kathedrale von Kamieniec podolski im 
Friihling 1817 als Ehrendomherrn, jedoch 
ohne Ref idenzpf lichtigkeit und Gehalt 
aufnahm. Nach seiner Riickkehr beschaf» 
tigte er sich in Wien mit Herausgabe 
einiger theologischer Werke, iiber welche 
er in seiner Vorrede zuSilbert ' s 1822 
ebendaselbst erschienenen Ueberfehung der 
Nachfolge Christi von T h o m a s a 
Kempis nahere Aufklarung gibt, I m 
Jahre 1819 gewahrte ihm der damalige 
Fiirsterzbischof von Wien Graf von 
Hohenwart ! ) Aufnahme in sein Haus. 
Daselbst lebte Werner, ohne je ein 
eigentliches Kirchenamt oder eine sonstige 
Anstellung zu bekleiden, ganz einer geist» 
lichen Vertiefung in sich selbst hingegeben 
und im innigen Verkehre mit ihm gleich» 
gesinnten Mannern, von denen Antonin 
Franzoni, Hoffbauer, Friedrich 
Schlegel, Herr von P i 1 a t imd Graf^ 
Werner, Zacharms 78 , Zacharias 
Szochonyi vor Anderen genannt seien. 
Aber der anstrengende Predigtdienst , den 
Werner unter alien Umstanden verrichtete, 
ob er sich wohl oder unwohl 
fiihlte, griff auch seinen stahlharten 
Korper an. „Die Mutter der Makkabaer", 
sein letztes Werk, hatte er im Jahre 1820 
beendigt, und immer im Predigtamte mit 
einer bewunderungswiirdigen Ausdauer 
thatig, begann er im Herbste 1821 sich 
so leidend zu fiihlen, daB, sein Zustand 
nicht mehr als voriibergehende Krank» 
lichkeit gelten konnte, sondern als die 
ernste Krankheit sich erwies, die dem 
unausbleiblichen Ende zuf iihrt . Aber noch 
raffte der Willensstarke Mann sich auf. 
Als er zu Ostern 1822 bereits nahe dem 
Grabe war, brachten ihn seine Freunde 
vorerst nach Baden nachst Wien und 
dann nach En;ersdorf, einem anmuthigen, 
in Wiens nachster Nahe gelegenen, 
von frischer Waldesluft geschwangerten 
Landauf enthalte, wo er sich einigermaBen 
erholte. I n dieser Zeit faBte er mit einem 
Male den Gedanken, in den damals 
eben erneuerten Redemptoristenocden — 
von dessen Stifter Alphons L i g u o r i 
euch Liguorianerorden genannt — der in 
einem Theile des Wiener Publicums sich 

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Wurzbach5 5 . txt 
einer ungemein gunstigen Aufnahme er> 
freute, einzutreten. Aber nur fur kurze 
Zeit hatte er das Ordenshabit angelegt; 
als er eben daran war, das Noviziat an» 
zutreten, legte er das Ordenskleid wieder 
ab und schied ganz aus der Congrega» 
tion, in welcher Clemens Hoffbauer, 
der Stifter derselben fur Oesterreich, sein 
intimster Freund war, dem er wie ein 
Knabe gehorchte. Die Ursache dieses auf» 
falligen Schrittes ist nie recht klargelegt 
worden. Es hatten sich, wie es von einer 
Seite hieB, seine Ansichten vom Wesen 
geistlicher Ordensverbindungen mit einem 
Male geandert; nach Anderen ware 
sein sich verschlimmernder Gesundheitszustand 
Ursache gewesen. DaB keiner der 
beiden Griinde stichhaltig, leuchtet Jedem 
ein, der mit Werner's innerem Wesen, 
das ziemlich klar, ja unverschleiert vor 
uns liegt, einigermaBen vertraut ist. 
I m Orden konnte Werner seinen geift. 
lichen Pflichten nicht strenger nachkom» 
men, als er es liberhaupt und zu einer 
Zeit that, als sein Korper schon gebrochen 
war und sein Leben nur noch an einem 
Faden hing. I n der Fastenzeit fiihrte er 
in seinem letzten Leidensjahre seine Pre» 
digten dreimal in der Woche bis zum 
Schliisse durch und iibte den aufreiben» 
den Dienst in dem immer zahlreich besuchten 
Beichtstuhl. Als man ihm von 
alien Seiten zu Gemiithe fiihrte, sich 
doch zu schonen, entgegnete er in ernster 
Ruhe : „Es geziemt einem echten Streiter, 
auf dem Schlachtf elde zu sterben." Der 
letzte seiner Vortrage fiel auf den Sonn» 
tag Epiphaniae, den ij . Janner 1823. 
Noch war, wenn er von der Kanzel 
sprach, von seinem Zustande wenig zu 
bemerken. Auch an diesem Tage predigte 
er, wie immer, mit hinreiBender Kraft. 
Aber als er heimkam, legte er sich zu 
Belte und verlieB es nicht mehr. Die in 
Auflosung begriffene Lunge hatte ihren 
letzten Dienst gethan. Aber Werner, 
der die Hof f nungslosigkeit seines Zustandes 
genau kannte, behielt seine voile 
Gemuthsruhe, sah mit ungetriibter Fassung 
seinem Ende entgegen; bereits kor» 
perlich unfahig, etwas zur Labung oder 
Erquickung zu sich zu nehmen, blieb er 
sich gleich, bewahrte Witz und Laune 
und brachte seine Umgebung mit seinem 
heiteren Gemiith iiber die Trauerscene 
hinweg, die sich ihren Blicken darbot . Am 
12. Janner — an einem Sonntage — 
empfing er die letzte Oelung, vier Tage 
darauf errichtete er noch ein Codicill zu? 
Werner. Zacharias 79 Werner, 
seinem im Sommer des verflossenen 
Jahres niedergeschriebenen Testamente. 
I m Uebrigen beschaftigte er sich in seinen 
letzten Tagen vorherrschend mit Gebet 

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Wurzbach55 . txt 
und war so in dasselbe vertieft, daB, 
wenn er sich vorbeten lieB, was ofter 
mehrere Stunden hintereinander dauerte, 
weder ein Besuch, noch etwas Anderes in 
seiner Andacht ihn zu storen im Stande 
war. Seine letzten Augenblicke waren 
leicht. Den Tag vor seinem Tode befand 
er sich am Abend so gut und wohl, daB 
er gar nicht zulassen wollte, daB Jemand 
bei ihm wache . Der Diener, an welchem 
die Reihe des Wachens war, saB am 
17. Janner zwischen drei und vier Uhr 
Morgens, nichts Uebles besorgend, eine 
geraume Weile an Werner's Bette, in 
der Meinung, daB derselbe im Schluin» 
mer liege, und verhielt sich ganz ruhig, 
urn ihn nicht zu wecken. Als er aber das 
Athemholen vollig vermiBte, rief er sofort 
mehrere Personen herbei, und es fand sich, 
daB der Leidende schon vollendet hatte. 
Werner's Uebertritt zum Katholicismus 
hat seinen Dichterruhm vhllig vernichtet, 
und doch ist Werner als dramatischer 
Dichter Goethe und Schiller ebenbiirtig. 
Seine Dramen find trotz ihrer 
formellen Gebrechen Schopfungen eines 
gewaltigen Dichtelgeistes und wurden 
nur von der protestantischen Kritiker» 
clique Norddeutschlands mit Unrecht 
zuriickgedrangt . DaB er selbst Alles: 
Wohlleben, Dichterruhm, Liebesgliick fur 
eitel erklarte, nimmt ihm vom Dichter» 
ruhme, der ihm gebuhrt, kein Tupfelchen; 
im Gegentheile, Werner bleibt in der 
Sturm- und Drangzeit der deutschen 
Literatur immer eine ihrer hervorragend» 
sten GroBen. Wir haben in den Quellen, 
urn unsere ganze Unbef angenheit zu 
wahren, die Urtheile jener Literaturhisto» 
riker Deutschlands iiber ihn angefiihrt, 
die eben als Stimmfuhcer in literarisa^n 
Sachen zu gelten pflegen, wenngleich wir 
beifiigen miissen, daB wir ihnen ganz und 
gar nicht in Allem beipf lichten . Daher 
lassen wir als SchluB dieser Skizze die 
Worte eines Poeten folgen, der Werner 
nahe steht, wenn ihn dieser auch urn mehr 
als Manneshohe iiberragt. Wir meinen 
Matthans von Collin, der iiber un° 
seren Poeten schreibt: „Wenn von Mysticismus 
die Rede ist, wie er bei Werner 
erscheint, wird man ihn beriicksichtigen 
miissen, weil er ernstlich und treu gemeint 
ist. I n diesem reich ausgestatteten Dichter 
findet sich das Bestreben, iiber das Gege» 
bene und Willkiirliche hinweg zu gehen 
und die eigentliche Handlung in eine 
fremde, geistige oder wunderbare Welt zu 
versetzen und in so vollem MaBe, daB, 
seit dramatische Kunst besteht, ein Ver» 
such dieser Art nicht unbekiimmerter ge« 
wagt worden. Ebenso bezeichnend ist das 
Gewicht, welches er auf einzelne Cha> 
raktere legt, urn das Ganze dariiber zu 

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Wurzbach5 5 . txt 
vernachlassigen . Wer darf aber leugnen, 
wenngleich seine dramatischen Dich« 
tungen mehr, als die irgend eines anderen 
zum Dichter wirklich geweihten 
Zeitgenossen, die Schwache der Zeit ver» 
rathen, daB er durchaus nur in einem 
edlen Streben urn die Kunst bemiiht ge« 
wesen und auch gewohnt, AuBerordent« 
liches zu leisten! Die Hauptvorwiirf e, 
die man ihm machen kann, sind, dap seine 
dramatischen Figuren nur als Mittel 
irgend einer mystischen Anschauung 
dienen, die ihrer Natur an sich fremd ist ' 
daB er ferner in der Anwendung der 
Mystik vorzuglich darin fehlte, daft er die 
Dunkelheit aufsuchte, urn in ihr mit Lust 
unterzutauchen, wahrend der Mystiker 
im wahren Sinne des Wortes, dem die 
Welt ein Unbegrif f enes ist, iiber welches 
ihm das ewige Licht in ahnungsvoller? 
Werner, ZachariaB 80 Werner, Zacharias 
Dammerung leuchtet, aus dieser Dunkelheit 
des Seins durch stufenweise Aufhellung 
herauf strebt ; endlich, dafi er gewohnt 
war, seine dramatischen Gestalten 
plotzlich an irgend eine willkurliche Idee 
zu verrathen, die ihn iibermeisterte, und 
sie von dem vollen Leben, in dem sie 
wandelte, hinabzustiirzen zu den Schatten» 
gestalten leerer Traumgebilde . Dagegen 
muB schon das allein fur Werner eine 
giinstige Idee erwecken, daB er zu derselben 
Zeit, wo Schiller das Theater 
beherrschte, nicht allein der Erwagung, 
sondern der Liebe werth gefunden wurde. 
Er hatte in der ersten Auflage der 
„S6hne des Thales" so viel historischen 
Sinn im Drama gezeigt, von grofiartiger 
Charakteristik und einer glanzenden, 
zwar eigentlich Schiller nachgebildeten 
Sprache unterstutzt, daB man das mystische 
Ende gern iibersah, urn sich an 

dem, was die Natur an dem Dichter geleistet, 
zu erfreuen. Spater hat er, in 
seltener Miflkennung seines poetischen Be» 
rufes, die Poesie nicht mehr in der Wahr« 
heit des Lebens, sondern in gewissen 
Ideen von Liebe und Einklang der Seele 
suchen wollen, die, durchaus in keinem 
grofien Sinne aufgefaBt, auf Folgesatzen 
beruhten, welche aus einer nur einsei 
tigen, daher mangelhaften Betrachtung 
des Verhaltnisses der im Irdischen ve» 
fangenen Menschenwelt zu einer hoheren 
geistigeren hervorgingen . Er selbst hat 
sich spaterhin auf das heftigste gegen 
seine eigene Arbeiten erklart und sich 
durch die Last der iiber sie mit Erbitte» 
rung gewalzten Vorwiirfe tiefer herab» 
gewiirdigt, als es Freund oder Feind 

thun mochte. Die nach dieser Nichtigkeitserklarung 
erschienenen Arbeiten sind 

aber. was den Charakter der Kunst anbelangt, 
in demselben Geiste wie die f rii ' 

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Wurzbach55 . txt 
heren verschmahten geblieben. Wie sehr, 
auch einen anders Gesinnten die falsche 
Mystik der Werner-Tragodien feindselig 
beriihren mag, so ist dennoch in ihm die 
Grundlage eines wahrhaft groBen dra» 
matischen Dichters nicht zu verkennen, 
und wenn er es zur Zeit iiber sich gewann, 
die Natur, wie sie ist, als eine 
unendliche Offenbarung des Hochsten zu 
ehren und ihr nicht die eigene Ansicht 
unterzuschieben, so lieferte er Bruchstucke 
einer so erhabenen Art, daB jedes dich« 
terische Gemiith durch sie angeregt werden 
muB . Er ist auch in seinen Fehlern eine 
bedeutende Erscheinung der Zeit geworden 
und mit Heinrich von Kleist in der 
Hinsicht verwandt, daB Beide gern den 
einfachen Sinn der Handlung, der eben 
immer auch der tiefste ist, verschmahen, 
urn ihr eine schlechterdings willkurliche 
Deutung auf zuzwingen . " — Werner ' s 
Nebertritt zum Katholicismus 
wurde von Seite der Protestanten nicht 
nur auf daa heftigste angegriffen, sondern 
man hat diesen Schritt auch deniitzt 
zur Erfindung von Liigen, zur Aus» 
streuung von Verleumdungen und Alles 
dazu gethan, infolge dessen Werner's 
verdienten Dichterruhm zu schmalern. 
Einer seiner Freunde, wenn wir nicht 
irren, der nachmalige Criminalrath und 
als Schrif tsteller vielgenannte Hitzig, 
hat versucht, auch iiber diesen Punkt das 
Publicum aufzuklaren. Werner, meint 
er, war, wie aus dessen Briefen, die sein 
geheimstes Innere schonungslos auf> 
decken, zu schlieBen, urspriinglich mit so 
gesundem religiosen Sinne begabt, als 
es der fur das Leben und die Kunst in 
ihm war. DaB er die naturliche StraBe 
verschmahte und die verschiedensten Wege 
einschlug, urn einem Ziele nachzustreben, 
das ihm nie klar vor der Seele schwebte, 
und wie er darum in verschiedenen 
Lebensperioden und Lagen chamaleontisch^ 
Merner, Zacharias j 

die Farbe wechselte, mag aus einer geisti« 
gen Unruhe abzuleiten sein, die in 
ererbten Anlagen wurzelte. Der allgemeinste 
Ausdruck, den er fur sein Ziel 
brauchte, war Erwarmung der 
Menschheit, vermittels einer von ihm 

willkurlich gesetzten Dreieinigkeit von 
Kunst, Religion und Liebe, und 
die Wege, auf denen er es anfanglich zu 
erreichen hoffte, waren Poesie und Mau> 
rerei; nachstdem eine freie gesellige Ver« 
bindung edler Freunde zu diesem hochsten 
Zwecke. Als er aber gewahr wurde, wie 
wenig selbst ein mit hohem Beifall auf genommenes 
dichterisches Werk, wie ,Die 
Sonne des Thales", das er seinen Freunden 
zuerst in der Handschrift mittheilte, 
eine Umschaffung der Ansichten, auch nur 

Seite 116 



Wurzbach5 5 . txt 
dieser in seinem Sinne, hervorzubringen 
vermochte, vorziiglich aber uberall an» 
stieB an den Hauptwall, den der Pro» 
teftantismus aufgeworfen gegM den 
Sturmlauf der Religionsschwarmerei, in 
dem freien Vernunf tgebrauch, schalt er 
diesen seinen angeborenen Glauben 
einen in seinen Grundsatzen zwar ehrwurdigen, 
aber dem Menschengeschlechte 
nicht angemessenen Drang eines durch 
keine Phantasie begrenzten Criticismus, 
der nur durch einen mittels der Maurerei 
gelauterten Katholicismus, durch eine 
neue Religion, durch Apostel im modernen 
Geschmack und Proselyten iiberwunden 
werden konne . Aber auch die 
Maurerei lieJi ihn im Stiche, und nun 
warf er sich, ein Jahrzehnt spater, 'nach» 
dem er sich seinem Freunde gegeniiber 
brieflich ausgesprochen und wie es scheint, 
der Idee entsagend, den Katholicismus 
zu lautern, glaubig in die Arme der auf 
dem ewigen Felsen begriindeten Kirche, 
es als ein unverdientes hohes Gliick be» 
trachtend, in dieselbe aufgenommen zu 
werden. Bei diesem Glaubenswechsel 
v. Wurzbach, biogr. Lerikon. QV. IMdr. 8 
1 Werner. Zacharias 

war von einem personlichen Vortheil 
nicht die Rede, er wechselte die Religion 
nicht, wie es etwa Juden zu thun pftegen, 
welche Protestanten oder Katholiken 
oder conf essionslos werden, aber immer 
Juden bleiben, jedoch bei ihrem <5onfes» 
sionswechsel eine praktische Absicht ver« 
folgen; davon war bei Werner nicht 
die Rede; er wechselte den Glauben, 
weil er in dem neuen ethisch das zu 
finden hoffte, was ihm der verlassene 
nicht gewahlte; er wurde .Katholik aus 
Ueberzeugung und urn diese Ueberzeu» 
gung Anderen beizubringen, Prediger aus 
innerstem Drange seiner Seele. Wie er 
als Poet durch seine Dramen, die ihm, 
wie er selbst gesteht, nur als Vehikel 
dienten, seine religiosen Anschauungen ins 
Volk zu werfen, als Maurer in der 
unwandelbaren Eigenschaft des fleiBigsten 
Logenredners , als Freund endlich durch 
einen mit seinen Freunden unterhaltenen 
lebhaften, aber immer auf sein Ziel los> 
steuernden Briefwechsel zu wirken strebte, 
so trat er durch eine innere Nothigung, 
ohne von aufien dazu eine Aufforderung 
zu erhalten, nach seinem Uebectritt zum 
Katholicismus sofort als Prediger auf, 
urn von der Kanzel herab seinem Sehnen 
Luft zu machen und es offen abzusprechen, 
welch ein Heil ihm widerfahren, 
und die Gemuther seiner Zuhorer fur 
das Reich zu gewinnen, das nicht hier, 
sondern im Jenseits zu suchen. Werner 
als Prediger ist verschiedentlich beurtheilt 
worden. Es fehlt nicht an Pamphleten, 

Seite 117 



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die aus Werner eine Caricatur mach» 
ten. GewiB aber ist es, daB er trotz seiner 
inneren Glaubigkeit, trotz seiner Begeisterung 
fur eine heilige Sache, doch sich 
ofter zu weit hinreifien lieB nnd dadurch 
seinen Gegnern die Ruthe in die Hand 
driickte, womit sie ihn schlugen. Provo> 
cirte er vielleicht mit Absicht diese 

. Marz 1887.) 11$ 

Werner' 1 Zacharias 82 Werner' 1 Zncharias 
Schlage? Nun moglich, denn an seinem 
Glauben war er ja unantastbar, so hielt 
man sich an seine Geberden, aber der 
Korper zerfallt in Staub und der Geist 
bleibt — ewig. 

I . Uebersicht dtr Werke dez F. L. Zacharias 
Werner nach ihren Originalausgaben . „Ver> 
mischte Gedichte" (Konigsberg 1759. Har» 
"Verner" (Dbi-Iin 1792, L'u A ei-, 8"). - 
„Die Sonne des Thales. Ein drama» 
tisches Gedicht", 1. Theil: „Die Templer auf 
Cypern" . nebst einer Beilage von I.E. 
Hitzig und Portrait (Berlin 1802; ' 2 . Aufl. 
1807; 3. Aufl. 1823, Sander). 2. Theil: 
„Die Kreuz robruder" (ebd. 1804; 2. Aufl. 
1807; 3. Aufl. 1823. 8".). - „Die Kreuz« 
fahr er. Ein dramatisches Gedicht, 1 . Theil: 
„Die Pilgerin zuni heiligen Grabe". 2. Theil: 
„Die Vereinten am heiligen Grabe". Mit KK . 

(Konigsberg 1806; neue Aufl. ebenda 1317. 
Unger. L" . ) . — „Das Kreuz an der Ost ' 
see. Ein Trauerspiel" . I. Theil: „Die Braut« 
nacht" (Berlin 1806. Sander. 8">; 2. Aufl. 
1823. 8".).-,, Martin Luther oder die 
Weihe der Kraft. Eine Tragodie'. Mit 
Kupfern (Berlin <807. Sander, 8".) . Neueste 
Ausgabe in Neclam's Uniuersal«Bibliothek 
Nr . 210; ins Danische ubersetzt: „karten 
I A MK, r ell<!i- Ivra5c ina. v i e 1 e n . iragosciiL 
2t IA Vernei-. Ov(.>r3 A t uk Ii!. !<. liakd^olc 

(IvbKvQ 1818, 8".); ins Franzosische uberseht 

in den von Ladvorat oerostentlichten ' 1 (>'It61 

^'oku-vi-^S aes tli A a, tl< A 2 A rran"urs". — 

„ A t t i 1 a , Konig der Hunnen. Romantische 

Tragodie in 3 Acten" . Mit 3 HK. (Berlin 

1808. Diinnnler. 8".; dasselbe, Ausgabe ohne 

KK . edd. 1812) . — „klagen urn seine Koni» 

gin Luise von Preufien", oierte Aus« 

gabe (Rom 1810 A Haude un) Sprner in 

Verlin) . 4") . — „Wanda, Konigin der 

Sarmaten. Eine romantische Tragodie in 

5 Aufzijgen" (Ttuttqarc I81o. (Lotta. 8°.). 

— „Kriegslied fur die zum heiligen 
Kriege v.rounocten Heere" (Frankfurt a, M. 
1813. 8".). - „Theater", 7 Bande mit 
Kupfern (Wien 1813—1820. Wallishausser) , 

die Reihenfolge dor Stiicke ist ganz dieselbe wie 
in der spateren rimma'schen Ausgabe der 
„Ausgewahlten Schriften vom Jahre 1844". 

— „loD<.'uni, zur Feier der Einnahme von 
Paris, nach dem ambrosicmischen Hymnus mit 

dem Nrterte" (Frankfurt a. M . 1814. Andrea, 
gr. 8° .) . — „Die Weihe der Nn k r a f t , ein 
Erganzungbblatt zur deutschen Haustafel, 

Seite 118 



Wurzbach55 . txt 
( A 'uln notis va.rioruQi, die besfer sind als der 
Text" (Frankfurt a M. 1814. Andrea. 8 ° . ) ; 
dasselbe „nebst Antwort von einem Deutschen" 
(Verlin 1814. Stuhr. 8".). - „Der vier» 
und zwanzigste Februar. Tragodie in 
1 Act" (Lripzig 1813; 2. Aufl. 1819, Brock»' 
haus . 8".) . Neue Ausgabe in Reclam's 
Universal . Vibliothek Nr. 107. M n e Scrne 
aus dem „24. Februar" stand schon in K a n n e< 
gie Her's „Pantheon" 1810. Bd. I , S. 200 
bis 201 abgedruckt . Ueber die Auffiihrung in 
Weimar am 24. Februar i811) vergleiche 
Franz Passow im ebengenannten „Pan« 
theon" 1810. Bd. I I , S A 179.) Ins Fran« 
zosische iibersetzt in den von Iaduoccit hrr< 
ausgegebenen „ A 5 a'osuvres 665 tli6ktlss 
6trau A 0rZ" unter dem Titel: ,,I A s viugt- 
<iu.a.tr6 l^vriui'"; auch von Paul Zcicroir : 
-vcre; N'kciuit liUl ' i-alomcnt en vors" (t'ai'iL 
1849, Zli^Kol !.vv7, 18°.). -„Predigt 
vorgetragen bei dem jahrlichen Dankfeste des 
Handlungs ' Kranreninstituteii den 13. Mai 
1813" (Wien 1813. Gerold. gr. 8".). - 
„Cunigunde die Heilige, romisch-deutsche 
Kaiserin. Ein romantisches Schauspiel in 
3 Acten (Altenburg 1813 (Brockhaus m Leip» 
zig) 8".) . — „Kein Katholik oder vom wahren 
uno falschen Katholicismus " (Hottingen 1813, 
Vandenhoeck und Ruprecht, 8".) . — „Geist« 
licheUebungen fur drei Tage" (Nien 1818. 
Wallishausser . 12".) . — „Die Mutter 
der Makkabaer. Tragodie in 4 Acten" 
(Wien 1820. Wallicchausser , gr. 8".) . — 
„VorredezuI . P. Silvert ' 6 Ueber» 
setzung dea Tholnas a K e m p i s von der 
Nachfolge Christi" (Wien 1322) . - „Die 
Posaunen des Weltgerichts . Eine Pre« 
digt . Herausgegeben uon einem Freunde des 
Seligen. Mit Vorwort von I . G. e t t 1 " 
(Wiirzburg 1823. C ' tlinger . -8" . ) — „Nach« 
gelassene Predigten . Gehallen in den 
Jahren 1814-18iu" (Wien 1836, Wallis» 
hausser, gr. 8".). — Ausgewahlte Schrif» 
t en. Aus seinem handschrif tlichen Nachlasse, 
herausgegeben von seincn Freunden. Einzig 
rechtmaBige Gesammtausgabe in to Banden 
(Grimma 1844. Verlagscomptoir , kl. 8«.). 
Inhalt . 1. bis 3. Band: „Poetische Werke", 
herausgegeben uon Ios. Baron Z e o 1 i tz,¥ 
A Zacharias 83 A Zacharias 
3 Bande: t : Gedichte bis zum Iabre 1810 
2: Gedichte vom Jahre 1810-1823; 3: Geist 
liche Gedichte. DiLi-uittl ! , . 4. bis lo. Band: 
„Dramatische Werke", 7 Bande.- 1. und 2: 
Die Sonne des Thales. 2 Theile: Die 
Templer auf Cypern. Die Kreuzesbrlider ; 
2: Martin Luther oder die Weihe der Kraft. 
Historisches Schauspiel; 4: Das Kreuz an 
der Ostsee. Ein Trauerspiel. Wanda. Konigin 
der Sarmaten. Gine romantische Tragodie in 
5 Acten; 3: Attila, Konig der Hunnen. Eine 
romantische Tragodie in 3 Acten; 6: Der 
24. Februar. Eine Tragodie in 1 Act. 6», 
gunde die Heilige, romisch ' dcutsch? Kaiserin. 

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Wurzbach55 . txt 
Schauspiel in 5 Acten; 7: Die Mutter der 
Makkabaer. Eine Tragodie in 3 Acten; 
11. bis 13. Band-. „Ausgewahlte Predigten" . 
Z Bande. 14. und 12. Band auch unter dem 
Titel: Zachariao Werner's Biographie 
und Charakteristik nebst Originalmittheilungen 
aus dessen handschriftlichen Tagebiichern, her> 
ausgegeben von Schiitz. 2 Bande. Band 
1—13 der obigen Ausgabe erschienen 1844 unter 
dem Titel: „Sammtliche Werke". — 
Werner's Hauptwerke sind auch in Upsala 
1813 und 181-4 bei Em. Bruzelius — 
wi Verein mit den meisten deutschen Schrift« 
stellern — nachgedruckt worden. — Gedichte 
N e r n e r ' s finden sich im Morgenblatt, in 
A. Kuhn ' 6 und Treitschke's Musenalmanachen 
und in Erichson's Musenalmanach . 

— Erzeugnisse seiner schwarmerischen Muse ans 
den letzten Jahren sind in dein von «Hmanuel 
V e i t h herausgegebenen 1823 bei V o 1 k in 
Wien verlegten Taschenbuche . . Balsaminen" 
erschienen . 

II. Portraits. 1) Nach E. Schnorr . 
G. Zumpe 8o. (8".). - 2) I . F. Sckro. 
ter 3«. (8".). - 3) I . Ender 5e. (Wien 
bei Artaria. 4".) . iVon Leuten, die Werner 
personlich kannten, als das ahnlichste 
bezeichnet . A — 4) Dasselbe auch mit Nadel» 
schrift. — 3) Holzschnitt. A. o. C. Lauer, 
mit Facsimile des Namenszuges. A Meiner 

in jungen Jahren' 1 , auch in Heinr. Kurz's 
„Geschichte der deutschen Literatur" Bd. Ill, 
S. 468. - 6) Auf einem Blatte mit 
Heinrich IV. (Kaiser) . Alba. Scribe. 
A. Dumas und Abraham v. S t . Clara. 
Stahlstich von Karl Mayer's Kunstanstalt 
in Niirnbe'-g. Veilag von C. A. Hartleben 
in Pesth. kl. 4<>. 

III. Reliquien, Priese, Gedichte u. dgl . m. 
Becker's Taschenbuch zum geselligen Ver« 
gniigen si2«.>. 1823. S. 392: „Werner's 
Klagen urn seine Konigin Luise von PreuBen. 
Rom 4. August 181U". 3. 401: „Aus Tina's 
Ttcunmduche" . — L. A. Frankl's Tonntagsblntter . 
1847. S. 4",n.- „Vishrr unge« 

drucktes Gedicht von Zachuriao Werner. An 
Signora Impercttrice Tessi" '"auch abgedruckt 
im Wiener „Fremden-Blatt" , it><;?. Nr. i)8 A j. 

— Der Oesellsckaf ter od?r Blatter fur 
Geist und Herz. Herausgegeben von Gubiz 
(Verlin. 4".) 183:!. Nr. i»,i: „Reliquien von 
Zacharias Werner" . Zu Schiller ' s Todten» 
feicr aufgrfiidrt auf dem Theater zu Warschau 
1895 sbisher ungedruckt A . — Derselbe, 

1837. Nr. 2-1? und Nr. s.4-71: ..Vriefe 

uon Zacharias Werner" . lEs sind deren 

16 Briefe, der erste datirt aus Warschau 

179N. die folgenden aus den Jahren 1797. 

1798. 1802, dann aus Konigsberg 1803, 

18U4, dann wieder aus Warschau I81>5 und 

der letzte aus Berlin 22. Februar i806. Den 

Briefen geht das folgende kurze Vorwort 

voran: „Diese Briefe sind, wie leicht zu be» 

merken, an einen solchen Vertrauten geschrieben, 

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dem man nichts, gar nichts verschweigt. 
Gleiches kann dir Oef f entlichkeit nicht ver» 
langen, und wir aestrden. daB wir Vinigeo 
— vielleicht nicht einmal genug — was 
Werner schrieb, ihr vorenthalten, obwohl 
wir auch hinzusehen diirfen, sie verliere nichts 
Wesentliches dabei; denn diese Briefe, wie 
Jeder sehen wird. bleiben immer eine voile 
Charakteristik . " Das ist auch wahr, und sie 
gestatten einen tiefen Einblick in das Seelen« 
leben und den Charakter Werner's, dieses 
Einrn der merkwurdigsten Menschen, die rs 
gegeben.) — Derselbe. 1840. Nr. »9: „An 
die Dichter" . Von Werner (aus seinem 
NachlaB). — (Grafter's) Conversations' 
blatt (Wien. Wallishausser . gr. 8".) 1819. 
Nr. 43 und 46: „Scene aus der noch unge» 
druckten Tragodie.- Die Mutter der Makka» 
baer". — Ioh. Val, Teichmann ' s literari» 
scher Nachlafl, herausgegeben von Franz 
Dingelsie dt (Stuttgart <8U3. Cotta) "enthalt 
manches von Zach. Werner, so das 
am 23. December 1809 im Berliner Opern« 
hause zur Feier der Riickkehr des K6nigs« 
Paares gedichtete „Fnedenslied" u. a.'j. — 
„Werner's Klage an seinen hochsel. Ober« 
Hirten und Wohlthater (Siegmund Graf 
Hohenwarth. Erzbischof von Wien)" in Seb. 
B r u n n er's: „Clemens Maria Hoffbauer 
und se'ne Zeit". S. 281. — „Clemens Maria 
Hossbauer" I n zwei Gesangen" . Von F. L. Z.¥ 
Werner, Zacharias 84 Merner, Zacharias 
Werner, ebenda S. 237—312. — Zeitung 
fur die elegante Welt. 1823. Nr. i96: 
„Sonett von Werner" . M s in Konigsberg 
„Die Sonne des Thales" von Werner aufgefiihrt 
wurden, componirte auf dessen Wunsch 
ein ihm personlich unbekannter Landsmann 
zu den lyrischen Stellen des Werkes Melo» 
dien. An den Compositeur dieser Stiicke ist 
obiges Sonett Werner's gedichtet.) 
I V . KrUMe iiber Werner den Hotten. Goedeke 
liber Zacharias Werner. „Es ist 
schwer", meint Goedeke. „sich ein richtiges 
Bild von Werner zu schassen, da Leben 
und Dichtung bei ihm in unversohnlichem 
Widerspruch zu stehen scheinen. Seiner Zeit 
und dem Orte seiner Geburt entsprechend, 
begann er mit Gedichten im Sinne der da» 
maligen Verstandesauf klarung und endete wie 
Brentano mit Schriften, die von den eso« 
tcrischen Katholiken fur ausgezeichnet und 
fur mehr als correct erklart wurden. Sein 
wildes liederliches Leben, dao wie bei Bren» 
tano erst recht heraustritt, wenn man die 
tagebuchartigen Selbstbekenntnisse mit ihrer 
Mischung uon sinnlichem GenuB und geist» 
lich^r Uebung neben seine Biographie halt, 
scheint mit dem mystischen Katholicismus 
nicht zu stimmen. <Iber wenn man nach No» 
v a 1 i s ' Ausspruche, urn biiBen zu konnen, 
uorher siindigen, urn sich mit Gott liebevoll 
zu versohnen, uorher von ihm abfallen muBte, 
lebte Werner ganz correct, nur daB wir 

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Wurzbach55 . txt 
Protestanten und hoffentlich auch die unbe» 
fangenen Katholiken weder die Theorie noch 
die Praris dieser Lebensphilosophie fur zu» 
lassig erkennen. Friiher schon wollte Werner, 
daB man in ihm den prosaischen Menschen 
vom poetischen unterscheide . Prosaisch sei er 
mit dem kaltesten Denker einverstanden, daB 
Aufklarung des Verstandes und Veredlung 
der moralischen Freiheit die Hauptgiiter der 
Menschheit seien, und daB d« schonsten Bilder 
weder zur Erfiillung unserrr Handlungspf licht 
hinleiten, noch von Erfiillung unserer Denk« 
Pflicht ableiten sollen; mit einem Worte, er 
trenne die hohe Moral ganz von der Aesthetik 
oder Disciplin oeo Schonen. Aber eben aus 
diesem Grunde mache er letztere auch nicht 
zur Dienerin der Moral oder der Humanitat, 
welche beide er fur hoch erhaben, aber fur 
total prosaisch halte. Kunst und Neligion 
sollten seiner Meinung nach das Herz wie 
cin GefaB durch Anschauen des Schonen und 
des Universums nur reinigen so weit, daB es 
fur die hoheren Wahrheiten der Moral 
empfanglich sei, nicht dem Herzen diese 
Wahrheiten selbst „eintrichtern" , denn das 
ware ein der Moral, die nur reine Motive 
braucke, unwiirdiges Vehikel. Nun seien aber 
die Herzen der Alltagsmenschen kalt . sie 
miiBten also durch Bilder des Uebersinnlichen 
erst entstammt werden, wie ein irdenes Ge» 
faB ausgegliiht, ehe die reine Milch der 
Moral in sie gegossen werden konne . Das sei 
sein kurzes GlaubensbekenntniB iiber Kunst, 
die ihm nicht als fliichtiges Amusement, son» 
dern als Leiterin durchs Leben gelte. Er setzte 
demnach die Kunst (mit Inbegriff der Dich» 
tung) als eine Stufe der Moral voraus, 
wahrend die der ganzen Menschheit nothige 
Moral und dercn gottliches Fundament vor 
aller Kunst wirken muB, da die Kunst nur 
die freiere Entfaltung des menschlichen mit 
der Pflicht im Einklange stehenden Lebens 
sein kann. Seine poetischen Arbeiten waren 
demgemaB nicht Ausfliisse einer in sich heiter 
geschlossenen Natur, sondern Zeugnisse eines 
unklar drangenden Strebens nach einem unklar 
dammernden Ziele. Die Haupttendenz 
seiner „S6hne des Thales" erklart er (1802) 
fur nichts weiter als fur den Sieg des ge» 
lauterten Katholicismus mittels der Maurerei 
iiber den in seinen Grundsatzen zwar ehr» 
wiirdigen, aber dem Menschengeschlecht als 
solchem nicht angemessenen durchaus prosai« 
schen Gang eines durch keine Phantasie be» 
grenzten Criticismus. (Reprasentanten des 
ersteren sollen der E'rzbischof und das Thai, 
Reprasentanten des letzteren Molay und die 
Templer sein.) Den gelauterten Katholicismus 
nannte er neun Jahre vor seinem Uebertritt 
seinen Gotzen, dem er durch seinen Inquisitor 
Wilhelm von Paris ein nicht unwiirdiges 
Opfer zu bringen bosse. Diesen iocalisirten 
Katholicismus hatte rr. der damalige Pro» 
testant oder Kryptokatholik, sich erst zu schaffen, 

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Wurzbach55 . txt 
und sein Ideal wich weit ab von der Kirche. 
I n poetischer Hinsicht nahm er nicht nur die 
Maurerei, sondern selbst manches von ihrer 
GeheimniBkramerei . ja. wie er sich ausdriickt, 
den jetzt aufs neue Mode werdenden Katho« 
licismus, n^cht als Glaubenosystem, sondern 
als eine wiederaufgrgrabene mythologische 
Fundgrube theoretisch und praktisch in Schutz 
und erklarte, daB alien europaischen Kunst» 
genuB und Kimstgesckmack allmalia der Teufel 
hole, wenn wir nicht zu einem gelauterten, 
' keineswegs metamorphosirten Katholicismus, 
von dem wir ausgegangen, zuriickkehren wiir-^ 
Werner. Zacharias Werner, Zacharias 
oen. Und in diesem Sinne meinte er, konne 
sein Schauspiel ebenso gut eine Predigt 
heiBen. Immerhin dann aber zunachst eine 
Capucinerpredigt (ist oft besser als eine sal< 
bungsoolle protestantische Kanzelrede, der 
nicht selten die Hauptsache, die Ueberzeugung 
fehlt), da sein idealisirter Katholicismus selbst 
nur ein Gemisch von christlichem und heidni« 
schem Glauben und Aberglauben, von posi» 
tiver Religion und phantastischen Ertra« 
vaganzen war; neben einer christlich demuthi. 
gen Ergebung in den als hoher und besser 
erkannten NathschluB Gottes lag eine brutale 
Erlahmung menschlicher Willenskraft vor 
einer selbstgeschaf f enen fatalistisch despotischen 
Weltordnung, nach welcher die Schuld auch 
an der Unschuld geracht wird, gleichsam nur 
urn ein Erempel iiberirdischer Machtvoll» 
kommenheit zu statuiren. Mit dieser Ansicht, 
die namentlich im „Vierundzwanziasten Fe« 
bruar" beleidigend (!) Heroortritt, schuf Wer» 
ner die Caricatur der Sancksalstragadie, die 
erst recht zu spuken begann, als Werner 
selbst bereits verschollen war." — Rudolf 
Gottschall iiber Zacharias Werner. 
„Werner's wechselnd, . ' Lebensverhaltnisse spie» 
geln sich in seinen Werken und bilden ziem» 
lich scharfe Einschnitte in seine Entwicklung, 
die zuletzt in vollendete seraphische Poesie 
und Gedankenlosigkeit ausartete (?) . Werner 
hatte ein ursprungliches dramatisches Talent 
von realistischer Tiichtigkeit, die Gabe, Charaktere 
durch kleine Ziige bedeutend hinzustellen, 
und wuBte die scenischen Mittel ebenso 
phanta jievoll zu beherrschen, wie in grandioser 
Weise in Anwendung zu bringen. So 
war er fur die historische Tragodic uortreff« 
lich organisirt, umsomehr als auch der 
Schwung des Gedankens und Andacht und 
Warme des Gemiiths, die Sehnsucht etwas 
Geistiges zu gestalten, in ihm lebendig waren. 
Aber gerade dieses Briiten des Gemiithes 
wurde bei ihm zur damonischen Macht, die 
iiber seine Vorziige gespenstisch iibergriff, mit 
jeoem Stiicke mehr in, den Vordergrund trat 
und zuletzt in einem Gemisch von Sang und 
Klang und phantastischem Bilderwust die 
Kraft der dramatischen Gestaltung erstickte... 
W e i n e r hat offenbar von seiner Mutter den 
Keim einer Geisteskrankheit geerbt, die bei 

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Wurzbach55 . txt 
ihm nicht vollstandig zum Ausbruch gekom» 
men ist. aber doch seinem Talente die Spitze 
abbrach. Er liebte die epische Malerei selbst 
in den Decmationen. Das Gerust der Wer» 
n er'schen Dramen ist in der Regel groBartig. 
jedoch mehr episch breit als dramatisch niet» 
und nagelfest. Er laflt stets mehrere Strome der 
Handlung nebeneinander herlaufen, ohne sie 
zu einem Hauptstrome zu vereinigen. Es ist 
schwer, aus vielen seiner Dramen den eigent« 
lichen Helden herauszuf inden . Dagegen gibt 
es in alien Charakteren, in denen die Schil» 
1 er'sche sittliche Energie sich zu einer Potenz 
erhebt, die an das Karikirte grenzt, Kraft» 
menschen, nicht im Sinne der Sturmer uno 
Dranger, sondern im Sinne einer an die Bar« 
barei grenzenden Strenge der Pf lichterf iillung 
oder jener titanischen GroBe des Strebens. fur 
welche kein gewohnlicher MaBstab ausreicht. 
I n Werner liegt daher die Wurzel, aus der 
spater die G ra v b e'sche Richtung hervorging. 
Durch seine Art und Weise zu charakterisiren 
unterscheidet sich indeB Werner wesentlich 
von Schiller, indem er rs liebt, das Nea» 
listische herauszukehren und die Naturseite des 
Menschlichen so reich zu dotiren, daB sie dem 
idealistischen Capitale das Gegengewicht 
halt. Bei Schiller sind die Helden durch 
das Feuer der sie bestimmenden Gedanken zu 
idealer Menschlichkeit gelautert; ihr erstes 
Auftreten schon zeigt das voile Gewicht ihres 
Wesens. Werner dagegen baut seine (Hha« 
rattere allmalig auf aus einer Menge von 
Eigenkeiten, und die geistige Einheit und Be» 
deutung der Personlichkeit schimmert erst 
spat durch das festgebaute Gehause. DieS 
gibt indeB den Gestalten lebendige Wahrheit 
und dramatischen Kern, ja eine an Shake» 
speare erinnernde humoristische Originalitat . 
Daher kommt auch in die Werner 'schen 
Dramen eine frische dramatische Vewegung. 
ein anschauliches Leben, eine Fiille von Ne« 
gebenheiten, die allerdings nicht immer 
Thaten sind. denen auch die straffe, dramatische 
Einheit fehlt, die aber doch durch wirk« 
same Bilder und Gruppen erfreuen. Die 
theatralische Drapirung der Nerner' schen 
Tragodien ubertrifft an Glanz und Pomp 
noch d^e S c h i 1 t e r'sche. Man denke nur an 
die Ausstattung des Templerordens und an 
die mystische Macht seiner Mysterien, an die 
geheimniBoollen Sitzungen der „S6hne des 
Thales", an den Reichstag zu Worms und 
an die Scenen der Bilderstiirmer im „Luther", 
an die polnische Hochzeit und die Kampf« 
scenen im „Kreuz an der Ostsee", und man 
.wird einraumen, daB Werner der deutschen 
Biihnenregie im scenischen Arrangement der 
Massenbiloer und groBer geschichtlicher und 
kirchlicher Tableaur. sowie im brillanten Auf»^ 
Merner, Zacharias Werner. Zacharias 
gebot von Costum und Decuration das 
Hochste zugemuther, ohne die Grenzen der 
scenischen Moglichkeit zu iiberschreiten . Darin 

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Wurzbach5 5 . txt 
lag aber unmittelbar der Uebergang in das 
Opernhafte, das bei Werner noch durch die 
Neigung seines Gemuthes zum Phantastischen 
begiinstigt wurde. I n der That spielt 
der Gesang in den verschiedensten Abstufungen 
vom einfachen Volkslieoe bis zum Chorale 
und bis zu jeder Art der Kirchenmusik eine 
grofie Rolle in den Werner 'schen Stiicken, 
die sich zum Theil in die Oper auflosen. Die 
gespenstischen Gestalten und die verschiedenen 
Geister, die einmal nothwendig zum Rollen« 
repertorium seiner Stlicke gehoren, rauliten 
ihre Geheimnisse Musicalisch ausplaudern, da 
der Inhalt derselben zu bodenlos war. urn 
sich in der gewohnlichen dramatischen Weise 
aussprechen zu lassen. Bei Shakespeare 
sind die Geister dramatische Gestalten, haben 
ihre bestimmten Zwecke und greifen wesentlich 
in die Handlung ein. Die Werner'schen 
Geister aber sind urn ihrer selbst willen da. 
legendenartige Figuren, die ihren eigenen 
Vergnuglichkeiten nachgehen. Sie tauchen aus 
einem mystischen Urgriinde auf, der wie eine 
zweite dunkle Welt hinter dieser ersten steht 
und sein GeheimniB nur in banger Ahnung 
den Gemuthern erschlieBt. Die klare Entfaltung 
des Lebens muB fur ungeniigend gelten, 
wenn sie nicht das Symbol fur irgend eine 
ungekannte Tiefe ist. Daher das ewige Sym« 
bolisiren bei Werner, das Ineinander» 
schachteln von mysteriosen Einwirkungen, das 
Hineinragen einer Traumwelt und ihrer Pha« 
nomene in die wirkliche; daher seine Vorliebe 
fur den geheimniBvollen Formalismus des 
Ordenswesens , fur Alles, hinter dem sich viel 
suchen, bei drm sich viel denken laflt, wenn 
auch nie ein klarer und bestimmter Inhalt. 
Diese Geisterwelt mit ihren Geheimmitteln 
rnufl uns auch iiber die Rohheit der sinnlichen 
Martern hinwegheben, die uon Wer< 
ner mit groBer Vorliebe und Virtuositat ge» 
schildert werden. Werner ist darin ein 
wahrer Hunne — auf einige Foltergrade 
mehr oder weniger, auf das Todtschlagen mit 
Keulen, das Zerren bei den Haaren, das V?r< 
brennen in den Flammen, das Sieden in 
groBen Kesseln u. d. m. kommt es ihm weiter 
nicht an; ja er wahlt gern solche barbarische 
Stoffe, bei denen haarstraubende Grauel ein 
unumgangliches Zubehor sind. Je grober der 
Korper angepackt wird. desto feimr verhim« 
melt die Seele, desto mystischer ist ihre A 
Ekstase. A >o hangt die Grausamkeit mit Wol« 
luft und Andacht zusammen. I n d?r That 
ist Werner's Geisterwelt nur eine raffinirte 
Sinnenwelt, in der sich das atherisirte Be» 
durfnifl in ekstatischer Weise ausspricht, denn 
das ist das GeheimniB aller mystischen Licbe. 
So bietet uns dieser Dramatiker das merk' 
wiirdige Schauspiel, das anscheinend Unver» 
tragliche in sich zu vereinigen, eine derb 
naturalistische Charakteristik und eine subli« 
mirt phantastische Tendenz." — Nun laftt 
Gottschall eine eingehende Priifung 

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der „S6hne des Thales", des Dramas „Das 
Kreuz an der Ostsee", des „Luther" . „Attila", 
„24. Februar" und der „Mutter der Makka« 
baer" folgen. Wenn auch in Gotisch all's 
Urtheil die Voreingenommenheit des Prote« 
stanten nicht fehlt, so ist er doch duldsamer 
als der schonungslose Goedeke, grundlicher 
denn der als Literarhistoriker leichtf ertige 
Laube und grundlicher als Wolfg. Men» 
zel. der von seinem Standpunkte aus den 
katholischen Werner denn doch zu ober« 
ftachlich nimmt, wenn man auch in einer 
Literaturgcschichte nicht einen literarischen 
Essay fordern kann. wie ihn Eichen vor ff 
in seinem Werkr „Die neuere romantische 
Poesie in Deutschland" Werner in liebe« 
voller Pietat (S. jj8— j6j) widmet, auf 
das wir auch alle Freunde der Werner '» 
schen Muse, alb auf eine tief eingehende 
Charakteristik des Dichters verwriftn wollen. 
— Heinrich Laube iiber Werner. „Bei 
diesem merkwiirdigen (Zyniker sind die Bezie» 
hungen zur romanischen Schule starker. 
Feindlich, aber wahr beginnen sie in der ersten 
Halfte seines Lebens, hingebend, ja sich ver» 
loren gebend in der zweiten Halfte. Die 
Stiirme einer nach Poesie ringenden Epoche 
zeigen sich an diesem leidenschaftlichen Manne 
grell, erschreckend und nach alien moglichen 
Seiten hin, er ist wie ein Kompendium 
solcher schwerer Geschichtsepoche, und Druck, 
Papier und Einband desselben sind obenein 
uon unreinlichster Arti Demiithige AnmaBung, 
hoffartige Zerknirschtheit . Schwache der stark« 
stcn Talcntkraft, begeisterter Schwung der 
Ohnmacht toden und sterben in ihm wie 
Weihe der Kraft und Weihe der Unkraft in 
seiner literarischen Welt. Er beginnt im 
lustigsten, muntersten Unglauben, ein Zuhorer 
Kant's, ein bakchischer Priester des sinn» 
lichen Genusses, und er endigte als ascetischer 
Priester der katholischen Kirche. — Die 
Mutter Wernec's ist von groBer Wichtigkeit^ 
Merner. Zacharias 87 Werner. Zacharias 
fur dessen literarische und Charakterentwicklung . 
Schon in ihrem SchoBe scheint er die 
Anlage zu allem Ungestum, aller Kraft, allem 
Gegensatze, aller ungelosten Verwirrung 
empfangen zu haben. Sie war hochst begabt 
an Kraft des Geistes und des Gemuthes, 
konnte ebenfalls die groBe Begabung nicht im 
Gleichgewicht erhalten und verfiel in Gc» 
mmhskrankheit . Am 24. Februar starb sie. Es 
ist bekannt, daB eine Hauptschopfung Wev 
n e r's, das kurze schauerlich ergreifende Drama, 
„Der uierundzwanzigste Februar" hieB, und 
daB es zugleich die erste Schicksalstragodie 
war, welche so viel andere erweckt hat. Sie 
war der letzte Wurf seines erschiitterten, aber 
noch ausdrucksvollen Talentes. — Ein Nest 
iiberlegener Unbef angenheit , dies echte Zeichen 
auBerordentlicher Befahigung, soil ihm selbst 
in den iiberspanntesten Lagen seiner Lebeniientwicklung 
geblieben srin. Als buBfertiger 

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Wurzbach5 5 . txt 
Redemptorist hat er den Humor nicht ein 
gebtiBt; ja dieser Triumph der Unbefangen« 
heit soil auf dem Sterbebette noch lebendig 
gewesen sein. —In seinem „Kreuz an der 
Ostsee" — Hoffmann hat eine Musik dazu 
geschrieben — drangt sich das religiose Mo< 
ment immer starker, den Dichter selbst unter« 
jochender hervor. Als er im Jahre 131)3 nach 
Berlin versetzt war. schreibt er furs dortige 
Theater seinen Luther, „Die Weihe der 
Kraft", worin die Ref ormationsstif tung in 
eine auffallend phantastische Mystik versetzt 
war. Luther, in diesem Nimbus auf der 
Buhne, machte einen durchschlagenden Effect. 
— Was Heine einmal beilaufig iiber Hoffmann 
sagt . wo er dessen Poesie die Poesie 
des Fiebers nennt, das kann in weiterer Be» 
oeutimg auf diese beiden wilden Nomantiker 
ausgedehnt werden. Sie reprasentiren die 
Romantik des Fiebers. — Hitzig hat Wer» 
ner's Biographie gegeben, und im „Gesellschaf ter " 
waren 4837 viel Briefe mitgerheilt, 
in denen dies Werner 'sche Gemisch von 
Hast, Unsauderkcit , genialem Drange und 
Unordnung in schlechtem Style auffallend 
genug sich darbietet. Werner's Kraft groBartiger 
Charakteristik, groBartiger Wendung 
im poetischen Bereiche und Ausdrucke wird 
aber stets wie der lebensvoll griine Ast eines 
von Wetter und Raupen zerstorten Baumes 
mahnen, der auf einem weitsehenden Kirch» 
Hofsberge steht." — Nolfgang Menzel 
iiberAacharias Werner. Nachdem M en« 
zel die Ausartungen der aberglaubigen 
Po esie, welche aus der poetischen 
Wundersucht entsprang, geschildert und 
dargelegt, wie selbst ausgezeichnete Dichter, 
wieGoetbe . Schiller, Jean Paul, und 
selbst die Tonkiinstler, wie Mozart (in 
seiner „Zauberf lote" ) oon ihr eingesponnen 
wurden, bemerkt er: daB den hochsten Gipfel 
dieser Poesie Werner erreicht habe, der sie 
zur tragischen Niirde zu erheben bemiiht 
war. „Werner", schreibt Menzel. „suchte 
diese Erhebung und Veredlung dadurch zu 
bewerkstelligen, daB er die Zaubermachte oder 
mystischen Gesellschaf ten, von denen die Lei« 
tung und Priifung der Uneingeweihten ad, 
hangen sollte, geradezu in Delegirte Gottes 
verwandelte und das ganze Wunderwesen 
unter die religiosen Ideen der Vorsehung und 
Predestination brachte. Dieser Mann besaB 
poetisches und noch mehr leidenschaf tliches 
Feuer, aber vielleicht ein zu trockenes Gehirn, 
denn wer mag leugnen, daB es ihm ein 
wenig angebrannt war. Rettung suchend vor 
der im Innern ihn verzehrenden Glut, warf 
er sich in jenes Pieer der Gnade, wo der» 
gleichen arme Sunder gewohnlich den irdi« 
schen Menschen ablegen, urn den himmlischen 
anzuziehen. I n seiner tiefsten Zerknirschung 
gait dem Dichter jetzt der Wahlspruch der 
Frommen: „C'igene Gerechtigkeit ist vor Gott 
ein scheuBlich Meid'." in seiner ganzen Harte. 

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Wurzbach55 . txt 
Er erkannte, daB eigene That und Tugend 
eitel sei. daB der Mensch willenlos und blind 
den SchluB des Verhangnisses vollziehe, daB 
er zu allem selnem Thun und Leiden pra» 
destinirt sei. Alle seine Gedichte verkiindigen 
diese Lehre . Seine Helden werden am Gangel» 
bande des Verhangnisses in das helle Reich 
von „Azur und Licht" oder in das dunkle 
von „Nacht und Glut" gefiihrt. Gne mystische 
Gesellschaft iibernimmt die irdische Leitung, 
und man kann darin ein Aualogon der hierar' 
chischen Tribunale nicht verkennen. Jene 
„S6hne des Thales", jene mystischen Alten 
bilden bald eine heilige Vehme . bald unter 
einem allerheiligsten Nettesten ein Inquisi« 
tionSgericht . und dieser Alte vom Thai und 
Berge kann wie der GroBinquisitor in Schi!» 
ler's „Don Carlos" von dem Helden der 
Tragodie jedesmal sagm: „Sein oeben liegt 
angefangen und beschlossen in der Santa Haia 
heiligen Registern. Die Helden sind von Ge» 
burt aus zu dem bestimmt, was sie thun und 
leiden mussen. Die einen sind Sonntags« 
kinder, geborene Engel, die nach einigen 
Theaterpossen, nachdem sie wie Tamino dmchs 
Feuer und Wasser gegangen sind, wohl»^ 
Werner, Zacharias 88 Werner, Zacharias 
behalten in den ihnen langstbestimmten Himmel 
einziehen. Das Schicksal spielt eine Zeit lang 
Verstecken mit ihnen, hier wird dem Aus» 
erwahlten das geheimniBoolle Thai, dort die 
mystische Geliebte verborgen, und zuletzt wird 
ihnen die Binde uon den Augen genommen. 
Der Schiiler wird ein Eingeweihter und der 
Geliebte findet seine andere Halfte; waren 
die beiden Leute auch noch so weit von ein« 
ander entfernt, das Schicksal bringt sie zu« 
sammen. und sollte sich „der Nordpol zum 
Siidpol beugen" mussen. Da dem Helden 
auf diese Weise alle Freiheit genommen ist, 
so kann auch diese Art Poesie niemals zur 
tragischen Wiirde sich erheben, wie groBe 
Miihe Werner sich auch deshalb gegeben 
hat. IrcheB mangelt es seinen Gedichten nicht 
an religiosem Tiefsinn und an einer gewissen 
, Gluth der Andacht, besonders in den lyrischen 
Stellen, die ihnen auBerhalb der Biihne einen 
Werth verleihen. Auch hat er fast immer nur 
die Lichtseite jenes Fatalismus aufgefaBt, sein 
einziges vollkommenes Nachtstiick war „Der 
24. Februar"." 

V. Werner und seine drei Frauen. Als Ergan« 
zung zur Biographie fiigen wir nach Wer< 
n er's eigenen Auf zeichnungen das Wichtigste 
iiber seine drei Frauen bei, die er selbst 
iibrigens nur als ein wenig beachtenswertyes 
Beiwerk seines Lebens ansah, und iiber 
die er daher wie iiber etwas ganz und 
gar Gleichgiltiges hinwegging. „ Im Jahre 
1 ? 9 i " , schreibt Werner, „lernte ich im 
Winter in Konigsberg eine H. aus Frankfurt 
a. d. 0. kennen. Bis Iohanni schleppte ich 
mich mit ihr als Maitresse. Uni jene Zeit 
ging ich mit ihr durch, weil Mein Herr Vetter 

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Wurzbach5 5 . txt 
C, der anfangs meinen Umgang mit ihr be» 
Mnstigte, mich mit einem Male zum Gegen» 
theil zwingen wollte. Ich zog zigeunermaBig 
und unter Lebensgefahr mit dem Weibe in 
einer Kibitke von Konigsberg iiber DanziZ. 
Tdorn u, s. w. nach Warschau. Dort ward 
ich n ' . it derselben eiligst und schleunigst ge« 
traut und kehrte dann mit ihr wohlbehalten 
nach Konigsberg zuriick." Nach der Schilde» 
rung seines wechselvollen Lebens wahrend der 
Jahre 1792— j?!) 4 in Konigsberg. Petrikau, 
Thorn, Plozk schlieBt er diese Episode mit 
seiner ersten Frau mit den Worten: „Meine 
Frau lebte in Plozk nach Herzenslust mit 
einem schlechten Komodianten W. Ich trennte 
mich daher gerichtlich >von der mir unwerthen 
(5reaiur und gab ihr zur Abfindung ein 
kleines Capital . . . Ich fahre in meiner 
Leidmsbiographie fort. I m Jahre t?99 ging 
ich nach Konigsberg auf Urlaub. Zufallig 
lernte ich hier eine Demoiselle I . , Tochter 
einer verwitweten Crimmalrathin kennen, die 
eine Legion Liebhaber gehabt, angeblich auch 
noch einige tausend Gulden in donis hatte. 
Man schaffte mir ihre Bekanntschaf t ; Alles 
ward darauf angelegt, uns zu verkuppeln und 
ich. aus Tollheit, aus Ekel vor dem (Zolibat, 
halb auch (so tief war ich gesunken) aus In« 
teresse. heiratete sie ohne alle Iiebe. Bei ihr 
war es der namliche Fall. Im November 
1799 war unsere Hochzeit zu Konigsberg. Es 
war eine jammerliche Ehe . ohne HaB, ohne 
Liebe... I m Friihjahr 1801 lieBen wir uns 
mit beiderseitiger Einwilligung von der War» 
schauer Regierung formlich scheiden, wobei 
ich mein letztes vaterliches Capital als Abtrag 
bezahlen muhte. Itzt war ich zwei Frauen 
und den Rrst meines vaterlichen Erbes los . 
Urn eben diese Zeit ungefahr lernte ich eine 
acht zehn jahrige Polin kennen, die Tochter eines 
Warschauer Schneidermeisters M . . . . ich liebte 
sic vom ersten Augenblicke, als ich sie sah, und 
ich, der zweimal geheiratet und sich getrennr 
hatte, liebte jetzt in meinem dreiunddreiBigstcn 
Ial^re zum ersten Mai. I m August 180 1 war 
unsere Hochzeit, und bis ii;t (li><>4) ist sie das 
erste hauptsachlichste Gliick n eineo Lebens. 
AuBer meiner seligm Mutter kenne ich kein 
Weid — und ich habe sehr viele Weiber sehr 
genau kennen gelernt — uon einer so glii» 
henden Phantasie als meine ihine Frau u. s. w." 
Aber diese iiberschwengliche Leidenschaft war 
nicht uon langer Daurr. Als er spater ohne 
sein Zuthun nach Berlin versetzt worden war 
und dort bald der Lowe des Tages wurde, 
vernachlassigte er seine Frau so unbarmherzig, 
daB auf beiderseitigen Wunsch die Trennung 
der Ehe erfolgte. Man findet hie und da er« 
wahnt, day Werner aus einer oder der 
anderen seiner drei Ehen . A ind A r entsprossen 
seien, dem ist nicht so. Alle Eben blieben 
sinderlos. Ueberhaupt scheint er iiber Frauen 
und die Ehe seine eigenen Gedanken gehabt 
zu haben; wenigstens erzahlt man sich von 

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Wurzbach5 5 . txt 
ihm. daB er auf eine an ihn gerichtete Frage: 
weshalb e6 im Paradies keine Ehen gebe, 
cntgegnete: „Weil es in der Ehe kein 
Paradies gibt". Jedenfalls war er nach drei 
mifigliickten Ehen competent zu einer Ant» 
wort auf diese Frage. ''Blatter fur litera« 
rische Unterhaltung, 1827. Nr. t und 2: „Zur 
Biographie des Dichters Werner" . (Der be»? 
Merner. Zacharias 89 Merner, Zacharias 
riihmte oder wenn man so sagen will, beruch» 
tigte Brief Werner's aao. Konigsberg den 
23. Marz 1804. in welchem der Dichter eine 
Beichte iiber sein bisheriges Leben mit 
schonungsloser Offenheit niederlegt ) . ) 
V I . Werner's Testament. Mit einer Genauig» 
krit im Detail, welche weder mit der Zer» 
fahrenheit und dem unsteten Wesen des 
Jiinglings und Poeten, noch mit des nach« 
maligen Katholiken und Priesters Neltver» 
achtung und Gleichgiiltigkeit gegen alles welt« 
liche Out zusammenstimmt , hat Werner 
seinen letzten Willen zu Papier gebracht . Die 
Theilnahme, die man dem beriihmten Dom« 
prediaer in Oesterreich und vornehmlich in 
Wien entgegenbrachte, war so groB, daB nach 
seinem Tode sein Testament in einer beson» 
deren Broschiire gedruckt und verof f entlicht 
wurde. Dasselbe, aus 22 Paragraphen beste» 
hend, von denen der zweite 3 und der zwan» 
zigste 8 Unterabtheclungrn enthalten, ist i n , 
Gnzersdorf bei Wien den ?4. J u 1 i 1822 ge» 
schrieben und mit des Dichters ganzem Na» 
men und Charakter: Friedrich Ludwig 
Zacharias Werner. Priester und Re» 
demptorist unterzeichnet . Der Nachtrag dazu 
tragt das Datum: Enzersdorf den 27. J u 1 i ! 
i822 und das Codicill das Datum: Wien! 
am 1«. Janner i823. Daran schlieBt sich! 
eine testamentarische Zuschrift aao. Floren, ; A 
24, . September 1812 mit einem Motto, ! 
Symbolum und Trostspruch im Tode. Zum ! 
Erben seines Vermogens, das sich ohne die A 
Pratiosen und sonstigen Werthsachen auf 
etwa 20. WO si. in Silber belief, setzte er 
den Prior der Liguorianer ein. Da sich 
aber damals von seinen drei Frauen eine 
noch am Leben befand, so diirften, hieb es 
zu jener Zeit, die Gerichte der letzteren das 
Erbe zusprechen. I n orn Mittheilungen iiber 
sein Leben erscheint Werner als Liguoria« 
ner angefiihrt, er selbst schrieb sich im Testa» 
ment Ned em pt o r i st . was ein und das» 
selbe ist. Er war thatsachlich in den Orden 
eingetreten, hat aber denselben wieder aus nie 
recht klar gewordenen Motiven verlassen. Die 
Armen bedachte er in seiner let ztwilligen 
Verfiigung nicht eben zu giinstig, dagegen 
vermachte er zwei weiblichen Orden in Wien 
je 300 ft., den Capucinern in Wien ioo ft. 
den barmherzigen Briidern daselbst 300 ft. 
und dem Priesteckrankenhause t<)0 ft. Seine 
Manuscripte. bestehend aus Predigten und 
geistlichen Uebungen, erhielt sein Wiener 
Verleger Wallisba usser. Das Legat fur 

Seite 130 



Wurzbach55 . txt 
die Maria. Zeller Wallf ahrtskirche erwahnen 
wir S. 92 8) unter der Rubrik „Werner's 
goldene Feder" noch besonders. Das ganze 
Schrif tstiick ist seiner Einzelheiten wegen nicht 
uninteressant . Triedrich Ludwig Zacharias 
Werner's letzte LebenLtage und Te« 
stament. Nebst einem hierher gehorigen, im 
Jahre 1812 zu Florenz begonnenen Aufsatze 
des Verblichenen (Wien i823. I . A. Wallis» 
hausser . 8° . ) . ) 

VII. Iacharias Werner's Gral, und Vrabschrift. 
Drr Dichter ordnete in seinem letzten Willen 

an, daB rr auf dem Friedhofe zu Maria» 

Enzersdorf bei Wien, an der Seite seines 

Freundes Clemens Maria Hoffbauer, ehe» 

maligen Oeneralvicars des Neoemptoristen« 

ordens A Bd. I X , S. 434), beerdigt werde. 

Das Oelgemaloe seiner seligen Mutter Luise 

Henriette sollte nebst den drei Schatten, 

rissen feines Vaters, seiner Mutter und seiner 

Cousine mit in den Sarg gelegt werden. Auf 

dem Grabe wunschte er einen einfachen 

Stein mit folgender Inschrift: (das Zeichen 

des Kreuzes), dann : Friedrich Ludwig Zacha» 

rias Werner, 1 Priester aus der Versammlung 

zum allerheiligsten Erloser, j geboren zu 

Konigsberg in PreuBen deli 18. November 

t?68. ! Zu Norn zum allein wahren all« 

armeinen Vaterglauben zuriickgekehrt den. 

N) . April 18il. gest . zu Wien den 17. Ian« 

ncr 482ii, 1 Gott sei dem armen Sunder 

gnadig'. ', Wanderer', bitte giitigst fur seine 

arme Seele', 1 Lukas . (5. 7. V. 47?! - 

(Unten eine zerbrochene Leyer) . Das F-rage< 

zeichen der Inschrift deutet anf die Stelle in 

Lukas hin. welche den Wunsch auZsvricht, 

daB der liebevollen Seele die Fiille der gottlichen 

VerheiBungen zutheil werden solle. 

VIII. Einige wenig oder gar nicht bekannte 
„geflugelte Worte" von Zacharias Werner 

nach seinem Nebertritt A nm Katholicismus . 
Oott'priift gewohnlich durch Leiden, durch 
Schmerzen: Er priift aoer auch manchmal 
durch Freuden, durch Lust. — Der Weg der 
Vernunft, der Weg der Demuth und der 
Weg der demmhsvollen Entsagung fiihren 
zur Klarheit und die Klarheit fiihrt zur Hei» 
ligkeit. — Den Siirideufall der ersten Men« 
schen haben wir alle wiederholt, ein Jeder 
und eine Jede. ' s - Der Tod des Gerechten 
ist ja eigentlich kein Tod; eo ist nur ein 
Hinuberschlummetn in die ewige Wonne . — 
Nach dem Himmel gibt es nichts Schoneres? 
Werner. Zacharias 90 Werner' 1 Zacharias 
und Trostreicheres als das GleichniB vom 
verlorenen Sohne. — Was ist das ganze 
Menschenleben wohl anders, als ein Spiel 
der ewigen Liebe? — Die Ehre ist oft mehr 
als das Leben, weil Gott selbst, der edel 
und groB, die Ehre, die wahre Ehre ist. — 
Die bereuete Siinde ist das beste Opfer, das 
wir Gott bringen konnen. — Alle Philo« 
sophie kann nur die Raume angeben, innerhalb 
welcher das mc.ischlichc Denken gleichsam 

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Wurzbach55 . txt 
cinlogirt ist. Die gcsammte Weltweisheit 
vermag nur di? Grrn;en f estzusetzen, uber 
welche das menschliche Denken nicht hiniiber 
kann. Das wissen die wahrhaft Gebildeten. 

— Das Gedichr Salomonis ist ein Gedicht, 
dessen Erklarung vielleicht einem anderen 
besseren, glucklicheren Zeitalter als unserem 
zerstreuten und verderbten, vorbehalten ist. 

— Die erste Thrane des reuigen Sunders, 

sie ist auch zugleich ein Blick ins Paradies. 

— Das Christenthum ist ein auf alle mensch» 
lichen Leiber passender dichter, warmer Kittel, 
der. je nachdem man ihn tragt, zum herrlichsten 
Purpurmantel werden kann. — Poesie 

ist der Versuch, dasjenige, was die philosophische 

Prosa nicht zu aeben vermag, durch 

ein Bild in das Gemuth des Menschen zu 

werfen. Durch Poesie sind schon Tausende 

bekehrt worden. — Der Ochse liegt vor dem 

Lukas, wie Hermeneutik liegt vor der 

Offenbarung. — Wie kann man am besten 

das Wort Wehmuth erklaren? Wehmuch ist 

Muth im Wehe . im Schmerz. — Das 

Christenthum iidcr die Theologie begreift in 

sich: 1. das Heldenthum. 2. die Physik, 

3. die Geschichte. 4. die Philosophie und 

5. die Poesie. — Die tiefsten religiosen An« 

sichten in spateren Jahren sind oft nur Re> 

fultate der ersten mutterlichen Erziehung. — 

Golgatha, das ist das wahre Lilienfeld, wo 

die Lilie Gottes. Jesus Christus, ewig« Blu» 

ten getragen hat. — Der Mensch ist eine 

Blume des ewigen Lebrns . — Der Papst 

ist der Stelloertretkr nicht des dreieinigen 

Gottes, sondern ist der Stellvertreter des 

Gottmenschen Jesus Christus hier auf Erden. 

— Es gibt eine dreifache geistige Anschauung 
Gottes: i. die Anstauung des kindlichen 
Glaubens, 2. der schmerzvollen Hoffnung 

und 3. der siegenden Liebe. — Der Korper 
des Menschen ist das Meisterwerk alles Sicht« 
baren, das Meisterstiick der Schopfung. — 
Der Glaube ist das Licht, die Vernunft 
das Auge . Und so wie das Auge ohne Licht 
nicht sehen kann. so kann auch die Vernunft 
des Menschen nichts erkennen, nichts ahnen 
ohne den Glauben. 

I X . Werner's Mutter. Auf den Poeten iibte 
unbedingt seine Mutter groflen und nachhal» 
tigen — ja wir geben es gern zu — geradezu 
unheimlichen EinfluB. Er scheint von ihr die 
Anlage zu allem Ungestum, allrr Kraft, all' 
den Gegensatzen, die sich in seinem Lebens» 
laufe kundgeben, aller ungelosten Verwirrung, 
die sich in den Werken dieses groBen 
Geistes ausspricht, empfangen zu haben. 
Nach dem Tode seines Vaters blieb er bis zu 
seinem 22. Jahre unter der Obhut seiner 
Mutter. Diese war die Nichte eines nicht 
unbegabten Poeten, Valentin Pietsch (geb. 
1690. gest. 1733) . eines geborenen K6nigs« 
bergerS. der zwar seine Muse in hohen 
Namenstags» und Festgesangen verzettelte, 
aber ein unleugbares poetisches Talent besaB, 

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wie es seine von I . G. Bock <?40 heraus« 
gegebenen „Gebundenen Schriften" an vielen 
Stellen bezeugen. Werner selbst nannte 
seine Mutter, der er iibrigens manchen 
Kummer und manche schwere Sorge bereitet 
haben mag. eine reine heilige Kunstseele und 
Martyrin; H i p p e 1 . der Dichter der „Lebens, 
laufe in auf steigender Linie", sagte von ihr, 
daB sie jeden Gegenstand mit Aolerblicken 
durchschaute, und auch Hoffmann, der 
Verfasser der „Serapionsbruder " , gibt ihr 
das ZeugniB, daB sie mit Geist und Phan« 
tasie hochbegabt gewesen. Daft ihr iibrigens 
der Sohn manchen und wohl schweren 
Kummer bereitete, ersehen wir aus seinen 
eigenen Bekenntnissen, So schreibt er !t!04, 
bald nach dem Tode der Mutter, an seinen 
Freund: „Wie schwer liegen meine jugend» 
lichen Vergehungen auf mir'. Wie viel gabe 
ich darum, sie noch eine Woche zu erwecken 
und mein gepreBtes Herz in Reuethranen zu 
entladen. Mein geliebter Freund! mache 
Deinen Eltern keinen Kummer! Ach, keine 
irdische Stimme weckt die Todten mehr. 
G o t t und Eltern, das ist das Evste, 
alles Andere ist weniger!" I n ihrem besten 
Alter verfiel aber Werner's Mutter in eine 
schwarmerische Gemiithskrankheit , von der sie 
nie genas, und in der sick der Wahn in ihr 
ciusbildete, sie sei die Jungfrau Maria und 
ihr Sohn der Heiland der Writ. Diese Ge« 
miithsart, diese geistige Verwirrung der 
Mutter blieb sicher auf den Sohn nicht ohne 
EinfluB, wenn sich derselbe auch nicht vlo 
zum Irrsinn zuspitzte. I n dem philosophise!^ 
Merner, Zacharias 91 Werner, 

gebildeten protestantischen Dichter des „Ma s 
tin Luther" finden wir im Anbeginn keine! 
Spur religioser Schwarmerei, vielmehr ge» 
rude das Gegentheil von dem. als der er 
sich spater wies, als eifernder katholischer 
BuBprediger, der seine Schreibf eder . als das 
Hauptwerkzeug seiner Verirrungcn, seiner 
Siinden, seiner Neue der Schahkammer der 
Mutter Gottes oon Maria<Zell vermachte, 
damit sie dort Jedem als warnendes Zeichen 
feiner Vecirrung gezeigt werde. 
X. VinMieiten. ») Werner's Vier und. 
zwanzigster Februar. Es ist gewiB 
intercssant, den Ursprung dieses cultur« und 
literar-historischen Stiickes zu erfahren, um» 
somehr, als wiederholt gedruckt zu lesen war, 
daB Werner den Stoff aus Abraham 
a S a n c t a Clara's „Gemisch>Gemasch" 
geschopft habe . Nun. mir ist Abrahams in 
Rede stehendes Buch nicht zur Hand, aber 
diese Ansicht wird durch Werner und 
H i h i a . der mit Ersterem befreundet wir, 
vollkommen widerlegt. H i h i g berichtet in 
einem aus Berlin im Marz 1841 datitten 
Briefe, wie f olgt : „Als ich meinen Freund 
Werner im Friihling 18<)9 in Weimar be» 
suchte und von dort mit ihm nach Jena 
hinuberfuhr, erzahlte derselbe mir unterwegs: 

Seite 133 



Wurzbach55 . txt 
er habe neuerdings mit Goethe viel uber 
die Aufgabe gesprochen, eine bedeutende 
Handlung dergestalt zusammenzuf assen, daB 
sie nur einen Act fiille und dennoch klar moti« 
uirt und vollstandig entwickelt erscheine. Das 
Ende der Besprechung sei gewesen, daB Beide 
sich vorgenommen, einen Versuch zu machen an 
einem tragischen nnd einem Stosse zu einem 
Drama sanf triihrenden Inhalts, einem Fluch» 
und einem Segensgemalde, wobei Goethe 
zu Werner die mir treu im GedachtniB 
gebliebenen Worte sprach: „Das Fluch« 
gemalde werdet Ihr besser machen als ich; 
das Segensgemalde mache ich besser als 
Ihr. " DaB Goethe Hand an die Losung 
der Aufgabe gelegt, davon ist nichts bekannt 
geworden, wohl aber machte sich Werner 
sogleich an die Arbeit. Zunachst an das Fluch« 
gemalde. welches ebm der „Vierundzwan« 
zigste Februar" ist (der Sterbetag seiner 
Mutter, fur ihn vorzugsweise 6i65 inlestus 
in seinem Leben) . Zum Segensgemalde hat 
er sich als Stoff Wilhelm Tell's Tod ge< 
wahlt, der nach einer Schweizersage erfolgte, 
als Tell noch im hohen Alter ein Kind aus ! 
dem Schochenbache rettet?, welches darin i 
zu versinken drohte. Was nun das Stuck 
„Der vierundzwanziqste Februar" selbst be» 
trifft, so erzahlte Werner seinem Freunde 
die Begebenheit qerade so. wie sie in Vogl ' s 
«Leipziger Annalen" ausfiihrlich mitgetheilt 
wurde, und fiigte dinzu: er bade auch schon 
eine prachtige ilettllckkrit im Sinne, wo sich 
so Entset zliches zugetragen baben konne, wobei 
er dann in ergreifenden Worten die Lage 
des Wirthshauses im Gasternthale schilderte, 
in welchem er auf seiner Schweizerreise im 
Somcr 18(18 eine Nacht zubrachte, die 
einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht hat. 

— d) Werner's selbstgeschriebene 
Biographieim Rahmen eines So« 
nettes. I m Herbst 1818, also funf Jahre 
vor seinem Tode . schickte Werner einem 
Jugendf reunde in Konigsberg in e'nem Brief e 
ein Sonett, das er seine Biographie 
und damaligen 3 rat urn c».tt8a,6 st 

oonti ' ovsi ' siaLlnnuos nannte. Es heiflt? 

Drei Villen. 

Was ich auf Eidcn noch zu wiinschen iibrig hiibe, 

Ist wenig, und ich will ks Euch erzahlen: 

Urn Ehr' und Reichthum mog ich Gutt nicht qualen. 

Des Teufels Lirickr sind ocr -to!z. die Habe. 

Nur Unschuld mocht ' ich lrieder mir riwahlen, 

Doch nichts erwecke die, wenn sie ging zu Grade; 

Ter ild'schen itiebe Tcmmrlkelch. die Gabe 

Ten Taumelbechcr , ich bab ' ihn geleeict, 

Und wo, wencich ich lechz«, mir brlcheeret 

— c) W einer's aufiere Erscheinung. 

Es sind verschiedene Bildnisse Werner's aus 
seiner Jugendzeit und seinen spateren Jahren 
vorhanden. Ein Vrofilbild stellt ihn in seinem 
A2 . Jahre dar mit langem lockigen Haare und 
urn die Schultern geschlagenem Mantel. Es 
ist kein Zeichner und Ttrcker genannt, doch 

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Wurzbach55 . txt 
mochte es wohl ahnlich sein. Ganz trefflich 
aber zeigt ihn als Priester ein Kupferstich 
von Gust. Zumpe. welcher in der von den 
Gebriidern Schumann in Zwickau heraus» 
gegebenen Sammlung enthalten ist. Vm'chie» 
dene Schrif tsteller . Scbast . B r u n n e r. 
H i t z i g , Schiitz und Andere, haben seine 
auBere Erscheinung mit Worten geschildert, 
das am meisten zutreffende Bild entwarf 
Andreas Schumacher. „Mir drang es", 
schreibt derselbe „immer schon einige Achtung 
fur einen Mrnschrn ab, wenn er liberhaupt 
an einer Ansicht hielt — und dieser Grund^ 
Werner, Zach alias 92 Werner, Zacharias 
wiirde mir geniigt haben, Werner zu 
achten, wenn ich ihn auch nicht geliebt hatte. 
Und so erging es in dcr That Tausenden, 
die bios die Medisancen iiber ihn gehort, die 
nichts von ihm wuflten, als daB er Komodien 
geschrieben und was das Fraubasengeschrei 
und Kasseeweisheit ihrer Cirkel iiber ihn aus» 
trompetete. Er trat in unsere Mitte — nicht 
der fahrende Schiiler war gekommen — der 
Gliicksritter — und reisende Literat — der 
Lander beschaut und Volker mustert, urn 
dann bei Hoffmann und Campe eine 
Broschiire drucken zu lassen: „Wien und die 
Backhuhnel" — oder „Wien, wie es iBt und 
trinkt" u. s. w. Es war der ernste Mann mit 
dem eisernen Willen — es war der Prediger, 
der zur Bufie mahnt — der alte Monch 
I r n e c in Mitte des lebenslustigen Wien. 
Die gemeine Rotte evklarte ihn schlechtweg 
fur einen Betriiger — die Mafligen fur einen 
Schwarmer — Wenige begriiftten ihn mit 
dem Herzen als einen jener kraftigen Geister, 
die. was sie als Necht erkannt, auch mit 
der That bestatigen miissen! Ich seh' ihn noch 

— mit seinen schwarzen Locken — mit den 
tief gef urchten Ziigen und vorragenden Backen» 
knochen — mit den dunklen Augenhohlen, 

aus denen zwei blitzende Feuerrader gleich 
Pechfackeln aus dunkler Nacht hervorloderten ! 

— So denkt man sich den Prediger dcr 
Wiiste — der in da5 Gewiihl der Stadt 
tritt — und das Volk zur BuBe mahnt. — 
Und er mahnte das Volk-zur Bufle — und 

das Volk, das ihn verlacht, gelastert, horte 
ihn und staunte und wuflte nicht, was mit 
mit ihm geschehen — und die abgelebten 
Unglaubigen und die Wiistlinge und Witz« 
bolde — die Lacher und Gaffer an den 
StraBenecken, die wahrlich nicht in die Kirchen 
gekommen, sich zu erbauen — sie horten ihn 
und schienen versteinert — und das Volk von 
Wien brach in lautes Weinen aus und ver» 
lieB den Tempel, den es so lebenslustig be» 
sucht, mit zerknirschtem Herzen, mit roth» 
geweinten Augen. Ho hab ' ich gesehen und 
erlebt im Jahre des Heils 1814." Uebrigens 
eine treffliche Charakteristik Werner's und 
seines Verhaltnisses ZuHoffdauer entwirft 
Sebastian B r u n n er in seinem Vuche „Cle» 
mens Maria Hoffbauer" S. 187 u. f. — 

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Wurzbach55 . txt 
a) Zacharias Werner und Goethe. 
Goethe brachte nur mit Widerstreben W er< 
ner's Stuck „Der 24. Februar" zur Auffuh« 
rung. Nachdem er sich aber einmal 5azu ent< 
schlossen hatte, that er es doch wieder in 
seiner Art, und zwar erfolgte die erste Auf« 
fiihrung am 24. Februar 1810. Drei von den 
eilf Wiederholungen, welche das Werk er« 
lebte, verlegte er ebenfalls auf einen 24. Fe» 
bruar. Als der alte W i e 1 a n d iiber Zulas» 
sung des Stiickes, das eine tief erschiitternde 
Wirkung im Publicum hervorgebracht , Vor» 
wiirfe machte, erwiderte ihm Goethe: „Sie 
haben wohl recht, aber man trinkt ja nicht 
immer Wein, man trinkt auch einmal Brannt« 
wein" . Uebrigens ist ja die Geburtsstatte 
dieser beriihmten Schicksalstragodie das Gast« 
haus „zum Schwan" in Weimar, wo Wer» 
ner gewohnt und innerhalb einer Woche das 
Stuck gedichtet hat. — Als ein Wiener 
Schrif tsteller naa, Weimar reiste und die 
Absicht aussprach, dort Goethe zu besuchen, 
rief ihm Werner, der zugegen war, zu: 
„GriiBen Sie mir den alten Goethe, sagen 
Sie ihm. daB er sehr hoch stehe. daB. er bis 
an den Himmel gewachsen, er moge auch ein 
wenig hineinschauen . " . — s) Werner ' s 
Schlagfertigkeit . Werner versuchte ein» 
mal, ob auf eigenen oder fremden Impuls, 
ist nicht bekannt, einen eben in Wien an» 
wesenden fremden protestantischen Fiirsten fur 
die katholische (Konfession zu gewinnen. Er 
nahm bei demselben Audienz. Als nach Ian* 
gerer Unterredung endlich Werner gerade« 
aus auf sein Ziel lossteuerte, erhielt er uon 
dem Fiirsten die kurze und abwehrende Ant» 
wort: „Halte nichts von Leuten, die ihren 
Glauben wechseln." Werner erwiderte — 
nichts weniger denn aus der Fassung ge< 
bracht — srfort: „Nun . waa halten Euere 
H dann aber von Jesus?" Die Antwort 
des Fiirsten ist uns nicht bekanut . — k) Wer» 
ner's Handschrift. Adolf Henze in 
seinem Buche . - „Handschriften der deutschen 
Dichter und Dichterinen mit 3U5 Facsimiles" 
(Leipzig 1866. Schlike. 12°.) charakterisirt 
Werner's Handschrift, wie f olgt : „zuriick» 
gezogene Buchstaben, die gern fur sich sind 
und im Stillen wirken" . — x) Werner ' s 
Schreibf eder . Werner hat iiber eine 
goldene ihm zu Geschenk gemachte Schreib» 
feder in seinem Testamente aclu. Enzersdorf 
bei Wien 24. Juli 1822 verfiigt, und zwar 
lautet Absatz 19 dieses Testamentes wortlich, 
wie f olgt : „ I n die Schatzkammer der heilig« 
sten Mutter Gottes zu Maria. Zell. der Mutter 
aller und auch der vielen mir unwiirdigen, 
im Oesterreichischen zutheil gewordenen geist« 
lichen Gnaden, lege ich (wie weiland Iustus 
Lipsiuszu Loretto that, aber mit innigster,^ 
Werner. Zacharias 93 Werner. Zacharias 
tiefster, dankvollster Beschamung, und mit der 
heiBesten Bitte, daB die Mutter der Barm« 
Herzigkeit sich meiner vor dem strengen, unent« 

Seite 136 



Wurzbach55 . txt 
rinnbaren, Alles entscheidenden Gerichts« 
momente des Todes gnadigst annehmen moge 
meiner durch Schuld verwiisteten Seele) ein 
Hauptwerkzeug meiner Verirrungen, meiner 
Siinden und meiner Reue, meine Schreib« 
feder namlich, symbolisch dadurch nieder, 
daB ich vorerwahnter Schat zkammer zu Maria« 
Zell die mir von meines hochsel. Wohlthaters 
konigl. Hoheit, dem verstorbenen Fiirsten 
Primas von D a 1 b e r g , verehrte goldene 
Schreibf eder , nebst dem zu deren BehaltniB 
dienenden, mit einem Solitar oben ver» 
zierten, unten aber mit den blau email» 
lirten Monatstagen und dem Buchstaben "V 
bezeichneten und in einem abgenutzten, weiB gc» 
fiitterten Futteral von rothem Maroquin be< 
sindlichen goldenen Crayon vermache. Zugleich 
bitte ich urn Jesu Willen alle Christglaubigen, 
welche dies mein Votivgeschenk kunftig etwa 
beschauen sollten, aufs f lehentlichste, gutigst 
fur meine hochst hilf sbediirftige Seele zu 
beten, und beauftrage ich des Behufs meinen 
Erben ausdriicklichst und aufs gemessenste, 
sofort nach meinem Tode vorerwahntes gol« 
denes Crayon und darin steckende goldene 
Feder, zugleich nebst einer wohlgeschriebenen 
und leicht leserlichen vidimirten Abschrift 
dieseK ganzen, obigen Gegenstand betreffenden 
Artikels 19 meines gegenwartigen Testa< 
inentes, der hochwiirdigen geistlichen Behorde 
zu Maria-Zell mit dem ganz gehorsamsten 
Ersuchen zu iidermachen, in der dortigen 
Schatzkammer dem ihr legirten Votivgeschenke 
die solches betreffende letzterwahnte Abschrift 
beiheften zu lassen und, urn Jesu Willen, 
diese meine dringende Aufforderung an die 
Liebe und Barmherzigkeit meiner geliebten 
Mltchristen. den resp. frommen Wallfahrtern 
nach mehrbesagtem Gnadenorte bei jeder sich 
ereignenden Gelegenheit gutigst vorzuzeigen. 
M s eine Glosse interessanter Art betrachten 
wir den langeren Aufsatz, den Bottiger 
anlaBlich dieser let ztwilligen Verfiigung Wer» 
n er's iiber seine Schreibf eder in der „Zeitung 
fur die elegante Welt", 1823. Nr. 32, 53. 54 
verof f entlicht hat.) 

X I . Biographien, a) Selbstandige Schrif» 
ten. Kurze Biographie von F. L. Z. 
Werner (Landshut 1822. 8".) . — Hitzig 

(Julius Eduard) . F. 3. Z. Werner's Lebens» 

abrifi (Berlin 1828. t>"). - (Schiitz). 

Zach. Werner's Biographie und Charakteristik, 

nebst Originalmittheilungen aus dessen Handschrif tlichen 

Tagebuchern. 2 Bande (Grimma 

1841. 8«.) ''berichtigt die Mittheilungen 

Hitzig' s; sehr wichtige Schrift) . — Zacha« 

r i a s Werner. Kein Katholik (Gottingen 

1825, Vandenhoeck und Rupreckt . 8".) A oergl. 

dariiber „Blatter fur literarische Unterhat« 

tung" 1823 (?), Tp . 191). - Diintzer 

(Heinrich) . Zwei Bekehrte. Zacharias Werner 
und Sophie von Schardt (Leipzig 1873, 
gr. 8".) l^vergl. dariiber „Blatter fur litera» 
rische Unterhaltung" . 1874. Nr. 9). — Za» 

Seite 137 



Wurzbach55 . txt 
charias Werner's letzte Lebenstage und 
Testament. Nebst einem. . . 1812 zu Florenz 
begonnenen Aufsatze des Verblichenen (Wien 
1823. Wallishausser . 8".). — Regiomon» 
tanus (Isioorus). Geistesf unken, aufgefangen 
im Umgang mit weiland F. L. Z. Werner 
(Wiirzburg 182?. 8°) mit Portrait, d) Kiir, 
zere Biographien in Sammelwerken 
und Zeitschrif ten zerstreut. A 1 1 g e , 
meinesTheater«3exikon 
Herausgegeben von K. HerloBsohn, 
H. Marggraffu. A. (Altenburg und 
Leipzig o. I . . Erpedition des Theater-Lerikons , 
kl. 8«.). Neue Ausgabe. Bd. V I I , S. 207. 

— Binder» H o w i t t : „Friedrich Overbeck. 
Sein Leben und Schaffen" (Freiburg im 
Breisgau 1886. 8".) Bd. I, S. 281 u. f. 

— Brummer (Franz) . Deutsches Dichter» 
Lenkon. Biographische und bibliographische 
Mittheilungen iiber Dichter aller Zeiten. Mit 
besonderer Beriicksichtigung der Gegenwart 

(Eichstatt und Stuttgart 1877. Kriill'sche 
Buchhandlung, schm. 4".) Bd. I I , S. 489. 

— Europa. Redigirt von Gustav Kiihne, 
1873, Sp. 1343 u. f. und Sp . 1385 u. f.: 
„Zacharias Werner in Wem.ar". — Der 
Gesellschaf ter . Von Gubitz (Berlin. 

4«.) 1841. S. 26«: „Fr. L. Z. Werner". - 
Goedeke (Karl) . GrundriB zur Geschichte 
der deutschen Dichtung. Aus den Quellen 

(Hannover 1839 u. f.. Eblermann. 8".) 
Bd. I I I , S. 42 - 47. - Grenzboten. 
Herausgegeben uon Ignaz Kuranda (Leip« 
zig. Herbig, gr. 8«».) 1831. Bd. I I , S. 441 
bis 43(1; 496 bis 305. Von I.(ulius) 
S. (eidlitz) . — (Hormayr'6) Archiv 
fur Geschichte. Statistik. Literatur und Kunst 

(Wien. 4<>.) 1823. Nr. 12 und 13: ..Eben« 
bilder aus der Vorzeit und merkwurdiger 
Zeitgenossen . XII" (F. 3. Zacharias Wer« 
ner) . — Kehrein (Joseph) . Biographisch, 
literarisches Lerikon der katholischen deutschen^ 
Werner. Zacharius Werner, Zacharias 
Dichter. Volks ' und Jugendschrif tsteller im 
neunzehnten Jahrhunderte (Zurich, Stutb 
gart und Wiirzburg 4871. Leo Worl, gr 8") 
Bd. I I , S. 230 ''nil reicher Literatur) . — 

— Kurz (Heinrich) . Geschichte der neuesten 
deutschen Literatur von 1830 bis auf die 
Gegenwart. Mit ausgewahlten Stiicken aus 

den Werken der vorziiglichsten Schrif tsteller 
(Leipzig 1859, T A ubner. schm. 4".) Bd. Ill, 
S. 34a (lyrische Gedichte); S. 44d.(geist» 
liche Lieder) ; 47 d (Sonette); 48a (Caw 
zonen) ; 384b (Charakteristik Werner's als 
Dramatiker) " 4692. bis 470d (iiber seine ein» 
zelnen Dramen) ; 468 und 469 (Leben) . — 
Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau, 
Voigt. kl. 8".) Jahrg. 1823, Bd. I , S. 56. 

— Neuer Plutarch oder Biographien und 
Bildnisse der beriihmtesten Manner und Frauen 
aller Nationen und Stande u. s. w. Vierte 
Auflage. Mit Verwendung der Bettrage des 
Freiherrn Ernst von Feuchtersleben neu 

Seite 138 



Wurzbach5 5 . txt 
bearbeitet von Aug. Diezmann (Pesth, 
Wien. Leipzig 1858. (5. A. Hartleben. 12". 
Bd. IV, S. 117. - Oelzweige (Wien, 
gr. 8° ) V. Jahrg. (1823). Nr. 13, S. 5«-64 . 
— Oesterreichisch e Nati onal - E ncy« 
klopadie von G r a f f e r und (5zikann 
Wien, 8".) Bd. V I , S. 76. - Pesther 
Sonntiigsdlatt . Herausgegeben und redi« 
girt von H. v. Levit schnigg (4°) Iah» 
gang 1824. S. 475: „Biographische Denkmale. 
Luow. Zacharias Werner". Von Gel« 
dern. — NaB manu (Friedrich) . Pantheon 
deutscher jetzt lebender Dichter und in die 
Belletristik eingreif ender Schrif tsteller 

(Helmstadt 1823. Fleckeisen. 8«) S. 361. - 
N e a 1 i s. Curiositaten und Memorabilien» 
Lerikon von Wien (Wien 1846, gc . 8".) 
Band I I , Seite 410. — Salz burg er 
Kirchenblatt, 1856, Nr. 33. 33, 38, 39: 
„Zacharias Werner". — Dasselbe, 1856. 
Nr. 43 A Nachtrage zu obiger Biographie mit 
naheren Angaben iiber zwei Freunde Wer» 
ner's. und zwar iiber Antonin Franz oni 
und Franz Xaver SchmiB . — Schiitz. 
Biographie und Charakteristik Werner's im 
14. und 15. Bande der in Grimma 1841 

(8".) herausgegebenen „Ausgewahlten Schuf» 
ten Zacharias Werner 'u". —Stern (Adolf), 
Lerikon der deutschen Nationalliteratur . Die 
deutschen Dichter und Prosaiker aller Zeiten 
mit Beriicksichtigung der hervorragendsten 
dichterisch behandelten Stoffe und Motive 

(Leipzig 1882, bibliograpi) . Institut, br. 12".) 

S. 335. — Waitzenegger (Franz Joseph) . 

Gelehrten« und Schrif tsteller - Lexikon der 

deutschen katholischen Geistlichkeit (Landshut 

1822. Ios. Thoman. gr. 8".) Bd. Ill, 

S. 409-421. - Wiener Kirchen-Zei' 

tung von Sebast . B r u n n er, 1856, Nr. 79, 

80 u. f. — (Wigand's) Conversations' 

Zerikon, Bd. XV, S. 155 u. f. - t7a?-' s s 

A 5k. A ). Olirio. 9>ua inisosU. e3i>a,)-8 (1847), 

I , I». 85—145: „I,it6 aua A vritw A L o5 

A Vernor«. «) Zur Biographie. I n 

Zeitschrif ten und verschiedenen Wer» 

ken Zerstreutes. Archiv fur Litteraturgeschichte . 

Bd. V I , S. 233-249: „Neue 

Actenstiicke iiber Zacharias Werner's Priester» 

weihe". Von D i . Erich Schmidt suergl. 

auch die „ (Augsburger) Allgemeine Zeitung", 

1876. Nr. 316. Beilage). -Blatter fur 

literarische Unterhaltung, 1827. Nr 1 und 2: 

„Zur Biographie des Dichters Werner" A ein 

hochst interessanter Brief Werner's aus 

Konigsberg 1804) . — Dieselben, 1841, 

S. 360; „Ein Brief von Hitzig, Werner 

betref fend" . — B r u n n er (Sebastian) . Clemens 

Maria Hossbauer und seine Zeit. 

Miniaturen zur Kirchengerichte von 1780 

bis 1820 (Wien 1858, Braumiiller. 8".) 

S. 9. 111. 150. 151. 160. 176. 186. 187 

bis 191. 195 bis 1U8, 281 bis 3!2. Merner 

erscheint hirr immer als Friedrich 

Werner, wahrend er gewohnlich Zacha« 

Seite 139 



Wurzbach55 . txt 
r i a s Werner genannt wird; interessante 
Einzelheiten iil)er denselben.) — (5astelli 

( I . F. I)r.) . Memoiren meines Lebens. 
Gefundenes und Empf undenes . (Wien und 
Prag 1861. Kober und Markgraf. 8") Bd. I , 
S. 119 u. f. — Depping's Erinnerungen 
aus dem Leben eines Deutschen in Paris 

(Leipzig 1332) S. 2U1, auch nachgedruckt in 
den „Leipziger Lesef ruchten" 1832. Bd. I, 
S. 650.- „Zacharias Werner in Paris Oder 
das ist der Weg nach Rom" . — Grinne« 
rungen und Leben der Malerin Luise 
S e i d 1 e r Aus handschrif tlichem NachlaB 
zusammengestellt und bearbeitet von Hermann 
Uhde . Zweite umgearbeitete Auflage (Berlin 
1875. Wilh. Hertz. 8<>.) S. 26 und 27, im 
Text und in der Anmerkung. — Feier» 
stunden (Wien) , herausgegeben von Ebers» 
berg. 1835. S. 1316: „Schone Antwort 
Werner's". — 3 . A, Frankl's Sonntags' 
blatter. 1847. Nr. 3: „Zacharias Werner. 
Originalbeitrag zu seiner Charakteristik" . — 
Fremden ' B 1 a t t . Von Gustav Heine 

(Wien. 4°.) 1865. Nr. 252. l"Ueber die Auf« 

fiihrung einzelner Stiicke Werner's in^ 

Werner. Zacharias Werner, Zacharias 

Weimar.) — Gartenlaube. Illustrirtes 

Familienblatt (Leipzig. Nobort Keil, 4°.) I87o. 

S. 836, in I . Lowenberg's Aufsatz: 

„Dichtermuttcr " l^eine kurze zutreffende Cha« 

raktoristik dieser merkwurdigen, zuletzt unheimlichen 

Frau. die tiefen EinfluB auf den Sohn 

hatte) .— Graffer (Zranz) . Kleine Wiener 

Memoiren. Historische Novellen. Genrescenen, 

Fresken u. s. w. zur Geschichte und ' s harak» 

teristik Wiens und der Wiener in alterer 

und neuerer Zeit (Wien 184-2. Zr. Neck, 

8".) Vo. I , S. 141: „Ein Diner". - Der. 

selbe. Wiener Dosenstiicke (Wien 184«) 

Theil I, S. 12: „Wieder Einiges iiber 

F. 2. Z. Werner". — Derselbe. Neue 

Wiener Tabletten (Wim 1848) B. 5?: ,,-)ioch 

einige Ziige von Werner". — Gubitz' „Ge< 

sellschafter" . 1823. S. 138: „Neber Werner'5 

Tod und Testament". — Derselbe. 1826. 

Nr. 27 - 30: „Ein Gesprach mit F. 3. Z. 

Werner". Von E>. C. HerloBsobn ssehr 

interessant) . — Kolnische Z e i t u n g . 1864. 

Nr. 291. im Feuilleton in den „Erinnerung A 

blattern aus dem Leben einer deutschen Frau" 

ftber Werner's Aufenthalt in Jena mit 

einem Gedichte von ihm) . — Konigsberg 

in PreuBen und die Ertreme des dortigen 

Pietismus (Braunsderg 184t. Verlag von 

Otto Model) "enthalt interessante Einzel« 

heiten uber Zacharias Werner; Mehreres 

auch abgedruckt in Gubitz' „Gesellschaf ter " , 

S. 2 (><;). -Lang (K H.). Mrmoiren 

(1842). Bd. I I , T. 302. - Lebensbilder 
aus Oesterreich. Herausgegeben von Andreas 
Schumacher (Wien 1843, 8") S. "23: 
„Erinnerung an Z. Werner". Von Schu« 
macher, — Ioewe (Ios. Heinrich) . Johann 
Emanuel Veith. Eine Biographie (Nien 

Seite 140 



Wurzbach55 . txt 
1879. Braumiiller. 8".) S. 54 u. f. - Ma» 
gazin fur die Literatur des Auslandes, her» 
ausgegeben von I. 2ehmann, 1874, 
S. 583: „Ueber Werner". Von Wilh. Berg. 
— Oesterreichisches Biirgerblatt 

(Linz, 4«.) 1829, Nr. 30: „Schiller und Za< 
charias Werner". — Pape's „Iesef riichte" 
, (Hamburg, i A .) 1831, Bd. I I I , S. 363 A aus 
Werner's Leben) . — Dieselben, Jahrg. 
1832, Bd. II . S. 25 u. f . : „Erinnerungen 
aus dem Leben eines Deutschen in Paris" 
Mnzelnes aus Zach. Werner's Aufenthalt 
in der Seinestadt (1303—1811)). — Presse 

(Wiener polit. Blatt) 1863. Nr. 84. im 
Feuilleton: „Der Fastrnprediger Zacharias 
Werner". Von Emil Kuh l"ne ungemein 
interessante und psychologisch scharf sinnige 

! Charakteristik Werner ' s , die mit viel 

i Behagen und wenig Pietat viele ergotzliche 

A Einzelheiten erzahlt) . — Tchlesische Zei» 

i tung (Breslau, Fol.) i««3 . Nr. 492. im 

> Feuilleton Wer Werner als Correspon« 

5 denten des Berliner Theaters) . — Der 

Volksfreund (Wien« Partciblatt, Fol.) 

1863. Nr. 72. im Feuilleton: „Zacharias 

Werner" seine Abfertigung des Tchriftstel« 

lers Emil Kuh, anlaBlich einer ' s harakte« 

ristik W e r n e r ' 6 . welche K u h in der 

Wiener „Presse" verof f entlichte und die 

ein Gemisch von Dichtung und Wahrheit 

war) . — Der Wanderer (Wiener polit. 

Blatt) 186U. Nr. i)4. im Feuilleton: „Aus 

den Memoiren des Dr. I . F. (iastelli". — 

Z e i t u n g fur die elegante Welt, 1825. 

S. 302: „Werneriana" . — Dieselbe. 1823, 

Nr. 71. T. 562: „Werneriana" . 

X I I . Zu Werner's literarischer und personlicher 

Charakteristik. Blatter fur literarische Un> 

terhaltung, 1827 fauch Pape's „Lesef riichte" 

1827, Stuck 6. S. 94 . - Bremer Sonn« 

tagsdlatt . Rcdigirt von Pleher (4°.) 

182U. Nr. 51 und 52: „Zacharias Werner 

als Dramatiker" Von Tdad. Lau — (5a« 

r i n t h i a ( . A lagenfuvter Nnterhaltungoblatt , 

4".) 18611. Nr. 1!). H. !47. in einem lite« 

rarisch-krkischm Essay von Dr. Max Well« 

ner iiber Kleist. 5) e klenschla ger, Clll» 

lin.Aiillner und Grillparzer wird 

auch Werner apostropdirt , natiirlich mit 

ziemlicher Geringschat zung . — Deutsche 

allgemeine Zeitung, lt> A 3. Nr. 257, 

S. 2170: „Ueber die Auffiihrung seines 

„Luther"" sdiese Auffiihrung erfolgte nach 

der Biihneneinrichtung von Dingelstedt 

und mit der dazu comvonirten Musik von 

A. Riccius) . — Eichendorff (Joseph 

Freiherr) . Ueber die ethische und religiose 

Bedeutung der neueren romantischen Poesie 

in Deutschland (Leipzig 1347. Liedeskind, 

kl. 8".) S. 111-161. - Ersch und G r u . 

ber. Allgemeine Encyklopadie der Wissen, 

schaften und Kiinste. I . Section. 43. Theil. 

S. 230. Anmerkung: „Fefi>ler's »Urtheil iiber 

Wern°r's Dramen"; auch in ZeBler's ,,Ne» 

Seite 141 



Wurzbach55 . txt 
sultate meines Denlena und Ecfahrens" 

(Breslau 1826) S. 266. - F r a n kl (3. A.). 
Sonntagsblattcr . Red. und herausgeg. von — 

(Nien. Pfautfch und VoB . 8".) I. Jahrgang 

(1842) . S. 342 in „Literargeschichtliches von 
Franz Graf fer" . - Gottsch all (Rudolf). Die 
deutsche Nationalliteratur in der ersten Halfte^ 
Werner (General) Werner. Franz 

des neunzehnten Jahrhunderts . Literarhistorisch 
und kritisch dargestellt. Zweite vermehrte und 
verbesserte Auflage (Breslau 1861, Trewendt, 
8".) Bd. I , S. 218-231. - (Graffer's) 
Conversationsolatt . I I . Jahrgang (1320), 
Nr. 28: „Neber F. L. Z. Werner's Vorworte 
zu seiner „Mutter der Makkabaer"". Von 
Franz Graffer .— Dasselbe, Nr. 3 1 : 
„Ueber Nerner's „Mutter der Makkabaer"". 
Von Wilh. Hebenstreit. — Graffer 

(Franz». Historisch ' bibliographisches Bunterlei 

(Briinn 1324. 12«-'.) S. 219: „Ueber Heinrich 
von Collin, Werner, Grillparzer" . — Ham< 
burger Jahreszeiten 1833. Nr. 10. 
S. 308: „Schiller iiber Zacharias Werner". 
— Laube (Heinrich) . Geschichte der deutschen 
Literatur (Stuttgart 1840, Hallberger, 
gr. 8") Bd. I I I , S. 193 u. f. -Litera. 
tur.Vlatt (der Mitternacht . Ieitung) 1823. 
Nr. 69 und 7 1 : „Mullner's Urtheil iiber 
Zacharias Werner's „Das Kreuz an der Ost» 
see"". — Literarisckes Wochenblatt . 
Von A. uon Kotzeoue gegriindet . <820, 
Nr. 64: „Neber Werner's „Mutter der Mak» 
kabaer"" A cc. wie sich der Verfasser dieses 
Verdictes gegen Werner's Dichtung unter« 
zeichnet, schlieBt dasselbe mit den Worten: 
„Wohin soil dies Spiel der Erdenwurmer 
mit den Himmelsf unken fiihren? H i e r zu 
nichts, als die ganze Tragodie fur das heil» 
lose Spiel eines Irrwisches auf dem Sumpfe 
des Mysticismus zu erklaren." Ganz Kotze» 
bue ! ) — Mainzer Unterh altungs« 
b 1 a t t . 1840, Nr. 347: „Der Stoff zu Wer» 
ner's 24. Februar" . Von K. B e. — 
Menzel (Wolfgang) . Die deutsche Literatur 

(Stuttgart 1836. Hallberger, 12".). Zweite 
verm. Aufl.. 4. Theil. S. 219. - Neues 
Wiener Tag b 1 a t t . 1864. Nr. 67. im 
Feuilleton: „Kleine Culturbilder . Fasten* 
predigten und ihr Publicum". Von F. (ried» 
rich) S. (chlogl) . — Zeitung fur die ele« 
gante Welt. 1841. Nr. 168: „Ein Urtheil 
Hoffmann's iiber Werner" (aus D o r o w's 
«Denkschrif ten und Brief en") . 
Werner (Cellist) 
Quellen, Nr. 18". 

. 100, in den 

Werner (Zeichner und Lithograph) 

A S. 100, in den Quellen, Nr. 19". 

Werner (Grafund General) "S. 100, 

in den Quellen, Nr. 20". 

Werner Mzbischof und Kurfiirst 

von Mainz) j"S. 100, in den Quellen, 

Nr. 21". 

Noch sind von Tragern dieses Namens er« 

Seite 142 



Wurzbach5 5 . txt 
wahnenswerth : 1. Franz Werner (geb.zu 
Briisau in Mahren 1770. gest. urn 182U) . 
ein Kiinstler, iiber den uns leider nur sehr 
sparliche Nachrichten zu Gebote stehen. Beda 
D u d i k nennt ihn einen „Dilettanten" , wel« 
cher jedoch kraftig und genial malte, wie dies 
das Hochaltarbild in seinem Geburtsorte 
Briisau bezeugt, welches den „h. Bartholo« 
maus" darstellt. Die Bezeichnung „Dilettant" 
mochte aber nach N a g 1 e r doch nicht 
ganz zutreffen, da dieser meldet, daB Wer» 
ner seine Studien an der k. k. Akademie 
der bildenden Kunste in Wien gemacht und 

' sich dann in Briinn niedergelassen habe, wo 
er Bildnisse und Altarblatter malte. Von 
letzteren sind uns bekannt in der Briinner 
Diocese: in der Pfarrkirche zu Ooran das 
Hochaltarbild „der h. Wenzel". 1808 gemalt; 
— in der Tochterkirche zu Ketkowih „die 
h. Katbarina" auf dem einzigen Altar; — 
zu Tischnowitz in der Pfarrkirche wieder ein 
„h Wenzel"; — in der Olmuher Diocese in 
einer Pfarrkirche drei Altarblatter: „Johannes 
der Taufer", „Maria Hilf", „h. Florian" . 
sSchmidl (Ad. Dr.). Oesterreichische Blatter 
fur Literatur uno Kunst (Wien. 4°.) Jahrg. 
1844. IV. Quartal. S. 622. im Artikel von 
Beda D u d i k : „Kunstschahe aus dem Ge . 
biete der Malerei in Mahren" . — Naaler 

(G. K. !>!-.) . Neues allgemeines Kunstler« 

Lexikon (Munchen 1859. C. A. Fleisch, 

mann. 8") Band XXI, Seite 302. - 

2. Franz Werner (geb. zu Wien am 

7. Juni 1718. gest. zu Olmutz am 4. Fe« 

bruar 1738) . Derselbe tiat <7A4 im Alter 

von 16 Jahren in den Olden der Gesellschaft 

Jesu, bohmische Provinz, ein, in welchem er. 

im Lehramle verwendet, 13 Jahre Gram« 

matik. Dichtkunst und Philosophie, und zu» 

letzt neben diesen Gegenstanden durch drei 

Jahre auch Dogmatik vortrug. I m Druck 

verof f entlichte er: „i ' r"c-tll . tNL tksola^ious A <3s 

'"nFsiia" (Oloumeii i73«, 4".) . — »vs 

"ui-o st ao 5u5titia« (id. 1736, 4".) und 

„Ds 16Fidu8" (id. 1756, 4°.). Mensel 

(Johann Georg) . Lexikon der vom Jahre 

1750 bis 180U verstorbenen teutschen Schrift« 

steller. Ausgearbeitet von (Leipzig 1816, 

Gerh. Fleischer der Jiingere, gr. 8".) Bd. XV, ^ 

Werner. Franz A. 97 Werner, Iobann 

S. 22.) — 8. Franz Werner, ein ost . ' r> 

reichischer Rechtagclehrcrr aus der ersten 

Halfte des laufenden Jahrhunderts, der allem 

Anscheine nach in Graz lebte und Folgendes 

geschrieben hat: „Allgemeine ostelreich sche 

Geweibii' und Handelsgeset zkunde mit vorziiglicher 

<)tiicksicht auf das Herzogthum 

Tteiermark und "arnthen". 3 Bande (Gratz 

<82<; und 1827. 8".) und in Dr. Vincenz 

Aug. Wagner's „Zeitschrift fur 6sterrei» 

chische Rechtsgelehrsamkeit " : „ (Kriminalrechts« 

fall zur Erlauterung der §§. 123 und 12« 

1 . The.l des Tttaf gesetzbucheo" A 8 A «. Bd. I, 

I . 10 u. f A ; — „ (sriininalrechtof all zur Erlauterung 

Seite 143 



Wurzbach55 . txt 
des §, 168 und drs A . 178 lit. 2, 
des Straf geset zbuches I . Theil" sl831. Bd. I. 
S. 278 A und „lleber den MiBbrauch d> . r 
Amtsgewalt" "1831. A o. I 1 , T. 161 u. f. A . 
»» 4. Franz Werner (geb, zu (Koding im 
Hradischer Kreise Mahrens am 23. April 
1830. gest. in Wien 1. Mai 1870). Er t-at 
als Unterkanonicr in da A 2. Artillerie-Negiluent , 
besuchte aber zugleich in demselben die 
A adetenschule und kam 1849 als Lieutenant 
in das 16. Inf anterie-Regiment , aus der.'.« 
selben als A berlicutenant in das All. und 
18us als Hauptmann in das 5u. Infanterie« 
Regiment, in welchem ihn zwei Jahre spater 
im besten Mannesalter der Tod ereilte. 1818 
hatte er v A r Wien. 185U in der Tchlacht von 
Tolferino und 1865 '.n Danlmalk bei Beile A 
mutdig gekampf t . Ucderd eii war er auch rin A 
A ai:z tuchtiger Kijnstler in Pinsel und Meiflel, 
und sind von wm Lijndschaf tiibilder und Holzschnit zereien 
bekannt, welche sein schones Talent 
bekunden. — 3. Franz A . Werner, 

e A n osterreichischer Schrif tsteller , von dem in 
den Vier ; iger ' Iahren des laufenden Jahrhunderts 
zu Wien, Prag und Waraiidin ver> 

schicdene ideils oraniatische, theils touristische 
Werke im Drucke erschienen, deren Titel sind:. 
„Oestcrreichischer Theater . Almanach fur das 
Theaterjabr 1831>. mit 3 Bildnissen" (Pra A 
und Wien 18 A », 8".) . den er mit I . H. 
A G r im vereint herausgab und der nur diesen 
ersten Jahrgang erlebte; — „Dramatische 
Werke" 1. bis 3. Bandchen (Warasdin 1852 
und 1843 lLeip;ig. Kummer) 16".) . 1: Funf 
Brautwerber mn eine Braut. Lustspiel; 
2. Tas Brunner Rad. Volksmarchen nebst 
einem Vorspiele.- Tie Unterschrif t; 3: Die 
Vogelscheue. Lustspiel. Liebe und Treue. 
Drama; 4: Die Teerauberbraul-, dramatisches 
Gedicht; 3: Ter Traum, Scherzspul in 
2 Acten; — „Reiserouten durch Deutschland 
u Wurzbach, biogr. Lerilon. I A V. sGedr. 11. 
und di< angrenzenden Lander u. s w. (Wien 
18 A .. Wenedikt. i.i">; - sein ..Neueste 
alphabetisch ge A dnc:eo nat . lihistorischeS Bilder» 
muieum" . da A in Prag <84.j bei 3andtner 
,:u clscheinen beaann. ist Torso geblieben und 
nicht iiber d!e erste Lieferung reo nsten Bandes 
<Aa-Aff mi: 4 lilho.N', Tafelni heraus« 
gekommen. — 6. Friedrich Werner, ein 
geschickter '"lgclbauer d- . ' r Oumwart, der in 
Grak albeitet und im Auftrage t A 's Grund' 
besitzrrii Johann P r i B 1 fur die Pfarrkirche 
zu 3t . Bartdcloma an der Liekach. Decal'at 
Rein, eine A rqel mit 1<> klin A enoen Ttimnun 
rollendete, welche 11>7<> aufgestellt wurde, 
Di«» Disposition ; u dieser ilr A cl wurde v A n 
dem Domorgcmisten 3. 6. Tendier etn« 
worsen und von Werner tadellos uusge< 
fijt>rt. Das W'.'rk besteht aus zwei Manualen 
un> eincm Pedal tins 18 Tonen, A Kirchelisch 
muck. Beilage drs „Grahrr Volkoblatt" 
1870. 3. 3<) . A — ?. Georg Werner. e!n 
Arzt aus Ungarn, der urn die Mitce des 

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Wurzbach55 . txt 
sechzehnten Iahchunderta bluhte und die 
Mineralquellen Ungarns zum Gegenstande 
seines Ttudiums inachic, A r r> A rof f enilichte : 
nn A lnl A iiuln" (W.cn loul, A".), welches auch 
in TiZismund L i d e r ' s A l A 'ium >lo5cl>- 
vnui'urn < ' onuli ( . ' nU» . i ' j2 , " ( . A innt-r A ii, . ' ' lo67, 
4".), in An:. Pc ' ' sel . "> ! ii : ' v „>I ' A «, ! iiovia, " 
<< '»»i>.llla A j .;»'».! , 1 ' A ! . ) , in des Mariin Bro« 
{!-' UNie '-. f . 1600, 1'>I.) und in Ioh. Georg 
Tchwandtner ' s A s A ri A toi- A i, i-cruin Im»,- 
A a7ica, i-liln vi A i-ea" < Viuaodonao 174tl u f ) 
adgedructc ist, Oeorg Werner crscheirt 
aucl) als G. Wecnher. — 8. Iohlli»» 
Werner (gest. in Nicn am 22. August 
1868) . I n Rede Ltrhender. iiber dessen Bil« 
dungs« und ersten Lcbensgang wir nicht 
unterrichtet sind. wmoelc sich der technischrn 
Laufbahn zu und machte sich recht bald durch 
seine Tuchtigkeit so bemerkbar, daB wir ihn 
schon bei den Anfangen des Eisendahnbaueii 
in Oesterreich als Ingenieur thacig sehen. 1-48 
bis 18.11 leiteie er den Al-iibau der Prag' 
Dresdener Eisenbahn, dann ist er der Erbauer 
der Tr'Ncht'Nt'r Ke . tcnl . riicke, und unter seiner 
Leitung wurden aufierdem oie meisten bohmischen 
Eisenbahnen, sowie auch die .Kaiserin 
Elisabeth bahn auf Ttaatskoiten narirt. Durch 
den Verkauf cer Ttaatlciscnbahnen erlitt 
Marz 1887, A "? 

Werner, Joseph 98 Werner, Karl 
er sich dem geistlichen Stande und wurde 
Kleriker der Neusohler Diozese. Nach been« 
deten philosophischen und theologischen Stu» 
dien trat er als Erzieher in die Familie des 
Grafen G y u 1 a y . 1810 zum Professor der 
theoretischen und praktischen Philosophie an 
der Naabcr Akademie ernannt, erlangte er 
zwei Jahre spater die philosophische Doctor* 
wiirde, und 1834 kam er als Professor des' 
selben Gegenstandes an die konigliche Universitat 
in Budapefth. Im Druck sind ron 
ihm erschienen-. A I A ozie A (Naab 1821, neue 
Auflage 1333)- — „I A odolo A ia. emxvi-ica." 
(Raab 1827. 8".)-, - „ZletapnyLic A ei 
1 a 1 k i a a (Pvsth 1834, 8".)> s AA iloso- 
I ) k i 2 , i I A 11 I) ' lvm n nka k , d. i. Philosophische 
Preis schrieen (Pesth i83 A . 8".) 
S. Ild. A l — 12. Karl Werner, ein Wiener 
Arzt. der in der zweiten Halfle des vorigen 
und zu Beginn des laufenden Jahrhunderts 
lebte und zuletzt die Stelle eines niedercster' 
r< . ' ichischen Landschuf tsprotomedicus init dem 
Titel eines k. k. Natheb bekleidete. Als Fach. 
schrif tstellcr thatig, gab er in Druck eine 
„Apologie dcii Brown ' , chen Systemes der 
Heilkunde, auf Vl'nulnft und Erfahrung ge« 
grundet" 2 Bande (Wien 17<)i» und 1800, 
8".) . In dem von einer GeseUschafi von 
Wiener Aerzten 1801 dis ! 8»3 herausgege. 
dm<n „Gviunddeitu . Taschenbuch" , das wu 
bei I . G. Meusel komisch genug zum „Ge. 
sundheitstaubenbuch" entstellt finden, verof f entlichte 
er im Jahrgang 18« 1 die Abhandlung: 
„Von dem Einfliisse der Warme und 

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Wurzbach5 5 . txt 
Halte auf Erhaltung der Gesundheit und Hei« 
lung der Krankheiten" . Friedrich NaB mann 
in seinem „Pantheon deutscher jelzt lebender 
Dichter" (Helmstadt 1822. 8".) S. 661. lafit 
ihn in den Scchziger«Iahren deli uorigcn 
Jahrhunderts geboren sein und bezeichnet ihn 
ausdriicklich als Verfasser des Buchro: „L>)< 
rische Gedichte sammt >Dden aus dem Hora; " 
(Wien und Leipzig t78 A i. 8".) . Jener A a r 1 
Werner aber. der eine „Anleitung zum 
Selbststudium der Mineralogie" (Wien 1823, 
Bauer, mit 1 K-, 8".) hi ' rausgegeben . durfte 
doch eine van unserem Alzt und Poeten oer« 
schiedrnc Person sein. — 13. Karl Werner 
(gcb. zu Birthelm in Siebenbiirgen am 
28. Janner 1843) . Derselbe beendete die 
Gymnasialclassell in Mediasch 1803 und setzte 
dann seine Studien, die sich zuerst auf Theo« 
logie und Oe-schichte erstreckten, in Wien. 
Leipzig und Berlin fort. 1867 erhielt er ein 
Lehramt in Sachsisch ' Reen, von wo er 1869 
seine Thatigkeit eine Unterbrechung, indem cr 
mittlerweile, in minder wichtigen Geschaften 
Verwendung fand. bis ihm seine Ernennung 
zum Commissar bei der Generalinspection 
der Eisenbahnen ein neues Feld fur seine 
vielseitigen Erfahrungen eroffnete. Leider, so 
heiBt es in einem ihm gewidmete:: kurzen 
Nachrufe, wurden sein Talent und seine 
Kenntnisse nicht in d'.'m Mafle gewiirdigt, als 
sie es verdienten, und so ward zu fruhzeitig 
d-eser im besten Mannesalttr stehende tiich< 
tige Beamte und Ingenieur durch den Tod 
einem Amte entrissen, we'ch.m er stets zur 
Z'erde gereichte. sFre m den- B 1 a t 1. Von 
Gustao Heine (Wien, 4") 18U8, Nr. 232 
in den „Tagesneuigkei : en" ) . — 9. Johann 
Werner (gest. 180.) . Derselbe trat in den 
ritterlichen iDrdm der >Neuiherren mit dein 
rothen Scnne ein und widmete nch nach 
beendeten theologischen Studien der Seolsorgc. 
Nachdem er dann Dechant zu Karlsbad 
gewesen, wurde er zulel;t Propst in I 
A nlm. Die Iosephinische A A f klarungoperiode 
der Acht ziger»Iahre deii vorigen Jahrhunderts , 
zeitigte manches ganz absonderliche literarischc ! 
Ungethiim. geg:-n welches er i>i den zwei ! 
folgrndcn Schriften zu Felde -,oa: „Spate, 
adrr grundliche Anmerkun^eu iiber das An» ! 
kiindigungsblatt der GeiBel der Prediger" 
(Prag 1782. 8".) und „Moral der Alten. 
Ein Ve,trag zu den neuesten Erziehungs» j 
scbriftl'n" (Prag 1786. Sch^nfcld. 8".). - ! 
w. Johann Jacob Werner (geb. zu ! 
St, Gcorgoberg in der Hip2 17.»1>. gest. zu A 
Pleftburg 1789) . E.n ausgezeichneter prote- A 
stantischer Kanzelredncr des vorigen Jahrlnindertc 
». wirkte er alo Prediger der euan» 
grliichen Gemeinde zu Prcflburq. Ein Jahr 
vor seinem Hinscheiden erschien seine „Rede 
bei dem Danifeste wegen der Eroberung 
Belgrado" (Prefiburg 1789. 8".) im Drucke. 
Nach dem Tode N e r n e r ' ii gab I . M. Tc< 
kusch von dessen geistlichen Vortragen eine 

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Wurzbach55 . txt 
Auswahl u:ner dem Titel: „Auserlesene 
Predigten" (PrrBburg 17W, gr. 8".) nu ' t 
»viur Vorrede Hcrau5 . s A Meusel (Johann 
Georg) . Lerikon der uont Jahre I76u bis 
1800 verstorbenen teutschen Schrif tsteller 

(Leipzig. Herh. Fleischer, «° . ) Bd. XV, 
S. 28. — Portrait. Dasselbe besiiidet sich u?r 
den oben erwahnten „Auserlesenen Predig» 
reu" . ) — 11. Joseph Werner (Vcrner) 

(geb. in Ungarn am 16. November 1785. 
Todesjahr unbekannt) . Der Lohn eineo Leh» 
rc-r) an der Hauptschule zu Nrusohl. widmete^ 
Werner' 1 N. Fr. Z. c 

an das Gymnasium in Mediasch kam. Wo 
er gegenwartig oder ob er daselbst sich noch 
befindet, wissen wir nicht . Neber den Ort 
seines Aufenthaltes Wediasch stellte er histo 
rische Forschungen an und verof f entlichte in 
Gemeinschaft mit Dr. Rudolf T h e i 1 '"Band 
XI . IV, S. 200' 1 das „Urkundenbuch zur Ge» 
schichte des Mediascher Capitels bis zur Re« 
formaciun" (Hermannstadt 1870. 8".); ferner, 
und zwar allein.- „Die evangelische Pfarr- ! 
kirche in Mediasch", im Mediascher Gym» > 
nasialprogramm fur 187? und daraus als 
Festgabe fur den im genannten Jahre in 
Mediasch tagenden Landeskunoeoerein . die 
„Geschichte der zwei Stiihle unter W 1 ad 
i s 1 a u s und Ludwigll . , ein Vortrag, 
den er 1874 im Vereine fur Landeskunde zu 
Kronstadt hielt, und welcher im Vereins« 
archive, neue Folge, Bd. 'TU, S. 270 u. f 
abgedruckt ist. — 14. Ludwig Werner 

(geb. zu Gratz 25. Marz 1719, grst . in Wien 
7. Janner 1772) . Er trac im Alter von 
16 Jahren in den Orden der Gesellschaft 
Jesu, dessen Aufhebung er nicht mehr erlebte. 
Als Mitglied des Ordens beendete er in Wlen 
die philosophischen, zu Tyrnau in Ungarn die 
theologischen Studien. Nach abgelegten Ge> 
liibden fand er Verwendung im Lehramte 
und trug zwei Jahre zu Linz und Passau 
philosophische Disciplinen uor Da e:- aber 
eine nicht gewo A nl'che Neoncrgabe besaf ; , 
bestimmten ihn seine Obern far das Prrdjgtamt, 
das er von 1752 ab bis an seinen Tod, 
und zwar zuerst in A in; . oann zu Wien im 
OrdenscoUegium. endlich daselbst b>>i Sanct 
Anna ausiibte. Scic 1765 bekleidete er auch 
die Wtirde des Prases der Congregation. 
Von seinen Kirchen. — und Festreden sind 
mehrere im Druck erschienen, so unter anleren 
eine „Feftlobrece auf den h. Bonifarm' 1 . 
ersten El'zbischof von Main' 1 . Apostel der 
Deutschen und Martyrer" (Wien 1753. 4 " . ) ; 
— „Lobrede auf den h. Johannes Nepomuk" 

(ebd. 1756. 4".) und „Leichenrede auf Franz I. 
romischen Kaiser" (W.en 1?5<>, Fol.) . Die 
uns zu Gebote stehenden Quellen sprechen 
von mehreren dculschen und lateinischen im 
Druck erschienenen Predigten; andere als die 
obigen haben wir nicht verzeichnet gefunden. 
A Schmutz (Karl) . Historisch-topographisches 
Lerikon der Sleiermark (Gral; 1823, Andr . 

Seite 147 



Wurzbach55 . txt 
Kienreich. 8°.) Band IV, Seite 343.) - 
15. N . F r . Z. Werner. Unter diesem 
Pseudonym birgt sich der Wiener Schrift ' 
steUer Ios. O^hlinger . der Verfasser nach» 
) Weines 

stehender Schrift: „Der Komet in seiner 
naturblstorischen Bedeutung, nebst Vetrach» 
tunken iiber die natiirliche Beschaf f enheit des 
Kometen, seiner Bahn u. s. w." (Wien 1819. 
Tendll'r. gr. 8".) . Oehlinger "ab aber noch 
mehrere Necke, theils unccr eigenem Namen, 
theils unter oeischiedenen Pseudonyiuen her' 1 
aus . Unter seinem wahren Namen erschienen: 
. . Europaisches Panorama"; — „W.-lt'Pano« 
rama", dessen 5. Heft eine Beschn'du.' 1 vcn 
Wien cndalt; — „21, Ansichten und 'd A " 
schreibungen der vorziiglichsten Haupt- u, o 
Nesidenzstaste" ; — dann unter dem Pseud. - 
nym Johann Chr, Ewald.» „Ueber den Urn. 
gang Mit Kindern, nach den Grundsatzen der 
beriihintesten Padagogen und anderer Ge« 
ledrten" (Wien 1«22. Grulld, 8".); — unter 
dem Namen F. W. Heyne eine „Geschichte 
der Papste von Errichtung des h. Stuhls 
bis auf unsere neueste He t" (Wien 1832, 
Tender. 8".); — unter dem Namen I . G. 
Kohlwein : «C. ' nstantinopel und d^e Tiirken. 
Ein topographisches und ethnographisches 
Gemalde u. s. w. Mit 1 Ansicht" (Wien 
1822. Tendler. gr. 8".); — unter dnn Na-, 
mm I . G. Mistelbach: „Beobachtungen 
iiber die Winde und wren witterungubtstilu« 
m enden EinfluB u. s. w " (W en 1821, 
Grund. 8".); — endlich un.rr dem Namen 
I . A H . Steffeaii: „Tie grofle Sonnenf insierniB 
ini Iadre 18 A o. nebst allgemeinen 
und besonderen A »inerkungen iiber Tonnen ' 
und A tondsinsternisse. M'.t 1 Kupfer" (Wien 
1320. Tendler) . — 16. Paul Werner, ein 
Iiede A ompositeur der Gegenwart, der bereiw 
medrcre Kompositionen fur Oesang in Ham» 
bur A uno Nieu hat erscheinen lassen. Una 
sind daven bekannt : „Drei Lieder aus Franzchens 
Liederbuch von Hoffmann von 

Fallersleben . Fur 2 Sopran« und Allst." 
(Hainburg 1864) Oi ' . 4. - „Funf Kinder" 
Ueder uou Ho f f mann u. Wallers leb eu. 
Fur 1 Singst, mit P anodegleitung" Oz». 6 
A h A ) ; — „Gedichte des Madchens . Lieder» 
cyclus von I u 1 . Grosse". Fur 1 'Tmast. 
mit Pianof. A Ich bin gegangen iiber den 
Markt — Kaiserkronen — Konigskerzen — 
Du bist so kalt — Am alten grauen Stadt» 
thor — Weine Blumen hab ' ich begossen — 
'C's Hai geregnet) Op 7 (W.cn 18?2. Gott« 
haid) : — „2 Madchcnlieder . Fiir Singst, 
mtt Pianoforte" A 2oune, liebe Sonne — 
So hat noch Niemand mit mir Hrt'oan) 
(ebd. lk? A ) . Auo alien diesen AA inpositionen. 
welche d'.n Trn fliefiend u/ld natiitl'ch^ 
Werner 100 Werner (Erzbischof) 
behandeln, spricht ein beachtrnswerthes Ta» 
lent, das den Charakter der bieder in Tonen 
trcu wiedergibt. — 17. Thomas, auch I o> 

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Wurzbach55 . txt 
haun T b o in a s von Werner, Herr auf 

( A hotiinii ' - in Bohmen, ein Anhanger der bdh« 
mischen Briider und Verfasser eines in ihrem 
Geiste gehaltenen Andachtsbuches, betitelt: 
„Bereitung zum Tode" (Niirnberg 172?. 8") . 
das neben Sterbegebeten auch «iele Gebete 
an die Heiligen enthalt — 18. Ein Werner, 
dessen Taufnaiue sich nirgends ange» 

geben findet, ist ein bohmischer Violoncellvirtuose 
und Komponist, der im achtzehnten 
Jahrhunderte lebte und zu Prag 1768 starb. 
Daselbst dieuie er als Violinist anfanglich in 
der Theinkirche. dann bei den Jesuiten zu 
St. Nicolaus, darauf viele Ialve als Violon« 
cellist in der Kreuzherrenkirche . Zu gleicher 
Zeit stand er auch in Diensten des musik» 
liebenden Grafen M o r z i n , der sich an 
Werner's virtuosem Violcnccllspicle besonders 
ergotzte. Sein Ruf ale, Virtuose verschaffte 
ilnu meliere Schiiler, d^e ii?re letzte 
Ausbildung von diesem tiichtigen Kleister zu 
erhallen wiinschten, darmner den als be« 
riihmten Violoncellisten bekannten Prainonstratensrr- 
C>horberrn Emmerich Wenzel Pen 

' i k A Vd. XXil, 3. llttj . Werner war 

auch ein sehr fruchtbarer Komponist, der fur 

sr,n Instrulnrnt viele Concerte und alle 

Arten Solostiicke schrieb, d!e jedo6) nicht in 

den 3 ruck gelangten, sondern sich nur im 

A Ueise seiner Schiiler aiii Handschrift erhalten 

zu haben scheinen, A (v. ''iiegger's) Ltati, 

Vit von Bol-men. Heft X 1 1 , T.. 2i) A . iiu 

„Versuch eineo Verzeichnisses der vorziiglichsten 

Tonkiinftler in und auii Bohlnen" . Von 

Dlabal.'; A ! - /N - 19. Dann kennen wir einen 

geschickten Landschafter und uithu^raphen . der 

sich ohne Angabe d?s Taufnamens auf dem 

'"andschaf tobiloe : „Das Schiitterbad zu Ober» 

t2'itl bei linken im Hi'rzo A thum Talzburg" 

ciufack Werner nennt . Auf dieser nach der 

Natur auf genommenen . gM gezeichneten und 

s.iuder lithoaravhirten Landschaft — einem 

Quanblatte — ist weder Verleger noch Drucker, 

weder ein Verlagsort n>)ch eine Jahreszahl 

angegeben; doch durfte das B A Id in den 

Fiinf ziger-Jahren ausgefiihrt sein. — 20. Ein 

Graf Werner, dessen als kaiserlichen Artil« 

ler ' egeneralo Ludouiriin der unten genanten 

Quelle ssedenkt, diente unter dem 

Prinzen Eugen. Bei der Einnahme von 

(5arvi N01. welche dieser Feldherr aus« 

fiihrte, commandirte er das Geschiitz. I n 

den letzten Tagen des November genannten 

Jahres stand rr an d?r Tpihe eines ansehw 

lichen (5orps — von etwa t4.0U0 Mann — 

mit welchem er jenseits des Mincio sich aufstellen, 

uon dieser Seite Mantua einschlieBen 

und wenn moglich Goito nehmen sollte. Am 

1. September ward er von Eugen mit der 

Artillerie gegen Palbuino entsendet und war 

dann unter des Prinzen Commando bei der 

Belagerung uon Caneto mit thatig, (3s ist 

wohl derselbe Werner, den wir als Stuck ' 

obersten zur Zeit der Velagerunq Wiens 

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Wurzbach55 . txt 
durch die Tiirken 1682 unter Aefchl Star- 
hembcra's wiederholt ehrenvoll erwahnt 
finden, und drr bei dieser Belagerung auch 
eine Verwundung davontrug. A Ludovici, 
Schauplatz der allgemeinen Weltgeschichte drs 
achtzehnten Jahrhunderts . Bd. I, S. 21, 
A 8 u f , ; Vd I I , S. i A -l A »-. - Thur« 
deim (Andreas Graf) . Feldmarschall Ernst 
Riidiger Graf Starhemberg, 1N8 A Wien5, 
ruhmvoller Vertheidiger (Wien 1882. Braumuiier. 
gr. 8".) S. 33. !N. 1<)U)<I - 21. Auch 
sei hier Werner's, des Kurfijrsten und Crzbischofs 
von Mainz, in Kijrze gedacht, der 

init den Geschicken des Kaiserstaates zur, Zeit 
dessen Werdens innig verflochten ist. Ein 
SproB deii Geschlechtes der Grafen von 
Falken stein auii der Wette ran. deren 
Namen die Habsburger auf ihren Incognitoreisen 
anzunehmen licbeii. lvar er vor seiner 
126» erfolgten Wahl >um Crzb A schofe Dom» 
propst in Mainz gewesen. Als er sich, um 
das Pallium in Nom zu holen. durch die 
Schweiz dahin begab, gab ihm Rudolf, 
damals noch Graf von Habs b ii r g . der 
unruhigen Zeiten wegen durch die Schweiz 
das Geleite. Bei der infolge der inneren 
Wirren und der Machtlosigkeit mehrerer 
Zwischenr ' onigc herrschenden iDrduungs- und 
Gesel; losigke ' , t wahrend des Zwilchenreiches 
(1257—1273) lenkte (5r , ; bischof Werne r die 
Aufmerksamkeit der Kurfijrsten bezuglich der 
Kaiserwahl auf den Grafen von Habsburg, 
und als dieselben die BesorgniB nichl. uer» 
hehlten, daB ein Graf doch nicht die erforder« 
liche Macht besitzen mochte, um dem hcrr> 
schenden Unwesen zu steuern, ermudete er. 
der den Grafen genau kannte, trotzdem nicht, 
die Kurfijrsten zu dessen Gunsten zu stim« 
men und sie durch Vorstellungen von ihrem 
Widerstreben abzubringen. Endl ' ch gelang es 
ihm auch zum Heile des Neiches, das uuter 
Rudolf ' zu einer ungeahnten Machtfiille erstarkte. 
Ileberhaupt war Werner ein ebenso? 
Mernhardt, Paul lOt Wernhardt, Pnul 
weiser als streitbarer Kirckenfnrst; erbemach' 
tigte sich nach siegreichem Kampfe der Grafen 
von 2>pa n d ei m, als sie ihm in gercchier 
Sache Widerstand leisteten; vertrieb die 
I 1 1 d r n , als man si? beschuldigte, geweihte 
Hostien enldeiligt und Christenkinder ge» 
schlachtet zu baben, auu Mainz; ging den 
Erfurtern, alo sie die Geistlichkeit bedrangten, 
entschieden zu Leibe. I m Jahre 1284 starb 
er. den Nuhm eine5 groBen und weiscn 
Kirchenf ijrsten hinterlassend. sLebeniibe« 
schreidun> A aller Erzbischofe und (ihurfijrsten 
zu Mainz . 2 . 2 !>7 u, f . ) 
Wcrnhurdt, Paul Freiherr ( R i t t e r 
des Maria Theresienordeus und Gene» 
r a 1 der Cavallerie, geb . zu Po sing 
im PreBburger Comitate Ungarns am 
25». Janner 1776, gest. in Wien am 
18. September !846) . Der Sohn eines 
ungarischen Edelmannes, betrat er 1793 

Seite 150 



Wurzbach55 . txt 
als Cadet bx propriis bei Zeschwitz- 
Kiirassieren die militarische Laufbahn. 
Gleich im Feldzuge des nachstf olgenden 
Jahres, in der Schlacht bei Eateau, erregte 
er durch sein tapferes Benehmen 
die Aufmerksamkeit seines Obersten, Fur» 
sten Karl Schwarze nderq, ward 
Unteilieutenant bei Erzherzog Franz- 
Kiirassieren und wohnte den Schlachten 
bei Tourcoing, Tournay, d'harleroi und 
Fleurus, sowie der Belagerung von 
Landrecy bei. I n der Schlacht bei 
Stockach am 23. Marz 4799 brachte er 
mit einer Abtheilung seiner Kiirassiere 
den weit iiberlegenen Feind zum Weichen 
und trug hiedurch zum gliicklichen Aus ' 
gange des Kampfes bei. I n der Relation 
dieses Tages ruhmlich erwahnt, wurde er 
auBer seiner Tour zum Oberlieutenant 
im Negimente befordert und vom Feld« 
marschall ' Lieutenant Prinzen Hohenlohe 
noch in demselben Feldzuge in der 
Eigenschaft eines Generalstabsof siciers 
verwendet. Als solcher am 3. November 
1799 zur Beobachtung des Feindes bei 
Bietigheim aufgestellt, bemerkte er, daB 
die von Lochgau durch ein Defil" gegen 
Vietigheim vorriickende franzosische (5olonne 
mit Aufierachtlassung jeder Vor» 
sicht zur Deckung ihrer linken Flanke 
marsa>ire, daher in dem offenen Terrain 
daselbst mit Erfolg attaquirt werden 

konne, und griff sie sofort auf seine Verantwortung 
zweckmafiig an, wodurch die 

feindliche (Kavallerie ganz iiber den Hau» 
fen geworfen wurde. Der Generalissimus 
erkannte offentlich an, daB dieses gliickliche 
Gefecht des Hohenlohe ' schen (>orvs 
einen giinstigen EinfluB auf den Gang 
des Feldzuges genommen habe . Wern» 
h a r d i wohnte 1799 noch der Schlacht 
voti Ostrau, sowie mehreren Treffen bei. 
Im Sommer IHM) focht er bei Gutten» 
zell, Erbach, Donauworth, Neresheim 
u. s. w., ferner als Adjutant des Feld 
marf chall-Lieutenants Riesch bei Hohen» 
linden, Amsing, Salzburg und Lambacl>. 
<. A 1)4 wurde er auf Begehren des com" 
niandirenocn Generals in Mahren, Generals 
der Cavalleric L a t o u r , zu dessen 
Chevaurlegers ° Regimente transferiit, 
blieb jedoch fortwahrend bei dem Feld» 
marf chall«Lieutenant Niesch, den rr 
auch 1803 zur Armee in Deutschland begleitete, 
wo er mit gewohnter Auszeich» 
nung bei Giinzburg, Iungingeu, Elchingen 
und Ulm kampfte. Zum zweiten 
Rittmeister vorgeriickt, gerieth er mit den 
iibrigen in Ulm eingeschlossenen k. k. 
Truppen in Kriegsgef angenschaf t , ward 
jedoch auf Parole entlassen. Die Frie» 
densjahre benutzte er zu theoretischen 
Studien iiber seinen Stand und sendete 
1807, als Frucht derselben, dem Generalmajor 

Seite 151 



Wurzbach5 5 . txt 
Grafen Grunne einen Aufsatz: 
„Gedanken iiber Landesbewaf f nung" zu, 
dem dieser seine voile Anerkennung zollte. 
Spater verfaBte er auch ein „Memoire 
iiber zweckmaBige Abanderungen in dem 
Armee ' Pensionssysteme" und verschiedene? 
Wernhardt, Paul 102 Wernhardt. Paul 
kleinere militarische Aufsatze, welche, wie 
die „Bemerkungen eines osterreichischen 
Cavallerieossiciers iiber die Stellung der 
Officiere bei der Cavallerie", im Jahr 
gang 182! der „Militarischen Zeit 
schrift" Heft 8 erschienen. I m October 
1808 wurde Wernhardt vom Feld 
marf chall>3ieutenant Riesch zum ersten 
Rittmeister in dessen Dragoner>Regimente 
befordert, in welchem er das Escadronscommando 
bis zum Februar <81)9 fiihrte. 
Dann aber nach Wien berufen, kam er 
zum Generalquartiermeisterstabe, mit der 
Bestimmung in das Hauptquartier des 
Erzherzogs Karl . In dieser Stellung 
wohnte er den Treffen bei Landahut, 
Hausen und Regensburg bei. Vom 
Schlachtf elde von Aspern, wo er eine 
leichte Verwundung davontrug, wurde 
er mit der Meldung des erfochtenen 
Sieges an den in Wolkersdorf weilenden 
Kaiser gesendet, hierauf vom Erzherzoge 
weit auBer der Tour zum Major und 
gleichzeitig zum Fliigelad jutanten ernannt. 
Auch bei Baumeradorf o. Juli, 
Wagram 6. Juli. Korneuburg 7. Juli, 
Znaim 10. Juli und in mehreren Treffen 
noch kampfte er mit Ruhm. 18 10 wurde 
er als supernumerarer Major bei Sommariva 
» Kiirassieren, 1811 aber bei 
Hohenlohe - Dragonern als wirklicher 
Major eingetheilt. Bei Beginn des Feldzuges 
1818 in Deutschland zum Oberst 
lieutenant bei Hohenzollecn» Kiirassieren 
vorgeriickt, sah er sich bald darauf dem 
zum Inhaber dieses Regimentes er> 
nannten GroBfiirsten Konstantin von 
RuBland als Adjutant zugewiesen, dessen 
Vertrauen er sich schnell erwarb. I n der 
Schlacht bei Leipzig trugen seine Rath» 
scdlage die besten Friichte, daher wurde 
er nach derselben zum zweiten Obersten 
ini Regiments mit Belaffung in seiner 
Anstellung, befordert und mit dem russischen 
St. Annenorden zweiter Klasse in 
Brillanten geschmiickt. i 8 1 4 focht er bei 
Brienne und erwarb sich besonderen 
Ruhm in der Schlacht bei Arcis sur Aube 
am 2 1 . und 22. Marz, indem er durch 
geschickte Dispositionen und kiihn : Ausfiihrung 
derselben den Feind zur Rau> 
mung der Briicke zwang. Alle ihn hierbei 
zunachst Umgebenden wurden getodtet 
oder verwundet, ihm aber nur Hut und 
Mantel, von Kugeln durchlochert . I m 
August 18 16 erhielt er fur diese That 
das Ritterkreuz des Maria Theresien- 

Seite 152 



Wurzbach55 . txt 
Ordens . I n der Schlacht von Fere» 
champenoise am 23. Marz ! 8 1 4 bewog 
er den GroBfiirsten zu einer erf olgreichen 
Attaque im Riicken des Feindes, welcher 
demzufolge sich auf den Ruckzug begeben 
mufite. I n der Schlacht von Paris am 
39. Marz setzte er die Behauptung des 
Dorfes Pantin durch, wodurch der Besitz 
von Paris nicht wenig befordert wurde, 
und feuerte durch das Beispiel seiner 
Tapferkeit den Muth der Truppen an. 
Fur diese abermaligen Verdienste erhielt 
Wernhardt den russischen Militar« 
St. Georgsorden vierter Classe, den 
preuBischen Militar-Verdienstorden und 
das Ritterkreuz des bayrischen Max 
Joseph-Ordens . Nach Napoleons 
Riickkehr von Elba 18N5 zum General« 
adjutanten des Fiirsten Karl Schwar» 
zenberg ernannt, leistete er als solcher, 
namentlich eine Zeit lang im Militar» 
departement des Hof kriegsrathes, mit der 
Feder nicht minder wichtige Dienste, als 
in den Feldziigen mit dem Degen. Nach 
Schwarzenderg ' s Tode wurde er am 
5. Janner 1821 zum Regimentscomman» 
danten von vacant Klenau-Chevauxlegers 
ernannt. Schon 1 8 ! 8 war er in den 
deutsch - erblandischen Freiherren» und 
ungarischen Magnatenstand erhoben wor» 
den. Am 20. April !826 ward er zum? 
Meruhardt Paul 103 Mernhardt A Genealogie) 
Generalmajor und Brigadier in Pesth! 
befordert, wo er einen wahrend der Cho» i 
lera 1831 ausgebrochenen StraBentumult 
auf das umsichtigste beilegte, 1832 als 
Brigadier und Festungscommandant nach 
Salzburg iibersetzt und am 6. September 
desselben Jahres zum Feldmarscball- 
Lieutenant und Divisionar in Galizien 
erhoben. Am 8. Juni 1834 erfolgte seine 
Ernennung zum commandirenden Ge»! 
neral in Siebenbiirgen, mit gleichzeitiges ' 
Verleihung der Geheimrathswurde ' 4836 j 
verlieh ihm der Baiser das 3. Chevaux» 
leger-Regiment . Durch beinahe zwolf 
Jahre leitete der General nicht bios die 
Militaradministration in Siebenbiirgen 
mit ebenso viel Einsicht als Wiirde und 
Hraft, sondern wuBte durch feinen Tact 
im Benehmen gegen Jedermann sich auch 
die Achtung und Liebe der Besseren aller 
Stande und Parteien dieses Landes zu! 
erwerben; daher wahlte ihn der Land» A 
tag 1838 freiwillig zum Indigena von! 
Siebenbiirgen. Zur Feier seines fiinf» ! 
zigsten Dienstjahres im Jahre 1843 A 
wurde ihm von seiner Truppe ein Ehren- ! 
degen iiberreicht. Bereits war er zum! 
koniglichen Commijsar fur den Sieben» 
burger Landtag 1846 erwahlt, als eine 
schwere Verschlimmerung seines korperlichen 
Leidens ihn nothigte, urn seine! 
Versetzung in den Ruhestand einzukom- A 

Seite 153 



Wurzbach55 . txt 
men. Diese erfolgte unter der gleichzeitigen 
Verleihung des Charakters eines 
Generals der Cavallerie. I m August 
4846 reiste Freiherr Wernhardt nach 
Wien, wo er schon im September infolge 
einer Lahmung starb. Er-chatte 12 Feld» 
ztige mitgemacht, 3 Belagerungen, 
49 Schlachten und 36 grofieren Ge> 
fechten beigewohnt. Aus seiner am 

(>. Mai 4804 mit Maria Anna 
A 1 o i s i a Freiin Cerrinide Monte 
Varchi geschlossenen Ehe iiberlebten ihn 
zwei Sonne und drei Tockter, welcke 
sammtlich aus der Stammtafel erficht« 
lich sind. 

A efterreichische mili tarische Zeitschrift. 
Herausgegeben von 2chelQ iNien. 8".) 
Iabra, . 1847. Bd I I , 2 . 1 1 v u . f . - Hirtenfeld 

( I . ) . Der Militar-Maria Thrresien A 
A rden und seine Mitglieder <Wu>n <«'»?. 
Ttaatsdruckerei. 4".) Vd. I I , S, l:j<)4. <75<>. 
— Th u rh ei m (Andreao Graf) . Die Netter» 
Negimenter der k. k. osterreichischen .'lrniee 

(Wie'.? 18112. F. B. Geitler. A r. «" . ) 
Bd. I, 3. 7 A j. 7i 14 A >. 2< A . 2W. 212. 21:t. 
2117; Bd. 111,3. 217, 272. - (Derselbe). 
Licht« und Schattenbilder aus dem 2oldaten< 
leben und der Gesellschaft (Prag 187«, «° . ) 
3. 160 und 348. — Netter Nekrolog der 
Deutschen (Weimar 4 84«. Voigt, kl. ««.) 
XXIV. Jahrg. <!8i6) S. 821. Nr. 272. - 
A -riedenfels (Eugen v.) . Joseph Vedeus uon 
Tcharbecg. Beitrage zur Zeitgeschichte 2ieben> 
biirgens im neunzehnten Jahrhundert (Wien 
1877. Vraumullcr. A ,r. 8".) Bd. I , 3. n>6 
l)is 110. 161. i71». i?»; Bo. 11,3. !i6<». 

:t<»6, 406. 419. 

"ur Scncalagie der /reihcrreu von Wernhardt. 

Die Wernhardt sind eine ursprunglich un> 

garische Adelsf anulie . wenn A lelch sie Ivan 

N a On in seinem groBen Werke liber Ungamii 

Adelof ainilien (211», AA a :'<.,.! -1 . 1 : A g «'LHlaaai 1 ' xiinki ' ekke ! 

,'a ul-mx< ' ki ' Lnai nil) lHkl : a . 1) nicht 

anfuhrt. 1. Ttephan, der 3tannuvater der 

heurigen Wernhardt . focht unler 3 chwar» 

zenderg A egen die Tijrken und that sich in 

der ersten Halfte des siebzehnten Iadrhun« 

dcrts bei P A ipa und Kanizsa so bervor, daB 

er von dem kaiserlichen (5?mes Palatinus 

Florian Drosdowsky von Drostowilz 

clao. Nien i5. Februar 1621 einen Wappen» 

brief erhielt; ein Viertel j ahrhundert spater 

wurde er mit seiner Gemalin walBurga Vapitz. 

seinen uier 36dnen Jacob Grhard, Erhard 

Johann, Johann Stephan und W i 1 - 

helm Jacob und seinen zwei Tochtern 

Agathe und Dorothea van Konig Fer< 

dinand HI . s. 6. PreBburg 23. 3rptember 

1U46 in den ungarischen Adelstand erhoben. 

Welcher von den genannten vier 36hnen den 

Stamm fortpflanzte und ron welchem drr» 

selben Paul abstammt, ist nicht ersichtlich. 

Letzterer aber. dessen Biographie 3 . ial be« 

richtet worden, erhielt als Ritter des Maria 

Seite 154 



Wurzbach55 . txt 
Theresien - Ordens mit Diplom <ial'. Nien? 
Stammtafel der Freiherren mm Wernhardt. 
Stephan 1 1 i 
(is. 'ii Wavpenbricf) . 
Waldurga Aapilz 
N41, ungarischer ?loel) . 

Jacoli Erhard. Erhard Zohaun. Johann Stephan. Wilhelm Zacol,. Agathe. Dorothea. 
Paul') 18«8 Freiherr A S. 1 « 1 A 
geb . 23 Janner /7?li, -i 13. September 184tt 
Maria Anna Aloisia Freiin Ccrrini de Monte A larchi 
grb. 27. Juni 1784. 

"■//.. f f f . f 
Stephan Wilhelm ft" Zsabella Maria pauline Maria Anna Amalie Thcresc Siegmund 
August 

oeb. 26. Marz 18UU. A 17. AuauN !«<'.<». aeb. 7. Juni i807. geb, Nl . Juni 1«1<), 
aeb.18. Janner 1812. grb. 23. Janner «817. f. 

Charlotte Freiin von Kemul»») vm, Friedrich Dorsner von Dorninllhnl mn Jacol ' 
Zulina vm. Ludwig 
von Vyero-Monostor -<- A . September <8?i. Freilierr von Aaunnagh Freiberr Dcvaur 

geb. i?. Marz 18 A «. - A 6. Marz 1«39. t «0. Juni !848. >- 20. Mai 1861. 

~ r r • r r 

Anna Charlotte ' Paul Stephan 

i,eb. i u . October 1848. aeb. 2!». Qttober «84U. geb. ! i . December 1 8 A I . 

«eb. 2 1 . November 1«:»4. 

om. Oolgtr 

von Wrevenkop > CasteuskHeld. 

Eu ist nirgends ersichtlich, welcher der vier A 6hne Stephans der Vater 

des Freiherm Paul ist.? 

Mernhardt (Wappen) Mernischek 

6 November 1818 den ungarisch erblandischen 

Freiherren stand. - - 'i Des Freiherm Paul 

altester Sohn Stephan W i 1 h e lm (geb. 

26. Marz 18<><>. gest. 17. August 18<>i>) trat 

gleich seinem Vater in die Reihen der kaiser» 

lichen Armee, ward Hauptmann im 33. I n - 

f anterieregimente . 18 A 1 Major im Infantcrie- 

Regimmte Nr. 48. 184 :i Oberstlieutenant 

iin Inf llnterie ' Negimenre Nr. A 2 und 

184 A » Tdcrst und Negimentscommandant im 

Infanterie A legimen:e Nr. 4 1 . Im Jahre j 8 4 9 

war er Generalmajor in Siebenbiirgen, dann 

Militardistrirtacommandant in Temesv-lr, 

wurde in dieser Eigenschaft Brigadier in 

Tderesiopel und kam spater als solcher nack 

"l>estd im tl) . Armeekorps. 183! nach Wien 

im 1. Armeccorps . Zulelzt war er Feld A 

marschall>3ieutenant und Oberlieutenant der 

ungarischen Leibgarde, seit 183 A Inhaber des 

16. Inf antcrie ' Negiments . I n deli Jahren 

1848 und 1849 stand er als Oberst mit den 

beiden ersten Feldoataillons seines Regiments 

Nr. 41 als Besatzung in der Festung Te» 

mesvlir und erwarb sich durch seine tapfere 

Haltung wesentliche Verdienste urn die Er« 

Haltung dieses Platzes, wurde auch in Aner« 

kennung dessen mit dem Commandeurkrruzc 

des Leopoldordens ausgezeichnet , nachdem er 

friiher schon das Militar>Verdienstkreuz er« 

kalten hatte. Die Arcidt Temesvar aber ver« 

lie A dem tapferen Krieger ihr Ehrenburger« 

reedc. Freiherr T t e p h a n vermalte sich am 

20. Nooember 184? lnit Charlotte geborenen 

Zreiin, Acmen A j de Ever" > Noncstor (6t, 'b. 

Seite 155 



Wurzbach55 . txt 
17. Mar' 1 1821. gest. 6. Mar; 185U). 
welcher Ehe zwei Lohne Paul und Stepban 
und zwei Tochter Anna und Charl 
o t te (stehe die Stammtaf el) entstammen. 
Von den Tohnen widmete sich der altere 
gleich seinem Vater und GroBvater dem 
Waf f endienste in der kaiserlichen Armee und 
kam. nachdem cr im Oadeieninstituie zu 
Hainburg die erste militarische Ausbildung 
erhalten battc. im Jahre 1866 in die Wiener« 
Neustadter Akademie und aus dieser am 
1. September 187« als Lieutenant in das 
3. Hussaren ' Negiment . in welchem er zur 
Zeic als Rittmeister sich befindet, 
Wappen. Quadririer Tchild mit Herzschild. 
Dieser zeigt in Roth einen auf drei griinen 
Hiigeln rechcsgewendeten . aufrecht stehenden 
goldenen gekronten Lowen, der in der rechten 
Pranke hiebfertig einen Sabel, in der linken 
eine eiserne Tansche halt. Von den vier Fel« 
dern di ' u 2,chiid>a -,eigt 1 in Rotd erne goldene 
Tonne; A und :1 rine eiserne brennende 
Bombe im silbernen Grunde; 4 in Rotb 
einm silbernen Halbm'no. Auf dem 3cbilde 
ruht die <5reidermkrone, auf welcker diel gekronte- 
Tumirrl'elme sich erheben, Auli der 
Krone des mittleren wack5t "vi5a A n einem 
offenen A lu A e der goldene A iowe 1-ervor; die 
rechte Eeite des Fluors ist von 3'lber uno 
Roth qucr getheilt uno tragt auf ?er Tbeilungolinie 
einen achtspit zigen wechselnd schwarz 
goldenen Ttcrn; die linke Heile des kluges 
ist von Tchwarz u::d (.''old quer getheilt und 
ti aqt auf der Tbeilungslinie einen acktspit zigen 
wechselnd roth silbernen Ttern Auf den 
Kronen des rechten und linken Helmes erbeben 
sich vier hintereinander gestellte, auswanii abfliegende 
lange, spitzige, bwu . roth und silbern 
quer getheilte Z-abnen. Die Helmdecken sind 
sammtlich rechts schwarz mil Oolo. links 
roth mir Silber unterlegt. Schilddaltrr : 
zwei golden« Lowen. 

Portraits. Des Freiherrn Paul: Nadirun, ', von 
Liitgendorf aus dem Jahre I821>, Brustbild 
in 8". — Des Freiherrn 2tepdan.- 1» nut 
magyarischer Unterschrif t : «Il:lr.'. 'X'ertlkn-. 
uav. I'e8t>)r5'g s AA aaua A va-; A u, s, w. 
Ios iVtarastonni (lith,) <867. Gedruckt bei 
Nciffenstein und Rosch in Wien <4",) . 
— 2) Unterschrif t , Facsimile des Namens» 
zug?5: „V. Wernhardc" . Krieb iiber 1«38 
tlith.) . Gedruckt bei Ios. T t o u f s (Wien, 
Folio) . 

Andreas (Hraf Thiirbeini erwahnt in seinen 
„Gedenkblattern aus der Kriegsgeschichte der 
k. k. osterreichischen Armee" Bd. I I . T. 33. 
Jahr 1813 einen Joseph von Wernhard. 
der iin Jahre 181A als Oberstlieutenant des 
Dragoner-Regiments Nr. 7. Prinz von 
Lothringen sul, bei Dolitz am 18. October be« 
sonders hervorthat, indem er nut seiner Di« 
vision und eincr von Kronprinz-Kijrassieren 
Nr. 4 das von einer gegen diesen Ort vor» 
riickenden f ranzosischen Cavalleriecolonne de» 

Seite 156 



Wurzbach5 5 . txt 
drohte Geschiitz dadurch rettete, daB er sich 
rasch dem Feinde entgegenwarf , denselben 
zuriickdrangte und dabei mehrere Gefangene 
machte . 

Wermschek, Mann Jacob (Arzt 
und Naturf orscher , geb . im Thuroczer 
ssomitate Ungarns 1743, gest.^ 
Mernischek 106 Wernischek. 
zu Wien 18. Juli 1804). Die Studien 
beendete er in Wien, wo er nach Erlan« 
gung des philosophischen und medicinischen 
Doctorates practicirte. Als ge 
schickter denkender Arzt gelangte er zu 
Ruf und ansehnlicher Praxis und wurde 
Leibarzt des Erzbischofs und Cardinals 
Grafen M i g a z z i . Dabei war er in 
seinem Fache auch schriftstellerisch thatig, 
beschaftigte sich in seinen Muflestunden 
mit dem Studium der Naturwifsen 
schaften, vornehmlich mit Botanik, und 
gab folgende Schriften heraus: „ 
(Wien 1739, 80.) ; - 
ei " sebd. 1763 
Gerold, gr. 8 " . ) ; - 
"a" (Wien 

1764; 2. Ausg. ebd. 4766, Trattner, 
gr. 8".) ', - 
s" (ebd. 1763, Tratt ' 

ner, gr. 8 A .); — „Frage: Wcihrr rntatehrn 
die FllMrbrr" Vuruin 5ind die FrieLrltirber za 
zelten? Summt der ans A riahrnngen gezogenen 
Intmort" lebd. 1789, gr. 8".); - A Hss A 
as-' (ebd. 1783, Beck, gr. 8 A .); - 
5<3?/s?6?n« ?«.scis71cii ?2Hi«?-a' s 6" (ebd. 
1777, Trattner, gr. 80.); - 
s " I ' onii 2 (ebd. 

1780-1786, Beck, gr. 8".); - „Ve- 
Schreibung t>r5 rheumatischen Fiebers, Welches 
gegenwartig allgemein herrscht" (ebd. 1789, 
8".) . Was nun Wernischek als Botaniker 
betrifft, so ging er als solcher seinen 
eigenen Weg und versuchte die Pf lanzengattungen 
nach der Zahl der Blumenblatter 
zu bestimmen', doch griff dieser 
Versuch nicht durch, und sein Werk, obgleich 
in zweiter Auflage erschienen, ist 
heute vergessen' bedeutsamer aber war 
er als Arzt, da er als solcher die ErkenntniB 
und Heilung, der Krankheiten 
auf die Ursachen derselben zu begriinden 
suchte. Das empirische Verfahren, das 
leider immer noch so viele Aerzte einschlagen, 
indem sie bald nur die auBeren 
Erscheinungen beachten, bald nur speci» 
fischen Mitteln vertrauen und die Be> 
Handlung einer Krankheit mehr von 
deren Namen als dem eigentlichen Heilobjecte 
abhangig machen, geniigte ihm 

keineswegs, sondern er war ein sorgfaltiger 
Beobackter und wollte die Urfachen 
eines Leidens theils als vom Or« 
ganismus oder Mechanismus, von der 
Seele, von fremden Korpern und von 
der Natur herriihrend, erkennen, mit 

Seite 157 



Wurzbach5 5 . txt 
welch letzterer Benennung er den Grund 
der selbstandigen Lebensregungen, d. h. 
Alles bezeichnete, was von jeher in den 
Begriff der Naturheilkraf t zusammengef aJit 
worden ist. Doch meint die Fach» 
kritik, dafl er in seinem Werke: „>Ieaenai 
normll." (Richtschnur der Hei« 
lung), welches 1776 erschien, nicht liber 
das Allgemeine hinausgekommen und 
nur in neuer Zusammenstellung das 
zusammengef aBt habe, was vor ihm 
Boerhave und andere hervorragende 
Aerzte seinerzeit gelehrt hatten. Auch in 
seinem allgemein therapeutischen Werke 
) '15tslkg. ineaenai natur A is" (iiber 
das natiirliche Heilverf ahren) schlagt er 
die betretenen Pfade ein und verlaBt sie 
auch dann nicht, wenn bereits neue mit 
Erfolg eingeschlagen worden. Doch aber 
zeichnen sich seine Schriften durch eine 
ungemeine Klarheit der Darstellung aus, 
welche ebenso seine griindliche KenntniB 
und sein ausgebreitetes Studium bekun-^ 
Werschauer, Johann 107 Merlni 
den, als sie fur Aerzte, die nicht Zeit und 
Luft haben, selbstandig vorzugehen und 
zu forschen, gediegene und zuverlassige 
Handbiicher und Leitfaden waren. 
(De Luca) . Das gelehrte Oesterreich, Ein 
Versuch u s w. I . Bandes 2 Tbeil sNim 
i7?8. von Trattner. 1>") T. -i A li. - //o A an.v 
konii 1777, A .. I A 0L>Vt!, t>v.) I0MU8 H 1 , 
2 . 338. — NibNc»t ! > . eca li u n A » . r i e «, 
Iti A toriac! uaturaiis 6t, matkci) » . >05 . l A lliait 
A > 2 i u n >' e i A 0X8« 5 pr Di>. s 2 i 11 u )- c 
A nxi.t't' (Vater und Tuhn) ' . A uoa A esth <8?8. 
4".) Tp. 83<i. - Hirsches, (Bernhard I)?.). 
Kompendium der Geschichte der Medicin oon 
den Urzeiten dis auf die Gegenwart, mit 
besonderer Beriicksichtigung der Neuzeit und 
2er Wiener Tchule. Zweite umgearbeitete 
und vermehrte Auflage (Wien i8U2. Brau» 
miiller gr. 8") S 282. 
Werschauer, Johann (oechischer 
Schriftsteller, geb . in Bohmen 
im lehren Viertel des vorigen Jahr» 
Hunderts, Todesjahr unbekannt) . Ein 
naher Verwandter Bernhard Anton 
Wersckauer's A siehe den Folgenden A 
-) iach beendeten philosophischen Studien 
erlangte er daraus die Doctorwiirde und 
wurde 1808 Lehrer der oecbistben Sprache 
und Literatur bei mehreren Erzherzogen 
des kaiserlichen Hauses. I n der Folge, 
4814, erhielt er eine Professur dieser 
Gegenstande in der k. k. Ingenieuraka» 
demie zu Wien, befreundete sich mit den 
hervorragenden Vertretern der bohmischen 
Literatur und betheiligte sich als 
Mitarbeiter an verschiedenen oechischen 
Zeitschrif ten jener Tage, wie an den von 
Kramerius herausgegebenen 7, A 02- 
6", spateren „Oiz. kl-. 
A " , an Hromadko's A Vi 

Seite 158 



Wurzbach55 . txt 

" u. a.; auch war er vornehm^ 

lich fur Verbreitung oechischer Biicher 

thatig und im Jahre 1814 einer der 

energischesten Agitatoren fur Einfiihrung 

des oeckischen Gottesdienstes in der 

Wiener Kirche U. L. Frau Maria am 

Gestade, zu welcbem Zwecke er in Wien 

und auswarts zahlreia-e Beitrage sammelte. 

— Zugleich mit Johann Werschauer 

war dessen Verwandter Srrnhard 

Anton, welcher die theologischen 

Studien beendete und 1790—1800 als 

Feldcaplanbei (5oburg»Dragonem d.ente, 

einer der eifrigsten und eindringlichsten 

Forderer zur Neubelebung der oechischen 

i Sprache und Literatur Anfangs des 

laufenden Jahrhunderts . Gr stand in 

f reundschaf tlicher Verbindung mit den 

ansehnlichsten oechischen Schrif tstellern 

jener Tage, mit den beiden Kramerius, 

N e j e d 1 i , Novak, Prochaska, Puch» 

maier, R u 1 1 k , Tomsa und Anderen 

und entwickelte eine rastlose Thatigkeit 

fur Verbreitung oechischer Biicher und 

Zeitschrif ten . Wann er und sein Vetter 

Johann das Zeitliche segneten, wiffen 

wir nicht . 

Wersin, Karl (Professor der Me- 

chanik und Physik am Prager poly» 
technischen Institut, geb . zu Falkenau 
im Elbogener Kreise Bohmens 1803) . 

Er kam friihzeitig mit seinen Eltern nach 

Eger, wo er das Gymnasium beendete. 

4819 bezog er die Prager Hochschule und 

wendete sich dein Studium der Rechte 

zu. 1824 jedoch gab er dasselbe auf, urn 

sich ausschlieBlich den mathematisch physicalischen 

Wissenschaf ten zu widmen, die 

er schon friiher immer mit Eifer betrieben 

hatte. Er machte nun die Rigorosen aus 

der Physik und Mathematik, horte am 

Prager Polytechnicum Steinmann's 

Vorlesungen iiber Chemie und bewarb 

sich urn ein Lehramt aus erstgenannten 

Gegenstanden . 1824 wurde er Adjuncr 

dieser Facher an der Prager philosophischeu 

Facultat. Nachdem er als solcher? 

Werthen«, Franz 108 Werthen«, Franz 

vier Jahre gewirkt hatte, , supplirte er die' 

durch die Berufung seines Lehrers Hal» 

laschka nach Wien erledigte Ahrkanzel 

der Physik in Prag durch zwei Jahre 

und ward 1834 wirklicher Professor 

dieses Faches am k. k. Lyceum in Linz. 

1836 erfolgte seine Uebersetzung als Pro» 

fessor der Mechanik und Physik an das 

standische polytechnische Institut in Prag, 

wo er noch 1860 thatig war. 1844 

unternahm er eine Neise nach Norddeutschland, 

urn die Einrichtung aus» 

wartiger technischer Lehranstalten kennen i 

zu lernen, und besuchte dabei die In» ! 

dustrieausstellung in Berlin; dann reiste 

er auf Kosten des bohmischen Landes ' 

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Wurzbach55 . txt 
ausschusses 1831 und 1833 zu den Weltausstellungen 
in London und Paris, bei 
welchev Gelegenheit er auch zahlreiche 
industrielle und technische Anstalten besuchte. 
I m Buchhandel hat er nichts 
herausgegeben, dagegen mehrere Aufsahe 
in der encyklopadischen Zeitschrift 
des bohmischen Gewerbevereines ver« 
of f entlicht . Er war Mitglied der k. k. 
patriotisch-okonomischen Gesellschaft des 
Vereines zur Ermunterung des Gewerbsgeistes 
in Bohmen und des k. k. 
osterreichischen Ingenieurvereines . 

Poggendorff (I . <L.) . Biographisch . liiera . 
risches Handworterbuch zur Geschichte der 
eracten Wissenschaf ten u. s. w. (Leipzig t81»3. 
Ainbr. Barth. qr . 5".) Bd. I I , Sp . 13N2. 
Portrat. Lithographie (Prag 181; 0, Farsky., 
kl. Fol, ) . 

Wertheim, Arnold siehe: Wertheim, 
Wilhelm '"in den Quellen. S. 110, 
Nr. 1) . 

Wertheim, Franz Freiherr v. (GroB» 
industrieller, geb . zu Krems im 
November . 1818 , gest. in Wien 3. April 
1883) . I n ganz untergeordneten Ver» 
Haltnissen geboren, genoB er in der 
schule seiner Vaterstadt den ersten Unterricht. 
Nach Einigen hatte er als Lehr» 
bube sich fur ein Handwerk bilden sollen, 
nach Anderen aber sei er, nachdem er die 
unteren Classen beendet, nach Wien gegangen, 
habe dort das polytechnische 
Institut besucht und sich in demselben 
fur den Kaufmannsstand ausgebildet. 
18 Jahre alt, nahm er dann das 
Wanderbimdel auf die Schultern und 
durchpilgerte Deutschland, Frankreich und 
England, iiberall mit offenen Augen das 
Wichtigste, was ihm fur seine Zwecke 
pafite, schauend. Nun kehrte er heim und 
errichtete 1841 mit seinen eigenen kleinen 
Ersparnissen und einem geringen vaterlichen 
Erbe in Krems zunachst eine Wer5 
zeugfabrik. Mit den Werkzeugen, diesen 
eigentlichen Elementen des Handwerkerstandes, 
bahnte er sich den Weg zu den 
Reichthumern, die er spater erwarb. Mit 
der kleinen Werkzeugf abrik in Krems 
schuf er sich die Welt der Arbeit und 
Industrie, mit der er spater eine wahre 
Machtstellung in der osterreichischen Gewerbewelt 
einnahm und bis an seinen 
Tod behauptete. Wir sind auBer Stande, 
die einzelnen Phasen dieses thatigen 
Lebens zu verfolgen, so lehrreich eine 
solche Darstellung fur Alle sein miJBte, 
die berufen sind, auf dem goldenen 
Boden des Handwerkes zu wandeln, 
weshalb auf die reichen Quellen, die 
dariiber ziemlich ausfiihrlich berichten, 
hingewiesen werden muB . Schon im fol» 
genden Jahre, 1842, kaufte er die 
Wiener Werkzeugf abrik von Grub er, 

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Wurzbach5 5 . txt 
dann eine zweite in Scheibbs und begann 
zugleich durch Errichtung eines Galanteriegeschaf tes 
in Krems den Grundstein 

zu legen zu seinen spateren groBartigen 
Unternehmungen . Die G r u b e r'sche 
Werkzeugf abrik hatte er indessen vollig 
umgestaltet und die Zahl der Arbeiter^ 
Mertheim, Franz 

verdoppelt. Schon auf der Industrie A 
ausstellung in Laibach 1844 errang er 
die silberne Medaille, und auch auf der 
im folgenden Jahre abgehaltenen ln« A 
dustrieausstellung zu Wien trug er die- ! 
selbe davon . Die damals preisgekronte ! 
Werkzeugausstellung erwcnv Kaiser Fer< > 
d i n a n d fur das Wiener polytechnische ! 
Institut. Bei dieser Gelegenheit erhielt A 
Wert heim auch den Titel eines k. k. ! 
Hof« Werkzeugf abrikauten . 1846 uber- A 
siedelte er nach Wien, wo bald der Auf' i 
nag an ihn erging, fur das technische A 
Cabinet des Kaisers Ferdinand, der! 
bekanntlich fur Technik und was damit 
in Verbindung stand, sich sehr interessirte, A 
eine groBe Sammlung von Werkzeugen! 
herzustellen . Auch das kaiserliche Museum A 
in St. Petersburg lieB urn diese Zeit ! 
von ihm zum Gebrauche der technischen 
Schulen eine aus 883 Stuck bestehende 
Werkzeugsammlung anfertigen, wofiir 
ihm nebst dem f estgestellten Ankaufs» > 
preise vom Kaiser Nicolaus die groBe A 
goldene Medaille fur Industrie zum! 
Tragen am breiten Bande des St. Annen- A 
ordens verliehen wurde, A miner mehr A 
und mehr vervollkommnete Wertheim 
seine Anstalten und die in ihnen gear- ! 
beiteten Erzeugnisse, so daB ihm die, 
Jury der Industrieausstellung zu Linz > 
1847 die goldene Medaille zuerkannte. A 
Aber nicht allein vervollkommnete er auf A 
die sorgf altiaHe . Wele dle^St^-^mv' 
Holzwerkzeuge, sondern, d A e praktische 
Seite nie auBer Acht lassend, bezeichnete 
er zum Behufe der technischen Studien 
jedes einzelne Werkzeug mit dem rech» 
Nischen Fachnamen. Jede neue Ausstel» 
lung zeigte einen Fortschritt und erwarb 1 
ihm neue Siege: auf der Leipziger 
Industrieausstellung 1830 erhielt er die 
silberne Medaille; die Jury der Welt, 
ausstellung in London 18">1 erkannte 
ihm die erste Preismedaille zu, und in 
Wiirdigung seiner von technischer Seite 
fur die Theorie des Handwerks geleisteten 
Dienste verliehen ihm Kaiser 
Franz Joseph und der Prinz Rrgent 
von Baden die goldene Medaille fur 
Kunst und Wissenschaf t , l. A 2 griindete 
er nun im Vereine mit < A . Niese die 
erste osterreichische Fabrik fur feuer« und 
einbruchsichere Kassen und Sa>riin?e, und 
vom Griinduugs jahre bis zum 13. Marz 
!8i)l), also innerhalb N A ahre, stellte die 

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Wurzbach5 5 . txt 
Fabrik die respectable Zahl von 20.000 
Kassen und Schranken fertig. Gleich im 
ersten Jahre nach Errichtung dieser 
Fabrik wurde auf Veranlassung der k. k. 
Ministerien des Handels und der Fi° 
nanzen eine commissionelle ' Feuerprobe 
der Erzeugnisse vorgenommen, deren ErgebniB 
so iiberaus giinstig ausfiel, daB 
die Ministerien die (finfuhruna, dieser 
Cafsen bei alien k. k. Aemtern anordneten. 
Durch die Verbesserung des amerikanischen 
Sicherheitsschlosses von ''Jell 
in Philadelphia ist nicht nur die absolute 
Unauf sverrbarkeit mit einem anderen 
Schlussel oder wie immer Namen haben« 
den Instrumente cd A r irgend einer sonfti» 
gen me A anischen Einrichtung sichergestellt , 
sondern eine sehr sinnreiche Combination 
hat es ermoglicht, daB unter einer Mil« 
lion in der Werthh 
ein» 

gleichen, so daB es absolut un> 
moglich ist, daB irgend ein Wertheim' 
scher Schlussel eine Kasse, fur die er nicht 
bestimmt ist, offne. Der durch irgend 
einen Umstand in Verlust gerathene 
Kassenscbliif f el ist daher fur den Finder 
absolut werthlos. Das Eigenthum des 
Verlusttragers aber sowohl als das aller 
anderen Kassenbescher ist geschiitzt, da 
auBer dem Chef der Firma Niemand 
weiB, welche Kasse mit dem betref f enden? 
Wertheini, !) Franz 

Schlussel anfsperrbar ist. Wertheim 
deponirte im Jahre <867 auf der Pariser 
Ausstellung Einhunderttausend Francs 
fur die Aufsperrung einer seiner Kassen 
ohne Gegeneinsatz dessen, der den Versuch 
wagen wollte, und obgleich hervorragende 
Capacitaten aller Lander, namentlich 
Englands . Frankreichs und 
Amerikas wahrend der Ausstellung den 
Versuch machten, gelang es doch Niemandem, 
eine Wertheim' sche Kaffe 
zu offnen. Indessen machte auch die 
Werkzeugf abrik ununterbrochen Fortschritte, 
und die Vortref f lichkeit der Erzeugnisse 
veranlaBte deren Aufnahme in 
die beriihmtesten Museen und Institute 
fur Technik. So befinden sich, auBer in der 
sawn erwahnten Sammlung im Wiener 
Polytechnikum und in St. Petersburg, 
Wertheim' s Werkzeuge im Oonsei — 
vHtoii-6 iinporiais aos ai-ts et niotiorL 
in Paris, in Niirnberg, Meiningen, Turin 
und in Athen. Die gewichtigste Anerkennung 
aber wuide ihnen zutheil durch 
die Aufnahme in das Kensmgton-Museum, 
welches groBartigste industrielle 
Institut in der Welt nur die besten, vor> 
ziiglichsten und hervorragendsten industriellen 
Leistungen der Gegenwart sammelt. 
Zu dieser Sammlung aber gehort 
ein von Wert heim zusammengestellter 

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Wurzbach5 5 . txt 
Leitsa ,/N «, .betitelt: „Werkzeugkunde ; nm 
Gebrauche tiii- technizchr H.rljlan2tn ten, Gisen» 
bahnen, Schiffbau und Hnduztliegiurn' 1 ul5 
Cischlkr, Nrrch2!rr, Fuzzbinder, Modelleur! und 
Mechllniker. 45 sluli.) _sllliotllieln, lloncin "7 im 
Fllrbenvnck mit 1081 Figuren und erlauterndem 
Crit« Mien 1869, Gerold, gr. 4".. 
VIII und 62 S.), der gleichzeitig im 
namlichen Verlag mit f ranzosischem Text 
erschien. Auch nach anderer Seite richtete 
W e r t h e im seinen schopf erischen Blick. 
Er ubernahm die Leitung der Knep> 
per'schen Buntvapierf abrik und brachte 
dieselbe auf eine hohe Stufe der Ausbildiing, 
schuf aber auch da Neues, indem 
er die Cigaretlenpapierf abrication nach 
Oesterreich verpflanzte und der Fabrik 
eine solche Ausdehnung gab, daB taglich 
zehn Millionen Blatter erzeugt wurden. 
Die ungeheueren Summen, welche bis 
dahin ins Ausland gingen, werden seit« 
dem dem osterreichischen Vaterlande productiv 
erhalten. Die Zahl der goldenen 
und silbernen Medaillen, welche Wert> 
heim fur seine industriellen Leistungen 
auf den verschiedenen Ausstellungen des 
Continents erhielt, iibersteigen wohl ein 
Viertelhundcrt . Wie mannhaft er die 
osterreichische Eisenindustrie auf der Londoner 
Ausstellung 1863 vertrat, wird 
S. Ill bei der Beschreibung des Ehrenpocals 
erzahlt, welchen ihm die steinschen 
und oberosterreichischen Gewerken 
aus diesem AnlaB verehrten. I m Jahre 
1869 wurde er von der Regierung auf 
die Ausstellung in Amsterdam gesandt, 
darauf zur Eroffnung des Suezkanals 
nach Aegypten, wo er auch an dem damit 
verbundenen ssongrefi handelspolitischer 
Kapacitaten aus aller Herren Landern 
Theil nahm. 1871 ging er als osterreichi' 
scher Commifsar zur Londoner Industrie» 
ausstelluna, und erhielt nach seiner Riickkehr 
von Kaiser Franz Joseph den 
Orden der eisernen Krone zweiter Classe, 
mit dem statutenmaBig der Freiherren» 
stand verbunden ist. Wer zahlt sie alle 
die Orden, Auszeichnungen und sonstigen 
Ehren, die er im Laufe der Jahre erhielt? 
AuBer Oesterreich verliehen ihm 
Hannover, die Tiirkei, der Papst, 
Bayern, Perfien. die Niederlande, Baden. 
Frankreich. Norwegen und Schweden, 
Portugal, Belgien und RuBland 
Commandeur» und Ritterkreuze ' dann 
war er Mitglied der Landesvertretung 
fur das Vrzherzogthllm unter der Enns,f 
Merchcim. Franz Wcrtheim 
Ehrenbiirger der Stadt Krems in Nieder» 
bsterreich, von Steyr in Oberosterreich und 
des Marktes Neustift bei Scheibbs. Nach 
dem Berichte iiber die Wiener Weltalls» 
stellung 1873 beschaftigte Wert Heim's 
Werkzeugf abrik im genannten Jahre in 

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Wen 1 Dampfmaschine von 20 Pf erdekraf ten 
und 40 Hilf smaschinen, in 
Scheibbs 3 Wasserwerke von 130 Pferde» 
kraften mit 300-400 Arbeitern. Als 
im Marz 18tt9 die zwanzigtausendste 
Kasse in seiner Fabrik vollendet worden, 
veranstaltete er aus diesem AnlaB in den 
. Blumensalen zu Wien ein groBes Fest, 
an dem Gelehrte und Manner der Arbeit, 
Krieger und Diplomaten, Staatsmanner 
und GroBindustrielle . Vertreter der groBen 
Bankinstitute und einfache Handelsleute 
Theil nahmen, und damals widmete er 
dem Kranken» und Unterstiit zungsvereine 
fur bediirftige Arbeiter seiner Fabrik die 
Summe von 3000 fi. Als es nach seinem 
Tode bei Eroffnung des Testamentes sich 
ergab, daft von dem aus vier bis funf 
Millionen Gulden bestehenden Vermogen 
fur die Armen keine oder doch nur solche 
Betrage ausgesprochen waren, welche 
gegeniiber dieser groBen Hinterlassenschaf t 
kaum in Betracht kamen, so glaubte der 
Neffe und Erbe des Verblichenen fur 
diese Unterlassungssiinde eintreten zu 
sollen und wiederholt meldeten dann die 
Journale von viele Tausende betragenden 
Summen, welche derselbe zu humanen 
Zwecken widmete. Uebrigens wurde von 
Leuten, welche die Verhaltnisse in den 
Fabriken Wert Heim's kannten, versichert, 
daB derselbe bei Lebzeiten fur 
seine Arbeiter in jeder Hinsicht gesorgt 
und fur ihren und der Ihrigen Unterhalt 
ausgiebige und umsichtige Vorkehrungen 
getroffen habe . Zum Schliisse sei noch 
einer Composition erwahnt ' „Ecinne» 
rung an Krems . Phantasie fur Flote und 
Pianoforte", welcde 18?3 bei Sckrei» 
ber in Wien ersckien und einen Franz 
von Wert heim (ob es unser Fabricant?) 
;mn Verfasser hat. 

WeNl)cim's Elirtnpocal. Die dsterreichischen 
und steirischvn Sens A ngewerk ' . ' iiberreichten im 
Iadre j 8 ( » ; 1 Wert heim. der damals als 
Vircprasiocut der niedl ' rost A ' reichischen Han» 
delo» und Gewclbekammer oie Interessen der 
bewerbe maunbaft vertreten nnd ihren Kr« 
Zeugnissen aus der Londoner A. ' . 5stellung zur 
vrid'cntm (Haltung verholfen batte. zum 
Danke fur sein Vorkehrn einen silbernen 
Ebrenporal. Derselbe maB 20 Zoll in die 
Hohe und war eine auserlesene Arbeit des 
beruhmten Wiener Ateliers der Herren 
Mayerhofrr und Klinkosch. Die auf 
dem Deckel des Pocals drfindliche Portrat« 
ahnliche Gestalt ze'gt Franz Wert heim. 
wie er mit e!nec sieirischen Senfe vor d?r 
Jury der groBen Weltausstellung e'nen Hieb 
in eine Eifenplatte f iidrt . Diese Darstellung 
spielt namlich auf nachstehenden Vorgang an. 
Als das Ure ' sger ' . cht :n der Ausstellung zu 
den Sensen kam, welche aus aller Herren 
Landern nebeneinanderbangend auv den Glas« 

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fenstern beraussch ! mmerten, machten fremde 
Jurors d!e Bemrrkuna. daB steirisch«: Sensen 
w A ' ich in der Schneide und nicht immer verlafllich 
sind. Darcmf erwiderte Wertbeim: 
„Mit dem Anschauen allein ist es nicht au« 
gethan. Sensen und Sicheln gehoren zum 
Hauen und Schneiden und da weder Gras 
noch Stroh vorhanden, so nehmen wir Eisen» 
bleck." Grsaac. gethan. Tie steir'schrn Sensen 
fuhren zolltirf in das Vlech. okne selbst die 
mindeste Verlchung zu erleiden. Sensrn an» 
derer Lander brachten leine Wirkung hervor, 
und so war der Sieg unserrr steirischen 
Sensen entschieden. Die Platte des Bechers 
zeiat das Datum des obbesckriebenen Vor» 
ganges: „London 13. Mai 4 8 62". Auf drm 
Pocal aber steoen die Worte.- „Herrn Franz 
Nertdeilu. Ritter hober Orden. Fabriken» 
und Gewerkenbesiker . Viceprasidcnt der Wiener 
Handel skammer , von den Gewcrken der 
Sensenindustriellen Oesterreichs und Sreier» 
marks, ihrem edlen Vertreter auf der Welt» 
Industrie ' Ausstellunq zu London 18U2". Beschreibungen 
und Abbildungen des (5hreupocals 
brachten in sckonen Holzschnitten 
Wald Heim's „Illustrirte Zeitung" (Wien. 
?»ol.) 1 A , Kedlunr li>c.!l. Nr, 3». S ?"« und? 
Werthen« 112 Mercheim (Chargen) 
die „Illmtritte Leitung" (?e!p:.!g. I . A >. 
Webrr) 14 Februar 1563. Nr, 1024. 2. 117. 
(Qurllrn. Amtlicher K a t a 1 o g der Ausstellung 
der im Reichorathe vertretenen Konigreiche 
und Lander Oesterreichs. Weltausstellung 
187: ! in Wien (Wien 1878. Verlag der 
l A eneral-Dire A tion, i,".) T. 23 A . A lr 42 A . - 
Aren st ein (Ios. Prof. Oi-.), Oesterreich 
auf der internationalen Ausstellung 1862 
I m Auftrage des k. k. Ministeriums fur 
Handel und Volksw ! rth>chaf c (Wien 1862. 
Ttaatooruckerei, schin. 4".) T. XI.-XI A II, 
XLVII1,X1.1X, 60" j. <'.!><>. 624. 628-6.il. 

— Augburger Abendzeitung, 1881 j. 

Nr. 92. S. 3.— Biographisschea3e' 
r i k o n der Wiener Weltausstellung 187:;, 
Herausgegeben u?n Engel und Notter 
Nediairt von Heinrich Fraube rg er (N'r 
gr. 8") 2 12:i Lit Hoi; schn ' ttd ! ldnifi - 

(5rn A r (Wilhelm Z-ran; Prof Dr.) . Weltaus 
stellung 187 A in Wien. Beitrage zur Geschichte 
drr Gewerbe und Erfindungen Oesterreichs von 
der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts b!s 
;ur Gegenwart. Grste Neibe: Rodprodu< . ' t ! on 
und Industrie (Wien 187 !i, Vraumiiller, 
gr . 8".) S. W« un2 A 9 : ; — Ouide und 
SouvenwAlbum der Wiener Weltausstellung 
t87 A . Von Adolf Dillinaer und Aug, v?n 

(5onratho (Wien. j2".) S. 216 - 219 

— Neuer Freier Kikeriki . 1873. Beilage 
;u Nr. 26: „Fwnz Freiberr von Wert- 

Heim" . — Neue F r e i r Presse (Wirner 

polit Blatl) 188". Nr. 6(>81. Morgen» und 

Abendblati; Nr. 1)1»88. Morgen» und Abendblatt; 

Nr 6<)W. Morgenblatt (Testament); 

Nr. fts,<>2. Morssenblatt . — Neue Freie 

Seite 165 



Wurzbach55 . txt 
Zeicung sW'en. 1 1 . A v 1 ) 1871. Nr. 20: 
„Ein Feldmarschall der Industrie". — Neue 
illustrilte Zeitung sWien. Iamarski. 
kl. Fol.) XI. Iahrsiang. l A j April 188:1, 
Nr. 29, 2. 4s»3. — Die neuen V a i e r der 
GroBcommnn? Wien. Von Moriz V ermann 
und Fran; Eoenbach (Wien 1861. 
8«.) 3. 40. — P r esse (Wiener polit 
Blatt) 1835, Nr. vom 12. Juni: „Die oster' 
reichische Industrie auf der Pariser Welt' 
ausstelluna" ; 18UU. Nr. 7o, im Feuilleton: 
„Wertbeim's 20.000. Kasse". — Tagespost 
(Wiener polit. Blatt) 1861. Nr. 202. im 
Feuilleton — Wiener b urn o r i stisch e 5 ! 
Jahrbuch. Herausgegeben von Isidor Gaiger 
(Wien. t>°.) V 1 1 . Ial?rg. (1870) T. 1 1 : i . 
mit HolzschnittbildniB . — Wiener Theat 
er-Zeitung (W .ener (5onuer , ationsblatt ) 
Herausgegeben von Adolf Bauet le (Wien. 
kl. Fol.) 1833. S. 242.- „Industrielles " . - 
Wiener Zeitung . 186>». Nr. 26«: „Wiener 
i Industrie, II.". 

Portra.s Werthcim ' s . 1) Unterschrif t : „Baron 
Franz Wertheim" . ' Holzschnitt nach einer 
Zeichnung von F. N(eiB) in der „Neuen 
Illustrirten Zeicung" (We., . Iamarski. 
kl. Fol.) in der Nummer vom 13. April 
188ii. 3. 46 A > A sehr aynlich A . — 2) Lithographie 
(nach dem Leben) von A. Dau> 

thage (Wien, Fol.) Brustbild. — 3) Unterschr 
f t : „Franz Frcihcrr von We:theim". 
T i 1 b r r t «le!., Angercr und Gosch 
o!io!n. im „Wiener Kladderadatsch" . I . Jahrgang. 
10. November 187<; . Atr. 19. - 
4) Holzschnitt aus der A ' (»1) A(nst.) von 
R. Hempel in den „Wiener Plauderen" 
1873. Nr. 48. S. 226 A tedaillon-Brustbild. 
A - .,) Tak 6cl., Angerer (, -licinit, . Brustbild 
in d> . r Wiener Wrltauostrllungs Zeitung 
vom 6. Marz 1872. Nr. 2 A . - 6) Wert' 
heim mit Theodor und Wilyelm Niedel 
und Friedrich S c h u 1 t geze',chnet auf einem 
Blatte in vier Medaillons von K 1 i A im 
,,51oh' voin 21). April 1880, Nr. 35 mit der 
Ueberschrif t : „l A .'n Sieg der osterreichischen 
Industrie" . 

Clinrgen. Der Floh (Nienel W A 1;- und 2pott< 
blatt. Folio) III. Jahr,;., 2«. Mar; 18?1. 
Nr. 16: Ueberschrif t : „Der Feuerfeste". 
Wertheim'ii aua Fl.nnnnn unversehrt vor 
sich blickendes Brustbild. K 1 i c (a(.>I.) . — 
Derselbe. 24. Februar 1878. Nr. 8: „Das 
Hofopern « Repertoire auf der Hofopern- 
So!l»'e". Wertheim mit einem zweiten 
Herrn Arm in A in. Unterschrif t : „Maurer 
und Schlosser" . F. Gral? cicl. — Hu» 
moristis cd eBlatter.Von. A . A li A -. 
I I . Jahrg.. 1. November 1874. Nr.!»: Unter« 
schrift: „Franz Freiherr von Werthrini". 
W e r t h e im iiber und iiber. an der Brust, 
auf beiden Armen mit Orden bedeckt, halt an 
einem Tuche ein iiber Wasser auf tauchendes 
Kind sAnspielung auf die u«)N ihm bewerkstelligte 
Rettung eines Kindes, das nahe dem 

Seite 166 



Wurzbach55 . txt 

Ertrinken war/j — Dieselben. 16. Fe« 

bruar 1877: „Zur Affaire des Hofwechslers 

3eitner" . — Kaktus (Wiener Witz- und 

Spottblatt. gr. Fol.) 1874, Nr. 2 in der 

Rubrik: „Helden der Reclame". Zeichnung 

von D o n i b i . "Hinter W e r t h e im geht ei: 

Dienstlnann. der ihm — bekanntlich besaB 

Ersterer eine Unzahl Dekorationen aus aller^ 

Wertheim, Tlieodor j 3 Wertheim. Theodor 

Herren Landern — feine zahllosen Orden 

nachtrabt.) — Derselbe, !874, Nr. 9: 

„Logisches". sZu W e r t h e im bemerkt ein 

Pettelmonch, dem der Baron seine vielrn 

Ord?n zeigt, dafl ihm doch noch ein solcher 

fehle — na ulich ein Vettelorden. — Der Hi« 

k e r i k i . Humoristisches Volkublattt (Wicn. 

gr. A ".) IX. Jahrg., i8. Marz <869. Nr. j i : 

„Wio man Hausherr auf der RingstraBe 

wird" . — Der Kikeriki «Wiener Witzblatt. 

l,r. 4".) i873. Nr . 2: Ueberschr f 1 : „Wie die 

Diebe und Brandft fter von Baron Wcri> 

heim reden" . A Nertdeim steht am Fenster, 

unter welchiln zwei Strolche mit drohender 

Grbcrde zu ihm aufblicken . A F. Gratz 6u ! . 

- Wiener Punch. <6?1. Nr. 29.- „Zur 

Weltausstellung t8?3". sBaron Wert heim 

zeiqt Vesuchern der Aulftellung eine seiner 

einkruchsickeren lassen u A t der Bemerkung-. A 

er dabe dieselbe eigens nun Schuhe der! 

osterre ' chisan ' u Verfassung erfunden. Die Per« ! 

fiissun/z ronne nickt gestohlen werden und, 

auch nicht verbrennen so lan A e ste nanllich 

in der Kasse eingesperrt bleibt.) — Der 

Zeitgeist (Wiener Witzblatt, Fol.) 16?ss. 1 

Nr. 2 A .- A Galerie der MiBvergniif itkn" . ! 

A Nertbeim auf einer f euersicheren Kasse 

sitzei-d.) H i 1 o e r t 6si. A 

Werthem, F. M. siebe- Wertheim, 

Wilhelm A in den Quellen. L. N3, 

Wcrtheilll, Gustav, siehe: Werthcilll. 

Wilhelm ! > den Quellen, S. j 5 9 / 

Wertheim. I g „ ° ; , siehe- Wertheim,, 

Wilhelm ili" den Quelle», S. «2 . . , ! 
a i a i i i i 

Wcrtheilll, Ignaz Joseph, siehe:' 

Wertheim, Wilhelm sin den Quellen, A 

S. 120, Nr. "> A . A 

Wertheim, Otto, siehe: 

Wilhelm » den Quellen. S. j30. ! 

Nr A , | 

'Wertheim, S«ms°n, siehe: Wetthti ! 

mer, Eamso, . 1 ia de . , Q.ellen. S, <30), A 

Wertheim, Theodor (Naturfori 

scher, geb . in W i e n am 24. December I 

v. W u r, ; b a ch . diogr. Lerikon. I.V, sOedr. 

A eui Vater Zacharlas, euiec ltraetitc» 

1 A " Kaufmannsf amilie angehorig, wen° 

i dete sich, von eilf Vciiderlt der einzige, 

A A om Haudelsstande ad und den Wissen- 

! lchasten ; u . Er wurde prakt A ecArzt mid 

! Primararzt des Wiener Israelitenwitals 

A fiehe dessen Biographie S. 12t, Nr. 7 A . 

, A A e r des Vaters Leitung erhielt Theoi 

dor eine sorqfalt'qe Eruehunq. dann 

Seite 167 



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beendete er das Gymnasium und den 
philosophischen (5ms in Wien. Das Stu> 
diinn der alten Sprachen, vornehmlich 
die Literatur der Griechen fesselten den 
talentvollen Jungling, dessen geistige 
Richtung sich jedoch friihzeitig der positi» 
ven Forschung zuwandte. Berzelius ' 

Z , , r , , 

Welt mit Bewunderung erfulltem erweckten 

in dem empf anglichen 6>eiste 

ZZertheim's den heiBen Wunsch, sich 

A Studium der Naturwissenschaf ten 

und insbesondere dem der hhemie wld- 

A en ; u konnen. Wohl war die) nicht 

a a Yi^l Plane d A Vaters, der bei der 

N^hl des theoretischen Fachlia wenig die 

Zukunft des Sohnes fordernde Auss A 

ten erblickte. Doch in seinem Feuereifer 

trug Letzterer endlich den Sieg 

davon und ginq nach Berlin, wo er 

A ' A mit anorganischer 

chern sich ausschlieBlich beschaf tigte . 

i843 kehrte er nach Oesterreich zuriick 

und begab sich zunachst nach Prag, urn 

sich unter dem damals aus GieBen zuriick- 

3- Redtenbacher sBand 

A A ' S . 1 16) in der organischen 

Chemie auszubilden. I n den Jahren 

>md 1844 bezog er et» jahrlic. A 

«°n 3U0 s> das ch» be. 

seinen kostspieligen chemischen Versuchen 

nur geringe Hilfe bot . Aber auch schon 

mit seiner ersten Arbeit: einer. Unter- 

"*. Mar; 18 87.) <^ 

Vertheiln, Theodor Wertheim. Theodor 

suchung des K n o b 1 a u choles, an 

welche sich die Entdeckung schloB, daB 

das fliichtige Oel des Knoblauchkranles 

( A Iiiari' s ot ' KtnnHli . A ) mit dem ftiichtigen 

Senfol identisch sei. und wobei es ihm 

auch gelang, das Knoblauchol in das 

Senfol und letzteres in ersteres zu verwandeln, 

erregte in gelehrten Kreisen 

Aufsehen und rief die ermunterndsten 

Urtheile der beiden Schopfer der heutigen 

Chemie Berzelius und L i e b i g 

hervor. Aber diese Urtheile zweier Kory- i 

phaen der Wissenschaft reichten, wie die! 

Verhaltnisse damals (1845) lagen, nicht 

aus. urn dem jungen Forscher eine seinen ! 

Leistungen entsprechende Stellung zu ver> ! 

schaffen. „Die Religionsangehorigkeit " , 

bemerkt der Generalsecretar der kaiserlichen 

Akademie der Wissenschaften in 

der GedachtniBrede, „von der sich 

Wertheim bei Lebzeiten seines im! 

Dienste der israelitischen Gemeinde stehenden 

Vaters zu trennen nicht entschlieften 

konnte, war leider in Oesterreich 

noch ein unubersteigliches HinderniB fur 

Staatsanstellungen irgend welcher Art." 

Umso groBer war demnach fur den durch 

Verhaltnisse, fur die er nicht konnte, sich 

zuriickgeset zt Fiihlenden die Ueberraschung, 

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als ohne sein Zuthun seine Wahl zum 
correspondirenden Mitgliede der kaiser« 
lichen Akademie der Wissenschaf ten ma» 
thematisch«naturwissenschaf tlicher Class e 
erfolgte, welche am 26. Juni 1848 auch 
bestatigt wurde, und welche er erst aus der 
„Wiener Zeitung" erfuhr. Nun verband 
er sich im Herbst desselben Jahres mit 
Professor Rochleder Md. XXVI, 
S. 21i>' s zu einer Arbeit iiber das Pipe« 
r i n , die er dann allein zum Abschlufl 
brachte, da sein Mitarbeiter mittlerweile 
als Professor der Chemie nach Lemberg 
abgegangen war. Darauf begab er sich 
nach Gratz, wo er im Laboratorium ! 
Gottlieb ' s seine chemischen Unter, 
suchungen wieder aufnahm, welche sich zu» 
nachst auf das C h i n i n , das Blyth'sche 
Narcotin und die Salzlake der 
Heringe erstreckte und interessante Er» 
gebnisse zu Tage forderte. Infolge dieser 
Arbeiten berief ihn Freiherr von Baumg 
a r t n e r , damals Finanzminif ter in 
Oesterreich, nach Hainburg an das eigens 
fur die Zwecke der Tabakf abrikendirection 
auf seine Anordnung errichtete chemische 
Versuchslaboratorinm, welcher zunachst 
praktische Wirkungskreis die M6glichke-t 
streng wissenschaf tlicher Thatigkeit nicht 
ausschloB. Auch in dieser Stellung leistete 
Werth eim Verdienstliches . Seine E» 
gebnisse in Verbesserung des Schnupf tabaks , 
die hauptsachlich auf Ersetzung 
der Pottasche durch Soda und ferner auf 
Weglassung des kostspieligen und durch 
die nachf olgenden Proceduren wirkungs» 
losen Weinzusatzes zu den Blattern gerichtet 
waren, erzielten auch eine nam> 
hafte ErsparniB, die sich auf 12.000 ft. 
im Jahre bezifferte. Nicht voile zwei 
Jahre blieb er in dieser Stellung, 4834 
trat er zum Katholicismus iiber, da er 
demselben, wie einer seiner Biographen 
diesen Schritt erlautert, im idealen Sinne 
des Christenthums schon langst angehort 
hatte, und nun erhielt er die nach San» 
galetti ' s Riicktritt erledigte Lehrkanzel 
der Chemie an der Pesther Universitat. 
Hier ging er uor Allem an die Vinrichtung 
eines den Anf orderungen der Wifstnschaft 
entsprechenden Laboratoriums , 
wozu ihn ebenso die Bekanntschaf t mit 
den Anstalten des Auslandes wie das 
klake VerstandniB der Erf ordernisse besonders 
befahigte. I n dieser Zeit ent< 
deckte er ein.neues Alcaloid, das er (5onyd 
r i n nannte, und vollendete die 
Analyse des Franz Joseph-Bades „Tuf< 
fer" in Untec-Steiermark . Wahrend er? 
Mertheim, Theodor Merthcim. Theodor 
aber ebenso eifrig als Lehrer wie als 
Forscher in Ungarns Hauptstadt wirkte, 
bereiteten sich, wie sein Biograph bemerkt, 
in Ungarn jene beklagenswerthen 

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politischen Zustande vor, welche auch die 
Entfernung so vieler ausgezeichneter 
deutscher Professoren von der Pesther 
Universitat und anderen Lehranstalten 
des Landes zur Folge hatten. Aus diesen 
politischen Zustanden erwuchsen nicht nur 
Ungarn, sondern auch der ganzen Mon» 
archie groBe Nachtheile. Die von ruhig 
Denkenden vorausgesehenen Befurchtun» 
gen hat die Erfahrung vollkommen be» 
statigr; Alles litt darunter, und die Geschichte 
hat doriiber geurtheilt. Der Irr» 
glaube, man handle im Interesse irgend 
eines Landes oder einer Nationalitat, 
indem man die Manner der Wissenschaf t , 
weil sie einer anderen Nationalitat, in 
diesem Falle der deutschen angehorten, 
von der iiberdies Magyaren und Slaven 
nicht nur die Elemente der Wissenschaf t , ! 
sondern iiberhaupt alles geistige Eigen- > 
thum, das sie besitzen, erworben haben.! 
in eine Lage versetzt, in der ihnen nickts! 
iibrig bleibt, als ihre Stellen aufzugeben 
Politische Bewegungen, die von Ratio 
nal ' ltatsdestrebungcn ausgehen, sind nicht > 
Ergebnisse ruhiger UeberleguuZ, sondern! 
der Leidenschaft und durch Fanatismus 
getriibter Anschauungen . Gerade die 
Nissenschaft war es immer und ist es, ! 
welche einzig und allein das geistige 
Band zu bilden vermag. Stamme, welche 
durch die Kirche, Geschichte und Natio 
nalitat (Sprache) getrennt sind. einer 
hoheren Einigung zuzufiihren und iiber» 
Haupt Unterschiede auszugleichen, die 
dem wahren Fortschritte nur hemmend 
entgegenstehen . Auch Wert heim wick 
den damals so hoch gehenden Wogen 
der Parteiagitation und kehrte nach Wi . ' u ! 
zuriick, wo er wahrend der Jahre 
und 18ttt verblieb, bis er die Lehrkanzel 
der Chemie an der Universitat in Gratz 
erhielt. I n dieser Stadt, wo der bis 
dahin so wenig begiinstigte Gelehrte die 
ersehnte Ruhe fand, gab er sich ganz 
seinem Doppelberufe als Lehrer und 
Forscher hin. Daselbst arbeitete er seine 
Beitrage zur KenntniJJ des Coniins 
aus, entdeckte das Azoconydrin, das 
ssonylin, setzte seine Untersuchungen 
liber das Piperioin und Nicotin fort, 
worin er von der kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaf ten mit einer ansehnlichen 
Summe unterstiitzt wurde. Diesen For' 1 
schungen und Arbeiten aber steckte ein 
leider unheilbares Siechrhum, das ihn 
j8t>4 befiel, eine Grenze. I m Mai 
genannten Jahres iibersiedelte er, bereits 
schwer leidend, mit seiner ganzen Familie 
nach Wien, ivo aber auch die gesteigerte 
Pflege im Hause seines Bruders das 
Uebel nicht zu bannen vermochte. Erst 
44 Jahre alt, erlag er demselben. Seine 
wissenschaf tlichen Arbeiten sind in gelehrten 

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Sammelwerken erschienen und 
zwar in den Sit zungsberichten der 
kaiserlichen Akademie der Wissenschaf ten 
mathe maci sch - naturwissenschaft> 
1 ich er Classe: „Ueber das Piperin" 
A Bd. I, S. 433); - „Ueber das Chinin" 
M . Ill, S. 263) ; - .Ueber 
eine neue fliichtige organische Basis" 
sBd. IV) S. 8 und 33). - „Ueber das 
Narkotm" M . V I . S. 1(>9); - „Ucber 
ein neues Alcaloid im Oonium maeult A 
wm" I M XXII, S. 113 A ; - „Ana> 
lyse des Franz Iosephs-Bades Tuffer in 
Unter A Steiermark" fBd. X 1 . I I , S. 47? 
und 479); — «Beitrage zur KenntniB 
des Coniins" A Bd. XI. V. 2. Abthlg.. 
L. 312 und Bd. XI A VIII. 2. Abthlg., 
S. 491) ', — „Beitrage zur Kenntnifl 

des Piperidins" s A ud. XI .VII, 2. Abtheilung, 
S. 122); - .Nahere Mit«¥ 
Mcrtheim, Theodor 116 Werthem A Wilhelm 
thcilungen iiber das (5onydrin" 
XI. VII, 2. Abthlg., S. 299 A . - ..Notizen 
iiber einige Nicotinverbindungen" 
Md. Xi A VIl, 2. Abthlg., S. 307". und 
in Liebig's Annalen fur Chemie: 
„Untersuchungen des Knoblaucholes " 
fBd. I.I, 1844 "*; - „Ueber das fluchtige 
Oel der .-Vlli A ria oliiainAlis" 
M . I. II, 1844 A . — „Ueber den Zusammenhang 
zwischen Senfol und Knob» 
lauchol" A Bd. I.V, 184. A ' . - „Ueber 
ein neues Alcaloid im Oonium in<l . oill<Ttuw" 
A Bd. <D A . Theodor Wertheim 
hatte sich gegen das Ende seines Pesther 
Aufenthaltes (1860) mit der Schwester 
des Professors Karl Ferd. Peters 
M . X X I I , S. 78 A vermalt. Aus Anlafi 
des Todes unseres Gelehrten schrieb 
ein Mann der Wissenschaf t , der dem 
Verblichenen nahe gestanden.' „Ein 
Mann ist uns entrissen, ausgezeichnet 
nicht bios durch Gelehrsamkeit , sondern 
auch durch alle Vorziige eines tadellosen 
Charakters ' ein Gelehrter voll Liebe und 
Wohlwollen, ein Mann der jede ubernommene 
Pflicht gewissenhaft erfullte." 
Theodor Werthe im ist ein Bruder 
des Gelehrten N i 1 h e lm Wertheim, 
der sich spater als Franzose nationa« 
lisirte. j A Siehe den Folgenden. A 
Die feierliche Sitzung der kaiserlichen Aka» 
demi? der Wissenschaf ten (in Wien) am 
:;0. Mai 1863 (Wien. Traatsdruckerei . 8".) 
3. 140 — 13:!: „Gedachtnisrede" , gehaltn 
von A. Tchrotter. — Oesterreich isch e 
Wochenschrift fu? Wissenschaf t , .ttunst 
und offentliches Leben. Beilage zur (kaiser» 
lichen) „Wiener Zeitung" (Wien. gr. 8".) 
Iadra. 1864. Bd. I V . 3. 104?: „Theodor 
Wertheim". Von G. Tscherlnak. — Telr« 
graph (Gramer polit. Blatt . kl. I » 1 ) 1864. 
Nr, 18 A ». im F'Uilleton. — Wiener Zei« 
t u n g . 1864. Nr. Iu8 . 2. 87. - Pug» 

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gendorff ( I . (5) . Biogr^phisch ' literarischeZ 
Hundworterbuch zur Geschichte der eracte'i 
Wissenschaf ten u. s. w, (Leipzig i«6Z. Band, 
A er. 8") Bd. I I , S, . ' . j.;u.j. A Nach Vog« 
gendorff und dem Almanach der kaiser« 
ticken Akademie der Wissenschaf ten ist Wert» 
heim am 23. December, nach Schrutter ' s 
Gedachtniflrede aber am 24. December 1820 
geboren . A 

Wertheim, Wilhelm (Naturf orscher , 
geb . in Wien 22. Februar 
1813, stiirzte sich vom Thurme der 
Stadtkirche zu T o u r s in Frankreich am 
20. Janner 186 1 ) . Sohn israelitischer 
Eltern, Bruder Theodors . Er machte 
seine Studien in Wien, wo er auch an 
der Hochschule die Medicin beendete und 
1839 daraus die Doctorwurde erwarb. 
I m September dieses Jahres ging er 
nach Berlin, wo er im Laboratorium 
Mirscherl i ch ' s arbeitete und nun seinen 
bisherigen Plan, Arzt zu werden, aufgab, 
urn sich ganz der Forschung im 
naturwissenschaf tlichen Gebiete zu wid» 
men. Bei seiner besonderen Begabung 
fur die Mathematik wahlte er die Physik, 
und nachdem er in Berlin mit ausge» 
zeichneten Mannern dieses Faches in 
f reundschaf tliche Beziehungen getreten, 
nahm er 1840 seinen bleibenden Aufent» 
halt in Paris, welche Weltstadt ihm 
alles zu seinen Forschungen und sonstigen 
Wijnschen Erf orderliche bot . Nach zehn 
Jahren, wahrend deren er durch seine 
wissenschaf tlichen Leistungen, auf die wir 
noch zuruckkommen, sich in gelehrten 
Kreisen einen Namen, machte, kehrte er 
183V in seine Vaterstadt zurijck, wo er 
bereits 1848 von der mittlerweile ins 
Lebm gerufenen Akademie dec Wissen» 
schaften. zum correspondirenden Mit« 
gliede fur die mathematisch-naturwif sen» 
schaftliche Classe gewahlt worden war. 
Er lieB nichts unversucht, urn nun eine 
seinen Kenntnissen und Leistungen ent> 
sprechende Stellung im Vaterlande zu 
erhalten, als man ihm aber bei den da» 
mals bestehenden Verhaltnissen, in wel-? 
Mertheim, Wilhelm 117 Wertheim, Wilhelm 
chen das ReligionsbekenntniB eine grofie 
Rolle spielte, nicht mehr als eine Docentur 
seines Faches an der Wiener Univerntat 
anzubieten im Stande war und 
an jede weitere Aussicht die Bedingung 
seines Uebertrittes zur katholischen Kirche 
kniipfte, lieB er, verstimmt und entschieden 
einen Glaubeuswechsel abwehrend, jeden 
weiteren Versuch ills vergeblichen fallen 
und kehrte nach Paris zurijck, nichl nur 
urn ferner dort zu bleiben, sondern sich 
auch als Franzose Naturalisten zu lassen. 
„Oesterreich und mit ihm Deutschland" , 
heiBt es in seinem Nekrologe, „verloren 
auf diese Weife einen ausgezeichneten 

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Forster, wahrend seine Arbeiten in der 
Folge mit dazu beitrugen, den Ruhm der 
f ranzosischen Gelehrsamkeit zu vermehren, 
welchen Zuwachs dieselbe doch nur dem 
osterreichischen Gelehrten verdankt. Aber 
Frankreich besaB hinwieder ein Recht auf 
ihn und durfte dessen Arbeiten als sein 
Eigenthum betrachten, da es dem Ge> 
nius den Boden zur Entwicklung desselben 
gewahrt hatte." Bald nach seiner 
Riickkehr wurde Wert he im als KxalainlUenr 
«l'entr6c an der beruhmten 

Pariser 1-Ioole pol^teolinigue angestellt, 
dann bei der Pariser Weltausstellung 
11533 zum Mitgliede der Jury ernannt 
und bei dieser Gelegenheit mit dem 
Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet . 
Von da ab lebte er in stiller Zuriick' 
gezogenheit, ausschlieBlich mit seinen wis» 
senschaf tlichen Arbeiten beschaftigt. Da 
wurde er im Jahre 1869 — wohl in» 
folge zu groBer geistiger Anstrengung — 
von einem tiefen Triibsinn befallen. I m 
Janner 1861 unternahm der Gelehrte 
eine Reise von Paris nach Tours, wo er 
sich von dem Glockner die Kathedrale 
von Saint Gatien offnen lieB, dann den 
Thurm, wie urn von demselben die Aus» 
sicht zu genieBen, bestieg und auf der 
Plattform angelangt, sich in die Tiefe 
hinabstiirzte . Da er sich in guten pecuniaren 
Verhaltnissen befand, eine ange» 
sehene Stellung besaB und von friiher 
Jugend an als scharfer Verstandesmensch 
gait, wenig gemacbt zu Ouerspriingen 
des Gemuthes, so fand sich keine andere 
Nrsacbe fur diesen Selbstmord vor als 
der Triibsinn, dem er seit Monaten ver» 
fallen war. Wie bemerkt worden, hatte 
sich Wertheim dem Studium der 
Naturwissenschaf ten und unter diesen 
vornehmlich der Physik zugewendet . Der 
Gegenstand, den er sich in dem umfassen» 
den Gebiete derselben erwahlie, war vor 
Allem die Priifung und Erforschung der 
Gesetze der Elasticitat , sowohl im 
Zusammenhange mit den sonstigen physi» 
calischen Eigenschaften der Korper, als 
auch in ihrer etwaigen Uebereinstimin ' . mg 
mit den dariiber auf gestellten Theorien. 
Er kniipfte mit seinen Untersuchungen an 
die seiner Vorganger Bernonilli, No» 
v i e r , Poissier und Cauchy an und 
gelangte dabei A u neucn Nesultaten. 
1842 iiberreichte er der f ranzosischen 
Akademie seine erste Arbeit: „Ueber die 
Elasticitat und Cohasion der Metalle". 
Er dehnte nun seine Forschungen aus, 
indem cr, wie vorher die einfachen Metalle, 
nunmehr eine groBe Reihe von Legirungen 
seiner Untersuchung unterzog. 
Auf die Metalle und ihre Legirungen 
folgten in den Jahren 1844—1846 seine 
Untersuchungen iiber die Elasticitatseigenschaf ten 

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der Glaser, Holzer und der 
Gewebe des menschlichen Korpers, welche 
letzteren namentlich fur den Physiologen 
ebenso interessant als werthvoll sind. 
Das nachste Problem, welches er sich zu 
seinen Forschungen wahlte, griff in das 
Gebiet der Akustik', er untersuchte die 
Geschwindigkeit des Schalles in Fliissig, 
keiten, die tonenden Schwingungen in^ 
Mettheim, Wilhelm 418 Werthen"* Wilhelm 
der Luft; die Schwingungen kreisf ormiger 
Flatten, die Fortpf lanzung der 
Bewegung in festen und fliissigen Korpern, 
die Geschwindigkeit des Schalles 
in Staben u. s. w. Anlafllich seiner Erwerbung 
des Doctorates der Wissenschaften 
an der Pariser Facultat legte er 
dieser seine Abhandlung iiber die durch 
mechanische Krafte kiinstlich hervorgebrachte 
Doppelbrechung in isotropen 
Korpern vor, welcher er eine kleine 
Arbeit iiber die Elasticitatsvechaltnif f e 
einiger Mineralien beifiigte. Seine Ar» 
beiten aus letzter Zeit bezogen sich auf 
eine iiber die Erscheinungen der Capil» 
1 a r i t a t und iiber die kubische Com 
pressibilitat einiger homogener fester 
Korper angestellte Untersuchung, in der 
er eine Neihe von Einwiirfen widerlegte, 
welche mehrere Gelehrte, zuletzt Kirchh 
off, gestiitzt auf interessante Experimente 
gegen die von W e r t h e im vorge« 
schlagenen Modif ikationen der Cauchy ' - 
schen Elasticitatstheorie erhoben hatten. 
Die let ztgenannten zwei Arbeiten aber 
waren zur Zeit, als er aus dem Leben 
schied, mit Ausnahme einer Notiz in den 
OornpreL renaug der f ranzosischen Akade» 
mie, noch nicht gedruckt . Wir schlieflen diese 
Lebensskizze des Gelehrten mit einer 
Uebersicht seiner in verschiedenen Sam> 
melwerken abgedruckten Arbeiten: »0d- 
861va.tioii63 pi""sioloZIoHO . Di886ita.fio 
wkUFur"*liZ" (VinaouOl, a . 6 1839); - 
""NttiQOli' 6 8U1- 168 Pi'0pri6t63 du bois" 
(karis 4846), gemeinschaf tlich mit 
Chevandier; — "Xote sui ' lg. i-61a,- 
tion entrL la, Qoinp03itio ! 1 diimi"*ue 
ot 1 ' vlg . Lticiito 6.63 ininaraux a. l'612.8ti> 
oits oON8ta,ntu" sl'ariZ 1834); in den 
von Gay-Lussac, Arago, Chev 
r e u 1 und Dumas herausgegebenen 
A nng.l6s6,6 ekinaiii 6t 6 6 
3il A u 6: K k ! 

3 Abhandlungen j A Zor. Ill, Vol. 
IfcTHUX- 1 A id.) Vol. XV, 1843"*; - 
A 8ur I'alastioito 6t t'ur lil. oolio' s ioi' s 
a68 aM6r6nt65 68' S >6Q68 6.6 verr A ", in 
Gemeinschaft mit Chevandier sid., 
Vol. XIX, 1847 A ; - A l6m0ir6 sur 
I'olaLtioita ot la. 00Q631011 cl.68 prinoi- 
Vol. XXI, 1847"*; - 

1 ' 6< A uUidi-6 6.63 00I-P3 Lc>li6.6-> I10MO> 
<56>»03'- ftl)., Vol. XXIII, 1848"*; - 

Seite 174 



Wurzbach55 . txt 

ur 168 

du 

665 V6r A 6s 1>01N0F«1168" sid.) Vol. XXV, 

1849"-; - A Iiemtil, ,A u68 ii l'ooc AA ion 

6u A I6m. 6o ."Ir. Va.u61'i m o n t sur 

1" tona,oit6 668 ni6taux A il).) Vol. XXX., 

183CT; - )M6w. 8ur los vil>i ' g . tioil8 

a63 plH< A u63 oiroulil . Ii ' 68 " A ld., Vol. 

XXXI, 1831 A ; - «>16m. «ni- la. pro- 

6u N A 0UV61N6Nt 62. N8 168 

801166s 6t 6ai A 8 1,6 

'<lar" A l) . A ; — „anr la. 

clu >011 6g.N3 163 

iptioll 6 ' un . 

iiia.tioll 66 la, vid65.>6 6u «on 

sil) A ; — A N6m. «ur la, 

3ur la. 

ni<ius et 

Vol. XI A , 1834 A ; - A l6moii6 3ur la. 

toi'8i0i A sid., Vol. I., 1837 A ' - A 16- 

M011-6 8U1- lil. 6'a. A iliHl'itS A A id., Vol. 

LXIII, 1861 A ; in den 0ompt68 ron- 

6u5 li6d6oma. 6H11' 68 668 8o6a.NC65 

66 l'Xca66ini6 668 8016 A 068: „6ur 165 

viblg.tiON8 toui-na,nt65 663 V A fl A Z CHI ' - 

1-63" IVol. XXVIII, 1849); - „N6M.^ 

Mertheim, Wilhelm 

liaito pg.r le verre 

Vol. XXXII. 

i-6FuUer" ftd., Vol. XXXIII, 183!; 

Vol. XXXV, 4852); - A xpon6i.«65 

sur lg. vitfts. A 6 du 8<i»n sinn!-; Ie t'c>.r", 

gemeinschaf tlich mit B r e g u e t sil». A ; — 

<Iuit8 P3.r lg. torsiou." A id.. Vol. XXXV, 

A id., Vol. I.I, j860 A ; - 

3 5U1 la tiexioil" , in 

den Sit zungsberichten mathematischnaturwissenschaf tlicher 

Classe der kaiser» 

lichen Akademie der Wissenschaf ten (in 

Wien) : „Ueber die Hauptresultate seiner 

Untersuchungen der allgemeinen Gesetze 

des Gleichgewichtes und der Bewegung 

der festen und fliissigen Kdrper" »Bd. V, 

S. 19 u. f. A . Mehrere der vorerwahnten 

sammtlich in f ranzosischer Sprache erschienenen 

Abhandlungen Wertheim'6 

sind auch in deutscher Spracbe in Po g° 

gendorff's /Annalen der Physik und 

Chemie" abgedruckt ' , dieselben sind in 

vorstehender Uebersicht durch einen Stern 

A ) kenntlich gemacht . 

Ueber scin Geburtsdatum — vergleiche Pog> 

gcndorff— sino sehr abweichende An» 

A abrn vorhanden; wir folgen oden den von 

Pogaendorff nach Werthcim's eigener 

Angabe angenommenen . — 3)ie feierliche 

Sitzung der kaiserlichen Akademie der Nis» 

senschllften (in Nien) am Al . M ti <861 

1 M m . 8".) S. 96-l"U: „GedachtniBrede 

deS Generalsekretars A Schrotter" . — Jahrbuch 

fur Iftarliten. Herausgegeben von 

W e r t h e im er und Koni p er t. Iadr A ang 

1862 (5622). S. t 1 A u. f, - VoggeN' 

d o r f f ( I , C.) . Biographisch « literarisches 

Seite 175 



Wurzbach55 . txt 
Handworterbuch zur Geschichte der eracten 
Wissenschaf ten u. s. w. (Leipzig 186>j. Amdr . 
Varth. schm. 4".) Bd. I I , Tp . i A lU2. - 
Presse (Wiener polit. Blatt) 1861. Nr. 34 
j (Wiener p»lit. Blatt) 11>1>1, A lr, A u, 
, Noch sind erwahneniiwrith : 1 . A r n o 1 d Werth- 
! hei m. Derselbe trat in den 3icd A iger I dren 
! zu Wien als Compositeur rrrlck : l>dl ' N, r Tan A r 
, m div A essentlichkclt . A gad rr in Trucl: 
! „Tanze fur Trcheiter, : llcichenaurr Polka" 
"* 01». 4i - „«Kute Geschafte. Polka" s>l'- A ; 
! — „Ein GruB Deutschlands an i>strrrrick. 
A W.il;e:'" <»i.. <! f< A 7.'!). - A . E,n A . M . 
A Wertkcim ist Verfasser der Tchrifc: „Das 
allgemeine Iudilauiu des heil. Jahres der 
rom, katholischen Kirche in ritucllrr und ge- 
! ' ch ! chtlicher vinslcht", mit j Kupf, (Wien 
182C. Wimmer, gr. 8" > - :1. Gustav 
! Wertheiln (geb. zu Nit, 'N »in ersten Drittel 
des laufenden Jahrhunderts) . Ein Sohn 
A Zacharias Werth eiin'6 s A . i 2 1 . Nr. ?1 
! und Bruder Theodors sT. 113 A 1 und 

Wilhelms A 2. liss) . widinrte er »tch gleichfalls 
dem Tludium der Arzeneiwissenschaf t . 
! welchem er an der Wiener Hochschule been- 
! dete. Der arztlichen Pruris sich zuwendend, 
5 erwahlte er sicl, alo specielles Fach d..o der 
! Hautkrankheiten, war einige Zeit (1847/48) 
1 in dem von seinem Varei geleiteten Wiener 
! Israelitenspital thatig und errichtete dann 
' ein besonderes Institut fur Hauckranke. 3!m 
i:l. April lk A > bielt er in einer Versamm» 
A lun.l der Gesellschafc der Wiener Aerzte einen 
A Vortrag iiber die sogenannten Bartfinnrn 
! <6vc-o A iii) . bei welcher Oclc A endeit rr e:n 
neuea Heilrerf ahren fur dieselben rmrfahl. 
A das r>c>n Fack A lei ' rten auch approb A rt wurde . 
! In der Fol A e ward er Primariuo im k. k. 
A Nudolf s ' Tpita ! , in w?lchk>u er noch zur Zeit 
! als Vorstand der Abtheilung fur Hauttrank' 
! heiten und Syphilis wirkt. auBe:dem ledrt 
er als ordentlicher offentlicher Professor 
, der, Dermatologie und Typbil's an der 
> W'encr Universitat. I n seinem Fache ist er 
i auch schrif tstellerisch thatig. Anfanglich schrieb 
er fur die in Prag herausgegebene „Viertel» 
jahrschrifr fur praktische Heilkunde" Berichte 
iiber die Thatigkeit auf der Kl'nik fur Hautkrankheiten 
im Wiener allgemeinen Kranken« 

hause; dann aker verof f entlichte er selbststandig: 
„5as lLoniin und Leucok ' in im 
Wcchself ieber und Typhus" (Wen i84v 
Vraumuller, gr. 8",) und seine arztlichen 
Forschungen und Beobachtungen in den 
Sit zungsberichten der kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaft mathematisck ' tiaturwissenschaf tlickrr 
blasse, und zwar: ..Ueber£ 
Wertheim, I 120 Mertheim, Otto 

den Gang der Pulsfrequenz und der Ersudaticnsintensitat 
wahrend des Vaccinprocesses" , 
init 3 Tafeln sBi). X I , 3. «92 - 729 A 
— „Ueber eine am zusammengeset zten 
Mikroskope angebrachte Vorrichtung zum 
Zwecke der Messung in der Tief erichtung und 

Seite 176 



Wurzbach5 5 . txt 
eine bierauf gegrlindete neue Methode der 
Krystallbestimmung" sBd. XI. V, 2. Abthlg.. 
S. 1.7 — 17«) ; — ..Ueber Aetiologie der 

' Hautkrankheit pa,iia,-i> slroclene oder Lchuppensiechten) 
1 A B2. XI .VIII, 1. Abtheilung 
T. 43«: 2. Abtheilung. T. 3 9 : A : - „Ueber 
den Ban des Haarbalges beim Mnschen; 
ferner liber einige den Haarnachwuchs betreffende 
Punkte", mit 1 Tafel A Bd. XI "IX, 

1. Abtl-e!lung. 3 . 41>1) ; Bd. Q, 1. Abtheilung 
S. 3<) ! i— 314"; — „Ueber die Einwirkung 

des Terpentinols bei Verbrennungen auf das 
Bine" 1/vd I . V I 1 , j Abtheilling. T. 644; 

2. Abthelung. 2 4,i«»j — 4. Igna-, 
Wertdeinl (geb. in Wien am 19. Februar 
181?) Er studirte in Wien und Berlin uno 
erlangte die philosophische Doctorwliroe, bei 
welcher Gele . ; cnbe : t er die in Fachkreisen sehr 
geschatzte: „Oiodl . ' i-t», tio cl" ui-g-nio er a 1 i - 
1843, 1>".) verausgab. Diese Arbeit wird uon 

Dr. G. (5. Nittsteinin dem uon dem» 
selben bearbeiteten Register zu den Banden 
I— ( ! der Po gg en d orfl'ichen „Annalen 
der Chemie und Pharmacie" irtthumlicl, dem 
Dr. Theodor Werthe i m . der ein Vetter 
des in Nede stehenden I g n a z ist. zuge» 
schrieben. Dieser selbst jrdoch scheint die ge» 
lehrte Laufbahn einer meln- praktischen 
geopfert zu haben, denn er lebte spater als 
Handelsbef lissener in Pari'. — 5. I g n a z 
Joseph Wertheini (geb 1772. gest. in 
Wien 13. Auril 1829) . Mit Ausnahme dieser 
Geburts« und Sterbedaten wissen wir liber 
il>n nur zu berichten, was N a g 1 c r liber ihn 
uerzeichnei, der folgende „brachtenswcrthe 
Blatter" uon unserem Kupf erstecher anf lihrt : 
„Moses beim feurigen Busche", nach Domeniro 
Feti's in der Beluederegalcrie befind« 
lichem Bilde; bezeichnet "V e i a d r o cl ot 
1. >Vl:i-tIiki in 8C, 1793 (gr. A ol); - 
„Zwei Genien, welche ein groBes offenes 
Buch halten, worin ein BildniB angebracht 

1 ' iii, >Vei-lIi6im z>c. 1793 (4") und eine 
Folge uon sechs Ansichten von M a r e k . nach 
Zeichnungen des Grafen Wenzel uon P a a r 
radirt. I , Wertheim 2c. (qu. "o.) . Ob 
Marek ein , "rto< oder Klinstlername — 
nach der Wortstellung „Ansichten von Marek" 
kann Beides der Fall sein — sind wir auBer 
Stande zu entscheiden. Wenzel Graf Paar 
ist aber schon im XXs . Bande, S. 149 
Nr. 16 im Terte erwahnc worden, A Nagler 
(0. A . D A .) . Neues allgemeines Klinstler» 
Lexikon (Mlinchen 18 A 9. (i. A. Fleischmann. 
8".) Bd X X 1 , S. 312) - Auch mlissen 
wir eines zeitgenossischen Klinstlers Wert« 
beim — wenn er nickt etwa mit dem Maler 
Onstav N erth eimer, uon dem spater die 
Nede sein wird eine und dieselbe Person ist 
— gedenken. Derselbe hat. wie d A e „Neue 
Freie Presse" 18L7. Nr. 1073 berichtet, ini 
August genannten Jahres einen Carton „Die 
wilde Jagd", in Wien ausgestellt, der nicht 
geringes Kunsttalcnt verrieth. Nach dieser 

Seite 177 



Wurzbach55 . txt 
Duelle war unser Maler ein Zogling der 
k. k. Akademie der bildenden Kiinste in Nien. 
und bildete sich uornehml'ch unter Fiihrich's 
Leitung beran. Gedachter . O'arton enthalt 
einzelne Partien, welche sowohl nach Erfin« 
diing als Zeichnung als sehr gelungen be> 
zeichnet wurden und in dein Kiinstler einen 
Nomantiker offenbarten, der sich besonders in 
die altdeutsche Mythologie uerticfte. die, wie 
sie durch Wagner in der Musik, durch 
Felir Dahn und Andere im Roman ucrtreten 
ist. allmalig auch in der Malerei und 
Sculptur immer mehr Terrain gew ! nnt . — 
6. i^tto Wert heim. ZeitgenoB. Derselbe 
bekleidete 1871 die Stelle eines ' s beringe» 
nieurs, wie es scheint, im Dienste der C5om> 
mune Wien. Als bei der neuen Wiener 
Wasserleitung uiele der fur dieselbe ausge» 
fuhrten Nokren sprangen und dadurch grobe 
Unordnung im Wasserleitungssysteme ent> 
stand, wurde er beschuldigt, bei der ihm 
iibertragenen Berechnung der Hiodrwandstarke 
groBe Feyler gemacht zu haben Thatsachlich 
stimmte auch das Outachten der N6dren» 
erpertise, zu welchem neben einem anderen 
stadtischen ilberingenieur auch noch zwei 
englische Ingenieure beigezogen wurden, mit 
dieser Ansicht iiberein, und das „Neue Wiener 
Tagblatt" brackte in der zweiten Beilage uoin 
27. und 2i) . August 1871, Nr 236 und 238 
eine ausfuhrliche Darstellung des Lachuer- 
Haltes in dem Artikel: „Die neuerliche falsche 
Berechnung des Herrn Oberingenieurs Wert ' 
heim liber die Rohren der neuen Wiener 
Wasserleitung" . Diesen sachgemaflen Angrif f 
und auch andere in den Journalen gegen 
ihn erhobene Anschuldigungen duifie Otto¥ 
Mertheim, Zacharins 121 Mertheimer, Eduard 
W e r t h ei m nicht »dneweitcrs iiber sia) rr< 
qehen lassen, und so verof f entlichte er denn 
folgende Schrift: „Daa Rohreunetz der Hochquellen 
«Wasserleitung . Eine Denkschrift zur 
Abwehr der geaen dasselbe erhobenen Be° 
schuldiaungen" (Leipzig i8?2. Felir. gr. 8". 
VI und 202 S.). - 7. Iacharias Wert' 
heim (geb. in Wien 1780. gest. daselbst am 
A 1 , December i852) . Er widmete sich aus 
eigener Neiaung dem Studium d-r Arzenei« 
Wissenschaf t , bei welchem er manche auBeren 
Hindernisse, die in den Verhalmisseu der damaligen 
Zeit gegriindet waren, zu iiberwinden 

hatte. Unter Lehrern, wie P r o 1> aok a. V e e r. 
Iacauin, I . Peter Frank beendete er die 
Studien an der Wiener Hochschule und er» 
langte, 22 Jahre alt, den medicinischen 
Doctorgrad. Nun begab er sich ins Ausland, 
besuchte mehrere deutsche Hochschulen, dar« 
unter jene zu Goctingen. an welcher V 1 umcnbach. 
der altere Langend eck uno 

(5onradi lehrten. Dann kehrte er heui, wo 
er bald Gelegenheit zu lminenter piakcischer 
Thatigkeit fand. Nach der f ranzosischen Java» 
sion 1809 war an der Grenze Ungarns eine 
Typhuuepidemie ausgedrochen . und Wert«, 

Seite 178 



Wurzbach55 . txt 
heim bot seine arztlichen Dienste dem 
Staate unentgeltlich an. I m folgenden Jahre 
gab er daii Werk heraus, betitelt: „Versuch 
einer medic mischen Topographie von Wien. 
M't 6 Tabellen'" (Wien 181<>, Singer und 
Ooriu.), gr, 8".j, Dauselde. auf Grundlage 
authentischer Daten auogefudrt, fand in 
Fachkreisen die beifalligste Aufnahme. Die 
Tuchtigkeit dieses Werkes veranlaBte vier 
Jahrzehnte spater sachverstandige Manner, 
sich mit dem ursprunglichen Verfasser zu einer 
neuen Herausgabe ; u vereinigen. Dieselbe in 
den Biicherkatalogen zu finden, gelang mir 
nicht . !816 wurde W e r i h e im Pbysicus im 
Spitale der Isiaeliien zu Nien, wo sich it A iu 
ein ausgebreiteter Wirkungskreis darbot, da 
es gait, die bis dahin nur wenig benutzte 
Anstalt zu heben. Als er seine Stelle an' 
trat. fand er. daB wahrend eines Jahres nur 
67 Vatieni°n zur Behandlung gekommen 
waren-, im folgenden Jahre bereits stieg 
die Zahl derselben auf 148, und da den 
Hilf esuchenden auch Hilfe und liebreiche Ve« 
dandlung zutheil ward, wuchs sie allmalig 
bis auf 700 im Jahre. Die Protokolle der 
Mstalt weisen wahrend der 36 Jahre, welche 
er an derselben wirkte, i 1.400 Kranke, welche 
im Spirale selbst bebandelt wurden, und 
28.500 ambulirendc Patienten, somit im 
I Ganten :;!'.»>.»<» H ' If ^b ' durf cigc nach. wrlcke 
i er alle mit seinen Assistenten bebandelt batte. 
Am 2<>, Juli 1852 be,,sng rr seine Horror' 
Jubilaumsf eier . b?i welcher Gelegenheit im 
A perationosaale sein Bild luden dem des Griinder? 
(R otbsch i 1 d) aufgedanat wurde, Aber 
nicht lange sollte er diese F.'ier iiberleben. 
Als der 72jahrige Greis am : t 1 . 1 ecember 
1832 in Gesellschaft scineo Sohnes Gustav 
das Vurgtdeater besuchte, in roelckrm eben 
Vauernfeld's Stuck „Krisen" gegeben 
wurde, sank cr, als der Vorhang fiel. entseelt 
auf seinem Sitze h'u. Von seinen eilf Sohnen 
nehmen Oustao. Tbcudor und Wil» 
Helm ehrenvolle Stellen in der Gelehrten» 
welt ein. l^Wolfler ( A embard Or.) Das 
alte und das neue Wiener I, ' raeliten>Spital 
nach authentischen Quellen dargestellt (Wien 
<873. Gerolo. 80.) 3. 23-44. - Wiener 

Viertetjahrsschrift . A rgan fur Wissen» 
schaft und Kunst u, s. w mit besonderer Ve« 
riicksichtigung israelitischer Zustande (Wien, 
3«.) I. Jahrgang (i833). 2. Heft. 3. 47 
u f . ; daselbst auch 2 . 32: „Am Grade des 
Herrn Zlea. Dr. Zacharias Wertheiin" . Gedicht 
von F. sra nkl) A 

Wertheimer, Eduard l^eschichtsf orscher , 
geb . zu Budapesth 

2. Juni 1848) . Das Gymnasium be« 

suchte er in seiner Vaterstadt, die Universltatsstudieu 
betrieb er in Wien und 

Berlin. Nach seiner Riickkehr aus letzterer 
Stadt trat er in das Wiener Institut 
fur osterreichische Geschichtsf orschung, 
welches Theodor Sickel leitet, und 

Seite 179 



Wurzbach55 . txt 
dessen diplomirtea Mitglied er ist. Dem 
Lehrfache sich widmend, wurde er 1876 
Docent fur neuere Geschichte an der 
Klausenburger Universitat und schon im 
folgenden Jahre wirklicher Professor der 
Geschichte an der Hermannstadter Rechtsakademie . 
Wahrend dieser Zeit unter« 
nahm er Reisen nach Budapesth, Wien, 
Berlin, Paris und London, urn in den 
Archiven dieser Stadte Studien zur 
neueren Geschichte zu machen. Als dann 
die Hermannstadter Nechtsakademie auf« 
gelost wurde, kam er 1886 an die Klau»? 
Wertheimcr, 122 Wertheimer, Eduard 
seuburger Universitat, an welcher er zur 
Zeit jein Lehramt ausiibt . I n seinem 
Fache schrif tstellerisch thatig, hat er theils 
selbstandig, theils in historischen Sammelwerken 
und Zeitschrif ten bisher sowohl 
in deutscher als ungarischer Sprache 
Vieles herausgegeben, und zwar selbst» 
standig: „Geschichte (Oesterreichs untl Ungarns 
im ersten Iahrnhnt t>c5 A 9. Jahrhunderts . Nach 
nii A riirnckteil Qurllrn" I. Band (Leipzig 
1844, Duncker und Humblot, gr. 8<>.), 
anch ungarisch erschienen (Budapesth bei 
Mor. Rath); einen Angriff auf dies Werk 
erwiderte er mit der nicht im Buchhandel 
derausgekommeiien Broschure: „Gegen 
Herrn Fournier. Eine Antikritik" 
(1883); in dem von der kaiserlichen 
Akademie der Wissenschaften (in Wien) 
herausgegebenen Archiv fur Kunde 

6 st erreichischer Ges chichtsquelleni 
„Zur Geschichte des Tiirkenkrieges Mar 
imiliansll . 1 363 und 1 366" 
^1873^; — „Zwei Schilderungen des 
Wiener Hofes" ' s 1880' s — „Berichte 
des Grafen Friedrich Lothar S t a d i o n 
1807-1809" » 8 8 1 A . - „Die Heirat 
der Erzherzogin M a r i a L uise mit N a< 
poleon I." sl882' s ' — „Erzherzog 
Karl als President des Hofkriega» 
rathes" ' s 1884' s ', — „Erzherzog Karl 
und die zweite Koalition 1798-1801" 
^1883^; in der van Sybel'schen Zeitschrift 
fur Geschichte: „Heiratsver» 
Handlungen zwischen Elisabeth von 
England und Erzherzog Karl von 
Oesterreich 1339—1361" sneue Folge, 
Bd. IV)- auch ungarisch in den Ab» 
Handlungen der ungarischen Akademie 
der Wissenschaften 1873; in den von 
Paul Hunfalvy herausgegebenen 
literarischen Berichten aus Ung 
a r n (unter spater verandertem Titel: 
Ungarische Revue) : „Oesterreich und 
Elisabeth von England 1363 
bis 1368" M . I a h r g , 1878, S. 214 
u. f . ' auch ungarisch in den Schriften 
der Akademie. Bd. VIII und im Sonder» 
abdruckt; — „Palatin Erzherzog Io> 
sephs Gedanken zur Rogenerirung Un< 
garns und Oesterreichs im Jahre 1810. 

Seite 180 



Wurzbach55 . txt 
Nach ungedruckten Papieren des Erzherzoga" 
sBd. V, 1 8 8 1 , S. 843 u. f.; auch 
ungarisch im Luaiiposti, s A sinio 1881 A ', 
— „H6rmannstadt in der zweiten Halfte 
des XVIII . Jahrhunderts . Mit Benutzung 
ungedruckter Quellen" s A Bd. V, 
1881, S. 721 u. f. und 823 u. f . ; auch 
ungarisch in der historischen Zeitschrift 
sxA/ A aol A ; — „Beziehungen Napoleons 
I. zu Ungarn. Auf Grundlage 
ungedruckter Quellen" A Bd. VII, 1883, 
S. 323 u. f . ' auch ungarisch im Lua A - 
pe A ti 8/.eml« 1883 A j', in den in unga« 
rischer Sprache erscheinenden Abhand» 
lungen der ungarischen Akademie histo» 
rischer Classe: A ,.< t61-ve A /.utt na A v< A s 
A .'lv6ts A 1787 - 1790", d. i. Die 
Quadrupelallianz (zwischen Oesterreich, 
Rutland, Frankreich und Spanien) 1787 
bis 1790 A 188(1 A ; -„I A ne-i A <n-82 A 
in A Fii.t<lrta, Sk I I . . I< ' ) xsut ' o2a . 5x A i ' n A lc 
I I . I A l AA 've« i»oi'o« A Ivil'<l.l, ) ' A l t<>i't6n6t 
t : ilalkoxii3iiivll . 1 «/.emdun", d. i. Frank» 
leichs Verhalten gegeniiber der Begeg» 
nung Kaiser Josephs I I . mit .Konig 
Friedrichll . Auf Grund unedirter 
Documente A 1843 auch im Separat» 
abdruck herausgegeben A ; in der Zeit' 
schrift 82 A .-5.60 A , d. i. Die Jahr- 
Hunderte: „VLikricxt ? ! aip ! oniA< : A la" , 
d. i. Venedigs Diplomatie im 16. und 
17. Jahrhundert' A 1877, 2. Heft A j; - 
17. 82a . xg . al) H, 1/ ' . d. i. Ungarns Bezie» 
hungen im 16. und 17. Jahrhundert 
A >; in der kovus liistori A ue : 
ineaits snr Uai-ie A .n- 
. Aufier diesen grofi>e»? 
Mertheimer, Gustav 123 Weriheimer, 

reu historischen Arbeiten verof f entlichte ' bartig, wo aufier ihm noch mehrere 
Tra° 

Werthe im er eine Reihe von Artikeln! ger dieses Namens ansassig sind. Ein 
nach ungedruckten Duellen in der Wiener! offenbar noch junger Kiinstler, dessen 
Neuen Freien Presse, wie: 
gedruckte Brief e Napoleons I." 
Feuilleton vom 27. Juli 1881 und 

12. und 14. Juli 1883 A ; — „Etiquettestreitigkeiten 
aus der diplomatischen A 

Jagd" auch von ihm ist, schon C'nde der 
Sechziger-Jahre fallt. Er ist ein Schiiler 
Makart's, und in der permanenten Aus» 

Welt" A 1882 A ; — „Aus dem Lebensstellung des Wiener Kunstlerhauses wie 
einer Wiener Dichterin (Gabriele Baum- A in den Iahresausstellungen desselben 
be» 

berg, Gattin des ungarischen Dichters ' gegnen wir ofter feinen Arbeiten. Er 
Bacsanyi) " A 884 A ;— „Der Herzog! hat sich vornehmlich der Historie 
zuge« 

von Reichstadt" j A Nr. vom 19. Juli ! wendet, doch sind auch Bildnisse, und 
18841; — „Zur Halsbandgeschichte" ! darunter namentlich aus erster Zeit ganz 
A Nr. vom 23. April 1884 A ; — „Zur vortref f liche, von ihm vorhanden. Von 
seinen Staff eleibildern nennen wir: „Ner 
Nlumln Niiche", 1877 gemalt, wovon die 
„Neue illustrirte Zeitung" (Wien, Zamarski) 
1877, Nr. 19, das Wiener 
„Salonblatt" nach einer Zeichnung von 

Seite 181 



Wurzbach55 . txt 

Jg . Eigner, und I.I. Weber's 

Geschichte des Luxus in Oesterreich" 

^1883^; — „Culturgeschichtliches aus 

Alt-Wien" A Nr. vom 27. und 28. Ian> 

ner 1883 A ; — „Zur Geschichte der 

Wiener Cafas" A Nr. vom 13. Sevtem« 

ber 1883 A ; — «Zur Geschichte der 

Wiener Vorstadttheater " Mr. vom 

1. October 1886 A j. Auch erschienen noch 

„Meisterwerke der Holzschneidekunst " , 

Holzschnitt von Heuer und Kirmse, 

verschiedene Artikel Wertheimer ' s 

im „Pesther, Lloyd" und Kritiken in der 

Syb el'schen Zeitschrift, in den A saxHa 

o 1 i " , im A Vli< A n . A u, ?ti ia^einlK" und in 

den >,lV»vliro3i ln,l»o A -. Ferner hielt er A 1879; — „Tin 

von Zeit zu Zeit wissenschaf tliche (o. i. ! „Z A n"ina". im 

geschichtliche) Vortrage in der ungarischen 

Akademie der Wissenschaften, so im Fe> 

bruar 1881, wo er iiber franzosische Be» 

richte iiber Ungarn aus dem XVIII . 

Jahrhunderte las auf Grundlage mehr» 

monatlicher Forschungen in den.<rekiv63 

nationales und im Archiv des franzosi' 

sche:i Ministeriums des AeuBern. Paul 

Hunfalvy gab in seinen mehrcitirten 

„Berichten aus Ungarn" (18 8 1, S. 187) 

Auszuge aus diesem Vortrage. ! Indlumrdll"; in der Antwerpener Aus- 

! stellung 1886: „Nie GunLtun A drZ Vchcrr- 

Wertheimer, Gustav (Maler, Ort ! 5chrr5 der Gillubi^n" . eine bizarre Scho« 

und Jahr seiner Geburt unbekannt), ! pfung, im prachtigen Holzschnitt aus der 

ZeitgenoB, wahrscheinlich aus Wien ge A xylographischen Anstalt von Kase berg 

Nachbildungen brachten, von denen die 

letzte weitaus die beste ist; — > „Nie tblllkure". 

1878; — „Narnroachrn" , zwei Bilder 

1876 uud 1877; - „Znzllnnll", 

Holzschnitt aus der 

xylographischen Anstalt von H. Paar in 

der „Neuen illustrirten Zeitung", 1878, 

S. 44, ein Bild von kolossalen Dimen> 

sionen, welches H. A. Muller, wenn 

auch einen Gegenstand der Verirrung, 

doch ein Werk nennt, das ein bedeutendes 

Compof itionstalent und ein richtiges 

coloristisches Gefuhl verrath; in der inter» 

nationalen Kunstausstellung im Glas» 

palaste zu Miinchen 1879: „Per5en5 unk? 

Mertheimer, 124 Wertheimer' 1 Joseph 

und e r t e 1 , Nr. XVIII des 8. Bandes 

der „Meisterwerke der Holzschneidekunst". 

Von seinen Bildnissen nennen wir das 

der „Familie K ' llmentelt»" 1879, dem 

originelles Concept und kraftiges Colorit 

nachgeruhmt wurde; — „Nie Ziingerin 

Xnrcll", in der Rolle als Carmen 

1879; aus Holzschnitten sind uns noch 

bekannt : „Guck, Guck ! " , ein in einem 

Fenster mit der Katzc sitzendes Kind; ein 

gan; allerliebst ausgefuhrtes Sujet, in 

der rylogr. Anstalt von Brendamour 

geschnitten, Nr. L X X I X der „Meisterstucke 

der Holzschnittkunst" ; — „Die 

Gansehiiterin" in der „Neuen illustr. Zeitung" 

vom ?. Juli 1878. Nach Hamerling's 

Seite 182 



Wurzbach55 . txt 
„.ttonig von Sion" zeichnete 
er den Carton „Tempelorgie" . Von seinen 
Arbeiten aus dem Gebiete der decorativen 
Malerei wurde ein groBes Deckengemalde 
„Venus Anadyomene" geruhmt. 
H. A. M u 1 1 e r in dem in den Quellen 
genannten Werke nennt von Werth- 
Heimer's Bildern auch noch eine der Urmythe 
entnommene „WildeJagd", welche 
wie die Allegorien des Orkans noch 
Mangel an kunstlerischer Durchbildung 
zeigen. I n diesem Bande wird S. 121) 
unter Nummer 3 bei dem Kupf erstecher 
I g u a z Joseph Wert he im im Texte 
ein Maler und sein Bild „Die wilde 
Jagd" erwahnt . Die dort angefuhrte 
Quelle nennt den Kiinstler Wertheim, 
bei M u 1 1 e r erscheint als Maler des 
Bildes Gustav Wertheimer. Wahrscheinlich 
sind ea die Namen eines und 
desselben Kiinstlers, wie ja auch die 
Trager dieses Namens ofter in beiden 
Schreibungen erscheinen. 

M u 1 1 e r (Hermann Aler. Di-.) . Biographisches 
Kiinstltt ' Lexikon der Gegenwart . Die dekann» 
testen Zeitgenossen auf dem Gesammtgebiete 
der bildenden Kiinste aller Lander mit An« 
gade ihrer Wrrie (Leipzig 1882, Vibliogr. 
Institut, dr. 5".) S. 534. - Wiener all> 
gemeine Z e i t u n g uom 14. Mai li>81. 
Nr 433 im Feuilleton: „ Im Kiinstlerhause" . 

— OesterreichischcK unst < (5 h r o n Herausgegeben uon 2' 
Heinrich K:lbdeliu 

(Wien. 4".) Bd. 1 (1878). Nr. 4 . 3 . 36 und 
Nr. i i . S . 16i); Bd. Ill (18?9). 3.42. 15»; 
Bd. IV, S. 2 1 . 

Wertheimer, Joseph Ritter von (Hu. 
manist und Schrif tsteller , geb . in 
Wien am 13. Marz 1800) . -prop 

einer alten, angesehenen israelitischen Familie. 
Sein Vater selbst wiirdigte in 
hohem Grade Kunst und Wissenschaft 
und verkehrte auch viel und gern mit 
Personen, die in dieser Hinsicht hervor» 
ragten. So sei von vielen nur Einer ge» 
nannt, der beiihmte Joseph von Son> 
nenfels. Bezeichnend fur Wertheimer 's 
des Vaters Charakter diirfte das 
ihm gewidmete Epitaph sein: „Der vor 
Menschen nie, vor Gott allein sich 
beugte". Zugleich mit seiner einzigen 
Schwester Annette, die sich spater 
nach London verheiratete und gegenwartig 
Schwiegermutter desPublicisten Dr. Mar 
Schlesinger ist, wurde Joseph im 
Elternhause sorgfaltig erzogen. Dann 
besuchte er kurze Zeit das seinerzeit sehr 
geriihmte Wiener Erziehungsinstitut 
Krause in der Iosephstadt. Fur die 
kaufmannische Laufbahn bestimmt, kam 
er im Alter von 1!> Jahren in das 
Comptoir des Freiherrn von S t i f f t 
j A Bd. XXXIX, S. 7 A j, wo er funf Jahre 
verblieb, darauftrat er in das Comptoir 

Seite 183 



Wurzbach55 . txt 
seines Vaters und wurde 1821 dessen 
of f entlicher Gesellschaf ter . Neben diesem 
praktischen Berufe war es aber noch 
Eines, wofur Wertheim er sich vor 
Allem interessirte : das Studium pada> 
gogischer Schriften, welches er bereits als 
Jiingling liebte und spater getreulich 
fortsetzte. Er horte, urn sich darin ganz 
ordnungsmaflig auszubilden, auch einen 
Curs iiber Padagogik und unterzog sich^ 
Mertheimer, Mertheimer, Io''epu 

daraus einer Priifung, welche glanzend! Bewahranstalten bei der Regierung ein 
ausfiel. Zugleich mit dieser Lecture oder A gereicht. Frau Karoline Picbler, 
ocren 

hervorgeruf en durch dieselbe, entstanden i Gatte eine emf luflreicke 
Negieruuqs seine 

erziehlichen Bestrebungen, die wahl stelle bekleidete, nahm sich der Saa'e 
reud seiner in den Jahren 1824, 1826 warm an. Die Denkschrift wurde nun 
und 1826 nach Deutschland, Italien, 
Frankreich und England unternommenen 
lithographirt und an alle Pfarren Wiens 
mit der Auf f orderung, ihr Gutachten 

Reisen zur Reife gediehen und ein Haupt- A dariiber einzusenden, vertheilt. Von 
moment im Leben dieses Humanisten! sammtlichen A2 Pfarren erklarten neb 
bilden. I n England richtete er vor! zwei, die in der Leopoldstadt und am 
Allem sein Augenmerk auf die 1824 von ! Nennweg, fur das Prolet' alle anderen 
einem Vereine wohlgesinnter Manner! verwarfen es als unniitz, ja als gefahr 
und Frauen ins Leben gerufenen K 1 e i n - j lich, weil die unte,en Volksclassen 
durch 

kinderschulen, durch welche so viele A die Ausfiihrung desselben zu sehr „ge A 
Kinder niederen Volke«, denen von ihren bildet" wiirden. (Heute zahlen die 
Geistaltern 

keine Aufmerksamkeit zugewendet 
werden kann oder aus verbrecherischem 
Leichtsinn nicht zugewendet wird, dem 
sittlichen Verderben entzogen werden. Er 
studirte diese Anstalten und iibertrug 
sofort nach seiner Riickkehr eine von dem 
Vorsteher der Londoner Central ' Kinoerschule 
S. Wilderspin herausgegebene 
Schrift ins Deutsche. Nicht nur wurde 
diese Uebersetzung, welcbe unter dem 
lichen Wiens zu den eifrigsten Forderern 
der Bewahranstalten.) Indessen hatte 
sich die menschenf reundliche Grasin The« 
rese Brnnawick »Korompain Pesth 
mit Werthe im er in Verbindung geseht 
und von seinen Rathschlagen geleitet 
am 1. Janner 1828 in der Christinenstadt 
in Ofen eine Kmderbewahranstalt er« 
offnet, in welcber in kurzer Zeit 1A) >tin» 
der Aufnahme fanden. Bald folgten 

Titel: „Ueber fruhzeitige Erziehung und 1 dieser ersten Anstalt in Ungarn 
mehrere, 
englische Kleinkinderschulen . Mit Zusatzen ! und nun begann man auck in Wien der 

von Seite des Uebersthers" >Wien 182 (>. 
Gerold. 2. Aufl. 1828» erschien, in 
PreuBen behufs Forderung des offentlichen 
Wohles empfohlen, sondern auch 
ihre Anschaffung aus offentlichen Kassen 
unterstutzt ; in Oesterreich setzte eine dem 
Fortschritte feindliche Partei gegen diese 
„verderbenbringende Idee" eine erfolg» 

Seite 184 



Wurzbach55 . txt 
reiche Agitation in Scene. Den Ertrag 
dieser Schrist aber widmete Wert heiin 
er der ersten in Wien zu griindenden 
Bewahranstalt . Fur die Culturzustande 
Oesterreichs im „Vormarz" erscheinen 
folgende Thatsachen bezeichnend. Wert» 
Heinier hatte kurz vor dein Erscheinen 
obiger Schrift ein Promemoria iiber die 
Nut zlichkeit und Nothwendigkeit solcher 
Sache naher zu treten. Der Pfarrer am 
Nennweg, Johann L in oner, die WicW 
tigke't eines solchen Institutes uollkommen 
wiirdigend, reichte bei der Behorde 
den Plan, eine derartige Anstalt ins 
Leben zu rufen, ein und erhielt von ihr, 
wie vom erzbischof lichen Consistorinm zu 
Wien die voile Billigung. Am Geburtstage 
des Kaisers Franz . am N. F^ 

bruar 1830, wurde die erste Kinderbewahranstalt 
in Wien gegriindet 

und im Mai dieses Jahres eroffnet — 
womit sich die in der Biographie Seb. 
Will. Schiefiler's M . XXIX, S. 

ausgesprochene Vermuthung berichtigt, 
daB die von demselben in Pilsen 
gegriindete Kleinkinderbewahransta.lt die^ 
Wertheimer, Iofeph Wertheim er. Joseph 
erste in Oesterreich gewesen; sie war nur 
die erste in Bohmen. Bald folgten ahn« 
licke Institute auf der Wieden und in 
Margarethen. Das Aufbliihen derselben 
veranlaBte die Griindling eines Central- 
Vereines, dessen oberste Schutzfrau die 
Kaiserin Karolina Augusta wurde. 
Wertheimer ward zu den Berathungen 
dieses Vereines als standiges Mitglied 
beigezogen. Als bald darauf der Wiener 
Hilfsverein und der Schuhverein fur 
entlassene Straflinge und verwahrloste 
Kinder ins Leben traten, wirkte unser 
Humanist, der bei ihrer Griindung auf 
das eifrigste mitthatig gewesen war, als 
Vereinsdirector fur das Wohl entlassener 
Straflinge auf das segensreichste . !840 
rief er einen V e r e i n zur Beforderung 
der Handwerke unter den 

inlandischen Israeliteu ins Leben. 
Dadurch ward nicht nur den Kindern 
armer jiidischer Eltern die Moglichkeit 
geboten, in Wien ein Handwerk zu er» 
lernen, sondern es fiel auch das Vorurtheil 
von der Arbeitsscheu der Juden, 
und thatsachlich wendeten sich bald Hun» 
derte den Handwerken, und zwar den an» 
strengenderen, wie der Schlofferei, zu. 
^843 griindete er nun die israelitische 
Kinderbewahranstalt in der Leo 
poldstadt. Dieselbe befand sich ursprunglich 
in einem gemietheten Locale. 
Als er in der Folge sich urn die Begun» 
stigung bewarb, fur diese Anstalt ein 
eigenes HcuN erbauen ; u durfen, gelang 
es seinen Bemuhungen, vereint mit denen 
seiner Gattin und der Wiener Frauen 

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Wurzbach5 5 . txt 
Sophie Freiin von Todes co, Emilie 
von Schnapper, Luise B e y f u &, 
Rosa Schiff, Sarah von Stern und 
Ottilie B o n d y , durch Spenden und 
Darlehen wohlthatiger Gemeindeglieder 
die Mittel zum Bau eines Hauses 
zusammenzubringen, welches dann so» 
fort auf der Haide Nr. 9 erbaut, am 
16. Mai t838 feierlich eroffnet und seiner 
Bestimmung iibergeben wurde . I m Februar 
1868 fand die Jubelfeier des funfundzwanzig jahrigen 
Bestandes dieser An> 

stalt statt, in welcher auch die Spiele 
und Beschaf tigungen des Frobel'schen 
Kindergartens eingefuhrt waren. Im 
Sommer let ztgenannten Jahres besich. 
tigte Wertheimerin Gotha die 
Kohler ' fche Anstalt fur Kindergart ' 
nerinen, durch welche die Griindung 
einer gleichen in Wien in Verbindiing 
mit der israelitischen Kleinkinder' 
bewahranstalt angeregt worden war. 
Nun legte er das Programm dieses neuen 
zu errichtenden Institutes, des ersten in 
Oesterreich-Ungarn, der Regierung vor, 
welche es genehmigte, worauf am 1. Oktober 
1868 auch der Lehrcurs eroffnet 
wurde. Lange friiher noch, namlich 1834, 
hatte er schon die Griindung eines Pen> 
sionsinstitutes fur israelitische 
Bethausbeamte ins Leben gerufen. 
Die Sitte, daB diejenigen Israelitm, 
welche sich urn das offentliche Wohl be» 
sonders verdient gemacht, an der an vier 
groBen Festtagen abzuhaltenden „Seelen» 
feier" namentlich angefiihrt werden, bot 
ihm eine Handhabe zur Verwirklichung 
dieser Idee, denn durch Wort und Beispiel 
hatte er dahin gewirkt, dafi> sich an 
diesen Brauch bedeutende Schenkungen 
und Vermachtnisse kniipften, wodurch das 
erwahnte Pensionsinstitut ins Leben ge> 
rufen wurde. Aber immer wieder behielt 
dieser Humanist die Kinder im Auge . 
Bei einem Festmahle im Jahre 4860 
hielt er im Namen des Vorstandes der 
israelitischen Cultusgemeitide einen Vor» 
trag, zum bleibenden Andenken des den 
Iscaeliten verliehenen Rechtes, unbewegliches 
Eigenthum zu besitzen, einen Verein 
A ur Erziehung israelitischer^ 
Wertheimer, Joseph 127 Wert heimer, Joseph 
Waisen zu begriinden. Mehrere einfluB 
reiche Manner schlossen sich ihm an; sie 
gingen von Haus zu Haus sammeln, 
und in kurzer Zeit waren 4s>.0(l(j fl. zu« 
sammengebracht , und die provisorische 
Wirksamkeit des Vereines trat ins Leben. 
Wurde bisher die eine, und zwar die 
humanistische Thatigkeit Werth ei» 
mer's als seine hauptsachliche darge» 
stellt, so find doch noch seine agitato- 
rische fur die Gleickberechtigung 
seines Stammes und seine schrift 

Seite 186 



Wurzbach55 . txt 
stellerische im Allgemeinen mit wenigen 
Worten zu schildern. Seiner 4826 erschienenen 
Nebersetzung des Wilderspin ' schen 
Buches wurde schon gedacht; 
in dieser Richtung liefl er dann das Buch 

„Chrresr, rin Handbuch fur Mutter nntl Kinderwartrrinen" 
(Wien 1833, Fol.) folgeu. 

Nun betrat er mit einem Male das schongeistige 
Gebiet und brachte: . . Dramatische 
Ncitlagr" (Wien 1838), welche das einactige 
Originaldrama „Der Hirtensohn", 
in dem Metastasio handelnd auftritt 
(im Burgtheatec aufgefuhrt), und drei 
Uebelset zungen enthalten: „Der Buckelige", 
Schauspiel in funf Acten, nach 
dem Englischen des Sheridan Knowles 
frei bearbeitet und im Wiener Burgtheater 
1833 aufgefuhrt; dies mtt 
groBem Beifaile aufgenommene Drama, 
in welchem Ludwig Lowe und Karl 
Laroche glanzend wirkten, blieb durch 
eine Reihe von Jahren ein Repertoir. 
stuck des Hofburgtheater : " ; „Eheliches 
A ebeu", Lustspiel in vier Acten nach 
Buckstone und „Der Mantelsack", Lustspiel 
in einem Acte nach Gilbert;— 
nach mehr als vierzig jahriger Pause: 
^udoiill", historisches Drama in funf 
Acten, den Biihnen gegeniiber Manu» 
script (Wien 1879, Rosner, 8".), welches 
der Verfasser anlaBlich seines acht zig jahrigen 
Geburtstages seiner Gattin widmete. 
I m Uebrigen wendete sich Wert 
A , heimer m seiner schrif tstellerischen Tha» 
- tigkeit den ernsteren Disciplinen zu und 
! verof f entlichte : „Nir Jutlkn in Oesterreich 
j lllim Ftlludpnnkte tirr «Urschichtr. de' 1 Nrchtra 
nnd lies Ftllut5Ulllurt ! iril5 " . 2 Bande (Wien 
1842) ; diese epochemachende Schrift 
wurde in der vormarzlichen Zeit anonym 
! herausgegeben und ist als Hauptquelle 
der Geschichte der Juden in Oesterreich 
un groBen encyklopadischen Werke von 
! (5 rsch und G rude r benutzt worden; — 
„Nie Stellung der Aniicn in Oesterreich" (Wien 
181>3); — „Die Negclung der 5wllt51iursirl ' ' 
lichln Stlllnng der Juden in OeZterreich" (Wien 
1839) . Diesen Broschiiren schlieflen sich 
zwei lverthvolle viel spater erschienene 
an: „Hm Eiullncisilltiun unsrer G . ' llnbkuzgenllZscn" 
(Wi A n 1882, Holder) und 

„Mdizche H.'ehrr null sniii ' ichla Abm. mit bl511ntlerer 
Drzikllllng ant' dir Zuden in Gesterrcich" 
(zweite revidirte und vermehrte Auflage, 
ebd.) . Seit dem Jahre 1848 aab er 
den „Wiener Geschaf tsbericht " heraus, 
der sich in alien Merkantilischen Kreisen 
des In° und Auslandes in kiirzester Zeit 
seiner VerlaBlichkeit und praktischen Ein- 
-richtung wegen bald einburgerte; die ihm 
seit 1839 angeschlossene Wochenbeilage 
enthalt groBtentheils nationalokonomische 
mit SachkenntniB geschriebene Aufsatze 
des Herausgebers . Als im Winter 

Seite 187 



Wurzbach5 5 . txt 
1860/61 der Finanzmmister einen kleinen 
Kreis von Fachmannern zu einem Cyclus 
von Berathungen uber die Wiedecher 
stellung der Valuta, diese Sysiphusarbeit . 
die nie zu einem Ende kommt, berief, 
wurde auch Wert he im er denselben 
beigezogen. Seit dem Jahre 1834 gab 
cr das „Jahrbuch der Israeliten", und 
zwar bis 1860 allein, von da ad bis 
1866 in Gemeinschaf t mit Dr. Leopold 
K o m p e r t heraus, worauf es von 
S. S z a n t 6 fortgesetzt wurde. I n£ 
Wertheimer, Joseph 428 Wertheimer, I 
den genannten Jahrgangen, in welchen 
er von den namhaf testen judischen Gelehrten 
mit Beitragen unterstiitzt wurde, 
schrieb er selbst die Nekrologien denkwiirdiger 
Juden der abgelaufenen Jahre, 
die Ehrentafel ausgezeichneter Juden 
und die Riickblicke auf das vergangene 
Jahr. soweit es sich urn israelitische I n - 
teressen handelte. Diese vielseitige und 
Wien aber ehrte den Humanisten durch 
Verleihung des tarfreien Biirgerrechtes . 
Im Jahre 1829 hat sich Nertheimer 
vermalt, und seine Gemalin Henriette 
geborene U 1 m a n n aus Augsburg, 
mit der es ihm vergonnt war, 1879 die 
goldene Hochzeit zu feiern, theilt 
sich mit Eifer und sinnigem VerstandniB 
in die humanitaren Bestrebungen ihres 

besonders auf humanistischem Gebiete A Gatten, sie ist Directorin der von ihm 
ebenso verdienstliche alo segensreiche Wirb A gegriindeten Kinderbewahranstalt 
und 

samkeit fand nicht nur zunachst in israeli- A dann eines Vereines zur Forderung 
des 

tischen Kreisen, sondern auch von Leite! Schulbesuches armer Kinder, der die 
geder 

maftgebenden Behorden und hopsten ' deihlichsten Fortschritte machte. Aber noch 
Ortes vielfache Wiirdigung. Wir iibergehen 
die zahlreichen belobenden Anerkennungen, 
welche ihm von Seite der A 

kaiserlichen Behorden zutheil wurden, die 
Ovationen, welche man ihm darbrachte, 
als er sein Ehrenamt als Vertreter der 
israelitischen Eultusgemeinde Wiens und 
als Prases des Vorstandes derselben 
niederlegte, und die er in einem eigenen 
Memoire, betitelt: „Abschied bei Zuriick» 
legung u. s. w.", beschrieb; wir gedenken 
nur, dafl ihn Seine Majestat der Kaiser 
Eines that sie, sie half ihm sein Heim 
traulich fur sich und Andere gestalten, 
denn Wer thei mer's Haus in Wien 
war ein gastliches, in welchem sich die. 
geistigen Elemente der Metropole gar oft 
ihr Stelldichein gaben, 
musicalischen Geniissen 
urn ebenso an 
theilzunehmen, 

an geistigem Austausch sich wechselseitig 
zu heben und zu fordern, als auch an 
auserlesenen Tischfreuden den Korper ; u 
erquicken. Wir konnen nicht alle nennen 

Seite 188 



Wurzbach55 . txt 
die beruhmten Namen, die an manchem 

wiederholt auszeichnete, zuerst durch die Abend der Wertheim ' sche Salon ver» 
goldene Medaille fur Kunst und Wissen« A sammelte, aber einige seien genannt, 
die 

schaft, dann am 9. Juni 4 8 60 durch uns eben in das GedachtniB kommen: 
Verleihung des Franz Joseph Ordens, ! Bauernfeld, Baumann, 3. A. 
am 22. April 1868 durch Verleihung des ! F r a n k 1 , Eeuchtersleben, Frau Hai- 

Ordens der eisernen Krone dritter Classe, Dinger, Grillparzer, 

Holbein, Hol» 

welchem statutengemaB die Erhebung in A t e i , Kaltenbeck, Kuranda, La 

den osterreichischen N i t t er stand folgte. ! Roche, 0. Prechtler, Adolf Neu» 

AuBerdem wurde am 3. December 1839 A stadt, Seligmann, Schober, Wirt 

Werthe ! mer's Bildn'B in der neu» A Hauer, Luise Neumann, denen sich 

erbauten israelitischer : Kleinkinderbewahr» A auch zu Zeiten illustre Fremde 

gesellten, 

anstalt in der Schif f amtagaf se der Wiener! wie Cesare Cantu , Oehlen schlag er 

Leopoldstadt auf gestellt; aus AnlaB seines ! und Andere, und mochte dem Haus- 

Riicktrittes von der Stelle des Vorstands-< Herrn auch die altclassische 

Ausbildung 

Prases der israelitischen Eultusgemeinde ! fehlen, dafiir gebot er iiber eine 

desto 

im Jahre 1868 lieBen die israelitischen! reichere allgemeine Bildung, iiber groBe 

Cultusbeamten eine Medaille mit seinem > KenntniB der historischen und schon» 

BildniB pragen; die Reichshauptstadt ! geistigen Literatur, mit denen er eine 

voll-? 

Mertheimer, Joseph 129 Joseph 

endete KenntniB der modernen Sprachen 

verband. 

Zosepy Nitter von Wertheimer's goldene Oochzeit. 

Dieselbe fand in der zwei:en Juniwoche 

1879 state. 3?e begann am 7, Juni mit der 

Feier in der Stadcsynagoge, an t'cre.'i Zu« 

standekommen im Jahre 1826 er gelbst der» 

vorragenden Antheil hatte. Kantor S u 1 z er 

hielt den feierlichen Gottesdienst; Prediger 

Dr. Iellinek die Festpredigt. Am 8. Juni, 

einem Sonntage, bereitete drr Damenvor« 

siand der israelitischen Kinderdewahr« und 

Kindergartnerinenbildungo-Anstalr dem goldenen 

Hochzeitspaare die Ovation. Der Act 

wurde mit einem Liede eroffnet, eine der 

Kindergartnerinen trug dann ein von Betti 

V a o 1 i zu dieser Feier eigens verfaBtes Ge« 

dichi oor, und Nadbincr Gudeinann hielt 

eine Huloigungsrede . Am i 1 . Juni fand nun 

die eigentliche Feier statt, welche von dem 

Vorstande und der Reprasentanz der israeli» 

tischen (5ultu5gemeinde veranstaltet wurde und 

urn 11 Iidr mit dem C'rsch.inen der Vor» 

stande in colporo begann. Dr. Kompert 

verlas die auch von ihm verfaBte Adresse, dann 

erfolgte die Ueberreichung der sinnigen Ehren« 

gaben, darauf erschien die Deputation jem-r 

Beamten der Gemeinde, welche noch unter 

Wertheime r's Prasioentsckaf t angestellt 

worden ' ) lachdem Oberc.'Ntor T u 1 z e r d'e 

Adresse dieser Beamten verlesen t>atte. schloB 

sich an dieselben die Deputation der israeliti« 

schen Neligionolehrer . Nm vier, UI)r Nach ' 

mittags erschien der Vorstand der israeliti« 

schen Allianz, gefiihrt uon Dr. Kuranda, 

Seite 189 



Wurzbach5 5 . txt 
als erstem Vizeprasidenten, daran reihten sich 
noch Deputationen verschiedener Vereine. Die 
oben erwahnte von Dr. Kompert »erlesene 
Adresse war prachtvoll ausgestattet . 3ie trug 
an der Spitze das Wappen Nertheimer ' s 
in Aquarellmalerei, war von sammtlichen 
20 (5ultusreprasentanten unterf ertigt , und es 
lagen ihr die Widmungsblaiter von mehr 
als vierzig Wiener Synagogen und Wohl« 
thatigkeitsinstituten bei. Unler den verschiedenen 
Ehrengaben war die sinnigste ein 
Eichenkranz aus griin emaillir : en und 
goldenen Blattern, auf welchen die wichtig» 
ften Denktage im Leben de?, Jubelpaares ein» 
graoirt waren, und zwar.- 11. Juni 182!i z 
Trauungstag; 11. Juni 1879 goldene Hoch« A 
zcit; 12. Marz 1800 Geburtstag des Iudi> A 
laro; 18. Marz 1804 Geourtsiag der Iubi» ! 
larm; f«mer die Grundungstage der Kinder« ! 
v. Nurzbach. biogr. Lerikon. I.V. A Gedr. 2 
5 be ' wadranstalt . oco Waisenorreines, drS Oano. 
werkrrvcreines , darauf der Eintritt Vert« 
brimer's in den l>ultusoolstand. die Dauer 
sr ner Prasidentschaf t und das Jabr. in wel» 
ckem scin Werk: „Die Juden in Oesterreich" 
erschienen war. — Eine zwcite (vdreugabc 
dastand in einem kostbaren silbrrnm Tafel» 
aufsahe; die dritte in der von drin Buch» 
Halter der t>ultuogemeinde . schiff, vcr A 
faBten ftati st'schen Tabelle, welche die Wirk. 
samkeit. den Verm^grnostand und d!e innere 
Geschickte des Naiseuerz ' . rdung^vercinea enc« 
dielt. ) tebrn einer Nn;adl ,/N l)n Telegrannucn 
und Zuschriften ans der Nade und Frrne sei 
noch folgende Kundgebungen gedacht . Die 
deutsche Botschaft am kaiserlichen 5ofc iiber« 
gab ein ini Auftra «e des deutschen Kaisers 
an das Jubelpaar grrichcctl's Tchrribcn. aus 
welchem wir erfahren, daB auch der deutsche 
Kaiser mit seiner Gemal,n am i 1 . Juni seine 
goldenr Hochzeit feierte, und da aus AnlaB 
dieses selrenen Zusammentref f ens das Wiener 
Jubelpaar Ihren Majestaten seine Wiinsche 
dargebracht kabe . auch Idrc Majestaten diese 
dem Wiener Jubelpaare erwidern. I n Betreff 
der iibrigen zahlreichen Kundgebungen, wtlche 
in sinnigen OeschrntVii. Edrendiolomen, 
Oliickwunschadressen, in Zeitschrif ten abze« 
druckten Biographien dro Jubilar? n. s. w 
u. s. w. b'standen. verweisen wir unten auf 
di> Quelle; erwahnen aber nrch. dafi 
Hcrr Frlir Not!', k. k. beeideirr B6rsen« 
sensal. aus Anl^fi dieser. Feier Ein« 
tausend Gulden Papierrente der Cultus» 
gemeinde zu dem Zwecke iibermittelte, daB 
die Zinsen diesrs Betragen unter deni Namen 
Iosepk und Henriette von W e r t he im« 
Stiftung als Beitrag zur Verpflegung eines 
Pfriindners zu verwenden seien. A Dle Neu« 
zeit, Wochenschrif t fur politische, religiose 
und Culturiitteresscn . Reoigirt von S. Szant 6 
(Mm. 4".) XIX. Jahrg. . 13. Juni i87!>. 
Nr. 24: „Die Nertheimer-Feier" . ) 
Ritter ucin Wcrtlieimer ' s Wappen. Tchild 

Seite 190 



Wurzbach5 5 . txt 
durchzogen von einem schragrechten goldenen 
Balken, welcher in der Mitte von einem 
naturlichen durch seinen gegen den rechten 
Oberwinkel gerichteten Pfeil bespannten B > 
gen belegt und an beiden Enden mit einem 
blauen von vier blauen Faden besaiteten 
Streifen schraglinks durchschnitten ist. Oben 
links in Roth ein goldener rotdbezungcer 
Low?, in der rechten Vorderpranke ein Bundel 
natiirlicher Pfeile vor sich nagend. Untrn in 
7. Apnl 18 87, A z 9^ 

Wertheimer, Joseph 130 Wertheimer. Samson 
Blau rechts eine hinter naturlichem Gebirge 
goldstrablend aufgehende Sonne. Auf dem 
oberen Rande des Schildes ru"en zwei Tur< 
nierhelme. Die Krone des rechten tragt einen 
offenen, rechts von Blau iiber Silber, links 
abgewechselt , quer getheilten Adlerflug, dem 
ein goldener Stern eingestellt ist; und aus 
der Hrone des linken Helmes wachst ein dem 
im Schilde ersichtlichen ahnlicher einwarts 
gekehrter deladener Lowe hervor. Die Helmdecken: 
die des rechten Helmes sind blau mit 
Silber, die des linken roth mit Gold unter< 
legt . Unter dem Schilde schlangelt sich ein 
blaues Band, darauf in silberner Lapidar« 
schrift die Devise: I A uce et concaraia. 

(Quellen. Wolf' . Gm'mi) . Iosepd Wertheimer. 
Ein Lebrnii- und Zeitbild. Beitrage zur Geschichte 
der Juden Oesterreichs in neuester 
Zeit (Wien 1868, Hrrzfelder. 8".) . — Joseph 
Wertdheimer ' 6 Abschied bei Zu« 
riictlegung seines Ehrenaiutes als Vertreter 
der israelitischen <5ultusgemeinde Wiens und 
als Prases des Vorstandes derselben (Wien 
18<>8. Engel und Sunn, 8".. 1« S ) . - 
Riickblicke. Zur Einweihung des neuen 
Hauses der israelitischen Kinderbewahranstalt 
in Wien. Von Joseph Wertheimer 1838 

(Wien, Sommer, gr. a".. 14 Seiten) . — 

G r a f f e r (Franz) . Jiidischer Plutarck 

(Wien 1848. 8") I. Alphabet. 3. 23». - 
Jiidisches Athenaum. Galerie beriihmter 
Manner jiidischer Abstammung und jiidischen 
Glaubens von der letzten Halfte des acht-, 
zehnten bis Zum Schliisse der ersten Halfte 
des neunzehnten Jahrhunderts (Grinnua und 
Leipzig 1831, Verlagscomptoir , br. 12") 
S. 243. —Die Neuzeit. Monatschrift fur 
politische, religiose und Culturinteressen . Red. 
und verl. von S z a n t 6 (Wien) 1870. Nr. 7: 
„Zum Alters jubilaum Wertbeimer ' s " und 
187«, Nr. 23: „Die Ncriheimer-Feier . — 
Der osterreichische K in der freund- 
Illustrirte Zeitschrift zur Forderung einer 
rationellen Kleinkindererziehung . Nedig. von 
Ludwig Schindler (Wien. 8") I . Jahrg., 
t . Marz 1878, Nr. 3: „Joseph Ritter von 
Wertheimer". Von A. S . F i s ch e r . — 
51 esterreichisch e N a t i onal» Encyklo< 
padie . Von G r a f f e r und (5zikann 

(Wien. 8«.) Bd. V I , 2 . 80. - Wiener 

Mittheilungen . Zeitschrift fur israelitische 
Culturgegenstande . Herausgegeben von 3et» 

Seite 191 



Wurzbach55 . txt 

t e r i s 1838, Nr. 48: „Ovation fur einen 
Menschenf reund" ; 1860, Nr. 24,: „Joseph 
Wertheimer" . ''Witthauer . Wiener Zeit» 
schrift (gr. 8".) 1838. Beilage (Literaturblatt ) 
zu Nr . 48 . 

Portraits. 1) Schoner, sehr ahnlicher Holz» 
schnitt im oberwahnten „Kinderf reund" 1878. 
Nr. 3. S. 43. - 2) Auf der Abbildung der 
Denkmunze, welche bei H. E n g e 1 und Sohn 

(Wien, 8".) erschienen ist. 
Denkmunze. Die Beamten der israelitischen 

(Lultusgemeinde in Wien haben bei Gelegen« 
heit der Zuriicklegung seines Ehrenamtes als 
Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde 
NienS 18118 auf Wertheimer eine 
Denkmunze von Professor Karl Radnitzku 
pragen lassen. Dieselbe stellt im Avers 
das links gewendete Brustbild Werth ei« 
me r's vor mit der Inschrift: „ Joseph Wert' 
heimer" . Die Neversseite mit einer vierzeiligen 
hebraischen Inschrift in einem Kranze, 
welche Herauiigebcr auf der ihm vorliegenden 
Abbildung des verwischten Abdruckes wegen 
zu entziffern nicht vermag. Urn die auliere 
Peripherie des Kranzes stehen die Worte: 
«l'iiuil i^uitus^oniLNiao in >Vi«n 1867". 
Auch eine lebensgroBe Biiste wurde bei diesem 
Anlasse, ebenfalls von Nadnilzky modellirt 
und von Adolf Neustadt dem Jubilar ge» 
widmet . 

Samson Werth ei in er — m:ch Wert Heini 
— (geb. 13. Februar 16»tt. gest. in Wien 
am 13. Juli 1724) . Eine der interessantesten 
humanitaren Personlichkeiten d<s 6sterreichi» 
schen Judcnthums . Oin Sohn Joseph Io> 
sele Wcrthrim ' s aus Worlus, kam er 
1683, im Alter von 27 Iabren nach Wien. 
Gr war ein Jude von seltener Gelehrsamkeit , 
der in hohem Ansehen bei seinen Glaubens ' 
genossen stand, die sich von ihm Gutachten 
abgeben und Streitsachen schlichten lieBen. Es 
ist iiberhaupt zu verwundern, dafl dieser 
Mann, der fur seine Glaubensgenossen so 
viel gethan, unter denselben noch keinen Bio« 
graphen fand. welcher, gestiitzt auf authentische 
Quellen, ein treues Lebensbild des ebenso 
merkwiirdigen gelehrten als humanen Juden 
darbote, denn Alles, was wir von ihm 
wissen, beschrankt sich auf eine biographische 
Erlauterung seines auf dein Wiener Iudm« 
friedhofe befindlichen Grabsteines. Auf dem» 
selben erscheint er als Rabbiner in Nikols» 
burg. Wien, Eisenstadt, Worms und Landes«? 
Mertheimer, Samsou Mertheimltein, 
rabbiner in Ungarn, iiber welche Titel 3. H. 
F r a n kl die Bemerkung macht, daB Wert« 
heimer sie nur als Ehrentitel fiihrte, w'e etwa 
in der G A enwart en Mami Edrenbiir A cr 
mehrerer Ltadte ist. Unser Gewahrsmann 
bemerkt ferner: „Es scheint iibrigens einige 
Eitelkeit bei diesen C ' hrendiplomen mitgewirkt 
zu haben, denn nach einer Mittheilung aus 
Frankfurt har sich Wertdeimer gegen ein 
Geschenk von taujend Gulden urn das Rab» 

Seite 192 



Wurzbach5 5 . txt 
binerdiplom von Frankfurt beworben, welches 
ihm aber. als nichi kauflich, verweigert 
wurde." I n Wien genoB er groBes Ansehen. 
Daselbst verschaffte er denen, die seit jl)7i 
aus Wien verbannt waren und zerstreut in 
ungarischen Dorfern lebten, die Bewilligung, 
sich in Gemeinden zu versammeln . Es ent ' 
standen so im Oedenburger, Szalader und 
Gisenbur A er <5omitate, entlang der stecrischen 
Grenze, an vierzig jiidische Gemeinden. Diese 
Begiinstigung wurde ihm durch seine vertraute 
Beziehung zum Obersthof ineister Kaiser Leo« 
p o 1 d s I . , dem (vrafen Vatthyany, zu> 
theil. Die Muttergewinde war Rechnitz. und 
in derselben lieB er j71« eii A e Synagoge 
bauen, an der noch jetzt eine Denktafel be« 
steht, welche meldet, daB der Bau ganz auf 
Kosten W e r t h eimer's gefuhrt wurde. Ferner 
unterstiit zte er den Tynagogendau in Eisenstadc 
mit einer ansehnlichen Zumme, dann 
griindete rr eine fromme Stiftung fur Ieru° 
salem. wo scin Name in dc A Todtenaeda6) cniB ' 
feier fur iminerwadlende Zeiten genannt 
wird. Fur seine armen Verwandten, o:e bia 
ino zehnte Glied unterstiitzt werden sollen, 
hinterlieB er ein bedeutendes Vermogen. Der 
diesfalls mit der groBten Genauigkeit und 
ausdauerndsten Torgfalt von seinem Nack» 
kommen T a 1 o m o n Wertheimer ange» 
fertigte Stammbaum ist eine schatzbare genea« 
logische Arbeit. Sie reicht jedoch nur bis 
zum Jahre 1817 und befand sich zuletzt in 
Verwahrung eines W i 1 h e lm Wertheiln 
in Wien, wahrscheinlich desselben, der als 
GroBhandlungsgesellschaf tcr der Firma Da< 
v i d Wertheim und Comp. am 28. Janner 
1861 in Wien starb, und dessen Nekrolog 
Or. M. Letter is in seinen „Wiener Mit, 
theilungen" j5. Februar, 1861, Nr. 4 brachte 
Lamson Wertheimer besaB eine Tochter 
Rebecca. Gattin des Bernhard C'skeleo. 
GroBvaters d.'o in Wien (1855) lebenden 
Banquiers Denis Freiherrn von Gskeles 
l'Ld. I V , 2. 78". Das Madchen war ein« 
augig, und der Vater gab ihr. auf den Bibel« 
! ?>.':5 A 'p l A n A A ' > ' d. :. Auq' fur Au, , ' , 
i anspielend, ?<».<»<»<) ss. als Mirgift, wr:l drr 
! Buchstabe A 7<» b'Meutel. Auofiihrlich be> 
> ria,irn iiber Hani' 'on We rtbe ime r'L 
' Stiftungen I . Nrp. r. 3aoageri'st „ ' A bro« 
! nc ' loaisch-aesckichtlime 3a:nlnluna aller l'rstej 
benden Ttiftunqcn. Institute u, s. w. drr 
k. k. Monarchie mit Ausnahme ron Italien" 
lBriinn t8:12 A Nien. Veck) qr . . A " ), 1. sund 
einziger) A and und G r a f f e A s A ranz». 
Jiidischer Plutarch oder bio, A rapb. "erlkon 
der markaiM'ftrn Manner und grauen iiidi> 
scher Abkunft u s. w. <Wien 11>»48, 8".), 
zweites Alpdabel. 2 . 244-25U. -Graffer 
(Franz) . Neue Wiener Tabletten und heitere 
Nooellckrn (Nien ilj A 8. >N'r A itsa). 1>«.) 
Teitc A 40. 

Nertheimstein, Emil (Maler, Ort 
! und Jahr seiner Geburt unbekannt, gest. 

Seite 193 



Wurzbach55 . txt 

! in Wien am j 9 . April <869' s . Dieser in 

der Vollkraft seines Lebens — er diirfte 

urn 1833 geboren sein — vom Tode 

dahingeraf f te Kunstler gehorte einer an» 

gesehenen Wiener Kaufmannsf amilie an. 

Bei seinem hervorragenden Talente fur 

die Malerei schickte man ihn auf die 

Akademie der bildenden Kiinste in Wien, 

wo der geniale Karl Rah 1 > M . XXIV, 

S. 230^ sein Lehrer wurde. Nach ein« 

zelnen Bildern A u schlieBen, welche er 

ausgestellt hatte, mochte er in den Sech» 

ziger'Iahren Italien besucht und einige 

Zeit in Rom gearbeitet haben. Zum 

ersten Male brachte er 1832 auf die Maii 

Ausstellung des osterreichischen Kunst» 

Vereines zwei Radirungen seiner Hand: 

einen „Mzchkopk" und einen „Pkerdekupi" , 

welche eine geschickte Handhabung der 

Radirnadel verriethen. Nach zehnjahriger 

Pause trat er im Mai 1862 wieder auf, 

und zwar ebendaselbst mit einem „Ftndilnkllpl" 

und einem „Blumenmadchen" , in 

beiden ein schones Talent offenbarend. 

Und nun brachten alljahrlich die Monats» 

ausstellungen des osterreichischen Kunst» 

Vereines zeitweise Bilder dieses Kunst» 

lers, wohl meist Studien und Bildnisse,^ 

Mertheimstein (Familie) 132 Werthes 

doch ab und zu auch Anderes, so im No> 

vember 1863: „Madchen am Brunnen" ' , 

— im Mai 1866 eine ^uotumeltudie" 

s250fl.) ', — „Eine vnm Felde heimkehrende 

Schnitterin" (3(w f 1 . ) ; — im Janner 

186?: „Oinr romische Bauerin" ^330 si.) . 

Ein „Studirnkuf ti" im Februar 1868 war 

das letzte ausgestellte Werk seines Pinsels. 

Dann meldeten im April die Zeitungen, 

daB der talentvolle Kunstler 

nach langerer Krankheit gestorben sei. 

Mo na ts Verzeichnisse des osterreichischen 

Kunstvereines 1862 Mai, 1862 Mai. 1863 

November, j5<!4 Juli, ii>65 Marz und Mai. 

1866 Mai, 1«6? Janner, Marz und April. 

1868 Februar. 

Wir begegnen dein Rainen Wertheim ste in 

wiederholt in der Kunst und in d"r Literatur, 

1 . Ein Karl von Nertheimstein (geb. 

urn 1846. gest. in Wien 1866) gehorte einer 

wohlhabenden Wiener Familie an und wid« 

mete sich rein aus Neigung, welche durch 

ungewohnliche Befahigung unterstiitzt wurde, 

der Bildhauerei. 4866 waren vier Biisten 

in Gyps, von seiner Hand ausgefiihrt. dar< 

unter eine Portratbiiste Donizetti ' s und 

eine Biiste der Schwester des Kiinstlers im 

osterreichischen Museum ausgestellt und diesem 

von der Mutter nach dem im selben Jahre 

erfolgten Tode ihres Sohnes zum Geschenke 

gemacht worden. — 2. Siegmund Edler 

von Wertheim stein (geb. 1796. gest. in 

Baden bei Wien 18. Juni 1864) wendete 

sich dem industriellen Geschafte seiner Vor» 

fahren zu und war zuletzt ( A hef des r. k. prio. 

Seite 194 



Wurzbach5 5 . txt 
GroBhandlungshauses Herinann uon Wert» 
heimstein's Sohne, Director der priv. 
osterr. Nationalbank und spanischer Consul 
in Wien. Sein Wiener Haus behauptete einen 
der ersten Platze in der Handelswelt. Ein 
bleibendes Andenken hinterlieBen er und seine 
Gattin durch das zu Anfang der Funfziger 
Jahre in Wien gegriindete Siechenhaus. 
W e r t h e im stein starb kinderlos, denn die 
Anzeige seines Todes brachte seine Schwester 
Sophie Jacques im eigenen und ihrer 
linder Namen Luise vermalte Veyfus 
und Heinrich Jacques. Advocat und Mit . 
nlicd im Abgeordnetenhause de5 6sterreichi« 
schcn NeichsratheS . — Die Familie Wert, 
heim stein, die eigentlich W ertheimber 
von W e r t h eimstein heiflt, stammt aus der 
Pfalz imd Joseph Samuel Wertheim, 
ber war kurpfalzisch und herzoglich zwey« 
bruckm'scher Hof kammeragent und wurde als 
solcher 1791 mit dem Eradicate Edler von 
Wertheimstein geadelt, dann erhielten H e r« 
luann 1792 und Laz-i rWertheim stein, 
pfalzischer und bayrischer Hoffactor. 1796 mit 
dem gleichen Eradicate den Adel. Ersterer 
stiftete das Wiener Handelshans. — 3. Ein 
W i 1 h e lm von Wcrtbei mstein widmete 
sich. von Grillparzer, der das Talent des« 
selben anerkannte, auf gemuntert , der drama« 
tischen Muse. I m Iarne. 1866 geschab seines 
Dramas „Der Sanger Nizio" wiederholt in 
den offentlichen Blattern Erwahnung. Das 
Drama steht auf rein historischem Boden und 
ist iiberdies dadurch interessant, daB es die 
beruhmte Konigin in ihrer Jugend und in 
der flammenden Leidenschaft ihrer Liebe fur 
den italienischen Sanger, im Gegensatze zur 
gebeugten und fromm gewordenen Maria 
Schiller's darstellt. Ueber das fernere 
Schaffen des jungen Dichters sind wir nicht 
unterrichtet Verfasser dieses Lerikons glaubt 
kaum Zu irren, wenn er in obigem W i 1 - 
helm von W e r t t n ' i mstein und in W i 1 - 
li e lm N artenegg von Wertheimstein. 
dessen bereits im 33. Bande dieses Lerikons 
ausf iihrlicher gedacht wurde, eine und dieselbe 
Ferson vermuthet, 

Werthes, Friedrich Clemens August 

(Schriftsteller, geb . zu Bllttenhau» 
sen in Wiirttemberg am 12. October 

1748, gest. zu Stuttgart am !>. December 
1817) . Ein nahezu vergessener 
Schriftsteller der Auf klarungsperiode des 
vorigen Jahrhunderts . Ein ZeitgenoB 
Goethe's und Schiller ' s, wirkte er 
liber ein Jahrzehnt auch im Kaiserstaate 
und dichtete unter Anderem ein paar 
dramatische Werke aus Oesterreich-Nngarns 
Geschichte nicht ohne Geschick. 
Nachdem er seine wissenschaf tliche Ausbildung 
in Mannheim, Diisseldorf, Ve> 
nedig, Lausanne und Miinster erhalten 
hatie, lebte er einige Zeit als Privat» 
gelehrter, ward dann Erzieher zweier 

Seite 195 



Wurzbach5 5 . txt 
junger Grafen Lippe > A 1 v e r d issen,? 
VertheZ Werthes 

die er auf die Hochschule zu Gottingen 
begleitete, und trat in dieser Stadt mit 
den Dichtern des Hainbundes, welcher 
sick 1772 daselbst bildete und an Klopstock 
sich anschloB, in nahere Verbindiing. 
1781 zum Professor der italienischen 
Literatur in Stuttgart ernannt, 
folgte er 1784 einem Rufe als Professor 
der schonen Wissenschaf ten an der Pesther 
Universitat, an welcher er bis 17!>4, nacb 
Anderen bis 4797 lehrte, worauf er in 
sein Vaterland heimkehrte, in Stuttgart 
und in Ludwigsburg einige Zeit als 
Privatmann lebte, dann aber die Redac« 
tion des Regierungsblattes ubernahm, 
den Titel eines k. wurttembergischen Hof» 
rathes erhielt und als solcher 69 Jahre alt 
starb. Werthes entwickelte eine fruchtbare 
schrif tstellerische Thatigkeit auf ver» 
schiedenen Gebieten der Literatur; nicht 
nur dafi> er an Zeitschrif ten und Alma» 
nachen, wie anWieland ' s „Deutschem 
Merkur", am Morgenblatt, an Haug's 
Almanach und anderen ein fleiBiger Mit« 
arbeiter war, er gab auch Gedichte, Dra> 
men, Singspiele heraus, vornehmlich 
aber Neberset zungen aus dem Englischen 
und Italienischen, durch die er die 
deutsche Literatur mit manchem guten 
Werke bereicherte. Wir fiihren seine 
Schriften, Originale und Uebertragungen, 
in chronologischer Folge hier an: „Beabachtnngen 
iiber den Grient : au5 AeiZrbrZchreibungen, 
zur Aufklarung der heil. Zchrilt. In5 
dem Englischen (des Harmuns) ulln I . G. 
Faber, F. Zl. K. Werthes und N. 0. Seq> 
bald« 3 Theile (Hamburg 1772-1779, 
Campe, gr. 8 A .) ', — „Abhandlung iiber den 
Itn.5 w Ollwl" Miinster 1774, Perennon 
^Coppenrath^ 80.); — „Ardrr einr5 
Madchens. Mit Mmik" (Miinster 1774, 
qu . Fol.); — „Glanbenzbekenntnizz drr 
Graltu Uarl und Grllrg A u Schllvmburg' 
r. Herausgegeben oan W . . . . " (Miinster 
1774, Perennon. 8".)' - „Sitten der 
Ulllrlllkkn. Iu2 dem Italienischen", mit >t . 
IBern 1773, Typ. Societat, gr. 8". <; - 
uiiu HabZbnrg. '"kin Schauspiel in 
. " (Wien 177!), 8".)' - „Hrphenv. 
iel" (Bern 1773, Typ. 2oc, A ' . ) ; 

— „Ncnklllilln. Ein Zinss5piel" (Bern 1777, 
8".); — „Cnrla Ossi's thelltl ' lllizchr werke. 
«32 dem ItalieniZchrn iidersetst", ."» Bande 
(Bern 1777-1779, Typ. Soc, 8".) 

1. Bd: Die Liebe zu den drei Pomeran» 
zen — Der Rabe — Turandot — Konig 
Hirsch' 2. B d : Die Frau eine Schlange 

— Zobris — Das blaue Ungeheuer — 
Die glucklichen Bettler; 3. Bd: Das 
griine Vogelchen — Der Konig der Geniusse 

— Doris — Die entwaffnete Nach» 
gierde; 4. Bd.: Der Fall von Donna 

Seite 196 



Wurzbach5 5 . txt 
Elvira — Die Strafe im Abgrund — 
Das offentliche GeheimniB ' , 3. Bd. Der 
Triumph der Freundschaft — Die zwei 
schlaflosen Nachte oder der Betrug der 
Einbildung — Die philosophische Prinzessin 
oder das Gegengift; — „Iriastll's 
rasender Alllllnd, iibrrzM ulln — , enthaltend 
die ersten acht Gesange", mit KK . (Bern 
1778, Typogr. Soc, gr. 8".); - „Bett 
i n r 1 1 i iiber den Enthn5ill5mns der schonen 
Kiinste. Zus dem Italienischen" (Bern 1778. 
80., mit neuem Titel Leipzig 1794, 

8 A .) ', — „Neber dir llllrznglichztrn italienischen 
Dichter im N. Jahrhundert" (Bern 178t 
Mahler in Heidelberg) 80.); — „Ner 

rechtschaf f ene Anterthun. Gin ruZSisches Schauspiel, 
nach dem <52gli5chen non Neanmunt null 
Fletcher" (Stuttgart 4782, 8".); - 
„Begebenheiten Eduard NllN2tllN5 iu Italien; 
ein Numun in Briefen" (Leipzig A Altenburg A j 
1782, Richter, 8".), nachgedruckt in 
Karlsruhe 1783; — ^Namantische Grsahlungen 
der Konigin Na rg ar et h a, iibrrzet jt . . . " 
mit KK. IBern, Typogr. Soc. 1782, 
gx . go . ) ; — A Glllt van der Narch's Vrirle 
iiber Zirilien nnd Malta, geschriebrn im Jahre? 
Werthes 134 Weschel 

NN. ZN5 Ncntache iiberscht", mit KK . und 
Karten, 2 Bande (Berlin 4783. Typogr. 
Soc, 8".)', - „Nlde bei tlkin Antritte dc 
ussentlichrn AelMMteZ tlrr schanrn Wi53r 
Zchntten, ant tier Aniueslit'at zn Pesth gehalten 
(Pefth 1783, 80.); - „Nniw Vurthrl. 
3n3t5picl in b Anh . ZN3 dem Englischen nun 
Nrllumllnt und Fletcher"" (Augsburg 
4786, Ienisch, 80.); - „NilvlaL K r i n i 
oder dir Velllgernng uan Sugeth. Crauerzpi 
Wien 1790, KrauB . 8".), eine ungarische 
Uebersetzung von G. Csepan erschien 
1790 in Komorn; — „Acker die Zchiinheiten 
der italienischen Dichter, nrbat dem r 
landn Fnria211, nbersetst in tier Irrsnrt tleZ 
GriginalL", mit Vign. (Bern 179«. 8".); 

— „Uirchengr511nge ant iiaa am .1. Mai N9T. 
uan den Prlltrztunten in Ungarn ; n teiernllr 
KeIiyillN5t ' rLt tnr das knnngrlische Vethan? zn 
P15tti nerwtistt" (o. 0. 1791, Fol . ) ; - 
AA onradin uun Schwaben. Trauerspiel in 

5 Ich." (Tubingen 1800, Cotta, 8».); 

— „Aas Pfllnenkezt. Singspiel in 2 Arten" 

(Stuttgart 1800, 8".)' - „Nil Klansr. 
ISin Gedicht" (Stuttgart 1801, Metzler, 
8".) ', — „Hermiane. schllnspiel mit Gesang" 

(Stuttgart 1801, Metzler, 8".)', - 
„Fiebrii Hrmrn in sieb/n Gesangen" (Augs> 
burg 1 8 M , Wolf, gr. 8".) . I m Vorstehenden 
bringen wir das erste voll» 

standige Ver^eichniB von Werthes ' 
selbstandig erschienenen Schriften. Wenn 
derselbe auch keine eminente Bedeutung 
in der deutschen Literatur besitzt, so hat 
er doch Vorziige, die ihn vor Vergessenheit 
schiitzen sollten. Als dramatischer 
Dichter schrieb er nickt nur ein paar 

Seite 197 



Wurzbach5 5 . txt 
gelungene Originalstucke, wie: „Con> 
radin", „Rudolf von Habsburg" und 
„Zriny", ferner einige Singspiele, die 
sich zu seiner Zeit einer sehr freundlichen 
Aufnahme erfreuten; auch als Uebersetzer 
einer guten Auswahl von Lustspielen 
Carlo Gozzi's und als Bearbeiter 
einiger Lustspiele von Beaumont und 
Fletcher hat er — trotz der noch 
harten Nebertragung — seine Verdienste; 
er machte Deutschland auf Gozzi, einen 
vor ihm gar nicht gekannten Autor, aufmerksam, 
welchem Umstande eben wir 
die meisterhafte Bearbeitung der „Tu» 
randot" von Schiller verdanken. Als 
Nebersetzer des Orlando kurioso von 
Ariosto ist er der Erste, der diesen Ver« 
such in ottkvk rilne machte und wenn 
auch nicht alle Schwierigkeiten iiberwand, 
so doch die Bahn zum Besseren brach. 
Seine Vorganger Dietrich von dem 
Werder und I< F. Koppe hatten 

noch das alerandrinische VersmaB beibehalten. 
4836, 4".) 11. 128, 132, 1?0. -Ooedeke 

(Karl) . GrundriB zur Geschichte der deutschm 
Dichtung. Aus den Qurllrli (Hannover 1839, 
Ehlermmni. 5.".) Bo. I I , 2. 64 9. Nr. 44 6. 
Weschel, Leopold Matthias ( M a 1 e r 
und Schrif tsteller , geb . in Wien 
4. Janner 1786, gest. daselbst 17. Februar 
4844) . Franz Heinrich Bockh ge« 
denke in seinem Handbuch „Wiens 

lebende Schriftsteller, Kiinstler und Dilettanten 
im Kunstfache" (Wien 1821, 
420.) S. 37 eines Leopold Weschel, 
den er als k. k. Hof kriegsrathsconcipisten 
charakterisirt und in schoner Literatur 
thatig bezeichnet. Alexander Patuzzi 
in den seiner „Geschichte Oesterreichs " 

(Wien bei Wenedikt, schm. 4".) am 

Schliisse beigegebenen Kunstler« und 

Schrif tstellerverzeichnissen — das Beste 

am ganzen Werke — erwahnt unter den 

Malern obigen Leopold Matthias 

Wefchel — er schreibt ihn aber ohne 

das zweite e — und bemerkt, daB derselbe 

Historienmaler und Schriftsteller war.? 

Mesemae! 433 Wessel 

Nun lebte thatsachlich in der ersten 

Halfte des laufenden Jahrhunderts ein 

Schriftsteller, der sich L. M. Weschel 

nannle, in Wien, und von diesem finden 

wir in „Selam. Ein Almanach fur 

Freunde des Mannigf altigen auf das 

Jahr 1813. Herausgegeben von I . F. 

Castelli" zwei Idyllen: „Der Abendfegen" 

in Versen und „Das Lied der 

Nachtigall" in Prosa und zwei Allegorien: 

„Der Knabe an der Fluth" und 

„Das Madchen am Bache", beide in ge> 

reimten Versen, worin Phantasie und 

schwungvolle Spracke nicht fehlen. Die 

Initialen 3. M. stimmen mit den Tauf» 

namen Leopold Matthias ; uber seine 

Seite 198 



Wurzbach5 5 . txt 

historischen Gemalde jedoch, da ihn P atuzzi 

als Historienmaler anfuhlt, konnten 

wir nichts erkunden. Hingegen ge> 

denkt Nagler in seinem Kiinf tlerlexikon 

eines Karl Weschel, der in den Vier» 

ziger«Iahren in Wien lebte und Thiere, 

besonders Fische malte. I n der Jahresausstellung 

der k. k. Akademie der bildenden 

Kiinste bei St. Anna in Wien 

1844 waren auch von diesem in Oel ge A 

malt „VciZ2U5che" zu sehen. 

Wcsdin, Philipp, siehe: Bartholomiio 

PaulitNls von St. j M . I, S. 

da 18111) nach Oesterreich, wo sie ihren 

bleibenden Wohnsitz aufschlug. Da im 

1 Merichause grofle Vorliebe fur deutsche 

! Bildung und Literatur waltete, erlernte 

> sie die deutsche Sprache schon als Kind, 

A zugleich aber kamen ihr die zwei Lory» 

phaen der f ranzosischen und deutschen 

Literatur Racine und Stiller in die 

Hande . Allmalig bildete sie sich im 

Deutschen so fertig heraus, daB sie es mit 

schongeistigen Arbeiten versuchte, welche 

sie dem osterreichischen Dichter Leopold 

«Kompert M . XII, S. 404 A vorj 

legte, der dieselben so bedeutend fand, 
daB er keinen Anstand nahm, die Schrift- 
stellerin dem deurschen Publicum vorzu» 
fiihren. So erschienen denn in der im 

Verlage der lithographisch » artistischen 

! Anstalt (Zamarski und Dittmarfch) 

! ausgegebenen deutscken Romanbiblio» 

' th'ek: „Nrei ck ' rsllhlnnssrn uns dir Flunenmelt", 

A 2 Bande, von Adele Wesemael 

A sWien 1863), denen ein Vorwort von 

! L. Kompert vorangeht, und diesen 

5 folgte: „Zarali. Numun" . 2 Bande , Han« 
nover 1872, Riimvlcr, 8".) . 

Brummer (?<ran;). Douiscvcs Dichterlerikon 
(Eichstatt und Iturt A n 1877. Biull, 4".) 

Bd. I I , 3, 4 A ,2. 

Weselski, dann Weselsky, Franz, 

Friedrich und Philipp, siehe: Peselsky, 

Peter Md. 1 A , in den Quellen, S. 4 «3, 

Nr. 2, 3, 4 und 3 A j. 

Wesemael, Adele (Schrift steller 

i n , geb . zu Mecheln in Belgien 

1823) . Die Dame ist unter dein Pseudonym 

Her mine W i 1 d in der Lite» 

ratur bekannt . Sie stammt aus einer 

niederlandischen Familie — ihr Vater 

war aus Brugge, ihre Mutter aus Genf 

— kam aber bereits als dreizehn jahriges 

Madchen 1838 nach Sachsen und von 

Nessel, Eduard (Journalist, geb. 

zu Wormdit in OstpreuBen 1822, gest. 

in Wien 26. Janner 1879) . ssr studirte 

an der Konigsberger Hochschule classische 

Philologie, ein Schliler C. A.Lobeck's 

und ein Studiengenosse des nachmaligen 

Ministers Hobrecht, Ludwig Fried» 

lander's und des Botschafters Keu» 

dell, mit denen er noch in spateren 

Seite 199 



Wurzbach5 5 . txt 
Jahren, 1877, in den Bergen Tirols und 
des Salzkammergutes ein heiteres Wieder« 
sehen feierte. Einige Zeit lag er dem 
Unterrichtertheilen ob, dann gab er diese 
Richtung auf und ging 1847 nach Lei .? 
Wessel 136 Wesselonni) Nicolaus (Vater) 
zig, wo er sich einer freien schrif tstellenschen 
Thatigkeit widmete und besonders 
fur die damals von Ignaz Kuranda 
redigirten' „Grenzboten" schrieb. Im 
Sommer des Bewegungs jahres 1848 
zog er, wahrscheinlich von Kur and a 
angeregt oder einfach ihm folgend, nach 
Wien, wo er denn auch zunachst in die 
von demselben gegriindete „Ostdeutsche 
Post" eintrat, spater aber diese verlieB, 
urn an der Zanq'schen „Presse" zu arbeiten. 
Als es fur diese infolge der in der 
Reactionsperiode in erschreckender Weise 
urn sich greifenden RepressivmaBregeln 
auf dem Wiener Boden keinen Platz 
mehr gab und sie fur den Winter 
1 849/39 nach Brunn iibersiedelte, folgte 
ihr Wessel dahin. Doch auch dort war 
seines Bleibens nicht lange. Die oppositionelle 
Sprache, welche er aus den Leip« 
ziger „Grenzboten" mit herijbergebracht 
und mit welcher er bei den damals in 
Wien herrschenden bureaukratisch»anar< 
chischen Zustanden bald in eine scharfere 
Tonart verfiel, wollte den polizeilichen 
Machthabern nicht gefallen, und er wurde 
aus Wien verwiesen. Er begab sich nun 
nach Berlin zurijck. Als man dann bei 
uns zuc Einsicht gekommen, daB ein 
Journalist mit noch so spitzer Feder einen 
Staat im Handumdrehen doch nicht ver- 
Nichten konne, legte man seiner Rijckkehr 
nach Wien im Jahre 1832 nichts mehr 
in den Weg, und er blieb dann daselbst 
bis zu Beginn der Sechziger-Iahre . Nun 
begab er sich, wohl einem Antrage fol» 
gend, neuerdings nach Berlin und leitete 
einige Zeit in Gemeinschaft mit Julian 
Schmidt die eben neu begriindete Berliner 
„Allgemeine Zeitung" . Doch bald 
kam er wieder nach dem ihm liebgewor« 
denen Wien zuriick, wo er denn auch, 
wohl weniger literarisch thatig, als viel» 
mehr seinem frijheren Lehrerberufe hin- 
! gegeben, bis zu seinem Tode verbrachte. 
I m Fruhjahr 1878 besiel ihn das Leiden, 
das ihn im Alter von 37 Jahren dahinraffte. 
Die schrif tstellerische Thatigkeit 
Wessel 's beschrankt sich ausschlieBlich 
auf journalistische Arbeiten, aber alle 
ihm gewidmeten Nachrufe bezeichnen ihn 
als einen durch Geist und Charakter, wie 
durch sein auflerordentlich umfassendes 
Wissen hervorragenden Wiener Iournalisten . 
I n der „Neuen Freien Presse" 
widmete dem dahin Geschiedenen im 
Janner 1879 Theodor Gomperz einen 
Nachruf, von dem ich leider nicht Einsicht 

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nehmen konnte. 

Roman-Zeitung . Herausgegeben von Otto 
Iancke (Berlin, 4".) 1879, Heft 20. 2. 637. 
— Allgemeine literarische Corre« 
spondenz, 18?9. Bd. I I I , T. 74. 
Wesselenyi, Nicolcms (Vater) Frei- 
Herr (S ta a ts mann, geb . zu Z s i b o in 
Siebenbiirgen am 9 , n. Anderen ll.De» 
cember 1731, gest. daselbst am 23. Oo 
tober 1809) . Ein Sohn des Freiherrn 
Stephan, k. k. Huszaren ' Nittmeisters , 
aus dessen Ehe mit Polyrena geborenen 
Daniel von V a r g y a u , welche zu ihrer 
Zeit zu Ungarns gelehrten Frauen zahlte', 
trat er, wie es in den Adelsf amilien des 
Landes gewohnlich der Fall war, auch in 
die kaiserliche Armee und diente zuletzt als 
Rittmeister im damaligen leichten Dra» 
goner-Negimente Nr. 4, in welchem er 
wahrend des italienischen Feldzuges 1799 
im Treffen bei Verona am 26. Marz sich 
so hervorthat, daB in der Relation sein 
Name unter den Helden des Tages ge« 
nannt wurde. Aber ein tragikomischer 
Vorfall schnitt des Rittmeisters soldatische 
Laufbahn, die sonst unter alien Umstan« 
den eine glanzende gewesen ware, mit 
einem Male ab . Wesselenyi lag in 
einem galizischen Stadtchen stationirt 
und in der Eintonigkeit des Dienstes ge»^ 
i , Nicolmls (Vattr) 1Z7 Wesseli-uyi, Nicolaus (Vatcrj 
rieth er, urn sich zu zerstreuen und im 
Bewufitsein, dem ungarischen Magnatensohne 
sei Alles erlaubt, auf den Gedanken, 
den dortigen Kreishauptmann, der 
in der Jugend Friseur gewesen sein soil, 
in dieser Eigenschaft fur sich zu verwenden 
und sich von ihm die Haare in 

dem in Hermannstadt befindlichen Frauenkloster 
eine Novize zu entfiihren, mit der 
er sicb auch bald darauf ganz ordnunga» 
maBig trauen lieB. (5 s war Helene von 
Cserey, dieser Schutzengel, den die 
Vorsehung an des wilden, von den 
Leidenschaf ten hin und her geriittelten 

Locken legen nnd einpudern ; u lassen. A Wessel«'-nyi Seite gestellt hatte. Bei 
Da sich der Kreishauptmann zu dieser! der Gast f reundschaf t , welche derselbe in 
Blasphemie seiner Wurde nicbt gutwillig ! alter, dem Magyaren eigener 
ritterlicher 

hergeben wollte, griff Nesselenyi zu ! Weise iibte, herrschte ein gar wiistes 
solchen Mitteln, welche das fernere Ver Treiben in Zsibo, und es gab Scenen 
bleiben des ubermuthigen Rittmeisters in 
der kaiserlichen Armee unmoglich machten 
und ihn — dank der Milde der Kai» 
serin — nothigten, vom Soldatenleben 
Abschied zu nehmen. GewiB war es auch 
nicht der erste Streich des jungen Frei- 
Herrn, der, eine excentrische Natur iiber» 
Haupt, es verstand, die Bewohner des 
Ortes, wo ihn uberflussige Langeweile 
allerlei Huszarenstiickchen ersinnen lieB, 
in Allarm zu versehen. Denn mit un» 
leugbar glanzenden Vorziigen des Geistes 
zwischen den Gasten und dem Hausherrn 

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und der immer wieder vermittelnden 

Gattin, Scenen, denen ein Hogarth 

kaum immer hatte eine heitere Seite ab» 

gewinnen konnen', da aber war He» 

lene. die Gattin, dieses, wie es Csen« 

gery schreibt, poetische Bild der weib» 

lichen Treue, diese Beute der aufopfern» 

den Liebe und der verheimlichten Sorgen, 

welche immer mit frohlichem und ruhigem 

Antlitze unter diesen sturmischen Auf« 

tiitten einherschritt , eine Blume, ge» 

und des Herzens verband er eine halb» i pflanzt auf das Grab des gestorbenen 

wilde Natur in seinem auBeren Gebaren, ! Gliickes, ein geheiligtes Kreuz auf der 

die ihn, wenn er seiner erweckten Leiden- ! Spitze des Vulcans, das in den 

Stunden 

schaft die Ziigel schieBen liefi, in feinen 

Handlungen geradezu unberechenbar 

machte und auch das Unhell verschuldete, 

in das er spater wirklich gerieth. Es 

lieBen sich Blatter fullen, wollte man 

alle die Huszarenstiickchen W e sse 1 6 n y i's 

erzahlen, aber so toll er es trieb, zum 

Schliisse iiberwog immer das edle Herz 

und jener dem Magyaren eigene Hochsinn, 

den sich der ungarische Aristokrat so gut 

zu bewahren wuBte wie die Nnantast' 

der Gefahr die Vorsehung und die offenen 

Augen des Himmels in Erinnerung 

bringt, ein Altarbild am Kreuzwege der 

Leidenschaf ten, das die Hand des Kunst« 

lers aus dem Grunde zu Stande brachte, 

urn mit der Gotterkraft der tiefruhigen 

Ziige die wilden Leidenschaften zuriickzuscheuchen, 

oder wenn sie schon ausbrachen, 

in Thranen auflosen zu konnen. 

Und dieser wilde Freiherr betete seine 

Gattin an, er furchtete sie, er beugte sich 

barkeit der Verfassung, deren Verletzung A vor ihrem Geiste, folgte aber doch 

wieder 

immer wieder auf den Verleher zuriick« 

siel. Nach Quittirung des Dienstes begab 

er sich heim auf seine Burg Zsibo in 

Siebenbiirgen, unternahm aber noch auf 

dem Wege dahin das Wagestiick, aus die Martyrerin seines Lebens war. Es ist 

seiner ziigellosen Natur, und von den 

A-usbriichen seiner blinden Leidenschaf t» 

lichkeit blieb auch die Gattin nicht immer 

verschont, so daB sie ebenso der Gott wie? 

Nicolans (Vater) 138 Messelenyi) Nicolaus 

ein Oelbild erhalten, das den Freiherrn 

Nicolaus und dessen Gattin Helene 

nebeneinander darstellt. Und im Bilde 

erkennt man den Engel des Mannes, 

dem aus jedem Gesichtswinkel die Leiden« 

fchaft hervorguckt. Wesselonyi lebte 

seit seiner Riickkehr in die Heimat auf 

seiner Burg Zsibo, welche in einer Gegend 

lag. die reich an herrlichen Naturreizen, 

aber auch an Merkmalen grauenhafter 

Schrecken der Natur wie des 

menschlichen Verwiistungstriebes , welche 

beide heute noch sichtbar sind. Wahrend 

am FuBe der hier stch thurmenden Ge> 

birge die herrlichste Vegetation dem Auge 

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entgegenlacht , treiben heute durch Regen» 
giisse angeschwellte Bergstrome oft Kanonenkugeln 
und versteinertes Seegethier 
zugleich aus dem Geklufte der Berg» 
spitzen ins Thai: stumme Zeugen der 
ersten riesigen Staaten- und Erdrevolutionen . 
Da hauste der Freiherr, , mit 
dessen Erscheinen die bis dahin Herr» 
schende Ruhe aus der Gegend gewichen 
war. Nun widerhallten die Raume des 
Schlosses von Waf f engeklirr , denn der 
Freiherr hatte sofort nach seiner Ankunft 
die Burg armiren und alte rostige Ka> 
nonen an den entsprechenden Punkten 
auffuhren lassen; die Hufe ungezahmter 
Rosse zerstampf ten die Fluren, die als 
Eigenthum weit umher das SchloB umgaben, 
Fanfaren tobender Iagerschaaren 
scheuchten Wild und Vogel auf in Wald 
und Hain. Des Freiherrn Gast f reundschaf t , 
seine stets reich besetzte Tafel, sein 
Marstall und seine Meute wurden bald 
weit und breit beruhmt, und so ward 
denn Zsibo der Sammelplat z aus Ungarn 
und Siebenbiirgen herbeistromender 
Gaste, Iagdfreunde, Pf erdeliebhaber und 
Kenner guter Weine und Speisen. Das 
tolle Leben im Schlosse zu schildern,« 
mtissen wir unterlassen; dafi dabei die z 
hippologischen Liebhabereien des Haus» 
Herrn manchen Gast geradezu in Lebens« 
gefahr brachten und der Freiherr dabei 
immer sein Kaltblut bewahrte und sich 
am Schrecken derjenigen weidete, die 
ihm, dem Reiter ohne Gleichen, der mit 
dem Pferde gleichsam verwachsen schien, 
in die Falle gingen, daB es an den auf» 
regendsten Scenen aller Art nicht fehlte, 
daB die Gattin zitterte, wenn der Frei- 
Herr seine eigenen Kinder Dinge durch« 
machen lieB, bei denen das Leben der» 
selben an einem Haare hing, das Alles 
mag bloB nebenbei erwahnt werden. Nur 
eine seiner Ungeheuerlichkeiten sei in 
Kiirze erzahlt, weil, wie die Sage geht, 
Kaiser Franz selbst, als er Zsibo besuchte, 
dieselbe erlebt haben soil. So be» 
reitete es dem Schlofiherrn ein Vergnii» 
gen sondergleichen, einen oder den andern 
Gast zu einer Spazierfahrt im 
eigenen Wagen einzuladen. I m Anfange 
fuhr derselbe ganz gemachlich auf der 
FahrstraBe. Mit einem Male aber rasten 
die durch allerlei Kut f cherkunstgrif f e ge> 
reizten Pferde, dieselbe verlassend, iiber 
Stock und Stein davon . Da warf Wes» 
selonyi die Ziigel hin, lieB die Rosse 
gewahren, und das Viergespann flog wie 
ein Pfeil iiber Feld und Gestriipp immer 
weiter und weiter, bis es nur wenige 
Schritte von dem steilen Ufer der Szamos 
oder eines anderen reiBenden Wassers 
entfernt war. Den Mitfahrenden straub» 
ten sich die Haare zu Berge, sie sahen 

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keine Rettung mehr, nur der Freiherr 
blieb ruhig und weidete sich an der 
Todesangst seines Gastes. Da lafit der 
Freiherr mit einem Male einen schrillen, 
die Lufte weithin durchdringenden Pfiff 
ertonen und die rasenden Thiere halten 
wie f estgewurzelt plotzlich stille. Solche 
und ahnliche Stucke gingen im Volks« 
munde umher. Da nahmen alle diefe? 

yi, Nicolaus "Vater) 139 Wesselonyi, Nicolaus sVater) 
Tollheiten ein janes Ende . I n Zsibo's 
3tahe bewohnte ein Graf, man nennt 
einen H a 1 1 er von Halle rke<>, seinen 
Herrensitz. Nun bestand zwischen den 
beiden Magnaten, die zwei ganz ent> 
gegengeset zte Naturen waren, ohnehin 
kein f reundschaf tliches Einvernehmen, so 
spitzte sich das VerhaltniB durch Vorfalle, 
wie sie bei Nachbarn gar leicbt vorkommen, 
nur noch feindlicher zu. Es kam 

zuletzt so weit, dafl Nesselnnyi, als 
zwei seiner Bediensteten, die sick auf 
dem Besitze des Grafen Ungehorigkeiten 
zu Schulden kommen liefien, von demselben 
in Haft genommen wurden, an 
seinen Nachbar einen Herold mit der Er> 
klarung absandte: Der Freiherr sei es 
mude, die Neckereien des Grafen ferner 
zu ertragen, und habe daher beschlossen, 
dessen Gebiet mit Krieg zu iiberziehen, 
das SchloB zu sturmen und der Erde 
gleich zu machen. Dieser Kriegserklarung 
folgte die That auf dem FuBe. Wessel 
6 n y i erschien an der Spitze seines gan» 
zen Hausgesindes, Jager, Kutscher, Treiber, 
zahlreiche Bauern, alle bis an die 
Zahne bewaffnet, mit dem Geschiitz» 
parke des Wesselonyi ' schen Scdlofses 
vor dem Herrenhause des Grafen, der, 
wenn er auch seinen Nachbar kannte, 
doch sich einer solchen Gewaltthat nicht 
versah und gar keine Anstalten zur Vertheidigung 
getroffen hatte. Nessels» 
n y i lieB das Geschiitz gegen das Ge» 
mau?r des Grafenhauses spielen. Als 
der Graf sah, daB die Sache ernst werde, 
iibergab er seinem Jager das Commando 
und verlieB das SchloB, urn sofort nach 
Wien zu reisen und Anzeige von dem 
Vorfalle zu erstatten. Der grafliche Jager 
muftte alsbald capituliren, aber der aus 
seinein Eigenthum mit Gewalt vertriebene 
Graf brachte in Wien seine Klage 
vor den Kaiser Joseph. Dieser wollte 
eine solcbe unerhorte Gewaltthatigkeit 
entsprechend strafen und erlieB an das 
siebenbiirgiscke Generalcommando sofort 
den strengen Befehl, sicb Wesselonyi ' s 
zu bemachtigen und ihn todt oder lebendig 
nacb Wien zu scbaffen. Der Freiherr, der 
von diesem Befeble Kunde echielt, ver» 
suckte N ,A durcb die Flucht zu retten, 
irrte auch einige Zeit in den Waldern 
umher, suchte dann Schutz bei Ver« 

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wandten, wurde aber doch eines Tages 
bei denselben gefunden, nacb verzweifelter 
Gegenwehr uberwaltigt und ge> 
fesselt nack Wien gebracht und dort auf 
Befehl des Kaisers ins GefangniB gesetzt. 
Gesetzlich abgeurtheilt , erhielt er zur 
VerbiiBung seiner Haft die Festung Kuf ' 
stein angewiesen. Allf derselben aber benahm 
sich der Freiherr wie ein wildes 
Thier. Er begriff es gar nicht, daB der 
freie Ungar, dem nacb seinen Rechts» 
begriffen Alles gestattet war, fur Unthaten 
auch gefangen gehalten werden 
diirfe. Als dann einmal der Kerkermeister 
sich eine unbedachte AeuBerung ent» 
scbliipfen liefl und Wesselenyi, er» 
grimmt dariiber, denselben packte und 
liber die Treppe hinunterwarf , wo der 
Ungliickliche dann vom Hausgesinde 
spater mit zerschlagenen Gliedern gefunden 
wurde, verbesserte sich die Lage 
des Freiherren nicht, da das neue Nr» 
theil iiber diese Gewaltthat eine Verlan» 
gerung der Haft aussprach. So hatte 
Nesselonyi vier Jahre in Kufstein 
verbiiBt, als es den Bitten und Thranen 
seiner Gattin gelang, seme zahlreichen 
Feinde zu versohnen und an hockster 
Stelle seine Entlassung aus der Haft zu 
bewirken. Sie selbst eilte nach Kufstem 
und brachte -den Gatten aus den dumpfen 
Kerkermauern in das SchloB seiner Vater 
zuriick. Es begann daselbst das friihere 
Treiben, bis die politischen Vorgange^ 

lselenyi) Nicolaus (Vater) 14 (j Wesselenyi, Nicolans (Vater) 
wuchs der Tumult, da der junge Beamte 
unbeirrt noch immer seinen Platz behaup« 
tete und fleiflig fort notirte und schrieb. 
Das brachte den Ausbruch des Sturmes 
hervor. Was soil der Spion in unserer 
Versammlung? " „Wer wagt es, unsere 
Reden niederzuschreiben und das Wort 
aus dem Hause zu tragen?" Solche und 
ahnliche erregte AeuBerungen wurden 
laut, und endlich packte der sich bedroht 
sehende Kanzlist — der spatere Hofkanzler 
Aleriuii Nopcsa — seine Papiere 
zusammen und schickte sich an, den 
Berathungssaal zu verlassen. I n diesem 
Augenblicke erhob sich Freiherr von W e ss 
e 1 s n y i , und der bis dahin nur aus 
seinen excentrischen Handlungen Be» 
kannte hielt seine Jungfernrede zum 
Schutze der Oef f entlichkeit der 
Rede. Man horchte, man horchie immer 
gespannter; seine beredten Grunde sieg» 
ten, und das tosende Gewitter, das vor 
wenigen Minuten noch iiber das Haupt 
des jugendlichen Berichterstatters sich zu 
entladen drohte, verwandelte sich in 
einen anhaltenden Beif allssturm fur den 
beredten Anwalt der Oef f entlichkeit der 
Landtagsverhandlungen . Nopcsa ver» 
blieb im Saale, notirte ruhig weiter, 

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und eben seinen Notizen verdankt man 
! eine ergiebige Quelle zum Studium der 
Geschichte des denkwiirdigen Landtages 
vom Jahre 1791, den Csengery unter 
alien spateren bis zu 1K34 gehaltenen 
als den glanzendsten bezeichnet. Denn 
derselbe bestimmte iiber das offentliche 
Recht Siebenbiirgens . Die historische 
alte Conftitution war infolge der vorangegangenen 
politischen Gleichgiltig ' 
keit, veranlafit ebenso durch die Regie» 
rung, die keine Ursache hatte, daran zu 
erinnern, als durch die Bevolkerung, die 
sich unter dem milden Scepter Maria 
Theresiens und Josephs ganz wohl 
dem ruhelosen Magnaten ein anderes 
Feld zur Arbeit anwiesen, und nun er« 
halt der Name des Freiherrn Nicolaus 
Wessel^nyi, des V a t e r s , auch sein 
Blatt in der Geschichte. Mit dem Jahre 
1791 begann eine bedeutungsvolle 
Epoche in Ungarns Staatsleben. Ueber 
sein vergebliches Ringen, einen machtigen 
Gesammtstaat zu schaffen, war 

Kaiser Joseph gebrochenen Herzens gestorben, 
nachdem er kurz vor seinem 
Tode, da infolge feiner Neuerungen die 
Unruhen in Ungarn ausbrachen, die von 
ihm getroffenen Verfugungen zuruckgenommen 
hatte. Es kamen nun politisch 
sehr bewegte Zeiten. Besonders in Un» 
garn gab sich dieser Umschwung in bedrohender 
Weise kund. Ein Theil der 
amtlichen Documente, die Vorarbeiten 
zum Cataster, die Conscription, die 
Daten zur Landesausmef sung wurden in 
sturmischen Comitatsf chungen und aufier< 
halb derselben mit bakchannscher . Feier> 
lichkeit verbrannt. Nach des Kaisers 
Leopold I I . Kronung gestaltete sich 
Alles wie zuvor. Nach Jahrzehnten ward 
auch in Siebenbiirgen der erste Landtag 
eroffnet. Wesselenyi erschien gleich, 
falls als Mitglied auf dem Landtag 4791, 
und schon in den ersten Tagen richtete 
sich die Aufmerksamkeit des Parlamentes 
auf ihn. Als namlich dasselbe feierlich 
eroffnet worden, erschien auch ein zwanzig, 
jahriger Kanzlist, mit einem Actenbiindel 
unter dem Arme, im Berathungssaale, 
wohnte den Verhandlungen mit groBer 
Aufmerksamkeit bei und notirte sich das 
Wichtigste derselben. Bald wurden die 
Versammelten, denen es schien, als ge> 
hore der junge Mann gar nicht Hieher, 
auf ihn aufmerksam, herausf ordernde 
Stimmen erhoben sich, die Anwesenheit 
eines Regierungsbeamten ward beanstandet, 
und von Minute zu Minuted 

Messel,'nyi) Nicowus (Vater) 141 Welsel5nyi, Nicolnus 
fiihlte, vollig vergessen, und erst die Ein» 
griffe Josephs in die alte Verfassung 
weckten wieder die Erinnerung an die» 
selbe. Der Landtag 1791 begann daher 

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gemeinrechtliche Gesetze zu verfassen und 
nahm die alten Privilegien des Landes 
zur neuen Revision vor. Die ssonstitui« 
rung wurde en Frc>5 betrieben. I n kurzer 
Zeit reorganif irte der Landtag das Comi ' 
tatswesen, die Iurisdictionen und das 
Gubernium auf Grundlage der geschicht» 
lichen Rechte und des Vertrages mit 3eo» 
pold. Dabei kampften die Parteien 
leidenschaf tlich genug iiber die vorkammenderi 
Gegenstande, aber immer noch 
mit Zuruckhaltung; nur die AeuBerungen 
Wessel^ny i's besaflen die Scharfe parlamentarischer 
Debatten, wie sie heutzutage 
vorzukommen pflegen; er war der 
entschiedene Gegner aller Regierenden 
und durch seine Riicksichtslosigkeit , die 
aber immer den Nagel auf den Kopf 
traf, die GeiBel der sogenannten Hof» 
Partei, die aber auch immer nur in ihrem 
und nicht im eigentlichen Interesse des 
Hofes hantirte und amtirte. Ohne eben 
eine Iuhrerrolle zu ubernehmen, denn 
dazu war er zu leidenschaf tlich, war er 
doch der eigentliche Sprecher und Vorkampfer 
seiner Partei, unermudlich im 
Kampfe, unermudlich im Ansturm und 
dabei unbestritten das groBte Rednertalent 
der Opposition. Sein donnerndes 
Organ, schildert ihn Ke mony, beherrschte 
stets den Larm der Debatten; der gebieterische 
Blick seines blitzenden Auges verbliiffte 
Freund und Feind. Er wuBte 
seine heftigen Angriffe stets mit dem 
ganzen Zauber der bis zur Schwarmerei 
gesteigertrn Ueberzeugungsinnigkeit , in 
den kiihnsten Wendungen, doch stets im 
edelsten Schwunge dem Gegner auf das 
Haupt zu donnern. Sein reizbares Ge« 
miith riB ihn wohl oft iiber die Schranken 
hinaus, sein Vortrag verstieg sich in 
die grenzenlosen Regionen der Leiden» 
schaf tlichkeit , wo das Wort nicht mehr 
in der Gewalt des Redners; doch die 
eherne Logik seiner Argumente verlieB 
ihn niemals, gleich einem unverloschlichen 
Pharus leuchtete sie ungeschwalbt 

durch die Nacht unbezahmbarer Leidenschaf tlichkeit 
seines Gemtithes. Messel.' 

Ny i's parlamentarische Thatigkeit blieb 
wahrend aller Landtage von 1?91 bis 
1899 immer die gleicke, er war und 
blieb das Haupt der Opposition. Sie 
nach den einzelnen wichtigen Momenten 
zu zeichnen, so dankbar diese Arbeit als 
parlamentarisches Studium ware, ist 
nicht unsere Aufgabe. Nur zwei Mo> 
mente aus seinem parlamentarischen 
Leben wollen wir hervorheben, das eine, 
urn zu zeigen, in welchem Ansehen er 
stand, das andere, urn hervorzuheben, 

wie er trotz seiner vehementen Leidenschaf tlichkeit 
im entscheidenden Augen« 
blicke sick zu beherrschen verstand. I n 

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einer der Debatten ging er mit gewohnter 
Riicksichtslosigkeit der Gegenpartei zu 
Leibe; seine personlichen Ausfalle sta« 
chelten endlich die Gemiither so auf, daB 
ein gewaltiger Sturm in der Versamm» 
lung ausbrach und ein Ordnungsruf 
gegen ihn verlangt wurde. Ein Ord° 
nungsruf in damaliger Zeit war etwas 
Anderes als heutzutage. Sobald er von 
Seite des Prasidenten erfolgte, und er 
bestand zunachst im Gebot desselben, die 
Thur des Berathuna . ssaales zu schlieBen, 
so constituirte sich das Haus sofort zu 
einem Tribunal: es trat ein of f entlicher 
Anklager hervor und durfte kein Mit» 
glied den Saal verlassen, bis nicht das 
Urtheil gefallt und die Strafe — ge» 
wohnlich eine GeldbuBe — an dem ord> 
nungswidrigen Mitgliede vollzogen war. 
Als diesmal der Ordnungsruf wider^ 

Wesseli'nyi, Nicolmis (Vater) j 4 2 i' 1 Nicolans (Vater) 
Wesse 1 6 n y i ertonte, und der President, 
dem sich nur immer drauender erheben« 
den Larm der Versammlung sich fiigend, 
die Saalthiir zu schlieBen befahl, erhob 
sich der eigentliche Fiihrer der Opposi 
tion, Tury und begann mit durch 
dringender bewegter Stimme: „Wie ! 
soil in Wesselanyi die Redefreiheit an 
getastet werden? — Wer wird dann noch 
dieses unser schonstes Recht schiitzen? 
Wer wird fiirder noch sicher sein in 
diesem Hause?" . Das schlichte Playdoyer 
fur den Angeklagten war uon 

machtiger Wirkung; die Gemuther besanftigten 
sich mit einem Schlage, die 
Saalthiiren offneten sich wie von selbst, 
und das Disciplinarverf ahren hatte ein 
(5nde. — I m zweiten noch flagranteren 
Falle bannte Wessel6nyi selbst durch 
die Gewalt, die er im entscheidenden 
Augenblicke iiber sich gewann, den 

Sturm, den cr freilich auch selbst heraufbeschworen . 
Er hatte wieder die Regierungspartei 
in maBloser Weise ange» 
griffen, und da seine GeiBelhiebe auf 
die Angegrif f enen immer schonungsloser 
niedersausten, lieB sich der President zu 
der Bemerkung hinreiBen, ob er denn die 
Jahre, die er feme von Siebenbiirgen 
zugebracht, vergessen habe? Auf diese, 
wenngleich durch den heftigen Angriff 
We sselonyi's hervorgeruf ene, aber 
unter alien Umstanden tactlose Anspielung 
auf dessen unf reiwilligen Aufenthalt 
in der Festung Kufstein trat ein momentaner 
Stillstand in den Verhandlungen 
ein — es war, als ware die ganze Versammlung 
erstarrt iiber ein solches WagniB 
gegeniiber einem Manne von der Ge» 
miithsart Wesselenyi ' s . Wie ein vom 
Pfeil getroffener Lowe fuhr dieser in die 
Hohe, die wuchtige Faust faBte krampfhaft 
den Griff des Sabels und todtlichen 

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Grimm im Blicke sturmte er, Alles vor 
sich bei Seite schiebend, von seinem Sitze, 
geradewegs auf die Estrade des Prasidenten 
zu. Die Stille tiefster Bestiirznng 
liber das Geschehene herrschte im 
Saale, Niemand wagte auch nur aufzu. 
blicken, im sprachlosen Entsetzen harrten 
die Abgeordneten der nahenden Kata» 
strophe. Den Prasidenten selbst erfaBte 
ein nicht gelindes Grauen, unwillkurlich 
wich er uor dem hereinsturmenden er» 
grimmten Feind zuriick, und als derselbe 
bei ihm anlangt, hatte er sich bereits — 
ein B i Id des Entsetzens — hinter dem 
Prasidentenstuhle verschanzt. Zornspruhenden 
Blickes stand nun Wesselenyi 
vor ihm. Lautlos war es im Saale, man 
hatte die Pulsschlage der Anwesenden 
horen konnen. Da hub er mit wiitherstickter 
Stimme an, wahrend er die 
Linke auf die Schultern des Beleidigers 
legte: „Gnaden Herr President'. Hab ' 
den Sinn Eurer Worte verstanden; doch 
merk ' es sich der Herr President: Kaiser 
Joseph hat mich wohl leiden ge> 
1 e h r t , doch — furchten nicht ! " . 
Die letzten Worte glichen einem Donnerschlag, 
der die Herzen aller Anwesenden 
erbeben machte' eine brausende Beifalls« 
salve loste sich von der Brust der ver« 
sammelten Stande; das tief und unzart 
verletzte Mitglied hatte die glanzendste 
Anerkennung und Genugthuung gefun« 
den. Die angefiihrten zwei Charakterziige 
kennzeichnen ganz den Freiherrn. Wir 
haben nun Wesselenyi den Men» 

schen und Parlamentarier kennen 
gelernt, und man sollte kaum glauben, 
daB dieser Mann auch die Rolle des 
Macens nicht spielt-, sondern wirklich 
ausiibte. Und dies ist thatsachlich der 
Fall. Adolf D u r in seinen literatur- und 
culturgeschichtlichen Studien „Aus Un» 
garn" schildert uns in seinem umfassen« 
den Essay „Entwicklung des Theaters in^ 

i) Nicolaus (Vater) s 43 Messeli-nyi, Nicolaus (Vater) 
Ungarn" die Verdienste des Freiherrn! 
urn dasselbe. Wesselenyi war es vor > 
Allen, der sich urn die Entstehung des! 
Theaters in Klausenburg 1792 verdient ! 
machte, der an der Spitze der Theater» - 
commisfion stand, welche der sieben- A 
biirgische Landtag eingesetzt hatte, und! 
nicht bloB auf die materiellen, sondern 1 
auch auf die geistigen Interessen der! 
Schauspielergesellschaf t einen enschicdenen ! 
EinfluB iibte. Nach einer Mittheilung A 
Kazinczy's hat der Freiherr fur sein 
Theater auch mehrere Stiicke iibersetzt 
und nicht geringen EinfluB auf die Aus« 
bildung der Schauspieler genommen, da 
er bei seiner Gesellschaft iiberhaupt nicht 
Schnorrer und Bummler, sondern nur 
gebildete Leute duldete und wahlte. 

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Lange spielte die Gesellschaft in verschie» 
denen Salen, endlich wurde die Er» 
bauung eines eigenen Theaters in Klau« 
senburg beschlossen, zu welchem er ansehnliche 
Mittel beisteuerte, doch dessen 
Eroffnung, dio am 12. Marz 1821 mit > 
Korner's ins Ungarische ubersetztem! 
„ Z r i n y i " stattfand, er nicht mehr er» 
leben sollte. Man wird gewiB mit Beben 
nach dem VerhaltniB zwischen dem Baron, 
den Dichtern und den Darstellern 
fragen, denn als belebender Geist der 
Buhne kam er ja nicht bloB mit den! 
Schauspielern, sonderan mit den an> 
gesehensten Schriftstellern Ungarns und 
Siebenbiirgens zusammen. Diesen Leuten, 
diesen Rittern des Geistes, den Fackel« 
tragern der Wissenschaf t , gegeniiber war 
Wesselsnyi ein vollig Anderer. „Die 
sanfte zuriickgezogene Republik der den< 
kenden Manner", schreibt Csengery, 
„entwaffnete den unbandigen Geist und 
gleich wie der konigliche Leu und die 
stolzen Thiere der Wildnisse auch gereizt 
das spielende Kind nicht anriihren, war 
Wesselsnyi schonungsvoll im Kreise 

der Wissenschaf t , sanft gegen die mit Verbreitung 
der Kenntnisse beschaf tigten 
Manner und inniger Freund der Dichter. 
Diese bewunderten seine glanzenden und 
groBen Eigenschaf ten . Sie erhoben seinen 
Patriotismus zum Himmel und verdeckten 
sorgfaltig vor den Augen der Welt seine 
Schwachen, sowie die treuen Kinder jene 
der ersten Patriarchen . " Aber auck der 
Patriot sollte Leid erfahren und durch 
tiefe Krankung vom politischen Schauplatze 
verdrangt werden. Es war das 
denkwiirdige Jahr 1809 gekommen. Die 
Insurrection muBte angesichts des dro» 
henden Krieges sich in Ungarn erheben. 
Unter den hohen Aemtern, welche der 
Landtag zu besetzen hatte, befand sich 
verf assungsgemafi auch das des Fijhrers 
der Insurrection, des Generals der natio» 
nalen Armee. War bis dahin die Wahl 
eines solchen wohl urgirt worden, aber 
nie erfolgt, im Jahre 1809 kam sie nun 
wieder an die Tagesordnung . Nico° 
laus Nesselonyi. der ja selbst mit 
Ehren in der kaiserlichen Armee gedient 
hatte, rechnete mit Recht auf diese Auszeichnung. 
Die voile Berechtigung dazu 

in sich fuhlend, bewarb er sicd, als er die 
Thatigkeit seiner oft von ihm gekrankten 
Gegner sah, die Alles daran setzten, ihm 
diese Auszeichnung zu entziehen, offentlich 
urn die Ernennung. N-un begann der 
Kampf gegen ihn, der sie so oft befehdet 
hatte. Die Feinde hielten sich schuflbereit 
und zielten gut auf ihr Opfer. Die 
Schwachen Wesselenyi ' s , welche ihn 
zum General der Insurrection untaug« 
lich machten, wurden sogar an offentlichen 

Seite 210 



Wurzbach5 5 . txt 
Orten erwahnt. Und als es im 
Landtage beziiglich der Wahl zur Ab< 
stimmung kam, erhielt er picht genug 
Stimmen. (5r wurde vom Vaterlanoe 
zuriickgewiesen, als er zum ersten Male 
den Lohn seiner Dienste verlangte. Diese? 
Nicolaus (Vater) A 44 Wesse A nyi (Genealogie) 
Demiithigung fraB sich tief ins Herz des 
alten Patrioten. Er zog sich in sein 
SchloB Zsibo, das nun vollig vereinsamte, 
zuriick. Aber mit dem Jahre, 
mit welchem seine politische Wirksamkeit 
schloB, endete auch sein Leben. Wie schon 
in dieser Darstellung bemerkt wurde, 
hatte er sich seine Frau Helene Cse> 
rey selbst aus dem Kloster geholt . Aus 
dieser Ehe entsprangen zwei Kinder, eine 
Tochter Anna, spater vermalte Lud» 
wig Graf B e t h 1 e n , und ein Sohn 
Nicolaus, dessen Lebenslauf wir folgen 
lassen. Helene, so lange ihr Gatte gelebt, 
erne Dulderin ohne Gleichen, iiberlebte 
denselben noch urn 21 Jahre. 

A n n a 1 e n der Literatur und Kunst des I n - 
und Auslandes (Wien, Anton Doll, ii".) 
Iahra.. 181 (». Bd. I I , S. 617. - Boze» 
ner Z e i t u n g , 486!), Nr. 29, S. 20(1: „Ein 
ungarischer Edelmann" .— Breslauer Zei» 

. t u n g . 18ssi. Nr. 242. im Feuilleton: „Kaiser 

Franz und Baron Wessel A nyi" . ''Dieses von 

Karl Beet vnfaflte Gedicht trug dieser in 

einer Vorlesung, welche er im Herbst il'61 

in Pesth hielt, uor. Die demselben zu 

Grunde liegende Tendenz erzielte devu Vortrag 

einen beispiellosen Beifall. Das Gedicht 

wurde auch nachgedruckt , so vom „Wanderer" 

i6«t. Nr. tic. Au.ndbl.j — Csengere 

(Anton) . Ungarns Redner und Ttaatsinaaner 

(Wien 18 A >. Manz, 8") Bd I, S. A 0-78. 
— Debatte (Wiener Parteiblatt, gr. Fol.) 
1806. Nr A 9« und 3U3, im Feuilleton: , , Ba« 
ron Nicolaus Wksselonyi. der Goy von Berli' 
chingen Ungarno" . Von M. P. — Du r 

(Adolf) . Aus Ungarn. Literatur« und cultur» 

geschichtliche Studien (Leipzig !88U, Foltz. 

Z") S. 317 u. f. — V n , 3 1 i r n a p i u A saz;, 

d. i. Sonntagsblatter (Pestd. 4".) 1. Janner 

i86 A . Nr. 1 : n A a.'dlli-6 "VeLaiil' 1 ) ! A Iilcl 

Bd. I, 

S. 70: „lt. 

Bd. ' V, 

. — ii u cl, A 

ttU. S. 4 A 3 

Portrat. Unterschrif t : A , 1 6 . Uui-6 'Wt.'52e- 

I A n A i Zliklos 611 (>'aere A Helsua", d. i. Baron 

Nicolaus Wcsselenyi oer Altere und Helene! 

Cserey (seine Gemalin) . Holzschnitt ohne Ali> 

gabe des Zeichners nach einem gleichzeitigen 

Oelgemaide, auch im , >V2, uarn3, A »i u A a<;", 

181>3. Nr. i. 

Kannel) aus Wejselenyi. Interessant ist es, 

wie in uormarzlicher Zeit der Tod des Freiherrn 

Nicolaus Wesselanyi in einem 

Wiruer, sreilich nicht politischen, sondern lite» 

Seite 211 



Wurzbach55 . txt 
rarischen Blatte, in den „Annalen fur Lite« 
ratur", gemeldet wurde. , . Am 23. Ottober 
t80i'". beiBt es dort . „starb der Freiherr 
Nicolauo von W essel <' n n i . geb . zu Zsidw 
in Siebenbiirgen, ein wabrer Patriot und 
Macen, nacb seiner vehementen Art und nach 
dem Adel semer Gesinnung Cato und Ne- 
. quins zu.qlrich." Der ruhmlichst bekannte 
ungarische Dichter Fran; von .Nazinrzy in 
S? , < . ' pdalom machte folgendes treffende un A a A 
rischc Epigramm auf des Freihenn Tod. Da wir 
keine correcte Abschrift dca ungarischen Ori» 
ginals besitzen, theilen wir dasselbe in wortlicher 
Nebcrse<?ung mit . C'6 lauret : „Zweifelst 
Du an der Srelenwanderung? — Tort war 
ich atrox uniini Cato und der weichherzige 
Brutus , und hlrr war ich Wesselonyi! 
Vaterland, hennuc Deine Thranensluth : me>n 
Sohn ! meine Gattin! sie leden; und Zstiw 
gibt Dir in einer b e s seren Ep o ch e Deine 
i?kt betrauerte Zierde wiedcr." 
I . Zur Eenealogie der Freiherren von Wcffe» 
lenlji. Urber das Alter dieser beriihlttten und be» 
sonders durch lnehlere hervorragende Sprossen 
geschichtlich bedeutsamen Familie fehlen 
mir leider die Behelfe. Wohl hat Wolfgang 
Denk in der Siftung der historischen Gasse 
der ungarischen Akademie der Wissenschaf ten 
vom 8. April <878 einm Vortrag iiber die 
Familie der Wessel 6 n y i gebalten, der auch 
im Decrmberhrft t8?8 drr uon cer ungarischen 
historischen Gesellschaft herausgegebenen und 
uon Alerander Szilugyi redigirten Zeit» 
ichrift A iF/lii A A uoli" , d. i. Die Jahrhunderte, 
sich abgedruckt findet, doch gelang es mir 
nicht, in denselben Einsicht zu nehmen. Aber 
aus dem mir zu Gebote stehenden Materiale 
ist die. groBe Vedeutunq dieser Familie. welche 
darin mit drn Vethlen . Bathory, Kor« 
n i s . Kemony . M i kos . M i k o uud anderen 
wetteifert, nicht zu verkennen. Die Stamm' 
register kann ich nur bis in die zweite Halfte 
dea sechzehnten Jahrhunderts zuriickf iihren, 
indeft auch Ivun Nagy in seinem ungari« 
schen Adelswerke ( A lu A A aroi-u A A A ciialaaiii) 
und Ladialaus Kouary in seinen „Adels«? 
Stammtafel der Freiherren non Wesselenyi. 
Gyoker Ast . A or A Segnye AI Hadader Ast . 

Nicalaus, Landrichter (Protonotiir) Fran), Schahmeister 138<» 
!- 10. Marz 1384, ' Ann " - - 
Katharina Horuath. 

Stephan, S A olnoker Obergespan. Katharina, A laul i l«li<> 
Caspar 1608. Katharina Dersffn. vm. Stephan Csaky, Susanna V 1 
A , , A° ! 5 , ?A, , A , ! _ 5 ?F c AA I A F7 r A 37 1 3 « „ r 1 s t m e . 3 7 

Palthasar 1 t«4:l. Graf. Palatin. R. d g. V 1 . om. VeorgSemzel) . Szolnoker 

Obergespan. 1- 

geb 1389. 1- 1N4N -<- 2!i. Marz 1667. Anna Dnnay. 

Anna Kinssy. 1) Sophie Kosnyak 

Katharina, vm. Fran) Koruis. A vern A Stephan Kethlen. 

" " eadislaus Adam, 1677 Fiileker Hauptmani A ,, Stephan si4) A >^"""_ >> _^_ 

Sophie Knkos . Katharina Drugeth. A ron. Landropraudent vm. Lad.slaus Pethleu 

Katharina Mnffn - A 1?:;9 

Fran A Stephan A 13) Susanua Maria, Claras Katharina- j- . Barbara j-. Christines 

Seite 212 



Wurzbach55 . txt 
geb. 1 A . September" 1703. -<- 23, Marz 1770. geb . 17<)8. t 1738 geb . 1712, -<- 
26. April 17. '19. om. Moses 

Snsanna Nh6del) . Polyrena Daniel de Vargyz'ls A <2 A vm. Adam Graf Telcki. 
Freiherr I A slka. 

Pauls Katharinas Fran) . Susanna f Walsgang. Maria, Stephan H>aul-j-. Samuel 
Katharina !. Katharina f. Frau A 1. Palirena, Susauna >1< A Mari« A 8 A ! "licolaus 
1 A S. 1361 Anna 

f 1788 Esther Julia urn Dominik f 1748. -<-1730. ' vm. Simon vln. Vcarg un, Hdam 
geb 9.. n. A. Katharina 

urn Sicgmund Grafin Grasin Dethlen. Graf Dethlen. Baron Baron Piinssl) . Graf 
Teleki. 11. Dec. 1731. 1 i«t)7. 

Glaf Nh A dey. Nhodey. j ' Kemony. -!-23. Ort . 1809. vm. Ladislaus 
> . ' A A A - . A . « . A A Helena Cserey A 3 A GrafKethlen 
Julie Nrsula Stephan Susanna Joseph. Wolfgaug ->-l A . Dec 1830. 

f 1809. vm Stephan Graf Mikii. geb 177«. f 1840. " -f i«:19, Vahel Kendeffn. -j- 
1831. - A - A 

vm. Ludwig Graf Kemony. Nosa Freiin Keminy s i A , vm. Johann Graf Kethlen. 
Susanna, Katharina, 

vln. Domiini ikk GGraff DDehlhlle n vm. NNiciolla us BBaron Kinssl) . Mar ia R 
Maria Freiin Muffl,. Auna A Nicolaus 1 A S. 154j 
A - " . A . A vm. Ludwig geb. 1793. 

Fran) 14 j Ladislaus. Zohanna. wlaf Dethleu. 5 21. April, 
Oberstlieutenant Johanna vm. Alerander ,, A A < AA AA <, 
3.eph°« N«s A "I A H? Grafin K«.i«»,. Graf A«ra«ay, A„na L.r'l A 
Polyrena, Anna, Wolfgang. Maria, 

1) vm. Johann Baron Mnffn. vm. Michael Freiherr Kruckenthal. Nosa Grafin 
Kendeffn. urn. Franz Wesselonni. 
Marias A Vicolans .Ma. 

*) Die in den Klammern A befindlichen Zahlen weisen auf die kiirzeren 
Biographien, welche sich aufS. 143—15:1 (Nr. i— 17) befinden, wenn aber ein B. 
ooransteht. auf die Seite, auf welcher die ausfuhrlichere Lebensbeschreibung des 

Betreffenden steht . 

Zuv. Wurzbach's biogr. Lerikon. Vd. I.V.£ 

enyi (Genealogie) 

famllim Siebenbiirgens " . (Nr<l<?!v n A vc- A t-t A - 

iiedd oi>21<i6a,i) gehen nichr welter zurijek. 

So erscheinen WolfgangWessel6nni 

und seine Gattin Dom geborene oegnjjei als 

dio Stamiueltern dieses Geschlta ' leo . Gleich 

ihre beiden 26bne sind Griinder zweier Aeste. 

und zwar Nicolaus dls G 1 x ' k e r . Franz 

des Hadader Astes, von denen ersterer 

bereits in der vierten Generation mit V a 1 - 

thasars Tochter Katharina, welcl?e sich 

mit Franz Grafen Aoruis onmalt hatte, er« 

losch. Dagegen bliidt der von Franz N'.it 

Aima 5urliandg grpfian A te Hadadrr Ast nock 

heute in mehreren Zweigen und Neben« 

zweigen fort. Fran;t, 'ns 36dne Stephan 

und Paul bildeten zwei Zweige. Der von 

Erstereni ausgehend, : , dem der berijhnue Va« 

latin Franz mit seinem rankevollen Weide 

Nana geborenen 5z< A ch A angehort, starb schon 

mit des Letzteren Sohnen ladislaus und 

Adam aua. Dagegen spaltete der von Paul 

und dessen Gattin Gz A alllff A entsprossene 

Zweig sich mit ihres Urenkels, des Landes« 

prasioenten Stephan, Sohnen Franz und! 

Stephan wieder in zwei Zweige, von denen 

drr drs Ersteren gegenwartig in drei Neben ' 

zweigen bluht; wahnnd der von Letzterem, 

uon Stephan . ausgebende in cinem! 

Neben zweige sich fortpflanze, dem deute die > 

Seite 213 



Wurzbach55 . txt 
beiden Tobne Nicolaus und V< A la des ! 
groBen bllnden Patrioten Nicolaus auc> A 
dessen Ehe mit der, schlesisckcn Weberin Amm ! 
!.'ux, einer trotz ihrer schlichten Abkunft >u'istig 
bedeutenden A rau, angedoien. — Die 3.pro>-. i 
sen dieses Hauseii. wie wir iin C'in A an A e be. ! 
inerkten, spielen in oer Geschichte eine groBe ! 
Rolle, so in der alteren der Palatin Franz, A 
der. nachdem er Jahre lang zum Baiser ge- A 
balten. endlich seine Mauke fallen und sich 
fur die Nndaody ' Frangivail ' sche Ver> 
schworung gewinnen lieB. dem Geschicke seiner 
Mitoerschworer aber durch den Tod entging, 
der ihn friiher, als die Verschorung entdeckt 
wurde, dahinraffte. Gliicklicher war sein 
Vetter P a v 1 , der auch auf der Seite der 
Malcontenten stand und m:t seinen Rebellen 
dem kaiserlichen Heere, mitunter groBen 
Schaden zufiigte. Der neueren Zeit geboren 
die beiden Freiherren Nicolaus, Vater 
und Sohn an. Ersterer eine gewaltthatige 
Natur, welche uns in die Zeiten der Feudalherren 
zuruckfiihrt, die sich immer selbst ihr 
Recht mit einem Gewaltarie, entweder Ueber» 
fall oder Belagerung ikrcs Gegners, suchten; 
Letzterer, des leidenschaf tl . chen Vaters eben« 
v. Wurzdach. diogr. Lenkon. I A V. sGedr. 2. 
! biirtiger 3odn. der nur cndiick durck die 
A Blindheit und ein Weib auo dem Volke gc, 
! ; ahmt wurde, das einm geradezu niigneti» 
z schen EinfluB auf den Magnaten iibte. 
! wenn er seiner angeborenen wilden Natur 
! die Ziigel schieBen 1 l'B. da sie ihn bloB init 
i dem Auflegen idr« oauo auf die am'anvel' 
lcnden A .tirnadorn A um Bnvuf il ' ei : ' . und ;ur 
A wohlthatigen Nuhe brachte uno dadurch un« 
absehbares (31e."d h'n:anhielt, aber schlieBlich 
! auch seine Hand gewann . Citier aber steh: in 
! der Familie da. der durch seine unerschutter» 
A lichr Treue gegen seinen rechlmaBiglN Konig 
den heutigen Magnarm al5 Beispiel voranleuchten 
moge . der Oberstlieutenant Franz 
Freiherr von Wesselenui. der in oen 
traurigen Vew?gungo jahren 184 A und 1849 
lieber Alleo iiber sich ergehen lieB. ehe «.v in 
seiner deschworem'n Treue wankte. — Die 
g r a u e n diest'3 Geschlechtes , ausschlieBlich 
den eingodorenen Adelsgesckleanern ange» 
horend, zeichnen sich ebenso du:iii seelische 
Eigenschaf ten wie durch groBe Bildung auS. 
N i r finden die hocksten Familien Ungarns 
in der weiblichen Arnenreid? vertreten, vor» 
1' . l'hinl A ch die Bethlen. A - 1 n f f n . dann 
A em<'u» M:k''. Nd< ' den . Teirdr.. >i ar- 
i c A ai), und nicht '>lten .griff en die Damen 
A nr Feder, wenn es , ' .i!t. ein oder dao andere 
Buch, dao ; u ihrer Zru sich seiner Nunlichkett 
oder s»iln" . ' religiosen 3inn>.'6 wegen desonderii 
beinerkbar mc>6)te. in ihre Muttersprache 
; n ubersehen. Waa aber einzelne iln Patrio»' 
und dann wieder in fast ans Engelhafte nrei« 
fender Teldst A erleugnung und 'Duldsamkeit 
geleistet, dao wird in der Neihe der denk — 
wiirdigen Hprossen dieses Gt ' schlechtea bei 

Seite 214 



Wurzbach5 5 . txt 
Maria Wessel^nyi s<ebole!ien 3> A chn 
und bei Helene Wessrl A nni geborenen 
I I . Denkwiirdige Zpraffen des f reiherrUcheu 
Geschlechtes Wesiclenyi. j .Anna. Dieselbe 
lebte im vorigen Jahrhundert und ist eine 
Tochter dco Freiderrn Rico ! a u s vom Hadader 
Aste und eine Schwester des nach» 
malii so b A ruhlUt gewordenen Frcihcrrn Nicolaus 
des Tohnes. Die Freifrau, deren 
Mutter Helene ecne gcbmcne l A oerev war. 
uerinalte sich m:t Ludwig Gr A fcn Vrlijlm. 
S:e uberschte I , Fc. Htapfer ' 6 Werk , .An< 
Weisung ;ur wakren christlichen Religion", 
daii bei A ) r e 1 1 in Znuch j7w> in zweiter 
Mai 1867.) 10£ 

Messelvnyi, Anna 146 Wessel.5nyi) Franz 
Auflage erschienen war. ins Ungarische unter 
dem Titel: /s/s . k"l' s 5217< ' n vaIIU5i-.! valo 
i n A n ) - , d. i. Die Hoffnung (Pesth 18"ii) 
Bd. 11,3. t9i. A z — 2. Anna (neb. zu 
Freiwaldau in Schlesien urn j 8 5 ) . Die 
Tochter eines schlesischen Webers Namens 
Lur in Grafenbrrg, nach Anderen in Frei» 
waldau. war Anna — oder wie fie im Drte 
t)il B, N a n n i — noch ein Kind, als der bald 
40icihrige Freih?rr N ic 1 au s N essel <' n y i 
aus der A fener Haft, welche er wegen Hochver« 
rarhes erleiden muBre, seines Augrnlridms 
wegen in die schlen ch . ' Kaltwasserbadeanstalt 
entlassen wurde, uui dort . da ihn: Orblin 
dung drohte, Heilung ')U suchen. I n dieses 
Bad kam er dann mehrere Iadre hindurch, 
lebte von aller Gesellschaft zuriickgezogen und 
duldete nur d A e Dienste Z <> , A s i ' s , seines 
Dieners, und die der kleinen Wcbcrin Ncinni, 
die allmalig durch ihre hingebende furcht« 
und selbstlose Wrise. »nit der sie sich dem 
Dienste des schwer zu behandelnden Frriherrn 
hingab, seine Theilnahme gewann . Bald stei» 
gerie sich ihr EinfluB auf denselben, so daB 
nur sie im Stande war, durch Auflegen der 
Hand auf seine Stirne ihn in seinen Zorn« 
ausbriichen. die sich bei der ilnu angeborenen 
Leidenschaf tlichkeit nicht selten einstellten, zu 
sanftigen, ja im hochsten Parorismus ihn zur 
Rube und Ergebenheit zu bringen. Von 
diesem auf sein ganzes Wesen sich aus« 
dehnenden EinfluB wurde zuletzt der Freiherr 
so sehr beherrscht, oaB er das kleine Madchen 
bestandig urn seine Person habrn muBte und 
ihr endlich nebst dem Herzrn. das sie schon 
langst besafii — seine altadrlige Abkunft uer« 
gessend — auch d:e Hand reichte. Die Liebes' 
geschichte zwischen dem leidenschaftlichen Mag» 
natcn. diesem echten Lohne des unbandigen 
Vaters, und der kleinen schlesischrn NebevS ' 
tochter malt in anmuthigster und fesselnder 
Weise aus unsere osterre . chische und eben 
darum — leider — in Oesterreich wenig oder 
gar nicht gekannte Romand chterin und 
Freundin Aonlbert Stifter'6. Mariam 
Teng er "Zd. X L I I 1 , S. 278 A im dritten 
Bande ihrer „Ungarischen Erzahlungen. I-Ionkt A 
ek« (Prag 1873. s".) in der ersten Er« 

Seite 215 



Wurzbach55 . txt 
Zahlung „Die kleine Weberin", in welcher 
unter dem Namen Nirol . Nikolvnyi 
niemand Anderer als Frecherr Nicolaus 
Wessel^nyi . und in der kleinen Nanni 
die Weberin Anna Lur. die nachmalige 
Freifrau Anna von Wessel^nyi, mit 
treuen Ziigen gezeichnet sind. Wessel«)nyi 
selbst nannce . so lange e>.- lebte, seine Gattin 
nie anders als seinen „guten Engel" und 
sein „Licht in der FinsterniB". Die Freifrau, 
die ihrem ' Gatten zwei Siihne, Nico laus 
und V»'la. gebar, soil nach dessen Tude sich 
mit dem Ablegaren Ludwig Mocs-iry wieder 
uennalt haben. — 3. Franz (gest. am 3<.. 
nach Anderen schon 22. Marz 1057) . Ein 
Sohn des Szolnoker Obergcspans, koniglichen 
Rathes und Kammerers Freiherrn Stephan 
Wessel<-nyi aus dessen Ehe mit Katha» 
rinaDersffy . wurde er am Hofe Kaiser 
FerdinandsII . als Edelknabe erzogen, 
und da ihn ein riistiger Korperbau zum 
Waf f endienste besonders befahigte, wahlte er 
diesen und focht in den damaligen Kampfen 
gegen die Tiirken, wobei er durch seine 
Tapferkeit und sein sonstiges umsichtiges 
Verhalten in kritischen Fallen die Aufmerk« 
samkeit der Regierungskreise auf sich lenkte. 
2o kam es auch. daB . al8 Konig Wladis» 
laus IV. oon Polen in den Krirg mit den 
Moakowitern und Tataren verwickelt ward. 
Wessel^nyi den Auftrag erhielt, dem Ve» 
drangten ein'.ge ungarische Hilfstruppen zuzu« 
fiihren und sich am Kampfe zu detheiligen. 
was dann der Konig seinerseits mit der Ver« 
leihung drs Indigenares und einer ansehn« 
lichen Dotation in Polen gelegener Giiter 
belohnte. Vei jeder Gelegenheit that sich der 
Freiherr hervor, und so ernannte ihn denn 
der Kaiser zum Comes und iibertrug ihm 
das Commando in der Festung Fiilek, welche, 
von den Tiirken am meisten bedroht-, eines 
entschlossenen Feldhauptmannes vor Allem 
bediirfte. Von Fiilek aus unternahm Wes» 
selonyi zahlreiche Streifziige, gegen die 
Tiirken, denen er bei vielen Gelegenheiten 
durch siegreiche Kampfe fiihlbaren Schaden 
zufiigte. Auf ein A m dieser Skeifziige in der 
Nahe des Dorfes Guta hieb Wessel^nyi 
mit seinem Sabel einem Tiirken '"lopf und 
Hand ab, welch lrtztere die Standarte hielt, 
die er an das kaiserliche Hoflager sandte. 
Bald darauf iibernahm er den Oberbefehl 
iiber die gegen den Konig von Schweden im 
deutschen Kriege verwendeten ungarischen 
Truppen, wurde aber sofort nach Ungarn 
zuriickberuf en, als Georg Rilkoczy, Fiirst 
von Siebenbiirgen, zu den Waffen griff und 
den Kaiser bedrohte. I n diesem Kriege ragt 
unter seinen Waffenthaten die von der Poesie 
hvchromantisch aufgefarbte Eroberung von 
Murany hervor, die ja ohne alien poetischen^ 
i, Franz 14? Franz 

Aufputz immer noch eine schone und denk- ! 
wiirdige Waffenthac des Helden bleibt. Die! 

Seite 216 



Wurzbach5 5 . txt 
Burg Murany war ebenso durch ihre natur» ! 
liche Lage — auf einem hoben unzugang- ! 
lichm Felsen — als durch ihre sonstige Be- > 
fcstigung wohl geschiitzt und mit Mannschaft 1 
und Vorrathen reichlich verseben. Trotzdem 
alle seine Versuche, die Veste zu nehmen, 
scheiteten, gab er den Gedanken, ihrer Herr 
zu werden, doch nickt aus . und wenn G«'walt i 
erfolglos war, su sollte List zuin Zirle fiibrrn. 
Er muBte nun wohl iider die ScbluBfrau. die! 
ritterliche Dame Maria Szschri, welche! 
eben die Besatzung befehligte und den Kaiser» > 
lichen mannhaften Widerstand entgegenset zte . ! 
durch seine Spione genaue Kundschaft rr« ! 
ballen und sich iiber ikre Sinnesart und! 
ihren Charakter vollstandige KenntniB ver< ! 
schafft haben, so daB er die Ausfiihrung seines 
Entschlusses . Herr der Burg zu werden, 
durch die Eroberung des Herzens dieser so 
heloenmulhigen als auch schonen Frau plante. 
Hier hatto nun die Phantasie der Poeten 
hinreichenden Spielraum und niitzte denselben 
auch vollkommen aus, Wir verweisen dieser« 
halb auf die unten angefiihrten deutschen 
Quellen. Wessel« n y i, welcher Witwer, aber 
eine stattliche ritterliche Erscheinung war, ge» 
stand der SchloBfrau in einem Schreiben 
seine Liebe und bat urn e ne Unterredung 
Diese wurde — wir iibergeben schon an 
anderem Qrte von uns erzai-lre Nebenumstande 
— iluu gewahrt . Das (5 'Hot' derselbcn 
war der angenommene He ' ratLantrag und! 
mit der Verwirklichung deoselben die Unter- A 
werfung des Schlosses Mur-my uliter die kai- ! 
serlichen Waffen, welche !6i6 erfolgte. Der 
Jubel der Kaiserlicw'n iibcr diesen neuen Er> 
folg Wesselsnyi's war grofl, Kaiser ,>-er — 
dinand lohnte auch d!e Tbat oes Helden, 
indem er ihm und seinen Nachfolgern die 
Burg sammt den dazu gehorigen Giitern 
zum Geschenke machce und ihn zum koniglichen 
Natb ernannte. Auch erhielc Wesse« 
I « n 1 ) i das Generalat iiber Oberungarn, 
welches er durch eine Neihe von Jahren, 
ebenso zum Frommen s ines Konigs, wie 
zum Schutze der Bcwodner mit Umsicht und 
Thatkraft vcrsati, so daB itui die Stande in 
Anerkennung der von ihm ihrem Lande ge< 
leisteten Dienste auf dem Landtage am 
<3. Marz li»Z5 einhellig zum P a 1 a t i n des 
Reiches ausriefen. I n dieser n?uen Eigenschaft 
wohnte er der Huldigung Leopolds als 
Konigs in Ungarn, dann dessen, wie oer Kro> 
nung Eleonorens. Gemalin F e r d i° 
nandalll . , bei. i6iio schlug er zugleich 
mit dem Grafen Souckes das Lager bei 
Rakomur auf. urn die von A 1 i Bassa l?e» 
lagerre Stadt Wardein ; u beobachten. Als 
dann Lel.neier orn n A benbiirgischen Fiirstea 
BarcSai datie verhaften lassen, wendeten 
sich die Stande Siebenbiirgens an Wes — 
s e 1 ' ' n n i . urn stch mit ibm iiber diesen Vor' 
gang und ihr Verdalten dabei ; u beraiden. 
Auch unternahm er im namlichen Jahre eine 

Seite 217 



Wurzbach55 . txt 
Reise nach Patak. urn die dafelb''t weiirnde 
Witwe Rilk.^-zy'o m bewegen, in utscd 
kaiserliche Besatzung aufzunehmen, was lbm 
jedoch nicht gelang. Drobender aber gc'talteten 
sich die Zustande des Landes im folgenoen 
Iadrc, wo die driickende Besahung der Tnip' 
pen M onrecuru 1 i's und Souches ' UN' 
erilaglich A u werden anfing und die Stande, 
als die Truppen in Oberungam Winterquartiere 
beziehen wollcen. ihnen Quartier 
und Lebensmittel entschieden verweigerten . 
Wesselt/nni berief, urn den daraus ent» 
springenden schlimmen Folgen vorzubeugen, 
auf den 2. December die Stande zu e'ner 
Berathung nach ,ttaschau. welche aber resuliat» 
los verlief, denn die Stande erklarten often, 
die Truppen ieien odne Vorwifsm und Be< 
willigung des Landes hereingebracht worden, 
und so sollten auch ,ene, welche dies gelban. 
fur Quartier und Verpflegung sorgen, und 
sie iiberreichten so"ar schriftlich dem Palatin 
idren Protest. Nessel<'nyi befand sich als 
Vermittler zwischen dem Konig und den. 
Standen in der miBlichsten Lage . welche sich 
noch steigerte, als er denselben das konigliche 
Schreiben iibergab, in wrlchem die Stadt 
Kaschau angewiesen wurde, die deutschen 
Truppen auf ; unebnen . Die Slande verwei» 
grrten barmack'g die Aufnadme und drohten 
allfallige Gewalt mit Gewalt zu erwidern. 
Als dann :l<i» deutsche Soldaten dennoch in 
d'e Stadt drangen und m der lutherischen 
Kirche nch einquartierten, erhoben sich Edel' 
leute und Landvolk ge.ien diesen Gewaltact; 
an 30,000 Bauern bewaffneten sich gegen die 
kaiserlichem Truppen, und nur mit Aufgebot 
aller Krafte gelang es N esselo n n i . den 
Aufstand zu unterdriicken Dann nach lan< 
geren Verhandlungen lnit den Standen im 
Janner 41) u2 gelang es ihm, d>r?n Zust'm» 
mung zu erhalten, daB die kaiserlichen Truppen 
in einigen der nachstgelegenen Gespanschaf ten 
ihre (santonirungen beziehen dursten, 
jedoch auck nur unter der Bedingung, daB? 
Messelonyi. Franz 148 ranz 
sie sammtliche Lebenomittel bezahlten und 
von allein Unfuge, wie sie solchen bisher ge« 
trieben, sich entbielcen. Auch auf dem 3and< 
laqe, drn Kaiser Leopold der drohenden 
Tiirkengefahr wegen 1662 nach Prefiburg ein» 
berufen hatte, kampfte Wessel^nyi mit 
nicht geringen Schwierigkeiten . Der Kaiser 
forderte die Ungarn auf, ihr Land in Her« 
theidigungsstand zu setzen, damit, wenn ein 
Krieg mit den Tiirken, welcher in Aussicht 
stand, aufbrechen sollte, nicht daL Reich in 
Gefahr eines tiirkischen Einfalles geriethe. 
Die evangelischen Stande aber wollten von 
den koniglichen Pro A ositionen so lange nichts 
horen, als man n chc ihre Neligionsange» 
lcgenheitrn und sonstige Beschwerden in Beratbuna 
ziede und denselben Abhilfe gebe I n 
dem erbitterten Kampfe, welcher sich in den 
Verhandlungen der katholischen und evangelischen 

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Wurzbach5 5 . txt 
Stande entspann, bot Wessel(.'nyi 
alle sein«. ' Ueberreoungskunst auf, urn zu uer> 
mitteln und die aufgerrgcrn Grlniither zu 
beschw chtigcn, wao ihni denn auch gelang, 
worauf der Konig in Anerkennung des wich« 
tigen Tieniieo, den ocr Palatin der Krone 
geleistet, demselben am j A i. Juni I61!2 iln 
Nalnen Philivps IV. von Spanien in der 
Franziskanerkirche feierlich in Gegenwart des 
zahlreich versammelten ungarischen Adels den 
Orden des goldenen VlieBes umding. Als 
dann im folgenden Jahre. 16«3. der Krieg 
zwischen dem Kaiser und dem Sultan wirk» 
lich ausbrach. schrieb Wessel A nl) : auf des 
Monarchen Befchl ein Aufgebot aus . auf 
welches sich zwanzigtausrnd Mann Insurre» 
tionstruppen versammelten, deren Obelbefehl 
er personlich ubernahm. Der Krieg wurde 
nun >ni: abwechselndem Gliick gefiihlt. Die 
Ungarn verloren die Festung Neuhausel, deren 
Eommaudant Forgiics dieselbe den Tiicken 
mit Accord iibergeben hatte und dariiber 
processirt wurde. Nach dem Falle Neudausl'ls 
liefi der Kaiser, urn drn Tiirken an der ver« 
lorenen Festung Stelle einen neuen Damm 
entgegenzusehen, die Festung Leopoldstadr in 
der Neutraer Gespanschaft erbauen, und Wes< 
sel<' s nyi selbst legte den Grundstein derselben. 
Mer nun ipitzten auch die Gegensatze 
immer mehr sich zu, Als ltt64 der Friede 
mit den Tiirken plotzlich abgeschlossen wurde, 
verlangten die ungarischen Stande neuerdings 
die Entfernung der deutschen Truppen 
aus dem Lande . Es kam bei den Verhand» 
lungcn zwischen den Standen und dem kaiserlichen 
Kommissar, einem Grafen N o t i a 1 . ! 
zu so gehassigen Erorterungen, daB der Palatin, 
der ja insgeheim den Deutschen auch 
nie hold gewesen, seine Palatinswiirde nieder« 
legte. Die politischen Verhaltnisse und Ver« 
Wicklungen, wie sie damals zwischen dem 
deutschen Kaiser, den Tiirken, den Ungarn 
und den Siebenbiirgen bestanden, wie 
die Interessen auf einer Seite denen der 
anderen zuwiderlief en, wie die Ungarn sich 
immer mehr den Tiirken zuneigten und gegen 
den Kaiser ein falsches Spiel spielten, in 
welches sich auch Wesselenyi, von seiner 
fanatischen Frau nur zu leicht iiberredet, verwickeln 
lieB, alle diese politischen Intriguen, 
Zwischensviele und heimlichen Verschworungen 
mit offenem Widerstande, die sich in Ungarn 
immer wieder, freilich ohne daB die l.'isleitha' 
nische Halfte des Neiches daraus eine heil» 
same Lehre zoge, abspielen, dies Alles erzahlt 
in ebenso belehrender als klarer Weise, auf 
Grundlage authentischer Quellen Julius Pauler 
offrn und ehrlich in dem unten ange» 
fiihrten Werke. Kurz. Wesse 1 6n yi trat auch 
der Verschworung bei. die schon langere Zeit 
heimlich bestand, und deren Berathungen uuf 
dem Schlosse Mur:lny gehalten wurden. Die 
Haupter der Verschworung waren Nadasdy 
Frangipan, Zriny, welche ihren Per< 

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Wurzbach5 5 . txt 
rath mit dem Kopfe buBten. Wessel^nyi 
entging der Strafe durch den Tod, der ihn 
vor der Entdeckung des Complotes hingerafft 
hatte. Nach Entdeckung desselben versicherte 
man sich der Witwe und fand in der Gruft 
des Schlofseii Murnny dir compromittirenom 
Papiere, durch welche man die Faden der 
Verschworung in die Hand bekam. Ueber 
Maria Sz, ' chy ' s Geschick brachte erst die 
neuere Zeit authentische Aufschliisse, und zwar 
behandelte Emmerich H a j n i k dasselbe in 
einer Monographie, aus welcher wir — ent« 
gegen der bis dahin landlaufigen Meinung, 
daB Maria Sz<'>chy in Wien gestorben — 
erfahren, daB dieselbe zwolf Jahre nach dem 
Tode ihres Gatten <6?9 zu Guns bei ihrem 
Verwandten Peter Sz^chn das Zeitliche 
segnete. Die ganze Geschichte Marias mit 
all' dem romantischen Aufputz der Sage, 
Dichtung Phantasie und jenes falschen Pa» 
triotismus. der in der Nrbellion gegen den 
geset zmaftigen Konig die Panacee aller Frei» 
heit sieht, wurde schon im 41, . Bande dieses 
Werkes im Artikel Maria Szachy S.29i. 
Nr. 2 ausfiihrlich erzahlt, Franz Wessel 
A n y i hatte nur aus erster Ehe mit 5ophie 
VosnlM, die bereits 1<>44 starb, zwei Sonne,? 
Melselvnyi, Franz 149 Wesselimyi, Franz 
Ladislaus und Adam, welche Veide. ob» 
wohl verheiratet, keine Nachkommen hinter» 
lieBen, so daB mit ihnen dieser Nebenzweig 
des Hadader Astes der Wessel <5 n y i er« ! 
losch. 'MQuellen. Z- eierstunden fur freunde ! 
der Kunst, Nissenschaft u. s. w. tNien, 8".) 
1833. Nr 37:^. „Tapfrer Treu' ergibt sich 
jedes Her;". — (Hormayr's) Archiv fur 
Geschichte u s. w. (Wien. 4",) 1817. 3. 289: 
„Wessel«nyi ' s Brautwerbung" ; ebenda 1827, 
S. 433: im Tert; 1828, S. 272: gleichfalls 
im Tert. — (Hormayer's) Taschenbuch fur 
vaterlandische Geschichte (12".) III. Jahrg. ! 

(1822) 2. 311 u. f.: „Die Z-eI5capelle an 

der Waag" ''Geschichte seiner beiden Ehen 

mit Sophie Bosnyak und Maria 

S z« ch y A Z. — Lese f riickt e. Gesammelt, her« 

ausgegeben und verlegt von I . I , C. Pappe 

(Hamburg. 8".) 1833. I . B d . 2. Stuck: „Die 
Brautwerbung" . — esterr ci ch isch e Na« 
t ional«Encyklopadie von G r a f f e r 
und 6zikann (Wien 1832. 8".) Bd. V I , 
Seite 82. — Der osterreichische Zu> 
schauer. Herausgegeben von Ebersberg 

(Wien. 8".) 27. November 1833. Nr. 23: 
„Wesse ! 6nyi ' s merkwurdige Brautwerbung". 
Von H erzen s k r o n . — Ungarischer 
Plutarch oder, Biographien merkwurdiger 
Personen des Konigreichs Ungarn u. s. w 
Von (5. V. Kolesy und Jacob Melzer 

(Pesth 1816. Eggenberger. 8") Bd. I I , 

3. 114-124 -' s «klaui la,i)n A , d, 1. 

Familienblatter (Pesth. Ler. 8".) 1836. Nr. 39 

bis 41: „Murany" . Von Danielik s^mit 

Abbildung des durch Wessel A nyi's Erfolg 

so beriihntt gewordenen Schlosses), — A Vc>«. 

Seite 220 



Wurzbach55 . txt 
L6K A Q>'i I ' h r u !1 c X Nlidoi ' A 3 taiaainlrk 
5Luxe<22kuv636, 1664-1671. Ii'la. Mauler 
6?ull>., d. i. Die Verschworung des Palatins 
Franz Wrssel«5nyi und seiner Genossen, 1664 
bis 1671. Von Julius P a u 1 e r . 2 Bande 

(Budapesth 1876. Akademie »Verlag) . A Da 
dieses Werk auf Grund eines umf assenden, 
genau verzeichneten Quellenmaterials aus» 
gearbeitet ist, unterlaBt es Verfasser dieses 
Lerikons, die iibrigen ungarischen Quellen, 
wie deren in Ios. Szinnnei ' s Geschichto« 

. A la A ai- maonuln A us lie A ki-toi-iuma" (Vu6ape A 

r 1874) und in Sz«ch«nyi'6 „Kiolio- ! 

rtiec-a, tii3toi ' i< : 1> . " verzeichnet 'sind, aufzu« ! 

zahlen, und begniigt sich, Freunde der For« I 

schung darauf hinzuweisen. Ueber P au 1 er's! 

Werk vergleiche man Paul Hunfalvy ' s ! 

„Iiterarische Berichte aus Ungarn" (Buda» ! 

pesth 1878. gr. 8".). zweiter Jahrg.. 3, 120 

U. f. - I A I a 6 )I az; ) '2, roi-LXil gi 51inLi- 

VA s A aschau 1827). - .- A i-Fliclia (tta< 

schau 1838) Bd. 111,3, 227. - .Va</?, 

5/>li> A . A iH A ya!- ,n-.-,x:13 » A A l-clc'I)' !c6psk> 

bon (Pesth 1834) Bd. 111,3. 81. - ?aeruti" 

( A ) i ' na . viile 2nuo 1732, t) 'p. t>. A ., 

kl. Fol.) 1 A . lini et sociu. — Portraits. 

1) Untersanvfc: „Franz Vessel A in?i" 3tahlstich 

ohne Angabe des Zeichners ( A rndi?) 

und Stechers (Weifl?) . — 2) Unterschrif t : 

A V»?88t ! 1< 'n) ' i I'erenc/1". Holzschnitt ohne 

Angabe des Zeichners und Xylographen, aus 

den ungarischen Familienulattern A i-alaai 

Iai>ulc) scntweder eine Copie des vorigen 

oder beide der Vorlage e-nes und desselben 

Originals nachgezeichnet ; der Stahlstich be» 

findet sich auch in Hormayr'5 Taschenbuch 

vom Jahre <8 A >1. — 3) G. Widemann 

3c. ll-/n'i. (8".). - 4) V a u r r <1<!!., Ehren« 

reich sc. (4".) . — 4. Franz Nesselonyi 

(geb. urn 1810), ein Sohn des 1831 gestor» 
benen Zreiherrn Nolfgang aus dessen Vhe 
mit Maria Freiin von B a n f f n . Er trat 
in jungen Jahren in die kaiserliche Armee 
und war 1843 Rittmeister bei Palatinal« 
Huszaren Nr. 2. Dos Regiment stand 1848 
bei Ujp A cs im Banat und wurde im Juli 
dieses Jahres in deni zwischen der serbischen 
und magyarischen Bevolkerung entbrannten 
Kampfe verwendet. „Der Oberstlieutenant 
Albert Graf Wald stein und Rittmeister 
Baron Wessel«nni des Regiments", 
schreibt (Araf Thiir Heini, „zeichneten sich 
durch ihre teste politische Haltung und Treue 
den magyarischen Tevarationstendenzen gegen« 
iiber aus. Baron Nessel,l>nyi wurde nahe 
an ein Jahr von den Rebellen gefangen ge< 
halten, aus einem Kerker in den andern geschleppt, 
unter fast tagl'chen Todesdrohungen 
mit emporender barbarischer Rohheit behandelt, 
aber nichts konnte diesen braven Officier 
in den Pflichten militarischer Ehre und Treue 
wankend machen." (Doch ein L chtblick. frei« 
lich nur dieser eine Lichtblick unwandelbarer 
Konigstreue in dieser merkwurdigen Mag» 

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Wurzbach5 5 . txt 
natenf amilie ! ) Rittmeister Franz wurde im 
folgenden Jadre (I84ii) Major im Negimente 
und trat 1«32 mit Oberstlieutenants« 
charakter in deu Ruhestand. '"Thurheim 
(Andreas Graf) . Die Reiter , Regimenter der 
k. k. osterreichischen Armee (Nien 1862. 
F. V. Geitler. gr. 8".) Bd. I I : „Huszaren".? 
Mesfelrnyi, Helene 160 Paul 
S. 4<) . A j — A . Helene Wessel6nyi (gest. 
13. December 1830). Eine geborene (Tserci), 
wurde sie von Nicolaus Freiherrn von 
Wesselenni, als derselbe infolge seiner 
tollen Streiche die kaiserliche Armee verlassen 
muBte, aus dein Kloster entfuhrt und gehet ' 
ratet, H el en e, deren Leiden — denn solange 
ihr Gatte lebte, war ihr Leben nur ein Lei« 
den — (5sengery in ibres Mannes Lebens« 
skizze mit rijhrender Wehmutd schildert, war 
in Wahrheit dessen Schutzgeist, und obwohl 
dieser Wilde in den Ausbrijchen seiner Leiden« 
schift auch sie n ' cht schonte, zu idr kchrte er 
imml ' r wiedcr reuig zurijck, sie betete er an, 
sie furchtete er und beugte sich vor idrem 
Geiste. Wenn ihres Gatten Name in den 
Annalen Siebenbiirgens oon herrlichen Strad« 
len umgeben ist. so entstammt diese Glorie 
den kostbaren Thranen Helenens; seine 
Errettung aus dem Abgrunde wilder Leidenschaf ten 
ward urn den Preis eines vernichteten, 
selbstuerlrugnenden Frauenlebens er« 
kauf t . Die schlimmste Zeit hatte die Frau. 
als er in Kuf stein gefangen saB. Sie, im 
Kloster erzogen, wuBte von Landwirthschaf t 
und Haushalt auf einom Schlosse nichts, und 
doch nahm SchloB Zoibo. eine der groBten 
Herrschaften in Siebenbiirgen, die voile Tha° 
tigkeit deo erfahrenen Landwirthes und des 
berechnenden Grundherrn in Anspruch. Auf 
sich selbst angewiesen, iiberwand sie mit 
wunderbarer Energie Alles, iiberwachte per« 
sonlich die verschiedenen landwirthschaf tlichen 
Verrichtungen, brachte in den bei Nebernahme 
durch den Gatten stark verschuldeten und 
iiberhaupt zerriitteten Haushalt eine musterhafte 
Ordnung und verminderte nicht unbe< 
trachtlich die Schuldenlast . Viele Miihe oer» 
ursachte ihr. der schwachen Frau, die Auf» 
rechtdaltung des weltberiihmten Gestiltes, aber 
auch hier wurde sie Herr der Aufgabe, lieB 
das traditionelle Verfahren ihres Gemala 
hinsichtlich der Erhaltung und Trainirung 
der Pferde pijnktlich befolgen und eiferte die 
alten Diener dmch ihr Ansehen und Wohl» 
wollen zum verdoppelten FleiBe an. so daB . 
als der Baron, durch die Gattin erlost, aus 
seiner Haft nach uirr Jahren heimkehrte, er 
Alles im besten Zustande vorfand. Welche 
Nolle Helene bel den dmch die wider« 
wartigsten Scenen der Rohheit und Leiden« 
schaft ihres Gatten und seiner Gaste gestorten 
Gelagen. Jagden auf Burg Zsibo spielte, 
auch dessen gedenkt Csengery, . Sie war in 
ihrer aufopfernden Liebe, in ihrer Selbstverleugnung, 
in ihrer Duldsamkeit ohne Glei» 

Seite 222 



Wurzbach5 5 . txt 
chen der gute Genius des Hauses Wessel 
a n y i . und als sie schon langst unterm Rasen 
schlief. Wallfahrtete der Sohn, der die ganze 
Leidensgeschichte der Mutter kannte, so oft 
er in Zsibo weilte, taglich zum Grabe der 
Mutter, daa nicht ein gewohnliches Weib. 
sondern einen Engel und eine Martyrerin zu» 
gleich umschlofi. — 6. Katharina Wes ' 
sel6nyi (gest. 1788) . eine Tochter des 
Franz Freiherrn Wessel^nni aus seiner 
Ede mit Susanna Rhsdcy und Gemalin 
Siegmunds Graf en Rhod ey. Aus AnlaB 
ihres Todes er, ' ch ' en das Leichencarmen . - 
„X2> A 6s A pxen kiillsinoii virtuLair : », n A xve 
t ,A ritiliva valio A ott 3,582011? oto." (Klausen» 
burg 1788. 4".). — 7. Maria Wesselo, 
n y i , bekannter unter dem Namen Maria 
Sz6chy, zweite Gemalin des beiuhmcen 
Palatins Franz Wessel A nyi A siehe ihre 
Lebensskizze im 41. Bande dieses Wertes 
S. 2!)1. 'Kr. 2 unter Maria Szechy) . Der 
romantische Inhalt der Vorfalle ihres Lebens 
bildet auch den Stoff einer Iugendschrif t , 
und zwar Nr. 3 von iDbentraut ' s „Jugend« 
bibliothek fur Knaben von 10 bis 15 Jahren: 
Maria Szschy" (Wien. o. I . . Manz. 
Hofoerlag. t2"., mit Titelbild von Katzler) . 
—8. Maria Nessel«, 'nyi lebte im acht» 
zehnten Jahrhunderte, ist cine Tochter des 
Freiherrn Stephan aus dessen Ehe mit 
Polyrena Daniel und die Gemalin 
Adams Grasen Cclclii sVd. X I . I 1 I , S. 233. 
Nr. t) Die Baronesse Maria iibersehte aus 
dem Deutschen das seinerzeit stark gelesene 
und ofter gedruckte Buch „Die Kunst allzeit 
frohlich zu sein" von A. A. Sa rasa ins 
Ungarische unter dem Titel: „L A lltNLion 
valo 6i-ven (i62»5811elv inLLtkls^s" (Klausen» 
burg 1784. 8'.. 430 3 ) . A 6 i n « n ) ' , d, i. 
Hoffnung (Pesth 18 A 1) Bd. I I , S. 191.) - 
ii. Nicolaus (Vater) IMie die besondere 
Lebensskizze. S. 136) . — Kl . Nicolaus 
(Sohn) A siehe die besondere Lebensskizze 
S. 164) . — N. P a u 1 (gest. nach Einigen 
bereits 1679. nach Anderen erst 1694) . der. 
emzige Sohn des koniglichen Rathes Ste» 
pH an Wesselsnyi aus dessen Ehe mit 
Anna geborenen Lonyay. I n den dama« 
ligen bewegten Zeiten, in welchen in Ungarn 
Tiirkennoth und Pratendentenkampf e abwech» 
selten, wahlte auch er. der, SproB einer jener 
ungarischen Adelsf amilien, die immer gegen 
Oesterreich <M vivo standen und sich mit. 
dessen Gegnern verbriiderten, seinen Theil? 
131 Melfel A nyi Paul 

und schwang sich 1<;?7 zum Haupt der Mal» , 
contenten in Ungarn auf. Nachdem diese von, 
Volen und von den Tiirken Hilft erlangt ! 
hatten, kam eine Armee von etwa zehntausend ! 
Mann zustande, deren 15oui!nando ihm iiber« 
tragen wurde und mit welcher nach BeschluB 
des Kriegsrathes zunachst Tokai belagert 
werden sollte. Als der kaiserliche Befehlshaber 
von diesem Vorhaben der ' Insurgenten Kunde 

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Wurzbach5 5 . txt 
erkielt, brach er mit seinen Truppen von 
Kaschau auf. entschlossen, sobald sich ihm Gelegenheit 
darbote. Wessel^nni anzugreifen. 
Dieser aber wollte sich in keinen Kampf 
friiher einlassen, bis er nicht fur einen allen» j 
falls nothig werdenden Riickzug den dazu 
geeigneten iDrc gefunden laben wiirde. Indessen 
schickte er nach verschiedenen Seiten 
kleinere Trupps mit dem Auftrage aus, alle 
urn Munkacs herum gelegenen Drtschaftrn 
niederzubrennen und wo sich nur immer Gele« 
genhrit biete, den Kaiserlichen Abbruch zu thun; 
auch gelang es ihm. ein an dieselben abge» 
schickes Convoi mit Geld. Proviant und 
Munition abzufangen, wodurch dem kaiser» 
lichen General Copp nicht geringer Nach« 
theil zugefiigt wurde, denn die durch Mangel 
an allem Nothigen bei den Kaiserlichen eingetretene 
Unzuf riedenheit gab AnlaB zu massen« 
haften Desertionen und fand noch in dem 
Umstande Nahrung, daB Wesselonyi jedem 
^fsicier. der die kaiserliche Fahne verlasse und 
zur feindl'chen iibergehe, nebst verbesserter 
Charge 26 Ducaten und jedem Gemeinen 
10 Ducaten versprach. Thatsachlich traten 
auch an j3dli Mann der kaiserlichen zu ihm 
liber. General Copv. iiber diesen Vorgang 
mit Grund entriistet, verstieg sich doch leider 
in seiner C'ibitterung zu der Nntdat, daB er 
alle in seinem Gewahrsam befindlichen Ge» 
fangenen der Gegner niedermachen und meh« 
rere derselben spiefien lieB. Diese ebenso un» 
nothige als unkluge Greuelthat aber hatte 
nur die Folge, daB Wessel». 'nyi sie mit 
Gleichem vergalt und all? Kaiserlichen, welcke 
vornehmlich von den Polen auf deren Streif» 
ziigen aufgegriffen worden waren, etwa 61) an 
Zahl, unter denen sich Stabs« und andere 
Officirre befanden, dem Massacre iibergab. 
Dann lieB er an <3 ungarische Gespanschaf' 
ten Patente ergehen, in welchen er dmselben 
als Warnung fur ihr Verhallen erklarte: daB 
die ungarische Nation, welche d?c Deutsche 
auszurotten und zu vertilgen trachte, ihre 
Freiheit jederzeit selbst zu schiitzen und 
zu bewahren verstanden und den Kampf 
ge^en keine Armee, wie stark dieselbe auch 
gewesen sc: geschem habe . wonach sich also 
die !>oni!tate, treu zum Vaterlande stehend, 
in ihrem ferneren Vorgehen zu halten hatten. 
Mit solchem Terronsmus suchte er im Lande 
zu wirken. Zu gleicher Zeic richtete er an die 
Fiirstin R A k A czn ein Schreiben, in welchem 
er ihr das Beispiel ihrer Vorgangerinen vor» 
hielt und sie aufforderte, srine Partei zu 
nehmen und il>n zu unterstiit zen, widrigenf alls 
er ihr mit Feuer und Schwert entgegenzutreten 
beabsichtige . Die Fiirstin jedoch erwiderte ihm 
mit edler Entschlossenheit , ermahnte ihn bei 
der Freundschaf t , welche die Vater N^kuczy 
und Wesselonyi enge verbunden ftabe, auf 
ihre Warnung zu horen und sich seinem 
wahren Konig nicht zu widersetzen, da sonst 
die Sache keinen fur ihn giinstigen Verlauf 

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Wurzbach55 . txt 
nebluen wiirde. Sie fur ihren Theil sei fest 
entschlossen, trotz tes ihr von ihm und den 
Seinen bereits zugefugten und sie noch de« 
drohenden Schadens, treu zur Majestat des 
Kaisers zu stehen. Die Kaiserlichen waren 
indessen auch nicht muBig geblieben und 
schanunglos gegen Wessel^nyi und seine 
Anhanger vorgegangen. Das StammschloB 
des Rebellen. Hadad. welcheo von etwa dritt» 
halb Hundert. Maun deie<u gehalten wurde, 
datten sie 1678 genommen und nebst dem 
darin aufgehauften Proviant in Flammen 
aufgehen lassen. Nun folgten im November 
desselben Jahres noch einige andere Vortheile, 
welche die Kaiserlichen davontrugen, worauf 
ein Waf f enstillstand zu Stande kam. Da es 
sich bald zeigte, daB Tokoly niche abgeneigt 
sei. einen ordentlichen Frieden zu schlieBen, 
versuchte nun die iiber diesen Fiihrer miB« 
vergniigte Partei, W essel (' n n i gegen denselben 
anzustiften, was ihr auch gelang, so 
daB sich nun die Malcontenten wieder in 
zwei Lager spalteten, deren eines zu Tokoly. 
das andere zu dessen Widersachern hielt, zu 
welch' letzteren Wessel^nyi. der iiberdies 
die Uebermacht besaB, gekiirte. Indessen trieben 
die Franzosen, welche bioder die Malconlenten 
immer unterstutzt hatten, ihn zu nur hart» 
nackigerem Widerstande an. in welchem neben 
seinen Rebellen auch noch franzosische Trup» 
pen kampften. Mitten unter diesen Vorgangen 
wurde Wessel^nyi vom Tode dahingeraf f t . 
Nun entfiel auch jeder weitere Zwiespalt; die 
bisher von Nessel 6nyi gefuhrten Truppen 
stieBen zu der Abtheilung Tiikoly's. der 
jetzt allein den Niderstand gegen d'e Kaiser« 
lichen fortsehte. Vergleiche auch den Artikel? 
Messell-nyi, Nosa 162 fel A nyi' s Susanne 
Emmerich Tokoly A Bd. XI. V, S. 2:j2. 
Nr. 4) dieses 3erikons. Paul Nessels n y i 
war mit 2usannll V A ldi vernialt. mit welcher 
er den Hadader Ast — der Gyeker war 
etwa urn diese Zeit mit Balthasars 
1646 erfolgiem Tode im Manmsstamme er« 
loschen — f ortpf lanzte, da ihm seine Gemalin 
auBer einer Tochter Anna, die sich mit 
Ladislaus Grafen Bcthlen vermalte, 
auch einen Sobn Stephan gebar, den 
GroBvater des alteren Nieolaus Wesse» 
1 A n y i . desftn Lebensskizze S. 135, mit< 
getheilt ist — 12. Polyxena (5 176 A ), eine 
geborene Daniel de. Vargyas , die Ge> 
malin des Fn'iderrn Stephan. Sie zahlte 
mit ihrer Enkelin Anna, Gattin L u d w i g s 
Grafen Bethlen . zu den gelehrten Frauen 
ihrer Zeir. Von ihr erschien das ungarische 
(.Nlausenbmg 1752). Ueberdies eine vortrrff' 
liche Gattin und Hausfrau, gebar sie ibrem 
Gemal eilf Kinder, und zwar die sammtlich 
jung gestorbenen Tobne Stephan, Paul, ! 
S a in u e 1 und F ranz, den durch seine ! 
Eigenart und seinen Patriotismus so beriihmt A 
gewordenen Nirolaus I A siehe dielen S. 136 A 
und die Tochter: Katharinal. und II., 

Seite 225 



Wurzbach55 . txt 
Polyrena, Susanna, Maria und 
Anna Katharina, von denen die leht« 
genannten vier in die ungarischen Adels ' 
familien Kcm^ny . Bnnffy . Teleki und 
B e t n 1 t ' n beirateten. Die anlaBlich ihres 
Todes rerof f enil ' chten Trauerschrif ien sind im 
t>".) Uu' ws 16in' s ntuln I I , i>. M A , angef iihrt . 
A Schiiler von L i b 1 o y (Friedrich) . Kurzer 
Ueberdlick der Literaiurgeschichte Siebenbur» 
gens u. s, w. Sylu<?stergabe (Hermannstadt 
18 A 7, «".) I>, 79. -Allgemeine Thea» 
trr»Zeitung . Von Adolph Bauerle 

(Wien. gr. 4") X V I I 1 . Jahrgang (1823). 
Nr. 31: „Geledne Ungarinen" . Von I . Mel< 
zer. — liciini-nv, d. i. Hoffnung (Pesth 

( A Xu A tewou A , di. Allgemeine Samm» 1 

lung (Komorn) 1792. Bd. I, S. 162. A 

— 1 A . Nosa (gest. 18<!2) . eine geborene 

Freiin von K e 1 u A n y . Gattin des Freiherrn 

StephanNcssell ' nyi, Sohnes Wolf» 

gangs aus dessen Ehe mit Julie gebo« 

: enen Gra, A in Bethlen. AnlaBl ch ihres 
Todes brachte der , , 0i-a2< ! <; oi» nagv ks A cs 
ni A tur", d i Der groBe Neicho ' Bilder» ! 
kalendeo (Pesth) 18«2. Bd. I 1 , S. 246 ihren! 
Nekrolo'. - 14. Stephan (gest, 28. Avril 
17 :N) . Ein Sohn Pauls aus dessen Ehe 
mit Susanne B « 1 d i . war kaiserlicher 
wirklicher geheimer Rath. Landesvrasident von 
Siebenbtirgen . Obergespan des mittleren S;ol« 
noker Comitates und oberster Curator der 
rcformirten Kirche, wie des reformirten Col« 
legiums . Seine Gattin Aathamia Vanffu ge« 
bar ihm neben sechs Tochtern die Veiden 
Sonne Franz und Stephan, welche beide 
das Geschlecht, das nun in mehrerm Zweigen 
bliibt, f ortpf lanzten . Aus AnlaB seines Todes 
erschien die Trauerschrif t : „ A lonumtmtuiu 

:i,nl6 pei A uniua. .. 3. A A 5 61 o n >' ! inriini 
Intimi conailialN" A lauaia A oii 17 A 4, 4 , A . ) ; 
die in ungarischer Sprache erschienenen 
Trauerschrif ten sind im „ (D A talo<; u3 didUoclion5 ' 
i« (8oi>ionii 1799, 8".) A 21-2 I I , 
?. A <i3 und 664 angegeben. — 1 A . Stephan 
tgeb. 1708. gest. 17 A 8) . ein Sohn des Landes« 
Prasidenten Freiherrn Stephan (gest. 1734) 
aus dessen Ehe mit Katharina Ba n f f n . war 
Obcrcurator des Klausenburger rcformirten 
Kollegiums und Gemal f tol A . veluis geborenen 
Daniel de vargl A as, einer Dame, die zu 
Siebenburgm-Iingcnns gelehrten Frauen zahlt. 
AnlaBlich d>s Todes des Freiherrn erschienen 
verschiedene ungarische Trauerschrif tm, welche 
der „Ontalo A ua didliotllecao Iiun A arioA.L 
1 ' ' i>anc>iLl : i cnm. 8 A ( A ckt!uyi (Lo A i-onii 1799, 
8°) l'ni-u A 1 , ; i . 6«4, angibt . — 16. Susanne 
Wessel<'nyi. Eine Dame dieses 
Namens zadtt, gleichfalls zu drn aelehrten 
Frauen ihrer Zeit. I n der Familie Messe« 
1 t - n y i gibt es meluere Susannen, von 
denen jedoch bezijglich jener, die wir meinen, 
nur die zwei folgenden in Betracht kommen 
konl.en. namlich: des Freibcrrn Stephan 

(gest. 17A4) und Katharinas geborenen 

Seite 226 



Wurzbach55 . txt 
Grafin B a n f f v Tochter, (geb. 1712. gest. 
1739) . welche sich mit Admn Grafen teleki 
vermalre, dann die zweite, eine Nichte der 
Vorigen, eine Tochter des Freihenn Ste» 
pH an (gest. 4768) aus desftn Ehe mit Po» 
lyrena Daniel deVargyas ; diei'e Tu» 
sanne ist die Gattin Georgs Freiherrn uon 
Vlinffu. und lebte auch im vorigen Jahr» 
Hundertc. Eine Susanne Wessel^nyi er< 
scheint nun als Ilebersel-erin des von Fe» 
nouillotdeFalbaire gedichteten Dramas 
: „I A Iionn6to c-riminHi ou I'innoollnco 
i-ijeonnue" (171>7), das noch ofter unter ve» 
schiedenen Titew, als: « A 'am A nr iiUai",^ 
Melselinyi (der f>>lschc> rnyi (Wappen) 
dann wieder n A ? A i6 ulials" gedruckt 
wurde. Dieses Drama nun erschien, ins Iln 
garische ilbersetzt von Susanne Freiin von 
Wessel A nyi, unter dem Titel: ,,6-all 
likud, 2,vs.' ws A 'utn.!ma. a A iinl va A y mll AA 
»/ . tii-etetn« ! A ' - (Klausenburg 1?8.») ; ferner 
dea Werkes von Georg Lyttleton . - „0d- 
8< A rv2,tion3 Zur In, 1, 'ouvyi-8i"U er I'n A aat 
60 saint ?aul" il73 A ) unter dem Titel: 
! >wU lliv3 . w ! A ' ai< . I v:1.16 i'exvx A sui. . . " (ebd. 
1786) . Nach den Jahreszahlen dieser zwei 
Ueberset zungen . i78o und 1?80. konnte nur 
die 2usanne Wesselsny i die Neoerset zerin 
sein, welche nicht mit Adam Grafen Teleki, 
sondern mit Georg Baron V i i n f f n ver« 
heiratet war. da ja die mit Ersterem vermalte 
Susanne Wessel6nyi bereitil 17 A 9 gestorben. 
Leider steht uns die ungarische unten 
benannte Quelle, aus welcher wir vielleicht 
Aufklarung iiber die Sache schopfen konnten, 
nickt zur Verfiigung, A k e m e n v , 0. i. 
Hoffnung (Pesth) I8ot. Bd. I I , S. 29t. - 
1?. Der falsche Nessel < A nyi. Noch sei in 
Kijrze eines Betrijgers gedacht, der sich als 
einen natilrlichen Sohn Nirolauo Weise« 
It ' n y i 'S des Sohnes ausgab und die zum 
Beweise seiner Abstammung vorgewiesenen 
Documente selbst gefalscht und Zu diesen ein 
von ihm selbst geschnitztes Petschaft verwendet 
datte. 'Aus der Untersuchung ging hervor, daft . 
wenn oas von ihm bezeichnete Frauenzimmer 
seine Mutter ware, dieselbe im Alter von 
zwolf Jahren ihn hatte gebaren mussen; 
ferner, raB er ein ganz gewohnlicher Gauner 
sei, der verschiedene Namen gefilhrt, wie 
Gregor V o 1 t a , Verseghy. Balsaghy 
u, s, w. und dessen Verbrechen — auch als 
des Mordes erschien er oerdacht. 'g — gar 
nicht alle enthiillt sind und vollstandig sich 
vielleicht nie enthiillen lassen weroen. Im 
Jahre 1845 diente er in einem ungarischen 
Huszareli ' Rcgimente . dann spielte er mit 
Geschick die Rolle des politischen Martyrers, 
bis er 1832 bei einem mit bewaffneter Hand 
ausgefiihrten Raube erwischt und zu sechs« 
jahriger Kerkerstrafe uerurtheilt wurde. Bei 
Gelegenheit eines im Kerker ausgebrochenen 
Brandes entkam er und verschwand auch 
spurlos . I n der nachsten Zeit stand er nun 

Seite 227 



Wurzbach5 5 . txt 

- unter verschiedenen Namen in Privatdiensten, 
die er immer wieder nach begangenen Vetrii< 
gereien verlieB. Aus weiteren Erhebungen 
ergab es sich, daB er auch mit Raubern in 
Verbindung gestanden. Zu Ende der Sechziger- 
Iadre gelanq es ihm nun sogar, eine 
politische Rolle;u spielen, und als Ladis» 

1 a u s Nessel. 'nyi auftreteno. nahm er in 
Dedreczin an den Honv'Mangelegendeiten, 
und zwar in so hervorragender Weise Theil, 
daB er eo dabin brackne, die Honp«-drelcine 
in zwei Lager zu spalten. Als sich dann die 
Vcrdachtsgrunde gegen itm mebrtcn und man 
ihm, ohne datz er ea gewadrte, nachspiirte, 
euidrckte man alle seine Umtriebe in dem 
Augenblicke, da er nichts Geringrreo plante, 
als sich urn ein Mgeordnetenmandut zu be« 
werben. Nun erfubr man. dah er unter dem 
Namen Balsaghy bereits gesetzlich verheirater 
sei. daB er dann seine Frau davon« 
gejagt und spater ein neues Verhalmift be» 
gonnen, welches er, obwohl er von seiger 
ersten Z-rau gar nicht gesetzlich geschieden 
war. mit einer zweiten Heirat beschlieBen 
wollte. Als er dann Mitte August 1868 von 
einer Reise aus Kaschau nach Tedreczkn 
zuriackkehrte, hatte sich indessen das Beweis« 
niaterial sein.er Verbrechen so angehauft und 
keinen Zweifel iiber Veiorechen und Gaune» 
reien mehr iibrig gelassen, daft man ihn fest» 
nahm. worauf d:e llntersuchun A A egen ihn 
eingeleitec wurde. A Krem den« H 1 a t t . V. 'n 
Guswv Heine (Men. 4".) 18<!8. Nr. 23:1. 

- Neue Freie Presse. 1868. Nr. 1429, 

- Presse, 18N8, im „Local »Anzeiger", 
Nr, ' A 8 . ! 

III. Wappen. I n Blau auf natiirlichem Wasser 
ein gekronter Seelowe mit vorgestreckter Zunge 
und aufwarts geringeltem Doppelschwanze . 
Mit seinen beiden Pranken halt ec einen drei' 
stieligen Zweig empor, dessen iede Spitze in 
eine funfblartr ' . ge Blume auolaufi, Auf dem 
Schilde ruht d A e Frrihcrrnkrone . So siebt das 
Wappen aus. das Nagy nach einem Pet» 
sch.fi vom Jahre 1663 mittheilt. Wesentlich 
verschieden ist die Abbildung des Wappens, 
welche wir in K u u n r i ' s „Siebenburgischen 
Adelsf amilien" finden. Nach dieser sehen wir 
in einein blauen Schilde auf natiirlichen 
Wellen eine Seejungfrau, mit auf geringeltem 
in drei Flossenspit zen auslaufenden Schweife, 
eine Krone auf dem Haupte, die linke Hand 
gerade abwarts gerichtet, die rechte empor» 
gehobene Hand einen dreitheiligen Zweig, 
dessen jede Spitze eine Tulpe tragt, haltend. 
Auf dem Schilde ein ins Visier gestellter ge< 
kronter Turnierhelm. Aus der Krone des 
Helmes wachst die im Schilde beschriebene 
rechtsgekehrte Teejungfrau hervor. Die Helm«^ 
i) Nicolaus (Sohn) Messelonyi, Nicolans (Sohn) 
decken sind rechts blau mic Golo. roth 
Nesstlenyi, Nicolaus (Sohnj Frei' 1 
Herr (Staatsmann, geb . in Ungarn 
1795, nach Anderen 1797. gest. zu 

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Wurzbach55 . txt 
Pe'sth nach Szinnyey am 21. April, 
nach Anderen am 7. Oclober 1830) . 
Die Biographen nennen Nicolaus den 
Lohn eines Mannes von orientalischem 
Charakter, des ersten Pf erdezuchters und 
wildesten Reiters seiner Zeit, des letzten 
Magyaren, der das Faustrecht in der 
Belagerung und Eroberung des Schlosses 
eines Privatf eindes praktisch ausiibte. 
Eine biographische Skizze desselben 
wurde auf S. 136 gegeben. Die Mutter 
Helene war eine geborene Cserey, 
der wir in dieser Darstellung des Wesse 
1 un yi'schen Geschlechtes aucd ein eigenes 
Gedenkblatt ssiehe S. 130. Nr. 3 A j 
widmen. Von diesen Eltern war Nicolaus 
neben einer Schwester Anna der 
einzige Sohn, der unter der spartanischen 
Erziehung seines Vaters das wurde, was 
er in der Folge bei alien Anlassen, die 
sich ihm darboten, bethatigte, eine Mischung 
von Mensck und Tyrann, von 
Staatsmann und Traumer, von Heros 
und Verschworer. Wie ihn der Vater 
erzog, davon folgende Probe. Einmal 
wurde dem Vater ein storriger Hengst 
vorgefuhrt, den Niemand zu reiten wagte. 
Als Jemand den daneben stehenden, 
damals sechs jahrigen Nicolaus scherzweise 
fragte, ob er das RoB nicht be» 
steigen mochte, antwortete der Knabe : 
„Nein, ich furchte mien" . Als der Vater 
diese Worte vernahm, donnerte er auf 
und rief: „Ein Wesselanyi darf sich 
nicht furchten", packte den Sohn, warf 
ihn auf das Pferd, dem er einen Schlag 
mit der Gerte versetzte und das nun wie 
toll davonsprengte . Was die Mutter, 
welche dieser Scene beiwohnte, litt wahl 
rend der Zeit, bis der Knabe, wunder- 
A barer Weise wohlbehalten, zurijekkehrte, 
' moge sich die Phantasie des Lesers selbst 
A ausmalen. Der Knabe besaB nicht ge> 
A wohnliche Anlagen und verleugnete auch 
! sonst das Wesen seines Geschlechtes nicht. 
Er stand, als das denkwiirdige Jahr 
1809 herankam, wenn 1793 als das 
richtige Geburtsjahr angenommen wird, 
A im vierzehnten Lenze und befehligte be> 
! reits eine kleine Abtheilung der zu den 
! Waffen gerufenen Insurrection, ihre Be» 
z rvegungen mit merkwurdiger Sicherheit 
! leitend. Wenn der beriihmte Dichter Ka> 
Izinczy nach ausgestandener vieljahriger 
, Festungshaft bei dem alten Nessele» 
! n y i , der ihn auf das freudigste aufge» 
nommen, oft ganze Nachte saB und beide 
Manner die wichtigsten Fragen der Zeit 
, besprachen, da befand sich der Knabe A i» 
, c o 1 a u s auch bei ihnen und horte ihrer 
fernsten Unterhaltung mit groBer Auf» 
i merksamkeit zu, wahrend er mit den 
Fingern aus den herunterschmelzenden 
Tropfen der Wachskerze Pferde model» 

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Wurzbach55 . txt 
lirte. Sonst wissen wir iiber seine Erzie« 
hung wenig: Ein Erzieher Namens P ataky 
leitete den Unterricht. W.ir be< 
gegnen dem jungen Freiherrn zuerst 1818, 
als er ungefahr 21 oder 23 Jahre zahlte 
und in jedem Comitate, wo er Stimme 
besaB, von Kongregation zu Congregation 
reiste, urn daselbst gegen jene 
Conscriptionen und Urbarialverordnun» 
gen zu agitiren, welche mit Umgehung 
des Landtages ins Leben gerufen werden 
sollten. Als dann die Regierung wieder, 
ohne den Landtag einzuberuf en, dem 
Bauernstande Befreiung vom Frohn» 
dienste verschaffen wollte, theilte Freiherr 
Wessel6nyi bei diesem Vorgangedie 
Antipathie des Adels und dessen Un> 
zuf riedenheit iiber die Geset zlosigkeit des 
Verfahrens. „Der Constitutionalismus^ 

Messelonyi, Nicolaus (Sohn) Messel,-nyi, Nicoles (Tohnj 
gewann, aber das Volk verlor" . I n den 
folgenden Jahren beschaftigte er sich mit 
Einrichtung der durch dcis verschwenderische 
Gebaren des Vaters stark verschul» 

deten Giiter und wurde auf den Adelszusammenkiinf ten 
das Ideal der unga» 

rischen Heun658o aoree. Unter solchen 
Umstanden kam das Jahr 1823 heran, 
in welchem die in Oberungarn entstandenen 
Bewegungen bis an die Grenzen 
Siebenbiirgens schlugen. Da richtete 
denn auch Wesselonyi wieder sein 
Augenmerk auf die vaterlandischen 0e> 
setze und nahm einen zu jener Zeit in An» 
sehen stehenden Juristen zu sich nach 
Zsib6 mit, er besprach mit ihm und den 
einf lufireichen Mannern der Nachbarschaf t 
die vaterlandischen Angelegenheiten, und 
es wechselten in seiner Burg Zsibo 
mit den gesellschaf tlichen Vergniigungen, 
denen man sich auch hingab, ernste Be» 
rathungen. Bei diesen Versammlungen 
lernte er einen reichen Officier von angesehener 
Familie kennen, der iiberdies 
besser jagte als er, auf gleich schonen 
Pferden ritt und in den verschiedenen 
Kiinsten der Gymnastik mit ihm wett» 
eiferte. Dieser Officier trug Orden auf 
, der Brust, hatte an den Feldzugen theilgenommen; 
seine Gestalt prangte auf 

den von Kraft ' s Kiinstlerhand gemalten 
Tableaur der Weltschlachten . Dieser Ossi' 
cier war von der Huld der Hofe iiber» 
schiittet, hatte Europa, einen Theil des 
Orients bereist, dieser Officier, ein Mis< 
anthrop, mehr noch ein Malcontent, war 
Stephan Szoch6nyiM.X' s I,S.23 1) . 
Dieser, der mehr Kenntnisse besafl und 
mehr Erfahrungett als Wesse 1 6 n y i gemacht, 
bemerkte bei seinem jiingeren 
Freunde neben glanzenden Talenten geringe 
Weltkenntnifl und machte demselben 
den Antrag, mit ihm England und 
Frankreich zu bereisen, und schaffte, als, 

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Wurzbach5 5 . txt 
Nessel "nyi's Finanzen eine solche 

Reise noch nicht gestatteten, auch die erf orderlichen 
Geldmittel. Wesselonyi 

fand sich nun in seinem Elemente, denn, 
bemerkt Csengery zutreffend, in seinem 
Freunde fand er einen Gefahrten, der 
gleich ihm zu phantastischen Unternehmungen 
bereit war und mit gleicher 
Bereitwilligkeit das Leben eines Heloten 
! oder Negersclaven fuhrte, wie den Ausschreitungen 
eines Heliogabal, eines Sardanapal 
sich hingab. Beide reisten nun 
zu FuB, taglich groBe Entfernungen 
zuriicklegend. Sie durften nur Milch und 
Brod essen, beides in einer bestimmten 
Quantitat. Denn es war ihr Zweck, sich 
gegenseitig in Erduldung der Muhselig» 
keiten und des Hungers zu besiegen. 
Das ErgebniB war: Sz^chenyi konnte 
anhaltender zu FuBe gehen, Wesse« 
1 s n y i langer hungern. Dieses Wett» 
eifern in wechselseitiger Abhartung, dem 
auf dem Felde der Wissenschaften und 
Kenntnisse gleiche Kampfe folgten, nahrte 
! die gegenseitige Freundschaft . Dabei 
lernte Wessel6nyi von seinem oama» 
ligen Freunde sehr viel, denn spater ent» 
zweiten sie sich, aber auch als sie schon 
langst sich getrennt hatten, nannte er 
sich Sz 6 ch 6 n y i gegeniiber immer dessen 
„Schuler" und ihn seinen „Meister" . 
Ueber die Ursache ihrer Entzweiung ist 
man nie recht klar geworden, doch scheint 
dieselbe iiberwiegend auf Sz6chanyi 
zu fallen, der sich in Wesselsnyi seine 
politische Puppe zu erziehen gedachte, die 
ihre Bewegungen nach dem Drahte, den 
er zog, machen sollte, wahrend er die 
alleinige Leitung der politischen Plane 
sich vorbehielt, wozu sich aber jener, 
nachdem er seine Macht und seinen Ein» 
stuB kmnen gelernt, nicht hergeben 
mochte. SzSchonyi selbst hat sich, als 
seine Entzweiung mit Wesselonyi offend 
Nicoliius (Sohn) Wellel . onyi' 1 Nicolaus (Sohn) 
vorlag, gegen einen seiner Freunde dariiber 
ausgesprochen . „Zum Anfiihrer", 
sagte Sz <: chonyi, „zum leitenden Redner 
ist jetzt beim Magyaren, als einem 
orientalischem Stamme, der sich vorziiglich 
an AeuBerlichkeiten kehrt, nur ein 
Mann geeignet, der eine breite gedrungene 
Gestalt hat, stark wie ein Stier ist, 
von dessen donnernder Stimme die 
Fenster klirren; der schwulstig genug 
reden kann und iiberhaupt ein solches 
AeuBere besitzt, daB, wer von entfernten 
Gegenden kommt und in seine Augen 

blickt, unwillkiirlich gezwungen ist, auszurufen: 
Das ist der machtige, der wiirdevolle, 
der konigliche Ungar. Ich besitze 
diese Eigenschaften nicht, und lange dachte 
ich dariiber nach, wer unter unseren Umstanden 
geeignet sei, mit der Leitglocke 

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Wurzbach5 5 . txt 
voranzugehen . Endlich fand ich 
Wesselonyi. Es ist klar, daB er diese 
Eigenschaf ten in hohem MaBe besitzt, und 
ich hoffte, daB wir uns verstehen wurden. 
Ich tauschte mich! Und doch, was konnten 
wir Alles thun, wenn wir uns gegenseitig 
verstanden! Aber Wesselonyi 
folgte seiner Eitelkeit, er wurde durch 
Applaus berauscht, er ist in die ansturmende 
Politik verliebt, er schwimmt 
immer gegen den Strom. Er schiirt nur 
immer den Dampf kessel, ohne daB er das 
Ventil anbringen wollte, er suchte mehr 
zu glanzen als zu nutzen." Auf dem 
Landtage 1830 beginnt Wesselsnyi's 
einf luBreiche Stellung, welche in den 
Jahren 4831 und 1833 fortdauert. Er 
war damals der leitende Oppositionsredner 
des Oberhauses; er sprach in Angelegenheit 
der Sprache, iiber Religionsf reiheit , 
verurtheilte die Reaction der 
hohen Geistlichkeit und vertheidigte die 
Gewissensf reiheit . Damals hatte eben 
die polnische Erhebung stattgef unden, anlaBlich 
welcher er verlangte, daB die osterreichische 
Regierung aus den Wallen der 
Neutralitat heraustrete und der Beistand 
der polnischen Revolution werde! Das 
politische Ansehen Wesselsnyi's wuchs, 
in jenen Tagen in solchem Grade, daB 
er, obgleich ein Mitglied des Oberhauses, 
der Flihrer der in beiden Hausern befindlichen 
Oppositionselemente wurde, indem 
er von f reundschaf tlichen Conferenzen 
aus, an denen die angeseheneren Depu» 
tirten theilnahmen, auch das Deputirtencorps 
leitete. I m Oberhause jedoch iiber« 
fliigelte er durch die Macht seiner Rede 
die iibrigen Rivalen derart, daB er da» 
selbst die Opposition nahezu dictatorisch 
beherrschte. Nun aber nahmen die politischen 
Verhaltnisse in seinem Vaterlande 
Siebenbiirgen seine Thatigkeit in Anspruch. 
Seit der Thronbesteigung Leop 
olds I . waren dort dann und wann 
Landtage einberufen worden, auf denen 
Wessel6nyi's Vater, wie wir in dessen 
Lebensskizze berichteten, seine agitato» 
rische Thatigkeit entfaltete. Der letzte 
' Siebenbiirger-Landtag war 1811 ver» 
sammelt gewesen, nach einer Pause von 
21 Jahren wurde nun wieder ein Landtag 
nach Klausenburg einberufen und 
die wahrend derselben angesammelten 
Wiinsche, Forderungen und Gravamina 
boten einem Manne von Wesselc ' nyi ' s 
Schlage mehr als hinreichend Stoff, seine 
auf dem PreBburger Landtage gespielte 
Oppositionsrolle in nur scharferer Tonart 
in Klausenburg f ort zuspielen . Und 
das that er auch redlich. Er ward im 
Udvarhelyer Stuhl von den SMlern, 
denen er aufs neue das erloschene Recht 
viritinizu stimmen erwirkt hatte, und 

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Wurzbach5 5 . txt 
die 8000 Mann stark zur Wahl sich einfanden, 
zum erblichen Abgeordneten gewahlt 
und deshalb mit einem Stiicke 
Grund, wozu jeder Szokler einige Gro» 
schen beitrug, beschenkt, da im Szokler-^ 
Messelrnyi, Nicolaus (Eoln' 1 Messel<'nyi, Nicolaus (' 
lande nur ein Grundbesit zer Ablegat sein 
konnte. I n Erwiderung auf diese Auszeichnung 
stiftete Wessel6nyi eine 
Schule in Uduarhely. Gleich bei Eroffnung 
des Landtages geigte sich die Ungeberdigkeit 
Wessel6nyi ' s , der, als er 
die Thiir des standischen Sit zungssaales 
geschlossen fand, mit seiner Faust an dieselbe 
zu pochen begann und mit jedem 
Schlage an die Menge sich wandte und 
entweder einen Witz gegen die Regierung 
machte, oder ein Gesetz gegen die falschen 
Rathgeber und die Verantwortlichkeit 
derselben vorlas ! Man sieht, der Sohn 
war eine zweite, aber nicdt bessere, nur 
schlimmere Auflage des Vaters. Infolge 
dieses Vorganges benachrichtigte der 
Landeskanzler , daB der Landtagssaal fur 
die Nationalversammlung infolge hohe> 
rer Verordnung fur diesen Tag nicht 
geoffnet werde. Dadurch wurde die 
Stimmung nur noch gereizter. Als dann 
der Landtag begann, auf welchem W e s» 
sel<Znyi ob der Unfahigkeit der Regie» 
rungspartei immer Oberwasser hatte, 
wurde sie auch nicht besser. Dazu kam 
noch, daB, als die Standr beschlossen, 
die Debatten unter dem Titel „Xapio" . 
d. i. Tagebuch, abdrucken zu lassen, die 
Regierung es verbot. Als nun der Landtag 
gegen eine solche Willkur protestirte, 
begann Wesselsnyi den „ A g.pI6" als 
Privatunternehmen in seiner eigenen 
Lithographie herauszugeben, mit der Behauptung, 
daB rechtmaBig keine Censur 
bestehe, und wenn auch iiber Druckereien 
Verordnungen erlassen waren, gegen 
Lithographien kein Verbot vorgezeigt 
werden konne . Man sieht, er hatte auf 
seinen Reisen in England wenigstens 
eines, die wortliche Auslegung des Gesetzes, 
gelernt. Kaum aber waren etliche 
Bogen des lithographirten „Xapla" aus« 
gegeben, als sich Beamte in seine Werk» 
statte verfiigten und die lithographische 
Presse consii ! citten . Und sonderbares 
Spiel des Schicksals: NicolausWes. 
s e 1 A n y i . der Sohn jenes Wessel6- 
n y i , welcher in der Person eines anspruchslosen 
Kanzlisten die angegriffene 
Oef f entlicbkeit heldenmiithig vertheidigt 
hatte, muBte nun von dem einstigen, 
mittlerweile Prasident gewordenen Kanz< 
listen, der 17!>4 wegen Fiihrung eines 
Tagebucbes beinahe aus dem Parlamentssaale 
gewiesen wurde, wegen Ver» 
letzung des Oef f entlichkeitsrechtes die 
Einberufung einer Landtagosit zung foc« 

Seite 233 



Wurzbach55 . txt 
dern. Die Verbaltnisse gestalteten sich 
immer drohender, die Regierung glaubte 
militarische Hilfe heranziehen zu mussen; 
dann erschien ein Negierungsrescrivt , in 
welchem der Geist des Landtags strenge 
geriigt, die Constitution susvendirt, alle 
Civil- und Militargewalt in die Hande 
des Erzherzogs gelegt, der Landtag aufgelost 
und die Mitglieder der Gesetz« 
gebung ernstlich verwarnt wurden, die 
Oldnung irgendwie zu storen. Gegen 
Wesselonyi direct leitete man in kurzer 
Zeit zwei Processe ein, wegen Mifi» 
brauches der Oef f entlichkeit und der 
Redef reiheit . Vor dem koniglick sieben» 
bijrgischen Gerichtshofe wurde er der 
Lithographie wegen vorgeladen, an dem 
koniglich ungarischen Gerichtshofe aber 
gegen ihn als Aufwiegler einer in der. 
Szathmarer Congregation iiber erbliche 
Ablosung gehaltenen Rede wegen ein 
HochverrathsvroceB angestrengt. Der 
Ausgang dieser Processe war, daB ihn 
die ungarische Curie zum Kerker ver« 
urtheilte. Aber noch vor seiner Abfuhrung 
in die Ofener Festung bracb 4838 
die furchtbare Pesther Ueberschwemmung 
aus, bei welcher der herkulische Messel 
6 n y i wahre Wunder der Kraft verlichtete, 
indem er zahllose Menschenleben^ 

WesseU'Nyi, Nicoluuo (Sohn) Messcl<myi) Nicolaus (Lohn) 
aus den Zluthen rettete und sich durch 
seinen Muth, seine Aufopferung und 
Riicksichtslosigkeit gegen sein eigenes 
Leben zur Rettung des Lebens Anderer 
zum „guten Genius" der Hauptstadt er« 
hob, in dem Augenblicke als seine Person 
dem . ' Kerkermeister iibergeben wurde. Aber 
mit seinem Namen waren nun nicht nur 
das Nettungswerk, geiibt an vielen 
Armen und Verlassenen, sondern auch 
drei wichtige, das politische Leben betref. 
fende Fragen, die Oef f entlichkeit , die 
Redefreiheit und die erbliche Ablosung 
so enge verkniipft, daB man es fur rathlich 
hielt, den volksthumlichen Gefangenen 
nach kurzer Kerkerhaft zu benachrichtigen, 
es sei ihm gestattet, den Rest seiner Gef angenschaft 
seiner schweren Krankheit 

wegen, die ihn indessen befallen hatte, in 
Grafenberg zuzubringen. 2ie Cur in 
diesem Bade, wo sich auch jenes merkwurdige 
Liebesverhaltnis mit der kleinen 
Weberin, anfanglich dem Freiherrn selbst 
unbewuBt, entspann, das dann mit einer 
Heirat in Zsib«'» endete, hatte sein Leiden 
wohl gemildert, aber nicht geheilt. Er 
verbrachte dann ein paar Jahre im Auslande, 
bis ihm die auf dem 1839er Land« 
tage erlassene Amnestie die Riickkehr nach 
Siebenbiirgen gestattete. Nun aber befiel 
ihn eine infolge heftigen Blutandranges 
gegen das Gehirn eingetretene Blindheit, 
die wohl fur einige Zeit gehoben 

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Wurzbach55 . txt 
wurde, aber infolge einer bei seinem Na- z 
turell leicht hervorgeruf enen und furchtbaren 
Aufregung neuerdings und dann 
bleibend eintrat. Auch war von da ab 
der Freiherr immer mehr oder weniger 
leidend; wohl nahm er am offentlichen 
Leben, soweit fein Zustand es erlaubte, 

. noch immer Antheil, aber die Bewegung 
der Geister war bereits iiber ihn hinaus» 
gegangen, sein Name gait noch hoch im 
Lande, seine Rathschlage jedoch, als nicht 
immer zeitgemaB, fanden keine Beach» 
tung. Auch durch die Presse suchte Wes. 
i zu wirken, und es erschien: 

(Leipzig 1843), wovon auch 

im folgenden Jahre eine deutsche Ueber» 

setzung unter dem Titel: „Eine Stimme 

iiber die ungarische und slavische Natio« 

nalitat" (Leipzig 1844 »Pesth, Emich", 

gr. 8".) ausgegeben wurde, in welcher er 

die Grundlinien seiner Politik aufstellte, 

deren Befolgung im Marz 1848 fur die 

Gesammtmonarchie von Nutzen gewesen 

sein und viel BlutvergieBen erspart haben 

wtirde; aber der Verbannte von Grafenberg, 

der blinde Wesselenyi war nicht 

mehr der Held des Tages, Andere fuhrten 

das groBe Wort, und man zuckte iiber 

den philanthropischen Traumer nur mit« 

leidig die Achseln. Wie sich indeB Wes. 

selonyi's ungestiimes Wesen im Laufe 

der Jahre, durch die Wirkung derselben 

wie durch sein Leiden und in der damit 

verbundenen Einsamkeit abgeklart hatte, 

das ist eben aus dieser Schrift ^SxS^at" 

ersichtlich, von welcher Caengery in 

seinem Werke „Ungarische Redner und 

Staatsmanner" (Bd. I, S. 181-191) 

einen iibersichtlichen Auszug gibt . Auch 

in den nachstf olgenden Jahren bis kurz 

vor Ausbruch der Revolution, wahrend 

welcher der Freiherr auf seinem Schlosse 

Zsib<i lebte, war er immer thatig und 

beschaftigte seinen Secretar unablassig 

vom Morgen bis zum Abend damit, 

f reundschaf tliche Briefe, Aufrufe, Zeitungsartikel, 

fur Privathande bestimmte 

Abhandlungen und Parteimemoranden 

abzufassen; aber dies Alles hatte wieder 

auf die politischen Verhaltnisse keine 

Wirkung, er selbst jedoch blieb trotz dieser 

deutlichen Zuriicksetzung noch immer 

eines der eifrigsten Mitglieder der Oppo» 

sition. War er schon bis dahin nur? 

i) Nicolaus (Eohn) 1 i)H Mesjel^nyi. Nicolnus (Tobn) 

wenig mehr beachtet worden, mit dein 

Fortschreiten der Revolution verhallte 

vollends die warnende Stimme des Propheten. 

Ja, die tiefste Demiithigung 

sollte ihm nicht erspart bleiben. Nachdem 

er eine Privatunterredung mit K ossut h, 

welche er gesucht, erlangt uud in derselben 

alle seine Beredtsamkeit , die ihm 

zu Gebote stand, aufgeboten hatte, urn 

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Wurzbach55 . txt 

die aufiersten Schritte des Dictators hint 

anzuhalten, antwortete ihm dieser kalt : 

„Mit dem oorpus A i r i« konne man das 

Vaterland nicht retten, jetzt benothige 

man anderer Ideen und anderer Man 

ner." Solche Worte von dem Manne zu 

horen, der wegen unterschlagener Gelder 

in Haft gesessen und sich nun zum Volks ' 

tribun aufspielte, war fur den rauhen, 

aber in seiner Ehre makellos dastehenden 

Magnaten zu viel. Mit Leuten, die 

einem Manne von diesem Schlage folg» 

ten, war nicht mehr zu pactiren; er 

nkcmnte es nun, daB seine Rolle ausgespielt 

sei. Nach der grauenvollen 

Ermordung Lambe rg's auf der Ofener 

Briicke verbannte sich der leidende Frei' 

Herr selbst aus Ungarn und begab sich 

nach Grafenberg, wo er bis 1859 blieb. 

Als er dann in sein Vaterland zurijck' 

kehrte, befiel ihn auf dem Dampf schif f e, 

das ihn nach Ungarn bringen sollte, eine 

Lungenent ziindung, der er, in Pesth an» 

gelangt, auch in kurzer Zeit erlag. Nach 

Csengery und N a g y ist also Wesse» 

1 a n y i 1850 gestorben; woher Ste> 

ger im achten Bande seiner „Erganzungsblatter " 

die Nachricht genommen, 

daB Wesse 1 6 n y i in Pesth am 21. April 

1832 gestorben, wissen wir nicht. Aufter 

dem schonerwahnten „Z A o' s t' s hat der 

Freiherr noch herausgegeben : „Ha A sVst6(J7- 

6/«, d. i. Vorurtheile (Bukarest 

1833) ', 5". T'S A i 

sache des Zugrundegehens der alten 

beruhmten Stuten IPestb 1829. und 

,, I'66/i</<)- </ /-6>, //</, A /< A ' />»«/". 0. i. 

Interessen im Hinblick auf die Pferde» 

zucht IMausenburg 1847>. Wesscl«- 

nyi hat sich, wie bereits erwahnt, erst in 

vorgeriickteren fahren mii Anna Lur, 

der Tochter eines Menschen Weders ver» 

heiratet. A Vergleiche unter den denkwiirdigen 

Sprossen der Freiherren von 

N e fse 1 A nyi den Artikel Anna. S. 1 W, 

Nr. 2. A Aus dieser Ehe stammen zwei 

Sonne, Nicolaus und B t ' 1 a . Die verwitwete 

Freifrau soil sich spater wieder 

mit dem ungarischen Abgeordneten Lud' 

wig Mocsary A Bd. XVIII . S. 409 A 

vermalt haben. Noch sei zum Schliisse 

bemerkt, daB Wessel A nyi unter Un» 

garns Patrioten — wir sagen Patrioten, 

urn sie von den Rebellen zu unterschei» 

den — also unter den Patrioten vom 

Schlage eines Franz Deo.k immer in 

hoher Achtung stand, i-.nd daB Letzterer 

selbst Wessel A nyi den Sohn: „Ungarns 

Negulus" nannte. 

Uicolans (Sohn) Wcsselenqi's Anlicht iiber Un> 

garns Verhaltnifi und nothwendige Stellung 

zu Peutsch-Detterreich . Als sich im Jahre 

<844 der M A mn'ismuo durch den Panslavionnio 

bedroht qlaubte. verof f rn»lichte Wcs-. 

Seite 236 



Wurzbach5 5 . txt 
sel^nni die '"luqschriN: A 3 A »xar », wugvar 
A 2 ii^iliv nBrn^sii^t ' A ii' ws »>den" , d. i. Aufruf, 
betreffend die ungarna»«, ' und slavische )laiionci.- 
litat. I n dieser Vro>clmre findet sich folgende 
noch heute zmresiende und von den ungarischen 
Vollblutchauvinistm nicht genug zu beherzi' 
gende Anstcht eines Mannes, der ; u Ungarns 
gliihendsten Patrioten zahlt: „Tchwerlich gibt 
es einen Menschen, der, unsere inneren und 
auIJeren Verhaltnisse und Alles, was hieriiber 
gesagt worden, erwagend, auch nur einen 
Augenblick daran zweifeln konnte, dafl fur 
den Ungar nirgend eine Hoffnung, 
eine Aussicht ist. als im Bunde mir 
dem deutschen Elemente. Nur durch 
ein festes AnschlieBen an dieses kann er din» 
langlich erstarken, urn der drohenden Gefahr 
zu widerstehen, und nur im Biindnisse mit¥ 

(Sohn) 

ihm kann er unter den europaischen Staaten 

einen Plax einnehmen, der seinem nationalen 

und biirgerlichen Wohlsein und seiner Ehre 

entspricht." — — „Die Herrschaft unseres 

Negentenhauses ist der enge Verband, der den 

Ungar an jenen Volkostamm und an jenes 

Element kniipft, das einzig und allein mit ihm 

verwandte Interessen hat und haben kann, 

und das deshalb auch sein natiirlicher und aus< 

schliefllicher Bundesgenosse ist." — „DaB einzig 

der Tenische unser wahrhafter und natiir» 

licher Bundesgenosse ist, daB unsere Interessen 

verwandt sind. ist gegenwartig eine un< 

leugbare Wahrheit, eine unwiderlegbare That« 

sache. Die Thatsache und die Wahrheit aber 

miissen eine entscheidende Macht auf die An« 

sichten und die Ueberzeugung, und hierdurch 

auf die G A uiit'er ausiiben." So sprach — 

wenn das gesprochene Wort verhallt, das ge< 

schriebenc bleibt — so schrieb ein Mann, 

dessen gliihende Vaterlandsliede und reiner 

Liberalismus erhaben iiber jeden Zweifel sind. 

<Qnell.cn. (5 se ng «r y (Anton) . Ungarns Redner 

und 31aa . -5manner (Leipzig und Wien 1832. 

Man;. i->") Bd. I , S. 78-2K). - Frieden» 

fela «Eugen von) . Joseph Bedeus von 

Scharberg. Beitrage zur Zeitgeschichte Siebenbiirgens 

im neunzehnten Jahrhunderte (Nien 

1870. Braumullrr gr. 8".) Bd. 1, S. 39 

bis <;1. a<>. 72; Vo . I I . 3 19. << /N ,i?.i 

— Ianoiycth von Ad leiste in Johann) 

Tic lelzten zwei Jahre Ungarns. (5hrono< 

logisches Tagebuch der magyarischen Rerolu« 

tion (Wien 1830. I . P. Sollmger's Witwe 

8".) Bd I I , S. 77, 7«) , 1 A 7. 14<»; Bd. Ill, 

2 3 A . 3s; . 14«. — Illustrirte Zeitung 

(I.I. Weber in Leipzig, kl. F»l.) Bd. I I , 
3. . A . — (Kolatichel- ' 6) Stimmen der 
Zeit, 18M) . Bd. I, 3. 1?:;-181. - L i t e » 
rarischoBerichte aus Ungarn iiber 
die Thatigkeit der ungarischen Akademie der 
Wissenschaf ten und ihrer Commissionen, des 
ungarischen Nationalmuseums u. s. w.' Heraus ' 
gegcben von Vaul Hunfaluy (Budapesth. 
Franklin« Verein, gr. 8".) Band I (1878), 

Seite 237 



Wurzbach55 . txt 
3. 167. l?o. — Levit schnigg (Heinrich 
Ritter von) . Kossuth und seine Vannerschaft 
3ilhouetten aus dem Nachmarz in Ungarn 

(Pesth 1830, Heckenast. 8".) Ad. I I , S. 74 
bis 81. — Meyer (I.) . Das groBe «Hon« 
versationo-oerikon fur die gebildeten Stande 

(Hildburghausen, gr. 8«.) 3. Aufl. Bd. XV, 

3. 709. — Springer (Anton Heinrich) . 

Geschichte Oesterreichs seit dem Wiener Frieden 

1809 (Leipzig 18No. H'rzrl, gr . 8".) 

Bd. I, 3. 1<)7. 2L6, 287; Bd. I I , S. 52Z. 

— (Tteger's) Erganzungsblatter zu jedem 
Conoenanonslexikon (Leipzig und MeiBen, 

gr. 8".) Bd. VIII, S. 223 snach diesem ge . 
storden in Vesth am 21. April 1862) . — 
Ungarns politische Charaktere. Ge« 
zeichnet von F R. (Mainz 1831. I . G. 
Wirth 3ohn. 8".) S. 10U. - Wirkn er 
(Lu2wi A von) . Meine Erlebnisse. Blatter aus 
dem Tagebuch? meines osientUcheu Wirkens 
1820-1832 (PreBburg 1879. gr. 8".) S. 33. 

— ZIkT A ar ii-olc are^k^Ei A eiLfla A al' s 

d. i. Ungarns Schrif tsteller in Bildern und 
Biographien (Pcsth 1838. Heckenast, kl. 4«.) 
S. tlj. — ),1 a. j5 z'a r i r o 1 c . A liitra. A - 
6s 1) a n i 1 i A c A o A sok, d. i. Ungarische Tchrift ' 
steller. Sammlung von Lebensbeschreibungen . 
Von Jacob Fere n c z y und Iosepd Danielik 
(Pesth 1838. Gustav Emich. 8".). Zweiter (den 
ersten erganzender) Band, S. 37g. — Va- 
Z A rnaxi u A a A , d. i. Fannliendliicter (Prsth. 
gr. 4".) 13. Janner 1800, Nr. H: n AA r6 
PoNrats. i) Schoner Holzschnitt ohne An» 
gabe deaZeichners und Xylographen in groftem 
Medaillon in den A Vaslli ' liapi u A 81iz5' s »om 
I A i. Janner 18U0. Nr.:;. - 2) Holzschnitt 
ohne Angabe drs Zeichners und Xylographen 
in der „Leipziger Illnstnrten Zeitung" g. Fe< 
uruar 1844. Nr. 32. S. 83. - 3) Unter» 
schr.'ft: „Nirolauo von WesMnyi". Stahlstich 
ohne Angabe drs Zeichners und Stechers. Zu 
Meyer's „Conversalions ' Lt ' Nt ' oli fur die ge« 
bildeten Staude" ( 1 . Aufl.) Nr. 1U6U. - 
4) Lithographie auf dem unter dem Titel: 
A 1 a A a , - ii'nlc arc2k6i) i j< ' 2, !-noka" im Jahre 
l. AA ? rrschcenenen Gruppenbild ! . ' (in Folio) 
ungarischer Schrif tsteller . 
Nessels, Adalbert l A Bd. I.. S. 
Nr . 

Wcssel A , Ernst . I.,' S. i84, 
Nr . A 

A , Eugen A Bd. I., S. 
Wesselj-, Fanni M . I., S. 
zu Ende der Biographie des'Wolsgang 
Nessels 

WesseH, Fr. "Hand I., S. 483, 
Nr. 4 A .^ 

Wolfgang 1 6 t Messcnberg-Am pringcn 
WefseH. Franz Md. I., S. 18."», 
Nr< 6) . 

Weffeli. Franz Xao. Md. I „ S. 183, 
Nr. 3) . 

WesseH, I . Mand I., Seite 187. 
Nr. 14) . 

Seite 238 



Wurzbach5 5 . txt 
WesseH, I . , Pater Md. I., S. 187, 
Nr. 13) . 

WesseH, Ignaz Ritter von Md. I., 
S. 183, Nr. 8) . 

Nessels, Johann Md. 1", S. 186, 
Nr< 10) . 

Wessen, Johann Md. I., S. 160). 
Wesselj-, Johann Md. L. S. 186, 
Nr. 11) . 

Wesser, Johann Md. I A S. 186, 
Nr. 12) . 

Wesselj-, Joseph Eduard j M . I., 
S. 173) . 

WesseH, Joseph Md. I., S. 171). 

Nachtrag: Aufier den dort angefuhrten Schlissen 
erschien noch die nachstehende, die „Karst« 
frage" betreffende, unter dem Titel: „Das 
Karstgebiet Militar«Croatiens, dann die Karst» 
frage uberhaupt . Herausgegeben vom k. k. 
Generalkommando in Agram. VerfaBt von 
I . Nesseln" (Agram 1876. 8".) . woruber 
die „Allgemeine Zeitung" H877. Beilage 187, 
eine eingehende Beurtheilung bringt . 
Nessels Joseph Ritter von Md. I., 
S< 168) . 

WefseH, Iosephine M . I., S. 172). 
Nachtrag zu den Quellen und Bildnissen: 
„Neue Iiiustrirte Zeitung" (Wien. Zamaroki, 
kl. Fol.) X I . Jahrgang, t 1 . Februar 1833, 
Nr. 2tt . S. 3 1 1 Biographie A nach dieser 
i8. Marz i860 geboren"*; S. 309 BildniB. 
Nessels Lorenz Md. I., S. 188, 
Nr. 19) . 

Wesftl", Naphtali Herz Mand I., 
S. 188, Nr. 20) . 

Nessels Wolfgang Md. I., S. 182). 

Lurzbach. biogr. Lerikon, I.V. sGedr, 6. Mai 1887.) 
Wessenberss-Ampringcn . Johann Phi» 
lipp Freiberr < A !aarsraann, geb . in 
Dresden November 177, j, qest. zu 
Freiburg Breisgau) 1. August 1838) . 
Der SproB eineo altadeligen Sckweizer» 
geschlechtes . iiber welckes S. Itt8 die 
Duellen Naheres beriwteu, war er ein 
Sohn des Freiherrn P h i 1 i p p Karl, 
der in Dresden a's k. k. osterreichischer 
Gesandter weilte, und ein Bruder 
Ignaz Heinri ch o, Bischofs von Constanz, 
dessen von Seite des papst» 
lichen Stuhles energisch angefochtene 
Bisckofswahl den Streit zwischen diesem 
und dem Groflherzogthume Baden zur 
Folge hatte, welcher auch durch die beiden 
Bullen vom 16. August 182» (proviaa 
Lolers A ue) und vom Jahre 1827 ("a aoininioi 
Il'<i A i5 oustoa A am) nicht gelost 
wurde, bis der hochsmnige Kirchenfurst 
ihn in seiner Weise zu Ende fiihrte, indem 
er sein Bischofsamt selbst nicht mehr aus» 
iibte, sondern sicb in stiller Zuruckgezogen» 
he!t zu Konstanz der Wissenschaft und 
Werken der Wohlthatigkeit widmete. Die 
Iiinglings jahre verlebte Freiherr Io> 
hannPhilippin ElsaB und in Frankreich 

Seite 239 



Wurzbach55 . txt 
und eignete sich jene vollendete KenntniJJ 
der f ranzosischen Sprache an, die ihm bei 
semer spateren diplomatischen Laufbahn 
so zu Statten kam. Das Studium der 
Rechtswissenschaf ten begann er in StraB' 
burg und beendete es in Freiburg. Die 
Mutter war schon friihzeitig dahinge» 
schieden, und der Vater starb 1794, nachdem 
derselbe durch die franzosische Revolution 
alle Giiter im ElsaB verloren und 
sein Vaterland verlassen hatte. So trat 
der verwaiste damals 21jahrige Wes> 
senberg als Assessor bei der vorderoster» 
reichischen Regierung zu Constanz ein. 
Als 1797 Erzherzog Karokleider, zu 
spat, urn die- Unfalle seiner Vorganger 
gut machen zu konnen, das Cmpmando 
Mai 1887.) 1 1 A ? 

Messend erg-Ampringen 162 Messenberg-Ampringen 
der Armee in Italien ubernahm, befand 
sich bei ihm im Hauptquartiere Graf 
3ehrbach als Armeeminister , und diesem j 
wurde Wessenberg beigegeben, der 
nach Lehrback's baldiger Entfernung 
in selbstandiger Stellung zuriickblieb. 
Dieselbe war keine leichte, sah sich ja 
doch der Erzherzog selbst an die Wiener 
Ordres gebunden und in seiner Selbst ftandigkeit 
vollig gehemmt; unter solchen 
Verhaltnissen lernte der Prinz die vielen 
Vorzuge W e sse nberg's kennen, welcher 
mit vielseitigen Kenntnissen eine Fulle 
gesunden Menschenverstandes und eine 
ungewohnliche Beobachtungsgabe ver» 
band, dabei grofien Geschaf tseif er besaB, ! 
der nur iibertreffen wurde von der Punkt» z 
lichkeit und Klugheit, womit der junge A 
Diplomat die ihm gewordenen Auftrage j 
ausfiihrte. Alle diese Eigenschaften bracbten 
denselben dem Erzherzoge naher. Es ! 
war, als "eklerer bei Ostrach, Stockach 
siegte und J o u r d a n iiber den Rhein 
und Massana in blutiger Schlacht iiber 
die Limmat trieb, fur Wessenberg eine! 
schone und lehrreiche Zeit, deren Bedeut ' 
samkeit sich aber noch steigerte, als die 
Befehle von oben den Erzherzog in alien 
seinen Entwiirfen hemmten, als die Tage 
von Engen und Moskirch, von Niberach 
und Memmingen, der Riickzug und Ver A 
nichtungsschlag bei Hohenlinden folgten. 
W essenberg, Zeuge von Allein, stand 
nicht an, die voile Wahrheit iiber Alles, 
was er sah, nach Wien zu berichten, die 
''age der Dinge zu schildern, anzugeben, 
was vor Allem noth thue, und bei seiner 
scharfen Beobachtungsgabe vorauszusagen, 
was kommen werde und miisse, 
wenn man nicht Abhilfe sckaffe und das 
Nothige vorkehre. Aber alle seine Be» 
richte waren in den Wind geschrieben, es 
gescbah — nichts. Am Tage des Waf fenstillstandes 
von Steyr eilte er aus dem! 
Hauptquartier nacb Wien, wohin ihn der 

Seite 240 



Wurzbach55 . txt 
Erzherzog Karl, der wieder das Ober commando 
ubernommen hatte, berief. 

Aber er sollte nicht bei dem Heldenprinzen 
bleiben, sondern ward im April 180! 
zum Gcsandtschaf tssecretar ernannt, urn 
in dieser Eigenschaft den Grafen Johann 
Philipp Stadionan den Berliner Hof 
zu begleiten. Schon im folgenden Jahre 
kehrte er aus Berlin zuriick, ohne jedoch 
vorderhand eine Verwendung zu finden. 
Er benutzte diese Dienstpause zu einer 
Reise nach Paris, wo ja eben damals 
Weltgeschichte in GroBem gemacht wurde. 
Dort sah er noch im selben Jahre den 
Consul Bonaparte , den er kurz nach 
dem Frieden von Campoformio als 

mageren General in republicanischer Einfachheit 
getroffen hatte, in Pracht und 

Glanz sich bereits fur bie Kaiserrolle vorbereiten. 
I m August 1803 zum Gesandten 
der vereinigten Kreise von Franken 
und Schwaben mit dem Sitze in 
Frankfurt a. M. ernannt, kam er 180!) 
als Ministerresident nach Kassel. Ende 
October 1806 entwaffnete Marscka'.l 
M o r t i e r plotzlich die Kurhessen und er» 
klarte dem Ministerresidenten Wessen' 1 
berg mit luhigem Hohne : Preufien 
stiinde wider Napoleon im Felde, der 
Kurfiirst wie dessen Sohn dienten im 
preuBischen Heere, folglich konnten sie 
auch nur als preuBische Generale behaii' 
delt werden. Da unter solchen Umstanden 
der Freiherr weitere Gewaltthaten, 
die auch nicht ausblieben, nicht verhin> 
dern konnte, e-.bat er sich von Wien, 
indem ja seine Gegenwart in Kassel doch 
nutzlos sei, den weiteren Verlauf der 
Dinge in Frankfurt a. M. > abzuwarten, 
und fordcrte von General Lag range, 
dem vorlaufigen Administrator dos neuen 
Beutestiickes der napoleonischen Dynastie, 
seine Passe. Er erhielt dieselben, jedoch^ 
M elsenberg-Amvringen ' Wcf f cubcrg-H . mpringen : 
erst, nachdem er von A agrange wegen 
einiger Kisten mit angeblichen Kostbar« 
keiten des Kurfiirsten von Hessen, welche 
in seiner Wohnung deponirt gewesen, 
emporend beschimpft und mit dreitagigem 
Hausarrest unter strengster Bewachung 
bedacht worden war. Derart waren die 
diplomatischen Artigkeiten, welche sich 
die Reprasentanten der europaischen 
Hofe von der Soldatesca des siegreichen 
Corsen gefallen lassen mufiten. Indessen 
begann man in Deutschland iiber das 
napoleonische Erdriickungs« und Aus» 
saugungssystem doch allmalig zu denken, 
und der Konig von Preufien hatte dem 
Wiener Cabinete Aussichten eroffnen 
lassen, daft er im Falle eines neuen 
Krieges mit Napoleon zu Oesterreich 
stehen werde. Graf S t a d i o n , der friihere 
Gesandte in Berlin, war nunmehr 

Seite 241 



Wurzbach55 . txt 
osterreichischer Minister des AeuBern und 
trug sich mit dem Gedanken, den Enischeidungskampf 
abermals auf zunehmen, 
und zwar in groBartigerem MaBstabe, 
als es bisher geschehen. Nun glaubte er 
in Wessenberg, den er ja aus der Zeit 
seiner Gesandtschaf t in Berlin kannte, 
den Mann gefunden zu haben, der den 
Konig Friedrich Wilhelmlll . zu 
definitiven Zusagen und zu einer Verstandigung 
iiber den zu eroffnenden 
Kriegsplan zu bestimmen vermochte. 
Oesterreich schlug vor, PreuBen solle 
Norddeutschland von den Franzosen san» 
bern und durch kraftiges Auftreten zwi» 
schen Elbe und Rhein Napoleon verhindern, 
abermals mit der vollen Wucht 
seiner Macht in das Herz Oesterreichs sich 
einzukeilen. Am 28. Februar t809 kam 
Wessenberg in Berlin an; aber der 
Konig konnte sich nicht entschlieBen, aus 
Konigsberg in seine Hauptstadt znriickzukehren, 
wie er es auch nicht fur rathsam 
fand, daB der osterreichische Gesandte zu 
: ihm nack >!6n' s 5dera, reise. Diese Zag- 
> haftigkeit Fr i e d r i cd Wilhelms wurde 
» aber nickt von der preuBischen Armee ge< 
theilt, in welcker Manner wie Scharn» 
horst, Tauentzien und Andere damals 
hohere Posten bekleideten. Mit diesen 
A Mannern knijpfte nun Wessenberg ein> 
! fiuBreicke Verbindungen an. (5r verfaBte 
! zwei Denkschrif ten, in wachen er mit den 
z schlagendsten Griinden auseinanderset zte, 
! daB PreuBens thatige Parteinahme fur 
i Oesterreich scdon im Interesse der Selbst« 
erkaltung beider Staaten eine unausbleibliche 
Nothwendigkeit sei. Eines dieser 
Memoires wuide von Borstell, dem 
Lieblingsad jutanten des Konigs, das 
andere von Scharn horst demselben 
vorgelegt. Schill'o Erhebung und der 
Sieg des Erzherzogs Karl bei Aspern, 
welcher den bisherigen Wahn von Na» 
p o 1 e o n s Unbesiegbarkeit glanzend 
widerlegte, Alles schien zusammenzu» 
wirken, urn Wessenderg's Erfolg zu 
sichern. Oberst von Steigentesch eilte 
nach Konigsberg, und Wessenberg be> 
saB bereits di . > Vollmacht, mit PreuBen 
ein formliches BiindniB zu verhandln 
und abzuschlieBen . Da kam die Schlackt 
von Wagram, und neuer Schrecken und 
neue Lethargie traten an die Stelle der 
friiheren Entschliisse. Aber der Freiherr 
bewahrte seinen Standpunkt: ja nicht in 
diesem Augenblick von Napoleon den 
Frieden zu erstehen, sondern vielmehr 
alle Kraft auf neue Riistungen zu verwenden. 
Der Einzelne vermochte nicht 
gegen den Strom zu schwimmen. Der 
Friede von Schiinbrunn wurde (!4. October 
1809) abgeschlossen, durch den 
Oesterreich ein Gebiet von 2000 Quadratmeilen 

Seite 242 



Wurzbach5 5 . txt 
und seine Verbindung mit 
dem adriatischen Meere verlor. Nun gab 
es fur Wessenberg auch in Berlin 
nichts mehr zn thun, erschien doch Oefter-^ 
Messenberg-Alnpritlgen Messenberg-Ampringen 
reich nicht minder gedemuthigt als 
Preufien, wenn es auch gerade kein Jena 
erlebt hatte. Er erbat sich Urlaub und 
verlieB im J u 1 i 1810 Berlin. I m Friihjahr 
1811 trat er als Stadion ' s Naa> 
folger den Gesandtschaf tsposten in Miiw 
chen an, und waren es seine Klugheit 
und sein ssroimuth, die den ersten Grund 
zur Versohnung beider Hofe legten. 
Nach den Unfallen des f ranzosischen 
Heeres in Rutland richteten sich die 
Augen der osterreichischen Patrioten 
nachst Stadion auf Wessenberg, der 
Grund genug hatte, die Satrapenwirth» 
fchaft dea corsischen Despoten zu hassen', 
bewahrte ihn ja doch nur die aufierste 
Klugheit und Freundschaft des franzosi» 
schen Gesandten in Berlin, des Grafcn 
SaintMa, rsan, der zu gleicher 
Zeit mit ihm in Berlin weilte, vor der 
empf indlichsten Compromittirung, viel» 
leicht vor einem Wetterstrahl, wie ihn 
Napoleon seinerzeit aus Madrid 
gegen den nomiu6 Stein geschleudert 
hatte. I n Miinchen nun befand sich 
Freiherr Wessenberg auf dankbarerem 
Boden, da er dadurch, daB er die Bezie' 1 
hungen der beiden Regentenhauser zu 
einander wohlwollender gestaltete, selbst 
eine ptil-ZOna A i- A ta wurde. I n Miinchen 
blieb er bis Anfang Februar 1813, 
worauf er eine Mission nach London erhielt, 
urn England zur thatigen Theilnahme 
wider den Eorsen zu bewegen, 
was ihm auch gelang. Als er dann 1814 
vom Grafen Meerveldt auf seinem 
londoner Posten abgelost wurde, begab 
er sich ins Hauptquartier der Allnrten 
— hatte aber in der Zwischenzeit eine 
kurze Haft in Napoleons Hauptquartier 
zu bestehen, der ihn dann durch 
einen Obersten vom Generalstabe und 
durch einen Trompeter zu den 6sterreichi» 
schen Vorposten geleiten liefl. Und so 
war Wessenberg der letzte Diplomat 
des Auslandes, welcher mit dem „Manne 
des Jahrhunderts " in personliche Beruh, 
rung kam. Beim Pariser Friedensschliisse 
half er mit und wirkte ebenso bei dem 
Wiener Congrefse 48 1 . , in hervorragender 
Weise. Als Oesterreichs Reprasentant 
im deutschen AusschuB bekampfte er den 
Vorschlag, Deutschland in Kreise einzu» 
theilen, dagegen wollte er einen Bund, 
der stark sein und zugleich die Selbst, 
standigkeit der Einzelstaaten nicht gefahrden 
sollte. Sein Entwurf einer Bundes» 
Verfassung diente als Grundlage der 
Bundesacte. Ihm hauptsachlich war es 

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Wurzbach55 . txt 
auch mit zu verdanken, daB das Veltlin 
an Oesterreich kam und Maria Luise 
das Herzogthum Parma zu lebenslanglichem 
Besitz erhielt. Er half die territorialen 
und staatlichen Verhaltnisse des 
lombardisch"venetianischen Konigreiches 
feststellen und organisiren und arbeitete 
fur seinen Kaiser auch einen Bericht iiber 
die Kunstschatze Oberitaliens aus . In» 
dessen war er noch immer am bayrischen 
Hofe beglaubigt und vertrat nach dem 
Wiener Congrefse die Kaiserstadt in 
Frankfurt bei den Verhandlungen, welche 
die Territorialverhaltnisse vollends regelten 
und mit dem GeneralreceB vom 
20. Juni 1819 endeten. Nun zog sich 
Wessenberg aus „Gesundheitsrucksichten" 
in die Stille des Privatlebens 
zuriick. Die „Gesundheitsrucksichten" 
waren aber nichts weiter als eine 
stillschweigende Demonstration gegen den 
Gang, welchen seit 1816 die deutschen 
Angelegenheiten mehr und mehr genom« 
men hatten. Wie jeder bedeutende 
Mensch, der iiber das CommiBmaB der 
Gewohnlichkeit reicht und noch dazu ein 
ehrlicher Kerl ist, was freilich sich gar 
selten beisammen findet, hatte auch Wes« 
senberg seine Gezuier, und dies umso»? 
Melf enberg-Ampringen 166 Wellenberg-Ampringen 
mehr, da es eine Partei gab, die noch 
immer gern Zwang und Dunkel den Vol 
kern gegeniiber angewandt wissen wollte, 
So machte denn auch seine wiewohl be> 
dingte Vertheidigung der PreBfreiheit 
noch mehr aber der Artikel 13 wegen der 
landstandischen Verfassung ihn semer 
Gegenpartei im hochsten Grade miB 
liebig, und es war auch vorauszusehen 
daB ohne bittere Noth schwerlich mehr 
von ihm die Rede sein diirste. Aber diese 
Noth trat ein, und der Nachhall der 
Iulikanonen von 1830 rief unseren Di 
plomaten aus dem Stillleben wiederum 
in den activen Dienst des Kaiserstaates . 
Die Briisseler August Revolution in ihren 
Folgen hatte den Gesandtschaftsposten 
im Haag zu einem momentan auBerst 
wicktigen gemacht . Wessenberg erhielt 
denselben im September genannten 
Jahres und fuhr bald darauf iiber den 
Canal, urn als Oesterreichs zweiter Reprasentant 
an den Londoner Conferenzen 
Theil zu nehmen. Neben Palmerston, 
Talleyrand und Matuszewicz ver« 
handelte er, aber er sollte seine Aufgabe 
nicht zu Ende bringen. Seine An» 
schauungsweise der Sachlage stimmte 
nicht vollkommen mit der in Wien Herr» 
sehenden iiberein. Man warf ihm vor, mit 
der Unterzeichnung eines gewissen auf 
die Regelung der Verhaltnffe zwischen 
Belgien und Holland sich beziehenden 
Protokolls seine Instruction iiberschritten 

Seite 244 



Wurzbach5 5 . txt 
zu haben. Er kehrte also 1831 fruhzeitig 
wieder in sein Stillleben nach Freiburg 
zuriick. Dahin folgte ihm die Freund« 
schaft des Konigs der Belgier, welcher 
mit ihm einen Briefwechsel unterhielt, 
dem nur der Tod ein Ende bereiten 
konnte. So lebte Wessenberg viele 
und gliickliche Jahre des Alters, beschaf. 
tigt mit Besorgung seiner hauslichen 
Angelegenheiten, einer ausgedehnten Cor« 
5 

respondenz, mit Wohlthun, mit schrift- 
Menschen Arbeiten, mit Unterhaltungen 
in kleinen, aber gewahlten Kreisen. So erreichte 
er das 73. Jahr, als 1848 die 
Februartage in Paris kamen und ihnen 
die Marztage in Wien folgten. Ihm siel 
nun im Greisenatter die undankbare 
Rolle zu, der Nachfolger Ficquel» 
mont ' s im auBeren Amte Oesterreichs 
zu werden. Wie verkommen die 6sterrei» 
chische Presse in ihrer erst gewordenen 
Freiheit eben war, zeigte sich in den 
ebenso ungerechten als pobelhaften An» 
griffen auf den greisen Diplomaten, von 
dessen Vorleben sie auch keine Ahnung 
hatte. Man vergafi in dem damaligen 
Chaos ganz, daB nur die Liebe fur den 
Kaiserstaat und dessen erhabenes Re> 
gentenhaus den Greis zu bestimmen ver« 
mochte, die MuBe eines ungetriibten, an 
geistigen Geniissen reichen Privatlebens 
mit der Dornenkrone eines Ministerpraf i ' 
deuten und Ministers des Auswartigen 
zu vertauschen und damit wohl den 
groftten Fehler seines langen Lebens zu 
begehen, und zwar mit klarem BewuBt« 
sein. Die bisherigen Versuche, Wessenberg's 
Lage und Wirken wahrend der 
wenigen Monate des Jahres 1848 zu 
schildern, in welchem er das Staatsschiff 
im tobendsten Sturme aufrecht zu halten 
und einem sicheren Hafen zuzusteuern 
trachtete, sind wegen des Mangels an 
authentischen Materialien gescheitert. Er 
selbst hat sehr schatzbares Material mit 
den weiter zu erwahnenden Briefen an 
Isf ord. ink-Kostnih geliefert. DaB er 
die Erwartungen der Revolution nicht 
befriedigte, begreift sich urn so leichter, als 
er ja nach Kraften gegen dieselbe wirkte 
und nur mit knapper Noth dem Schicksale, 
„latomisirt" zu werden, entging. I n 
hoheren Regionen soil er die Ueberzeugung 
geltend gemacht haben: die bested 
Mesf enderg-Ampringen 166 Messcnberg-Ampringen 
Biirgschaft fur Oesterreichs Zukunft liege 
einerseits im innigen Verbande mit 
Deutstbland, dem damals die Slaven 
widerstrebten, andererseits im Festhalten 
einer weisen Reprasentativverf assung . 
„Nur meine geschwachten Krafte erlauben 
5Z mir nicht", wie es in seinem Gntlassungsgesuch 
heiBt, „dem- Staate weiter 

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Wurzbach5 5 . txt 
zu dienen, da dieselben unter den gegen» 
wartigen Umstanden nicht mehr geniigen 
diirften. Mein Programm ruhte auf dem 
Gedanken, die Monarchie auf constitutioneller 
Grundlage zu befestigen. Dieses 
Programm war, ich darf es behaupten, 
der Ausdruck der Gesinnungen des Monarchen, 
dem die Volker- Oesterreichs ihre 
Freiheiten verdanken. " Den komischen 
Zwischenf all, daB man den scheidenden 
Staatsmann durch Verleihung des GroBkreuzes 
des Leopoldordens ehren wollte, 
aber noch zu rechter Zeit in Erfahrung 
brachte, daB er seit mehr als einem 
Menschenalter das GroBkreuz des Stephansordens . 
also des hoheren, bereits 

besaB, berichtet Herr von H e 1 f e r t , und 
ebenso daB in Ermanglung einer Aus» 
zeichnung fur den scheidenden Staatsmann 
ihm der Monarch in Person einen 
Abschiedsbesuch abstattete, eine Ehre, die 
ja doch jeden Orden aufwog. Felix Fiirst 
Schwarze nberg wurde Wessenb 
e r g's Nachfolger. Der greise Staats' 
mann aber kehrte in sein liebes Freiburg 
M-iick, wo es ihm gegonnt war, noch ein 
voiles Jahrzehnt sich in ungetriibtem 
stillen Gliicke seinen geistigen Geniissen 
hingeben zu konnen. Kurz vor seinem 
Tode begliickte ihn noch ein Besuch des 
Erzherzogs J o h a n n , „den er weit lanfter 
als ein halbes Jahrhundert personlich 
kannte und verehrte, und welchem eMin 
den drangvollsten Perioden der Geschichte 
der Neuzeit zur Seite gestanden" . Am 
."0. Juli 1838 beschenkte er, der immer 
ein Wohlthater der Nothleidenden und 
Armen gewesen, den Freiburger Sterbe-, 
Kranken- und Witwencassenverein mit 
tausend Gulden, am folgenden Tage, am 
j . August, schloB er fur immer seine 
Augen. W esse n b er g's Leiche wurde 
seinem Willen gemaB in der Familien« 
gruft zu Feldkirch beigesetzt. Wir haben 
oben seiner schrif tstellerischen Thatigkeit 
gedacht und kommen darauf hier zuriick. 
I n f ranzosischer und deutscher Sprache 
ging aus seiner Feder eine Reihe von 
Abhandlungen und kleineren Schriften 
hervor, die ein ebenso wichtiges als belehrendes 
Material fur den Forscher der 
Geschichte unserer Zeit, fur Staats' 
manner', Finanzmanner und Nationalokonomen 
bilden. Davon hat er nur das 
Wichtigere, und dies allein fur Freunde, 
aber nie fur die allgemeine Oef f entlichkeit 
im Druck erscheinen lassen. Wir nennen 
davon seinen: „Hllinmrntllr zu rincm Ccheil 
der Zenkmindigkeiten drs NIur5chllll2 WarmM. 
Von einem Scitgrnll251n" (183?) ', ferner 
seine A Aonv«???«'? A «5sno A aFs A , dann „<3<??i- 
>Z « 2603", da er als Gesandtschaf tssecretar 
ohne Verwendung 
den unf reiwilligen Urlaub in Paris ver» 

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Wurzbach55 . txt 
lebte; weiter eine kurzere Skizze uber des 
1 Publizisten Gentz Charakter und Lei« 
stungen ' , und 

eine Sammlung in Larochef oucaulo ' s 
Weise gehaltener Aphorismen uno Sen« 
tenzen, ein wahrer Schatz von edenso 
geistvollen als scharf sinnigen Beobach» 
tungen und Maximen. I n seinem Nach« 
lasse befand sich iiberdies ein reiches Ma» 
terial von Aufsatzen liber Politik und 
Finanzwissenschaf t , sowie fur die Ge» 
schichte werthvollster Auf zeichnungen aus 
seinem eigenen in die wichtigsten Zeit» 
Verhaltnisse eingreif enden Leben.^ 
Messenberg-Ampringen 167 Welsenberg-Amvringen 
Decennien nach seinem Tode erschienen 
„Briefe von Johann P h i 1 i p p Freiherrn 
von Wessenderg aus den Jahren 

1848-1838 anlsfordink-Kostnitz, 
osterr. Legationsrath a. D.", 2 Theile 

(Leipzig 1877, Brockhaus, gr.8".), welche 

eine Fiille des interessantesten Materials, 

vornehmlich fur Oesterreichs Geschickte 

in dessen wichtigster Zeit: in den ersten 

Decennien nach dessen Befreiung aus den 

Fesseln planmaBiger Verdummung, enthalten. 

Wessenberg hatte sich friih» 

zeitig, schon Ende 1808. als er den Gesandtschaf tsposten 

der vereinigten Kreise 

von Franken und Schwaben bekleidete, 

alle aristokratischen Bedenken ni ' ederschlcv 

gend, mit einer Burgerlichen, mit M a ria 

Gertrude geborenen M u h 1 e n s , der 

Tochter eines reichen Frankfurter Banquiers 

und Finanzrathea des Kurfiirsten 

von Trier, vermalt. Die hohe Aristokratie 

und Diplomatie stellte sich wohl 

sehr verschnupft Liber diese Heirat des 

jungen Diplomaten — es war ja noch 

im Jahre 1803, in welchem die Fiirsten 

und Grafen noch nicht schone Schauspielerinen 

und reiche Zudentockter '"urn 

Altare fiihrten — man zuckte in diesen 

Kreisen der Auserwahlteti wohl die 

Achseln iiber diesen Liberalismus des 

jungen Diplomaten, der alien Traditionen 

zuwider einen solchen Schritt that ' , 

aber Wessenberg fiihrte eine langjahrige 

gliickliche Ehe und verlor erst 

wenige Jahre vor seinem Tode, der ihn 

im seltenen Alter von 83 Jahren den 

Lebenden entriB, seine Gattin. Aus seiner 

Ehe hatte der Freiherr einen Sohn und 

zwei Tochter. Sein Sohn Heinrich 

(geb. 18tl) vermalte sich mit Ludov 
i c a , Tochter des Freiherrn Lambert 
von Schauenburg zu Gaisbach und 
starb am 3. April 1848, aus dieser Ehe 
eine Tochter Olga (geb. 1836, f ) und 
einen Sohn P h i 1 i p p Heinrich igeb. 
1837, s) hinterlassend. Von seinen Toch 
tern verehelichte sia> die altere. Ludo° 
vica, 1831> mit Georg Friedrich 
Alexander Grasen von Blankensee 

Seite 247 



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und starb !84<) ' die jungere, Henriette 

(geb. 20. December 1807), deiratele am 

20. Janner 1827 (Slemenii Wenzel 

Graf en Boos von Waloeck, kai ser! ich 

preuBischen Major und SchloBhauptmann 

von Coblenz. Die Geschwister des Frei- 

Herrn JohannPhilipp waren: 

Maria Walburga lgeb. 1787), gestorben 

als Stiftsdame zu Andlau; Johann 

Nepomuk ' Alois . wel'cber als 

Domherr zu Basel, und I g n a z Hein° 

r i ch igeb. 4. November 1774) . der als ge« 

wahlter Erzbischof von Freiburg — welcde 

Wiirde er aber nie antrat — und als Generalvicar 

von Constanz am 9. August 

1860 das Zeitliche segnete. Des Letzteren 

wurde schon Eingangs dieser Lebensskizze 

gedacht . 

Die Bibliothek des Freiherr« Johann Philipp 

von Nlesscuberg. Der Freiherr besaB erne 

reich? Sammlung meist historischer und 

staatswissen ' chaf ilicher Werke, welche er in 

seinen hohen diplomatischen Stellungen all» 

malig und mit besonderer Auswahl erworben 

hatte. Dieselbe — etwa 50<><> Bande stark — 

war in dem bei /ireiburg im Breis.iau aele« 

genen Schlosse Feldkirch aufgestellt. Wie Graf 

Mottiar V 1 ank ensee' F i r k ii . koniglich 

preuftischer Generalmajor a. D„ der sie im 

Jahre 187? auf Ratd des Professors 

Dr. (Veffken in StraBburg der dortigen 

Universitatsbibliothek zum Geschenke machte, 

zum Verf iigungsrechte iiber sie gelangte, ist 

uns nicht bekannt . Jedenfalls hatte Oester» 

reich grofieres Llnrrchc darauf, da Freiberr 

' von Wessenberg nur in Oesterreich- 

Diensten gestanden. 

Ueber den russischen Felhugsplail im Zahre 

1812. Aus Wrssenberg's Memoiren er« 

fahren wir folgende interessante Thatsache. 

Der eigentliche Urheber dea Kr . egusystems 

der Russen, welches dieselben mit so grauen» 

erregendem Erfolge gegen Napoleon im^ 

Messenberg . Ampringen (Quellen) 468 Wessenderg-Ampringen (Genealogie) 

Jahre 1812 in Anwendung brachten, ist ein 

Deutscher, und zwar General P d u 1 1 , ein 

geborener Wurttemdeiger , der im preuBischen 

Heere gedient, dasselbe aber 1806 verlassen 

hatte und Lehrer des Kaisers Ale ran der 

in der Kriegskunst geworden war. Allerdings 

wurde P h u 1 1 ' s Plan nicht vvllstandig in 

Ausfilhrung gebracht und sein Urheber selbst 

von der Eifersuch: der russischen Generale 

dermalien veifolgi. dnB Kaiser Ale rander 

ihn von sich entfernen muBte. Daft die Russen 

es nicht gerne koren, wenn ein solches Verdienst, 

durch das ihr Land in gef ahrlichster 

Krise gerettet worden, einem Deutschen 

zugeschrieben wird. begreift sich leicht; aber 

dies andert ein der Thatsache nichts. DaB 

P b u 1 1 der Netter gewesen, bestatigt dessen 

eigener Zogling, der Kaiser A 1 e r a n d er. in 

einem Briefe aus Frankfur: a. M. vom 

12. December 1813. in welchem es wortlich 

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heifit : 5,M:N2 A vc>U5 auis xln5 oncars : 
v'l A t vons hui 2.VC2 ccusu 1« plau hui, 
avc>c 1 ' aiiis as I», A rovicienc, A , a eu. pour 
Liiito Is 31i.Iut ae la Ru22is t-r A >ou.r i-oi-n' 1 
ta: eelui 6s i'Nuroxs." Das klingt doch 
deutlich genug und sollte den Russen im Ge» 
dachtnisse bleiben, die A 1 1 e s , was lie an 
C u 1 t u r besitzen, den Deutschen und sich 
allein den Nihilismus verdanken. 
Vl.uell.tn zur Biographie. Abendblatt der 
Wiener Zeitung, 10. August 1858, Nr. 181: 
„Vom Rhein" snach dieser gest. 2. August 
1858).— Conversations ' Lerikonder 
neuesten Zeit und Literatur. I n vier Banden 

(Leipzig 1834. Vrockdaus . gr. 8".) Bd. I V , 
S. 9i<i l A nach diesem geb . 1775) . — Hel« 
f e r t (Ios. Aler. Freiherr von) . Die Thron» 
besteigung des Kaisers Franz Joseph I. 

(Prag 4872, Tempsk>') A oder die Geschichte 
Oesterreichs vom Ausgange des Wiener Oo 
toberaufstandes 1848. III. Theils S. 47. 
67. 291. im Anhang S. 129. 130. - Der« 
selbe. Der ungarische Winter«Feldzug und 
die octroyirte Verfassung. December 1848 bis 
Marz 1849 (Prag 1876. 8".) S. 143. 147. 151; 
Anhang S. 84. — Derselbe. Die Wiener 
Journalistik im Jahre 1848 (Wien 1877. 
Manz, gr. 8".) S. 235. W i r erfahren an dieser 
Stelle die haarstraubende AeuBerung Her» 
mann Icllinek ' s, der den Minister Wes» 
send erg einen Volkoverraher nannte. Was 
waren dann Iellinek und Consorten?) — 
IllustrirteZeitung (Leipzig. I.I. We< 
ber. Fol.) Bd. XXXVI , 18. December 18Z8. 
Nr. 8N7. S. 398 und 402. - Lebens, 
b i 1 d e r aus dem Bef reiungskriege . I. Ernst 
Friedrich Herbert Graf von Miinster. Zweite 
verm. Aufl. E:ste Abthlg. (Jena 1845. From, 
man, gr. 8° . ) S. 482. — Manner der 
Zeit. Biographisches Lerikon der Gegenwart 

(Leipzig 1860. Narl B. Lorck. 4".). Erste 
2crie. Sp . 823. — Reichstagsgalerie . 
Geschriebene Portraits der hervorragendsten 
Deputirtcn des ersten Osterreich. Reichstages 

(Wien 1849. Iasper, Hiigel und Manz, >.".) . 
Drittes und viertes Heft. S. 83. A In dieser 
Silhouette oder Charakteristik, deren Ver» 
fasscr zu den Stimmfuhrern und Tonangebern 
dos Jahres 1848 zahlte, hat denselben alle 
bessere Einsicht, an der es ihm sonst nicht ge» 
bricht, vollig verlassen.) — Schlosser. Ge< 
schichte des achtzehnten und des neunzehnten 
Jahrhunderts bis zum Sturze des franzosi. 
schen Kaiserreichs (Heidelberg 1849. Mohr. 
8".) 3. Aufl.. Bd. V17, S. 316. 838. 864. 
969. Iio6. 12 (»i. — S p r i n g e r (Anton 
Heinrich) . Geschichte Oesterreichs seit dem 
Wiener Frieden 18U9 (Leipzig 1865. Hirzel. 
gr. 8".) Bd. I , E. 3«0: Bd. I I , S. 623. 
524. — Vehse (Eduard) . Oesterreichs Hof 
und Adcl (Hamburg. Hoffmann und Campe, 
kl. 8".) Bd. X, S. 78. Anmerkung. - (Wi< 
gand'5) (5onuersations < Lerikon fur alle 
Stande (Leipzig. Otto Wigand, gr. 8«.) 

Seite 249 



Wurzbach55 . txt 

Bd. XV, S. 164 l.nach diesem geb . 1775). 

Portrat. Tresslicher und sehr ahnlicher Holz. 

schnitt ohne Angabe dl>6 Zeichners und Xylographen 

in der Leipziger „Illustrirten Zei» 

tung". 1858. Nr. 807. 

Zur Genealogie der Freiherren von Wcssenberg. 

Dieses alte stiftsf ahigc und ritterschaftliche 

Geschlecht, das sich auch Wesenberg und 

Wesimderg nannte, stammt aus dcm 

Danton Aargau in der Schweiz, wo zunachst 

dem Dorfe Liitzenau und dem alten Schlosse 

Habsburg die Ruinen der Stammburg noch 

urn die Mitte d?s laufenden Jahrhunderts 

sichtbar waren. Die Wessenberg ge» 

horten gleich den Beroldingen, Miil» 

linen . Stadion und Anderen zu den Va» 

sallen und adeligen Dienstleuten der Habs« 

burger. Ulrich und Gotthard sielen in der 

Schlacht bei Sempach 1383 an der Seite des 

Herzogs Leopold von Oesterreich, und nach 

dieser Schlacht verlor die Familie ihr Stamm» 

schloB und mit ihm zugleich das umliegende 

Besit zthum. Die Burg war von den Eid» 

genossen erobert und zerstort worden, und die? 

Welsenberg-Ampringen (Wappen) 169 Mest, Moriz 

Nachkommen der Gefallenen zogen ftck theils 

auf ihre iibriggebliebenen Rittelsitze zu Vielerthau 

und ) ) ioppach im Sundgau zuriick, theils 

siedelten sie sich im ElsaB und im Breisgau 

an, wo sie von dem ErzHause Oesterreich 

mehrere Leden und durch die Vermalung oes 

J o h a n n Iobst von Wessen berg mit 

Elisaoell), der Letzten von Arotzingen, '"eldKK 

kirch und andere Giiter rdeils lehenbar, 

theils eigenthiimlich erwarben. Die ordend 

liche Stainiureihe der W essen berg beginnt 

urn 1470 mit J o h a n n uon Wessenber A . 

der MarlMliillie geborene UlalOul.'r oi)n freundstein 

zur Gemalin hatte, 3-einen 3odn Humpert 

den Aelteren ehel'chte Aallillriliu geborene 

von Amplingen. ) ) iii Diplom »lcio. iiieu 

stadt i6. August <68i erbieli Johann 

Kranz von Wessenberg. furstlich Basel« 

scher Oeheimrath und Lanohofmeister , fur sich 

und seine Vruderssiihne F 1 o r i a n und J o - 

hann den Neichsf reiherren stand und die 

Gestattung. Namen und Wappen der Amp 

r i n gen mit dem ihrigen vereinigen ; u 

diirfen, weshalb sie sich seitdem Wessen» 

berg «Ampringen schreiben. Wilhelm 

von Wessenberg, ein <3odn des ober« 

wahnten Johann Iobst und der Elisabeth 

aedorenen von Kro hingen, starb 

lli24 als Furstbischof von Briren. Die 

Stammfulae vom siebzehnten Jahrhunderte 

ab ist: Humpert der Jiingere (f 1660) und 

Aatharina Walpurga geborene von Ampriilgen,- 

F 1 o r i a n Freiherr von Wessenbrrg und 

Esther geborene von Aosenbuch; Nuprechr 

Joseph und Vagdalena Nargarellm geborene 

von Aagencck; Nupert F 1 o r i a n Freiherr 

von Messendera (geb. 1687. -j-) . kuvsachs. 

geheimer Rath, Staats« und Cabinetsmiiiister . 

und Wnria geborene Freiin Freuberg-Eilenoerg; 

Seite 250 



Wurzbach5 5 . txt 
PhilippKarl (geb. 6. Juli 1717. 5) . des 
Letzteren Sohn ist Johann Philipp dessen 
Lebensskizze S. 161 u. f. mitgetheilt wurde. 
Wappen dcr Wessenberg. Oeviercer Ichild. 
1 und 4 : in Silber ein rother Querbalken, 
oben von zwei, unten von einer blauen '"ugel 
begleitet (W essenbcrg) ; 2 und 3: in Roth 
zwei silberne Pfahle, iiber welche ein goldener 
Querbalken gezogen ist (A m p r i n g en) . Aus 
dem Schilde ruhen zwei gekronte Turnier» 
Helme; aus der Krone des rechten wachst ein 
silberner Bracke mit rothem Qhr und schwar« 
zem Halsband; auf der Krone des linken erheben 
sich zwei emporstehende silberne L6wen« 
Pranken, deren jede in den Klauen eine blaue 
Kugel dalt . Helm decken beider Helme 
roth iilit Hildec unterlegt. 
Nessiken, Iosepb (Architect, geb. 
inSalzburgs 1.^37) . (5r bildete sich 
im Arckitecturf ach an der k. k. Akademie 
der bildenden diinste in Nien. Spater 
erhielt er an der Staatsgewecbeschule ; u 
Salzburg eine Professur, die er jedoch 
niedergelegt ; u haben scheint, urn sich 
ausschlieBlich dem praNiscken Baudienste 
widmen zu konnen' denn im Staats» 
Handbuch fur 18H3 finden wir ihn nicht 
mehr im Lehrkorper dieser Anstalt, wohl 
aber als Architekten in Salzburg ange» 
f iihrt , wo er zugleich als Konservator fur 
Erforschung und Erhaltung der Kunstund 
historischen Denkmale fur Salzburg 
erscheint. Von seinen Planen und Eni> 
wiirfen konnen wir nur jene angeben, 
welche 1877 in der — anlafllich der Gr> 
offnung der neuen k. k. Akademie der bil> 
denden Kiinste in Wien — stattgefundenen 
Historismen Kunstausstellung zu 
sehen waren, imo zwar: , . NeZwurntiunbarbnirn 
am Nvme A n Maim" . zwei Matter, 
eines Aquarell, eines Federzeichnung ' — 
„Nirchr zu Oanaeccheiln" , ein Blart Aquarell; 
— A ntmurt ' iiir eine Rirche in Hllmbnrg", 
zwei Blatter, eines Aquarell, das andere 
Federzeichnung', — „Entwurf tiir drn Nkubau 
der Bllrijerfrunt lier Nirche m Zt . Miaun im 
Pungllu", Federzeichnung' — „Gnwnrk 
einer Nunstranzt inr i>en Norn zn Nain' 1 ", 
Aquarell. Salzburg erscheint im „Kata» 
log der historischen Kunstausstellung - 
1877" (Wien 4877, 8<>.' S. 33 als 
Wessiken ' s Geburtsort angegeben; 
doch mochten wir dem Klange seines Na» 
mens nach dies bezweifeln und unseren 
Architekten eher fur einen Rheinlander 
halten, worauf auch seine architektonischen 
Blatter hindeuten. 

Nest, Moriz (Schriftsteller, 
geb. zu W i e n am 6. August 1840) .? 
Meft, Moriz 470 Meftermeyer, Andreas 
Die Familie des in Rede Stehenden, 
dessen wahrer Name Moriz Georg 
Nitzelberger ist, stammt aus der 
Pfalz, aus welcher seine Eltern nach 

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Wien ubersiedelt waren. Daselbst beendete 
er die juridischen Studien, besuchte 
alsdann das historische Seminar und erlangte 
4863 die juridische Doctorwiirde. 
Wohl war dies weniger nach seinem 
Sinne, da er sich zu dramatischem Schaf« 
fen hingezogen fuhlte, worin er durch 
Grillparzer ' s und Bauernfeld's 
Urtheile iiber einige seiner Iugenduersuche 
noch bestarkt ward. Aber die 

auBeren Verhaltnisse wurden bald machtiger, 
als der innere Schaf f ensdrang, und 
so betrat der junge Poet vorerst die prak 1 
tische Laufbahn. Nach kurzer Gerichtspraxis 
zum Secretar der Wiener Union» 
bank berufen, kam er dann als leitender 
Director zur Olmut z-Iagerndorf er Bahn, 
aber f ortdauernder Kranklichkeit halber 
muhte er den Beruf sgeschaf ten entsagen. 
Er suchte Kraftigung seiner Gesundheit 
in einem langeren Aufenthalt in Italien 
und benutzte nun die reichliche Mufle, 
iiber die er zu verfiigen hatte, auf er» 
muthigendes Zureden Richard Genoe ' s 
zu Arbeiten im Gebiete der deutschen 
Operette, fur die er sich besonders veranlagt 
fuhlte. So schrieb er theils 
allein, theils in Verbindung mit L. Held 
und F. Z e 1 1 (Camillo Walzet, Band 
l.III, S. 49) die Texte zu den (5an> 
taten: „K61ner Narrenfest", . . Thomasnacht " , 
dann zu den Operetten und 
Opern „Ioconde", „Fornarina", „Nifida", 
„Capitain Nicol", „Af ricareise" , 
„Vagabund", „Bellmann" und anderen. 
West arbeitet beinahe ausschlieBlich fur 
die Componisten Gen6e, Suppo und 
Z e 1 1 er. I n der deutschen Bearbeitung 
des Vaudevilles „Papa's Frau" hat 
er einige Gesangstiicke geliefert,, die so 
beliebt wurden, daB sie bald in aller 
Mund waren, so z. B. „Madel, gib wohl 
acht" — „Das raum ich ein" u. A . w. 
West, Thomas und Karl August. So 
oder auch „Gebruder West" nannte sich 
der Schriftsteller und von 1802-1804 
und dann wieder von 1814— 1832 ' Hof . 
theater-Secretar und Dramaturg Joseph 
Schreyvogel. sSiehe also Diesen 
Bd. XXXI, S. 292 u. f., in den Qu . ) 
Noch sind zu nennen: 1. G m i 1 i e West, eine 
zeitgenossische Iugendschriftstellerin, von welcher 
die Iugmdschrif t : „Die Familie Werner 
oder zwolf Bilder aus dem deutschen Leb-.'N. 
nebst drc Familie Aspini in sechs Bildern 
aus Oberitalien. Fur Kinder von sieben bis 
zehn Jahren. Mit 8 cot. Lithogr." (Wirn 
181'»3. Lechner. 16".) erschienen ist. — 2. Lambert 
von West. Derselbe «ab die Schrift: 
„ N o Newton und Huygen ' s fehlten. 
Zwei Beweise" (Wien 1863, Oerold's Sohn. 
gr. 8".. »Nil 1 Steintafel in qu . 4".) d?raus. 
Er war ein kleiner Eisendahnbeamter . 
welcher seine MuBe zu so spit zf indigen Untersuchungen, 

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von denen die Wissenschaft nichts 

oder wenig, der Autor noch weniger hat, vcrwendete. 
Er ist in Wien bereits 1853 ge> 
storben . 
Westermeyer , auch Westermayer , Andreas 

(Maler, geb . zu Eger in Bohmen 

1739, gest. zu Munchen 48011). 

Sein Vater Marx Christoph, ans 

Augsburg gebilrtig, machte sich als 

Miniaturmaler in Eger seflhaft, wo er 

aucb urn 1?46 starb. Seine beiden Sonne 

Andreas und Thomas widmeten sich 

gleichfalls der Kunst, und war Letzterer 

der Lehrmeister des Ersteren in derselben. 

Neber das Schaffen des Vaters und der 

beiden Sonne wissen wir nur Weniges. 

Andreas, berichtet Nagler, habe, 

nachdem er den Unterricht seines Brn» 

ders Thomas genoffen, , sich in verschiedenen 

Stadten Deutschlands und einige 

Zeit auch in Prag und Wien aufgehalten. 

Er malte mit besonderer Fertigkeit Land-^ 

Meftermayer, Karl Weftlnann 

schaften in Aquarell und Miniaturbild. ! 

niffe. Nach Dlabacz hatte nun eine un» ! 

gluckliche Heirat mit der Tochter seines A 

ehemaligen Meisters Joseph Ler ch ens — A 

wird vielleicht der Porzellanmaler Joseph i 

3erch in Nymphenburg gemeint sein — 

ihn gezwungen, nach Augsburg, dann A 

nach Munchen zu reisen, wo er den diir» 

gerlichen Schutz des Magistrates ansuckte. 

Naaler (<H. K. Oi-.) . Neue» aU A enicinev 

Hiinstler ' Lerikon sMiincken I«!i9, !>>', A, Fleisch 

mann. 5>o.) Bd. XXI, 3. ::"«. - Dla, 

d a c i (Gottfried Johann) . Allgemeine» 

historisches Kunstler-Lerikon fur Bohmen und 

5um Theile auch fur Makren und Tchlesien 

(Prag i8i5. Gottl. Haase, 4") Bd. Ill," 

Sp. "68. - (F u f t 1 i n'6) Allgenleinea ' 

Kunstler-Lerikon, T. ?<)!>. 

Noch sei erwahnt: i. Franz West er man er 

sgest. in Wien am «. August 184«',). ein in 

jungen Jahren dahingeschiedener hof f nungsvoller 

Componist. Derselbe lebte in Nien 

und war. wie eine kurze Not ' z in der unten 

angefiihrten Quelle meldet, ein vieluerspre« 

chendes Talent, das eine „wirklich edle fiinst- , 

lerische. dem Besseren zugewandte, von allcr 

Flachheit sich fern haltende Richtung ein» 

geschlagen hatte". Von seinen Arbeiten sind A 

nur eine solenne Messe bekannt, wenngleich 

kein vollig reife5 organisch gegliedertes A tunst» , 

werk. so doch ooll geistreicher Zu A e und mu» ! 

sicalischo Tiichtigkeit uetrathend. A ?luBerdem ! 

s ' anden sich in seinem Nachlasse mehrere Vsal« A 

men, Ofsertorirn, 3ieder und andere kleinere ' 

(Kompositionen vor. "Wiener allgemeine! 
Mu sik<Z e i t u n g . Herausgegeben von Aug. i 
Schmidt (i".). A 846. L. 392: .. 3odes« ! 
an>eige" A . — 2. Ein K a r 1 W esterma l>er, 
seineii Zeichens urn Hie Fiinf , iia, er>Iabrr Tte« > 
nograph in Nien. begann zuerst „Stenogra» A 
vhische Leseiibungen" (Wien A 848. Tendler 

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und (aomp.. gr. 4".) herauszugeben, deren erstes 
Heft — weitere folgten nicht — Reichsgeselze i 
fur das Kaiserthum Oesterreich, nach dem, 
Gabelsberger ' schen Systeme stenographisch 
bearbeitet, enthielt und autographirt war. 
Spater verof fentlichte er ein „2tenogra ' : 
phisches Tasch enworterduch der im po- A 
litischen und parlamentarischen Ieben haufiger j 
vorkommenden Worter" (Wien l«5<j. Lechnec, 
A er. A ", /. o.,13 - auch nach >H abel 5 bel A e r'< 
scbrm A yftcm — mit A ',nsailuB f r> . ' mdanigec 
Aufdrijcke auf Grundlage Der w A mamttrn 
stenoqravdisch A ekiir A cn Tau'itt verfaBt ist, 
Westl, A gua A . Diesen Namen finden 

wir wiederholt, in L cbm id l's „Oesterreichischen 
Blattern" und im groflen stei» 
rischen Nalionalkalender in der „Ueber» 
ficht der denkwiirdigen Manner Stetermarks " , 
welche l)t-. Rudolf Puff verof fentlicht 
dat . Nach naherer Nttter» 

suchung stellt es sick heraus, daB der stei» 
rische Schrif tsteller Ignaz Heinrich Wastl 
zu Wesil entstellt ist. Neber Wastl 
aber vergleicde dieses Werk Bd. 1 , .III, 
Westmauli, Wilhelm 1 'Architect , 
geb . zu W i e n im ersten Viertel des 
laufenden Jahrhunderts) . Er war ein 
Zogling der Wiener k. k. Akademie der 
bildenden Kiinste, auf deren Iahresauostellung 
184N er ein Zeichnungsblatt : 

„Vaii F'rllginrnt riniZ A ii A italz llin Tempel ilez 
A Iu.rs ultor" darstellend, gebracht hatte. 
Spater wendete er stcb dem lchramtlichen 
Berufe in seiner Kunst zu und wurde, 
wie wir aus Exnec's „Geschichte des 
k. k. polytechnischen Institutes in Wien" 
erfahren, Docent fur das Gewerbszeichnen 
bei den Baugewerben und Metallarboiten 
im Wiener Polytechnikum, wirkte 
dann einige Jahre als Vorstand der 
Ornamentenschule an der Wiener k. k. 
Akademie der bildenden Kiinste und ward 
1847 erster Ingenieur und Hofbaurath 
in Wien. Von ihm sind im Druck erfchie 
nen: „GrnllMlntllle Mrlllgrn. "ntllilllf en unil 
lithllgra A tlirt uun W. Weatmailu", herausgegeben 
vou der Copiranstalt des niederosterreichischen 
Gewerbevereines . <. bis 
3. Heft, 20 Steindrucktaf ein (Wien 
1846, qu . gr. Fol.) . Eine neue Folge 
dieser Blatter brackte Westmann meh>^ 
Meftmeyer 172 Meftmeyer 

rere Jahre spater in der unter dem Titel 
„Wiener Originalien" 1834 im 
Verlage bei I . Bermann erschienenen 
„Kleinen systematischen Zeichenschule" , 
welche 10 Hefte Blumen, 10 Hefte Land» 
schaften, 10 Hefte Figuren von I . G r a ndauer, 
12 Hefte Thiere von Weixel» 

g ii r t n e r und 8 Hefte ornamentale Vor« 
lagen von West mann (in qu . 8".) ent< 
halt. Ob er noch lebt, wissen wir nicht, 
im activen Staatsdienste ist er schon 
langere Zeit nicht, da er im k. k. Staats» 

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Handbuch nickt mehr aufgefiihrt er« 
scheint . 

Westmeyer, Wilhelm (Kompostt 

e u r , Ort und Jahr seiner Geburt unbekannt), 
ZeitgenoB. Neber Lebens» und 
Bildungsgang dieses Compositeurs wissen 
wir nichts, auch war ungeachtet einiger, 
mitunter beifallig auf genommener Com» 
posttionen sein Name wenig oder gar 
nicht bekannt, bis denselben die Agitation 
fur ein Militar»Musikconse rvato» 
r i urn in Wien, die sich Ende der Sechziger 
»Iahre sehr lebhaft gestaltete, in den 
Vordergrund stellte. Bekanntlich waren 
die osterreichischen Militar»Musikcapellen 
ganz vortrefflich geschulte Korper, und bei 
dem groBen internationalen Wettkampf 
derselben, welcher 186? unter Leitung 
des Kapellmeisters Zimm ermann in 
Paris stattfand, erhielt die 6sterrei» 
chische Militarmusik von Seite des 
Publicums den Siegespreis. Das Alles 
aber drohte anders zu werden, und der 
Verfall der osterreichischen Militarcapellen 
schien unausbleiblich von dem Augen» 
blicke an, als die dreijahrige Wehrpflicht 
in der osterreichischen Armee eine Thatfache 
wurde, denn in so kurzer Zeit 
lieBen sich Talente nicht schulen. Urn also 
dem drohenden Uebel vorzubeugen, ge» 
riech man auf verschiedene Ideen, bis die 
Errichtung eines Militar Musikconservatoriums 
als die einzig und rein praktische 
aufgegriffen und offentlich erortert ward. 
Diesen Gedanken offentlich ausgesprochen 
und erortert zu haben, ist das Verdienst 
Westmeyer 's, der auf Wunsch des 
Kriegsministeriums die Organisations» 
Vorschlage ausarbeitete und dabei ebenso 
die kunstlerische als militarische Seite des 
Gegenstandes ins Auge faBte. Bis dahin 
war er nur als tuchtiger Musicus und 
als Komponist bekannt, der eine Oper 
„Drr Va!t> bei Hcrnlllnn5tadt " und die bald 
sehr beliebt gewordene „Nllizer-Onnertnre" 
componirt hatte, welche ebenso fur 
Mannerchor, wie fur groBes Orchester 
' eingerichtet war und, vom Kapellmeister 
M. Zimmer mann fur Militarmusik 
sWien 1871) arrangirt, im Stich erschien. 
Andere Kompositionen Weftmeyer's 
sind: „Nn5 Nben iin Viede", „NindeZIiebr " , 
„Ongruieu", „Graumlied" nnd „Vision Napul 
ran 3 I. ant Helena", eine symphonische 
Dichtung fur groBes Orchester, wofiir er 
die franzosische goldene Medaille erhielt. 
Auch noch in anderer, und zwar in huma» 
nitarer Richtung besaB Westmeyer be» 
reits damals seine Verdienste, da er auf 
den Schlacht f eldern in den Jahren 18!>!) 
und 1866 im Vereine mit den Iohannitern 
fur Verwundete Hervorragendes 
leistete, wofiir er von Seiner Majestat 
dem Kaiser decorirt wurde, und spater 

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wieder, als er die Thatigkeit des sachsi« 
schen Carola» und Albert 'Vereines 
nach Oesterreich verpflanzte, wofur ihn 
der patriotische Hilfsverein in Wien zum 
Ehrenmitgliede und wegen hervorragen» 
der Verdienste urn das Hilf svereinswef en 
und Leistungen im Jahre 1870/7 1 der 
Konig von Sachsen mit dem Albrecht», 
der deutsche Kaiser mit dem Kronenorden 
auszeichnete . Aber weitaus bekannter 
ward sein Name bei Gelegenheit der^ 

Mef tmoreland, John Fane Eari 173 Mef tmoreland. John 
schon erwahnten Agitation fur ein Militar» 
Musikconservatorium, welche er selbst 
durch eine die Nothwendigkeit desselben 
erorternde Broschure ins Leben rief und 
die auch bald eine ungeahnte Dimension 
annahm. Man horte auch bald, daB ein 
Musikgonner in Salzburg zu diesem 
Zwecke Einhundertfunf zigtausend Gulden 
erlegt habe, wofur ein Conservatoriums» 
gebaude angekauft werden sollte, dann 
daB ein Consortium von Musikf reunden 
bereits die ansehnliche Summe von zwanzigtausend 
Gulden zum Ankauf von 

Instrumenten zusammengebracht hatte, 
u. s. w. Dabei wurde diese Angelegen« 
heit auch in der Tagesprefse in eingehen» 
der Weise nach alien Seiten fur und 
wider erortert. Das Kriegsministerium 
selbst unterstiitzte den Gegenstand und 
legte die Vorlage zur Unterbreitung im 
Cabinet Seiner Majestat des Kaisers zurecht . 
Endlich fand in den ersten Tagen 
des Juli 1872 die Sache damit ihre Er« 
ledigung, daB der Monarch den ganzen 
musicalischen Act zuriicklegte, ohne dem» 
selben die genehmigende Signatur zu ertheilen. 
Die Militar-Musikbanden aber 
sind mittlerweile nicht schlechter ge» 
worden . 

Presse (Wiener polit. Blau) 11>7 2. Nr. 2tk 
unter „Eingesendet " . — NeueFreie 
Presse, 2. Juli 1871. Nr. 2460: „K. k. 
Armee-Musikschule" . — Neueb N i e n e r 
Tagdlatt . 1872. Nr. <86 in „Theater 
und Kunst". — Neues Fremd en-Bl a t i 

(Wien 4".) t 1 . Juli 4872, Nr. i«u.- „Ein 
Militar<Musikccmservatormm" . 
Westmorelaud, John Fane (Karl 

( R i t t e r des Maria Thecesien-Ordens, 
Musikfreund und Compo nist, geb . 
in England 3. Februar 1784, gest. auf 
seinem Gamiliengute Apthorpe House 
; n Northumbershire 16. October <839) . 
Der Lord, der, bevor er den Namen 

! Westlnc reland annahm, den eines 
Barons Burghers fiihrte? hat fur uns 
mehrfaches Interesse, insbesondere aber 
dadurck, daB er wahrend seines mehrjahrigen 
Aufenthaltes in Wien durch 
seine muncaliscben Abendunterhaltungen, 
denen aus den hoheren Gesellschaf tskreisen, 
was Tonkunst liebte, bei» 

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wohnte, nicht wenig beitrug zur Belebung 
der Musiklust, die gerade in der 
Zeit seines Aufenthaltes in der Donau» 
stadt infolge der politischen Ereignisse zu» 
gleich mit dem gesellschaftlichen Leben 
vollig erstorben war. Wir gehen iiber das 
Vorleben des Lords — auf die unten 
bezeichnete Quelle verweisend — mit 
wenigen Zeilen hin. (5r war der zehnte 
Sohn dea FarlJohn, zehnten Lords 
von Westmo reland aus dessen Ehe 
mit Sara Anna, der einzigen Tochter 
und Erbin Sir Robert Child's, eines 
reichen Londoner Banquiers. (5r trat 
nach dem Tode seines Vaters am 13. De» 
cember 1841 dessen Erbe und Namen an 
und hatte sich am A> . Juni 18 << mit 
Priscilla Anna, jiingster Tockter 
Williams Wellesley Pole, dritten 
Earls von Mornington, vermalt, 
die ihm vier Sonne und zwei Tochter ge» 
bar, von denen nur zwei Sonne und eine 
Tochter ihn iiberlebten. Der Lord stand 
ein halbes Jahrhundert hindurch in mili' 
tarischen uud diplomatischen Diensten, 
hatte in der englischen Armee Generals* 
rang, diente in Sicilien, der Tiirkei, in 
Aegypten und Portugal und wohnte 
den Schlackten bei Robbia und Vimiera 
bei; machte als Adjutant des Herzogs 
von Wellington 1809 nebst mehreren 
Gefechten die Schlacht bei Talavera 
mit. Im December 1811 war er als 
Ober st lieutenant Militarbevollmachtigter 
im Hauptquartier der Alliirten unter dem 
Fiirsten Schwai zenbe rq. I m Feld-^ 

Wef tmoreland. John Fane Carl < 7 4 Mestmareland, Julian Fane 
zuge 18! 4, nach dem Abgange des <He> 
nerals Stewart , bewies er sich in 
seiner Anstellung sehr thatig und in der 
Schlacht dei Arcis sur Aude (20. Marz 
g. I.) personlich so tapfer, daB ihm Feldmarschall 
Fiirst Schwarzenberg am 
29. Mai d. I . im Namen des Kaisers 
das Maria Theresienkreuz liberreichte. 
Hierauf wurde er der englischen Gesandtschaf t 
in Florenz zugetheilt. Als dann 
die osterreichische Armee 1813 den Feld» 
) Ug gegen Neapel eroffnete, unterzeich' 
nete er mit General Bianchi die Convention 
von Casalanza, nach welcher 

Letzterer, wie bekannt, seinen Herzogstitel 
erhielt. Nun stand der Lord in verschiedenen 
diplomatischen Stellungen, und 
zwar in Neapel (1830) . in Berlin 

< 1841), war Vermittler bei den preuBischdanischen 
Verhandlungen in der Schles» 
wig-Holstein-Frage und kam 1831 als 
britischer Gesandter nach Wien, gerade 
in der Zeit, als die Residenz in ihrer! 
tiefsten Erniedrigung die Folgen ihrer! 
Erhebung im Jahre 1848 zu tragen 
hatte, alles gesellschaftliche Leben er- A 
loschen und alles Streben fur Kunst, A 

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Literatur und geistiges Schaffen unter! 
den Gefrierpunkt herabgesunken war. I n 
solcher Zeit eroffnete der Lord, nicht nur A 
ein groBer Freund und Kenner der Musik, 
sondern auch selbstschaf f end in dieser 

Kunst, seine Salons im englischen Gesandtschaf tshotel 
auf der Seilerstatte, und 

dort entwickelte sich wahrend der Jahre, 
welche er in Wien, zubrachte, bis November 

1833, wo der damals 71jahrige 

General in den Ruhestand ubertrat, ein ' 
reges musicalisckes Leben. Er selbst com- A 
ponirte, und zwar in verschiedenen Rich- : 
tungen und schrieb auch eine Oper , , ! ! . > 
"loi-neo". Wahrend er zur Zeit seines 
Aufenthaltes in Berlin bei Z e 1 t e r Com- 
Positionsstudien mackte, war es in Wien 
IMayseder Md. XVII, S. 193 A , den 
sich der Lord fur seine musicalischen SW- 

dien ausgesucht hatte und bei dem er 

Violinunterricht nahm. — Des Lords 

Sohn Julian Faue (geb. 2. October 
1827) befand sich zur Zeit, als sein 
Vater den Gesandtschaf tsposten in Wien 
versah, daselbst als dessen Attache, bis 
er 1836 als solcher bei Lord Clarendon's 
besonderer Mission nach Paris 
ging. Von dort begab er sich als Lega° 
A tionssecretar nach Petersburg, r ' am aber 
in dieser Eigenschaft 1838 wieder nach 
A Wien, wo er 1860 zum Botschaf tssecretar 
A aufriickte, als welcher er bei der Pariser 
A Botschaft bis 1867 blieb. Nach Wien 
A zuriickgekehrt , zog er sich 1868 ganz 
von seinem Posten zuriick und ging nach 
A London. Dort verlor er seine Gattin im 
A October g. I . durch den Tod. Immer 
' schwachlich von Gesundheit, krankelte er 
nur noch mehr und erlag am 11) . April 
A 1870 der Schwindsucht . Noch wahrend 
seines Aufenthaltes in Wien verof f entlichte 
J u 1 i a n in London einen Band 

Gedichte, der bald in zweiter Auflage erschien. 
Die , , Iievuo asg 6.6nxi nionaus" 
besprach ausfiihrlich diese Dichtungen, in 
denen er vorzugsweise die Bediirfnisse der 
nothleidenden Classen des Volkes besingt, 
und wela A e Shelley's EinfluB auf ixn 

Poeten erkennen lassen. I n Wien selbst erschienen, 
und zwar in der Staatsdruckerei, 
in sehr schoner Ausstattung, aber nicht 
fur den Handel bestimmt, seine Ueber» 
setzungen Heine 'scher Gedichte unter 
dem Titel: „?<) 6iii« d) ' lioinriok 
1 1 6 i n. 6 translA.t6(l not z->ud ! 55k . 6<1 A 
6 1834), wovon der „Wiener 

1834, Nr. 30, im Feuilleton eine 
Anzeige brachte. Fane hat auch einige 
Gedichte unseres Lenau ins Englische 
iibersetzt. Noch einmal, aber nicht auf 
poetischem Gebiete, begegnen wir M after^ 

Meftphlllen, Friedrich Joseph Nlcftphalcn, Friedrich Joseph 
Fane, und zwar anlaBlich seines Berichtes, 
den er als Attach« der Wiener 

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Botschaft 1863 an die englische Regierung 
tiber Handel und die Finanzen von 
Oesterreich erstattete, infolge dessen ihm 
ein osterreichischer Kaufmann in einem 
geharnischten, aber sachgemafien Briefe 
<lao. Wien 14. September 1864 antwor» 
tete und das rechte Licht aufsteckte. Dieses 
Sckreiben verof f entlichte die „Presse" 
1864, Nr. 233 unter der Rubrik: „Der 
kleine Kapitalist". 

eaitiun (London 184", A !er. . A " . ) S. 550 
und 331. 

Portrait. Unterschrif t : „Graf Wesimoreland" . 
A, Hii ssener s A . (40.. Leipzig, in 
Baumgartner ' 6 Verlag uli5 Veilagc der „Leip» 
ziger Modezeitung" . 

Westphalen zu Furstenderg, Friedrich 
Joseph Graf St. k. M a j o r , geb . am 
17. Janner 1824, gest. zu Schwaben 
bei Aussig in Bohmen am 22. August 
1863) . Der drittgeborene Sohn des am 
26. Janner 1863 verstorbenen Grafen 
Joseph Clemens aus dessen Ehe mit 
Elisabeth Grafin Thun »Hohenstein, 
trat er nach sorgfaltiger Erziehung 
im vaterlichen Hause 1848 als 
(5adet in das damalige 6. Dragoner» 
Regiment GrafFicquelmont , wurde 1844 
Lieutenant im damaligen ?. Chevaurleger 
Regimente Baron Krefl, dem spateren 
i 1 . Nhlanen Regimente Kaiser 
Alexander, und riickte 1848 in seiner 
Rangstour zum Oberlieutenant vor. I m 
Friihlinge dieses Jahres bei Ausbmch 
des Feldzuges in Italien bewarb er sich 
urn die ErlaubniB, denselben als Volontar 
mitmachen zu diirfen, da sein Re 
giment, damciiii zu Kecskem. 't in Ungarn 
stationirt, keine Aussicht ; n haden schien, 
vor den Feind zu kommen. Seine Bitte 
wurde bewilligt und er dem 2. Dragoner 
Regimente e A 6niq Ludwig von 
Bayern zur Dienstleistung zugetheilt. 
I n den Reihen desselben macbte er den 
siegreichen Feldzug lk48 in der '"ombardei 
mit. A n dem Gefechte bei Volta am 
26. Juli wurde er durch einen Schufl 
und viei Lanzenstiche schwer verwundet, 
ungeachtet dessen hieb er sich, bereits von 
piemontesischen Lanziers umringt, mit 
seltener Geistesgegenwart und Bravour, 
durch den Dragoner Johann Pichler 
kraftigst unterstiitzt, gliicklich heraus. 
Nach dem im August 1848 abgeschlossenen 
Waf f enstillstand riickte er zu feinem 
eigentlichen Regimente, welches in Ungarn 
lag. wieder ein, machte in diesem 
die Einnahme von Wien und den Winter» 
und Sommer ' Feldzug 1848 mit und 
ward im Laufe desselben zum Rittmeister 
befordert. Als ausgezeichneter 
Hipvoloa der 185)6 nach Syrien und 
Arabien abgegangenen Mission zum Nn> 
kauf von Pferden zugetheilt, erhielt er 

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fur seine geschickte Verwendung den 
Orden der eisernen Krone dritter Classe. 
4839 riickte er zum Major im Ad jutantencorps 
auf und kam auf den italienischen 
Kriegsschauplat z . Nach Abschlufl 
des Friedens von Villafranca quittirte 
er und legte im linmuth iiber den Aus» 
gang der Schlacht, da noch drei Armee» 
corpa intact standen, den Militarcharakter 
ganzlich ab . Graf Friedrich West» 
phalen vermalte /ich am 1. Februar 
1864 mit der Reichsfreiin Christiane 
von Kanitz und Dalwitz, der Witwe 
seines Vetters Otto Franz Rhaban, 
starb aber nach kurzer Ehe im 42. Lebens, 
jahre. Die vorhandenen Kinder sind aus 
erster Ehe seiner Frau.? 

Mestphalen (Genealogie) 176 Weftphalen (Genealogie) 
I . Zur Genealogie der Grasen Westphalen 
Fiirstenberg. Die Grafen uon Westphalen 
sind ein altes rheinisches Geschlecht, das seinen 
Ursprung ableitet uon dem herzoglichen Hause 
Bielungin Sachsen, welches 1106 in seiner 
Dynastie erlosch. Hermann Bielung's, 
Herzogs in Sachsen, Sohn Venno hinterlieB 
einen Sohn Hermann, welcher so wie seine 
Nachfolger den Namen de Westphalen 
fiihrte und als der erste Graf von Aren5 
berg erscheint. Diese Grafen von Arensberg 
theilten sich in der Folge in ' , we ' 
Linien, von denen die eine den Namen der 
Grafen von Arensberg beibehielt, die andere 
aber jenen der Grafen von Roden berg annahm. 
Hermann, der Stifter dieser lekten 
Linie, hatte zwei Enkel, uon denen einer. 
Namens Hermann, das Geschlecht der 
Grafen uon Strom berg f ortpf lanzte, der 
andere aber, Heinrich, als der eigentliche 
Stammvater der noch heute bliihenden Grafen 
von Wcstpkalen zu Fiirstenberg cmge» 
sehen wird. Ein Andreas von Westvha! en 
war Land» und Heermeister des Schwert» 
ordens in Lieoland und wurde 1274 im ersten 
Jahre seiner Regierung mit noch zwanzig 
Ordensbrudern von den Lithauern erschlagen. 
Ein Hermann von Westpbalon. Raths» 
Herr von Liibeck, ward bei einem 14U8 in der 
Stadt ausgebrochenen Tumulte aus derselben 
gejagt und wurden ihm alle Giiter con« 
fiscirt. Erst 1416 konnte er wieder heimkehren, 
worauf er 1429 an der Ausarbeitung 
der Statuten der adeligen Cirkelgesellschaft 
in Liibeck theilnalnu. Von seinen Sohnen 
wurde der eine, Arnold (geb. 1399. gest . 
1. Februar <4<:<>) . Bischof zu Liibeck und stand 
in hohem Ansehen. Derselben F.nnilie ent< 
stammt W i 1 h e lm sgest. :»!. Derember 1509), 
der lo<)6 auch auf den Bischofstuhl von 
Liibeck gelangte, aber nur wenige Jahre auf 
demselben saB. Ob der beriihmte Staats' 
mann und Rechtsgeledrce Ernst Joachim 
von Westphalen. iiber den Ienichen's 
„Leben und Schriften der jet ztlebenden Rechts« 
gelehrten in Deutschland" in der Dedication 

Seite 260 



Wurzbach5 5 . txt 
an den Herrn von Westphalen und das 
„Mecklenburgische GelehrteN ' Lerikon" 5. Stuck. 
S. 40 berichten, zu dieser Familie gekort, 
vermogen wir bei allem Mangel an genealo» 
gischen Nachweisen nicht zu bestimmen. Wir 
konnen nur mit Clemens August W i 1 - 
helm dir Stammtafel beginnen, da uon ihm 
ab eine Darstellung der Geschlechterf olge 
muglick ist. Elemens August W i 1 h e lm 
war furstlich hildesheim ' i ' cher und paderborn'« 
scher geheimer Rath und Landdrost des Hoch» 
stiftes Paderborn. Sein Biuder Friedrich 
W i 1 h e lm Ludwig (geb. 5. April 1727. 
gest. <;. Janner 1789) wurde 1773 zum 
Bischof vou Hildesheim und <782 zum 
Bischof uon Paderborn erwahlt. Mit Cle< 
mens August W i 1 h e 1 m beginnt unsere 
Stammtafel dieses katholischen Geschlechtes, 
das im Laufe dieses Jahrhunderts zu Oester» 
reich in mehrfache Beziehungen getreten ist, 
wie wir dies in der Abtheilung „Denkwiirdige 
Sprossen des Grafenhauses Westphalen" 
naher nachweisen. Die Graf en von West« 
phalen, die gegenwartig auch im Kaiser« 
staate begiitert sind, hesitzen das Eroschen» 
kenamt im Fiirstenthum Hildes heim, 
das Erb ob e r j a g ermei st eramt im Fiir« 
stenthum Osnabriick, das Er beuchen« 
meistcramt im Fiirstenthum Paderborn. 
Den Reich sg rafenstand verlieh ihnen 
Kurfiirst Karl Theodor uon Pfalzbayern 
als Re'chsuicar aao. 1 i . Janner (28. Juni) 
1?!»2; am 22. Juni H832 erhielten sie eine 
Virilstimmeim ersten Stande auf dem 
Landtage in PreuBisch 'Westphalen; auch zahlt 
der jedesmalige Vesiher des Falnilienf idei» 
commisses seit 12. October 1834 zu len Mit« 
gliedern des koniglich preuBischen Herren» 
Hauses, und als GrvBarundbesitzer in N6h» 
men (Besitzer der Allodialherrschaf t Culm) ist 
Graf Friedrich W i 1 h e lm von N estvhalen 
lebenslangliches Mitglied des Herrenhauses 
des osterreichischen Reichsratdes , — Was die 
Ehen der Familie betrifft, so haben ikre 
Sonne wie ihre Tochter in die angesehensten 
deutichen. in neuerer Zeit auch osterreichischen 
Adeliif amilien geheiratet, wir nennen unter 
letzteren nur die Canih, (5zernin von 
Ehudenicz, Auersperg. Croy. In« 
gelheim. Liil^ow. Mengersen. Wald» 

bott ' Bassen beim. Schon born, Wol« 
kenstein «Trostburg, Thun < Hohen« 
stein Die Familie — obgleich meist auf 
preuBischem Territorium, und zwar ansehnlich 
begiitert, denn in Oesterreich besitzt sie nur 
die Allodialherrschaf t Eulm im Zeitmeriher 
Kreise Bohmens — zeigt eine besondere Vor« 
liebe fur Oesterreich, aus dem sich die Sonne 
ofter ihre Braute holen, und in dessen Armee 
wir ziemlich oft dem Namen der Grafen 
Westphalen begegnen, wir nennen nur 
beispielsweise Franz Anton, Friedrich 
Wilhelm, Friedrich Wilhelm Ferdinand, 
Joseph August, Nbaban, Nu-? 

Seite 261 



Wurzbach55 . txt 
Stammtafel der Grasen Westphalen zu Mstenberg. 
Clemens August Wilhelm 
geb. 1726. 1- 12. October 1778. 

1) Theresia Isabella Freiin von Krabeck. 

2) Ferdinande Adolsine Freiin von Ajseourg. 
Clemens August Wilhelm 

geb. 12. Janner 1754. t 26. December 1818 

1) Antoinette Grafin Waldbatt-Iassenheim 
-f- 80. September 1787. 

2) Maria Theresia Freiin Werner von Kocholz-Hleschede 
, geb 13. Juli 1772, -y . " , 

Maria Anna 

geb. 2, Februar l?ao. s. 

vm. Clemens Auguf tFreiherr von Mengersen 

i 14 November 1800. 

Friedrich Wilhelm Ferdinand A 3)*) 

geb. 12. October 1780, 'X <!>- ">pnl 1809 

Elisabeth Grafin Thun, 

geb, 14. August 178:;. t 6. December 1860. 

wlederverni Joseph Clemens Graf Westphalen, 

Bruder ihres ersten Gatten 

geb 7. Marz 1783 -s 26 Janner 1863 

Ferdinanda Isabella 

geb 19, October 1781. 5. 

rm Erwin Frau; 

>l.af Schonborn-Wiesenthcid. 

Antoinette 

geb 6, Janner <783, 

Friedrich Karl Joseph Graf Ingelheim. 

f October 1847. 

Clemens August Wilhelm f i ) 

geb. 12. April 1803, 

1- 4. October 1883. 

1) Kunigunde 

geborene Grasin von Aicholt 
geb. 2t . September 1800. 
5 10. Janner 1843. 

2) Cacilie Grasin v. Lucchesini 
geb 28. December 1834. 

[ 

Wtto Franz Nhaban 

geb. 2<; September 1807, 

1 A t:i. October 183«. 

Christiane 

/>1 . ciinv . Canit z und Dallwitz, 

wilderom. Friedrich 

Zoseph Graf Westphalen. 

grb. 23. Februar 182 4. 

Rudolf Philipp Victor 

geb. 7. Marz 1?87. t 1. Juli 1828 

Karoline Freiin von Liitzow, 

wicden'crm Gottliel, Zenich 

Karoline * 

geb. 26. August 1826. 

vm. Albert Freiherr von Campe . 

Joseph Clemens 

geb. 7. Marz 1786, -f 2« Janner 1863. 

Elisabeth Grafin Thun, verro 

Graf Friedrich Wilhelm von Weftphalen 

geb. 14. August i783. 5 6. December 18«0 

Wilhelm Clemens August s2. 178) 

geb. 13. Frdruar 1818, 5 21. AuMst 1883. 

Natalie Grafin Cassini 

A n'd 3. Juni 1832 

Seite 262 



Wurzbach55 . txt 
Franz Anton ^2^ 

geb. 24. Juni 1819, t 2U. Juni 1833. 
Anna Maria 

geb. 3. Janner 1821. -f. 
vm Friedrich Hunk. 
Therese 

geb. 16. Juni 182 
Elisabeth 

geb. 6. November 1868, -j-. geb. 19. October 1869 
Therese 

geb. 13. Janner 1871. 
Friedrich Zoscpt) 1 2 , 175) 
geb. 17. Janner I82i. t 22. August 131>3 
Christiane Frcim ". Canitz uno Dalluiitz, 
vcrw. Vtto Fran) Nhaban Graf Weftphalen 
geb. 23. Februar 1824. 
Elisabeth 

geb, 3. December 1843. 
vm. Wilhelm 

Graf Wolkenstein-Trostdurg . 
Rudolfs 
geb. 2. Marz 1847. 
Vhaban 

geb. i. September 1848 
Anna Prinzessin Auersperg 
geb 12 October 1832. 
Anna 

geb. IK. Marz 183«. 
vm. Theobald 

Graf Czernin von Chudenicz. 
Auguste 

geb. 2i August 1833. 
geb. 28. October 1877. 
Christiane 
f 23. November 1878. 
Vtto 

geb. 23. Juli 1883, 
Friedrich Wilhelm M" 
geb. 21. April «830. 
Vosme Graftn Cnrnin von Chudeuic) 
geb. 13. December 1837. 
Zoseph August 
aed. 20. Mai 1831 
Katharina Lriedvcrg It 
geb 2 Februar 18N» 
Elisabeth 
geb, 14 Juni 1834. 
vm Alerandcr 
Prinz Crol) . 
Marimilian 
geb. 18, Juni 
1833. s. 
Clemens 

geb 3. September 
1836. 

U. U. Marberg. 
Franz Clemens 
geb . 2 . Februar 
1864 
Wilhelm 
geb. 12. Mai 
1863. s 

ZUerander Clemens Friedrich Joseph Wtto 
geb. 23. December Johannes "Lnobert geb. 14. Marz 

Seite 263 



Wurzbach55 . txt 
1866. geb . 4. August geb . 2t . Februar 1873. 
1868. 1872. 
Elisabeth 

geb. 24. August 1863 
Joseph Clemens Vtto 
geb! 11. Februar «867. 
Maria Therese 
geb i 1 . September <8<i8. 
Antonie Isabella 
geb. 2. April 1872 
Clemens Wttokar 
geb 4. Marz 1864. 
Kunigunde 

geb. 28. Marz 1863. 
Wttokar 

geb. 18. Juni 18 66. geb. 18. 
Anna 

z-edruar 1869. 
Theodor 

geb. 28, December 1870. 
Maria Sophia 
geb. 21. Juni 1873. 
*) Die in den Klammem 
des Betreffenden steht. 

befindlichen Zahlen weisen auf die kiirzeren Biographien Nr 1-8. welche sich auf 
S. 177 und 178 befinden, wenn aber ein S. voransteht, auf die Seite, auf welcher 
die ausf uhrlichere Lebensbeschreibung 
Zuv. Wurzbach's biogr. Leriton. Bd.^ 

Westfalen, Clemens Aug. Will) . 177 Meftphalen, Friedrich Wilh. Ferd. 
dotf, W i 1 h e 1 m , Clemens August, von 
denen die meisten in den Gefechts» und Schlacht- 
Stationen der Feldziige ruhmlichst erwahnt 
erscheinen. — Der Besitz der Familie vertheilt 
sich auf Deutschland und Oesterreich 
f olgendermafien : die FideicommiBdesitzungen 
Fiirstenberg, wovon die Familie auch den 
Beinamen fiihrt, Laer, Grundsteinheim, Her» 
bram. Borcholz, Dinkelburg. Hervord, Groftew 
beern. Lippspring. Mudladorn sind in Westphalen; 
Rirdorf in Holstein. Erbach im 
Rdeingau und die Herrschaft i'wlm im 3eit« 
meriher greise Bohmens . 

I I . Dellkwiirdige Sprossen des Graf engeschlechtes 
Westphalen zu Fiirstcuderg. t. Clemens 
August W i 1 h e lm (geb, <2 . April 48<>6. 
gest. 4. A ctaber 1883) . Der alteste Sohn des 
k. k. Hauptmanns Graf en Friedrich Wi ! < 
Helm Ferdinand aus dessen Ehe mit 
Elisabeth geborenen Grafin T h u n- 
Hohcnstein, die sich nach ihres Gatten 
Tode mit dessen jiingstem Bruder Grafen 
Joseph Clemens wiedervermalte . wurde 
er Herr der Iideicommiftbeschunnen Fiirstenberg, 
Eilern, Wohlbedacht . Herbram. Grund» 
steinheim. Dreckburq. Borcholz. Tolle. Dinkel' 
burg, Heinholz, Kleehof, Notzungen. Laer und 
Miiblsborn in Westphalen. ferner von Rirdorf. 
Traun. Theresenhof und TreBdorf in Holstein 
und Erbach im Rheingau. Mit 42. Octoder 
j3M zuni erblichen Mtgliode des koniglich 
preuUischen Herrenhauses gewahlt, legte er 
diese Wiirde 1866 nach Ausbruch des Krieges 
mit Oesterreich nieder, wovon er das Haus 
mit Schaben aao. 28. J u 1 i 1866 in KenntniB 

Seite 264 



Wurzbach5 5 . txt 
setzte. Es hieB sogar damals, der Staatsanwalt 
wolle Anklage gegen den Grafen er« 
den, da man aber besorgte, uon dem Ange« 
klagten Dinge zu vernehmen, die man dock) 
1 eber nicht horen wollte, habe der Staats» 
anwalt den Wink bekommen, es zu unterlassen. 
Ein eifriger Katholik, hielt er fur die 
Jesuiten ein offenes Haus . war aber auch ein 
groBer Wohlthater der Armen, fur die er auf 
seinen Giitern stets gedeckten Tisch hielt. So 
war in dem Schlosse zu Laer. wo der Graf 
zu wohnen pflegte, in der groBen, nach West« 
phalischer Art saalartigen Kiiche taglich offene 
Tafel fur 20 — 80 Arme der umliegenden 
Dorfer, und wenigstens ebenso vielen Kranken 
wurde das Essen ins Haus gebracht; auller« 
dem liefi er auf seine Kosten in der Regel 
vier bis sechs junge Leute in Miinster oder 
Bonn studiren. Er selbst aber ledte ungeachtet 
v. Wiirz bach, biogr. Zerikon. I.V. sGedr. <7, 
seines enormen N?ichtdulns mit seiner Fa° 
milie auf dem sebr einfachen FuBe schlichter 
Gutsbesit zer . Der Graf hatte sich am 22 April 
1829 mit Vunigulioe geborenen Grafin Aicholt 
vermalt, die ihm in vit . ' rzeyn jal>riaer Ehe vier 
Sonne und eine Tochter n?bar. Am 1<) . Ian« 
ner 1843 starb ihm die Gattin. Nach 2<jjahrlgec 
Witwersckaft vermalte er sich am 14. April 
18ttij zu Berlin zum zweiten Male, und zwar 
mit Cacilie grboionen Grasin l^uchc^m und 
batte in dieser zweiten Ede neuerdings sechs 
Sonne, deren jiingster idm als siebzig jahrigem 
Greise gebolen wurde. Der Graf starb im 
doken Greisenalter ron aa/tzig Ialuen, — 
2, Franz Anton 1 . A ' b . 24, Juni t81!>, gest. 
zu Prag 20. Juni 1 8 A - . Der zweitgcborene 
Sohn des Grafen Joseph Clemens aus 
dessen Ebe nut Elisabeth geborenen Grafin 
Thun» Hoben st? i n . trat er in jungen 
Jahren in ein k. k. Kavallerie Regiment und 
riickte 1843 zum Lieutenant im Huszaren« 
Negimente Kaiser Nicolaus Nr. 9 oor. mit 
welchem er den italienischen Feldzuss 1819 
mitmachte und, damals iDbeclieutenant , fur 
sein tapferes Verhalten mit oer ah. Velo« 
buna ausgezeichnet wurde. Im Juni 1853 
starb er als Major bei Hessen»Ca jsel ' Huf zaren 
Nr. 8. lTdiirheim (Andreas Graf) . Ge« 
denkblatter auii 2er Kriegsgeschichte der k< k. 
osterreichisch-ungarischen Armee (Wien und 
Teschen 1880, K. Prochiiska. Ler '8".) Bd. I I , 
S. 216, Iabr 1849.'" A - 0. Friedrich J o - 
seph, nebe dir besondere Biographie 2 . 1?5. 
— 4. Friedrich W i 1 h e lm cgeb. A 1 . April 
1830) . Der erst'eborene Sodn des Grafen 
Clemens August W i 1 h e lm aus dessen 
erster Ehe mit Kunigunde geborenen Grasin 
Aicholt. vermalte er sich am 3 Men t8ss: ! 
mit Aosine geborenen Grafin Czernin r»on 
Cljudenilz. i872 wurde er als Besitzer der 
Allodialberrschaf t Culm :n Bohmen zum 
lebenslanglichen Mitgliede des Herrenhauses 
ernannt. Nach dem Tode seines Vaters (lgs,») 
trar er in den GenuB des Fideicommisses und 

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Wurzbach55 . txt 
in die Rechte enrs erblichen Mitgliedes des 
preuBischen Herrenhauses , welche, wie er« 
wahnt, sein Vater niedergelegt hatte, Sein 
Familienstand ist aus der Stammtafel er» 
sichtlich. sThurbrim (Andreas Graf, . Die 
Reiter-Regimenter der k. k. osterreichischen 
Armee (Wien 4862. Gcitler. «" . ) Bd. 1 - 
„Kurassiere und Dragoner" 2 . 2«:;-, Bd. III-. 
„Uhlanen" S. I 1 9 . ) - a. Friedrich W i 1 - 
helm Ferdinand (geb 12. Detober 1780, 
gest. iv. April J3U9) . Der alteste Sohn des 
Mai 1887. j 12$ 

Katharina 178 Weftphalen. Wilhelm Clemens Angnst 
Zeitungsnachrichten zufolge im Fruhling 1867 
wieder zuriickkehren sollte, was jedoch nicht 
eingetreten zu sein scheint. Graf in Katha« 
r i n a gebar ihrem Gatten, wie es aus der 
Stammtafel ersichtlich, bisher vier Kinder: 
drei Tochter und einen Sohn. sPrrsse, 
1863. Nr. 12:t, im Feuilleton. — P r a g er 
M o r g e n post. 1864. Nr. 141. im Feuil' 
leton.- „Ein russischer Staatsstreich" . — 
F r e m den « B 1 a t t. Von Gust, Heine 
(Wien. 4".) 1807. Nr. 78. in der Rubrik.- 
„Theater und Kunst". — Portrait. Unter« 
schrift: Facsimile des Namenszuges: „.Na» 
trine Frieobcr A " . Gemalt von Pekhold, 
gest uon Auguste Hiissener. I n Baum» 
gartner's „Leipziger Modezeitung" s4").) 
- 7. Nudolf (geb. 2. Marz 184?). D A r 
alteste Sohn des Graftn Otto Franz 
Rhab an. irat er fruhzeitig in die kaiserlich 
osterreichische Armee und wurde <866 Lieu» 
cenant bei Kaiser Alcrander li.'iihlanen 
Nr. 11. Mit diesem Reg'.mentc stand er im 
FelOzug genannten Jahres gegen PreuBen in 
Bohmen und that sich so heruor, daB ihm die 
ad. Belobung fur sein ausgezeichnetes Verhalten 
zutheil ward. Graf Rudolf ist zur 
Zeit Oberlieutenani in der Neserue. — 
8. W i 1 h e lm Clemens August, siehe die 
besondere Biographie. S. 173. 

H 1 . Wappeu der Vraftn Westphnlen )u /iirttenberg. 
I n Silber ein rother Querbalken und 
iiber demselben rin schwarzer Turniertragen 
von fiinf Latzen. Devise.- ^niii < AI le aoi«, 
Westphalen zu Fiirstenberg, Wilhelm 
Clemens August Graf (k. k. General 
der Cavallerie, geb. am 13. Februar 
1818, gest. am A 1 . August 15583) . 
Der alteste Sohn des Graftn Io» 
seph Clemens aus dessen Ehe mit 
Elisabeth Grafin Thun-Hohenstein 
und Bruder des Grafen Friedr 
icd Joseph, trat er 1836 als 
Cadet bei dem 28. Inf anterieregimente 
Graf Latour in die kaiserliche Armee, 
wurde 183? Lieutenant im 1. Uhlanen- 
Regimente Herzog von SachsewCoburg, 
riickte in diesem 1841 zum Oberlieutenant 
und 1844 zum Rittmeister im 
damaligen 6. Dragoner>Regimente Graf 
Olafen < A 1 c >n < n 6 August W i 1 h e lm aus 
dessen erster (>zhe mit Antoinette Grafin 

Seite 266 



Wurzbach55 . txt 
Waldboil ' Bassenheim. trat er in die 
f. k. l'lrmee und fand als Hauptmann den 
ehrenvollen Soldatentod in der Schlacht bei 
Reaensburg ani 19. April 1809. I>n Juni 
1804 hatte er sich mit Elisabeth geborenen 
ChuN ' hossenstein vermalt, welche ihm zwei 
Sonne: Clemens August W i 1 h e lm und 
Otto Franz N hab an schenkte. Seine Nitwe 
ichritt am 29. April lkl? ;ur zweiten Ede 
»nit seinem Bruder Joseph Clemens, dem 
sie in 43jahriger gliicklicher Ehe drei Sonne 
und zwei Tochter gebar. — <» . Katharina 
lgeb, 2. Februar 1840,1. nach ihrer eigenen 
Unterschrift eine, geborene Friedberg, nicht 
wie sil? hie und oa genannt wird, Friedeh 
r r g , vermalte sick ain 13. November 1864 
nut dem Grafen Doj'eptj August, der bei Fiirst 
Franz Liechtenstein-Husaren AA , Rittmeister 
gedienl. seit 18«1 aber den activen Dienst 
verlassen hatte. Sie gehort einer wohlhabenden 
und geachteten Kaufmannsf amilie in 
Petersburg an und zeigle in friihester Jugend 
cm ausgepragtes choreographisches Talent, 
infolge dessen die (Vllern das dainala sechsjahrige 
Kind der kaiserlichen Balietschule in 
Ct . Petersburg zur Ausbildung iibergaben. 
Als sie zwolf Jahre alt war. brachte sie ihl, 
Vater Zu dem beriihmten Balletmeif ter G o s-> 
s e 1 in in Paris. Mit fiinfzehn Jahren erschien 
sie auf dem Pariser Theater im Ballet 
„Die Nachtwandlerin" . Dann trat sie in 
London zum ersten Male in A Huati-y 55ai. 
5ou5" auf, welcher Rolle iene der „Syl — 
phide" und „Armide" folgren. I n Parie 
und London feierte sie glanzende Erfolge, 
Nun kam sie an die Berliner Hofbiihne, wo 
sie in den Balleten „Des Malers Traumbild" . 
„Das schone Madchen von Gent". „Die 
Weiderkur" (in der Rolle der Grafin) und 
„Die Tochter des Banditen" einen Triumph 
urn den andern feierte I n letzterer Nolle ist 
sie auf dem Blatte Nr. 42 der bei Eduard 
Bloch in Berlin herausgegebenen Sammlung 
von Costumbilorrn in ganzer Figur 

dargestellt. I n der Folge kam sie ans Hostheater 
in St. Petersburg, von wo sie auf 
Gastspiele nach Deutschland ging. 18U3 und 
18t»4 tanzte sie im Hoflheater zu Nicn und 
im « A echischen Theater in Prag. im ersteren 
die Helena in „Robert", und die S a t a - 
n e 1 1 a Bald darauf ucrmalte sie sich mit 
dem Grafen Joseph August Westpha — 
1 r n und verlieB die Viihnr. zu der sie^ 
Westphalen, Nilhelm Clemens August s 79 Wclireicher 

Ficquelmont vor. I n diesem Truppen- j bei Koniggratz, wo er, 66 Jahre alt. 
korper machte er die Einnahme von Wien ! starb. Er war ein auBerst tiichtiger und 

im October 1848 und den Winter- und i als Vorgesetzter auch sehr beliebter Offi- 

Sommer-Feldzug in Ungarn 1849 mit-j cier voll kaustischen Witzes, 
in der zweiten Schlacht bei Komorn am ! 
11. Juli that er sich durch eine ebenso 
b u r b e c m <An5 
Regimenter der k. 

Seite 267 



Wurzbach55 . txt 

Kii A asM're und Dr, 

k. 

ler, 

is >Araf ) , Dl ' . ' 

osterreichlschen 

gr, , >", ) Bd. I 

Reiter A 

Armee . 

zweckmaBige als entschlossene Vorruckung Die 

mit fiinf Ziigen hervor, wodurch eine! 

hartbedrangte Abtheilung seines Regi° ! Nestreicher . Engelbert <Bildhaner, 

melits vor unvermeidlicher Vernichtung A , geb . zu P f u n d s im Dderinnthal, 

gerettet wnrde. I m Herbste 1832 zum 

Major im 3. Kurassier-Negimente Kaiser 

gerichtsbezirk Nauders, am 20. Septem» 

der 1823) . Nachdem er in seinem Ge> 

Nicolaus, im November 1837 zum ! b' A rtsorte Pfunds und spater zu Imst 

Oberstlieutenant bei Kaiser-Kiirassieren > die Volksschule besucht hatte, trat 

er . 

Nr. 1 und im Marz 1839 zum Obersten A 12 Jahre alt, zu dem in Tirol gut de> 

und Commandanten des damaligen ! kannten Bildhauer Franz Nenn A Band 

10. Manen - Regiments Graf Clam-> XXV, Z. 290, Nr. 2 A > in die Lehre. 

Gallas befordert, wurde er 4866 bei 4843 ging er nack Miinchen, wo er 

Ausbruch des Krieges gegen Preufien , zuerst in das Atelier E n d e r s , dann in 

Generalmajor und Commandant einer A jenes der Professoren O'onr. Eberhard 
aus den beiden Huszaren-Regimentern i und Petz kam, dann aber die konigliche 
Nr. 6 und 'Nr. 14 formirten Brigade in ! Akademie bis zum Jahre 1848 besuchte, 
der zweiten leichten Cavalleriedwision i dabei seinen Unterhalt aus eigenen Gi> 
Hurst Emmerich Thuni ' Taxis und machte A sparnifsen bestreitend, da er von Haus 
mit dieser die Schlacht bei Koniggratz i aua mittellos war. Hierauf arbeitete er 

und den weiteren Riickzug nach Mahren A im Atelier S i k i nge r und uon 1830 ab 
und Niederosterreich mit. Am 30. October ! in jenem des Professors Michael S t o 
1 z 
1870 riickte er zum Feldmarschall-Lieute ! A Bd. XXXIX, S. 174 A zu Innsbruck, 

nant und Commandanten der zehnten! Daselbst griindete er sick bereits im fol 

Inf anterie-Truppendivision zu Josephe! genden Jahre sein eigenes Heim, iiberstadt 

in Bohmen auf. I m Jahre 1878 > siedelte aber— entweder aus Mangel an 
mit dem Charakter eines Generals der Bestellungen oder aus anderen Griinden. 
Cavallerie penfionirt, erhielt er in Aner-! doch zum Bedauern der Innsbrucker 
keunung seiner langjahrigen ausgezeich- ' , Kunstfreunde — im Jahre j 8 3 7 nach 
neten Dienstleistung das Commandeur- Linz, wo er sein eigenes Atelier eroffkreuz 

des k. k. osterreichischen Leopold- nete, ein Haus und 187? das Biirgerordens . 

Seit 4. December 1866 war z recht erwarb, gegenwartig schon 16 Jahre 

Graf W i 1 h e lm Westphalen mit der das Amt eines Armenvaters bekleidet 

Conteffa Natalie Cassini vermalt, und zur Stunde nocb fleiflig seinem Be A 

aus welcher Ehe auBer Elisabeth, die rufe lebt . Aus dem Atelier des 

Kiinstlers 

jung gestorben ist, noch zwei Tochter: gingen bis heute 9? groBere und kleinere 

1 g a (geb. 1869) und Therese (geb. A Altare, 26 Kanzeln, zwei groBe Orgel A 

1871) stammen. Die letzte Zeit seines ! gehause und mehrere Hundert Figuren 

Lebens verbrachte der Graf zu Nedelischt ! und Statuetten hervor. Etwa zwanzig 

12*^ 

Meftreicher 180 

Altare, vier Kanzeln und die beiden 

groften Orgelgehause sind nach Entwiirfen 

des Bauleiters der Votivkirche in 

Wien, Professors Ritter von Riewel, 

ausgefiihrt, alle seine iibrigen Arbeiten 

aber nach seinen eigenen Entwiirfen, 

Seite 268 



Wurzbach5 5 . txt 
denen man gute Comvosition, Reinheit 
des Styls, geschmackvolle tuchtige Durch< 
fiihrung, vor Allein auch kirchliche Auffassung 
nachruhmen kann. Westreicher 
genieBt den Ruf eines tiichtigen Kunstlers 
weit liber die Grenzen der seit langer 
als dreiBig Jahren bewohnten Arbeitsstatte . 
Freilich kommt er als katholischer 
Kunstler in deutschen Werken iiber Kunst 
nicht vcr. Von seinen bedeutenderen 
Arbeiten nennen wir den Votivaltar und 
das Orgelgehause der Votivkirche in 
Wien, Hochaltar, Seitenaltare und Kcmzel 
in Petersdorf bei Wien, ebenso die 
Hochaltare, Seitenaltare und Kanzeln in 
Waidhofen an der Ibbs . in Neuhofen 
bei Ulmerfeld, in Weistroch und BeHainberg 
in Niederosterreich; den Hochaltar 
und die Kanzel zu Schonau bei TepliB 
in Bohmen, den Hochaltar zu Perg bei 
Mauthhausen in Oberosterreich, Hochaltar 
und Kanzel zu Schondorf bei 

Voklabruck, jenen zu (5sternberg im 5nnviertel 
und den Hochaltar zu Szegedin in 
Ungarn. Von f iguralischen Arbeiten des 
Kunstlers sind uns leider nur wenige, 
aber sehr anmuthige bekannt : so ein auf» 
erstandener Heiland, den er kurz vor 
seinem Abziige von Innsbruck (1837) 
vollendet hatte, dann zwei Apostel und 
eine Statue der Immaculata fur das 
Kirchlein in Puchenau (1864) und eine 
aus dem betenden Christus, dem am 
Felsen sitzenden Apostel Petrus und den 
schlafenden Johannes und Iacobus bestehende 
Oelberggruvpe, welche der 
Kunstler im Auftrage einer Frau in 
Obernoerg 1863 ausgefuhrt hat. Im 
Tiroler Landesmuseum (Ferdinandeum) , 
welches sich die Aufgabe gestellt, jeden 
Kunstler der Heimat durch ein und das 
andere Werk in der Sammlung vertreten 
zu sehen, ist von Westreicher eine 
Gypsf tatuette vorhanden, welche den 
„K6nig David, die Harfe spielend", 

a t t e r (Linz. 4 " ) 1864. 

irolundVor . 

122: „Kunst". - 

. 1863. Nr. 48. - 

cheNotizen, welche ich 
der liebenswiildigen Bereitwilligkeit des Ma» 
lers und Museak-ustos m Linz. I . M . Kai» 
s e r , verdanke. 

Weszdin, auch Wczdin. Johann Philipp, 
siehe: Vllrtholomiio, Paulinus 
a Sto. j"Vd. I, S. 

Als Nachtrag zu den dort angegebenen Quellen 
noch folgende: Hormayr (Ios. Freiherr) . 
Oesterrcichischer Plutarai... (Wien 1807 u. f.. 
«".) Bd. XVI I I , T. 24 :i. - Hormayr ' s 
(Muhlfeld) Archiv (Wien. 8".) 1829. 
Nr. 8 und 9. — Bergmann (Joseph) . 
Vstege der Numismatik in Oesterreich durch 

Seite 269 



darstellt . 












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Nr. 32. - 


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Wurzbach55 . txt 
Private... bio zum Jahre 1802 (Wien. 8".) 
IV. Abthlg. . S. AI . -Graffer (Fmnz). 
Wiener Doscnstiickc u. s. w. (Wien 1832, 
Grofi . 8".) Bd. 11, S. 197 : „Der groBe 
Karmeliter" ; T. 201: „Zwei Sendschreiben 
im Ausziige, den aroBen Karmeliter betref« 
fend". — valiiea. k r v kta ku, , 1843, 
Nummer 46. — Portrait. Gestochen von 
I. Blaschke («",), 
Weszpremi, Stephan (Arzt und 
Fachschrift st e 1 1 e r , geb . zu Weszp 
r im in Ungarn ain 13. August 4723, 
gest. am 13. Marz 1799). Seine Eltern, 
angesehene Burger in Weszprim, erreich« 
ten ein hohes Alter, der Vater 95 Jahre, 
und die Mutter war 1778, 80 Jahre alt, 
noch am Leben. Stephan kam 1732 in 
die reformirte Schule zu Papa, 1739 
aber nach Oedenburg, wo er bis 1743 
verblieb. Nun ging er nach Neusohl, 
aber schon in wenigen Monaten nach? 
181 

Debreczin, wo er bis 1732 auf das eif« 
rigste den Studien, die auf die arztliche 
Laufbahn abzielten, oblag. I m letztgenannten 
Jahre fiihrte er seinen Gnt» 
schlufl, auf auswartigen Hochschulen seine 
Bildung zu vollenden, aus und reiste vo» 
erst nach Zurich, wo er ein Schliler des 
beruhmten I . Gesner wurde. Nach 
anderthalb jahrigem Studium daselbst be« 
gab er sich nach Holland, besuchte dort 
einige Universitaten und ging dann nach 
England, wo er zu Oxford und Cam» 
bridge die offentlichen Vortrage liber 
Arzeneiwissenschaf t horte. AuBerdem nahm 
er dort noch einige Pnvatcollegien und 
studirte fleiBig in den Bibliotheken die 
wichtigsten Werke iiber seine Wissenschaf t . 
Bei dem beruhmten S m e 1 1 i e bildete 
. er sich theoretisch und praktisch in der 
Geburtshilf e, besuchte auBerdem die Spitaler 
und lieB keine Gelegenheit unbe» 
niitzt, urn sich in die verschiedenen Disci« 
plinen seiner Wissenschaft zu vertiefen. 
Am 45. J u 1 i 1736 erlangte er zu Utrecht 
die arztliche Doctorwurde, bei welcher 
Gelegenheit er die „ 
ad Kkonuna 1736, 4 ^ . ) herausgab, 
welche die Aufmerksamkeit in 
Fachkreisen so erregte, dafi sie wieder 
abgedruckt und von Morgagni mehr» 
mals lobend citirt wurde; aber frtiher 
schon, noch wahrend seines Aufenthaltes 
in London, hatte er ein „ A A a m e w cis 
«'noeu?H«HH /s >ss/s", auch eine als ganz 
tiichtig bezeichnete Arbeit (London 1733, 
80.), verof f entlicht . Nach in Utrecht erlangter 
Doctorwurde kehrte er in sein 
Vaterland zuriick und unterzog sich 1737 
auf Anordnung der Statthalterei zu 
PreBburg abermals einer strengen Priifang 
aus alien Theilen der Arzeneiwif f enschaft 
und erst, als er diese oura lauas 

Seite 270 



Wurzbach55 . txt 
iiberstanden, wurde er zur of f entlichen 
Praxis zugelassen, welche er zu Debreczin 
und in der Umgebung nunmehr ausiibte. 
Alsbald erwarb er sich durch seine Umsicht 
und Geschicklichkeit als Arzt einen 
so ehrenvollen Ruf, dafl ihm die Kaiserin 
Maria Theresia 1767 eine mit ihrem 
Brustbilde geschmiickte groBe goldene 
Medaille verlieh, deren Werth auf 
2000 f 1 . angegeben wird. Anfangs April 
1767 wurde er vom Magistrat der Stadt 
Debreczin zum ordentlichen Physicus 
derselben ernannt. Als 1770 Kaiser 
Joseph I I . Ungarn bereiste und am 
18. Mai sich in Debreczin aufhielt, beschied 
er Weszpr A mi zu einer langeren 
Audienz, iiber welche Baldingerin 
dem in den Quellen genannten Werke 
nahere Auskunft ertheilt. I n seiner 
Stellung als Stadtphysicus von Debre« 
czin starb unser Arzt im Alter von 
76 Jahren. Aufier den bisher angefiihr» 
ten Dissertationen verof f entlichte er, und 
zwar als Senior des Collegiums der 
Schweizer Conf essionalen in Debreczin : 
d. i. Geschichte der ungarischen christlichen 
Konige in Versen (Wien 1732) ', — 
(ib. 

an", d. i. Lehrbuch der Hebammen» 
kunft. Nach Frank (Debreczin 1766); 
1732, l A ol. ) ; - „H<2 
a s ....", d . i . 

Kurzer Unterricht iiber Erziehung kleiner 
Kinder u. s.w. (Klausenburg 1760, 8".); 
.ip5i. A 1774, 8". , 208 S . ) ; 
I I , k^ra prior IViknnak 
1778, 221 L.); ?g.rs P03t6ric»r (id.¥ 
482 Metsch 

, ? 1 S.),- ("elituria III. 
et . I I (id. 1787. 328 S., nuni innlti8 
nuiunii8 3.61-i ii^oisis) . (5in heute ebenso 
seltenes als noch immer werthvolles 
Werk, mit Recht als Weszvromi's 
Hauptwerk bezeichnet; — „ Aas A a smisTH 
6' s ' s sis' s 's",d. i. Buch fur den Land» 
Wirth, 2 Hefte Mausenburg 1764, 8".), 
dies erste iiber diesen Gegenstand in Ungarn 
erschienene Werk ist eine Uebersetzung 
der englischen Schrift von Eduard 
nos A /??ie? A 6c A 6s 6 A . . . A d. i. Ungarn in 
fiinf besonderen Betrachtungen (Prefibiirg 
4793, 8"., 138 S.), diese fiinf Ab> 
Handlungen betreffen die ungarische K6« 
nigskrone, das Koniginwaf ser , die alteste 
ungarische Grammatik, das selfsame Geld 
der alten Konige Ungarns und die Aerzte 
der alten Magyaren; — „ A « A ns I>a) !- 
8, 8 A ., 33 S . ; eine neue, mit einer 
lateinischen und zwei magyarischen Bei» 
lagen vermehrte Anflage erschien in 
Petersburg 1799, 92 Seiten) ; in den 
allergn. priv. „Anzeigen aus sammtlichen 
k. k. C ' lblandern" , herausgegeben von 
einer Gesellschaft (Wien 1771 — 1776) 

Seite 271 



Wurzbach55 . txt 
verof f entlichte Weszpr A mi „Zweifel 
wider die Existenz des vegetabilischen Goldes 
in Ungarn"- M . Jahrg., S. 78" 
und „Nachricht von den Aerzten unter 
der Negierung des Konigs Matthias 
Corvinus " slV. Jahrg., S. 89" und 
in dem von Wind isch herausgegebenen 
„Ungrischen Magazin" (Pceflburg 1?81 
u. f., 8".): „Von ungarischen Ueber» 
setzungen der heil. Sckriit. Alls dem 
Lateinischen ubersetzt" M . I I I , S. 491 
u. f.">. Mehreres hat der gelehrte Arzt in 
Handschrift hinterlassen, darunter . eine 
Unterweisung iiber alles zur Impfung 
Erf orderliche, nach dem Original des 
englischen Arztes lac. Burg er ins 
Lateinische ubersetzt und von diesem durch, 
gesehen; und eine Abhandlung iiber die 
in der Debrecziner Gegend beobachtete 
Seuche der Schafe. Weszpromi gait 
nicht nur in seinem engeren Vaterlande 
fur einen ausgezeichneten Arzt, sein Ruf 
ging weit hinaus iiber die Grenzen des ' 
selben; bei van S w i e t e n stand er in 
groBer Achtung. 

Valdinqrr ( (Knist Gottlieb) . Biographien 
jektledmder Aerzte und Naturf orscher in und 
auBer Deutschland (Jena 1?<>8 u. f.. Har> 
tung. 8".) Stuck 4. S. t7o. - Heck er 
( I . F. (5- Oi-.) . Geschichte der neueren Heil> 
kundo (Verlin lu A U. ssnolin. 8".) S. 451. 
"81. " "o,'ii,!.'/i ".'l/e"/ii". Hlemoi'ia. Huil' 
xln-uruln ec I"i-ovilici"liuin Leri"tis s6iti8 
uaturum <:1". (poa"nii 1777, I"oc"vs, 8".) 
win. Ill, !>. A ' ; 1> — : »ti4 . — Literarischer 
'Anzeiger (Vestk 17!)i)) Nr. 17. - (De 
Luca) . Daii gelehrte Oesterreich. Ein Ver» 
such. Des ersten "andeS zweites Stiick (Wien 
1778. Hrattner. A r. 8".) S. 252-257. - 
i n 

1>. 25, 228. -" "s, u. A A a. r i i- n !c. "lstr"'2- 
, "> 'ii"t, «ln"ll" . <3) -ii. i> . l»lc li'u i'o 11 ux )- A : ) . ku . d 
saQunioliic »liix«" d. i. Nnaarische 
Schrif tsteller . S"mmlung ulln Lcbensbeschrei« 
bungen Von Jacob Ferenczy und Joseph 
Tanielik . Zweiter den ersten erganzender 
Band (Pestd 18o8. 8".) T. 375. - N i- 
6/.eto 1472-1«75. Kt ' "/ . it , ottek tt/.inn)'el 
"lo5:8ol (Vater) s-, Dr. 5"lnii>ol "6x8«f 
(Sohn) (Budapest!) 1878. schm. 4".) Sp . 8117, 
Weteschnik lWete8nik) , Franz, siehe: 
Oetesnik, Franz sBd. 1., S . 228". 
Wetsch, Ignaz (Arzt, geb . zu 
St . Florianin Qberosterreich am^ 
Wetsch 183 Mebei) Iolmim.N 
30. Juni 1737, gest. in Moskau am 
22.. nach Anderen am 24. Marz 1779). 
Er besuchte an der Wiener Hochschule, 
auf welcher, er sich der Arzeneiwissenschaf t 
widmete, die Vortrage von (5 r a n z 
j M . I I I , S. 23", de Hai-n sBd. VII. 
S. 176" A. Storck sGd. XXXIX, 
S. 117" und Anderen bis zum Jahre 
1763, in welchem er theils seiner Kranklichkeit , 

Seite 272 



Wurzbach55 . txt 
theils wissenschaf tlicher Zwecke 
wegen eine Reise nach Italien und 
Frankreich unternahm, besonders aber, 
urn sich iiber die organische Puis lehre 
zu unterrichten . Es hatte namlich die damals 
durch Franz Solono de Luques 
aufgestellte neue Pulslehre mit den drei 
Pulsarten pulsuz, 6, i<irot , U8 , inwrmitt 6Q8 
und inoiauuL unter d.>n Aerzten 
einige Bewegung hervorgebracht und 
war selbst von van S w i e t e n beachtenswerth 
gefunden worden. Als dann der 
franzosische Arzt Theophile de Bordeu 
sogar Pulse fur einzelne Organe auf» 
stellte, gerieth denn doch de Haon aus 
seinem Gleichmuth und zog gegen Bor» 
deu zu Felde, und da unternahm 
de Haen ' s Schiiler Wetsch die oberwahnte 
wissenschaf tliche Reise, urn sich in 
Frankreich iiber diese neue Entdeckung 
der Wissenschaft bei Fouquet in Moutpellier, 
bei Michel und unmittelbar bei 
de Bordeu in Paris zu unterrichten. 
Nun versuchte es unser Gelehrter in 
einem besonderen Werke — die Titel der 
Schriften folgen weiter unten — die 
falsche Richtung dieses ganzen Strebens 
selbst durch Abbildungen anschaulich zu 
machen, wozu sich noch der Ausspruch 
der Pariser Facultat gesellte, welche iiber 
de Bordeu 's Pulslehre ein ungiinstiges 
Urtheil fallte. Nach seiner Riickkehr iibte 
er einige Jahre die Praxis in Wien aus, 
begab sich aber dann nach Rutland, wo 
er endlich am 19. October 1776 dem 
1 Rufe als Professor der Pathologie und 
Physiologie nach Moskau folgte; aber 
nur kurze Zeit war es ihm vergonnt, in 
A dieser neuen Stellung zu wirken, da ihn 
' schon nach dritthalb Jahren der Tod 
dahinraffte. I n Druck sind von Wetsck 
nur wenige Schriften erschienen: „!>/"- 
5 1763, K" . ) ' - ,M5 krstrittene 
Vururtheil in zmci Authrilnnssrn, dir 
A (1-inptrapf unss der Uinderpllckrn niit> kic Neerdi- 

> M g dir kokten in den Kirchen und Stadten ne- 
' treffend. Hn2 dem Frainosischrn iiberseht und 
i mit einer Vorrede herausriicken" sebd. 1764, 

! 4 A . ) ' , - A Hsscl/c/ A « e.? F?i/sn s/vs 
A 1770) 8 A .) und A A e rom/ A i /nl'ss/1'nc) ' 
! i 7 7 1 , 80.) . Beziiglich des Werkes iiber 
1 den Puis bemerkt ein Fackmann, 

v 1 - . Hecker, daB dasselbe nicht ohne 

einseitige Vorliebe fur diesen Gegen» 

stand und mit sichtbarem Mangel an 

> Kritik geschrieben sei. I g n a z Joseph 
Wetsch erscheint auch mit nur einem 
Taufnamen: Joseph Wetsch auf« 

! gef iihrt . 

(I"e Luca) . Tas gelehrte Oesterreich. Ein Ve» 
such (Wirn 177«. von Trattner. 8".) I. Bds . 
2. Stuck. 2eitr 237. - Mensel (Jod. 
Geor.4) . Lerikon der vom Jahre 1?51> bis 
A 181)0 verstorbenen teutschen Tckrif tstellkr 

Seite 273 



Wurzbach55 . txt 

(Leipzig 1816. Fleischer der Iiinc-rre, 8".) 
Bd. XV, T, «6, 
A Johann, siehe: Wetzel A in 
Wetzel, auch Nezel, Johann Karl. 
Wir haben es hier nur mit zwei gleichzeitig 
lebenden Personen mit gleichen 
Taufnamen, aber mit einem Ratten» 
schwanze verschiedener Schreibungen des 
A Familiennamens : Wetzel , W e z e 1,^ 
Metzel, Johann Karl I. 184 Wetzet, Johann Karl I . 
Wotzel, W 6 z e 1 , Wezl zu thun. Beide 
Namenstrager stehen zu Oesterreich in 
einigen nur voriibergehenden Beziehungen. 
Der wichtigere und auch interes» 
sanwe ist Johann A a r 1 I . Wetzet lgeb. 
inSondershailsen am 31. October 
1747, gest. daselbst am 28. Janner 
1819) . Nachdem er in Leipzig, wo er mit 

(Kellertin einem Hause wohnte, die! die milde Nrttq, mei 
Rechte beendet hatte, wirkte er einige i (i779) und „Hermann nuttNlrike", 4 
Bande 

Zeit als Erzieher in adeligen Familien, ! (1780) fanden zu seiner Zeit dankbare 
machte mit einem seiner Zoglinge groBere und zahlreiche Leser und auch Gnade 
tung hat er nicht gewohnliches Talent ge» 
zeigt. Die Romane : „NbenZgrZchichte Tn- 
Inas Unant ' 5 de°> Weizen A 311N2t der Stammler 
genannt", 4 Bande (1773 u. f.), fur dessen 
Verfasser sogar von Einigen Wieland 
gehalten wurde, dann : „Nelplirgor oder die 
VuhrLchunlichZtr Geschichte unter der Zaune", 
2 Theile (1776); - „Peter Markz und 
Reisen und lebte dann abwechselnd in 
Leipzig und Wien als Privatgelehrter . 
vor der Kritik. Noch sei bemerkt, daB 
Wetzel mit dem philosophischen Schrift- 

I n letzterer Stadt als Theaterdichter be> steller Or. Ernst Platnerin 
eine Poschaftigt, 

soil er sich der Gunst des Kai- > lemik gerieth. Die Wirksamkeit unseres 
sers Joseph erfreut haben, . I n der! Schrif tstellers in Wien, wo er, wie oben 
That hat Wetzel als dramatischer Dichter! gesagt, Jahre lang als Privatgelehrter 

zu seiner Zeit nicht Unerhebliches geleistet, und damr als Theaterdichter lebte, 

sowie 

Schon 1772 verof f entlichte er das dra 

matische Gedicht „Filibert und 

das aber unbeachtet blieb, nicht so das 

funfactige Trauerspiel „Ner Orat nnn Nikhnm" . 

welches 1774 im Druck erschien. 

Der Dichter, der damals 27 Jahre zahlte, 

zeigt in diesem Stiicke, daB er Shakespeare 

fleiBig studirt und daB Goethe's 

„G6tz von Berlichingen" nachhaltigen 

EinfluB auf.ihn geiibt habe . Doch wendete 

er sich — da das groBe Publicum 

der ernsten Muse immer weniger hold, 

oder weil er in sich die komische Ader 

starker pulsiren fuhlte — dem Lustspiele 

zu und hat uns in vier (bei Dyck in 

Leipzig 1778—1787 erschienenen) Ban» 

den funfzehn Stiicke hinterlassen, von 

denen das eine und das andere bei ge» 

schickter Anpassung auf die heutige 

Biihnenart noch immer giinstige Aufnahme 

finden konnte. Sein komisches 

Seite 274 



Wurzbach55 . txt 
Nachspiel „Wildheit und Hrll55mnth" (1784) 
ist sogar ins Franzosiscde uberseht und 
in Paris mit Beifall aufgefuhrt worden. 
der Umstand, daB ihm Kaiser Joseph 
seine Huld zuwandte, hatten denn doch 
schon einen Forscher in der Wiener 
Cultur- und Literaturgeschichte bestimmen 
sollen, den Dingen genauer nachzugehen 
und uns Naheres iiber Wetzel, dessen 
tragikomisches Ende auch psychologisches 
Interesse darbietet, zu berichten. Wetzel 
verfiel namlich aus hochmuthiger Selbstiiberschat zung, 
in der er selbst seine Mutter 
verleugnete, bald nach seiner Riickkehr 
nach Leipzig in eine Gemuthskrankheit , 
welche urn 1786 in ganzliche Geisteszer» 
riittung iiberging. I n diesem traurigen 
Zustande floh er die menschliche Gesellschcif t , 
liefi sich Nagel und Bart wachsen, 
hielt sich fur einen Gott, und gab den 
von ihm verfafiten Schriften den Titel: 
„0p6ra aoi /s V62eM" . So lebte der 
Ungliickliche noch voile 33 Jahre in seiner 
Vaterstadt Sondershausen und wahrend 
seiner Krankheit, in der er bis zu seinem 
im Alter von 72 Jahren erfolgton Tode 
von seinen Angehorigen und wohlthati» 

Auch auf dem Gebiete der Romandich- gen Menschen unterstiitzt wurde, schrieb^ 
Mehel, Johann Karl I I . Webel, Johann Karl I I . 
erdie„Werke des Wahnsinns nun W r z e 1 dem 
chattmenschen" , welche auck den Nebentitel 
fuhren: „ Gott We A e l's Huchtrnthe des Wen- 
Scheu yrZchllchtes " 4Bandcken und sogar lEr» 
furt 1804) gedruckt erschienen sind! Von 
einer Auffuhrung der zahlreichen Schuften 
Wetzet's konnen wir umso eher Umgang 
nehmen, da sie fur Oesterreich be» 
langlos sind und er eben nur als Wiener 
Theaterdichter in Betracht zu ziehen war. 
Bemerkenswerth aber erscheint es, dafi 
Laube, Wolfgang M e n z e 1 , Rudolf 
Gotisch all ihn gar nicht kennen und 
nurGoedeke in seinem „Grundrifi> zur 
deutschen Dichtung" (Bd. I I , S. 68t, 
Nr. 487) ihm jene Aufmerksamkeit zuwendet, 
die er unter alien Umstanden 
verdient. — Vin anderer nicht minder 
eigenthumlicher Kauz ist Johann Karl I I . 
Wetzel. Dieser Schriftsteller (Ort und 
Jahr seiner Geburt ist uns unbekannt) 
lebte lange Zeit, wie unser Gewahrsmann 
G r a f f e r berichtet, von 1812—1833 in 
Wien, worauf er nach Jena zog. I n 
ersterer Stadt schlug er sich noch durch, 
in letzterer aber verfiel er in arge Noth ' 
und soil daselbst schon das Jahr darauf, 
1836, in klaglichster Hilf losigkeit gestorben 
sein. Graffer, in dessen Verlage 
Wetzel's letztes Werk erschien, entwirft 
von dem Manne, der zu jener Sorte 
Menschen gehort, die Biicher schreiben, 
mit denen sie Hausirhandel treiben, nur 
urn zu leben, ein wehmiithiges Bild. Der 
Autor trug seine Biicher von Haus zu 

Seite 275 



Wurzbach5 5 . txt 
Haus zum Verkauf. Aufsehen erregte 
seine Schrift: „Meiner Gattin wirkliche Gr- 
Zcheinnng nach ihrem Ende . <bine mahre unlangst 
erfolgte Geschichte", welche innerhalb eines 
Jahres, 1804/1803, vier Auflagen erlebte 
und mehrere Schriften fur und 
wider zur Folge hatte. Bevor er nach 
Wien gekommen, hatte er in Leipzig eine 
stattliche Reihe philosophischer Schriften 
(Anthropologie Psychologie, philosophische 
Propadeutik, Metaphysik u. s. w.) 
herausgegeben . Wahrend f eines Aufent« 
Haltes in Wien betrat er praktischere Gebiete, 
und die Titel seiner daselbst heraus« 
gegebenen Schriften sind: „Grundriss einer 
pragmatischen Geschichte der Nerlamatilln und 
der MnZiK, nach Fchacher's Adern" (Wien 
1814. Mosle, gr. 8".j- — „iwur Grundri5S 
einer derlalnatalisch-challlkteristischln Statistik 
und Physiognomik aller gllMrtrn stauten 
und V'alker, nach Schach rr'5 Zttteu" (ebd. 

1813, Mosle, gr. 80.); - „Unmittelbare 
pruktizche Neclamirschnle uiier Zusmahl der 
schonsten Hellichte erhabenen und traurigen I n - 
Halts, so charakterisirt und br;eichnet, t>255 sie 
iillch ahne Vorbereitung sogleich gut abgelesen 
werden konnen" (ebd. 1817, 8".); — 

„<Brmdri55 eines allgemein Wtert5511nten nmfafllichen 

Lehrgebaudes oder System der Verlamatilln 

und Mimik mit Inmendung ihrer Oesehe 

auf Musik, Poesie, Gper. P antu mime unll Ballet" 

(ebd., 2. Aufl. 1817; die erste erschien 

1814, 8".); — „Versuch einer nollig zweckm ' a55igen 
Cheatrrschnle oder der rinsig richtigen 

UunZt nnil Methode, unllkammener Nnnstschan- 

Spieler, Opernsanger, Pantomime und Nallettailzer 

in hoherem Grade und in Kurprrr Zeit zu 

Werden, als auf dem bisherigen N3ege" (ebd. 

1818, 8".) ', — „Ichiine Vnrlesekunst kiir 

uiie gebildeten Persunrn beiderlei Geschlechtes " 

(2. Aufl. 1817, 8 A .). Man sieht diesen 

Schriften, deren Titel vollige TrompetenstoBe 

sind, schon den Hunger ihres Ver« 

fassers an, der urn Gottes Willen doch 

auch leben will. SchlieBlich gab er unter 

dem Pseudonym Frei mund Wolter 

das „Handbuch einer Nninerzalhistarie nder eine 

wirklich pragmatische Gezchichte der Menschheit" 

(Wien 1820, Graffer, gr. 8?.) heraus, 
wovon aber nur der erste Band erschienen 
ist. Was den in den Schriften Wetzel's 
wiederholt angefiihrten Schocher betrifft, 
den Graffer einen „beriihmten£ 

Metzel, -Franz Joseph 186 Metzel (Oberstlieutenant ) 
Aesthetiker" nennt, so war derselbe Privatgelehrter , 
der auBer ein paar kleineren 
Schriften auch eine „Todrenfeier Leopolds 
II." iLeipzig 1792, gr. 4".j herausgegeben 
hat and am 9. Marz 1840 

gestorben ist. Graffer meint, Wetzel 
habe eine Partie der Manuskripte Sck ocher's 
— iiber den wir ijbrigens weiter 
nichts erfahren konnten — an sich bekommen. 
I n Deutschland schrieb sich 

Seite 276 



Wurzbach55 . txt 
Johann Karl I I . Wetzet mit e, in 
Wien mit 6 (Wotzel) . 

Becker ( I . N.) . Wezel seit seinem Aufenthalt 
iti SonderLbausen (Erfurt 1799. 8".) - 
B r u m ul er (Fran;) . Deutsches Dichterlerikon . 
Biographische und bibliographische Mitthei« 
lungen iibcl deutsche Dichter aller Zeiten 
(Eichstatc und Stuttgart 187?. Krull. 4".) 
S. 496. — Iordenii ( . A arl Heinrich) . Le< 
rikon deutscher Dichter und Prosaisten (Leip-. 
zig 180« u. f.) Bd. V, S. :: A »2-343. - 
Kurz (Heinrich) . Geschichte der deutschen 
Literatur mit ausgewahlten Stucken aus den 
Werken der vorzuglichsten Schrif tsteller (Lcip» 
zig 1839, Teuvner schm. 4".) Bd. Ill, 
S. "0U b. "73 ii.. A )81 A . 304 d. 307».. - 
Reichsanzeiger , 1799 im J u 1 i : „Auch ein 
Wort iiber Wczel. Von Oratec" . — (Wigand's) 
Konversation A « A ierikon. Vd. XV, 
S. 186. — Zeitung fur die elegante Welt, 
1803. Nr. 49. 

Die Freiherren Wetzet uou Marsilien. Noch sei 
in Hiirze dieser f reiherrlichen Familie gedacht, 
aus welcher niedrere Sprossen im kaiserlichen 
Heere mit Mrrn den Degen fuhrten. Die 
Wckcl von Marsilien oder Netzel. wie 
sie spater einfach sich schrieben, sind eine 
elsassische Familie und waren in der Stadt 
StraBburg seflhaft, wo ihre Sprossen oft 
hohere Stadiamter — als SchultheiBen . 
Sradtmeister — und Kirchenwiirden — als 
Domherren, Dechanten u. dgl . — bekleideten. 
Das Geschlecht erlangte von Kaiser Leo« 
p o 1 d I. die f reiherrliche Wiirde. Fur dieses 
Werk haben Interesse: 1. Franz Joseph 
Freiherr von Wetzel (gest. 1720) . Derselbe 
war bereits zu Beginn des achtzehnten Jahr» 
Hunderts im spanischen Erbf olgekriege Oberst 
und dann General bei der Armee in Italien, 
wo bei mehreren Gelegenheiten sein Name 
ehrenvoll genannt erscheint; so 1702 bei der 
Wiedereroberung der Citadelle in Modena. 
17U6 bei der Vertheidigung von Bersello. 
1?1)7 bei der durch einen gliicklichen Uederfall 
bewerkstelligten Einnahme der Festung Gaiita 
und durch Eroberung der Festung Orbitello; 
1708 bei der Einnahme der Festungen Porto 
Longone . Porto Hercule und Piombino fur 
Karl, damaligen Konig von Spanien, nach, 
maligen deutschen Kaiser ( K a r 1 V I ) . Im 
Jahre 1712 befand er sich bei der Armee in 
Spanien und versuchte es. der Festung Rosrs 
in Katalonien durch einen Handstreich sich zu 
bemeistern; aber der franzosische Lieutenant 
Franko, welcher mit der in der Festung befind» 
1-chen f rancospanischen Garnison einen Auiifall 
unternawu. Mang il A n nach einem dart« 
nackigen (Hefcchte zum Riickzug und vereitelte 
den Plan des Generals. Dann wendete 
dieser sich gegen die Stadt Gironne. deren 
sich im Vorjabrc die Franzosen bemachtigt 
hatten, und sckloB sie mit einem (Horps von 
8000 Mann ein. Schon herrschte in der 
Stadt, welcher cr alle Zufuhr von Lebens 

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Wurzbach5 5 . txt 
mitteln abgeschnitten hatte, fiihlbarer Mangel, 
als noch rechtzeitig der Herzog von Verwick 
mit einem Entsal . cheere anriickte, das den Ge< 
neral zum Al^uge zwang. Nun kelu-te 
Wctz.el. der mittlerweile zum Feldzeugmnster 
ernannt worden war. nach Italien zuriick und 
ijbernahm das lsommando der Truppen in 
Neapel, wo er aber bald darauf starb. Schon 
1703. nocl) als Oberst, hatte Weftcl die In« 
haberstclle des 1». Inf anterie-Regiments, 
heute GroBfurst Konstantin, erhalten; zwei 
Jahre spater vertauschte er sein Regiment 
mit dem 42.. gegenwartig Ernst August Her» 
zog von Ciumderland. sThurheiiu (Andreas 
Graf) Feldmarschall Otto Ferdinand Graf 
von Abenoperg und Traun 1677—1748. Eine 
militarisch ' historische 3edenaskizze (Wien 1877, 
Vraumullcr, gr. 8<>.) S. :114.) - 2. Aufier 
dem eben angefiihrten Feldzeugmeister ist 
Oberst Karl Freiherr von Weftel zu er» 
wahnen; derselbe befehligte im Feldzug gegen 
Frankreich 1794 das Regiment Wenzel Graf 
Colloredo«Waldsee Nr. 36 und wurde bei 
Hharleroi aiu 13. Juni dieses Jahres schwer 
verwundet. — 3. Ein Oberstlieutenant 
Wetzel, dessen Taufnamen wir nicht kennen, 
befand sich in genannter lHhargc und als 
Commandant eines Bataillons Heister in der 
Festung Gaota. als dieselbe von den Spa» 
niern unter dem Herzog von Montemar 
nach einer furchtbaren BeschieBung am 
6. August 1734 zur Kapitulation gezwungen^ 
Metzelsberg 187 Wetzelsberg 
wa:d. worauf die Garnison mit allrn 
Kriegsehren abzog und auf spanischen Tchiffen 
nach den osterreichischen Staaten iiberfubrt 
wurde. Oberstlieutenant Wetzel, ^743 zum 
Generalmajor befordert, starb als solcher 
j?41>. ' s - 4. Ein Freiherr von Welzel. dessen 
Taufname uns gleichfalls unbekannt ist. war 
in der ersten Halfte des achtzehnten Jahr» 
Hunderts Oberst bei Oailvy - Infanterie 
Nr. 46 und wurde im Treffen bei Krotzka 
im Banat am 22. Juli 1?:19 verwundet. — 
5. Gin Rittmeister Wetzel bei Nassau'Dra> 
gonern Nr. .1 ersche nt in der Relation iiber 
die Schlacht bei Lwckach am 23. Mai l?9i) 
unter den Helden des Tages. Ander»' dieses 
Geschlechtes , das iibrigens bereitK erloschen 
zu sein scheint, da wir es weder im genea« 
logischen Taschenbuch der f reiherclichen Hauser, 
noch in den osterreichischen Staatshandbuchern 
und Militarschematismen finden, standen als 
kaiserliche Reichshof rathe und Residenten in 
osterreichischen Staatsdiensten . — 6. Anklingend 
an den Namen Wehel ift der des 
Architecturmalers J o h a n n Wetschl (geb. 
1754. gest. iu Wien 4. August 1773) . iiber 
den wir jedoch auBer diesen Geburts« und 
Todesdaten nirgends sonst Naheres verzeichnet 
finden . 

Wetzelsberg, Ferdinand von 
g 1 i e d des Seebensteiner Ritterbundes 
auf der blauen Erde, geb. in Wien 

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Wurzbach55 . txt 
20. August 1793, gest. zu Krems im 
November 4846) . Sein Vater Fried« 
rich (geb. zu Madokis in Ungarn 
27. November 1760, gest. zu Wiener- 
Neustadt 1841) war ein Zogling der 
Wiener-Neustadter Akademie und wurde 
1779 als Fahnencaoet zu Thurn-Inf anterie 
Nr. 43 ausgemustert . Mit dem Regimente 
machte er den Tiirkenkrieg mit 
und kam dann ins Pionniercorps . <799 
war er Hauptmann . Er hatte sich bei 
der EinschlieBung der Festung Pizzighet» 
tone durch seine umsichtige Verwendung 
bei den Arbeiten in den Laufgraben aus» 
gezeichnet. Bei der Belagerung des Ca» 
ftells von Mailand versah er Tranchoe» 
Ma jorsdienf te und bei jener von Coni 
wurde er seines Wohlverhaltens wegen 
A geriihmt. Aber seiner zerriitteten Ge» 
1 sundheit halber muBte er schon im Jahre 
1809 in Pension treten. Sein ganzer 
Name hiefl : Wetzelsberg von Dor> 
golyhegn. Friedrich, ein geschickter 
Zeichner, der sick mit Ausfiihrung von 
Grundrissen, architektonischen Entwiirfen, 
Landschaften u. d. m. uiel beschaftigte, 
unterwies seinen Sohn darin, wie im 
praktischen Vermessen und Aufnehmen, 
woran dieser mehr Gefallen fand als an 
den trockenen Gegenstanden des Schulunterrichtes . 
Der Sommerauf enthalt in 
Baden, der seit 1797 jahrlich von der 
Familie genommen wurde, war fur den 
Knaben ob der in nachster Nahe dieser 
Stadt befindlichen Ruinen alter Ritter» 
biirgen ein hochst willkommener . Er las 
alte Ritterromane, zeichnete Burgen, 
Wappen, Ritter und Knappen, alles 
Dinge, die seine Phantasie immer mehr 
und mehr beschaf tigten und den Keim zu 
seinem spateren abenteuernden Wesen 
legten. Anfangs 18! 3 trat er als Cadet 
in die Pionnierschule, die damals in 
Stadt Enzersdorf ftationirt war. Schon 
im October wurde er Officier im Corps, 
machte noch den Feldzug dieses und des 
folgenden Jahres mit, muBte aber dann 
wegen Brustschwacke den Militardienst 
verlassen. Nun half er seinem Vater bei 
Aufnahmen und Vermessungen, zeichnete 
aber viel fur sich selbst, bestickte die Aka« 
demie der bildenden Kiinste und begann 
Kupf erstiche, Holzschnitte, Biicher, Anti< 
cagllen zu sammeln und steiBig die Bur» 
gen in der Umgebung Wiens und die 
Kunst, und Waf f ensammlungen der 
Kaiserftadt zu besuchen. Als er Laxenbiirg 
sah, erschien ihm dasselbe als das 
erste Ideal einer alten Burg, und eine 
solche herzustellen war nun sein unablassiger 
Gedanke . Die Bekanntschaft mit 
I . Ritter von Schon f e Id j M . XXX, ? 
Mehelsberg 488 
S . 1 i > A , den Briidern Kopp von 

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Wurzbach55 . txt 
Felsenthal M d . X I I , S. 232' s >, dem 
Profeffor der Geschichte in der Wiener- 
Neustadter Militarakademie Franz Freiherrn 
von Chanowsky und zuletzt mit 
Anton David S t e i g e r von Am stein 
sBd. XXXVIII . S. 43) steigerten und 
befestigten seine ritterburglichen und 
romantischen Ideen, und als er am 
12. Janner 4822 in den „Ritterbund auf 
der blauen Erde" mit dem Namen Emmerich 
Drei herz aufgenommen wurde, 
schien das Ziel seiner Wiinsche erreicht. 
I n unserem Lexikon ist schon itt den 
Lebensskizzen Steiger ' s von Am stein 
und Joseph Schnep fleitner ' s Mand 
XXXI, S. 30) eine ziemlich ausfuhrliche 
Skizze des Wesens und Treibens 
des Seebensteiner Ritterbundes 
auf der blauen Erde gegeben wor« 
den, so daB wir hier dieselbe nicht zu 
wiederholen, sondern nur auf die ge» 
nannten Namen hinzuweisen brauchen. 
Kaum war Wetzelsberg einige Zeit 
Mitglied des Ritterbundes, als er sich 
mit dem Plane trug. selbst einen solchen 
zu errichten, den er dem h. Georg weihte 
und den Georgibund nannte; in 
seinen Briefen zeichnete er sich selbst 
meistens: Emmerich Dreiherz, Oberritter 
des Georgibundes . Zur Ausfiihrung 
seines Vorhabens bereitete er sich 
allmalig vor, und als 4823 seine 
Mutter in Baden bei Wien ein Haus 
kaufte, begann er darin ein altdeutsches 
Gemach im ritterlichen Style einzurichten 
und brachte es auch m iiberraschender 
Weise zu Stande. 4833 iibersiedelte er mit 
seinen Eltern nach Wiener-Neustadt , wo 
der Brand im Jahre 1834 ihnen schweren 
Verlust brachte; doch rettete er zum 
grofieren Theile seine Sammlungen. Als 
dann am 4 4. September 4833 seine 
hochbetagte Mutter starb, heiratete er in 
Baden ein Madchen biirgerlichen Standes, 
das als Frau mit bewunderungs» 
wiirdiger Selbstverleugnung in die selt» 
samen Schrullen ihres Mannes einging 
und ihn pflegte und wartete, als er sein 
ganzes Vermogen seinen Ritterideen 
geopfert und die Noth aus alien Ecken 
und Winkeln des Hauses herausschaute . 
Sein Ziel nach dem Besitze einer eigenen 
Burg— mit dem kleinen Vermogen, 
das er von seiner Mutter geerbt, hatte 
er mit seiner Frau immer anstandig leben 
konnen — lieB er nicht aus den Augen, 
und als er horte, daB das Kuf stein ' sche 
SchloB Zaising am Iauerling urn billiges 
Geld zu verpachten war, pachtete er es 
und zog im Sommer 4836 mit seiner 
Frau in diese Burg. Was er aus diesem 
halbverf allenen, verwahrlosten Schloffe 
durch personliche Anstrengung und mit 
schweren pecuniaren Opfern allmalig ge» 

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staltet, laBt sich nicht schildern. Ein 
Rittersaal, eine Ritterwohnstube, drei 
Gemacher mit seinen Sammlungen, Alles 
im alterthumlichen Geschmacke, stellte 
er in wirklich jeden Besucher uberraschen» 
der Weise her, aber erschopfte damit 
auch alle seine materiellen Mittel. Was 
er so muhevoll hergerichtet , muBte er, 
kaum daB er es zu genieBen angefangen, 
wieder zerstoren, den Pacht aufgeben, und 
mit dem kleinen Reste, der ihm geblieben, 
kaufte er nun ein Haus in Krems, wo 
er 4839 einzog, sich freilich wieder 
eine altdeutsche Stube einrichtete» aber 
unter Entbehrungen aller Art dahinlebte, 
immer noch von der Hoffnung getragen, 
wieder eine Burg zu erwerben, bis er im 
November 4846 unter der liebevollsten 
Pflege seiner nun mittellosen Gattin sein 
Leben aushauchte. Scheiger hat in der 
in der Quelle genannten geschichtlichen 
Skizze dieses Original sehr lebendig ge« 
schildert. Zu den geistigen Eigenthumlich-^ 

Metzlar vun Plankenf tern' 1 Ignaz 189 Wetzlar von Piankenliern, Ignaz 
keiten Wetzelsberg ' s gehort die Thatsache, 
daB er fest an Gespenster glaubte. 
Er hatte im Laufe seiner antiquarischen 
Studien und Forschungen eine groBe 
Menge von Ansichten, Planen Grabern, 
Wappen u. d. m. mit peinlicher Sorgfalt 
und Treue gezeichnet und daraus fur 
S t e i g e r ein Album zusammengestellt , 
das nicht ohne Werth und nur im landschaf tlichen 
Theile hinsichtlich der Baum- 

Partien schwach war. Wohin dasselbe gekommen, 
wissen wir nicht. Ein Charakterzug 
bei ihm ist auch, daB er infolge seiner 
lebhaften Phantasie Alles, was er mit 
Hilfe derselben schuf, auch glaubte, und 
also eine Unwahrheit urn die andere vor» 
brachte, ohne doch sich dessen bewuBt zu 
werden, so daB er in der Meinung, man 
glaube ihm Alles, in Wirklickkeit Keinen, 
sondern nur sich selbst belog. 

Scheiger (Joseph) . „Drei Personlichkeiten des 
Seebensteiner Ritterbundes auf blauer Erde": 
I. Der Burgherr. Anton David Steiger von 
Amstein; I I . Der Burgoogt. Joseph Schnepf. 
leitner; III. Ein Ritter. Ferdinand von 
Wehelsberg (Wien o. I.. Pickler's Witwe . 
1<) S, . gr. 4" . ) . 
Wetzlar von Plankenstern, Ignaz 
Freiherr <k. k<Hauptmann und 
N i t t e r des Maria Theresien-Ordens , 
geb . in W i e n 1789, gest. daselbst 
am 21. Marz 1841) . Er entstammt einer 
jiidischen Familie, iiber welche auf S. 190 
in der Genealogie Naheres berichtet wird. 
Ein Sohn des Millionars Karl Abraham 
Wetzlar, trat er, als der Weltkampf 
gegen Napoleon begann, freiwillig 
als Cadet unter die kaiserlichen 
Fahnen und wurde schon im September 
1813 zum Unterlieutenant im Pionnier» 

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Wurzbach55 . txt 
corps, im Februar 1814 aber zum Ober» 
lieutenant bei Fenner-Iagern befordert. 
Als nach Napoleons Flucht von Elba 
und dessen Erscheinen im Siiden Frankreichs 
die Alliirten zu neuen Riistungen 
schritten, wurde der damalige Oberlieu. 
tenant Wehlar dem General P f 1 ii g er 
von LindenfelsM. XXII . S. 20CT, 
der eine Brigade im Armeecorps Radivojevics 
befehligte, beigegeben und 

folgte demselben in das sudliche Frankreich. 
Am 9. Juli 181') erreickte dieses 
Corps Bourg en Bresse. Nun entsendete 
der commandirende General F r i m o n t 
den Generalmajor P f 1 ii g er mit dem 
Inf anterieregimente Erzherzog Ludwig 
und einer Batterie nach Mapon, urn den 
dort an der Saone errichteten Briickenkopf 
zu nehmen und dadurch den zu 
weiteren Unternehmungen erf orderlichen 
Uebergang zu gewinnen. Oberlieulenant 
Wehlar, der schon im Vorjahre in 
dieser Gegend stationirt gewesen und 
das Terrain urn Mayon herum genau 
kannte, deutete seinem General an, den 
Ueberfall des Briickenkopfes bei Nacht 
auszufuhren. General P f 1 u g e r beher« 
zigte diesen Vorschlag und traf die Vor« 
bereitungen fur die Nacht des 10. Juli. 
Wetzlar, mit der Fiihrung der Colonne 
betraut, war es nun auch, welcher der 
Erste durch eine KanonenschieBscharre in 
die Verschanzungen eindrang und so der 
Truppe den Weg in den Briickenkopf 
bahnte. Die Franzosen vertheidigten mit 
allem Nachdruck denselben, aber trotz 
aller Gegenwehr erstiirmten ihn die Un» 
seren und nahmen die darin befindliche 
Haubitze und vier Kanonen. Mit dem 
Falle des Briickenkopfes gelangte nun 
auch die Briicke selbst und die Stadt 
Ma?on in unseren Besitz, und P f 1 ii g e r 
stellte sich mit seinem Corps auf dem 
rechten Ufer der Saone auf. Durch diesen 
errungenen Vortheil aber konnte der Ge« 
neral auf die sofort angekniipften Unter« 
Handlungen des Marschalls Sucket mit 
dem General der Cavallecie Freiherrn? 

Metzlar v. Plankenftern (Genealogie) 190 Wehlar v. Plankenstern Johann 
von Frimont machtig und erfolgreich 
einwirken. Oberlieutenant Wetzlar erhielt 
fur seine Waffenchat auf Vorschlag 
des Generals Frimont von Kaiser 
Franz mit Handschreiben aao. Dijon 
7. October 1815 das Ritterkreuz des 
Maria Theresien-Ordeno . Nach Errichtung 
des Kaiser-Iager-Regimentes kam! 
er am t. Janner 1816 in dasselbe, 
wurde aber dann wieder bei der Infanterie 
eingetheilt und im Juni 1821 zum 
Hauptmann bei Hiller-Inf anterie befordert. 
Im September 1823 trat er mit 
Beibehaltung des Militarcharakters aus 
den Reihen der activen Armee und starb 

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Wurzbach55 . txt 
nach acht zehn jahrigem Ruhestande im 
Alter von !>!2 Jahren. 

Tftiirheim (Andreas Glas) . Oedenkblatter aus 
d?r . Kriegsgeschichte der t. k. of terre . chischen 
Armer (Wien und Tcschrn 1850. Prochasr'a. ! 
l,r. 8".) Bd. I, S. 4«.;, Jahr I8io. - H i r - ! 
trnfeld (I.>. DerMilitarMaria Theresien» 
Ordcn und seine Mitglieder (Wien 18:;?. 
Staatsdruckerei, kl. 4".) Bd. II,". l AA o. 
I . Zur Vcnealcigic der Freiherren Wchlar von 
Zllankcnsteru . Der A?rl der Falnilie Wetz' 
1 a r . dir wir auch oft Wezlar geschrieben 
finden, ist ein Jahrzehnt iiber ein Jabrhun« 
derl, ali, denn denselben, und zwar den Frei» 
derrenstand, erhielt der kaiserliche Hofagent 
Karl Abraham fur seine dem Ttaate als 
Armeelief erant erwiesenen Dienste 1777 mit 
dem Eradicate von P 1 a nkcn st e r n , nach> 
dem er mit seiner Familie vom Mosaismus 
zum Katholicismus iibergetreten war. Schon 
im folgenden Jahre, am 22. April i7?8, 
wurde der Freiherr in die nied» ' rosterreichische 
A andmannschaf t aufgenommen und seinem 
Sohne Ferdinand Polykarp am 21. A Dc< 
tober 1823 das galizische Indigenat verliehen. 
Auf diese Notign beschrankt sich unser Nissen 
iiber die Genealogie dieses Geschlechtes, das 
wir im „Genealogischen Taschenbuch der frei« 
herrlichen Hauser" — von einer kurzen nekco« 
logischen Notiz im Jahrgange 1861 abgesehen 
— vergeblich suchen. — Ueber die 
Ehen in dieser Familie wissen wir gar 
-nichts. Jedenfalls ist Karl Abraham der 
Stammvater der Freinerren Wetzlar von 
Plankenstern; der Maria Theresien Ritter 
I g n a z , die bcioen F'Mmarschall ' Lieilienants 
und Regiments-Inhaber Gustav und Heinrich, 
sowie die Freiherren I o k a n n und 
Ferdinand Polykarp scheinen seine Sohne, 
und der zu Sebenico geborene Friedrich 
Arthur, der Schif f uf ahnrich Dominik und 
der unter dem Namen S a b i t Veh in tiirki« 
schen Diensten gt'standene Major Wetzlar 
' seme Enkel zu scin. Der Letztere wird als 
Sohn dcs 186« in Wien verstorbenen Johann 
von Wetzlar ausdriicklich bezeichnet. 
Noch fiihren wir als einen bemerkenswerten 
Umstand an. daB mit Ausnahme des ersten 
Freiherr»-., der iibrigens als Armeelief erant 
auch viel mit den Soldaten zu schaffen 
hatte, alle Wetzlar. und mehrere derselben 
in ganz ausgezeichneter Weise, in den Reiben 
der kaiserlichen Armee gedient haben. 
I I . Einige besonders denkwiirdige Glieder des 
/reilierrngeschlechtS Wetzlar von Plankenstern. 
1 . Gustav (geb. 1813. gest. in Wien 10. Ocw' 
bee 1881) . Friihzeitig trat er in di? kaiserliche 
Armee, in welcher er 184.1 Haufttmann. 
185t> Major im 8. Inf anterie«Regimente . da» 
malii Erzherzog Ludwig, im folgenden Jahre 
iDbersrl ' eutenant in: 4U. und I86u Obrrjt 
und l^iumanvcint oom 60. Inf anterie-Regi» 
mentc winde . Iiu November 1836 zum 
Generalma jor , Brigadier und Trupponcom« 

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Wurzbach55 . txt 
Mandanten in F^uine befordert, ward er im 
Janner 1804 Zum Fclomarschall < Lieutenant 
ernannt und dem 7. Armeecornscommando 
zugetheilt. 1867 war er Commandant der 
7. Division in Trieft. Fur seine Verdienste 
vor dem Feinde, und zwar im italienischen 
Felozune It>.i9 erhielt der General das Ritter» 
kreuz des 3e»pc>ldordens und im Feldzugc 
1866 den 57rdt>n der eisernen Krone Zweiter 
Classe, beide mit der Kriegsderoration . nach. 
dem er friiher schon mit dem Militar°Vel. '» 
dienstkreuze, gleichfalls mit . Nriegsdecoration, 
ausgezeichnet worden. Von 1864—1870 war 
Freiherr Gustav zweiter Inhaber des In» 
f anterie-Regiments Ludwig I I . uon Banern 
Nr. 3. wurde aber I8?o Inhaber des 16. (Na» 
rasdiner) Infanterie - Regiments. I^N cue 
F r e i e P r esse (Wiener polit. Blatt) 
1881. Nr. 6149. Abendblatt . - Allgemeine 
Zeitung (Augsburg, Cotta. 4".) 
1881. S. 4261) -2. Johann Freiherr 
von Wctzlar (geb. 17?2, gest. in Wien 
18. Marz 1866) . Derselbe diente gleichfalls 
in der kaiserlichen Armee nnd trat als Ober» 
lieutenant in den Ruhestand, genoB aber? 

Wetzlar von Plankenkern, Karl A. Mchlar vou Plankenttern, '"tarl A. 
durch Gnade des Kaisers 5 ranz Josephe 
eine Zulage uon A W fi. -zu se'uem Pensions- ! 
etat. Er war ein Sohn K a r 1 s , des ersten! 
Freiherrn von Wetzlar, der durch seine 
Acmeelicf erunaen ein Millionar wurde, dessen 
Millionen ledoch infolge oer Verschwendung 
seiner Kinder wieder verloren fingen. Gin i 
Original oder vielmehr ein Sonderling, 
spielte er mehr denn zwanzig Jahre taglich 
durch zwei Stunden Nachmittags Solo» Whist 
wobei er mit d?n unsichtbaren Gegnern und 
Partnern stritt. Heines luftigen Tellipera 
merits wegen, das ihn den Mitspielenden 
gegeniiber sich zuweilen vergessen lieB, soil er 
diesen Ausweg ergriffen und das Solo-Wbist 
fur seine Zerstreuung zu spielen begonnen 
haben. Die Schwester dos Barons war die 
Mutter des Theaterdirectors «Larl und einer 
seiner Siihne Pascha. I n den Zwanziger» 
Jahren erscheint ein Baron Johann Netz' 
1 a r als Besitzer einer ansehnlichen und werth' 
uollen Bildergalerie, welche in der Alser> 
rorstadt, Herrengasse Nr. 69 aufgestellt unii 
auch fur Fremde zur Besichtigung zuganglich 
war. Die Sammlung zahlte an, 200 Num> 
mern und darunter Meister uon gutem 
Klange, wie Alerander und Vaul Veronese, 
Pr.0ca>,' cini, Alexandrini, 
S u a y e r s u . A. Db der oberwahute A )ber> 
lieutenant Johann Eigenthiimer derselben 
gewesen, wissen wir nicht; da er schon 4772 
geboren wui.de, also urn jene Zeit nahezu 
ein Fiinfziger war, ist co immerhin moalich, 
und oiirfte er sie oon seinem Vater ererbt 
haben. — 3. Karl Abraham sgest. 17i»9) 
Er ist d A r Stammvater der . . nachmaligen 
Freiherren von Wetzlar. deren einer sogar 
Maria Theresien» Ordensritter und ' andere 

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Wurzbach5 5 . txt 
iiberhaupt brave Soldaten waren. Als armer 
Iudenknabe kam er wahrend der Regierungs jahre 
Kaiser Leopolds I. nach Wien. wo 
er bei einem mitleidigen Israeliten Aufnahme 
fand. Als dann spater das ssdict erschien, 
welches die Juden aus den (Vsblanden uer« 
wies. verschwand auch er aus Wien. Nach 
etwa einem Dezennium aber kehrte er als 
sehr reicher Mann dahin zuriick und konnte 
sich an dl ' n damals dei Ausbruch des Krir« 
ges nothwendig gewordenen Armeelief erungen 
detheiligen. Nun hat er bei denselben, wie es 
in seinem Freiherrndiplome heiflt, nicht nur 
dem kaiserlichen Aerar eine namhafte Er« 
sparun.g zugewendet, sondern auch sonst noch 
so niitzliche Dinge geleistet, daB er uon Kaiser 
Franz I.- S t e p h a n t?63 zum kaiserlichen 
' vosa A entt ' n ernannt und ihm 9cm >i?iser 
Joseph I I . mit Diplom <ll!o. Wien »< . : . No< 
oember 17?< d"r Freiderrenstano luic oeni 
Prad!ca:e "on Plankenstern verliehen 
wurde Vor seiner >>rhrbun" in den ,vrei' 
derrensiand aber war er mit sriner F A m' .lie 
' ium ckl" f tf atl ' oli ! ch> . n »'»lauorn iibergetreten, 
Karl Abraham, ocsseu Verm5gen auf 
mehrere Millionen — man nanine funf — 
beziffert wurde, baute auf dem Gruno.» c>es 
E»arccns der clapuciner am Aiehlmarkte die 
ersten Hauser, weshalb die neue «Hasse, anklingend 
an das f ieiherlliche Prad"at Plankenstern. 
anck di ( . - Plankengasse genannt 
ward. Als dann d»r Welrt'r^g selnen Ansang 
nahm, widmete 17'»:1 K a r 1 Adraoani so» 
sore llum» fl, "u Kriegszwecken, spendete ! in folgenden 
Jahre wieder t<wo fi. und machte sich 
1796 anheischig. 20 Mann der W:etirr Freiwilligen 
aus eigenen Mitteln ; u erdallen. 
Auch in der Geschichre der Kunst ist des 
alten Wetzlar Name verwickelt, wie wir 
dies aus Da Ponte's „Memoiren" erfahren. 
Letzterer berieth nch mit Mozart iiber einen 
"prrnterl, und als dieser ihn fragte, ob er 
ihm nicht Beaumarchais ' Komodie „Die 
Hochzeit des Figaro" in ein Drama um< 
wandeln woll?, gefiel ihm der Vorschlag sehr 
wohl, und er beschloB, die Sache zu iiber» 
denlen. die fr<, 'iliai ihre Schwierigkeiten hatte, 
da wenige Tage znoor der Kaiser der Ge» 
sellschaft des deutschen Theaters die Auffuhrung 
dieser Komodie uncersagr halte, weil Ne 
nicht ganz anstandig siir ein geftttercs Publi» 
cum sei. Da trat nun Baroi: Wetz 1 a r dazwischen 
und bot Da Ponte 1 ' in sehr anstandiges 
Honorar fur den T^rt, uin dann die 
Tper in London oder in Frankreich auffiihren 
zu lassen, wenn sie in Nlen nicht erlaubt 
werden sollte. Aber Da Ponte schlug dieses 
Anerbieten aus u:i5 mackte Mozart den 
Vorschlag. Tert ui'.> Mustk so iu schreiben, 
daB durchaus Niemand eine Ahnung davon 
habe, und dann einen giinstigen Moment zu 
benutzen, urn sie den Directorrn oder dem 
Kaiser selbst anzubieten. Ueber den Ausgana 
der Sacke, die ganz zu Gunsten M o ; a r t ' s 

Seite 285 



Wurzbach55 . txt 
ausfiel, berichtet nun Da Ponte. Wahrscheinlich 
auch hat Freiherr Karl Ab r ah an: 
die Gemaldegalerie angelegt, welche noch zu 
Anfang der Zwaniiger-Ialire dieses Iahr> 
Hunderts als im Besitze eines Freiherrn . Johann 
uon Wetzlar erscheint. Karl Abra> 

ham wurde am 22. April t7?8 in die niederosterreichische 
Landmannsckaf t aufgenommen.f 

Mehlar von Ptankenftern lWappen) j 92 A Helene 
— 4 Friedrich A r t h n r s A eb. zu Sebenico 
in Dalmatien am 3U. Janner 4827) . Wohl 
ein Sohn des Freiherrn Johann, trat er 
im September 4838 zur militarischen Ausbildung 
in die Wiener«Neustadter Akademie, aus 
welcher er Ende September is44 als Lieute» 
nant minderer Gebiihr zu Piret» Infanterie 
Nr. 27 eingetheilt wurde. I m Regiments 
riickte er im April 1848 zum Lieutenant 
hoherer Gebiihr, im November dieses Jahres 
zum Oberlieutenani vor. I m Janner 4822 
verlieB er den Militardienst , urn als Ossi« 
cial in die Dienste der siidlichen Staats« 
eisenbahn iiberzutreten . — I. Das „Genealogische 
Taschenbuch der f reiherrlichen Hauser" 
vom Jahre 486! meldet unter den im Nachtrage 
besindlicken Nekrologen S. 4007. daB 
ein Freiherr W c n 1 a r von Plankenstern 
unter drm Namen Sabit Ney als kaiserlich 
tiirkischer Major der Garde am 31. Janner 
4860 zu Skutari verstorben sei. Dieser war ein 
Sohn des Freiherrn Iobann.— 6. Ein 
Heinrich Freiherr Netzlar von Planken, 
stern stand 484^ als Generalmajor und 
Brigadier in Italien, wurde spater Feld« 
marschall ' Lieutenant und war von !847 bis 
4850 zweiter Inhaber des 42. Infanterie- 
Regiments, damals Wellington. Er scheint 
4830 gestorben zu sein. — 7. Ein F e r d i - 
nand Hiolykarp Freiherr, von Wetzlar, 
wahrscheinlich auch wie der Vorige ein Sodn 
K a r 1 A Krad a m 6 , erlangte am 2 4 . October 
4825 das galizische Indigenat . — 8. Die in 
einem Journal aus AnlaB des Todes des 
Fleiherrn Johann ausgesprochene Nach» 
richt, dafl mit demselben der Letzte dieser 
Familie beeidigt worden sei. ist unrichtig, da 
seit 4. November 4871) ein Dominik Frei» 
Herr Weklar von P lanken stern als 
Schif f sf ahnrich in 3eincr Majestat Marine 
dient . 

III. Wappen. Gemerter Schild mit einem 
schwarzen, mit einem goldenen Sterne be< 
legten Herzschilde-, im 4. und 4. goldenen 
Felde des Hauptschildes ein blauer Querbalken, 
im 2. und 3. silbernen Felde ein ein< 
warts sehender Ochsenkopf. Auf dem Schilde 
rubt die Freiherrnkrone, auf welcher zwei 
gekronte Turnierhelme sich erheben; auf der 
Krone des vorderen ist ein schwarzer, mit 
einem goldenen Sterne belegter Adlerflug zu 
sehen, auf der des hinteren ein einwarts 
sehender, wachsender goldener Liiwe . Die 
Helmdecken des rechten Helmes sind 
schwarz mit Gold, die des linken blau mit 

Seite 286 



Wurzbach5 5 . txt 
Gold unterlegt. S c h i 1 d Halter. Zwei aus ' 
warts sehende weiBe, roth gefleckte Wind. 
Hunde, deren schwarze Halsbander golden ein» 
gefaBt sind. 

Wewerka, Franz, siehe: Veverka 
M . I. , S. 232 u. f . ) . 
Wewerka, Franz Budislaw, siehe: 
Veverka A Bd. i . , S. 232 u. f. A . 
Wewerka, Helene (Schauspieler 
i n , geb . in Bohmen urn 1830) . Ueber 
Vorleben und Bildungsgang dieser 
Kiinstlerin, deren Name und Aussprache 
die Bohmin verrath, wissen wir nichts. 
Laube, als er noch die Direction des 
Stadttheaters in Wien fiihrte, entdeckte 
sie 1873, und sein Vortragsmeister Stra> 
kosch bildete sie fur die Biihne so treff» 
lich aus, daB sie gleich mit ihrer Antritts' 
rolle „Antigone" einen vollstandigen 
Triumph feierte. Auch bemachtigten sich 
die illustrirten Blatter Wiens sofort dieser 
Dame, urn Bildnisse zu bringen, deren 
keines dem anderen ahnlich sieht, wenn» 
gleich jedes eine ganz reizende Biiste und 
eines eine originelle Charge der Kunst» 
lerin brachte. Nach der „Antigone" trat 
Fraulein Newerka in verschiedenen 
classischen und modernen Rollen immer 
mit gleich giinstigem Erfolge auf. Von 
Wien kam sie an das konigliche Theater 
in Hannover, wo sie im Fache der Hel» 
dinen noch 4882 in Thatigkeit war. Der 
Gettke'sche „Almanach der Genossenschaf t 
deutscher Biihnenangehoriger fur 
4883" fiihrt aber unsere Kiinstlerin nicht 
mehr an. 

Portraits, 1) Uederschrif t : „Fraulein Helena 
Wewerka". C. v. S t u r (gez.) in der Zeit< 
schrift ..Der Floh" . 3. September 1875, 
Nr. 36. — 2) Unterschrif t : „Helene We. 
wcrka" . (Gez. von K 1 i 6 ) im Fardenton in 
den „Humoristischen Blattern" 2. Janner 
1876. Nr. 1. - 3) Charge. Ueberschrif t :? 
Meyhe-Eimke, Arnold Karl 193 Weyhe-Eimke, Ariw'.d . 

''Fraulein Wewerka". Kopf voile Dreiviertel. , wurde. Von Liineburg ging er auf 
die 

GriiBe auf einem L i 1 A AA A 
Gewande, das drr knieende Laube mit! ,A A 

einer groBen Schneiderscheere zurechtschneidet . j staatswissenschaf tliche 
Collegien besuchte. 

Nun arbeitete er im koniglichen Archive 
A Hannover und im Prefiduceau des 
! A c h m Gesammtmm 'M. UMs da- 

A selbst, bis der Krieg von 18 6 6 ihn nach 

Wewerka, Joseph, siehe: Veverka A Oesterreich vertrieb. Hier fand er eine 
. I., S. 232 u. f. A . Stellung als Archivar des Prinzen Wil< 
Die Kiinstlerin halt in ihrer Rechten einen 
dem Lchenkelemschtiitt zugekchtten Dolch. 
Latt? von A r. (ecsay) gezeichnet in der 
„Bombe" am 3. September 1875. Nr. 35. 
Wewerka, Wenzel, siehe: Veverka 
M . I. , S. 252 u. f . ) . 
Weyer, siehe: Weyr sS. 203> 
Weyhe-Alllke, Arnold Karl Ferdinand 

Seite 287 



Wurzbach5 5 . txt 
Freiherr von (Schrif tsteller und 
Geschichtsf orscher , geb . zu Luneburg 
iln Konigreich Hannover am 8. Fe> 
Helm von Schaumburg-Lippe auf Schlofl 
Nachod in Bohmen, worauf er 1873 
nach einem kurzen Aufenthalte bei dem 
regierenden Fursten Johann I I . von 
Liechtenstein die Archive des Grafen 
Bucquoy zu Glatzen ordnete. Nachdem 
er diese Arbeit beendet hatte, kehrte er im 
April 4889 nach Nachod zuriick, wo er 

bruar 1830) . Sein Vater war der 1830 ! noch zur Stunde das Amt eines Archi« 
auf seinem Landsitze Weyhe von Ulzen , ' vars und Bibliothekars des Fursten 
W i 1 h e lm zu Schaumburg »Lippe und 
eines Revidenten der Herrschaft Nachod 
versteht. Fruhzeitig widmete er sich lite» 
rarischer Thatigkeit, in welcher ihn nebst 
angeborener Neigung auch seine archi» 
valische Beschaftigung forderte. Bisher 
gab er heraus: „Mdebluten. Feilichte" 

(Bremen 1834) ' - „Hie Zlebte kez K 1 » 

sterz St. Michaelis sn Unrdnrfl . Mit besonderer 

Beziehung ant die G15chichtt i>es Rluaters und 

im Aitwakademie" 

im Alter von 93 Jahren verstorbene als 

groBer hannovcranischer Patriot bekannte 

Freiherr W i 1 h e 1 m Friedrich Karl 

von Weyhe, Erb», Lehn- und Gerichts- 

Herr auf Eimke, Landrath des Fiirstenthums 

Luneburg, und seine Mutter Wil» 

Helm ine eine geborene Freiin von 

Weyhe aus dem Hause Fechenhorst . 

Freiherr Arnold gehort einem alten, 

schon 1096 urkundlich vorkommenden 

niedersachsischen Adelsgeschlechte an, aus 

welchem sein directer Ahnherr Fried. A V I I und 620 > 

r ich, Staatskanzler zu Celle, nebst dessen A 5eit. Gedichte" (ebd. 1862, 

Bruder Eberhard aao. Prag 23. September 

160t von Kaiser Rudolf I I . 

auf Grund ihrer alten dynastischen Fa» 

milie den Titel eines Freiherrn und 

Edlen Herrn erhielt, was eigentlich nur 

eine Bestatigung des alten Adels war. 

Freiherr Arnold genoB seine Bildung 

durch Hauslehrer, kam dann auf das 

Gymnasium in Celle und 1844 auf die 

Ritterakademie zu Luneburg, auf welcher 

auch der nachherige osterreichische geheime 

Rath Graf Blome mit ihm erzogen 

(Celle !862. gr. 8«., 

A ' — _ Stimmen aus der 

,Nt5 Kiinig5 Ahmn . Wcltenlirder " (Iiichow 

1866. Saur, 8".); - „ GrilMtrungen an 

Uarlbdatl. Gedichte" (Karlsbad 1865) ; - 

„Hoch Oesterreich! Hiatariachra Hellicht van 

einem Nicht65trrreicher" (ebd. 1866); — 

„Nie Mansche Peinlichkeit t>r5 Mai P i r - 

rolllminiim Schiller ' zchrn A>lllleil5tei3 

iinti t>e55eu E'nill in der Schlacht bei Iankan am 

6. Mars A 16sb. Eine geschichtliche . nel ! rn5tndie 

2N5 dlN Sch! 1155archiue A n Unchutl" (Pilsen 

1870, gr. 8"., 1 6 S.)', - „Wider den 

Strum. Oeiiichtc einrs 3 jllnnl) 1 ! 1 ' 7117er5 " (Re> 

v. Wiirz dach. biogr. Lexikon. I.V. . 8. Juni 1887. j^ 

Seite 288 



Wurzbach5 5 . txt 
Meyhe-Eimke, Peter 194 

gensburg 1868; 2. verb, und stark verm. 
Aufl. ebd. A 1869, 81>.); - „Gttlluia P i re 
a 1 u m i n i al? Ht A ag nun AmalH, Niitrr des 
giildenen Vlir55r5, drntscher Zvrichzf iirzt und Gemal 
der Prinzr55iii MariaNrnigna H'ranr 
i 5 r a ucin -Sach5rn-3 . ' lluenlinrg . Omllenstndie 
au5 drm Schllll . 5archiur ?n Nnchud" ( P i 1 - 
sen 1871, gr. 8"., 53 S . ) ; - „Narl Nanuuentul ' 11 
uun '"anguenll ! , chrak Nnrquolj, 
Nrttrr der hllbLbnrgioch - ULterrrich A chrn Manarchik. 
Eine Epialltle ans drm drriZZigsahngrn 
Kriege. ckne ! Ien5tnt>ir uns drm ZchlllaZarchiue A n 
Gliihen. Mit dem VildiN55e des Omken vnn 
Bucqulll; (im Ztahl^t.) nach dem Originulbilde 
nun P. p. Nnbrna" A Wien 1876, 90 S., 

mit 1 Steintaf. in gr. 4".) . AuBerdem verof f entlichte 
der Freiherr, welcher Mitglied 

mehierer gelehrten Gesellschaf ten ist, verschiedene 
Aufsatze im „Jahrbuche der k. k. 
heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien", 
im politischen Wiener Journal „Das 
Vaterland" und in dem zu Regensburg 
erscheinenden „Deutschen Hausschatz". 
Teuffenbach (A. 'bin Freiherr) . Vaterlandi. 
sch s Gbrcnbuch, Poetischer Theil (Salzburg 
18?i<, Dieter, gr. «" . ) >3<. ttt A 4. 
"ur Venealogie der sreiherrlichcn Familie 
Weyl) t-Eimkr . Die Weyl?c find ein uraltes 
beriihmtes niedersachsisches Aoelsgeschlecht . 
das Staatsmanner und Gelehrte, Krieger 
und Manner der Kirche aufweist, welche 
jedoch fur dieses Werk nicht in Betracht 
kommen. Dagegen steht os ziemlich friih in 
Beziehungen zum Kaistt-staatc . dercn wir in 
Kiirze hier gedenken wollen Vor Allein stoBt 
uns auf .- 1. Peter von Weyhe . Hein« 
richs Sohn, dessen zwei Sonne Peter und 
Heinrich sich in zwri Linien abtheilten, so 
daB Ersterer die weiBe Kemnade oder Burg 
im rothen Felde. Letzterer aber ein halbes 
Rad und die weiBe Raute im Wappen fiihrte. 
Obiger P?ter nun trat in die Dienste des 
kaiserlichen Heeres und zog mit Kaiser M a> 
rimilianl. gegen die Venrtianer. welche 
dieser 1307 aufs Haupt schlug; im Iakre 
1519 kampfte cr in der Soltauer Schlacht, 
in welcher er die Hauptfahne fiihrte. — 

2, Wieder ein Peter, Sobn Arnolds. 
Burgmanna zu Thedinghausen . zog mit dem 
kaiserlichen Heer gegen die Tiirken und fiihrte 
in einem der Feldziige die Hauptfahne. Im 
Kampfe hieb ihm ein Moslem die rechte 

Hand ab, worauf Peter die verlorene mit 

einer eisernen ersetzte, weshalb er der „Ritter 

mit der eisernen Hand" genannt wurde. — 

3. Ernst von Weyhe. ein Sohn Iobsts. 
braunschweig < liineburgschen Schcchrathes zu 
Celle. zog mit Herzog Franz von Vraiin> 
schweig und Liinebnrg nach Ungarn wider 

d e Tiirken und starb 1596 auf dem Riick» 
wege in Leipzig. — 4 Weitaus der beriihm« 
teste aber ist Peter uon Weyhe. ein Sohn 
Friedrichs und Bruder des gelehrten 

Seite 289 



Wurzbach55 . txt 
Eberhard, der als kaiserlicher Rath und 
graflich Schaumbur g'sch er Kanzler im Jahre 
1«29 starb. Peter genoB auch eine vorzug» 
liche Erziehung, die in Paris Cujacius 
und Ramus vollendeten, dann reiste er mit 
Otto Heinrich Herzog von Braunschweig' 
Liinebura in Italien, wo er die Hofe von 
Florenz, Ferrara und Mantua besuchte, Auf 
der Heimkehr iiber Innsbruck wurde er von 
dem Erzherzoge Ferdinand als Hofmeister 
fur dessen Sonne gewonnen, in welcher Stel» 
lung er zwei Jahre verblieb. Aber alle C'hren 
und Wiirden, die man fur den Fall seines 
Uebertrittos . zur katholischen Kirche, ihm bot . 
wies er entschieden zuriick. Dann iibernahm 
er mit seinem Fiirsten Otto Heinrich. d?m 
sich die Erzherzoge Ferdinand und Ma< 
rimilian und Herzog Ferdinand uon 
Bayern anschlossen, w'eder eine Reise nach 
Italien. Zulolzt. 138?. wurde er Kanzler von 
Halberstadt und starb, nachdem er 2? Jahre 
diese Wurde bekleidet hatte, am Nl August 
il>i:l. Er hinterlieB aus zwei Ehen auBer 
einem Sohne, der vor idm starb, nur weib» 
liche Nachkommenschaf t . Wann die Frei' 
Herren wiirde in, dieses Geschlecht gelangte, 
ist in der obigen Skizze iiber Arnold Karl 
Ferdinand Freiherrn von Weyhe - Eimke 
erwahnt . 

Wcyhrother, Clemens Ritter von, 
siehe: Weyrother Clemens Ritter von 
, Joseph 1 ' Schrif tsteller , geb . 
in W i e n am 9 . Marz 1821) . Nicht zu 
verwechseln mit dem auf ahnlichen schrift« 
stellerischen ' Geleisen wandelnden Ber>? 
Meyl Meyl 

liner Liew Weyl. Richtig schreibt er sich 
Weil, da aber zur Zeit, als er zu schrif tstellern 
begann, 1847, ein P h i 1 i p p 
Weil im Pesther „Spiegel" mit Proben 
seiner stark demokratisch angehauchten 
Feder debutiite, veranderte er seinen 
Namen orthographisch in Weyl. Nachdem 
er langere Zeit in Wien das Gymnafium 
besucht hatte, verlor er seine Eltern 
durch den Tod, infolge dessen er sich genothigt 
sah. sein Studium zu unter» 

brechen. Sein unleugbares schrif tf tellerif ches 
vorherrschend auf komischem Gebiete 
wirksames Talent drangte ihn auf das 
journalistische Gebiet, auf welchem er 
nun bald ein halbes Jahrhundert thatig 
ist. Er betrat die schrif tstellerische 3aufbahn 
schon im Vormarz, zunachst als 
Feuilletonist im schongeistigen Tagesblatte 
„Das Vaterland" in Raab, zwei 
Jahre spater wurde er Feuilletonredac« 
teur der Zeitschrift „Pannonia" in PreB» 
burg, und 1848 veiscih er in Wien die 
Secretarstelle bei einem der damaligen 
Oppositionsblatter . Ueberdies war er im 
letzteren Jahre auf dem Gebiete der 
Lyrik mit nachsten Beziehungen auf die 
bewegte Zeit ziemlich thatig, und Frei- 

Seite 290 



Wurzbach55 . txt 
Herr von H e 1 f e r t schreibt ausdriick' 
lich: „daB sich W e y 1 fchon in der 
Zeit vor dem October durch muthige 
Satyre hervorgethan und im Nachocto» 
ber eine unerschopf liche Fruchtbarkeit ent» 
wickelt habe . Weyl ,verstand aber auch 
ernstere Tone anzuschlagen . Hieher gehort 
„Kein GeiBelhieb", von dem armen 
„Fido", der auf dem Grabe des ungluck« 
lichen Studenten ausharrt, seinem Herrn 
bis in den Tod treu, wahrend jener 
seinem kaiserlichen Herrn die Treue 
gebrochen! Noch vorzuglicher ist die 
„Siegesweihe der Todten" im Charakter 
der „nachtlichen Heerschau" von Zedlitz, 
doch keineswegs Nachbildung, geschweige 
den:i Nachaffnng derselben, wo er den 
A todtm Latour aus dessen Bureau Be- 
A fehle a n W i n d i scbgratz und I e 1 a 6 i « 
ausfertigen laflt, die von Ordonnanzen 
auf „luftigen Pferden" den beiden Feldherren 
iiberbracht werden." Diese A oyalitat 
erwarb ihm auch in den Kreisen der 
besonnenen Bevolkerung viele Freunde, 
welche im Hinblick auf die precare Lage 
seines schriftstellerischen Lebens ihm 
riethen, sich urn eine Anstellung im 
Staatsdienste zu bewerben. So gelang 
es ihm denn — wenn ich nicht irre 

— durch Vermittlung Rudolf Hirsch's 

Md. IX, 3.47 A . bei der obersten Polizeibehorde, 

an deren Spitze damals General 

Kempen von Fichten stamm A Bd. X I , 

S. <63 A j stand, zunachst in der Bibliothek 

des Polizeiministeriums eine Verwendung 

zu finden. Einige Jahre spater 

kam er als Kanzleibeamter zum Polizei» 

commif sariate Wieden und aus dem>elben 

zur k. k. Polizeidirection, in deren Evi> 

denzbureau er als Redacteur der Fach« 

bliitter, dann als Translator und Dol« 

metsch in italienischer und f ranzosischer 

Sprache beschaftigt ist. Die MuBe seines 

Berufes beniitzt er zu Arbeiten, welche 

er in Wiens geselligen Kreisen, zu deren 

Juxen und Ergot zlichkeiten seine geradezu 

unerschopf liche Muse nicht unwesentlich 

beisteuert, gewohnlich selbst vortragt. 

Weyl iibergab diese humoristischen und 

lyrischen Ergiisse seiner Muse dem Drucke, 

und die Sammlung derselben, welche 

unter dem T i t e 1 : „Oesamnielte heitere 3artrage" 

in zwanglosen Heften bei Kienast, 

vormals Klemm in Wien erscheint, um» 

faBt bereits zwanzig Hefte. Aber von 

Zeit zu Zeit verof f entlicht er aufierdem 

kleinere Sammlungen seiner Arbeiten 

unter besonderen Titeln, so: «Eplirnrankeil 

urn Hasse derZMburg" (St. Polten <832)', 

— „Pu55iflurrn des Hllhrez A a3s" (Wien£ 
Weyl 196 Meylgoune 

1834, Eurich) ' — „Nn A mriligrz " (ebd. 
1836, Klemm) '. — „Humoristischer M 
nach", I — V I . Jahrgang (ebd. 1861 bis 

Seite 291 



Wurzbach5 5 . txt 
1866) ; — „(5inr lustige Nru>llhrss,l 
Humoristische Vcirtmzl. Mit Illnstr." (ebd. 
1862, typ. lit. artist. Anstalt, 8".); - 
„Inilircuirr . Hnmarilltische Vortrate tiir Jung 
und lit. Mit Junstr." (ebd. 1863, typ. 
lit. art. Anstalt, 8".) ', — „NnimrUiges. 
Ginr reiche Fammlnng heiterer Vortrage, Komi- 
5cher Dialoge nno Frenen. ncb?.t einem Anhang 
ernster Ire '. amlltiunsf tire ' n und (Oelrgrnheitsgeilichtr " 
(Wien 1867, Geitler, 8".), eine 
von der oben unter gleicdem Haupttitel 
1836 angefiihrten Sammlung verschiedene- 

— »Aros't Nrnjllhr! Nomischrr Ralendrr 
inr A s)0. Mit Illnstr." (ebd. 1869, 

8 A ) ', — „Wephiatn. Hnnuiri5ti5chrr Nll'rndrr 
fur /s 186s" (ebd., Wened Al t) . Auch iibertrug 
Weyl fur Wiener Bijhnen viele 
groBere Theaterstucke und Opern aus 
dem Franzosischen, so , z B. „Die Reise 
nach China", komische Oper, — „Ga 
vaud Minard", Lustspiel' — „Hauptling 
Abendwind", Operette'. — „Die 
Verlobung vor der Trommel", Operette', 

— „Taub muB er sein", Operette' — 

„1 A .2 1 ' ' s aemptioi' s ' , Oratorium von G o unod 

u A. Nicht zu zahlen sind auch seine 

fur Akademien, Concerte, Liedertafeln 

und gesellige Vereinsabende geschriebenen 

ernsten und heiteren Gedicbte, Gesangtexte, 

Pro- und Epiloge, so daB man 

wohl annehmen kann, kein heiteres Fest, 

welch immer einen Namen es fiihren mag, 

wird offentlich in Wien begangen, zu 

welchem Weyl einen Beitrag zu liefern 

nicht aufgefordert wiirde. Bei Gelegen» 

heit, als der Wiener Mannergesangverein 

der damaligen belgischen Prin> 

zessin, gegenwartigen Erzherzogin Kronprinzessin 

Stephanie als Huldigung 

in Briissel das Standchen darbrachte, 

erhielt Weyl das Ritterkreuz des belgischen 

Leopoldordens , und am 25. Decem» 

ber 1883 verlieh ihm Seine Majestat 

der Kaiser die groBe goldene Medaille 

fur Kunst und Wissenschaf t . Ein Urtheil 

iiber Weyl ' s Leistungen zu fallen, ist 

hier nicht am Platze, wer aber im Marz 

1878 dem von der „Concordia" zu 

Haeckel's Ehren veranstalteten Abend 

beigewohnt und die von Ndol vorgetragenen 

„Haeckel-Bankel" , deren Verfasser 

Weyl ist, gehort hat, muB der Eigenart 

der Muse unseres Dichters ihr Recht einraumen 

und begreift vollkommen dessen 

Beliebtheit in Wiens geselligen Kreisen. 

H e 1 f e r t (Freiherr v.) . Der Wiener ParnaB 

im Jahre 1848 (Wien 1882. Mauz. gr. 8".) 

S. 462. ''Das Register aibt eine ausfiihrliche 

Uebersicht von Weyl ' s poetischer Fruchtbar» 

keit in diesem Bewegungs jahre, ) 

Weylgoune. Johann Nepomuk (gelehrter 

Benedictiner, geb . zu Bene» 

schau in Bohmen 14. Marz 1718, gest. 

in Kremsmunster 22. Mai 1760) . 

Seite 292 



Wurzbach5 5 . txt 
Nachdem er die Gymnasialclaf sen beendet 
hatte, kam er nach Salzburg, wo er, im 
Hause seines Verwandten, des fursterz» 
bischof lichen Rathes Dr. Franz Hunger, 
wohnend, die philosophischen Studien 
horte. Aus Beruf dem beschaulichen 
Leben sich zuwendend, trat er im October 
1730 in das Benedictinerstif t zu Krems» 
munster, wo er 1723 die ProfeB ablegte 
und seine bisherigen Taufnamen Franz 
Joseph mit den Klosternamen Io> 
hann Nepomuk vertauschte. Kurze 
Zeit war er in der Seelsorge thatig, 
dann aber berief ihn sein Abt an das 
Stif tsqymnasmm, wo er folgeweise 1737 
bis 17:53 Grammatik, Poesie und Rhe» 
torik vortrug, die scenischen Darstellnn» 
gen der Stif tszoglinge leitete und auch 
einige Jahre das Amt eines Prafecten 
versah. Dann trat er in die Seelsorge 
zuriick, wurde zuletzt Pfarrer in Fischet«£ 
Meylgoune 19? Weymann 

ham und starb als solcher, erst 42 Jahre 
alt, im Rufe eines der wiirdigsten und 
beliebtesten Capitularen des beruhmten 
Stiftes, dem er angehorte. Als 1743 

Abt Alexander Fixlmillner die Umgestaltung 
der bisherigen Lehranstalt in 
eine kaiserliche adelige Akademie oder 
Ritterschule durchgef iihrt , wurde dieser 
Act festlich begangen. Die von dem ersten 
Akademiker Ioh. Nepomuk Ritter von 
Hackh dabei gehaltene Festrede war 
von Weylgoune verfaflt und erschien 
unter dem Titel: 

F ( o i i 174i>) im Drucke. Als 
Leiter der dramatischen Vorstellungen, 
welche, biblische Stoffe behandelnd, bei 
festlichen Gelegenheiten im Stifte von 
den Zoglingen aufgefuhrt wurden, schrieb 
Weyl mehrere solcher Stiicke in lateini» 
scher und deutscher Sprache, und sind im 
Drucke erschienen: 
1744) 

. . " (id. 1743, 4 A .) ; - 

(id. 

sid. 1747, 4a. ) ; - 

(id. 1748) 4". ) ; - „ A 

(id. 1749, 4-.); alle 

diese Stiicke mit lateinischem und deut» 
schem Texte zugleich sind ohne Angabe 
ihres Autors gedruckt, doch steht es nack 
Auf zeichnungen im Stifte fest, daB 
Weylgoune dieselben verfaBt hat. 
Pachmayr in dem in den Quellen 
genannten Werke gedenkt noch anderer 
literarischer Arbeiten und Festreden unseres 
Gelehrten, doch haben sick solche in 
Handschrift nicht vorgefunden und sind 
wohl unter den anonymen Werken 
versteckt . 

Hann sTheodorich) , Das Mrkm drr Brne 
dictineradtei Kl ' cmSluiinster fur Wissrnschatt . 
Kunst und Iugenddildung . (Hin Beitrag zur 

Seite 293 



Wurzbach55 . txt 
Literatur« und Culturgeschichte A esterreicho 

(Linz 1848, Quirin HaolinTr, .>>>") T> 1>2 . 

!>3. I A s». 231. 233-5< A /ima. , / AAA ?-i'a, lu<'<7<>. 

p. «!>8. — Handschrif tliche Notizen 

des hochw. Herrn (i'.iptt. ?. Huqo Sch ltiid. 

Stif tbibliotdrkals in Kn ' Nismunster . dem ich 

hier fur seine HeMigkcit auch meinen Dank 

aua 'preche . 

Weymann, Nicolaus Nitter von 

(k. k. Feldmarsckall-Lieutenant , 
geb . zu Wiudi fch - Lanosoera, in 
Steiermark 1K12, gest. ; u Djakova.r 
am 3. Juni 1W8) . Nach dem „Kame» 
rao" und der „Wiener Zeitung" ware 
der General in Wiirttemberg geboren, 
der „Osten" aber gibt ausdriicklich Win« 
disch-Landsberg als Geburtsort desselben 
an. Weymann trat im October 1827 
in die kaiserliche Armee, in welcher er 
als Cadet und Subaltern officier in den 
Linien »Inf anterie ' Regimentern Nr. 7, 
22 und 41 und vom Hauptmann bis 
zum Generalmajor in den Grenz-Infan« 
terie-Regimentern Nr. 4, 6, 13 und 14 
diente. Als Hauptmann im Grenz» 
Inf anterieregimente Nr. 14 und Mili» 
tarcommando ° Adjutant in Temesvar 
machte er 1849 unter Feldmarschall« 
Lieutenant Baron Rukawina A Band 
XXVII, S. 249 A > die glorreiche Vertheidigung 
dieser Festung mit und befand sich 
stets an der Stelle, wo die Gefahr groB 
war, durch welches Beispiel er den Unter»? 
Meymann 198 Weyprecht 
gebenen Muth und Ausdauer einfloBte. 
Am 12. Mai 4849, bei Gelegenheit eines 
Ausfalles, fuhrte er als Freiwilliger an 
der Spitze einer Escadron Schwarzenberg/ 
Uhlanen einen Angriff gegen Freidorf 
mit solchem Erfolge aus, daB der 
Feind, die ungarische Nebellenarmee — 
„welche sich jetzt", wie unsere Quelle be« 
merkt, „in den Schafspelz einer koniglich 
ungarischen Landwehr hiillen will" — 
geworfen wurde und viele Hunderte von 
Todten und Verwundeten auf dem 
Schlacht f elde zuriicklassen muBte. Fur 
diese Waffenthat erhielt Weymann von 
Seiner Majestat am 27. August 1849 
den Orden der eisernen Krone dritter 
Classe und aus gleichem AnlaB von 
RuBland den St. Annenorden mit den 
Schwertern. I m Jahre 1849, unmittelbar 
nach der Schlacht von Solferino, 
wurde er zum Generalmajor befordert 
und kam zur Armee in Italien, nachdem 
bereits der Waf f enstillstand abgeschlossen 
war. Wahrend des Krieges 1866 wurde 
er zum Commandanten der Kustenver» 
theidigung ernannt. Auf der Reise dahin 
begriJBte ihn ein Hochgestellter : „Freuen 
Sie sich, General, Sie kommen zuerst 
zum HandkuB . " Aber die Freude des 
Generals iiber diese Aussicht wurde als« 

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Wurzbach5 5 . txt 
bald getrubt. Schon hatte er die umf assendsten 
VertheidigungsmaBregeln ge> 
troffen und befehligte, urn den Feind 
entsprechend zu empfangen, die See» 
front des befestigten Venedig, als Te« 
getthoff ' s ruhmvolle Waffenthat bei 
"issa den Krieg im Siiden schnell endete, 
lind so blieb dem General nichts mehr 
zu thun iibrig. Nach dem Feldzuge kehrte 
er. der am 9. November 1867 zum Feld. 
marschall-^ieutenant ernannt wurde, auf 
seinen Posten in Otochacs zuriick und be« 
hielt das Commando der 21. Grenz» 
Truppendivif ion, das er bereits seit Juli 
1867 fuhrte. Bei der Bereisung seines 
Generalates, welche er in Begleitung 
des Erzherzogs Albrecht machte, traf 
ihn der Unfall, der seinen Tod zur Folge 
hatte. Die Pferde des Wagens, in wel« 
chem er saB, scheuten, der Generalf tabshauptmann 
ihm zur Seite wagte den 
Sprung und kam unversehrt davon . Der 
General, der schon leidend in den Wagen 
gestiegen, unterlieB es, da er sich zu 
schwach fuhlte, auf diese Weise Hilfe zu 
suchen, und erhielt beim Sturze so schwere 
Verwundungen, daB er denselben erlag. 
Bei den Grenzern, in deren Mitte er 
eim'n groBen Theil seiner Dienstzeit ver« 
lebte, erfreute er sich groBer Beliebtheit, 
die in riihrender Weise zum Ausdrucke 
kam, als er infolge seiner Beforderung 

dieselben verlassen muBte. Der Feldmarschall ' Lieutenant 
hinterlieB eine Witwe 
und drei unversorgte Kinder. 
Der Osten, ein Wiener Parteiblatt. 1868. 
Nr. 24. - Wiener Z e i t u n g . 1868, 
Nr. 139: „Nekrolog" von D. 0. G. - 
Der Kamerad (ostcrreich. Soldalenblalt ) 
1858. Nr. 50. 

Weyprccht , . Karl (Fiihrer der ersten 
osterreichischen Nordpolexpedition, geb . 
zu Michelstadt im hessischen Odenwalde 
am 8. September 1838, gest. daselbst 
am 28., nach Anderen 29. Marz 
1881) . Der Sohn wohlhabender Biirgersleute 
seines Geburtsortes, besuchte 
er in Darmstadt die Gewerbeschule und 
trat, 18 Jahre alt, als Cadet in die 
osterreichische Marine. Nachdem er die 
nothige nautische Ausbildung erhalten 
hatte, wurde er 4861 Schif f sf ahnrich . 
Bald lenkte er durch seine ebenso statt» 
liche als anziehende auBere Erscheinung, 
wie durch seine Anstelligkeit und Tuch« 
tigkeit im Seedienste die Aufmerksamkeit 
Tegetthoff ' s auf sich. Als dieser im 
Jahre 1866 das Comnmndo iiber die? 
Weyprecht 199 Meyprecht 

osterreichische Flotte erhielt, welche den 
Kampf mit der italienischen aufnehmen 
sollte, stellte er hinter Lussin und Lissa 
ein paar Schiffe auf, urn das Herannahen 
des Feindes beobachten zu lassen. 

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Wurzbach5 5 . txt 
Auf einem derselben befehligte Weyprecht . 
Da zeigten sich am Horizonte 
die langhin abfliegenden Rauchfahnen 
der italienischen Dampfer, denn nur 
diese und sonst keine anderen konnten es 
sein. Sie segelten wohl daher in der Ab« 
sicht, die Ausschiffung eines Flankencorps 
zu versuchen. Da lichteten unsere Theer» 
jacken unter Hurrahs und Zivios d> ' : 
Anker und dampften den GriinweiBrothen 
entgegen. Hier war es, wo unser 
Seemann so kiihn und in energischem 
Plane gegen den „R6 d' Italia" ope» 
rirte, daB derselbe den Breitseiten der 
Weyprecht ' schen Fregatte schonungs» 
los preisgegeben war und die gliihenden 
Bomben unserer Schif f sartillerie krachend 
und prasselnd den feindlichen Bord in 
Splitter rissen. Es erfolgten dann die 
furchtbaren Explosionen, und wieder war 
es Weyprecht, der das eigene Schiff 
durch ein energisches Manoeuvre davor 
bewahrte, mit in den tosenden Strudel 
gerissen zu werden, welchen das Unter« 
. sinken des feindlichen Ungethiims wirbelnd 
und schaumend auf riB . Nun nahm 
Tegetthoff, nachdem er die Cha° 
raktertiichtigkeit und Befahigung seines 
Gunstlings erprobt hatte, ihn als Linien» 
schif fsfahnrich in seinen Stab auf, und 
Weyprecht begleitete den Admiral, als 
derselbe 1867 mit dev „Novara" nach 
Mexiko fuhr, urn die Leiche des ungliicklichen 
Kaisers Maximilian von dort 
zu holen. Nachher unternahm er noch 
manche andere Fahrt nach Asien und 
Amerika, kreuzte wiederholt in der Le» 
vante und machte in zwei Jahren 
Kuf tenauf nahmen von Dalmatien, sich 
dabei immer als besonders tiichtiger praktischer 
Seeofficier erweisend. I n den 
Vordergrund aber trat er erst, als der 
Gedanke einer osterreichischen Nordpolexpedition 
verwirklicht werden sollte und 
er sich zur Theilnahme an derselben anbot . 
Er hatte namlich schon 187< mit 
dem „Isbjorn" eine Vorexpedition nach 
Spitzbergen und Nowaja Semlja unternommen, 
so daB er doch nicht vollig un» 
vorbereitet an das groBe und gefahrvolle 
Unternehmen herantrat und man ohne 
Bedenken dem damals 34jahrigen er» 
probten Seeofficier die Leitung der 
schwierigen Expedition anvertrauen 
durfte. Weyprecht hat dieselbe unfl. 
den ungiinstigsten Verhaltnissen, Ge» 
fahren besiegend, deren Bewaltigung 
kaum vorauszusehen war, ausgefiihrt. 
Er fuhr im Sommer J872 von Bremer 
Hafen ab und befand sich nach kaum 
neun Wochen, am 2 1 . August, mit seinem 
Schisse „Tegetthoff" bereits von Eismassen 
eingeschlossen, von denen er sich 
nicht mehr befreien konnte. Zwei Jahre 

Seite 296 



Wurzbach55 . txt 
hielt er mit den Seinen' auf dem von 
Eispressungen bedrohten Fahrzeuge aus . 
Oberlieutenant P a y e r M . XXII, 
S. IBS'" unternahm wahrend dieser Zeit 
vom Bord weg die Schlittenf ahrt nach 
Norden, welche ihn zur Entdeckung dcs 
Franz Ioseph-Landes fuhrte. Endlich im 
Hochsommer 4874 entschloB sich die Bemannung, 
das Schiff zu verlassen und 
die Rettung durch einen Marsch iiber 
das Eis zu versuchen. Nach unzahligen 
Beschwerlichkeiten und Gefahren ge» 
langten sie wohlbehalten zu einem russischen 
Schisse auf Nowa ja»Seml ja, wel> 
ches sie aufnahm und nacb Europa 
zuriickbrachte . Die Reise dieser modernen, 
aber weniger gliicklichen Argonauten von 
Norwegen in die Heimat gestaltete sich 
zu einem wahren Triumphzuge . Auf£ 
Menprecht 200 Meyprecht 
dem Dampfer „Finnmarken" ging die 
Fahrt von Christian fand nach Hamburg. 
Hon Curhaven fuhr Graf Wilczek 
seinem Freunde entgegen. Dann wurde 
die Heimkehr auf dem Lande fortgesetzt, 
und von Oderberg bis Wien begriiBte, 
wer das Kommen der Reisenden erfuhr, 
dieselben jubelnd auf den Bahnhofen. 
Auch der Einzug in Wien glich einem 
Triumphzuge: es war zum ersten Male 
seit dem Krach (1873) . daB man in Wien 
wieder eine freudige Stunde hatte. Ein 
Fest folgte dem andern, Alles wollte die 
kiihnen und gefeierten Reisenden sehen. 
Nachdem der Jubel voriibergerauscht , 
ging's wieder an die Arbeit. Weyp recht 
hatte sich zwei Aufgaben gestellt, erstens 
seine Reise zu beschreiben, und das that 
er auch, indem er dieselbe im 33. Bande 
der „Denkschrif ten der kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaf ten" verof fentlichte ' 
dann aber selbstlos, wie er war, ver» 
langte er nichts fur sich, sondern benutzte 
seinen Aufenthalt in Wien nur. urn 
alien Theilnehmern an seiner Fahrt 
Stellen zu verschaffen, was ihm gliicklich 
gelang. Aber nicht bios seine Reise hatte 
Weyprecht beschrieben, sondern alle 
seine wahrend derselben gemachten Beob» 
achtungen iiber die Eispressungen, die 
Metamorphosen des Polareises, iiber 
das Nordlicht, dann seine astronomischen 
und geodatischen Bestimmungen theils 
in selbstandigen Schriften, theils in 
Fachblattern verof fentlicht . Dabei gingen 
seine Studien auf den Plan einer radi» 
calen Reform der bisherigen Methoden 
der Nordpolerf orschung, dessen Grund» 
qedanken er denn auch 1873 auf der in 
Grah abgehaltenen 48. Versammlung 
der Naturf orscher und Aerzte entwickelte. 
I n einer sensationellen Nede kritisirte er 
die bisherige Methode der Polarf orschunH 
und der zu ihrer Forderung entsendeten 

Seite 297 



Wurzbach5 5 . txt 
Erpeditionen in scharf einschneidender 
Weise. Er warf ihnen vor, „daB die 
geographische Detail forschung 
der beschreibenden Geographie der Wissen, 
schaft hindernd in den Weg trete", wan. 
rend doch „die topographische Geographi 
sich im arktischen Gebiete der physischen 
ganzlich unterordnen muffe. Wo der 
Schlitten in den Vordergrund trete, da 
konne die wissenschaf tliche Beobachtung 
nur eine secundare Rolle spielen" . Diese 
letzteren Worte verwickelten ihn dann 
mit seinem Gefahrten, Oberlieutenant 
Payer, eben mit dem Helden der 
Schlittenerpedition, welcher das Franz 
Iosephs'Land aufgefunden, in eine un» 
erquickliche Fehde. Aber es sollte ihm 
nicht vergonnt sein, seine Erfahrungen 
und die daraus gewonnenen Resultate 
fur eine zweite Nordpol fahrt, wie er sie 
plante, zu verwerthen, nur noch gelang 
es ihm vorher eine Beobachtungsstation 
auf Spitzbergen oder Nowa ja»Seml ja 
einzurichten . Er hatte die ersten Jahre 
nach seiner Expedition in Trieft zuge» 
bracht, iibersiedelte aber dann bleibend 
nach Wien. Daselbst lebte er bis wenige 
Wochen vor seiner Erkrankung, beschaf» 
tigt mit seinen wissenschaf tlichen Arbeiten. 
Auf einmal machte sich ein Leiden, das, 
wie er bemerkte, ihn schon vor Jahren 
befallen, wieder geltend. Er liefl sich 
von seinem Bruder in die Heimat brin« 
gen, wo dasselbe bald einen acuten Ver< 
lauf nahm und der beriihmte Seefahrer, 
erst 43 Jahre alt, in den Armen seiner 
Mutter starb. Die Kunde seines Todes 

— man wuBte gar nicht, daB er krank sei 

— siel wie ein Blitzstrahl aus heiterem 
Himmel in die Kreise der Wissenschaf t . 
Weyp recht ' s wissenschaf tliche Studien 
befinden sich abgedruckt in Peter» 
mann ' s „Mittheilungen" , Jahrgang 

1875 und 1876, im „Archiv fur See-^ 
Weyprecht 201 Menprecht 
wesen" und in den „Mittheilungen der 
Wiener geographischen Gesellschaf t " ; 
selbstandig erschienen sind: „Nie Miilltiache 
Anleilnng "ur Nellbllchtnng der Pularlichter " 
(18 8 0) ; — „Hllupwsnltllte der magnetizchen 
Nrnbachtnngen lulillrentl der iisterreiauch 
in den „Sit zungsberichten der mathematisch 

— naturwissenschaf tlichen Classe 

der k. k. Akademie der Wissenschaf ten" ' . 

— und „Nie Nllrdpaleipeiiitillnrn der Ankunft 
und deren 5ichere5 FrgrbnisZ. nervlichen mit den 
bisherigen FnrLchungen ant dem arktischen Grbiete" 

(1876); auch als erstes Heft der 

„Sammlung gemeinniit ziger popular>wissenscdaf tlicher 

Vortrage", welche in 

H a r r t e ben's Verlage zu Wien erschienen 

sind. An Ehren bat es dem Edlen 

wohl nicht gefehlt; von Seiner Majestat 

dem Kaiser erhielt er fur sein ausgezeich» 

Seite 298 



Wurzbach55 . txt 
netes Verhalten im Jahre 1866 den 
Orden der eisernen Krone dritter Classe 
mit der Kriegsdecoration und nach der 
Rijckkehr von der Nordpolerpedition 1874 
das Ritterkreuz des Leopoldordens . Die 
Stadt Frankfurt a. M. zeichnete ihn anlaBlich 
eines Vortrages, den er daselbst 
gehalten, mit einem schweren silbernen 
Lorbnkranze aus, aus welchem spater 
ein diebischer Diener, als derselbe Geld 
fur seine Geliebte brauchte, einige Blatter 
abbrach; dann verlieh ihm der geographische 
internationale CongreB zu Paris 
die groBe goldene Medaille, welche ihm 
und Payer zu Ehren gepragt und mit 
Weyp recht ' s Namen versehen ist, und 
schon das Jahr vorher (1873) erkannte 
die Londoner geographische Gesellschaft 
Weyprecht die goldene Stiftermedaille 
zu; am 22. September <874 aber, bald 
nach der Riickkehr von seiner Erpedition, 
ehrte sich die Stadt Fiume durch Verlei» 
hung des Ehrenbiirgerrechtes an ihn. 
SchlieBen wir diese Skizze noch mit der 
zutreffenden Silhouette Weyprecbt's, 
welche ein Freund desselben mit Worten 
gezeichnet: „Weyp reckt war. we : ' n 
auch eracter Gelehrter durch und durck. 
ein auBerst liebenswiirdiger Gesellschaf ter , 
und ein Kamerad, der jeden heiten'ii 
Scherz mitzumachen wuBte. Wochen 
lmd monatelang in seinen Studien wie 
ein Einsiedler vergraben, war er dann 
wieder fur einige Zeit Lebemann, der mit 
vollen Ziigen die Freuden des Dasein) 
genoB . Beredt und im freien Vortrage 
geradezu hinreiBend, als Schriftsteller 
knapp im Ausdrucke, in seinen Schilderungen 
groBeren Werth auf die Wahrheit 
als auf die Schonheit des Ausdruckes 
legend, war er nicht ohne sckarfen Humor, 
der sich dem Gegner bitter fiihlbar 
machen konnte. Seine auBere Erschei« 
nung war im hohen Grade einnehmend. 
Er hatte den unverf alschten frankischen 
Typus, war groB gewachsen, breit in den 
Schultern, schmal in den Huften, elastisch 
im Gange, das helle Auge stahlblau, die 
hohe Stirne und das scharf markirte Geficht 
von blonden Haar- und Bartlocken 
umrahmt . " Als ein Unicum, fur Auto» 
qraphensammler diirfte das Blatt sein, 
welches Ludwig Speidel von Weyprecht 
als ein Geschenk besitzt. Es ist 
das Protokoll, das der Verfasser vor 
dem Verlassen des „Tegetthoff" mit den 
Ofsicieren aufnahm und von diesen 
unterzeichnen lieB. Es heiBt iri demselben, 
daB sich sammtliche Ofsiciere, Weyprecht 
voran, erschieBen miissen, wenn sie sehen, 
daB alle Nahrungsmittel zu Ende und 
Rettung nicht mehr moglich ist. Die 
Mannschaft werde diesem Beispiel folgen 
und sich vor so elendem Untergange be« 

Seite 299 



Wurzbach5 5 . txt 
wahren. Man wird vielleicht staunen, 
dafi Weyprecht in seiner dienstlichen 
Stellung und nach solcher That, wie die^ 
Meyfrecht <Quellenj 202 Weyprecht (Portraits) 
Nordpolerpedition, es nicht weiter ge» 
bracht, als zum 3inienschif f slieutenant . 
Nun, seine auBerdienstlichen Leistungen 
boten eben keinen geniigenden AnlaB zu 
einer Beforderung auBer seinem Range, 
dagegen behandelte ihn das kaiserliche 
Marinecommando mit der zartesten Ruck» 
sicht, man gewahrte ihm freie Zeit fur 
seine Studien und wollte ihn beinahe 
dienstfrei erhalten, bis ihn sein Vorriicken 
in einen hoheren Rang zu einem selbststandigen 
Commando bestimmt hatte. 
Dem alien machte sein friihzeitiger un» 
verhoffter Tod ein gewaltsames trau« 
riges Ende. 

L i t t r o w (Heinrich von) . Karl Weyprecht. dl>r 
osterreichische Nordpolf ahrer . Erinnerungen 
und Briefe, gesammelt und zusammengestellt 
mit Portrait Weyprecht ' s und Abbildung des 
„Tegctthoff" (Wien 1881. Hartleben. 8".). - 
Allgemeine Z e i t u n g (Augsburg, Cotta, 
4".) 1873. Nr. 329, auBerordentliche Beilage: 
„Negri an Weyprecht". — Aus alien 

Welttheilen . Geographische Zeitschrift, 
n-digirt von Dr. Hugo Toeppen, 13. Jahr« 
gang (1882). S. 218. - Embacher (Fried-, 
r : ch Dr.) . Lerikon der Reisen und Entdeckun« 
A >n (Leipzig 1882. Bibliogr. Institut, br. 8".) 
S. 295 und 388. - Gaa. Von H. I . 

Klein. Bd. XVII, 1881. S.Heft. - I 1 1 u « 
strirte Zeitung (Leipzig, I.I. Weber) 
58. Bd. (1872). S. 337; 59. Bd. (1872). 
S. 236; 60. Bd. (1873). S. 41. 43. 47. 48: 
„Die Vorerpedition Weyprecht ' s und Payer's 
im Nowaia«SemIja«Meer; 63. Bd. (1874), 
S. 289; 76. Vd. (1881). S. 361 und 362. 

— Die Natur. Von K M u 1 1 e r . Neue 
Folge. Bd. VII, 1881. Nr. 28. - Neue 
Illustririe Zeitung (Wien. Zamarski) 
1882. Bd. I I , Nr. 28. S. 438. - Neues 
Wiener B 1 a t t . 1874. Nr. 263. im Feuil« 

11 'ton: „Von unseren Nordpolf ahrern . Wey« 

prechi. Von einem Kameraden" . — Neue 

F r r i e Presse (Wiener polit. Blatt) 1881, 

Nr. 3958 Abendblatt und Morgenblatt; 

Nr. 3939. 31)60. 3961 im Morgenblatt-. - 

(Pctermann ' s ) Geographische Mittheiluw 
gen (4".) 1868. S. 212 u. f. - Presse 

(Wiener polit. Blatt) 3. April 1881. Local» 
anzeiger. Nr. 92: „Karl Weyvrecht . der 
Nordpolf ahrer " . Von H. o. Littrow.— 
Dieselbe. 30. Marz 1881. Localanzeiger . 
Nr.88: «Karl Weyprecht". Von Sp . (eide 1) . 

— Schwabischer Mercur. 1881. S.484. 

— Ueber Land und Meer (Stuttgart, 
Hallberger) 29. Bd. (1873). S. 403; 33. Bd. 

(1874). S. 106. - Unsere Zeit (Brock« 
haus. 3er. 8«.). Neue Folge. Bd. X, S. 2; 
1874. S 703 u. f. Von Siegmund Hahn. 
— I. n, Ilustraeion N5p:ln ola, , Band 

Seite 300 



Wurzbach55 . txt 

XVIII, 1876. S. 620. 

Portraits. 1) Unterschrif t : „Karl Wey. 

pi'echt". Holzschnitt und Zeichnung von 

F. W(eiB) in der Wiener „Neuen Illu« 

strirten Zeitung" 1881. — 2) Unterschrif t : 

„Weyprecht". Lithographie von Dombi im 

Wiener Witzblatt „Kaktus". 1874, Nr. 21. - 

3) Unterschrif t : „Schissslieutenant Weyprecht". 

Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und 

Xylographen im illustrirten Blatte „Das 

Buch fur Alle". 1875. S. 180. - 4) Gemein» 

schaftl'ch mit Oberlieutenant Julius Payer. 

Holzschnitt, nach Zeichn, von H. S. (cheren« 

berg) in der „Neuen Illustrirten Zeitung" 

(Wien. Zamarski) 1875. S. 4. - 3) Unter« 
schrift: „Der Polarfahrer Karl Weyprecht. 
gestorben am 29. Marz 1881". Holzschnitt in 
Toeppen ' s „Aus alien Welttheilen" . 1882. 
S. 213. — 6) Eine sehr schone und ahnliche 
Zinkographie brachte in einem ihrer Jahrgange 
die „Illustrirte Welt" ohne Angade des Zeich« 
ners. - 7) Unterschrif t : „DieHeimkehr derNord» 
polfahrer" . iDriginalzeichnung von V. Kahler 
in ..Ueber Land und Meer" . 33. Bd. (1874). 
Nr. 6. A Darstellungen der BegriiBungsscenen 
in Hamburg, 5)derberg und auf der Aspern» 
briicke in Wien. mit den Medaillonbildnissen 
des Graf en Wilczek. Payer's und Wey« 
precht ' s . — 8) „Neue Illustrirte Zeitung" 

(Wien. Zamarski. kl. Fol.) 1875. Vd. I, 
Nr. 1. S. 4. VildniBgruppe : Graf Hans 
Wilczek. Oberlieutenant Julius Payer, 
Schissslieutenant KarlWeyprecht . — 
9) BildniBgruppe : Schissslieutenant Karl 
Weyprecht, Oberlieutenant I u 1 . Payer, 
Professor Laube . Nach Originalzeichnungcn 
von V. Froer in „Ueber Land und Meer". 
29. Bd. (1873). Nr. 21. S. 403 und 404. 

— 10) Uebelschrif t : „Die Fiihrer der Nord« 
polerpedition (Payer und Weyprecht)". 

C. M i 1 1 mann oliem. im Wiener „Illu< 

strirten Ertrablatt". 23. September 1874. 

Nr. 263. — 11) Unterschrif t : „Ankunft der 

Nordpolf ahrer in Wien" . Originalzeichnung 

voa F. Kollarzin der „Neuen Illustrirten^ 

Emil 203 Meyr, Emil 

Zeitung" (Wien) 1874. 4. October. Nr. 40. 

sMit den erkennbaren Bildnissen Wey< 

precht 'S. Payer's, des Feldmarschall ' Lieu« 

tenants von H a u s 1 a b und deo Wiener 

Burgecme sters Felder.' 1 — jii) Charqe: 

„Payer und Weyprecyr" . Von (5. v. S t u r . 

A Ganze Figuren in Fellen in einem Lorbrrkranze/ 

— 13) Auf einem mir vorliegenden 
Facsimile der Handschrift W eyprecht ' s steht 
mit jeimr Unterschrift der Sah.- „Die Er° 
reichun<i txr Erdpole ist nur eine Frage der 
Zeit und des Geldes". 

Weyprecht ' s Grab. Gme Ansicht scner 

Grades statte zu M chelftadt im Odenwald 

in schoner, Zinkographie brachte die in Wien 

erscheinende „Neue Illustrirt? Zeitung". 1882. 

Bd. I 1 , Nr. 28. 3. 439. 

Weyr, Emil (Mathematiker , geb . 

Seite 301 



Wurzbach55 . txt 
in P r a g 3 1 . August 1848) . Die Realstudien 
beendete er an der deutschen 
Oberrealschule in Prag, an welcher sein 
Vater Franz als Professor der Mathematik 
und Physik angestellt ist. Zugleich 
betrieb er aus eigenem FleiBe das Studium 
der lateinischen Sprache . Schon in 
den letzten zwei Jahrgangen der Realschule 
begann er, und zwar unter Anlei' 
tung seines Vaters, hohere Mathematik 
und besuchte 1863 das Polytechnicum in 
Prag. wo er besonders Fiedler's Vor» 
trage iiber beschreibende Geometrie horte. 
I n seinen mathematischen Studien that 
er sich so hervor, daB, wahrend er noch 
selbst Horer der Vorlesungen war, ihm, 
dem damals kaum Achtzehn jahrigen, 
4866/67 die Stelle des Assistenten der 
hoheren Mathematik an der Prager poln» 
technischen Anstalt iibertragen wurde. 
Urn eine Privatdocentur an der Prager 
Hochschule zu erlangen, begab er sich, 
dem Rathe seiner Freunde folgend, nach 
Leipzig und erlangte daselbst im Mai 
1869 das Diplom des Doctora der Philosophie. 
Aber dem Prager Professoren» 
collegium geniigte diese Diplomirung 
einer auslandischen Universitat nicht, da 
er nicht die vorgeschriebenen Gymnasial» 
und Universitatsstudien an einer vater 
landiscben Hocbscbule durchgemacht 
hatte. Erst !8?0 konnte er den vorge 
schriebenen Anf orderungen geniigen und 
als Privatdocent der Geometrie an der 
Prager Universitat seine Vortrage iiber 
algebraische Curven beginnen. Urn diese 
Zeit trat er aua> mit seinem ersten selbst 
standigen Werke iiber die Theorie der 
! Curven unter dem Titel: „Tlirulir iicr 
i mehrdeutigen geometrischen ''lrmentarglbilde unk 
lier lllgellrul5chrn turnen nntl FVachen 11! 5 lzeren, 
Gnenyni^e" (Leipzig 4869, Teubner, 
gr. 8"., mit 3 Tafeln in 4".) in die Oef< 
f entlichkeit . Urn sich im Auslande bei 
den hervorragendsten Mathematikern der 
Gegenwart in seinem Fache weiter aus» 
zubilden. erhielt er vom Ministerium des 
Unterrichts eine Unterstiit zung von tau» 
send Gulden, und er hatte sich sckon fur 
Paris entschlossen, wo damals (5 h asles, 
Mannheim. Bertrand und An» 
dere, die Koryphaen der mathematischen 
Wissenschaf t , lehrten, als der Ausbruch des 
deutsch-f rauzosischen Krieges dieses Vorhaben 
vereitelte. So wendete er sich denn 
Anfangs November 4871) nach Mailand, 
urn am Polytechnicum daselbst die Vor» 
trage des beriihmten Geometers Ludwig 
Cremona und jene des Professors C a» 
saroti zu horen. Dort befreundete er 
sich auch bald mit anderen jungen Liebhabern 
und Pflegern der mathematischen 
Studien, so daB sich sein Bekanntenkreis 
im Gebiete dieser Disciplin bald iiber 

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Wurzbach5 5 . txt 
den ganzen italienischen Contwent ausdehnte. 
Im Friihling bereiste er Mittelund 
Unteritalien, urn die verschiedenen 
Universitaten des Landes und die Kory 
phaen seiner Wissenschaft an denselben 
kennen zu lernen' vornehmlich verweilte 
er in Padua. Bologna, Pisa, Rom und 
Neapel und kniipfte uberall f reundschaft»^ 
V e y i , Emil 204 Meyr. Emil 
liche Verbindungen an, die er auch nach 
seiner Riickkehr in die Heimat im Inter< 
esse der Wissenschaft, der er huldigte, aufrecht 
erhielt. Ende Mai 1871 kehrte er 
in den Kaijerstaat zuriick, wo wahrend 
seiner Abwesenheit ein groBer Umschwung 
in den politischen Verhaltnissen ein< 
getreten, der auch auf die Universitat 
und die Besetzung derselben mit Lehr» 
kraften nicht ohne EinfluB blieb. Der 
LandesausschuB ernannte Weyr zum 
aufterordentlichen Professor der Mathematik 
an der oechischen technischen Lehranstatt, 
welche Ernennung am 17. December 
187! die ah. Bestatigung er« 
langte. Gleichzeitig mit den Vortragen 
an diesem Institute eroffnete der junge 
Gelehrte auch seine Vortrage an der Universitat. 
Mittlerweile aber beschaftigte er 
sich mit der deutschen Uebersetzung des 
Werkes nlntl-oauxions aa uns . teoria, 
FLOmetliea, <lkli6 euiv6 A >ixn6" des 
Professors Ludwig Cremona und be' 1 
gab sich, nachdem er diese beendigt hatte, 
im Marz 1873 wieder nach Italien, urn 
sich in Mailand betreffs seiner Arbeit mit 
dem Verfasser des Originals zu verstiindigen, 
dann aber in Bologna die Erlaubnifl 
zur Herausgabe seiner Ueber» 
setzung zu erlangen, da das Original 
Eigenthum der dortigen Akademie der 
Wissenschaf ten war, in deren Schriften es 
zuerst verof f entlicht worden. Nachdem er 
AUVZ gliicklich geordnet hatte, kehrte er 
heim, wo die Gesellschaft der oechischen 
Mathematiker , zu deren Vorstand er 
4872 erwahlt worden, den Verlag dieses 
Werkes ubernahm. I n der Folge wurde 
er an die Wiener Hochschule berufen, wo 
er zur Zeit an der philosophischen Fa> 
culiat die Professur der Mathematik und 
die Vorstandschaf t des mathematischen 
Seminars versieht. Wir lassen hier die 
Uebersicht seiner Arbeiten folgen, welche , 
zum grofieren Theile in den Schriften 
der mathematisch - naturwissenschaf tlichen 
Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaf ten 
und in anderen mathematischen 
Zeitschrif ten erschienen. Aufier den 
bisher angefiihrten sind es folgende: 
„Geomltl'ir der raumlichen Gljeugni25e ein- und 
Mideutiger Gebilde, inzbeZundere Urgelflachrn 
dritter Ordnung" (Leipzig 1870, Teubner, 
gr. 8 A .) ', die nun citirten kamen sammt» 
lich in den erwahnten S i tz u n g s» 

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Wurzbach55 . txt 
berichten der k. Akademie, aber alle 
auch in Sonderabdriicken heraus: „Ein 
Versuch, das Newton 'sche Gravitationsgeseh 
aus molecularen Kraften 

abzuleiten" Md. I . IV, Abtheilung I I , 
S. 630 AI — „Ein Beitrag zur Theorie 
transversal magnetischer Flachen" Mand 
I. VI, Abth. I I , 1868, S. 669 u. f. A > - - 
„Studien aus der hoheren Geometrie. 
Mit 1 Tafel" Md. I. VII, Abth. I I , 
S. 44 9 AI — „Ueber Krummungslinien 
der Flachen zweiten Grades und con» 
socale Systeme solcher Flachen" Mand 
I. VIII, Abth. I I , S. 60); - „Zur Erzeugung 
der Curven dritter Ordnung. 
Mit 1 Holzschnitt. Md. I. VIII, Abtheilung 
I I , S. 633), — „Die Dreitheilung 
eines Winkels" Mand l.VIII, 
Abth. I I , S. 633), — Construction 
des Krummungskreiseo fur FuBpunkt» 
curven. Mit 5 Holzschn." >M. I. IX, 
Abth. I I , S. 169)', - „Ueber kaustische 
Brennlinien" M . I. IX, Abtheilung I I , 
S. 469 A , — ..Ueber Curvenbuschel" 
sBd. I. XI, Abth. I I , S.73 A '. - „Zur 
Vervollstandigung der Involutionen 
hoherer Ordnung. Mit 2 Holzschnitten" 
»Bd. I. XI, Abth. I I , S. 600 A j; - „Geo> 
metrische Mittheilungen . I., II . , III . " 
I. XI, Abth. I I , S. 731, 819 und 
Bd. I. XI I, Abth. II, S. 273) ; - 
„Ueber Evolutionen raumlicher Curven" 
Md. I. XI I, Abth. I I , S. 804 A . -? 
Meyr, Emil 208 Eduard 
„Ueber rationale Raumcurven vierter 
Ordnung" »Vd. I . X I I I , Abtheilung I I , 
S. 4 93 A '. — „Ueber die Abbildung einer 
rationalen Raumcurve vierter Ordnung 
auf einem Kegelschnitt " j A 873 A -, — 
„Weitere Bemerkungen iiber die Abbil« 
dung einer rationalen Raumcurve vierter 
Ordnung auf einem Kegelschnitt" A 187o A '. 
— „Ueber rationale ebene Curven vierter 
Ordnung, deren Doppelpunktstangenten 
Inf lexionstangenten sind" A 187, A ; — 
„Die Erzeugnisse der Curven dritter Ord' 
nung mittels symmetrischer Elementenf yf teme 
zweiten Grades" A 8 7 4 ) ; — 
„Ueber Raumcurven vierter Ordnung 
mit einem Cuspidalpunktc" I A 1873 A ; — 
„Raumcurven siebenter Ordnung" A 1874 A . 
Auch ist Weyr Mitarbeiter der wichtig» 
sten mathematischen Zeitschriften der 
Gegenwart, so der in Leipzig erscheinenden 
mathematischen „Annalen", von 

C r e 1 1 ' s „Journal fur die reine und angewandte 
Mathematik", Schlomilch's 

.Zeitschrift fur Mathematik und Physik", 
der Abhandlungen des Vereines oechischer 
Mathematiker , der Veihandlungen 
der koniglich lombardischen Akademie der 
Wissenschaf ten in Mailand, des „Niorai 
WI . t 6uig . tica . " in Neapel, der 
3." in Mailand und des f ranzosischen 

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Wurzbach55 . txt 
Journals der „aociate NatlieinHtiHUb 
ao L>HNL6". Diese wissenschaftliche Tha» 
tigkeit W e y r's fand in Fachkreisen 
oftmalige Wiirdigung, so wurde er schon 
1872 von der koniglich bohmischen Ge» 
sellschaft der Wissenschaften zum auBer» 
ordentlichen Mitgliede derselben erwahlt; 

1872 von der lombardischen Akademie 
der Wissenschaften in Mailand, im Juni 

1873 von der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften in Wien zum cocrespon-' 
direnden, am 30. Juni 1882 zum wirk- i 
lichen Mitgliede der mathematisch-natur- , 
wissenschaf tlichen Abtheilung' von der 

von der kaiserlich leopoldinischen Akademie 

und noch von vielen anderen. — 

Sein, Bruder Eduard (geb. in Prag am 

21. Juli 1832), gleichfalls ein mathematisches 

Talent, studirte zum Theil an 

der deutschen, zum Theil an der 6ecbischen 

technischen Lehranstalt in Prag und 

erlangte i872 ein Staatsstipendium, 

welches ihn in den Stand setzte, sich an 

der Hochschule in Tubingen weiter in 

seinem Fache auszubilden. Zur Zeit ist 

er Professor der Mathematik an der k. k. 

oechischm technischen Hochschule in Praq, 

! an welcher er 1883 alo Rector fungirte. 

A I n seinem Fache ebenfalls schriftstellerisch 

thatig, verof f entlichte er gleich seinem 

Bruder in den Sit zungsberichten 

der mathematisch« naturwissenschaf tlichen 

Classe der kaiserlichen Akademie der Wis» 

! senschaften einige Arbeiten, so: „Erwei- 

' terung des Satzes von T iisargues 

! nebst Anwendungen. Mit 1 lith. Tafel" 

"■(1868); - «Ueber ahnliche Kegel- 

A schnitte. M!t eingedr. Holzschn." 1<870) -. 

! — „Ueber Kriimmungslinien der Flachen 

; zweiten Grades und confocale Systeme 

"■soldier Flachen" (1868); - „Studien 

A aus der hoheren Geometrie. Mit einer 

"■lithogr. Tafel (gr. 8".)" K868). Mit 

! seinem Bruder gemeinschaf tlich gab er 

„GlnntiMr der hiihrren Oeumetrie" heraus, 

' und gleich ihm ist er Mitarbeiter an der 

A Zeitschrift des Vereines der oechischen 

! Mathematiker und an den oben erwahnten 

Fachbliittern von C r e 1 1 , Schlo« 

milch, den „. A nnali di N22 , t 6rn<z . tio3 . 

I>ura e apMnHta" und den A Oouaptes 

i6nau8" der f ranzosischen Akademie. 

Auch ihn wahlten gelehrte Gesellschaf ten 

zum Mitgliede, so die koniglich bohmische 

Gesellschaft der Wissenschaften, die „8<>- 

ii 8 3oieno6s pk A si A u A L et¥ 

Weyr, Rudolf 206 Weyr, Nudolf 

zu Bordeaux, und dann ist e 

standiger Secretar der Gesellschaft oech 

scher Mathematiker. 

Neyr. Rudolf (Bildhauer, geb 

zu W i e n am 22. Marz 1847) . Bei aus 

gesprochenem Talente fur die Kunf 

wurde er an die k. k. Akademie der bil 

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Wurzbach5 5 . txt 
denden Kiinste in Wien geschickt, wo e 
1864—1868 unter Professor B a u e 
sich bildete. Schon im Studienjahr 
1864/63 errang er den Fuger'schen 
Compositionspreis . Aber grofiere Eindrucke 
erschlossen sich ihm erst im Atelier 
Cesar's, eines als Graveur und Pla 
stiker gleicb trefflichen Kunstlers. 1870 
erhielt er fur seine Gruppe „Samson 
und Delila" den fur das Gebiet der 
Bildhauerei bestimmten groBen Reich el 1 - 
schen Compositionspreis. Zwei Jahre 
spater wurde ihm fur seinen Entwurf der 
Weltausstellungsmedaille „fur guten Ge 
schmack" ftie Abbildung in der „Wiener 
Weltausstellungs-Zeitung" 1872, Nr.7CT 
der Concurrenzpreis zutheil', einen solchen, 
den der niederosterreickische Gewerbeverein 
fur das dein Kaiser darzu» 
bringende Iubilaumsgeschenk ausschrieb, 
erwarb er mit dem in Silber und Gold 
ausgefiihrten Taf elauf sat ze, dessen Hauptfigur 
die Statuette des Kaisers im Ornat 
des GroBmeisters vom Orden des goldenen 
VlieBes als Schiitzer der Arbeit mit 
vier am Sockel sitzenden allegorischen 
Frauengestalten bildet. Alle diese Ar> 
beiten, und friiher als die genannten 
seine vier Figuren der „Elemente" an 
der Facade des neuen von F e 1 1 u e r erbauten 
Fischer ' schen Hauses am Hof zu 
Wien lenkten die Aufmerksamkeit des 
Publicums auf den jungen Kiinstler, dc ' r 
es auch verstand, durch immer wieder 
neue gelungene Schopfungen dieselbe rege 
zu erhalten. So zunachst durch den mit 
dem ihm geistig verwandten Medailleur 
Schar f f "Bd. XX. IX, S. t 1 7 ) gemeinschaf tlich 
gewonnenen Concurs urn die 
Erzherzog Karl Ludwig-Stif tungsmedaille 
des Wiener Kiinstlerhauses und schlieBlich 
durch den Preis fur das Grillparzer- 
Denkmal. Alsbald ging der Kiinstler 
zu monumentalen Arbeiten iiber, 
unter denen vor alien die Zwickelf iguren 
fur die neuen Hofmuseen — gegen sechzig 
verschiedene Figuren umfassend — zu 
nennen sind. Von demselben edlen Geiste 
sind die beiden Gruppen fur das neue 
Universitatsgebaude, „die juridische" und 
„die medicinische Facultat", durchdrungen . 
I n diesen Kreis seiner Werke gehort 
auch die uberlebensgroBe Statue 
iser K a r 1 s VI . fur das neue Hof. 
museum, das Monument der vor dem 

Feinde gebliebenen Zoglinge der k. k. Miliiarakademie 
zu Wiener Neustadt fur letztere 
Eine andere Seite fur seine Beurlhei» 
lung ist jene der decorativen Plastik, 
n welcher er ganz Vortref f liches geleistet; 
o sei nur an den nach seinem Ent< 
lvurfe ausgefiihrten Eisenbahnwaggon im 
M a k a r t' schen Festzuge erinnert. Von 
ihm ist auch ein Plafond im Fiirst 

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Wurzbach5 5 . txt 
Hinsky'schen Palaste auf der Freiung, 
eine ganz liebenswiirdige Idylle von herzigen 
im Reigen sich bewegenden Amo- 
-etten. Dieser Plafond ist auch in Hin- 
' lcht der Technik interessant, als ein ge» 
ungener Versuch d<-r Wiederbelebung 
aller Stuccotechnik . Ganz allerliebst sind 
ie Puttensigtirchen fur den groBen 
Mittelsaal der iwdih 6t A FQ im Palaste 
Miller ' Aicholz in der Heugajse. Halb 
monumental, halb decorativ gestaltet 
nd auch die Karyatiden des Neubaues 
n der Singerstrafle . Weyr ist ferner 
mch Modelleur fur Metallindustrie, in 
welcher Hinsicht seine Figiirchen fur die vom 
Graveur I a u n e r ausgefiihrte Kaiser«? 
Meyr, Rudolf 207 A Rudolf 
rasselte kostliche Proben seiner Kunst» 
fertigkeit bieten. Dann ein nicht minder 
beachtenswertes Werk ist sein Modell 
einer Lampen tragenden Figur, das im 
ZinkguB an dem Neubau in der Adlergaffe 
der inneren Stadt Wien in Anwendung 

?am. Viel beschaftigt ist er fur die Hof schlo jserei 
von A. M i 1 d e , in welcher das 
Kunstgewerbe auf eine iiberraschende 
Hohe gebracht ist und die schonsten Lei» 
stungen des Mittelalters vollkommen 
erreicht sind. Die ersten Architekten 
Wiens arbeiten fur das Atelier M i 1 d e , 
in welchem wir Arbeiten finden aus» 
gefiihrt nach Entwiirfen von Feld» 
scharek, Fellner, Hansen, Helmer, 
K 6 n i g , Storck, und fur welches 
auch Weyr modellirt, so unter anderen 
ein machtig auswuchtendes Stiegengelander 
mit einer phantastischen Figur. 
Wir iibergehen seinen decorativen Antheil 
an dem von dem Wiener und unga» 
rischen hohen Adel veranstalteten Caroufsel, 
bei welchem die Ausschmuckung 
der Wagen von Weyr herriihrt. Eines 
seiner neuesten Werke aber ist sein 
«Bacchuszug" , Relief am neuen Hofburgtheater 
in Wien, in welchem der Kiinstler 
seine ganze Macht iiber die Form, d. h. 
die Schonheit und Kraft des menschlichen 
Korpers in alien nur moglichen 
Bewegungen und eine iibersprudelnde 
Lebensfiille in alien nur irgend denk» 
baren Abstufungen zur Anschauung 
bringt . Und das ist ihm wahrhaft auch 
vollkommen meisterlich gelungen. Freilich 
— Schreiber dieses kennt den Triumphzug 
nur aus einer Photographie — in 
welcher Gestalt nach etwa zehn Jahren 
diese Faunen und noch mehr diese Nym» 
phen diesen bacchischen Dithyrambus 
mittanzen werden, ist eine andere Frage, 
welche mit der Wahl des Materials zu> 
sammenhangt, das unter alien Umstanden 
ein solches sein muBte, welches am langsten 
den Einfliissen des Klimas mit dessen 
oft verheerendem plotzlichen Temperatur- 

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Wechsel Widerstand leistet. Im Sommer 
1886 vollendete er auch das Grabdenkmal 
fur die im Riugtheater Verbrann» 
ten, welches Anfangs October genannten 
Jahres auf dem Centralf riedhof e auf» 
gestellt wurde. AnlaBlich der Enthul» 
lung des Denkmals in der Wiener» 
Neustadter Militarakademie fur die in 
osterreichischen Feldziigen gefallenen Zog» 
linge dieses Instituts ist der Kiinstler 
von Seiner Majestat dem Kaiser mit dem 
Ritterkreuze des Franz Joseph Ordens 
ausgezeichnet worden. Dr. Hermann 
Alexander M u 1 1 e r widmet in seinem 
„Biographischen Kiinstler "Lexikon" (Leivzig 
1882), also zu einer Zeit, in n elcher 
Weyr bereits auf der Hohe kunstlerischen 
Schaffens stand, demselben vierzehn halb» 
gespaltene Zeilen. Es ware denn doch an 
der Zeit, daB die bildende Kunst in 
Oesterreich, welche Namen wie Tilg» 
ner, Kund mann, Konig u. s. w. 
aufzuweisen hat, in den deutschen Werken 
iiber Kunst eine entsprechende Vertretung 
fande, umsomehr als die „Wiener 
Briefe" von V. V(incenti) in der 
Augsburger, heute Miinchener „Allgemeinen 
Zeitung" den jeweiligen Autoren 
ein so reiches und sachgemaftes Material 
darbieten . 

Fremden« B 1 a t t . Von Gust. Heine (Wien. 
4".) 4870, Nr. 34i in den „Tagesneuigkeiten" , 
— Allgemeine Zeitung (Augsburg. 
Cotta. 4".) 1874. Nr. 329. Beilage. - Dir« 
selbe. 1877. Beilage Nr. 32t in v. Vin» 
centi's „Wiener Briefe". — Dieselbe. 
j88i», Nr. 307. Beilage, in von V i n . 
cenri ' s „Wiener Vriefe". — Dieselbe . 
1884, Nummer 93. Beilage, gleichfalls in 
von Vincenti ' ii „W'enrr Briefe". — 
P r e s s e (W'ener politisches Blatt) 1877. 
Nr. 3N. im Feuilleton: „Das Grillf tarzer« 
Denkmal" .? 

Meyrauch 208 Meyrother, Clemens 
Weyrauch. Erviu Anton (gelehrter 
Pramonstratenser , geb zu P r a g 
30. September 1803, gest. d a s e 1 b st 
8. Mar; 1863) . Nachdem er in seiner 
Geburtsstadt die Gymnasialstudien beendet 
hatte, trat er dort in die Sioner 
Kanonie des Pramonstratenserstiftes auf 
Strachov, wo er im Marz 1828 das 
Ordensgelubde ablegte und im April 1830 
nach AbschluB der theologischen Studien 
die Priesterweihe erlangte. Nun dem Lehr» 
berufe sich zuwendend, uersah er langere 
Zeit die Stelle des Directors der Realschule 
zu Reichenberg, von wo er dann 
nach Prag zuriickkehrte . Von seiinm 
Pralaten zum Bibliothekar des Stiftes 
auf dem Strachov bestellt, blieb er in 
dieser Stellung bis an seinen im Alter 
von 62 Jahren erfolgten Tod thatig. 
Theils in Verbindung mit seinem Berufe, 

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theils die MuBe benutzend, die ihm der 
selbe gewahrte, gab er Einiges selbstandig 
heraus, Anderes verof fentlichte er in perio — 
dischenFachschrif ten . Von ersterem nennen 
wir: „Geschichte und Neschrribnng der Koniglichcn 
Ftit't Ztrllchllvci- Dibliutlirk" (Prag 
1838)1 — ^Beschichte t>r3 koniglichen Pra- 
MllN5tlatcn2rr-<5hllchrrrcn5tit ' tc5 Zfinchuu" (Prag 
1863, 8".); mit Egon B r e m , Lector der 
Theologie, begann er 1862 die Heraus« 
gabe einer Auswahl handschriftlicher und 
gedruckter alter Predigten aus der Zeit 
des 43. bis zur Halfte des 18. Jahr- 
Hunderts, welche mit der Ausgabe von 
Everm. KosetickF-'s A Ka.2n.ni r»i>. 
7,ea6i6 3. 5vat' s )' s , d. i. Predigten auf 
die Sonn- und Feiertage, Handschrift 
des 17. Jahrhunderts , eroffnet wurde. 
I n der Zeitschrift des bohmischen Museums 
(oasopiL ooskHko Klu86uni) aber 
gab er heraus im Jahrgang 184! die 
Abhandlung: „pi-elilea lewpisii lc 
3W. "lorbEi'ta, tz 
", d. i. Uebersicht der Iahr' 1 
Hunderte seit Grundung der Kanonie der 
Pramonstratenser auf dem Strahov und 
Nachricht von der Uebertragung der Reliquien 
des h. Norbert. Stifters des 0r» 
dens. Giniges Andere, meist religiosen 
Inhalts, hat er in oechifchen Fachblattern, 
wie im „Vi A o A vsst n und anderen, verof fentlicht . 
Nirlier-Zeitu ng, 1863. Nr. Ii8: „Ttrrde» 
fallr" . — Vokemia (Prager polit. und 
dcllett-. Blatt, 4".) 1865. Nr. 68, S. «!)s>. 
Weyrother auch Weyhrother, Clemens 
Ritter von (Schriftsteller, geb . 
zu Prag am 1. Februar 1809, gest. in 
Karlsbad am 10. Juni 4876) . I n 
Rede Stehender, dessen Vater als Hauptmann 
in der kaiserlichen Armee im nam> 
lichen Jahre, in welchem der Sohn ge» 
boren wurde, in der Schlacht bei Aspern 
siel, beendete die vorbereitenden Studien 
auf dem Kleinseitener Gymnasium, die 
philosophischen und rechtswif senschaf t« 
lichen an der Hochschule in Prag. Nach 
AbschluB der letzteren unternahm er eine 
Reise nach Deutschland, auf welcher er in 
Dresden mit Tieck, in Leipzig mit HerloBsohn, 
in Berlin mit Raupach bekannt 
wurde. Nach seiner Riickkehr machte 
er zum Eintritt ins offentliche Leben die 
Uppellationspruf ungen Indessen schlug 
er bald eine andere Richtung ein, zu 
welcher er sich schon in seiner Stu A 

dentenzeit hingezogen fiihlte, die schriftstellerisl 
e. Bereits damals hatte sich 
Weyrother in kleineren poetischen 
Arbeiten versucht und einige dramatische 
Kleinigkeiten fur Haustheater geschrie« 
ben. Zu Ende der DreiBiger» und im 
Laufe der Vierziger Jahre aber befand er 
sich gan; im literarischen Fahrwasser', er 
machte nun auch oft Ausfliige in interes-? 

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Meyrsther, Clemens 209 Meyrsther, Clelnens 
sante Gegenden des Landes, mit Vorliebe 
in das Erz- und Riesengebirge und zu 
alten SchloBruinen, deren Sagen und 
Ueberlief erungen er sammelte und unter 
dem Titel: „Bahmiache Sagen" (Prag 
1843, neue Auflage 1836) zu einem 
wohlthatigen Zwecke herausgab. 1843 
verof fentlichte er eine Sammlung von 
Novellen und Erzahlungen unter dem 
Titel: „Ncht nnl> Schauen" (Prag, 12".), 
deren Widmung der damalige Statt- 
Halter Erzherzog Stephan entgegennahm, 
und dieser folgte eine andere 
Sammlung: „Bilder M Zkiuen" (ebd., 
2. Aufl. 1838); hatte er den Ertrag der 
ersten zum Besten verschamter Haus' 
armen gewidmet, so bestimmte er die 
zweite fur das Kleinkinderspital in Klartau. 
1847 unternahm er eine Reise durck 
den Bohmerwald, deren Beschreibung er 
1849 in der Zeitschrift „Panorama", die 
damals in Prag bei Gebriider Haase 
erschien, in Druck gab. Zu gleicher Zeit 
war er ein fleiBiger Mitarbeiter der schon»! 
geistigen Blatter „Ost und West", „Er-' 
innerungen", welche beide in Prag her ! 
auskamen, und des von M. G. S a p h i r 
in Wien verof fentlichten „Humorist", 
worin meist seine Novellen und Erzahlungen 
Aufnahme fanden. I m bewegten 
Jahre 1848 begriindete er, mit dem 
bezeichnenden Titel jjEon^ordia" , ein 
belehrendes und zugleich unterhaltendes 
Blatt, in welchem er kein geringeres Ziel 
vor Augen hatte, als Kiinstler und Stu> 
denten beider Nationalitaten unter einem 
Banner zu sammeln, und welches in den 
spater folgenden stiirmischen Tagen auch 
als specielles Organ der Nationalgarde, 
die sich eben damals zu bilden begann, 
sich gestaltete. I m Juni des namlichen 
Jahres verlor er auch seine Mutter, und 
nun begab er sich aufs Land, wo er bis 
in den Herbst zubrachte. Nach seiner Riick» 
o. Wuribach . biogr. Lerikon. I.V. sGedr. 
kehr in die Stadt lag er dann ausschlieBlich 
literarischen Arbeiten ob . Insbesondere 
arbeitete er an der „Prager iamtlichen) 
Zeitung/ fleiBig mit, fur welche 
er namentlich die belletristischen Artikel 
schrieb. 1831 ubernahm er selbst die 
Redaction dieses Blattes, die er aber 
nur fur die Dauer genannten Iabres behielt, 
denn 1>>;;2 grundete er eine 
„Staatsbiirger Zeitung", welche er jedoch, 
da sie gar keine Tbeilnadme fand, bald 
wieder fallen lieB. Eine ibm mittlerweile 
verliehene Notarsst^le wiirde ihm. wenn 
er liberhaupt ein mehr praktischer Mann 
gewesen ware und die Unzulanglichkeit 
schrif tstellerischer Beschaf tigung, wie sie 
denn damals bei dem noch im Embryo 
befindlichen Zeitungswesen kaum den 

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Mann ernahrte, erkannt hatte, ein ganz 
gutes und anstandiges Auskommen ge» 
wahrt haben . So aber zog er es vor. 
seine Zeit lieber schriftstellerischen Vellei« 
taten zuzuwenden, und besorgte sein 
Notariatsgeschaf t nur nebenbei und nicht 
mit jenem Pf lichtgef iihle, das eines sol» 
cben Berufes Grundbedingung ist. Dann 
redigirte er 1837 und 18: ! 8 mit I > . Neu» 
mann gemeinschaf tlich die „Jahrbucher 
des Er;» und Niesengebirges " , deren Ertrag 
zum Besten der armen Bewohner 
desselben gewidmet war. I n den Jahren 
1837, 1838, 1863 und 1869 verof f entlichte 
er unter dem Pseudonym Klee» 

roth vier Hefte dramatische Spiele, theils 
unter dem Titel „Cheater", theils unter 
dem Titel „Nilettllnten-Thellter" . Dieselben 
bilden eine Sammlung der von ihm 
wahrend einer Reihe von Jahren geschriebenen 
und mitunter recht beifallig 
auf genommenen Lustspiele und Schwanke 
und enthalten folgende Stucke.' „Der 
Pantoffel. Dramatischer scherz in 1 Auf« 
zug"; — , Die Einsiedelei im Walde. 
Lustspiel in 1 Au A . " ' . — „Das Burg- 
Juli 1887,1 14? 

Meyrother, Clemens 210 Meyrothcl) Clemens 
gespenst. Lustspiel in 1 Aufz."; — „Der 
Raucher aus Liebe. Dramatischer Scherz 
in 4 Auf zug"- — „Der Klopfgeist. 
Schwank in 1 Auf) . "- — „Ein Gesell» 
schaftsball. Lustspiel in 3 Aufz."; — 
„Studentenstreiche . Schwank in 1 Aufz."; 
— „Weifi> und Schwarz"; — „Ein 
Haustheater in Pennsylvania"; — „Ein 
Uriasbrief " ' — „Die Erfindung" ' — 
„Der Friedensbruch" ; — „Die erste 
FuBreise". die lehren sechs Stucke sammt« 
lich fur Dilettantentheater bestimmt. I n 
der Zwischenzeit lieB er auch das erste Heft 
„Prager Fugen" sl863) erscheinen, dann 
im nachsten Jahre ein zweites, wie jenes 
mit sechs Abbildungen (Prag, Bellmann, 
8".), folgen,- 1869 besorgte er allein die 
Redaction des schon oben erwahnten 
„Jahrbuches des Erz» und Riesengebirges" . 
Dabei war er ein ungemein riih» 
riges Mitglied im (5omit6 zur Ent- 
Wickelung gewerblicher Thatigkeit im Erz» 
und Riesengebirge, der S^phienakademie, 
des Privatvereines zur Unterstiit zung von 
Hausarmen und anderer wohlthatiger 
und gemeinnut ziger Vereine. Als er fich 
endlich bei dem MiBbrauche des Ver» 
trauens, das er in seiner angeborenen 
Gutmuthigkeii Personen geschenkt, die 
nichts weniger als dessen wiirdig waren, 
in Unannehmlichkeiten verwickelt sah, 
ward er schlieBlich genothigt, die Notars» 
stelle aufzugeben. Nun bewarb er sich in 
einzelnen Stadten Bohmens und in den 
anderen Kronlandern urn eine stadtische 
Anstellung, ohne jedoch eine solche er» 

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Wurzbach5 5 . txt 
langen zu konnen. So sah er sich denn 
jetzt auf das schriftstellerische Gebiet als 
das einzige, das ihn aus seiner Nothlage 
helfen konnte, angewiesen. Aber das 
war ein bitteres und kargliches Brod: 
das, was er vorher als Passion getrieben, 
nun, um den Hunger zu stillen, treiben 
zu mussen. Eine Hoffnung, die ihm fur 
einen Augenblick schimmerte, da er als 
Redacteur eines neuen in Saaz erscheinenden 
Blattes berufen wurde, erwies 
sich als triigerisch, denn das Blatt ging 
bereits nach wenigen Wochen ein. I n 
den letzten Jahren nach Verlust des Notariats 
arbeitete er viel fur die „Prager 
(amtliche) Zeitung", fur die „Bohemia" 
und den „Komotauer Anzeiger"; auch 
gab er das Schriftchen: „Von Pran. nach 
Oechlltvitz. eine Nllinptblllltpllrtie" heraus; 
dann versuchte er sich auch im Roman 
mit dem Werke: „Vergangene Zeiten", dessen 
Begebenheit in den Tagen der Kaiserin 
Maria Theresia spielt, doch dessen 
Schauplatz vornehmlich Prag ist ' , zwei 
andere Romane, welche beide in Heften 
erschienen, behandelten der eine die Zeit 
des Bohmenkonigs (Kaisers) Karl IV., 
der andere die Tage der Besetzung Prags 
durch die PreuBen im Jahre 1866. I n 
der Folge trug er sich mit der Heraus» 
gabe einer neuen Sammlung seiner dra» 
matischen Arbeiten, zu der es jedoch nicht 
kam; dagegen erschienen: „Ebbe nni, Fluth. 
GIMlnngrn und Nllllellcn" (Prag 1873) und 
„Gin Ninl». Nauelll" (Saaz 1874) . I n 
der letzten Zeit, da es ihm schon sehr 
kummerlich ging, sah er sich genothigt, 
wenn er nicht geradezu verhungern 
wollte, eine Aushilf slehrerstelle in Karls« 
bad anzunehmen, welcher klaglichen Lage, 
die ihm kaum das tagliche Brod gab, er 
im Alter von 67 Jahren durch den Tod 
entrissen wurde. Weyrother zahlt zu 
jenen talentbegabten vormarzlichen 
Schrif tstellern, welche nie begreifen konn» 
ten, daB es noch andere Interessen gebe, 
als ein bischen Theaterklatsch, verbunden 
mit etwas dilettantischem Naschen in 
Culturgeschichte und dramatischen Lappa» 
lim. So verzettelte er ein unbedingt 
vorhandenes, wenngleich nicht hervor» 
ragendes, so doch anstandiges Talent in^ 
Meyrother, Franz Veyrother, Franz 
Kleinigkeiten, novellistischen Bagatellen 
und dramatischen Scherzen, mit deren 
noch ganz nach der vormarzlichen Scha 
blone angelegten Nichtigke ten er seine 
Aufgabe gelost zu haben glaubte, wenn 
ein gemischtes Publicum dazu lachte Von 
einem kunstlerischen Princip ist in alien 
seinen Arbeiten, wenn sie auch gut sich 
lesen lassen, keine Rede. So ist er ebenso 
als Weyrot her, wie als Pseudonym 
K 1 e r o t h verschollen und vergessen und 

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Wurzbach55 . txt 
in den Literaturgeschickten geradezu unbekannt . 
Gliicklicher Weise erloste ihn 
der Tod, ehe er es sehen muBte, wie sich 
Deutsche und oechen, die er in seiner 
unergriindlichen duseligen Gemuthlichkeit 
unter einen Hut zu bringen gedachte, 
gegenseitig in den Haaren liegen und die 
Eintracht zerstoren, zu der sie in Riicksicht 
auf das schone Stuck Erde, das fie ge» 
meinschaf tlich bewohnen, moralisch ge' 1 
zwungen sind. 

B r u m m e r (Franz) . Deutsches D^chtt' . -Lenkon, 
Biographische und bibliographische Mittheilungen 
iiber deutsche Dichter aller Zeiten. 
Unter besonderer Beriickstckttgung der <H»gen 
wart (E,chstaot und Ttuttgart <8?7. Krijll 
schm. 4".) Nd, I I , T. 4 9«: 
Weyrother, Franz von (r'. k. Gene' 

ralmajor und R i t t e r des Maria TheresienOrdens, 
geb . zu W i e n 1733, gest. 
daselbst am 16. Februar 1806) . Allem 
Anscheine nach ein Sohn des Adam von ! 
WeyrotherundderS . 213indenQuellen 
Nr. 2 erwahnte erste Bereiter bei der 
Kaiserin Maria Theresia. Er befaB an 
dem Feldmarschall Lascy einen Gonner, 
der ihm 177? eine Fahnrich stelle verlieh. 
Schon im Tiirkenkricge 1788—1790 gab 
er solche Beweise von Muth, Umsicht 
und Geschicklichkeit , daB er zum Haupt» 
mann bei Erzherzog Ferdinand-Inf an» 
terie befordert wurde. Bald danach er> 
folgte seine Eintheilung in den General« 
stab. Der Feldmarschall behielt Weyrother 
aucb jetzt noch immer im Auge 
und sah darauf, daB derselbe, was er 
bisher in der Theorie versaumt hatte, 
nachholte, und war ihm in dieser Rich» 
tung ein wohlwollender und zuverlassiger 
Rathgeber. Anfang November 17 !N kam 
sein Giinstling in die Festung Mainz, 
deren Gouverneur Generalmajor Neu 
sBd. XX, 2. 23i)' s er als Generalad jutaut 
und Gene : alstabsoff icier zur Seite 
gegeben wurde. Diese Stellung, in welcher 
er sich ebenso darch seine. Fahigkeiten 
als durch seine Kenntnisse und seinen unermudlichen 
Eifer das Vertrauen des 

Generals erwarb, versah er bis zu seiner 
Verwundung am 30. August 1793. Seit 
der letzten Octoberwocke 1794 war die 
Festung von der linken Seite des Rheins 
von den Franzosen eingeschlossen, dann 
erfolgte, wie vorauszusehen, die Ein« 
scblieBung auck uo A von der reckten 
Seite, wodurch der W M der Mannscbaft 
nicdt eben gehoben wurde. Es gait 
also, die in nia>t geringem Gedrange 
und groBer Gef ahrlichkeit befindliche Gar» 
nison zur Ausdauer auf zumuntern, die 
bei einer so langwierigen Belagerung in 
leiau biigreif licher Weise, ohn- daB eben 
Verrath dabei mitzuwirken brauckte. sich 
zu lockern beginnenden Vertheidigungsmittet 

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Wurzbach55 . txt 
strammer zusammenzuziehen, kurz 
Alles zu thun, urn den Muth der Vec» 
theidiger trotz der waa'senden Gefahr 
neu zu beleben, und dies alles vollbrachte 
Wey rot her, der uberall, wo Gefahr 
drohte, durcb Muth und Entschlossenheit 
mit seimm Beispiele voranging. Die 
zahlreichen Angriffe im Winrer !794 
wurden durch seineu Muth und seine 
Entschlossenheit immer iiberwunden, und 
nicht bloB auf passive Vertheidigung beschrankte 
er sich, sondern er ging auch zum 
Angriffe der Belagerer iiber und fiigte? 
Meyrother, Franz 212 Meyrother, Adam 
ihnen wiederholt durch seine Bravour 
und Umsicht empf indlichen Schaden zu. 
So nahm er den Belagerern am !8. No> 
vember 1794 das stark besetzte WeiBenan 
ab ' am 1. December die Zahlbacher 
Eckanze' fiihrte bei dem Ausfalle am 
30. April 1793 freiwillig jenen Theil 
der Avantgarde, welcher die gef ahrlichste 
Richtung iiber den Riicken des Hart» 
berges in die Hartmuhle zu nehmen 
hatte, und trug zu dem siegreichen Erfolge 
dieses Unternehmens durch sein 
Beispiel wesentlich bei; endlich schritt er 
auch am Morgen des 30. August, nachdem 
es dem Feinde gelungen war, wahrend 
der Nacht wieder in das Fort 
WeiBenau einzudringen, zu erneuertem 
Angriffe und eroberte dasselbe auch 
glucklich wieder, aber bei seiner Aneiferung 
der Truppen, an deren Spitze er 
immer kampfte, wurde er durch einen 
SchuB durch die Schultern todtlich ver> 
wundet und fur mehrere Monate an das 
Krankenbett gefesselt. Aber der Lohn 
blieb dem Helden fur seine Waffenthaten 
nicht vorenthalten, in der 42. Promotion 
— am 1 1 . Marz 1796 — wurde ihm 
das Ritterkreuz des Maria Theresien» 
Ordens vom Capitel zuerkannt. Nach 
seiner Genesung kam der mittlerweile 
zum Major Vorgeriickte nach Italien 
zur Armee des Feldzeugmeisters A lvinczy. 
Dort zeichnete er sich wieder 
bei mehreren Anlassen aus . So traf er 
bei dem Vormarsche auf Bassano im 
November 1796 so treffliche Dispositio» 
nen, daB die Franzosen an der Brenta 
sich festzusetzen nicht im Stande waren; 
als er dann im Treffen am 6. desselben 
Monates mit focht, that er sich wieder so 
hervor, daB er auf Anempfehlung des 
Commandirenoen zum Oberstlieutenant 
auBer seinem Range befordert wurde. 
I m Feldzuge 1799 zum Chef des Generalstabes 
bei der Armee in Italien 
und gleichzeitig zum Generalad jutanten 
des Commandirenden, Feldzeugmeisters 
Kray, ernannt, zeichnete er sich an dessen 
Seite bei Legnago und Magnano wieder 
so hervorragend aus, daB er in Wiirdigung 

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Wurzbach55 . txt 
seines Verhaltens zum Obersten vorruckte. 
Als solcher erhielt er das Commando 
des 7. Infanterie »Regimentes. 
Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 
1803 wurde er unter gleichzeitiger Er» 
nennung zum Generalmajor mit der 
Stelle des Generalstabschef s bei der ver» 
biindeten Armee unter dem russischen 
Feldmarschall K u t u s ow betraut. Noch 
kampfte er in der durch die Mifi>» 
griffe desselben fur uns verlorenen und 
von groBem Landerverluste begleiteten 
sogenannten Dreikaiserschlacht bei Auster» 
litz am 2. December 1803, welche er nur 
urn wenige Monate iiberlebte, da er 
schon Mitte Februar 1806, erst 31 Jahre 
alt, starb. 

Militar<Zeitung, herausgegeben von H i r» 
t r n f e 1 d (Wien. 4".) 1863. 2. iUl . 
Ueber die FamiUc Wcyrotlicr. Wir finden die» 
selbe Neirotter . Wei r a u t e r . Wei)h. 
r o t h e r und W eyrother geschrieben. Offen» 
bar aber sind es zwei verschiedene Familien, 
die eine, welche sich Weirotter oder Wei» 
r a u t e r schreibt, ist tirolischen Ursprungs, 
und gehort derselben der gescheckte Landschafter 
und Nadirer Franz Edmund N ei rot» 
ter an. dessen in diesem Werke bereits 
Bd. I.I V, 3. «9 u. f. gedacht ist; die andere, 
welche sich Wey rother und Weyhrother 
schreibt >. dm ste n ied er ost e r r e i chischen 
Ursprungs sein und zuletzt in Bohmen sich 
angesiedelt haben, wo noch Sprossen derselben 
vorkommen, i. Der erste Wey rot her. den 
wir kennen lernen, ist Adam, welcher in der 
ersten Halfte des achtzehnten Jahrhunderts 
k. k. Officirr bei der Cavallerie, spater aka» 
demischer Bereiter in Briissel war. Ein un» 
gemein tiichtiger Pf erdekenner , wurde er wohl 
infolge der in dieser Nichtung erworbenen 
Verdienste 1733 in den Reichsritterstand er< 
hoben. Er gab in Briissel ein Werk in zwei? 
Wenrother-Piepenhagen 213 Whitehead 
Banden unter dem Titel heraus: „I AI unl 
a, taur Is monae, c»u le pai-tait A eu"s 
iQilitaii'e et 6s campa A ne" (Nrux A IIe 
1768, ,7. A . Vouoksrie, 8".), welcheo iiber 
KenntniB des Pferdes, Heilung der Krankheiten. 
Beschlag und Reiterei handelt. Bri 
der Angabe der Mittel behielt er indessen 
vier als GeheimniB fur sick: sie waren bei 
dem Apotheker Cairoliin Briissel zu 
kommen und hleflen: N A ume 6« 1 ' v ( . ' uv 
verte. — 2 A A ams Sohn Franz, in 
welchem wir unseren Maria Theresien ' Rittr , 
und spateren Generalmajor Franz von Wen 
rotherS. 2 1 A vermuthen« war erster Bereiter 
bei der Kaiserin Maria Theresia und 
kann von dieser Stelle wobl in die kaiserliche 
A' . -mee iibergetreten sein. — 3. Ein Maxi- 
milian von Wey rother . t814 kaiserlcker 
Unterderoiter in Wien. spater Bereiter der 
kaiserlichen Equitation zu Wiener ' Neustadi . 
gab das Werk heraus: „Anleitung, wie man 

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Wurzbach55 . txt 
nach bestimmten Verhaltnissen die passendste 
Stangenzaumung finden kann" (Wien lst4. 
2. Auflage mit 2 Karten 5826, gr. 1»" . ) 
Die franzosische Ueberset zuncz dieses Werkes 
erschien unter dem Titel: „I)s 1 ' emdouedure 
au etieval ou NKitkoae poui ' 
tlouver lg. insillsure loi-ms as inors 
Iy5 plus siln^Isa ao I ' vniboucliury au. 
c"eval" (Paris i82 A , . A uZeli'n, 8".). In 
f ranzosischen Werken erscheint Marimilian 
von W eyrother als „ A cu"or on cliek ue 
l'ttcols eaM A nolu" . Sein wohlgetrof fenes, 
heute schon sehr seltenes PildniB mit der 
Unterschrift Mar Nitter von Wenrother, 
ist von Kriehuoer litho> A raphirt und von 
I . Hofelich gedruckt (8".). - 4. Ene 
Charlotte Weyrother erscheint uin die 
Mitte der Sechziger-Jahre unseres Jahr» 
Hunderts alo Icindschaf tsmalerin, und in der 
Kunstausstellung der Gesellschaft patriotischer 
Kunstfreunde zu Prag. welche 1867 im Saal» 
gebaude der Sophiensale stattfand, war von 
ihr zu sehen das im Privatbesih befindliche 
Bild: „Partie aus dem Salzkammergute" . 
— 3. SchlieBlich war C h a r 1 . oon Weyrother 
» Piepenhagen aus Prag a,uf der 
internationalen Kunstausstellung im konig» 
lichen Glaspalaste zu Miinchen 1879 durch 
eine Landschaft: „Wasserfall" vertreten. lleo> 
rigens konnte unter Charl. von Wey< 

roth er» Piepenhagen auch obige Char» 
1 o t t e von Weyrother goincint sein. 
Weyrother, siehe auch: Weirotter, 
Franz Edmund A Bd. I . IV, S. 09 A . 
Wczel, siehe: Oetzel, Johann Karl 1 . 
und I I . 

Bezlar. siehe: Wctzlar von Plankenstcrn 
I A stehe diesen Bd., S. 
Wtzzyk, siehe: Wenzyk '"siehe diesen 
Band S. 31 u. f . A . 
Whitehead, Robert (Techniker und 
GroBindustcieller , geb . zu B o 1 t o n 
es M o o r s in der englischen Grafschaft 
Lancashi re am 3. Janner !823) . Bis 
zu seinem 14. Jahre besuchte er die 
OrZ<inlNI.r 80K00I seines Geburtsortes . 
Seine Vorliebe fur Mechanik, die sich 
bei ihm in friiher Jugend in seinen ver» 
schiedenen Beschaftigungen kundgab, fand 
neue Nahrung, als er, 16 Jahre alt, von 
seinem Onkel in eine groBe Maschinenf abrik 
zu Manchester als Lehrling aufgenommen 
wurde. Nebenbei aber besuchte 
er, urn die theoretische Ausbildung mit 
der praktischen Schritt halten zu lassen, 
in seinen freien Stunden die Hleokanio 
In8tiwtion, wo er Alles, was auf Me» 
chanik, Technik und das Theoretische des 
Maschinenwesens Bezug hatte, wissenschaftlich 
darstellen und erlautern horte. 
Dann verlieB er die Heimat und kam 
nach Marseille in Philipp Taylor's 
Maschinenf abrik, in welcher er bis 1847 
arbeitete, worauf er 1848 als Monteur 

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Wurzbach55 . txt 
in die Dienste 'des osterreichischen Lloyd 
in Trieft eintrat. Schon nach zwei Jahren 
ubernahm er die Leitung der Maschinenf abrik 
Strudthoff's, des nachmaligen 
adMnikNto teonioa "1-iestino, aus 
welchem er 1837 schied. I m Jahre 1838 
eroffnete er, von Fiumaner Kraften 
unterstiitzt, die Maschinenf abrik in Fiume, 
deren technischer Leiter er blieb bis zu 
dem Augenblicke, wo sie als Torpedo«^ 
Whitehead 244 Wibiral. 

fabrik in seinen Besitz iiberging. Der penswnirte 
Fregattenkapitan der osterreichischen 
Marine, I . Luppis, stellte sich 
ihm damals mit einem Projecte vor, das 
in einem kleinen Boote bestand, durch 
welches der Feind wie durch einen Brander 
angegriffen werden sollte. Whitehead, 
mit den verschiedenen Zweigen 

der Technik wohl vertraut, im Maschinenwesen 
nach alien Richtungen in langjahriger 
Praxis genau bewandert, erkannte 
sofort die groBen Mangel dieses 
Projectes: Mangel an Selbststeuerung, 
weil Wind und Wetter ihren EinfluB geltend 
machten, und Gefahr, vom Feinde 
zerstort ; u werden, bevor der Brander 
den Angrif f spunkt erreicdte. Er ging demzufolge 
auf den Antrag nicht ein und stellte 
sich nun selbst als Aufgabe die unterseeische 
selbstandige Bewegung in einer gege 
benen Tiefe und Selbststeuerung. Drei 
Jahre unablassigen Studiums verwen» 
dete er an die Losung seines Problems, 
und nach vielen Versuchen und nach Be> 
siegung so mancher anderer Hindernisse 
materieller Natur stand das Werk voll» 
endet da. Der Fregattencapitan Heinrich 
von L i t t r o w macbte den Erzherzog 
Leopold auf diese neue merkwurdige 
und vielversprechende Waffe aufmerksam, 
und dem Erzherzog, der die ganze Trag' 
weite der Erfindung durchschaute, qebiihrt 
das Verdienst, die Torpedo Aera 
gegriindet zu haben. Oesterreichs Marine 
war die erste, die den Werth dieser Waffe 
erkannte, sie ankaufte und jede Verbefse» 
rung derselben forderte. Wie die Artil« 
lerie ein eigenes Corps bildet, so hat 
heute jede Flotte ihre eigene Torpedo» 
abtheilung, in welcher Officiere und 
Mannschaft besonders fur diesen Dienst 
herangebildet werden. Das technische 
Etablissement , die Torpedof abrik in 
Fillme, besckaft-Zt zur Zeit Hunderte von 
Arbe'tern. Eine genaue Beschreibung 
eines Torpedo und des damit in Verbin» 
dung stehenden Bootes — Torpedobootes 
— befindet sich m der unten angefiihrten 
Quelle, welche auch die Abbildungen 
des von Whitehead erfundenen 
Fischtorpedo und der Torpedoboote nach 
Photographien enthalt . Whitehead ist 
in Fiume seflhaft, und zahlt seine Familie 

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Wurzbach5 5 . txt 
zu den geachtetsten der Stadt, wahrend 
das Haupt derselben, wie unsere Quelle 
berichtet, „sein Wohlthatigkeitssum, seine 
Rechtlichkeit und seine vaterliche Sorgfalt 
fur seine Arbeiter zum Muster eines 
Fabriksherrn machen" . Sein altester 
Sohn John widmet sich gleichfalls dem 
Maschinenf abrikswesen, eine seiner Tochter 
aber, Alice, ist seit 80. Marz 1869 mit 
Georg Grafen Hoyos » Stiich sens 
t e i n , k. k. Schif f slieutenant auBer 
Dienst, verheiratet, welcher Affocia seines 
Schwiegervaters und selbst ein ganz her» 
vorragender Techniker ist, wie es seine 
Erfindung eines kleinen pneumatischen 
Apparates imt comprimirter Luft be« 
weist, wodurch Jedermann vor dem Ertrinken 
geschiitzt wird. 

Neue Illustrirte Zeitung (Wien. Za> 
marski. 1 1 . Fol.) X I . Jahrg.. N. Februar 
1883, Nr. Ai. 3 A «>? : „Rollert Whitehead' 6 
Aischtorpedo" . Von H. von L i t t r o w . 
Auf S. :i!6 'Abbildung der Torpedoboote 
nach Photographien, gezeichnet von I.I. 
K irch n er. 

Partrat. Unterschrif t : „Robert Whitehead". 
Holzschnitt ohne Angabe d?6 Zeichners und 
Xylographen Seite 316 der vorbrnannten 
Zeitung . 

Wibiral, Franz (Kunstf orscher , 
ZeitgenoB) . Vr diirfte urn die Mitte der 
Vierziger-Icihre in Wien geboren sein. 
Sein Name verrath oechische Abkunf t . 
Nach beendeten Vorbereitungsstudien er» 
wahlte er zum Lebensberufe die juri» 
dische Laufbahn, vollendete die Rechte an? 
Wibiral 213 Widmer, Friedrich 
2/ o 

der Wiener Hochschule und wurde nach 
abgelegter Priifung Advocat in Wien, 
wo er mit seinem Berufe auch die Pflege 
von Kunstinteressen verband: denn er 
war Mitglied des Kuratoriums der Gesellschaft 
fur vervielf altigende Kunst, 
welche vielversprechend ihre Wirksamkeit 
begonnen hatte. Nachdem er aimge Jahre 
die Advocatur ausgeiibt, legte er dieselbe 
nieder und zog sich nach Meran zuriick, wo 
er sich noch befinden soil. Fur dieses 
Lexikon besitzt er Interesse "durch das 
Werk, welches er unter dem Titel: 

(Leipzig 1877, Danz, 8".) 
herausgegeben hat. Die eigentliche Be» 
deutung seiner Arbeit ruht auf der bereits 
von H. Weber versuchten Verwerthung 
der Wasserzeichen der Papierqualitaten, 
auf welchen die Stiche der Ikonographie 

(eine Sammlung aller Bildnisse Van 
Dyck's) gedruckt wurden, zur Bestim» 
mung der Reihenfolge der Etats, wie 
man die Folge von Blattern eines Stechers 
oder Radirers zu nennen pflegt, 
welche die verschiedenen von dem Kiinstler 
nach den Probedrucken vorgenommenen 

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Wurzbach55 . txt 
Veranderungen einer Platte nachweisen. 
So z. B. zahlt Ostade's Radirwerk 
31 Blatter, aber bisher 230 Abdrucksgattungen . 
Also die Zahl der Abdrucks» 
gattungen eines Stiches bildet den Etat. 
Das Resultat der muhevollen Unter» 
suchung blieb jedoch ein ziemlich geringes, 
ja imaginares, da nur die Titelauf lagen 
der Ikonographie, nicht aber die Druck» 
auflagen zu controliren sind. Eine ein» 
gehende Wiirdigung und Kritik des Wer» 
kes findet sich im dritten Bande (S. 96) 
des bei Spemann in Stuttgart erschei» 
nenden Repertoriums : „I'r. 
von Alfred vonWurzbach. 
Nibmcr, Iaccb M a 1 e r , Ort und 
Jahr seiner Geburt unbekannt), Zeit» 
genoB . Ein Landschafts» und Frucht« 
maler, der in den Vierziger Jahren in 
Wien arbeitete, wo er sein Atelier in der 
Leopoldstadt , AugartenstraBe Nr. 261), 
hatte. Von seinen Bildern sind uns nur 
zwei Stuck bekannt, welche in der Jahres ' 
auastellung bei St. Anna in Wien 1840 
zu sehen waren: ein „Frnchtstnck" und die 
„Ansicht de5 Schmelz- und Hllinmermrrkrs bei 
Verteil im Flllchurgischen" , beide in Del ge° 
malt. Nahere Nachrichten iiber Leben 
und Werke des Kiinstlers fehlen uns. 
Ein Friedrich Widm er (gek. in Wien 
6. Juli 1670. gest. daselbst 1. April j ? 3 6 ) 
trat. 10 Jahre alt. in den Orden der Gesell« 
schaft I-i'u. in welchem er nach abgelegten 
Geliibden und beendeten philosophischen Ttu» 
dien. bei, gleichzeitiger Verwendung im A ebr< 
amte zehn Iabre hindurch in Oray und 
Wien Dicht» und Nedekunst und Philosophie, 
und auBerdem in <3ratz Theologie vortrug. 
Aus letzterer 3tadt an die Teite des Vor» 
stehers der Trdensprovinz nach W'en berufen, 
wurde er daselbst Nectoi des Erdens» 
collegiums. spater solcher der Kollegien zu 
Linz und Passau, dann Vorsteher des Wiener 
Prof efihauses . in welcher Eigenschaft er, 
66 Jahre alt. nach schwerer Krankheit starb. 
Von ihm sind folgende Schriften erschienen: 
A Vcko Zlivrian», Lvu existo^y soaalium. 
Oai-meu" (<3raecii 1<»95, 3 ° ) ; — „Lnropa. 
od dellk ti-iatis ud "pollius in spl-m xnow 
ei-sota. Oai-iNen" (id. 1693); - A Virtutes 
Q A s82, reo A , U3tri8 . c>aa s prnbattz ».ucoridua 
oolieetaft vario carminuin F A ne A s cle- 
LorixlHL" (VibnnH« !?<>:!, 8".); - """xsrcitia 
oratoria. 2 Zuij,s!2 luasnto ia 5een2.nl 
al AA « (id. A 704, 8 ° . ) ; - A e t r i (3altru. 
cliii 5. A . traetHtu» mereoi-alozici" ?Hi°tL3 
auo (Oraeoii <707 «t A 708, 8".); Pierre 
oder auch Denis Gaultruche l A Galtruche . 
Gautruche A l (geb 1W2 . gest. A> . Mai tksi) 
war Jesuit und Lehrer der Theologie und 
Mathematik zu sas'n; — „Onus et rro- 
FI>LtlLN2 W, A F13 xr»6<n5>uaruln Ncol65!2,e! 
c»ttloUc26 rituum et cerLuionia . ?um e 
varils xrabatiscillo a.utoridUL colleotkO" 

Seite 319 



Wurzbach55 . txt 
(yrasvii 1714) . Auch besorgte er die neue 
Ausgabe von dem Werke des Petrus Anna-f 
Michner 216 Michner 

tus „De 83.ci-i5 ' s ode8ia6 eanoiliis" (Wien 
t?17), dem er eine Vorrede vorausschickte 
Wichner, Jacob «Capitular des 
Benedictinerstif tes Admont in Steiev 
mark, geb . zu Gratz am 22. Juli 1823) . 
Sein Vater Friedrich war biirgerlicher 
Gastwirth und Hausbesitzer zu Gratz und 
die Mutter Katharina eine geborene 
Haas. Von funfzehn Kindern, welche 
aus dieser Ehe stammten, ist er allein 
noch am Leben. Er beendete das Gymnasium 
und die damals bestehenden zwei 
philosophischen Jahrgange in seiner 
Vaterstadt und trat auf Anregung des 
Universitatsprof ef sors I)r. Albert von 
Mucbar in das Benedictinerstif t Admont, 
wo er am 7. September 1846 
das Ordenskleid anzog und seinen in der 
Taufe erhaltenen Vornamen.Iac o b beibehalten 
durfte. Nach im Stifte zuriickgelegten 
theologischen Studien und er> 
langter Priesterweihe primizirte er am 
10. August 1851. Er wirkte . hierauf 
langere Zeit in der Seelsorge als Caplan 
zu St. Michael ob Leoben und zu 
St. Lorenzen im Paltenthale, und als 
Pfarrer zu Kleinfolk, wo er gleichzeitig 
das Vicariat GroBfolk versah, und zu 
Ardning. I m Jahre 1870 bestimmte ihn 
Krankheit zur Riickkehr in das Stift. 
Wahrend seines seelsorgerlichen Wirkens 
iibte er sich in kleineren historischen Arbetten. 
Er verfaBte eine Chronik der 
Pfarren Lorenzen und Admont und legte 
den Grund zu einer solchen der Stadt» 
Pfarre Rottenmann. Seine eigentliche 
Thatigkeit auf historischem Felde begann 
mit der Riickkehr in das Stift. Er sam« 
melte und ordnete die von den Flammen 
des Klosterbrandes (1863) verschonten 
Uebelreste des Hausarchives, zog von 
den Stif tspf arren und ehemaligen Herrschaften 
die entbehrlichen alteren Urkunden 
und Acten heran und wurde so der 
Schopfer eines neuen, dem Inhalte und 
dem Ordnungssysteme nach achtenswerthen 
und von Fachmannern in dieser 
Richtung anerkannten Archives. Das 
ihm auferlegte Amt eines Kellermeisters , 
das er 187t— 1873 bekleidete, legteer, 
urn ungetheilt seinen Forschungen und 
Studien obliegen zu konnen, selbst nieder. 
1878 wurde er auch Bibliothekar der 
groBen Stif tsbibliothek . Als solcher umstaltete 
er den Fachkatalog den bibliogra» 
phischen Anf orderungen entsprechend, 
vollendete den Standortskatalog und 
legte einen (bis dahin fehlenden» alphabetischen 
Nominalkatalog an. Da die 
vorhandenen Inkunabeln- und Hand» 
schrif tenverzeichnif f e sehr liickenhaft waren 

Seite 320 



Wurzbach5 5 . txt 
und sich durch die neueren Ergebnisse der 
Wissenschaft als ungenugend heraus» 
stellten, arbeitete er einen neuen Katalog 
der Wiegendrucke mit den nothigen Aus» 
weisen iiber Drucker, Verleger, Druckorte, 
Holzschnitte und Formschneider . Viel 
Sorgfalt und Arbeit nahm auch der 
Handschrif tenkatalog in Anspruch. Derselbe 
umfaBt 1030 Nummern und fiillt 
180 Blatter im groBen Foliof ormate . 
Mit diesen archivalischen und bibliogra» 
phischen Arbeiten ging Hand in Hand die 
Anlegung von Sammlungen von Ortginalsiegeln 
und Siegelabdrijcken (4332 
Stuck) , von Autographen, von Kupfer» 
stichen und Holzschnitten, in welch letzterer 
Collection die Portraits allein bei 
4000 Nummern zahlen. Da auch die 
Munzsammlung des Stiftes seiner Ob» 
Hut anvertraut war, ordnete er dieselbe 
nach Bergmann's Systeme. Sie zahlt 
gegenwartig 3383 Stuck, von denen er 
allein 2140 erworben hat. Wichner ist 
Mitglied des historischen Vereines fur 
Steiermark, Ehrenmitglied des Musemn, 
anciFs-o-OHrnlinuiQ in Linz, Corre« 
spondent der kaiserlichen Cemralcommis»? 
Wichner 217 

fion zur Erforschung und Erhaltung der 
Kunst» und historischen Denkmale. Er 
besitzt die osterreichische goldene Medaille 
fur Kunst und Wissenschaft und ist Ritter 
des koniglich sachsischen Albrechtordens 
zweiter Classe. Wir lassen nun seine literauschen 
Publicationen in chronologischer 
Reihe folgen: 1873: „DieBibliothek 
der Abtei Admont mit besonderer Beriicksichtigung 
des Zustandes derselben in 
der zweiten Halfte des 14. Jahrhunderts" 
Mittheilungen des historischen Vereines 
fur Steiermark, Bd. XX, S. 67-90; 
auch im Sonderdrucks ; — 1874: 
„Das Admonter Archiv in seinem gegen» 
wartigen Zustande" A Beitrage zur Kunde 
f teiermarkischer Geschichtsqnellen, Bd. X I , 
S. 71—94' auch Separators; — 
„Zur Biographie des Rottenmanner No' 1 
tars Ulrich Klenneker" Wirth, des 
hift. Vereines fur Steiermark, Bd. XXII, 
S. 133—136; irrthumlich unter einem 
anderen Autornamen A ; — 1875: „Eine 
obersteirische Pfarre zur Zeit der franzo> 
fischen Invasionen" j>bd., Bd. XXIII, 
S. 61—74; auch Sonderdrucks; — 
1876: „Ueber einige Urbare aus dem 
14. und 45. Jahrhundert im Admonter 
Archive" Meitrage zur Kunde stetermarkischer 
Geschichtsquellen, Bd. XIII, 
S. 33—109; auch Sonderdrucks; — 
1878: „Ein wiedererstandenes Kloster« 
archiv in Steiermark" s36Her's Archivalische 
Zeitschrift, Bd. I I I , S. 137 
bis 163; auch Sonderdrucks; — 1879: 
,Ueber die letzte Ruhestatte des Christoph 

Seite 321 



Wurzbach55 . txt 
Raub er, Administrators des Bisthums 
Seckau und Commendators von Admont" 
M i t t h . des hist. Vereines fur 
Steiermark, Bd. XXVII, S. 79-83; 
auch Sonderdrucks ; — 1880: , Abtei 
Admont in Steiermark" Mrunner's 
.Ein Benedictinerbuch" S. 40—73"; — 
1881: „Das ehemalige Nonnenkloster 
0. 8. Z. zu Admont" "Wissenschaf tliche 
Studien und Mittheilungen aus dem 
Benedictinerorden, I I . Jahrg., 1. Heft, 
S. 7 3-8 6; 2. Heft, S. 288-319; 
!auch Sonderdrucks; — „Zur Genen« 
logie des Hauses Habsburg" sebenda, 
2. Heft, S. 334-344); - 1882: 
„Aus einem Admonter Formelbuche" 
"ebd., III. Jahrg., Bd. II.. S. 140 
bis 147"; — „Materialien zur Geschichte 
verschiedener Pfarren und Kirchen in und 
auBer Steiermark" sBeitrage zur Kunde 
steiermarkischer Geschichtsquellen, Band 
X V I I I , S. 1-42; auch Sonderdrucks; 

— 1883: «Ein altes Chronikenbuch . 

Mit besonderer Beriicksichtigung einer 

darin enthaltenen Admonter Chronik" 

»bd., Bd. XIX, S. 74-91; auch Sonderdruck" ; 

— A Uebersichtstabelle, betref» 
fend den Bestand an Originalurkunden 
und Acten im Archive des Stiftes Admont 
im Jahre 1883" »'ur die landes« 
culturhistorische Ausstellung in Gratz und 
daselbst gedruckt"; — 1884: „Der Benedictiner 
» und Cistercienserorden in ihrer 
Vertretung bei der culturhistorischen Aus» 
stellung in Gratz" ''Studien und Mit» 
theilungen aus dem Benedictinerorden, 

Bd. IV; auch Sonderdruck, 11 S."j; 

— „Eine Admonter Todtenrotel des 

13. Jahrhunderts" »bd., Bd. V ; auch 
Sonderdruck, 106 S . ) ; - 1885: «Mittheilungen 
aus dem Admonter Archive. 

Enthaltend Urkundenregesten fur verfchie« 
dene Orden und Kloster »bd., Bd. VI); 

— „Geistliche Studenten an der Uni» 
versitat Dillingen im 17. Jahrhundert" 
"ebd. . Bd. V I , S. 397-400"*; - „Ein 
KleinodienverzeichniB des Chorherrenstif tes 
St. Nicolaus in Rottenmann" 

Mittheilungen der k. k. Centralcommission : 
c, Jahrg. 1883, S. XXXII bis 

XXXV s j; — „Beitrage zu einer Ge« 
schichte des Heilwesens, der Volksmedi«^ 
Michodil 218 Mickede 

cin, der Bader und Heilquellen in Steiermark 
bis incl. Jahr "700" Wirth, des 
historischen Vereines fur Steiermark, 
Bd. X X X I I I , S. 3-123; auch Sonderabdruckt 
I m Buchhandel erschienen 

"'874—1880: „"ezchichte des Venedirtintr- 
2titte5 Zllimllnt", 4 Bande (Grah, 2173 S., 
Selbstverlag des Autors) und (anonym) : 
„Nie «Slif tZliilUillthek zn Idmllnt. Snr Grientirang 
nntl Orinnernng tiir tlir Vr2nchrr der"rlben" 
(Gratz 188i. 39 S.). Zur Herausgabe 

Seite 322 



Wurzbach5 5 . txt 
bereitet der gelehrte Benediktiner vor: 
„Kloster Admont und seine Beziehungen 
zur Kunst", dessen Druck auf Kosten der 
Centralcommission fur Erhaltung der 
Alterthiimer u. s. w. bereits im Marz 
4887 begonnen hatte-, — „Einsiedler 
auf admontischen Pfarren"; — „Regesten 
zur Geschichte der Freiherren von 
Hof mann zu Strechau und Griin» 
b u ch e 1 . 
173N-18 8 

uiii 8. ' 1'. Veu^aicti ciui 
In ao I A eo 

Nichodil, Anna (Schriftstellerin, 
ged. zu Bielitz in OesterreichischSchle» 
sien am 9. Janner 1831) . I h r wahrer 
Name ware nach Brummer Maria 
Theresia May. Sie ist die Tochter 
eines Kaufmanns; verlebte in glucklichen 
Verhaltnissen ihre Jugend zu Troppau, 
wo sie auch den ihr ertheilten Unterricht 
durch eigene Studien zu erganzen bemuht 
war. Nun fand sie Stellung als 
Gouvernante, und zwar zuerst in Bielitz, 
dann in Wien. Von da kehrte sie in ihre 
Heimat zuriick, wo eine inzwischen von 
ihr geschlossene Verlobung aus schwerwiegenden 
Griinden aufgelost wurde. 
Den damit verbundenen Aufregungen 
vermochte der jugendliche Korper auf die 
Dauer, nicht Stand zu halten, sie verfiel 
in schweres Leiden, das sie fur langere 
Zeit ans Krankenlager fesselte. Auf einem 
Landgute wohlhabender Verwandten in 
der Nahe von Wien fand sie Genesung, 
und nun bildete sie sich unter der Leitung 
tiichtiger Manner in Wien zur Lehrerin 
aus. Aber wahrend sie sich fur das 
Lehrerinenexamen vorbereitete, schrieb sie 
auch ihre erste padagogische Novelle, 
„Arene" (1880) . Die giinstige Aufnahme 
dieser ersten Arbeit ermuthigte sie zu 
weiterer schrif tstellerischer Thatigkeit, und 
so gab sie denn die inzwischen erlangte 
Stelle einer offentlichen Lehrerin auf, 
iibersiedelte nach Troppau und ubernahm 
dort die Redaction der padagogischen 
Zeitschrift „Die Madchenschule" . Seit 
1883 gibt sie auch in Gemeinschaft mit 
Brunner in Dobling den „ Jugendkalender " 
heraus. Aufier der schon er» 
wahnten padagogischen Novelle „Irene" 
verof f entlichte sie noch: „Fraulein Nortor. 
Nlluelle" 11881)' " " „Tirf ucrchlriert. Nlluellr" 

(1882) ' - „Minier. Nanellt" 

(1883)', - , . A ' in Klllztergchrimiiizs . Vlluellc" 

<1883) und „Ein MlliZrl. Nouellr" 

11885) . 

Brummer (Franz) . Lerikvn der deutschen 

Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahr» 

Hunderts (Leipzig. Reclam. 12".) Vd. I I , 

S. 477. 

Nickede, Wilhelm von (Vice »Adm 

i r a 1 der deutschen Flotte, geb . zu 

Seite 323 



Wurzbach55 . txt 
Giistrov am w . December 1830) . Der 
SproB eines alten westphalischen Adels» 
geschlechtes , welches aber seit dem vier» 
zehnten Jahrhunderte auch in Mecklenburg 
und Liibeck ansassig ist und zur Zeit 
in zwei Linien, der Oberhofer mit 
zwei und der Tolziener mit funf Zwei» 
gen, in zahlreicher Nachkommenschaf t 
blunt . Unser Vice-Admiral gehort zum 
zweiten Zweige der Tolziener Linie 
und hat noch acht Geschwister. Sein 
Vater war Landdrost in Rostock, die? 
Mickede 219 Wickede 

Mutter eine geborene Freiin von Beul» 
witz aus Heidelberg. W i 1 h e lm besuchte 
bis zu seinem 16. Jahre das Gymnasium 
seiner Vaterstadt, zeigte aber von friihauf 
groBe Vorliebe fur das Seeleben, welche 
sich vornehmlich darin aufierte, daB er 
alle seine MuBestunden in dem sehr be» 
lebten Rostocker Hafen zubrachte, viel 
mit den alten damaligen mecklenburgischen 
Seeleuten verkehrte und seine groBte 
Freude in Bootsfahrten auf der Wamow 
oder kleinen Kiistenf ahrten an der Ostsee 
fand. Damals, in den Vierziger-Iahren, 
dachte man noch gar nicht an eine 
deutsche Kriegsf lotte, einen jungen Edel» 
mann als Kauf f ahrteicapitan die Meere 
durchschif f en zu lassen, wollte auch den 
Eltern nicht recht passen, und iiberdies 
hatte der Vater seinen Sohn fur den 
Of siciersdienst in der preuBischen Artil» 
lerie ausersehen. Unter solchen Umstanden 
waren die Aussichten des Jiinglings 
fur den Seedienst sehr geringe, und man 
suchte im Elternhause diese Vorliebe fur 
denselben eher zu unterdriicken denn zu 
fordern. Doch der Sohn gab mit seinen 
Bitten nicht nach, und so brachte ihn denn 
der Vater, wenngleich mit Widerstreben, 
nach dessen Confirmation im Friihling 
1846 als Schiffsjunge auf eine Barke 
der damaligen Godef roy ' schen Paquet» 
schifffahrt von Hamburg nach New-Iork 
unter. Dabei hatte der Vater es ausdriicklich 
ausgemacht, daB der Sohn ganz 
wie ein gewohnlicher Schiffsjunge behan» 
delt werde, weil er noch immer die Hoff» 
nung hegte, derselbe werde in kurzer Zeit 
diese Laufbahn von selbst aufgeben, so» 
bald er die harten und vielen Entbeh» 
rungen des Seemannsberuf es in ihrer 
wahren Gestalt kennen lerne. Und dann 
war es ja noch immer Zeit, ihn in die 
preuBische Artillerie eintreten zu lassen. 
So muBte denn W i 1 h e lm als Schiffsjunge 
mu den gemeinen Matrosen Kost 
und Logis theilen. Obwohl von Statur 
klein, aber fur sein Alter ungewohnlich 
kraftig entwickelt und gewandt und schon 
durch seine oben erwahnten seemannischen 
Vergniigungen zum guten Theile abgehartet, 
lieB er sick durch des Vaters 

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Wurzbach55 . txt 
Anordnung nicht nur nicht abschrecken, 
sondern gewann im Gegentheil das zwar 
rauhe, aber frische und stets wechselnde 
Seemannsleben immer lieber und machte 
als Schiffsjunge und spater als Leicht» 
matrose wiederholt Reisen von Ham» 
burg nack Amerika auf Godef roy ' schen 
Segelschif f en . So lernte er das Seemannsleben 
von der Pike auf kennen 
und wufite genau, was und wie viel der 
Matrose zu leisten im Stande sei. Als 
dann bei Ausbruch des danisch deutschen 
Krieges im Sommer 1848 die Elbe blo» 
quirt und die Hamburger Schifffahrt gehemmt 
wurde, verlieB er sein Kauffahrtei« 
schiff und wurde als Seejunker und 
Untersteuermann auf einem der kleinen 
Kanonenboote angestellt, welche die da» 
malige schleswig ' holstemische Regierung 
zunachst zur Vertheidigung des Kieler 
Hafens ausgeriistet hatte. I n seiner 
Stellung diente er drei Jahre und machte 
auch ein nicht eben bedeutendes Gefecht 
gegen danische Kriegsschif f e mit . Nach» 
dem die Herzogthumer Schleswig-Holstein 
durch die Ranke der Diplomatie, 
vornehmlich durch russische Einmischung 
wieder unter die danische Gewaltherr' 
schaft gestellt worden, wollte Wickede 
neuerdings zur Kauf f ahrteif totte zuriickkehren 
und hatte bereits eine stelle als 
Untersteuermann auf einem Ostindienf ahrer 
angenommen. I n dieser Zeit aber, 
4831, wiinschte die osterreichische Regierung, 
welche die italienische Bemannung 
ihrer Flotte in den Kriegsjahren 1848 
und 1849 als sehr unzuverlassig fand,? 
Mickede 220 Mickede 

sich mit deutschen Ofsicieren fur ihre 
Flotte zu versehen und suchte besonders 
junge Hannoveraner , Mecklenburger und 
Holsteiner hoherer Stande zum Eintritts 
zu bewegen. Damals wurde auch der 
junge Wickede durch Vermittlung des 
osterreichischen Gesandten in Mecklenburg 
als Seecadet fur Seiner Majestat Kriegsmarine 
gewonnen, er muBte sein Offi» 
ciersexamen in italienischer Sprache 
machen und erhielt dann 1832 das Ofsi> 
cierspatent. Als Lieutenant anfanglich 
langere Zeit in Venedig stationirt, erwarb 
er sich bald einen geachteten Namen und 
erbot sich 18.19, als die franzosische 
Kriegsflotte Venedig bloquirte, mit noch 
vier freiwilligen Matrosen, einen kleinen, 
mit Schiefibaumwolle beladenen Brander 
in dunkler Nacht an das franzosische 
Admiralschif f anzuhangen und dieses 
damit in die Luft zu sprengen. Das 
Schifflein lief auch wirklich aus, ward 
aber von der heftigen Bora erfaBt und 
umgeworfen, und Wickede konnte sich 
mit seinen Matrosen nur mit auBerster 
Noth durch Schwimmen an das Ufer 

Seite 325 



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retten. Spater war er mehrere Jahre 
Ordonnanzof f izier des Erzherzogs Max, 
damaligen Oberbefehlshabers der 6fter» 
reichischen Flotte. Als derselbe Kaiser 
von Mexiko geworden, gedachte er seines 
Ordonnanzof ficiers mit besondererWarme 
und sandte ihm seinen mexikanischen 
Orden und noch andere Erinnerungs» 
zeichen. I n der Folge commandirte 
Wickede mehrere Jahre ein 6sterrei» 
chisches Kanonenboot, das zu Vermessungsarbeiten 
und zur Verfolgung der 

griechischen Seerauber im griechischen 
Archipel stationirt war. I n der siegreichen 
Schlacht bei Lissa, 20. J u 1 i 1866, 
nahm er als Commandant des Kanonenbootes 
erster Classe „Dalmat" ruhmlichen 
Antheil an derselben und wurde 
mit dem Orden der eisernen Krone 
dritter Classe mit Kriegsdecoration aus» 
gezeichnet. Siebzehn Jahre stand er bereits 
in Seiner Majestat Kriegsmarine 
in Diensten, als die Griindung einer 
deutschen Kriegsflotte ihn und 
noch mehrere Norddeutsche bestimmte, 
den osterreichischen Kriegsdienst zur See 
mit dem deutschen zu vertauschen, und so 
trat er 1867 mit seinem osterreichischen 
Rang und seinen Anciennetatsverhalt» 
nifsen in die Kriegsflotte Deutschlands 
ein. Er befehligte hier zuerst die Segel» 
brigg fur die Schif f s jungen „Musquito", 
wurde 1870 wahrend des Krieges mit 
> Frankreich erster Officier auf der Panzer» 
ftegatte „K6nig Wilhelm", dem groBten 
Schiffe der Flotte, spater Commandant 
des Seecadetenschif f s „Niobe", machte 
dann mit der Fregatte „Elisabeth" eine 
zweijahrige Reise urn die Welt und befehligte 
mit dem Range eines Commo» 
dore das deutsche Geschwader, welches 
1878 nach Nicaragua gesandt wurde, urn 
von der dortigen Regierung Genug» 
thuung zu verlangen. Spater zum 
Contre- und darauf zum Vice«Admiral 
befordert, war er mehrere Jahre erster 
Commandant der Ostseestation der deut» 
schen Kriegsflotte zu Kiel. Als solcher 
arbeitete er auf Anordnung des damaligen 
Marineministers von Stosch den 
ersten Entwurf fur die deutsche Seetaktik 
aus und commandirte alljahrlich die 
grofieren Manoeuvres der Panzerschif f e, 
Fregatten und Torpedos in der Ost» und 
Nordsee. Vice>Admiral von Wickede 
war dafiir bekannt, daB er sich bei seinen 
Manoeuvres absichtlich Sturm und Nn< 
weiter aussuchte, da seiner Ansicht nach 
eine tiichtige Kriegsflotte bei jedem 
Wetter und nicht bloB bei Sonnenschein 
auf der ruhigen Rhede manoeuvriren 
muffe. Wie er fur sich selbst keine Scho»? 
Mickede 221 Mickenburg, Albrecht 
nung kannte, stellte er, dabei aber ein 

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ebenso humaner als gerechter Vorgeset zter , 
auch an seine Officiere und Matrofen im 
Dienste die hochsten Anf orderungen . Auf 
der Flotte gait er als Hauptvertteter der 
seemannischen Ausbildung der Ossi' 
eiere und der Mannschaft und stand, wie 
es scheint, im Gegensatze zu den An» 
sichten des gegenwartigen Marinecommandos, 
das dem strammen Exerciren 
der Bemannung der Kriegsflotte erhohte 
Bedeutung beimiBt und von den Matrosen 
verlangt, dafl sie einen ebenso 
glatten Parademarsch ausfuhren wie die 
Gardegrenadiere . Auch gilt er als Gegner 
der allzu groBen Bedeutung der Torpedos, 
denen er zwar die hochste Wichtig» 
keit fur die Kiisten» und Haf envertheidi» 
gung, dagegen eine sehr beschrankte fur 
die Seeschlacht auf offenem Meere zugesteht. 
Mit diesen sachlichen Differenzen 
brachte man die vor Kurzem — Mai 
1887 — erfolgte Zur-Dispositionsstel» 
lung des Vice-Admirals, welche einige 
Zeit in der Presse auf der Tagesordnung 
stand und zu allerlei Combinationen und 
Geruchten Veranlassung gab, in Verbindiing. 
Vorderhand ist nur Eines Thatsache, 
der Vice »Admiral, der zur Zeit 
noch im kraftigen Mannesalter von 
37 Jahren steht, hat wegen zeitweilig 
sehr geschwachter Gesundheit — ob die 
Ursachen dieser Schwachung physischer 
oder politischer Natur sind, wird nicht angegeben 
— selbst darum angesucht, zur 
Disposition gestellt zu werden. Wilhelm 
von Wickede ist mit E 1 1 y geborenen 
Aschersleben, verwitweten 
Hauptmann C z y k a vermalt. 
(Miinchener) Allgemeine Heilung vom 
t. Juni 1887, Beilaae Nr. ioli, S. 2193: 
„Vice ' Admiral von Nickede". 

Noch ist eines Vetters des Vice«Admirals, des 
Rittmeisters a. D. und Schrif tstellers Julius 
von Wickede, in Kiirze A u gedenken. Die'er 
s^eb. zu Tchwerin 1< Juli I8i9) . Cbef des 
ersten Zweiges der Tol wiener Linie und 
Sotm des Forstrathes und Odnf orstmeistero 
Theodor von Wickede (gest. <833) au5 
dessen Ehe mit J u 1 i a n e geborenen Fveiin 
vvn Bose, trat im Fruhlinge- j 8 ! i5 in d!? 
osterreichische Armee, und zwar als Regimentscadet 
in das damalige Neiter-Negiment Erzherzog 
Iobann ' Dragoner ein I n demselben 
diente er einige Jahre. Wie lange? ist uns 
nicht bekannt . Auch ist es nicht seine will» 
tarische Laufbahn, die ihn fur uns denk ' 
wiirdig erscheinen laBt . als vielmehr die 
prachtigen Schilderungen aus derselben, in 
welchen rr ein treues, freilich poetisch anae» 
hauchtes Bild des Lebens und Treibens in 
einem kaiserlichen osterreichischen Reiter'Regi» 
mmte in den TreiBiger«Iahren unseres Iahr< 
hundert gibt, und welche im V. Jahrgange 
der illustrirten Zeitschrift „Daheim" <369. 

Seite 327 



Wurzbach55 . txt 
T. 153 u. f. unter dem Titel: „Lebenserin« 
necungen. IV. Oesterreichisches Toldatenleben 
ooc dreiBig Jahren" gedruckt stehen. Auch 
sonst noch ist Wickede alo Schriftsteller 
thatig, und werden seine zahlreichen Arbeiten, 
welche meistens das Toldatenleben im Frieden 
und Kriege schildern, gern und viel gelesen. 
Unter seinen zahlreichen Schriften, die wir 
in V r u m mer's Lerikon der drutschen Dichter 
und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts 
verzeichnet finden, haben fur Oesterreich 
naheres Interesse: „Erzahlungen eines 6stercei« 
chischen Veteranen", U Theile (1835); — 
„Der 2ohn des Regiments. Testerreichische 
Soldatengeschichte" . 4 Theile (i853 und 1855): 
- " «Herzog W a 1 1 e n stein in Mecklenburg" 
4 Tdeile (<865) . 

Wickenburg, Albrecht Lllpello Graf 
von (Dichter, geb . zu Gratz in Steiermark 
am 4. December 1838) . De: 

jiingste Sohn des Matthias Constant 
i n Capello Grafen von Wickoii» 
burg aus dessen Ehe mit Emma gebo« 
renen Grasin Grimaud > d'Orsay, 
erhielt er im Hause seines Vaters, der zu 
jener Zeit Landesgouverneur in Steiermark 
war, die erste sorgfaltige Erzie. 
hung, welche durch die Sturme des in 
alle Zebensverhaltnif se so tief einschnei' 
denden Jahres 4848 eine unliebsame^ 
Mickeudurg, Albrcchr Albrecht 
Unterbrechung erlitt. Der Vater war 
naturlich von den schweren Pflichten 
seines Amtes vollauf in Anspruch genommen, 
die Mutter schon damals korper» 
lich leidend und der Hofmeister ein viel zu 
eifriges Mitglied der „akademischen Legion", 
als daB er noch Zeit gehabt hatte, 
sich viel urn seinen Zogling zu kummern. 
Auch in der nachstf olgenden Zeit blieb 
der regelrechte Gang der kaum begon» 
nenen Studien des jungen Grafen unterbrochen . 
Der Vater hatte seine Stelle 
niedergelegt und sich auf Reisen begeben, 
und Wicken bucg konnte nun wahrend 
der zwei Jahre, die er mit seiner Mutter 
und seinen Schwestern auf dem Lande 
(theils in Gleichenberg, theils in Gofting 
nachst Gratz) verbrachte, nur hochst man« 
gelhaften Unterricht genieBen, und so 
ging diese kostbare Zeit seines Daseins 
nahezu verloren. 18ol wurde er der Er» 
ziehungsanstalt des Leopold B o n d i in 
Gratz iibergeben, dieses tiichtigen Paoa» 
gogen, aus dessen Institute mehrere 
nachmals zu hohem Ansehen gelangte 
Manner hervorgegangen sind. Nachdem 
er fiinf Jahre daselbst zugebracht hatte, 
studirte er als Horer der Rechte in Wien, 
wo seine Familie mittlerweile bleibenden 
Aufenthalt genommen und der Vater 
als President des Verwaltungsrathes 
der Kaiserin Elisabeth-Vahn thatig war. 
Er horte die Collegien der beriihmten 

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Wurzbach5 5 . txt 
Professoren, welcbe damals die juridische 
Facultat zierten (Arndts , Phillips 
Unger, Glaser, Lorenz, Stein 
u. s. vi.), mit ganz besonderem Eifer 
aber auch die Vorlesungen Eitelberger ' s 
liber Kunstgeschichte, des Profes« 
sors Karl Tomaschek iiber deutsche 
Literaturgeschichte u. s. w. an der philo> 
sophischen Facultat. Einen wahrhaft 
wohlwollenden Freund und unermud» 
lichen Forderer seiner Studien fand er in 
dem damaligen Iuristenprafecten am k. k. 
Theresianum, dem nachherigen Justiz, 
minister und gegenwartigen Senats« 
Prasidenten des obersten Gerichtshofes, 
Dr. Karl Habietinek. Ein inniges 
Freundschaf tsbiindniB kniipfte ihn auch 
an den kiirzlich verstorbenen auBerordent« 
lichen Gesandten und bevollmachtigten 
Minister Ernst Freiherrn von Teschen« 
oerg, dessen Verkehre mit ihm er die 
meiste Anregung verdankt, die er in 
seinen Iiinglings jahren genofi . I n sva» 
terer Zeit ersetzte ihm diesen Freund der 
Professor Robert Zimmermann, eine 
der Zierden des heutigen Wiener Lehrkorpers. 
1860 beendete Wickenburg 
die juridischen Studien und diente nun 
eine Zeit lang als Conceptspracticant 
im Polizeidepartement der niederosterreichischen 
Statthalterei . Aber mit den ihm 
zugewiesenen Agenden, wenn sie auch 
aus dem amtlichen Leben nun einmal 
nicht gestrichen werden konnen, vermochte 
er sich nicht zu befreunden. Sein Sinn 
war auf Anderes gestellt, als auf Anbe» 
raumung von „Dampf kesselproben" , Er» 
ledigung der Recurse von „wegen unter» 
lassener Trottoirreinigung" bestraften 
Hallsmeistern, „wegen Ueberschreitung 
der Sperrstunde" beanstandeten Wirthen 
u. dgl . m. So sagte er denn schon 1863 
dem Staatsdienste Lebewohl, urn fortan 
seinen literarischen Neigungen und Be> 
schaf tigungen ausschliefllich zu leben. Die 
literarische Neigung war in ihm ziemlich 
fruhzeitig erwacht, und bereits in Gratz 
hatten es Anastasius G r ii n und Karl 
von H o 1 t e i , spater in Wien der greise 
Castelli und I . G. S e i d 1 an Auf« 
munterung nicht fehlen lassen, und Letzterer 
verof f entlichte von ihm schon 1838 
ein kleines Gedicht „Die Aeolsharfe" in 
seinem Almanach „Aurora", doch be» 
schrankt sich Alles, was Wickenburg^ 
Mickenburg, Albrecht 223 Mickenburg, Albrecht 
in jener Zeit drucken lieB, auf einige 
Gelegenheitsgedichte . Zur Herausgabe 
einer Sammlung von Gedichten entschlofi 
er sich erst nach seiner Vermalmig mit 
W i 1 h e lm ine Graf in Almasy. iiber 
welche S. 229 ein besonderer Artikel f olgt . 
Nachdem er in Gemeinschaft mit derselben 
eine deutsche Bearbeitung von Michael 

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Drayton ' s „Nymphidia" (Heidelberg 
4873, Georg WeiB) herausgegeben hatte, 
trat er mit der Sammlung „Eigenes und 
Fremdes" — die bibliographischen Titel 
folgen am Schlusse — hervor, die theil« 
weise aus Uebersetzungen (aus dem Engtischen) 
besteht. Da es ihm erschien, daB 
von Seite der Kritik gerade die Ueber» 
tragungen besonders hervorgehoben wur 
den, warf er sich jetzt mit verdoppeltem 
Eifer auf das Gebiet der Ueberset zungs' 1 
kunst . Seine nachste Arbeit war aller» 
dings keine eigentliche Ueberset zung, sondern 
vielmehr die metrische Beardei» 
t u n g einer solchen. Der Graf hatte die 
Bekanntschaf t des eidgenossischen Gesandten 
Johann Jacob von Tschudi 
gemacht, der als Reisender und Natur» 
forscher eines groBen Rufes genieBt, vor 
Allem aber durch sein groBes Werk iiber 
die Kechua»Sprache der alten Peruaner 
sich beriihmt gemacht hat. Derselbe hatte 
aus Peru das in einem dortigen Kloster 
aufgefundene Manuscript des altperua» 
nischen Dramas „011anta" mitgebracht 
und eine wortliche (interlineare) Uebersehung 
dieses merkwiirdigen und ein» 

zigen Literaturdenkmales eines untergegangenen 
Volkes verfaBt; ihm lag 
aber daran, das „011anta>Drama" nicht 
bloB Gelehrtenkreisen, sondern auch einem 
groBeren Publkum in der ursprunglichen 
poetischen Gestalt, zuganglich gemacht zu 
wissen, und so forderte er den Grafen 
auf, seine Uebersetzung im Metrum des 
Originals zu bearbeiten, welcher Aufgabe 
: sich derselbe in einer von der competenten 
Fackkritik auch anerkannten Weise unter 
zog. Seine nachste Arbeit war eine Verdeutschung 
des „Ent f esselten Promo> 
theus" von P. B. Shelley. Diese qe 
A waltigste Dichtung des bedeutenden enq> 
lischen Poeten, der bisher fast alle 
Shelley. Uebersetzer wegen ihres mysti- 
schen Dunkels aus dem Wege gegangen 
> waren, forderte bei ihren Schwierig» 
! keiten das Talent eines gediegenen 
1 Ueberfetzers geradezu heraus. Auch diese 
1 Aufgabe loste der Graf, wie es die Fach- 
A kritik allgemein anerkannte, in vollendeter 
Weise. 1878 iibersetzte er die hochbedeu» 
tende Tragodie „Atalanta in Calydon" 
des gefeiertsten britischen Poeten der 
Gegenwart, Algernon Swindurne, 
mit dessen Genehmigung. jH?9 ersuchte 
der beriihmte britische ' ws oet' s laurea.- 
! tus ' ' Alfred Tennyson, dem des 
A Grafen Ueberset zuncM aus dem Engli» 
' schen zu Gesichte gekommen waren, den» 
«selben, sein Drama „Harald" zu verdeutschen, 
und Wicken burg unterzog 

sich mit gleichem Gliick auch dieser Auf« 
! gabe . An die bisherigen Ueberf tt zungen 
aus dem Englischen kniipfen sich nun 

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solche aus dem Franzosischen. Der Graf 
begann mit einem graciosen Stuckcben in 
Versen von Ernest d'Hervilly: „Die 
schone Sainara. Japanische Komodie in 
einem Acte". I n dieser Ueberset zung, 
welche nicht gedruckt wurde, gelangte das 
Stuck bei den von der Wiener Arifto» 
kratie im Palais Auersperg veranstal» 
teten Wohlthatigkeitsvorftellungen durch 
die Fiirstin Pauline Metternich, Frau 
Gabillon und Herrn Hartmann zur 
Darstellung. 1880 betraute D i n g e lstedt 
den Grafen mit der metrischen 
Uebersetzung des Schauspiels „Die Aben> 
teurerin" von Emil Augier. I n dieser 
Bearbeitung kam dasselbe auf dem k. k.¥ 
Wickenburg. Albrecht 224 Wickenburg, Albrecht 
Hofburgtheater (mit Frau W o 1 t e r in 
der Titelrolle) siebenmal zur Auffuhrung. 
Augier's dreiactiges Lustspiel (in 
Versen) „Philiberte" und dessen Erst» 
lingsstiick A a . OiFU<' s (deutsch betitelt 
„Der Giftbecher") hatte Wickenburg 

gleichfalls ubersetzt, aber nicht verof f entlicht , 
und let ztgenanntes hat Direktor 

Wilbrandt fur das Burgtheater angenommen. 
Nun aber fiihlte sich der Graf 

zu einer ganz eigenthumlichen Arbeit hingezogen 
und wagte den Versuch einer 
Uebersetzung und Biihnen bearbeit 
n ng des altf ranzosischen Schwankes 
„Maistre Pathelin", dieses eigentlichen 
Mutterstiickes der franzosischen Komodie, 
das schon vor 400 Jahren in Frankreich 
popular gewesen, an welchem ein Mol 
i "re gelernt und welches heute noch 
eine Zierde des Repertoires der Oom"aie 
fran"NiLO bildet ! I m Fruhjahre 1883 
trug sich der Schrif tsteller Hans Pohnl 
mit dem Plane, ein „historisches Theater" 
in Wien zu errichten, und wollte seine 
Biihne mit dem „Meister Pcithelin" er» 
offnen. Er bat den Grafen, das Stuck 
zu verdeutschen (natiirlich im Versmafi 
des Originals) und fur seine Zwecke zu 
bearbeiten. Das P o h n l'sche Unter» 
nehmen kam nicht zu Stande, indessen 
lag die Bearbeitung , fertig vor und 
wurde auch dem Director Wilbrandt 
bekannt . Dieser machte die Hof schauspielei 
darauf aufmerksam, als auf ein 
passendes Stuck fur eine der alljahrlich 
zum Besten ihres Pensionsvereines 
„Schroder" stattf indenden Vorstellungen . 
Das Project wurde im Kunstlerkreise des 
Hofburgtheaters mit Enthusiasmus aufgenommen, 
und bei der am 31. October 
1883 stattgef undonen Vorstellung im 
Wiener Stadttheater trachteten Lewinsky, 
Frau Hartmann, Meirner, 
Schone und T h i m i g mit dem 
ganzen Aufwande ihres Talentes das 
Stuck zur Geltung zu bringen. Doch 
war der Liebe Miih ' umsonst ! Das Publi< 

Seite 331 



Wurzbach5 5 . txt 
cum, welches Hugo Wittmannin 
einem groBen Feuilletonartikel der „Neuen 
Freien Presse" auf diese Vorstellung vorzubereiten 
gesucht hatte, stand dem alten 

Meister Pathelin ziemlich verblufft und 
befremdet gegeniiber und wuBte nichts 
Rechtes mit ihm anzufangen. Da aber 
der Erfolg dieser Vorstellung immerhin 
noch fur einen „unentschiedenen" gelten 
konnte und die Kritik der Tagesblatter 
im Allgemeinen gunstig lautete, wagte 
Wilbrandt ein zweites Experiment mit 
dem Stiicke und liefi dasselbe im Hof» 
burgtheater auffijhren. Hier aber fiel es 
ganzlich ab . Wir brachten bisher des 
i Grafen literarisches Weben und Streben, 
wie es sich zu entwickeln begann und 
immer bewufiter hohere Ziele sich stellte, 
in der Folge, wie es sich aus den Acten 
der Oef f entlichkeit darbot, zur An» 
schauung. Wir haben dem Gesagten 
zur Vervollstandigung unseres Bildes 
noch Einiges beizufugen. Am offentlichen 
Leben beiheiligte sich Wicken b u r g nur 
als Mitglied mehrerer wohlthatiger und 
gemeinniit ziger Vereine. Er ist seit 1864 
Mitglied des Wiener Journalisten- und 
Sctmf tstellervereines „Concordia" und 
war auch eine Zeitlang AusschuBmitglied 
und Mitglied des Baucomit«s fur das 
Concordiahaus . I m Kriegsjahre 1866 
trat er in den AusschuB des 6fterreichi» 
schen patriotischen Hilf sVereines und er« 
hielt fur seine Theilnahme an der Pflege 
der Verwundeten das Ritterkreuz des 
Franz Joseph-Ordens ; er blieb durch 
voile zwanzig Jahre AusschuBmitglied 
dieses Vereines. I m Friihjahr 1883 trat 
er aus infolge seiner Uebersiedlung nach 
Siidtirol. Aus demselben Grunde schied 
er auch aus dem Vorstande des Wiener? 
Mickenburg, Albrecht 223 Mickenburg) Albrecht 
Zweigvereines der deutschen Schillerstif . 
tung, dem er seit einer Reihe von Jahren 
angehorte. Die bibliographischen Titel > 
der im Druck herausgegebenen Schriften! Nevtzch 
des Grafen stnd: „Eigenes uno Fremuts" 
(Wien 1874, Rosner, 80.) A vergleiche: 
„Deutsche Dichterhalle" Bd. V, Nr. 16, 
S. 291: Kritische Plauderei. Von Aleris 
Aar; — „Literaturblatt der Gratzer 
Tagespost", 8. Februar 4874. Von 
Friedrich Marx; — „Presse", 23. De 
vember 1877 
GroU. - 

im Feuilleton von Ferd. 
Oine 

cember 1873, im Feuilleton: Dichtungen 
von h. gr.soB?); — „Die Literatur", 
April 1874, Nr. 2; - „Europa", 
23. Marz 1874; - „Vaterland", 
27. Februar 1874; — Ferd. Kurnberger's 
„Literarische Herzenssachen" , 
S. 137 und 147", eine 2. Aufl. dieser 

Seite 332 



Wurzbach5 5 . txt 
Dichtungen steht bevor. — „GUanta. Pernanischeg 
GrigilialilllMu ans der Inkll-^eit. Nach 
«oll Eiichlld i'z wortlicher 3erllent5chnng mrtrizch 
bearbeitet" (Wien 1876, Rosner, 8".) 
ftgl.: „Allgemeine (Augsb.) Zeitung", 

1876, Nr. 19, Beilage S. 267; - Dieselbe, 

1877, Nr. 33, Beilage S. 826; 

— „Deutsche Zeitung", 6. November 
4873. Von Schroer; — „Die Donau" 
(Wiener Blatt) 13. October 1873 im 
Feuilleton; — „Blatter fur literarische 
Unterhaltung" , 9. November 1876: 

Neue Dramen A . — „Ver entfesselte Prametheu 
«. 3hri5che5 Nrama in uier Zlcten uan 
Pirriz Bllsshe shelleij. Deutsch" (Wien 
1876. Rosner. 80.) ftgl.: „Pefther 
Lloyd" vom 3. Janner 1877; — „Blatter 
fur literarische Unterhaltung", 20. De A 
cember 1877, S. 802 in „Deutsche 
Ueberset zungVliteratur " . Von Theodor 
Paur; — „Deutsche Zeitung", 9. Mai 
1876. Nr. 1362, im Feuilleton: Selbst» 
erlosung. Von S. Heller; — Roden» 
berq's „Deutsche Rundschau", Bd. Ill, 
S. 4, 1876. Von Rob. Zimmermann; 

— „Frankfurter Zeitung" vom 3. No- 
(Wien 1878, Rosner, 8".) A vgl . : 
„Wiener Sonn- und Montagsblatt " vom 
11. Marz 1878 im Feuilleton; - 
„Wiener Fremden-Blatt " , 27. Marz 

1878, Nr. 84. Von 3. Hevesy; - 
„Die Gegenwart", 1878, Nr. 40. Von 
W. Lauser; — „Deutsche Zeitung", 
16. Februar 1878: 

Von Johannes MeiBner; — „Blatter 

fur literarische Unterhaltung", 1879, 

Nr. 2. Von Karl Bartsch) . — „Hnra! 

d. Ein Hliilna van Zlwd 

Ncut5ch..." (Hamburg 1880, Griining, 

80.) svgl . : Miener Abendpost", 22. Februar 

1880. Von H. Grasberger; — 

Neue Freie Presse, 24. December 

1879, Von Martin Greif; — „Brtinner 
Morgenpost", 1883, Nr. 294 im Feuil. 

— „Nie Abenteurerin . Schauspiel m 

uier Zrten ucin G'mil Augirr . Nent31h . 

ftgl.: „Wiener Abendpost", Beilage zu 

Nr. 273, 1880; - „Constitutionelle 

Vorstadt . Zeitung" (Wien) 1. December 

4880-1. - „Meiater Pathelin. Hitfmll jiizischer 

Schwank in drei Zuhagen. Ventsch..." 

sWien 188,4, Rosner) A vgl . : „Neue Freie 

Presse", 1883, Nr. 6888 im Feuilleton. 

Von H. W. (ittma)nn; — /Wiener 

Allgemeine Zeitung", 1. October 1883; 

— „Berliner National ' Zeitung" vom 
30. Mai 1884 im Feuilleton: Alte Ko< 
modien. Von Rudolf Gen 6 e ; — 
„Deutsche Wochenschrift " , 4. November 
1883 im Feuilleton. Von E. Schmidts 

Wie bereits in der Lebensskizze erwahnt, 

ist Graf Wickenburg vermalt. A1S 

1867 Wilhelmine Grafin Almasy 

ihre erste Sammlung «Gedichte" heraus» 

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gab, wac der Eindruck, den diese Ergusse 
einer edlen Frauenseele auf den Grafen 
hervorbrachten, ein so machtiger, daB 

v. Wiirzbach. biogr. Lexikon. I.V. lGedr. 8. Juli 1857. )¥ 
Wickendurg-C A llpeuo (Genealogie) L26 Wickenburg-Capella (Genealogie) 
derselbe sofort sich entschloB, urn Hand 
und Herz der Verfasserin zu werben. Und 
in der Thai war die Nnmittelbarkei 
des ganzen Vorganges eine solche, daB 
sogar die offentliche Meinung, die in 
Herzensangelegenheiten sonst nicht mit zusprechen 
liebt, dieses Mai aus ihrei 
Zuriickhaltung siel und den kundgewor 
denen Herzensbund in freudigster Weist 
begruBte A vergl. Neues Fremden-Blatt . 
1868, Nr. 22 1 A . Graf Albrecht ver 
malte sich am 3. November 1868 zu 
Wien mit W i 1 h e lm ine geborenen 
Grafin Almasy (geb. 8. April 1843), 
und sind aus dieser Ehe zwei Kinder 
Rosa (geb. 10. September 1869) und 
Robert (geb. 3. Juni 1874) vorhanden. 
Franzos (Karl Emil) . Deutsches Dichterduch 
aus Oesterreich (Leipzig 1883, Breitkopf und 
Hartel. schm. 4".) S. XXXIX. - Brumm 
er (Franz) . Deutsches Dichter - Lexikon 
(Eichstadt und Stuttgart 1877. Krull. 4".) 
S. 4!) 8. — Derselbe. Lexikon verdeutschen 
Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts 
(Leipzig o. I . si886) Reclam A, un., 
520.) A 47<, 

I. Zur VenclNogic der Tapcllo Grafen von 
Wickenburg. Die uns zu Gebote stehenden 
Daten iiber diese Famiile re ! chen bis ins 
siebzehnte Jahrhundert zuriick. Francesco 

Maria (5apellini . genannt Stech i n c 1 1 i 
(geb. am 18. April il>40 zu Ninnni, gest. 
am 26. November 1694 zu Hildcsheim) . von 
einem nach Nimini verpflanzten Zwrige der 
Familie K a p e 1 1 e stammend, trat 1634 als 
Page in die Dienste des Herzogs Georg 
W i 1 b e lm von Vraunschweig und Liineburg 
und erwarb sich dessen Gurst in so hohem 
Grade, daB er nach und nach mit den wich» 
tigsten Aemtern betraut wurde. Am >"1. August 
1677 gelangte cr in den Besitz des hanno» 
ver'schen A ldelsgutt's Wickenburg. nach welchem 
sich die heutigen Nachkommen des Ge>chlea>trS 
auiischliet zlich benennen. Drn Neicksadel 
mit dem Pradikate von Wickcndurg erhielt 
er von Kai, er Leopold I. mit'Diploin aao. 
1 1 . Juni 1688, und sein Sohn Franciscus 
erlangte von Kaiser Ioscpt? I. mit Di« 
plom alio. 12. September 1706 die frei« 
1 herrliche Wurde, welche ' dessen Sohne Ludw 
i g von Kaiser K a r 1 V I . mit Diplom 
aao. jg. December 1713 bestatigt ward. 
Dem Freihrrrn Anton Anselm, mit welchem 
unsere Stammtafel beginnt, weil wir 
dieselbe von ihm ab in ununterbrochener 
Stammeofolge bis auf die Gegenwart ' f ort« 
fiihren konnen, verlieh der Kurfiirst Karl 
Theodor von der Pfalz mit Vicariats» 
diplom alio. 22. September 17W den 

Seite 334 



Wurzbach55 . txt 
Reichs grasen st a n d , der osterre ' chischerseus 
mit 9. Marz 1813 bestatigt ward. — Den ' 
Herren st and in Bohmen und den mit 
diesem Konigreiche verbundenen Landern be» 
stBe.n die Wickenbura seit 30. Juni 1733 
und auBerdem seit 6. September 18^8 das 
Oberst «Erblandsil berkammereram ' t 
fur Steiermark. — Die Sprossen dieses Ge> 
schlechtes, soweit wir dessen Geschichte uer> 
folgen konnen, thaten sich im Staatsdienste 
und in der Armee hervor. Graf Anton 
Anselm war knrpf alzischer General und 
dann Gesandter an den Hofen oon St. Pe< 
tersbura und Nien, an welch' letzterem Trte 
er auch starb. Mehr in den Vordergrund trat 
der Name des Geschlechtes mit des Grafen 
A n t u n Anselm Sohne Matthias Constantin, 
welcher im Vormarz nahezu ?wri 
Jahrzehnte Gouverneur von Steiermark war 
und snl) dort einrr Popularitat erfreute, von 
welcher ich, damals Ncchtsbef lissener der 
Grayrr Univ^sitat. Zeuqe war und wie einer 
ahnlichen nur Einer noch, A ranz Graf Sta> 
d i o n , in Trieft und Istricn sich rii>men 
dnrfte. — I m Heere des Kaiscro dienten 
in der Gegenwart inrhrere Grafen Wicken« 
durg. su Eduard, Karl, Dtto und 
D t t o k a r , deren unter dm hervorragenden 
Sprossen diesrii Gcschlcch A, 6 des Nahcrm gedacht 
wird; ferner <3i>muno und Franz iVaver, 
r>on denen Ersterer gleichfalls in on' kaiser« 
lichen Armec diente, dem Baiser Marimi< 
1 i a n nach Mexiko folgte, sich dort in med> 
reren Gefechten auszeichnete, nasi) der , A ata« 
strophe zuriickkehrte, Major im Mgimentc 
Kaiser A Huszaren wurde und 1871 starb; 3e!;- 
terer liber. Franz 5, 'aoer. als Hauptmann 
im Tiroler Kaiscria A er-Negimentc d:,,' 
Feldziige 185V und 18«6 in Italien mitmachte, 
zuletzt Landesschuhenhauptmann in 
Tirol war und daselbst zu St. Paulus j37'l 
starb. Der Familienstand Beider. Edmund 5 
und FranzXavers , ist aus der boi ' 
geschlossenen Stammtafel ersichtlich. —In 
neuester Zeit erscheinen zwei Namm auch? 
) Matthias Const. 229 Mickenburg" Matthias Const, 
wege, so die iiber sechs Meilen lange 
von Waidhofen an der Thaya bis an die 
bohmische Grenze fiihrende StraBe, ferner 
jene iiber Eggenburg nach Znaim, dann 
mehrere von ihm ausgefiihrte ansehnliche 
amtliche Bauten. GroB war seine Fur 
sorge bei Uberschwemmungsgef ahren 
und Feuersnoth, wo er oft mit Gefahr» 
dung des- eigenen Lebens die zweck» 
maBigsten Anstalten zur Erstickung der 
gefahrlichen Elemente traf; seine unpar» 
teiische Geschaftsfuhrung, sein Gerechtigkeitssinn, 
verbunden mit einem humanen 
Wesen im Verkehre mit den Unterthanen, 
erwarben ihm deren Liebe und Ver> 
trauen, welche erst recht zum Ausdruck 
kamen, als er nach fiinf jahriger Wirksamkeit 
daselbst eine neue Bestimmung erhielt. 

Seite 335 



Wurzbach5 5 . txt 
Der Kaiser iibertrug ihm namlich A 830 
in der Stellung eines Gubernial . Vice» 
Prasidenten die vollstandige Leitung der 
Provinz Steiermark, nachdem Graf von 
H a r t i g , bis dahin Gouverneur von 
Innerosterreich, als solcher der Lombardie 
nach Mailand abgegangen war. 
I m Juli 1833 ernannte ihn Kaiser Ferd 
i n a n d zum Gouverneur von Steter» 
mark und zum geheimen Rath. I n dieser 
von einer Reihe von Friedens jahren be» 
giinstigten Stellung war dem Grafen ein 
weites Feld geboten zur Bethatigung 
seiner Bestrebungen fur das allgemeine 
Wohl. Und in der That nahm das Land 
von 1830-1848 einen lebhaften Auf. 
schwung. Nach alien Seiten entwickelte 
sich zur Hebung seiner Wohlfahrt eine 
rege Thatigkeit, Verbesserungen nach ver» 
schiedenen Richtungen wurden durch» 
gefiihrt. Darunter ist besonders hervorzuheben 
die in das Jahr 4834 zuriickreichende 
Griindung der Bade» und Trinkanstatt 
zu Gleichenberg, welche ihren 
Aufschwung lediglich den Bemiihungen 
des Grafen verdankt, der die dort befind» 
lichen, dem Selterswasser ganz ahnlichen, 
bis dahin kaum gekannten und nur von 
der Landbevolkerung ohne Wiirdigung 
der Heilkraft benutzten Quellen, die 
formlich verwahrlost waren und statt 
Segen zu spenden, das umliegende Erdreich 
versumpften, fassen und der leidenden 
Menschheit zuganglick machen 

lieB. Einer nicht minderen Sorgfalt erfreute 
sich auch die Landeshauptstadt 
Gratz, in welcher eine Reihe von Huma» 
nitatsanstalten, die bis dahin fehlten, 
ins Leben gerufen wurden, wie: eine 
Taubstummenlehranstalt , ein Arbeits» 
haus, eine Kleinkinderbewahranftalt 
u. s. w . ; unter den Verschonerungen der 
Stadt ist vor Allem die Kettenbriicke iiber 
die Mur zu nennen, die gleichsam unter 
der Biirgschaft des Grafen entstand. Nun 
kam das Bewegungs jahr 1848 heran, 
und d/eses sollte dem Grafen verhangniBvoll 
werden. Demselben erging es als 
Statthalter der Provinz wie den anderen 
Gouverneuren und Statthaltern, die von 
den in Wien wechselnden Ministerien 
formlich vergessen und wahrend der Auf» 
stand iiberall heimlich und offen lohte 
und glimmte, sich selbst iiberlassen 
waren. Der Geschichtschreiber dieser 
Epoche, Freiherr von H e 1 f e r t , schreibt 
aus diesem Anlasse: „Wickeuburg war 
ein Mann, dessen Loyalitat auBer Frage 
stand; er war ein liebenswurdiger und 
freigebiger Eavalier, ein wahrer Wohl» 
thater der Provinz, der er als Gouverneur 
vorstand, fur deren Bestes und 
wiirdige Vertretung er die Krafte seines 
eigenen Vermogens eingesetzt hatte. Aua> 

Seite 336 



Wurzbach5 5 . txt 
wiirde Wickenburg, wenn er nicht als 
Landescommandirenden einen General 
an seiner Seite gehabt hatte, dessen 
grundsat zliche Unthatigkeit in den 0c» 
tobertagen an die Grenzen der Feigheit 
streifte, kaum in die Lage gekommen sein,^ 

Mickenburg, Matthias Const. 230 Wickenburg^Matthias Const, 
sich, von den Fausten und Stricken der 
Umsturzpartei bedroht, jenen Act abtrotzen 
zu lassen, wodurch er in amtlicher Weise 
und mit Aussendung von ihm unterf ertigter 
Certisicate den Landsturm fur 
Wien aufbot . Allerdings nahm er, sobald 
er etwas Luft bekommen, seinen 
Befehl schnell wieder zuriick, allein was 
geschehen, war nicht ungeschehen zu 
machen. jMan vergleiche die in dem in 
den Quellen citirten „Oesterreichischen 
Courier" gegebene Darstellung der damaligen 
Verhaltnisses Die Thatsache 
stand fest: daB ein kaiserlicher Statt- 
Halter dem Aufstande gegen kaiserliches 
Gebot und Heer sein Ansehen geliehen 
hatte. Graf Wickenburg wurde nach 
Olmutz vorgeladen, wohin er, sowie in 
das Hauptquartier des Fiirsten Windischgrat z , 
schon friiher ausfiihrliche 

Denkschrif ten zur Entschuldigung seines 1 
Benehmens gesandt hatte. Der Feldmarschall 
neigte zur Milde, schrieb an 
das Ministerium in begutigendem Sinne' 
in der Hauptstadt und im Lande Steiermark 
wurden unzweideutige Sympathien 
fur den allgemein beliebten Gouverneur 
laut, doch das Ministerium kannte keine 
Schonung. Es war eine ungliickliche 
Verwickelung, worein Wickenburg ge 
rathen; allein im offentlichen Leben gibt 
es Lagen, wo Ungliick gleich Schuld ist. 
Das Ministerium war der Sache der 
Ordnung und Geset zlichkeit eine augenfallige 
Genugthuung schuldig: Wickenburg 
trat von seinem Posten ab . " 
Noch kurz vorher hatte er seine Loyalitat 
und seinen Patriotismus glanzend bethatig, . , 
indem er ein steiermarkisches 
Freiwilligen-Bataillon ausriistete und auf 
den italienischen Kriegsschauplat z entsandle, 
wo es an den Siegen der Armee 
Radetzky's (unter dem Commando des 
Grafen Gottfried Auersperg) hervori 
ragenden Antheil nahm. Die Revolution 
war bekampft, der Graf auf Reisen gegangen, 
dann zuriickgekehrt und hatte 
nach einiger Zeit die Wahl zum Prasidenten 
des Verwaltungsrathes der Kaiserin 
Elisabeth-Westbahn angenommen. 
Seine auf diesem Posten gemachten Er« 
fahrungen scheinen entscheidend gewesen 
zu sein, als er am 4. Februar 4861 als 
Minister fur Handel und Volkswirth' 
schaft in das Ministerium Schmerling 
berufen wurde, in welchem er bis zu 
seiner auf sein Ansuchen erfolgten Abberufung 

Seite 337 



Wurzbach55 . txt 
vom 20. October 1863 ver« 

blieb. Mit der gleichzeitigen Versetzung 
in den bleibenden Ruhestand ward er 
auch am namlichen Tage zum lebenslanglichen 
Mitgliede des Herrenhauses 
des Reichsrathes ernannt. Seine in der 
Zwischenzeit , am 26. Janner 1862, ubernommene 
Leitung der Marine fahrte er 

bis zu der am 31) . August erfolgten Ernennung 
des Freiherrn von Burger 

zum Marineminister . I n die Zeit seiner. 
Amtswirksamkeit als Handelsminister 
fallt die Neu - Organiftrung des am 
21. August 1839 aufgelosten Handels- 
Ministeriums , die Creirung der Wiener 
Stadterweiterungscommission, zu deren 
Prasidenten er als Handelsminister er» 
nannt wurde, und welchen Ehrenposten 
er bis an seinen Tod behielt, und das 
Project, in Wien eine Weltausstellung zu 
veranstalten . Mit allem Gifer nahm er 
sich der Sache an, mit der er stehen oder 
fallen wollte. Er fiel, und woran das 
Project eigentlich scheiterte konnte nie 
mit Bestimmtheit angegeben werden. 
Sicher aber ist es: wenn sie damals 
stattgef unden hatte, so wiirde nicht das 
klagliche Nachspiel des beriichtigten Krachs 
das Andenken an dieses Ereign iB fur 
Jahrzehnte hinaus getrijbt haben. Nach 
seinem Austritte aus dem Handelsmini»^ 

Mickenburg, Matthias Const. 231 Wickenburg, Matthias Cunst 
sterium fungirte der Graf als Mitglied 
des Reichsrathes, in dem er stets treu zur 
Verf assungspartei stand; spater wurde 
er Mitglied der reichsrathlicken Staatssa' 1 
uldeN ' Controlcommission, welche ihn 
zu ihrem Prasidenten wahlte; dann 
ward er President der Centralcommission 
fur Beschickung der Pariser Ausstellung 
1867. I n dieser Eigenschaft brachte 
eo der Graf dahin, daB Oesterreich, 
welches in den Tagen nack Koniggratz 
alle Ausstellungsgeliiste verloren, indem 
die ersten Firmen der Monarchie einen 
Absagebrief nach dem andern an das 
Pariser Centralcomite abschickten, allmalig 
fur die Ausstellung wieder gewonnen 
wurde und dieselbe nicht zum 

Nachtheile der Ehre seiner Industrie beschickte. 
Wickenburg war auch Prasideut 
des Baucomit A s fur das k. k. Hof> 
opernhaus, sowie er mehrere Jahre hin» 
durch dem „Vereine zur Beforderung der 
bildenden Kunste" in Wien vorstand. 
Fur seine vielfachen Verdienste urn die 
Verschonerung der Stadt Wien wurde er. 
vom Wiener Gemeinderathe zum Ehren» 
burger der Reichshauvt» und Residenzstadt 
ernannt. So erreichte der Graf das 
hohe Alter von 84 Jahren, als ihn in 
seiner eigenen Schopfung, im Curorte 
Gleichenberg, der Tod dahinraffte. Die 
dankbaren Bewohner dieses Bades, das 

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Wurzbach5 5 . txt 
mittlerweile zu europaischem Rufe ge» 
langte und sich einer jahrlichen Frequenz 
von mehr als 3000 Kurgasten erfreut, 
haben Wickenb urg ein wiirdiges Denk» 
mal in Form einer vom Bildhauer Anton 
Schmid gruber in Wien verfertigten 
iiberlebensgrofien Statue geseht, welches 
am 22. Mai 1887, dem Tage der 
30jahrigen Jubelfeier Gleichenbergs , 
' feierlich enthiillt worden ist. Der Graf, in 
seinen jiingeren Jahren wegen seines 
heiteren Charakters in den hoheren 
Kreisen der Wiener Gesellschaft sehr beliebt, 
wurde in seinen verschiedenen amtlichen 
Stellungen von seinen Beamten 
als humaner und liebenswiirdiger Chef 
hoch geschaht. Graf Matthias (5on» 
st ant in war seit j . September 1829 
mit Em m a geborenen Grafin zu Orsay 
vermalt, aus welcher Ehe zwei Sonne 
und drei Tochter stammen, die aus 
der Stammtafel ersiattlicb sind. Die 
Lebensskizze des jiingsten Sohnes Alj 
brecht, der es in der Neberset zungskunst 
A englischer Poeten zu seltener Meister» 
schaft gebracht, ist S. 22 1 besonders mitgetheilt. 
! Ent IMungaseier des Wickenburg-Deukmais im 
! Curorte Eleichenberg in Striermark. AnlaB» 
lich des funfzigsten Iadreotages der C'roff> 
nung des von Matthias Konstantin 
lHapello Grafen Nickenburg ins Leben 
gerufenen Bades Meichmberg fand am 
22. Mai i887 die Frier der Enthiillung seinrii 
Standbildes statt. Dasselbe lieBen die Bewohner 
(Hleicbrnberas ihrem Nohlldater aus 
Dankbarkeit errichten, denn durch Eroffnung 
des Kurortes, zu dem heute Tausend und aber 
Tausend Hilf esuchende wallfahrten, wurden 
den Bewohnern ungeahnte Quellen dei Wohl» 
fahrt erschlossen. Das Denkmal besteht aus 
einem iiberlebensgroBen Standbilde, welches 
den Griinder des Bades in voller Aehnlich» 
keit und ganzer Gestalt darstellt und ein Werk 
des Wiener Bildhauers Ancon Tchmidg 
ruber ist. Zur Feier wurde ein Gedenk 1 
blatt herausgegeben, welchco nack einem ssntwiirfe 
von Tchumann aus dem Titel dao 

Standbild darstellt, das sich zwischen Nereiden 
erhebt und zu beiden Seiten deo 
Steines, der die Statue tragt, die Ansichten 
Gleichender' 1 in den Jahren 1837 und tli87 
zeigt. Das Gedenkblatt in Klein-Breit-Fulil) 
enthalt ein schwungvolles Gedicht an Gleiches 
berg oon des Griinders Sohne Aldrcch: 
Wickenburg, die Bil'araphie deo Gmn 
ders und die Festrede. Es ist aus der ernen 
sieiermarkischen Etiqurttenf abrik August Mai 
th«y in Gratz hervorgegangen und in drr 
Buchdruckerei „Lenkam" ebenda gedruckt . 
AllgemeineZeitung (Augsburg. Uotta. 
4<>.) i88U. Nr. 303, -Heifer : (Ios. Aler^ 
Wickenburg, Matthias Const. 232 
Freih. v.) . Geschichte Oesterreichs vom Aus> 
gange des Wiener Ortober« Aufstandes 1848 

Seite 339 



Wurzbach5 5 . txt 
(Prag <872, Tempskx. gr. 8".) I I I . Di 
Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph I 
( L . 402. 403 und Anhang. S. 146. Nr. 368 

— Dun der (W. G.) . Denkschrift iiber die 
Wiener October - Revolution. Ausfuhrlich! 
Darstellung aller Ereignisse aus amtlichen 
Quellen geschopft... (Wien 1849. gr. 8«.) 

S. 273. 340. -IllustrirteZeitung 
(Leipzig. I.I. Weber, kl. Fol.) Bd. Ill 
(1844). Nr. 62. S. 151 u. f.: „Der Curor, 

Gleichenberg" '"mit fiinf Holzschnittbildern' 1 

— Oesterreichischer Courier (vormals 
Wiener Theaier»Zeitung) von Ad. Vauerle, 
7. und 8. Marz 1849. Nr. 36 und 37: „Der 
Gouverneur Graf Wickenburg und die Pro 
vinz Steicrmark namentlich im October 

1848". ''Nicht sc> sehr eine Vertheidigungsschrif t 

des Grafen Wickenburg und seines 

durch die Umstande gebotenG Verhaltens 

als eine Darstellung der Kopf losigkeit der 

ministeriellen Zustande in Wien, wo man 

die Statthalter und Gouverneure der Provinzen 

ohne alle Verhaltungsmafiregeln lieB. 

als es in denselben ebenso gahrie wie in Wien 

und es an alien militarischen Kraften fehlte, 

urn den Vlutgeliisten der Freiheitsschwarmer 

ein wirksames Veto entgegenzuhalten; denn 

die GroBthaten der Empcrger, Stieger, 

P r e g 1 . Netz und Consorten grenzen 

geradezu ans Unglaubliche . ) — Bohemia 

(Prager belletr. und politisches Blatt . 4".) 
35.1abrg.. 23. Februar 1862: „Die Ministerbank 
im Augeordnetenhause . I I . Graf Wicken« 
burg" . — DasVaterland (Wiener Par» 
teiblatt) 1801. N. 3 1 : „Die neu ernannten 
Minister". —Die Presse (Wiener polit. 
Blatt) 16. Iahrg, , 2. September und 23. October 
1863: „Der Minister fur Handel und 
Volkswirthschaf t " . — (Gratzer) Tagespost. 
1861. Nr. 82: „Graf Wickenburg". - Local, 
anzeiger. der „Presse". 20. Jahrgang, 
25. October 1867, Beilage zu Nr. 354: 
„Neue Geheimnisse von Paris. XIII. Dem 
Verdienste seine (eisernen) Kronen" . 
Portrate. 1) Unterschrif t : „Matthias Graf 
von Wickenburg". Karl Mayer. Nr. 69 

(8o.) 32<>. stauch im „Genealogischen Taschen» 
buche der graflichen Hauser" . ) — 2) Unter» 
schrift: „Matthias (5o:istantin Graf von 
Wickenburg. Gouverneur von Steiermark" . 
Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und 
Xylographen sau-h im I I . Bande der „ I 1 1 u . , 
Mickenburg-Al . ncksy , Wilhelmine ' 
stritten Zeitung" . Nr. 28. Seite 24). -' 
3) Unterschrif t : „Matth. Const. Capello 
Neichsgraf v. Wickenburg" sdariiber Facsi. 
mile seines Namenszuges) . Eduard Kaiser 
1860 (lith.). Druck von I . H a 1 1 e r Wien. 
Kniestiick (Fol.) . — 4) Der Graf in seinem 
Arbeitszimmer . Gez. von M a y r , lith. von 
Ferd. Steinhauser, gedr. in der k. k. Gu» 
berniallithographie in Grah. I m Farbenton 

(qu. Fol.) . Mit einem Gedicht vier 
sechszeiligen Strophen. 

Seite 340 



Wurzbach5 5 . txt 
Wickenburg - Alulosl), Wilhelmine 
Grafin von (Dichterin, geb . zu Ofen 
am 8. April 1843), Tochter des k. k. 
geheimen Rathes M o r i z Grafen Almasy 
von Zsadany und T6rok» 

Szent-Miklos , Prasidenten der un< 
garischen Hofkammer, spateren Sections» 
chefs im k. k. Finanzministerium, Staats» 
rathes und zuletzt — bis 1873 — Gouverneurs 
der Allgemeinen osterreichischen 
Bodencreditanstalt , aus dessen zweiter 
e mit Rosa Grasin von Festetits 
de Tolna. Schon in ihrem zehnten 
Lebensjahre iibersiedelte sie mit ihren 
Eltern nach Wien, wo sie fortan, trotz 
ihrer ungarischen Abstammung, vollig 
deutsche Bildung und Erziehung genoB . 
Friihzeitig regte sich ihr dichterischer Ge» 
nius und drangte sie zu allerhand poeti» 
chen Versuchen, die aber sammtlich un» 
verof f entlicht geblieben sind. Von beftimmendem 
und nachhaltig forderndem Ein» 
flusse auf die jugendliche Dichterin wurde 
hre Bekanntschaf t mit der beriihmten 
Hof schauspielerin Julie Rettich. Diese 
groBe Klinstlerin und wahrhaft seltene 
Frau stand der jungen Freundin nicht 
nur mit ihrem reifen Urtheil und ihrem 
gediegenen Kunstgeschmacke zur Seite, 
lenkte auch die Aufmerksamkeit ihres 
Freundes Friedrich Halm (Freiherrn 
on Munch - Bellinghausen) auf 
as aufkeimende Talent, und dieser ward 
un der jungen Poetin ein f reundlicher^ 

Wickenburg-Almasy, Wilhelmine 233 Wickenburg-Almaly . Wilbelmine 
Berather, ja er verschmahte es nicht, an 
manche ihrer Erstlingsproducte die bes» 
sernde Hand zu legen. W i 1 h e lm ine 
Almasy zahlte 21 Jahre, als die erste 
Sammlung ihrer Gedichte erschien, vorerst 
nur in einem als Manuscript ge» 
druckten und lediglich zur Vertheilung 
im Freundeskreise bestimmten Biicklein. 
Einzelne Exemplare desselben drangen 
gleichwohl in die Oef f entlichkeit , und die 
Gedichte wurden in verschiedenen Tages» 
blattern so iiberaus giinstig besprochen, 
daB bald eine zweite Ausgabe veranstaltet 
werden muBte, die nun im Gerold'schen 
Verlage in Wien auf den Biichermarkt 
gelangte. Die Kritik riihmte an diesen 
Gedichten eine bei der Jugend der Verfafferin 
auffallende Reife der Gedanken 
und seltene Glatte der Form. Der gliicklich'e 
Wurf, den Wilhelmine Almasy 
mit diesem Biichlein gethan, sollte sich 
aber auch in anderem Sinne als ein 
wahrer Schicksalswurf erweisen. Graf 
Albrecht Wickenburg '"fiehe diesen 
S. 218' s > fiihlte sich von dem Geisteshaucke, 
der darin wehte, so sympathisch 
beriihrt, daB er beschloB, urn die Hand 
der Verfasserin zu werben. I n der That 
fand schon in kiirzester Frist die Verlo» 

Seite 341 



Wurzbach55 . txt 
bung und dann die Trauung des jungen 
Paares statt, das seither in gliicklichster 
Ehe lebt . Das Talent der Dichterin 
konnte sich nun immer rascher und freier 
entfalten. Es erschien 4869 eine neue 
Sammlung ihrer Dichtungen — die 
bibliographischen Titel derselben folgen 
am Schliisse — welche noch warmerer 
Ton, noch tiefere Empfindung auszeichnet ' 
darauf, 1871, der erste Versuch auf epi» 
schem Gebiete, das Gedicht „Emanuel 
d'Astorga"; <873 eine gemeinschaf tlich 
mit ihrem Gatten verfaBte Uebersetzung 
der reizenden Feerie „Nymphioia" des 
Mickael Drayton— eines Zeitgenossen 
Shakspeare ' s — mit Illustrationen 
von Professor Eduard I 1 1 e in Munchen; 
dann wieder eine neue Folge von Ge« 
dichten „Erlebtes und Erdachtes". Dieses 
Buch hat ihren Namen aua> iiber die 
Grenzen unseres Vaterlandes hinaus be« 
kannt gemacht . I n einem grofieren Artikel 
„Eine Dichterin" im Feuilleton der 
„Neuen Freien Presse" vom t?. Janner 
1873 fiihrt uns Johannes Scherr die 
dichtende Dame nicht allein vor, sondern 
in gan; respektabler Gesellschaf t , indem 
er zwischen der osterreichischen und 
der unbestritten ersten deutschen Dich. 
terin Annette von Dro ste»Hulshoff 
eine Parallele zieht, worin er uns zur 
ErkenntniB der Gegensat zlichkeit der bei. 
den dichterischen Individualitaten leitet 
und auch der Oesterreicherin die ihr ge° 
biihrende Stelle auf dem ParnaB ein» 
raumt . Das nun f olgende Gedicht „Der 
Graf von Remplin" erzahlt die Lebens» 
schicksale des an seiner Theaterleidenschaft 
zu Grunde gegangenen mecklenburgischen 
Grafen von Hahn — des sogenannten 
„Theatergraf en" , Vaters der Grasin 
Ida Hahn-Hahn — und Joseph 3e» 
winsky erzielte mit dem offentlichen 
Vortrage desselben in Wien einen groBen 
Erfolg. Das nachste Gedicht „Marina", 
dessen Fabel grofitentheils frei erfunden 
und dessen Heldin eine vom Eroberer 
Mexikos Fernando Cortez losgekaufte 
Sklavin, hebt sich wirkungsvoll ab von 
dem gewaltigen historischen Hintergrunde 
der Eroberung Mexikos und der tragi» 
schen Schicksale des ungliicklichen Konigs 
Montezuma und bot der Verfasserin 
reichen AnlaB zur Schilderung gewal» 
tiger Kampfe und einer in tropische 
Farbengluth getauchten Naturscenerie . 
1879 versuchte sich nun die Grafin auch 
auf dem dramatischem Gebiete. Das kleine 
dramatische Gedicht „Radegundis " , in^ 
y) Wilhelmme 234 Wickenburg-Almasy ) Wilhelinine 
welchem sie uns das VerhaltniB der nach" 
mals heilig gesprochenen Gemalin des 
Frankenkonigs Chlotar zu dem romischen 
DichterVenantius Fortunatus 

Seite 342 



Wurzbach5 5 . txt 
zeichnet, das mit volliger Entsagung der 
Heldin und ihrem Gang ins Kloster 
endet, erwies sich in Form und Inhalt 
als zu zart fur das grelle Lampen« 
licht unserer heutigen Biihne . „Ein Heiligenbild 
auf Goldgrund" nannte es 
treffend Dingelftedt. Das Stiicklein 
blieb also „Buchdrama", fand aber voile 
Wiirdigung seines tief poetischen I n - 
Haltes, als es Lewinsky gleichfalls 
offentlich vortrug. I n einer neuen Ausgabe 
ihrer Gedichte, welche nnn erschien, 
bemerkt man eine streng gesichtete Aus» 
wahl der in den friiheren Sammlungen 
enthaltenen, dann eine bedeutende Anzahl 
neuer Stiicke, nebst metrischen 
Uebersehungen aus dem Englischen und 
Franzosischen und einer Serie unga» 
lischer Volkslieder. I m selben Jahre ge« 
langten zwei dramatische Schopfungen 
der Dichterin auf die Biihne: Das Schauspiel 
„Das Document", welches die 
Geschichte der byzantinischen Kaiserin 
Eudoxia und des Diogenes Nomaitus 
behandelt, wurde von Director 
Heinrich 3aube auch zur Auffiihrung 
im Wiener Stadttheater angenommen, 
konnte aber wegen der mittlerweile iiber. 
dieses hereingebrochenen Katastrophe dort 
nicht zur Darstellung gelangen; es ging 
jedoch am 47. Februar 1882 am Frank» 
furter Stadttheater und am 10. Marz 
1882 im koniglichen Schauspielhause zu 
Berlin in Scene und fand auf beiden 
Biihnen Wiederholungen, und sowohl die 
Frankfurter als die Berliner Kritik er< 
kannte die dramatische Begabung der 
Verfasserin an. Einen nachhaltigeren 
Erfolg dagegen erzielte unsere Dich. 
terin mit dem kleinen Einacter in 
Versen: „Ein Abenteuer des Dauphin", 
welcher am 7. October 1882 im k. k. 
Hofburgtheater gegeben, sehr beifallig 
aufgenommen und noch ofter wiederholt 
ward. Seit dieser Zeit hat Grafin 
Wickenburg kein Buch verof f entlicht . 
I n Sudtirol (Gries bei Bozen) sucht sie 
Heilung von korperlichen Leiden, die sie 
in den letzten Jahren an geistigem 
Schaffen vielfach gehindert haben. Einige 
durch ihren Aufenthalt in Tirol ange» 
regte poetische Arbeiten — Sagen und 
Legenden — sind in verschiedenen Zeit» 
schriften erschienen, theilweise auch von 
Lewinsky in Wien und anderwarts 
offentlich vorgetragen worden. I n jiing> 
ster Zeit erst (Mai 1886) brachte die 
Leipziger „Illustrirte Zeitung" der Grasin 
Wilhelmine Wickenburg Lebensskizze 
und an deren Schliisse der Dich» 
terin „Mahnruf an die Deutschen in 
Oesterreich" . Dies Gedicht, in welchem 
die geborene Magyarin ihre kern» 
deutsche Gesinnung in flammenden 

Seite 343 



Wurzbach5 5 . txt 
Worten bekundet, erregte allenthalben 
Aufsehen, und mehrere Componisten, dar< 
unter der Dirigent der Dresdener Lieder» 
tafel Reinhold Becker, haben den flam» 
wenden Worten der Dichterin gliihende 
Tone geliehen. Auch auf musicalischem 
Gebiete hat sich die Grasin bemerkens» 
werth hervorgethan . Allem Dilettantin 
mus abhold, machte sie bei der beruhmten 
Gesangslehrerin Marchesi die ernstesten 
Studien und eignete sich eine nicht unbedeutende 
Gesangstechnik an. Sie lieB 
sich vielfach in Wiener Kirchen und Con> 
certsalen vernehmen, und die Musikrefe« 
renten der Wiener Blatter — an deren 
Spitze Speidel und Hanslik— spen> 
deten der Gesangskunst der Grafin die 
f reundlichste Anerkennung. Wir lassen 
nun in chronologischer Reihe die- Titel 
ihrer im Druck erschienenen Dichtungen^ 

Mickenburg-Almasn, Wilhclmine 233 Mickenburg-Almasy , Wilhelnn'ne 
folgen: „Gedichte" (Wien 1866, nicht 
im Buchhandel erschienen; 3. verm. Aufl. 
Wien 1882, Gerold, 8<>.) A vergleiche: 
„Neue Freie Presse". 12. December 1882. 
Von Martin G r e i f ; — „Triestei Zeitung" . 
2. Mai 1882). - „Vene Gedichte« 
(Wien 1869, Gerold) » g 1 . : „Die 
Presse", A 3. Marz 1870; — „Neue 
Freie Presse", 11. Februar 1870. Von 
Thalers . — „Uymphidia. Nachdichtung an5 
delberg 1873, WeiB. 16'>.j, das mit ihrem 
Gatten gemeinschaf tlich gearbeitete Gedicht 
ist dem beruhmten Aesthetiker Ro< 
bert Zimmermann gewidmet; — 

„Erlebtes und Erdachtes", Gedichte, dritte 
Folge (Heidelberg 1873, Weifi, kl. 8".) 
» g 1 . : „Presse". 13. Februar 1873. Von 
Hans Grasberger; — „Vaterland", 
4. Februar 1873^. — „Ewannel d'Zsturssa, 
Grsahlendts Gedicht" (Heidelberg 1872, 
WeiB; 2. Aufl. 1873, 16".) »gl . : 
„Matter fur literarische Unterhaltung" , 
1. August 1872. Von Rud. G o t t schall; 

— „Das Vaterland", 2. Marz 1872; 

— „Tagespref f e" , 30. December 187 1 A . 

— „Ner Grat van Rrmplin. Eine Ersahlvng in 
Versen" (Wien <874, Rosner, 8".) A vgl . ; 
„Literaturblatt der Gratzer Tagespost", 

8. Februar 1874. Von Friedr. Marx; 

— „Wiener Abendpost", 14. Janner 

1874^. — „Marina Gin erfiihlendes Gedicht" 
(Heidelberg 1876, Weifi. 16".) » g 1 . : 
„Blatter fur lirerarische Unterhaltung", 
30. November 1876, S. 773. Von Aliert 
Moeser A j . — „AadeMdiZ. Nramuti- 
5che5 Gedicht in rinem Nntznge" (Wien 1880, 
Rosner) ftgl.: „Neue Freie Presse", 

17. Janner 1880. Von Dingelstedt; 

— „Deutsche Zeitung", 26. October 
1876; — „ (Wiener) . Abendpoft", 

18. Janner 1879' 1 . - „Gin Zbeutrnrr d?5 
Vlnphin. Lustspiel in einem Anhnge in Versen" 

(Wien 1882, Rosner, 8".) ftgl.: „Die 

Seite 344 



Wurzbach55 . txt 
Tribune", 8. October 1882; — „Wiener 
allgemeine Zeitung" . 8. Dctober 1882. 
Von Rud. Valdeck. — „Allgemeine 
Kunftcbroink" . 14. October 1882; - 
„Presse", 8. October 1882. Von Ios. 
Bayers. Schon im Laufe der Lebensskizze 
wurden bei den einzelnen Werken 
! der Grafin die markanten Ausspriicbe der 
A Kritik beigefiigt . Wenn wir nach einem 
! UeberbUck ihrer Leistungen ein zusammeni 
fassendes Urtheil fallen, so erscheinen uns 
1 die Werke eines Kritikers als das Treffendste, 
welcher von ihr sagt: Diese schone 
Frauenseele ist ein stiller Tempel, in wel« 
chen der vernichtende Frost des Lebens 
i fich nicht hineinwagt; treu bewahrt lebt 
darin der schone Glaube an das Ideal 
und eine milde Religiositat , die sich ohne 
! Ostentation ausspricht. Sie selbst aber 
zeichnet sich treu mit folgenden Worten: 
Das voile Herz gib hin dem Leben. ! 
I n Lieb' und Sehnen, Schmerz und 
Lust j LaB ' es vergeh'n: doch klar be« 
wuBt I LaB ' den Gedanken driiber 
schweben! A A 

Oer Vazar (Berlin) Nr. 28 vom 23. Juli 
t87tt; Nr. 38 >?om 6. October <87F. - 
Wiener Rothbuch. Kalender fur das 
Schaltjahr 18?2. Herausgegeben von C. 3 in» 
der und F GroB (Wien, Karl Fromme 
S. 44) .-Illustrirtes Extrablatt 
(Wien) vom 2t, April !8?2. - AA 372.? 
Va A a i- (Budapest) vom 16. Tecember 1877 
(Nr. 24) . — Beiblatt zur Cornelia (Wien) 
i . November i877 (Nr. 3) . — Leipziger 
allgemeine Moden » Zeitung vom 
iO Janner <8?9. Von Euphrmia Grafin 
Ballestrem. — Illustrirte Frauen» 
Zeitung (Verlin. Zipperheide) Nr. t 1 , nom 
9. AuMst 1880. - D er F 1 b (Wien) 
Nr. 42 vom t3. October <81i2. — Deutsche 
Monatsblatter . Von Balduin Groller. 
Novemberhrft 1878. S. 176. - I 1 1 u » 
strirte Zeitung (Leipzig) Nr. 2236 vom 
8, Mai i886, — Spavento (Don) . Wiener 
Schrif tsteller und Journalisten . Tnpen und 
Silhouetten (Wien 1874. Spitzer, gr. 8".) 

5. 121>. — Deutsches Dichterheim.^ 
Wickerhauser . Moriz 236 Wickerhauser , Moriz 
Von Paul H e i n s e (Dresden, gr. 8". 

V. Jahrg.. S. i)0: .,Was uns die deutsche, 

Frauen erzahlen" . — Brummer, Born 

m u 1 1 e r . 6. G. Franz os swie bei ihren 

Gatten) . 

Portraits, i) Unterschrif t . - Facsimile de 

Namenszuaes. Nach einer Photographie . Stich 

und Druck von A. Weg er, Leipzig (4°), 

auch in der „Leipziger Modenzeitung" . — 

2) Gezeichnet von L. Heitland, rylogr. 

Anstalt R. Brendamour. im „Bazar 

6. October 18?:i. — 3) Holzschnitt nach ein 
Photographie, in der „Cornelia" . Beiblatt, 
<. November 4877. — 4) Unterschrif t : Fac 
simile des Namenszuges. Schubert (gez.) 

Seite 345 



Wurzbach5 5 . txt 
Angerer und Goschl (chem.) in 3ipperheide ' s 
„Illustrirter Frauen . Zeitung" , 
9. August 1880. - 5) Holzschnitt ohne An — 
gabe des Zeichners und Xylographen in dei 
„Illustrirten Zeitung". 8. Mai t886. Nr. 2236 

2. 41>8. — 6) Unterschrif t : "Viokendui-x- 
"Iililia' 1 "ildslniins Fi'o5n6". Eli scher 
gez. . P o 1 1 a k sc. im " 1 a " a i - V22iii-", 
16. December 1877. — 7) Charge. Ueber» 
schrift: „Wilhelmine Grasin Wickenburg« 
Almasy". Von S t u r . I m „Floh" . 13. Oc> 
iober 1882. Nr. 42. 

Wickerhauser , Moriz (Orientalist, 

geb . in W i e n urn 1820, gest. nach 

5869) . Ein Sohn des Bergwerksbesit zers 

A. M. Wickerhauser und Bruder 

N u d o 1 f s (Emanuel R a u 1 f ' a ) , A siehe 

den Folgenden", wurde er mit ah. Ent> 

schlieBung vom 1 1. November 1832 wirk« 

licher Stiftling der orientalischen Aka« 

demie in Wien und gehorte ihr von 

4832-1839 als Zogling an. Nach 

beendeten Studien mit Decret vom 

3. Februar 1839 zum Dolmetschgehilf en 

bei der k. k. Internuntiatur in Constantinopel 

ernannt, stellte er stch bald darauf 

dem kaiserlichen Internuntius Bartholo» 

maus Grafen S t u r m e r A Bd. X A 

S. 473" zur Verfugung. Neun Jahre 

versah er seine Stelle mit besonderem 

Eifer, wiederholt zu speciellen Missionen, 

so namentlich nach Syrien und als Commissar 

in Angelegenheit der siebenburgi« 

schen Schaf okonomen (1846) verwendet 

und mehrfach durch Belobungen des Mi> 

nisteriums Metternich ausgezeichnet . 

Am 4. August 1846 erfolgte seine Ernennung 

zum dritten Dolmetsch bei der« 

selben Internuntiatur. Als 1847 Vincenz 

Rosenzweig Ritter zu Schwan» 

nau, bis dahin Professor der orientali» 

schen Sprachen an der orientalischen 

Akademie M d . X X I I , S. 34", in den 

Ruhestand iibertrat, wurde zunachst 

Franz Plehaczek zum Substituten 

dieser Lehrkanzel bestellt, mit Decret vom 

23. Janner 1848 dieselbe aber Moriz 

Wickerhauser, der sich urn sie beworben 

hatte, ilbertragen. Diese Professur 

umfafite damals drei ganz verschiedene 

Sprachen — die arabische, tiirkische und 

persische — mit achtzehn wochentlichen 

Lehrstunden. Dreizehn Jahre laug, von 

1848— 186t, bekleidete er dieses hochst 

beschwerliche Amt als alleiniger Leiter 

des orientalischen Unterrichtes an der 

Akademie. I n der Zwischenzeit erfolgte 

auch noch (September 18ol> seine Er» 

nennung zum Professor der tiirkischen 

Sprache am Wiener polytechnischen In» 

stitute. Seine Hoffnung, nach dem Tode 

des Obersten und Directors der orienta» 

tischen Akademie Philipp von Korber 

. X 1 1 , S. 237" mit dessen Stelle 

Seite 346 



Wurzbach55 . txt 
betraut zu werden, erfiillte sich nicht, da 
man dieselbe provisorisch an Ottokar 
Freiherrn von Schlechta » Wsch ehrd 

. XXX, S. 6 3 ^ j iibertrug. Unter 
dessen Direction erfolgten auch einige 
Reformen der Akademie, so wurden be» 
sondere Lehrkanzeln fur die vulgarara» 
bische und neupersische Sprache bestellt, 
und Wickerhauser ' s Lehrthatigkeit an 
der Akademie beschrankte sich nunmehr 
auf zwolf dem Tiirkischen gewidmete 
Lehrstunden. Ueberdies ward seine Lehr» 
hatigkeit durch Betheiligung des Direc-? 
Mickerhauser , Rudolf 237 Wickerhauser, Nudolf 
tors an dem tiirkischen Unterrichte der 
Zoglinge, sowie durch llebertragung der 
friiher am Polytechnicum abgehaltenen 
praktischen Vorlesungen iiber orientalische 
Sprachen an die orientalische Akademie 

(sogenannte Externencurse) einigermaBen 

erleichtert. Urn diese Zeit waren auch 

seine Geisteskrafte bemerkbar im Niedergange 

begriffen, theils, wie es hieB, 

infolge der Wirkungen eines in friiherer 

Zeit in Constantinopel empfangenen 

Sonnenstiches , theils durch langjahrige 

Umarbeitung des bekannten Meninski ' - 

schen Lexikons . Doch verharrte er in 

seiner Stellung bis 1868, worauf er 

einen langeren Urlaub antrat, wahrend 

dessen ihm zur Beobachtung seines Geisteszustandes 

auf Ansuchen der Familie ein 

Curator bestellt wurde. Seine Pensionirung 

erfolgte dann von Seite des Mini» 

steriums desAeufiern im November 1868, 

von Seite des Ministeriums fur Cultus 

und Unterricht im April 1869. Den Rest 

seines Lebens scheint er, im Irrenhause 

zu Dobling zugebracht zu haben. Seine 

schrif tstellerische Wirksamkeit beschrankt 

sich auf folgende Werke: „Vtgmei5er zum 

Verstandniss der i'ark.i5chen Spruche" (Wien 

1833) und „Persische bieder nach N5 chllini's 

Ceit jnin ersten Nlale deutsch gegeben uan — 

Nollo: Durstiges tiroen fiihren wir, > Wein die 

schwere Nenge, > Nur das eine ist fallil. I lltund und 

Schlund lind enge" (Leipzig 1833, Brockhaus, 

8 A .) . Fur Ueberreichung beidec Schriften 

erhielt er von Seiner Majestat die gol» 

dene Geschenkmedaille . AuBerdem war er 

ordentliches Mitglied der morgenlandi» 

schen Gesellschaft in Leipzig und Besitzer 

des tiirkischen Med jidiaOrdena vierter 

Classe. Wickerhauser, der ein Schwa« 

ger des Naturf orschers Rud. K n e r 

I M . X I I , S. 143" war, hatte sich 1849 

mit MathildeRosthorn ver> 

heiratet . 

Nach Nol^cn ?1, 's H A rau AA cb A 's un2 handsch^ft, 

lichen Mttb' s lun' s ' N cius amtlichen Quellen 

von Ht ' rrn «Konsul Hoi Dinger. 

Wickcrhaustl, Rudolf (Schrif tstel . 

1 e r , geb . in Wien am N> . September 

181?, gest. in Leipzig am 111. DeceM' 

Seite 347 



Wurzbach5 5 . txt 
ber 1838-. Ein Bruder des Vorigen, 
erhielt er in Wien eine sorgfaltige und 
vielseitige Erziehung, weshalb ihn auch 
seine Eltern die Gymnasialstudien zu 
Hause durchmachen und erst, als er den 
philosophischen Curs beginnen sollte, 
offentlich die Collegien an der Wiener 
Hochschule besuchen lieBen. Sein un» 
gemein empf angliches , poetisch gestimmtes 
Gemuth kam doch erst recht zum Durch» 
biuche, als er mit seinem spater als 
Orientalist bekannt gewordenen Bruder 
M o r i z durch die osterreichischen Alpenlander, 
die Schweiz, dann nach Paris 
und London eine Vergnugungsreiseunternahm, 
auf welcher auch das Zeichen» 
talent, welches er schon als Knabe durch 
griindlichen Unterricht gut ausgebildet 
ho.tte, mit erneuter Starke erwachte und' 
seine Liebe zur Malerei wieder nahrte. 
Nach der Heimkehr von der Reise be» 
suchte er vorerst die k. k. Akademie der 
bildenden Kiinste zu Wien, nahm dann, 
langere Zeit Privatunterricht im Oel» 
malen und trieb neben Musik und Poesie 
auch fleiflig die Landschaftsmalerei . Da 
er sich aber dabei wenig Nuhe gonnte, 
zog er sich ein schweres Leberleiden zu, 
das zuletzt einen so bedenklichen Cha« 
rakter annahm, daB ihm die Aerzte das 
Malen ganzlich untersagten. Wiederholte 
Besuche der Karlsbader Thermen in den 
Jahren 1842 und 1843 und dann eine 
Erholungsreise durch ganz Deutschland, 
auf welcher er vornehmlich auf die pla» 
stischen Kiinste in Galerien und Museen 
sein Augenmerk richtete, kraftigten einiger« 
maften seine Gesundheit, wenngleich sein^ 
Wickerhaiiser , R 238 Micken Hauser 
Leiden nie gan; wich. Ader der Wechsel I 
der. nordischen Scenerie saqte seinem 
templativen Wesen so zu, daB er seit 
in verschiedenen Stadten Deutschlands 
langeren Aufenthalt nahm, vorherrschend 
mit Arbeiten fur Journale sich beschaf tigend. 
Urn die Fiinfziger Jahre endlich 
machie er sich bleibend in Leipzig seflhaft, 
wo er in ziemlicher Zuriickgezogenheit 

schrif tstellerisch thatig lebte. Dem conventionellen 
Welttreiben stand er mit 
Entschiedenheit , ja mit abwehrender 
Schroffheit gegeniiber, und nur mit 
Wenigen, die seinem Wesen und seiner 
Richtung zusagten, verkehrte er. Die 
Zahl seiner selbstandig erschienenen Arbeiten 
beschrankt sich auf folgende zwei 
Werke, die er unter dem Pseudonym 
Emanuel Rauls herausgab: „Granit 
und Marmor. Gedichte" (Leipzig 1854), 
worin seine Naturlieder ein»? reiche poetische 
Kraft bekunden, die ganz auf 
eigenen FuBen steht; die Eindrucke hatte 
der Poet vornehmlich auf jener mit 
seinem Bruder unternommenen Vergnii« 

Seite 348 



Wurzbach5 5 . txt 
gungsreise empf angen; — „AuZ der Mappe 
eines Nn2inupll ! iten . Ersahlun A rn. Rllllellen, 
Gri ' . rebilller unt> MnillreaKen" (Leipzig 1837, 
42" .) , folgende Stiicke enthaltend: Ein 
seltsames Duell. Zwei Angedenken aus 
den Meeresf luthen . Das Testament des 
Bettlers. Die Vlume der Freundschaf t . 
Der schwarze Paul. Das zerbrochene Uhr 
glas . Zwei Handwerksburschen . Licht und 
Dunkel und Starkglaubig, in denen sich 
bei manchen Sonderbarkeiten das consequente 
Streben zeigt, die Rechte der 
Natur gegeniiber der conventionellen 
Unwahrheit zur Geltung zu bringen. 
Gme beachtenswerthe Seite seines Ta 
lentes war iibrigens die kritische. Seine 
Kritiken, von denen uns vornehmlich die 
gehaltvollen in den Brockhau s'scken 
„Blattern fur literarische Unterhaltung" 
im GedachtniB sind, charakterisirt ein 
wohlwollend kritischer Geist, dem ein 
originell humoristischer Ausdruck und ein 
Reichthum ursprunglicher Geistesblit ze 
ein eigenartiges Geprage gibt . Im 
Uedrigen scheinen seine letzten Lebens ' 
jahre viel durch physisches Leiden getriibt 
gewesen zu sein, wofiir auch sein friihzeitiger 
Tod spricht . Wickerh auser ist 
in Leipzig auf dem neuen Kirchhofe beerdigr. 
I n der Schreibung seines Namens 
herrscht viel Verwirrung, wir finden ihn 
als G m a n u e 1 und als Rudolf 
Wickenhau ser und Wicker hauser. 
Er heiBt in Wirklichkeit NudolfWickerhauser 
und fiihrte den Pseudonym 
Emanuel R a u 1 f. 

K u r z (Heinrich) . Geschichte der neuesten 
deutschen Literatur von i8:10 bis auf die 
Geqenwart . Mit ausgewahlten Stiicken aus 
den Werken der vorzuglichsten Schrif tsteller 
(Leipzig 1K72, Teubner. schm. 4".) S. a<2 . 
1. Auch ist der zeitgenossischen Wiener Piano« 
« . omponistin N a t n 1 i e Witter hau ser zu 
gedenken, die seit den Fiinf zigcr<Iahren bis 
in die Geqenwart ihre Tonstiicke veroffent» 
lichi, und zwar: «2 Impi'mnpMl; (Domanas 
et, K690N80. Dialogue)" Op. 1 (Wien 1833. 
Mechetti); - „Scdt A o" Op. 2 (ebd. t«54); 

- "Din, 86 cl62 tl'<32. Caprice" Op. U (ebd.); 

— "1.2 l>srts. I^a, I5uvs. Doux morce A ux 
cltt-act"i-isticiuci; " Op. 4 (ebd <«"»o. Sv'na); 
I'rior«. (.'liant au Loir. I.es A .aieui)" 

0i>. 3 (ebd. 18"-i) : — , . 1> Lieder ol-ne Worte". 
Heft 1 und 2. Op. 6 (Leipziq <837. Kahut)-. 

- „lnvackliun" Op. 7 <Wien 18NN. Gloqql) : 

— AAI ou A nurs. »Ia,ma,i5. 2 kloreoaux 021-21:- 
t<li-i8ticiu65" Op. 8 (ebd. 18«!!. Messet)'); - 
„Erinnerung an Hutteldorf. Impromptus fur 
Pianoforte" Op. 10 (ebd. 1877, Wesselv) ; — 
„Zwei Lieder fur Alt mit Pianos. ( 1 . : Ein 
Fichtenbaum steht einsam; 2.: Daheim (Langst 
schon floa zu Nest der Voael) " (ebd. 1882. 
Wessel<), — 2. Anklingend an den Namen 
Wickerb auser ist der d?s mahrischen Pianisten 

Seite 349 



Wurzbach5 5 . txt 
Ernst Wickenk auser (a A b. in Brunn 
1827), welcher sich unter der Lenung des^ 
Midal, Maria 239 Widal, Au-gust 
Da sie mit schonen Stimmmitteln begabt 
war, bildete sie sich unter Professor 
in Wien im Gesange mit 
) or Tirectoc Iauner einmal 
Probe gesungen, sie dieser sofort fur die 
Wiener Hofoper mit ungewohnlich grofier 
und, wenn sie bliebe, sich stets steigernder 
Kapellmeisters Gottfried R i e g e r A Bd. A 
S. <18) zum tiichtigen Klavierspieler und 
Tanger heranbildete und im Besitze einer A 
wohlklingenden und geschulten VaBstimme! 

zum Theater ging. Er sang langere Zeit an ! solchem Erfolge aus, daB, nachdem 
sie 

der Oper in Brunn und wurde in den Funf« 
ziger»Iahren Kapellmeister an dem Stadt» 
theater daselbst. Abwechselnd wirkte er als 
Sanger und Capellmeister auch in der 
Fremde, als ersterer in Dresden, als letzterer 
in Lemberg. dann kehrte er in seine Vater- (z A ge anwarb. 1878 finden wir die 

stadt zuriick und widmete sich ausschlieBlich > . « « A . 

dem Musikunterrichte . I n dieser Eigenschaft ! A M Kunjtlerm aus dem Prager 

deutdirigirte 

er nebenbei von Anderen und von ' schen Landeotheater . wo siedle V a 1 e n » 

ihm ueraastaltere groBe Concerte, in welchen > t i n e in den „Hugenotten" , die 

E 1 s a , 

r-r meist seltene und bedeutende Tonwerke i A A A «ohengrin" und die Alice !N 

„ R o - 

mustergiltiger Ausfiihrung vorfiihrte. I m ! , A , A - <« >. « A - /«- c , 

Ganzen erwies er sich als gediegener. treWch A bert der Teufel" m.t gun,tlgem 

Erfolge 

geschulter und in der musicalischen Literatur j sang. Mit einer nack der Hohe 

kraf tigen, 

wohlbewanderter Dirigent und Musikledrer. ! lieblich klingenden Stimme, welche 

in der 

I n den letzten Jahren lebt er in Briinn aus« Mittellage noa) der Entwickelung 

be sch Heimlich 

als gesuchter Gesang« und Clavier« j A . . A A 

lchrer. Er ist, wie d ' E 1 v e r t berichtet, mit 

der Clavierkunstlerin AmalieNeruda 

sBd. XX, S. 190) verheiratet. Wir wir im 

Artikel Neruda angedeutet, heiBt aber die 

Kiinstlerin mit Vornamen Marie und nicht 

A m a 1 i e . sd'E 1 u e r t (Christian Michael 

bitter) . Geschichte der Musik in Mahren und 

durfte, verband sie eine liebliche sympa» 

thische aufiere Erscheinung, welche nur 

noch im Spiel die Anfangerin errathen 

lieB. 1882 finden wir die Dame — 

dieses Mai mit ihrem Familiennamen 

W i d 1 — als dramatische Sangerin an 

it Riicksicht auf die! dem Landestheater in Gratz beschaftigt, 

allgemeine, bohmische und osterreichische ! y A 5 A . nachste VON Ernst Gettke Her- 

Musikgeschichte (Brunn 1873. 3er. 8".) S. 39 ! 

und 204 der Beilagen. A 

Wiczlly, siehe: Viczay von Loos und 

Hederv A r l A Bd. I., S. 264). 

Nachtrag zu den Quellen iiber den Grafen 

Michael Viczay. A Veramann (Joseph) . 

Pflege der Numismatik in Oesterreich im 

XVIII . Jahrhundert mit besonderem Hinblick 

Seite 350 



Wurzbach55 . txt 
auf das k. k. Munz» und Medaillencabinet 
in Wien (Wien 1837. gr. 8") Vd. 11,2.34 
und 66. Anmerkung XII.— Conuersa» 
tic>ns»3erikon der neuesten Zeit und 3ite» 
ratur. I n uier Banden (Leipzig 1832—1834. 
Brockyaus. gr. 8".) Bo. I V , S. 932.) 
Widll. Andreas, siehe: Vida '"Bd. I., 
S. 369, in den Quellen, Nr. 4 A . 
Widlll, Maria (Sangerin, geb . in 
Wien urn 1833) . Ihr eigentlicher Name 
ist W i d 1 , den sie fur die Bijhne in den 
wohlklingenderen Widal verwandelte. 
ausgegebene A Almanach der Genossen» 
scbaft deutscher Buhnenangehoriger" 
fuhrt die Kijnstlerin nicht mehr auf. 
Noch sei in Kijrze des Franzosen August Wi« 
dal (geb. im Dorfe Weizenheim bei Eolmar 
im ElsaB im Jahre 1«23. gest. in Paris am 
8. Mai 1873) gedacht, der zum Kaiserstaate 
in mehr als einer Beziehung steht. Cr war 
ein Zogling der >'eolo uai-iuai6 in Paris und 
ein Studiengenosse von Edmond Ab out. 
Mit Vorliebe wendete er sich der classischen 
Literatur zu, u;:d in seinen „Tmaes" uber 
Homer, Leneca. Iuvenal ' s Siityren 
bekundet er sichtlich sein Streben, die Resul» 
iate deutscher Wissenschaft seinen Lands» 
leuten zuganglich zu machen, wobei er es 
nicht unterlaBt, seinem liefen Respecte vor 
germanischem Geiste ohne jeden Riickhalt den 
warmsten Ausdruck zu geb«n, worin er sich 
auch nach den Niederlagen seiner Landsleute 
im Jahre 13?0 und bei f ortwuchcrnoem 
DeutschenhaB nicht be ' rren lieB. Er lehrte^ 
Midemlllin, Anton 240 Widemann, Anton 
zuerst an der Universitat in Douai. spater in 
Besan?on und ward dann als Inspect 
T«.'u6i-2,1 fur lebende Tpracken nack A aris 
berufen, wo er im Alter uon erst 30 Jahren 
plotzlich vom Tode ereilt wurde. Widal 
besuchte seit einigen Iabren fast alljahrlich 
Wien. wo ich ihn bei Dr. Hompert per« 
sunlich kennen lernte, auch erkor er sich <860 
rine Wienerin zur Lebensgef ahrtin . Schon 
urn 1833 batte er unter dem Pseudonym 
DanielStauben „Bc A ues as la vis a65 
'"suilS on A 18aoe« — Widal war Israelit 
— herausgegeben, welche seine treffliche Gabe 
zu beobachten und zu charakterisiren erkennen 
lassen; spater aber ubersetzte er mit Meister» 
schafi die „Geschichten aus dem Ghetto" von 
Leopold Kompert, und machte unseren 
osterreichischen Poeten in Frankreich so bekannt 
und beliebt, daB diese Biicher dort in 
Tausenden oon C'remplaren nerbreitet wurden 
und der Autor in Frankreich kaum minder 
beliebt und gelesen ist, als im eigenen Vatrr» 
lande . 

Widemann, Anton (Medailleur, 
geb. zu Dur in Bohmen 1724, gest. 
1790) . Die eben angefiihrten Ge> 
burts» und Sterbedaten sind Nagler's 
„Kunstler-Lexikon" entnommen. P at 
u z z i in seinem Verzeichnisse der Me> 

Seite 351 



Wurzbach55 . txt 
dailleurs und Graveurs, welches seiner 
bei Wenedikt in Wien erschienenen 
„Geschichte Oesterreichs " Bd. I I , S. 343 
angehangt ist, laflt ihn zu Wien 1724 
geboren und 1809 daselbst gestorben 
sein. Schlager und Tschischka wissen 
nur anzugeben, daB er urn 1770 noch in 
Wien arbeitete. Dlabacz kennt ihn gar 
nicht, gedenkt aber eines 1730 geborenen 
Kunstgartners Wiedemann zu Dur, 
der den Durer und Teplitzer Garten 
theils nach englischem, theils nach fran» 
zosischem Geschmack angelegt hat und 
immerhin ein Bruder unseres Medail' 1 
leurs Anton sein konnte. Letzterer widmete 
sich der Buchsenmacherei und arbeitete 
anfangs in diesem Gewerbe bis 
1794. Im let ztgenannten Jahre allem 
Anscheine nach schon in Wien, erhielt er 
von Bartholomaus Schega, einem geschickten 
Siegelsckneider und Bruder des 
beruhmten Munchener Medailleurs Franz 
Andreas Schega Md. XXIX, S. 137' s >, 
der in Wien arbeitete und mit dem er 
wohl durch deHen Bruder Johann Anton 
Schega, welcher seines Zeichens auch 
Buchsenmacher war, bekannt geworden 
sein mag, Unterricht im Stempelschneiden . 
Er machte in dieser Kunst so tiichtige 
Fortschritte, dafl seine Arbeiten, iiber 
welche wir aber leider nur sehr wenig 
wissen, Anerkennung fanden und er im 
Jahre 1738 zum k. k. Hofmedailleur 
ernannt wurde. Von seinen Arbeiten 
sind uns nur bekannt: die Medaille auf 
die erste Vermalung des Kaisers Io» 
seph I I . 1760 j^vergl.: „Biographie des 
Kaisers Joseph II." Bd. V I , S. 323. 
XIV. Medaillen^ ; — auch halt man 
die zur Kronung des Kaisers im genann» 
ten Jahre gepragte Auswurfmedaille 
fur sein Werk; — die Medaille auf die 
Ankunft Ihrer Majestaten des Kaisers 
Franz I. Stephan und der Kaiserin 
Maria Theresia in Innsbruck 1763' 
— > auf die Einnahme der preuflischen 
Festung Glah durch General Loudon 
26. Juli 1760; — auf den bei (5hoczenitz 
zwischen Planian und Kollin am 
j8. Juni 1737 durch General Daun 
erfochtenen Sieg uber Friedrich II.; 
auf die Vermalung der Erzherzogin 
Maria Amalie mit Ferdinand von 
Bourbon, Herzog von Parma am 
19. Juli !769; — ferner eine Medaille 
auf den beruhmten Ar;t van Swieten 
1730; — im Jahre 1767 eine Denk« 
munze mit dem Portrate der Kaiserin 
Maria Theresia, wahrscheinlich die 
Medaille anlafllich der Genesung der 
Kaiserin von den Pocken; — und 1778 
eine andere mit dem Bildnisse des Erzherzogs 
Karl von Lothringen. Auf^ 
Widemann. Albert 241 Widemann, Elias 

Seite 352 



Wurzbach55 . txt 
Medaillen nennt sich Widemann 
A. W i d e . 

N a g 1 e r (G. K. Oi-.) . Neues allgemeines 
Kiinstler < Lerikon (Munchen i8 A 9, C. A. 
Fleischmann. 8".) Bd. XXI, S. A «4 . - 
Oesterreichisches Archiv fur Geschichte 
u. s. w. Herausgegeben von I .W. Nidler 

(Wien. 4°.) t83t. S. 287. 304. 332. 332. - 
Archiv fur Kunde osterreichischer Geschichts« 
quellen. Herausgegeben von der zur Pflege 
vaterlandischer Geschichte auf gestellten Com« 
mission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaf ten 

(Wien 1850, Staatsdruckerei, gr. 8".) 
Bd. V, S. 766, im Aufsahe: „Materialien 
zur osterreichischen Kunstgeschichte" . — Ab« 
bildungcn einiger Medaillen Nidemann ' s 
findet man in dem Werke „Schau» und 
Denkmiinzen, welche unter der Regierung 
der Kaiserin Maria Theresia gepragt 
worden" (Wien 1782), dessen Verfasserin die 
Erzherzogin Maria Anna ist. 
AuBerdem sind noch zu erwahnen: 1. A . Wide» 
mann . Unter diesem Namen sinden wir in 
Franz Tschischka's „Kunst und Alterthum 
in dem osterreichischen Kaiserstaate" (Wien 
183«. Beck. gr. 8°.) im Register S. 447 
einen Kiinstler, der im Werke selbst an zwei 
Stellen genannt erscheint, zuerst S. 236. wo 
unter den Merkwiirdigkeiten der Strahower 
Stiftskirche die Altarblatter erwahnt werden: 
„Die Geburt Christi" und „Maria Heim» 
suchung" von dem „wackeren Widemann" . 
und S. 4U7 im Kiinstlerverzeichnisse, wo 
A. Widemann als geschickter Medailleur, 
der urn 17?1) in Wien arbeitete, angefiihrt 
wird. Wir gestehen, wir kennen uns hier 
nicht auo: Eimn Maler A. Widemann 
fiihrt Nagler nicht an, und dafl d?r Me> 
dailleur A. Widemann auch gemalt habe . 
finden wir nirgends angegeben, obgleich es 
nicht ausgeschlossen bleibt, dafl er nicht nur 
Medailleur, sondern auch Maler gewesen, 
und letzteres von nicht gewohnlicher Art, wie 
aus Tschischka's Beiwort „wacker" zu 
schlieBen. 2. A 1 b e r t Widemann (geb. zu 
Ungarisch < Hradisch 4. October <66U, gest. 
9. November t727) . Plalat und Prior der 
Olmiiker Karthause. Der Geschichtsf orscher 
d ' E 1 v e r t bezeichnet ihn als einen Verehrer 
der Wissenschaf ten, der die Bibliothek de5 
Klosters erbaut, mit werthvollen Werken be» 
reichert, den gelehrten Melker Benedicriner 
Bernhard Petz mit vielen Handschrif ten aus 
v. W u rz b a ch . biogr. Lerikon. 1"V. sGedr. i 
s derselben uber die Hussiten; ett und anderen 
Werken unterstiitzt hat. » ' Y 1 v e r t llshri' 
stian) . Geschichte des Viicher- und Stein« 
druckes, des Buchhandels, der Aiichen'ensur 
und der periodischen Literatur u. s. w., auch 
unter dem Titel: „Beitrage zur Geschickte 
und Statistik Madrens un2 Oesteneickisch« 
Schlesiens" I. Bd, (Briinn 1864. Notier, 
gr. k" . ) 3. 286,) — 3. E 1 i a s Widemann 

(Kupf erstecher . Ort und Jahr seiner Geburt 

Seite 353 



Wurzbach55 . txt 
wie seines Todes unbekannt) . GewiB ist. daB 
er in den Iadren 5640 — j61>0 in Wien arbei< 
tete. Doch war rr in dieser Zeit auch noch 
an anderen Orten, so. wie Dlabacz meldet, 
j«4i in Olmutz, und wie Nagler schreibt, 
auch in Prag und Pretzburg tdatig. Wide» 
mann stach zumeist Bildnisse von wechseln« 
dem Werthe; wahrend einige sehr sorgfaltig 
und sauber ausgefijhrt sind, lassen andere 
wieder sehr viel zu wiinschen iibrig. Sie 
stellen meist osterreichische Beriihmtheiten des 
siebzehnten Jahrhunderts dar und tragen un« 
geachtet ihrer etwas fliichtigen Arbeit doch 
sammrllck- das Geprage groBer Aehnlickkeit . 
Seine Hauptblatter sind: „b ' imon und 
Pero" . Huia iains v5iicto I'g.l A nL ste. 
Nach Georg V a ch m a n n (qu. Fol.) ; 
— ''okkiineo Ruaolfus (Raines k I* u» 
c k a i n i " , Brustbild in ovaler Einfassung. 
l'« M5LU3 ou.elai'o etc. 16i7 (Fol.). - „Io< 
kann Nud. Schmidt. Baron von Schwar« 
zenkorn. k. k. Internuntius bei der hohen 
Pforte"; im turkischen (5ostum bei Tisch 
sitzend. Nach I . Joachims (gr. qu . Fol.), 
sehr selten; andere Blatter seines Grab« 
stichele sind: „Eckard Graf Auersperg" 
(Fol.): — ..Marco Capillet. Croaten« 
oberst" (8°.); — „Graf Johann Drasco» 
uich. H«47" (Fol.); — „Marimilian Furst 
Dietrichstein" (8«.); — „Georg Vrdody. 
ungarischer Magnat . t643" (8°.); — „Paul 
Eszterhazy. i640" (8".).- - „Nicolaus 
Foeldwari. Croatenoberst . iS46" (8".); — 
„Ferdinand Friedrich Graf von Fiirsten« 
berg" (Fol.); — „Leopold Wilhelm 
Markgraf von Baden. Feldherr gegen die 
Turken" (kl. Fol.); - „Matteo Moncada. 
k. k. Oberst. 1646" (8«.); - „Bischof Otto 
Friedrich Graf von Puchaim. 1647". Nach 
F. Leyr (Fol.); — „ A si-ainana eoms« ». 
'WKlnLtsin. 1646" (8«.). Dlllbal.-z in 
seinem „Kunf tier ' Leriton Bohmens und Mab» 
rens" fiihrt noch zwei Blatter Wide, 
m a n n's, welche die Strahower Bibliothek 
besitzt, an, und zwar ein Familienwappen der 
.Iulil887.1 16£ 

Widemann, Wenzel 242 Widerhofer, Joseph 
Freiherren ron S t a u ding (12".) . E 1 i a s 
Widemann t'eo. 1 6 i t , und ein Marienbild, 
bezeichnet wie das vorige 1641 (12°.) . I n 
I . G. Frenzel'6 „Katalog der Sammlung 
der Kupferstiche und Handzeichnungen des 
Grafen Fran; Sternberg»Mand er> 
scheid sind uiele Blatter Nioemann's 
verzeichnet. — 4. I . G. Widemann. 
Eines Widemann . ohne Angabe des Tauf. 
namens, gedenkt Schwaldoplerin seinem 
„Historischen Almanach" I. Jahrg. (Wien 
181)8. Doll, k".) S. 2"6 als Verfassers der 
„Streifzuge nach Innerosterreich, Trieft und 
Venedig und einem Theile der tsi-ra. lerma." 
(Wien 18<)i. A. Doll, mit KK . und Vign.. 
«" . ) . welcke er als in einem reinen Style 
geschrieben und einen feinen und scharfen 

Seite 354 



Wurzbach55 . txt 
Beobachtungsgeist verrathend bezeichnet. Wir 
vermuthen in diesem Widemann den 
I . G. Widemann. der theils allein, theils 
in Gemeinschaf t mit M. Fisch el noch einige 
andere touristische Werke herausgegeben hat, 
als: „Malerische Streifziige durch interessante 
Gegenden urn Wien" . 4 Bandchen mit 24 An« 
sichten und 8 Vignetten (Wien. Doll), auck 
unter dem Titel: „Taschenbuch fur Freunde 
vaterlandischer Gegenden fur die Jahre t8tt5 
bis <808"; — „Streifzuge an Istrien' 
Kusten", mit KN . und Vign. (Wien 1810. 
Doll, 8".). Des Mitarbeiters Widemann's, 
Marimilian F i sch el's, wurde in diesem Werke 
Bd. IV, S. 238 gedacht. - 3. Wenzel 
Widemann lebte in der ersten Halfte des 
siebzehnten Jahrhunderts; aus Gitschin geburtig, 
war er von ±u ( > 7 — i619 Dekan zu 
Bydfchow. Chlum und Petrowitz und hielt 
sich wahrend der Zeit des Einfalls der 
Sachsen im Jahre tC5j, in Prag auf. 
Seine katechetischen und homiletischen Schrif» 
ten in oechischer Sprache sind in Jung» 
mann ' s „Geschichte der 6echischen Literatur" 
(lliatoi-ie InerkMi-" usalc»:), zweite Ausgabe 
(Prag 1849. Hiwnau. schm. 4°.) S. 650 an> 
gefiihrt. — 6. Ein anderer Wenzel Wide» 
mann (geb. in Pilsen urn 1?20) war 1/61 
der erste Lehrer der oechischen Sprache an 
der Wiener-Neustadter Militarakademie und 
trat nach 23jahrigem Dienste an derselben 
1774 in den Ruhestand iiber. Er gab ein 
„Neuoerf aBtes deutsches bohmisches W6rter» 
buch" (Wienerisch »Neustadt 1768, Ios, A. 
Fritsch. 8".) heraus, das meistens aus D. A, 

Weleslawin ' s „a A lva. liuaclrilinzuia vooadulorum 
ht z>n?H5ium dolieinicat z , iatinak, 
A r A eae <:t zsi-m A nieae IlnFuao" geschopft ist. 
Widemann, siehe auch: 
und Wiedemaim. 

Widemann, Heinrich, siehe: Mede- 
N111NN, Theodor "siehe: Band I "VI, 
Seite l/>. 

Widerhofer, Joseph (Tonsetzer, 
geb. zu Maria » Z e 1 1 in Steiermark am 
7. Janner 1786, gest. daselbst am 
24. Februar 1837) . Sein Vater Franz 
Xaver war Organist in Maria-Zell, die 
Mutter Maria Anna eine geborene 
Spreng. Ersterer, ein geschickter Musicus, 
auch Componist und in Orgelspiel 
und Tonsatz der Lehrer des nachmaligen 
Kapellmeisters bei St. Stephan in Wien 
Joseph P r e i n d 1 , ertheilte seinem 
Sohne Joseph den ersten Unterricht 
im Gesang, auf der Orgel und im 
Generalbafi, und dieser machte hierin 
solche Fortschritte, daB er schon im Alter 
von sieben Jahren bezahlter Discantist 
wurde, im Alter von zwolf Jahren in 
Gegenwart der Wiener Procession die 
sogenannte groBe Zeller-Meffe von I o - 
seph Haydn auf der dortigen groBen 
Orgel spielte. Als dann 1798 sein Vater 

Seite 355 



Wurzbach55 . txt 
starb, bekam er dessen Organistenstelle, 
mit welcher er nicht nur sich, sondern 
auch die Mutter und seine vier noch un« ' 
mundigen Briider erhalten muBte. Da 
er aber im Orgelspiel zwar fest, im Ton» 
sah dagegen noch schwach war, berief ihn 
Joseph Preindlzu sich nach Wien und 
unterrichtete ihn durch ein halbes Jahr 
in der Komposition. Nach dieser Zeit 
muBte er wieder nach Maria 'Zell, wo er 
den Sommer iiber als Organist unent» 
behrlich war,- zuriickkehren und sich durch 
eigenes Studium im Tonsatz fortbilden, 
wobei er auch zu componiren ansing. I m 
Jahre 1810 machte ihm P r e i n d 1 den 
Antrag, nach Wien zu kommen und ihn 
in seinem Capellmeisteramte zu unter»? 
Miderhofer, 243 Widerhofcr, Hcrnunni 
stutzen. Allein Widert) ofer, der seinen 
vierBrudem zwar bereits zu einem Brode 
verholfen hatte, schlug doch seiner Mutter 
zuliebe, die sich von Maria Zell nicht 
trennen mochte, diese fur ihn auosichts» 
voile Laufbahn aus und blieb in seinem 
Geburtsorte, wo er sich noch im namlichen 
Jahre mit IosephaRitter vermalte. 
18 i 3 erhielt er zu seinem Organistendienste 
noch die Lehrcrstelle an der 

Maria Zeller Trivialschule, und 1827 ernannte 
ihn das Gratzer Ordinariat zum 
Musterlehrer . Am 3. August 1849 feierte 
er sein f iinf zig jahriges Jubelfest als Or» 
ganist, und am 13. Februar 1830 verlieh 
ihm Seine Majestat der Kaiser Franz 
Joseph die kleine goldene Civil-Ehren- 
Medaille am Bande . Widerhofer's 
L^ben ging ganz in seinem Doppeldienst 
als Organist und Lehrer auf, und als er 
starb, geschah es gleichsam in seinem 
Berufe. Denn da er in der letzten Zeit 
bei dem angestrengten Dienste im Sommer 
nicht selten die Stelle des Bassisten 
suppliren muflte, erlag er, 71 Jahre alt. 
infolge der Ueberanstrengung einer Lungenlahmuug, 
nachdem er nur wenige 

Tage vor seinem Tode an einem Marienfeste 
eine Pastoralfuge mit hinreiBender 
Begeisterung gespielt und die Besucher 
der Kircke auf das hochste entziickt hatte. 
Widerhofer war auch ein fleiBiger 
Componist, meist auf kirchlichem Gebiete, 
obgleich er auch einige profane Musikstiicke, 
wie: Theatermelodien, und fur 
sogenannte tiirkische Musik componirt 
hat. Er schrieb: 8 Mefsen, namlich 
6 UiLSHL 80i6HN6s und 2 "1883.0 
! -aiQAi-iH6, darunter die sogenannte 
Brand messe in (/, zum Andenken an 
den 1827 in Maria-Zell stattgehabten 
Brand, dem Erzherzog J o h a n n ge» 
widmet, in Wien bei Ha K 1 i n g er im 
Stich erschienen; die Dankmesse in F 
zur Danksagung fur die Rettung Seiner 
Majestat des Kaisers, dem .Kaiser gewidmet, 

Seite 356 



Wurzbach55 . txt 

in Gratz bei Lor. Oreiner erschienen; 
die Messe in S 1839 zur 

A Feier seiner 40jalniZen Dienstzeit als 
! Organist, und die P r i m i z m esse, com» 
z ponirt 1842 sammt Graduale, Offer' 
> torium und Veni . AA icr A l?i>ii-itu6 zur 
! Primiz seines Sohnes I g n a z Widerhofer, 
nachmaligen Pfarrers in Liezen; 

! 2 A o <5 o u IN I ii II 6 «1 IN u 5, eines im 
Jahre 1814 zur Friedenaf eier ; 12 Off 
ertorien, 23 Ua.lv6 kegin' 1 , 
H ksFinil. ooeN) 3 A .VL liL A ina, 
19 8nd tu urn pi-Hesiliium, 6 Gra» 
dualien, 3 . A p pl.au81.i8, 9 Lira« 
neien, 1 Cantate und 2 Symvhonien. 
Das mir vorliegende Verzeiamifi 
dieser Compositionen, die mit Ausnahme 
der Brand messe (1827), der Meffe in F 
(1839) und der Primizmesse (1842) vor 
1823 geschrieben sind, ist, wenn icb nicht 
irre, einer handschrif tlichen Skizze Wider» 
hofer's entnommen, welche dieser fur 
das Konservatorium der Musik in Wien 
entwarf. GewiB wird er nach 1823 als 
Componist noch chatig geblieben sein, ob ' 
wohl sein Nekrolog nichts davon erwahnt. 
DerAufmerksame (Gratz. 4") i35?. 
Nr. 16: „Korrespondenz aus Maria'Zell 
8. April". 

Ein Hermann Widerhofer ist zu: Zeit Arzt 
in Wien. Professor fur Kinderkrankheiten an 
der medicinischen Facultat der Wiener Uni« 
versitat. Vorstand der Klinik fur Kmderkrank« 
heiten im St. Anna<Kinderfpitale und Leib« 
arzt Seiner kais. Hoheit des Erzherzogs Kron« 
Prinzen Rudolf. Er ist auck Verfasser der 
Schrift: „Die Krankheiten am Nabel der 
Neugeborenen" (Neparatabdrucl aus dem Jahr« 
buch fur Kinderheilkunde) . Mit funf auf der 
Buchdruckerpresse ausgefiihrten Farbendrucken 
(Wien !863. typ. lit. art. Anstalt, ar. 8".) 
Dr. Widerhofer war bereits Secundararzt 
und spater Assistent des Kinderspitals, als 
noch der beriihmte Kinderarzt Dr. Franz? 
Midermann 244 Widmann. Bohuslaw 

Meyer A Vd, XVIII, S. 194, Nr. 3 ' A dasselbe 
leitete, und dieser war es, der den 
jungen Hcilkiinstler an sich zog und ihm die 
Wege fur die Zukunft ebnete. Auch bethei» 
ligte sich damals schon der junge Arzt in 
Gemeinschaft mit den Doctoren Schuller 
und Schrottan einer Schrift seines uater« 
lichen Gonners, betitelt: „Ueber s^xliUis 
kLreaitHi-ia . " , welche dieser 1862 in der 
typ. lit. artist. Anstalt in Wien, gr. 8". mit 
Farbenabdriicken, von D. Meyer heraus» 
gegeben hat . I) r. Widerhofer wurde uon 
Teiner Majestat dem Ka,ser wiederholt: 1867 
m't dem (aomthurkreuze des Franz Joseph' 
Ordens und i869 mit dem Orden der eisernen 
Nrone dritter Classe, aufierdem von Toscana, 
Bayern. Belgien, Serbien und Frankreich 
mit Orden ausgezeichnet . Allustrirtes 
Wiener Ertrab 1 a t t . i873. Nr. 38: 

Seite 357 



Wurzbach55 . txt 
„Professor Hermann Widerhofer" . mit Holz« 
schnittbildniB . A I 

Widermllnn, Franz Celsus (theologischer 
Schrif tsteller , geb . inNiede rosterreich, 
gest. urn den Beginn des 
lausenden Jahrhunderts) . Er widmete 
sich nach beendeten theologischen Stu» 
dien der Seelsorge und war im letzten 
Jahrzehnt des achtzehnten Jahrhunderts 
landesf urstlicher Localcavlan zu Regels» 
brunn in Niederosterreich . Er ist Verfaffer 
von mehreren theologischen, exegetischen 
und katechetischen Werken, die sich 
seinerzeit guter Aufnahme erfreuten, und 
deren einige wiederholte Auftagen er> 
lebten. Die Titel derselben sind: „Nrliginn 
nach Vernnntt oder Kritische Nntrrsnchnng 
der Frage: Welches die beste Aeligian seil'" 

(Wien 2. Aufl. 1792; 3. Aufl. 1703, 
neue Aufl. 1798, 8".); — „sakratischpraktisch 
er Neligiansnnterlicht tur die Hngeud 
und das gemeine Mil' 1 nach Anleitung des K. K. 
Nllrmulkatechismns lilurgetragril" , 2 Bande 

(Wien 1793, A. Doll; 2. Aufl. 1798, 

8 " . ) ; - «Acht KlllWIiZche Zlusleuungen der 

EuANgrlien", 2 Bande (Wien 1793, Doll, 

8^.); — „Auslegung drr an jedem Sonn- nnd 

Festtage des Jahres nurkammenden lehrreichen 

Gjiisteln nnd Nsnngen, nebst angehangtem 

SchriMeite, buchstablicher nnd sittlicher (Lrklaruug 

eines jeden Geltes", 2 Bande (Wien 

17 9 7, 8 ^ . ) ',— „Katechismus drr natiirlichen 

Neligian tur dir Landjugend, als 3urblleitung 

zn meinem Sakratisch-praktischrn Keligillnsunterricht " 

(Wien 1799, 8 A . ) ; - „Nie Ghezchnll 

oder die gnte Olie ist der Ornnd einer guten 

Welt" (Krems 1803 Leipzig, Schmidts 

81) .) ; — „Ork /N larnng der uier Ouangelienbucher 

oder die ganze in einem einzigen Nnchl, 

«am C«te zn Crite aneinander hangende enangelischc 

Oeschichle", 3 Theile (Krems 1803 

Leipzig, Schmidts 8".) . Da mit dem 

Jahre 1803 Widermann ' s schrif tstellerische 

Thatigkeit endet, so mochte wohl 

sein Tod bald nach diesem Jahre eingetreten 

sein . 

Nidersperg, siehe: Wiederssierg . 

Widl, Maria, siehe: Widal, Marie 

WtdMllNN, Bohuslaw Freiherr 

(Staatsmann, geb. in Olmiitz am 

12. Marz 1836) . Der SproB einer Adelsf amilie, 

tiber deren Genealogie S. 246 die 

Quellen Naheres berichten, ist er der 

zweitgeborene Sohn des in fruhem 

Mannesalter infolge ganzlicher Erblindiing 

als Kreishauptmann von Olmiih 

aus dem activen Dienste geschiedenen 

und am 1. Janner 1876 verstorbenen Io> 

seph Karl Ritter von Widmann aus 

dessen Ehe mit Anna geborenen Grafin 

Vetter von der L i 1 i e und Freiin von 

B u r g > Feistritz. Gr beendete die Gym» 

nasial- und juridisch 'politischen Studien 

als Zogling der k. therestanischen Akademie 

Seite 358 



Wurzbach5 5 . txt 
und trat, nachdem er mit aus» 
gezeichnetem Erfolge die Staatspriifungen 
abgelegt hatte, am 1. August 1836 
als Conceptspracticant bei der mahrischen 
Statthalterei in den Staatsdienst . Am^ 
Midmann, Bohuslaw 243 Midmann, Bohuslaw 
t 6 . Marz 1838 zum Bezirkaamtsactuar 

und am 23. October 1369 zum Statthaltereiconcipisten 
ernannt, stand er bis 

zum Ausbruch des Krieges im Juni 1866 
im Statthalterei-Prasidialbureau in Ver» 
wendung und erhielt in Anerkennung 
seiner sehr entsprechenden Thatigkeit 
1863 das goldene Verdienstkreuz mit der 
Krone. Beim Ausbruch des Krieges 
wurde er zum Civilcommissar des unter 
den Befehlen des Generals der Kavallerie 
Freiherrn von Gab lenz gestandenen 
X. Armeecorps berufen, in welcher Eigenschaft 
er sich die wiederholte Zufrieden» 
heit seiner Oberen und die ah. Anerkennung 
Seiner Majestat erwarb. Nach dem 
Friedensschliisse kehrte er auf seinen 
Dienstpoften zuriick, ward am 3. April 
4867 mit der Leitung des Bezirksamtes 
Neutitschein betraut, am 3. August 1868 
zum Bezirkshauptmann daselbst und am 
20, Marz 1870 zum Bezirkshauptmann 
in Olmiitz ernannt, in welchen Stellun» 
gen er sich der Sympathie und des beson» 
deren Vertrauens der Bevolkerung er> 
freute. Aber schon am 20. December 
4870 von Olmiitz abberufen und der 
Statthalterei in Brunn als Referent zu» 
getheilt, sah er sich kurz darauf, und zwar 
am 29. August 1871 zum Statthaltere j . 
rathe befordert. War er bereits in Olmiitz 
als landesf iirstlicher Commifsar der dortigen 
Sparcaffe und Minif terialcommissar 
der Handelskammer bestellt, so wurden 
ihm die gleichen Functionen nun auch 
fur Brunn iibertragen, und er fand in 
denselben unter den damaligen Zeitver. 
Haltnissen mannigfache Gelegenheit, sich 
vortheilhaft bemerkbar zu machen. Unter 
seiner Mitwirkung entstand das mahrische 
Gewerbemuseum, in dessen Curatorium 
er als Vertreter des Staates fungirte, 
und er leitete die Angelegenheiten fur die 
Betheiligung Mahrens an der Weltaus ' 
stellung in Wien im Jahre 1873. Mit 
seiner am 7. Juli 1874 erfolgten Ernennung 
zum Landeschef von Kram eroffn 
nete sich ihm ein grofieres und wichtigeres 
Feld administrativen Wirkens, indem er 
unter eifriger Fiirsorge fur die Interessen 
des Landes die Alltoritat der Regierung 
den Bestrebungen einer machtigen Opposition 
gegeniiber zu wahren und sich 
durch seine objective Amtsfiihrung ein 
ehrenvolles Andenken zu sickern verstand. 
Es waren auch die Tage der President' 
schaft Widmann's die letzten sonnigen 
Tage des Landes Krain mit seiner 

Seite 359 



Wurzbach5 5 . txt 
deutsch-slovenischen Bevolkerung; nach 
seinem Abgange wurde reichlich der Dun> 
ger gelegt, aus welchem die Pfiitzenblume 
des Racenhaffes emporwucherte, der nun 
die auf das Nebeneinanderwohnen angewiesenen 
Volksstamme scheidet und sich so 
weit gehen lieB, sein Mijthchen an einem 
Denkmale von Stein zu kiihlen, welches 
einem der edelsten Landes sohne errichtet 
worden, der, obgleich ein Deutscher, doch 
das Slaventhum durch die classische Uebersetzung 
der Volkslieder desselben dauernd 
verherrlicht hat, wir meinen Anastasius 
Griin. Nach dreijahriger Wirksamkeit in 
Krain wurde Freiherr von N i d mann 
am 9. December 1877 zum Statthalter 
in Oberosterreich und am 13. August 
1879 unter Verleihung der Wiirde eines 
geheimen Rathes zum Statthalter in 
Tirol und Vorarlberg ernannt. Und auf 
diesem Posten hat er sich bisher als um« 
sichtiger, unparteiischer und energischer 
Verwaltungschef erwiesen. Er verschafft 
sich meist personlich genaue Einsicht in 
die Verhaltnisse und dringt, selbst rastlos 
thatig, immer auch auf rasche Ausfiihrung 
der getroffenen Maflregeln . Dieses 
administrative Talent bewahrte sich vorziiglich 
bei der Ueberschwemmungskata» 
strophe des Jahres 1882, wo er sich£ 
Widmann, Bohuslaw 24 6 Midmann (Genealogie) 
durch schnelle Hilf eleistung und energische 
Inangrif f nahme der Sa'utz- und Negu 
lirungsbauten im Eisack- und Pusterthale 
urn die Heilung der Wunden und Scha 
den hochverdient gemacht hat. I n danb 
barer Anerkennung dieser Verdienste 
wurden ihm zu Ehren die neue Brucke 
bei Brixen und im sckwerheimgesuchten 
Orte Welsberg der Platz mit der Denk 
faule nach seinem Namen genannt . Auch 
der Regelung des Sanitatswesens, vorziiglich 
anlaBlich der drohenden Choleragef ahr 
der letzten Jahre, widmete er seine 
Obsorge ' desgleichen hat die Schule, be» 
sonders die Landesuniversitat Innsbruck 
in Baron Widmann , der selbst in 
alien seine Berufssphare irgendwie 
beriihrenden Wissenschaften wohl bewan» 
dert ist, einen warmen Forderer ihrer 
Interessen. Es sei hier nur seiner Bemu» 
hungen urn die Errichtung des anatomi» 
schen Institutes gedacht . Sehr ersprieBlich 
wirkte er bisher im Landtage, wobei 
ihn seine glanzende Rednergabe unter» 
stiitzt. Seine Rede, riickhaltslos und 
iiberzeugend, versteht es, in nie verletzen» 
der Form selbst den scharfsten Inhalt zu 
mildern und den Gegner zu entwaffnen. 
Durch seine warme Vertretung der 
Landesinteref sen und sein humanes Wesen 
hat er die Achtung aller Kreise der Ve» 
volkerung erworben, und ist er besonders 
beim Landvolke sehr beliebt. Diese Verdienfte 

Seite 360 



Wurzbach55 . txt 
hat auch der Monarch wiederholt 
gewiirdigt, am 30. Avril 1881 durch 
Verleihung des Commandeurkreuzes des 
Leopoldordens und durch die Erhebung 
in den osterreichischen Freiherrenstand. 
Baron W i d m a n n ist ijberdies Ehren« 
Mitglied mehrerer landwirtschaf tlichen 
Gesellschaf ten, des krainisch-kustenlandischen 
Forstvereines und der uniformirten 
bewaffneten Burgercorps der Stadte 
Rudolfswerth und Gurkfeld in Kram 
und Ehrenbiirger der Stadt Ried und' 
Urfahr in Oberosterreick, dann Adelsberg 
in Krain. Seit 3. Juni 4871 ist 
Freiherr Bohuslaw mit Gabriele, 
Tochter des Gutsbesit zers und GroBindu« 
striellen Alfred Skene vermalt. Die 
Kinder dieser Ehe sind aus der ange» 
schlofseneu Stammtafel ersichtlich. 

(Augsburger) Allgemeine Zeitung. 1879. 
Nr. 23'».- „Aus Tudtirol 17. August". - 
NeueFreiePresse . 9. Julil874. 
Nr. 3544: „Drci. neue Statthalter" 
mann . Pino. Alesani) . 

Zur Genealogie der Nitter, Freiherren von 
Widmann und der Vrasen von Widmann- 
Sedlnitzkn. Diese mahrische Familie Nid» 
mann, nicht zu verwechseln mit der in der 
ersten Halfte des achtzehnten Jahrhunderts 
erloschenen kamthnerischen Graf enf amilie 
Widmann , mit welcher sie in gar 
keiner verwandtschaf tlichen Beziehung steht, 
bliiht zur Stunde in einem graflichen, in 
zwei f reiherrlichen und mehreren ritter« 
schaftlichen Zweigen. Die gemeinschaftlichen 
Stainmeltern aller sind J o h a n n von Nid« 
mann und Nnria Mcrner, welche in der 
zweiten Halfte des sechzehnten Jahrhunderts, 
in der Meinvfal' 1 wie in Bayern ansassig 
waren und von dem Pfalzgrafen Karl Phi« 
1 i p p bei Rdein als ehrenfesten und adeligen 
Herkommens bestatigt wurden. Deren Sohn 
Georg von Widmann (geb. 4601), ver« 
malt 1638 mit Nargnrclha tlow, kam als 
Hauptmann bei Starhemberg-Inf anterie 1612 
nach Eger in Bohmen und machte slch dort 
seBhaf t . Deren Sohn Johann Michael 

(gest. 1719) . Postmeister und Fortisica« 
tionszahlmeister . datte in zwei Eben fiinf 
Sonne: Adam Joseph, Karl Joseph, 
Johann Anton, Johann Adam, P h i - 
1 i pp und erhiclc von Kaiser Joseph I. am 
1. Mai 1707 den Ritterstand in Ungarn, von 
K a r 1 V I . am 22. Qctob>.-r 1712 den alten 
Ritterstand in Bohmen und den incorporirten 
Landern und am 12. December 1712 das 
Incolat der bohmischen Lander. Johann 
Michaels Sohn aus erster Ehe mit Anna 
5aoina Schiller, Adam Joseph, ist der 
Stammvater der heutigen ritterschaf tlichen 
und der alteren f reiherrlichen Linie der Wid» 
mann. Dann Adam Josephs Enkel V a - 
huslaw, zur Zeit Statthalter von Tirol^ 
Widmann (Genealogie) 247 Widmann >Wappen) 

Seite 361 



Wurzbach5 5 . txt 
und Vorarlberg, wurde als Commandeur 
des osterreichischen Leopoldordens laut Diploms 
Seiner Majestat des Kaisers Franz 
Joseph I . ciao. Wien 27. Juni 1881 in den 
osterreichischen Freih errenstand erhoben. 
Alle librigen Nachkommen Ada : u Josephs 

besitzen nur den ecdlandisckcn Ritterstand 
Von den Sohnen aus Johann Michaels 
zweiter Ehe mit Naria Narlini von ftc»garellj 
setzte nur der zweitgeborene, Johann 
Anton (geb. 1673) . das Geschlecht fort. 
Letzterer war im Jahre 1716 kaiserlicher 
Rach. Tarator und Archivar und 1720 Hof« 
rath bei der bohmischen Hofkanzlei in Wien. 
Bei den heftigen und f ortwahrenden Be« 
schwerden der Iglauer Tuchmacher gegen die 
1726 gegriindete Woll» und Tuchhandlungs 
Socieiat wurde Hofrath Widmann 1729 
zur Untersuchung dieser Streitigkeiten nach 
I g 1 a u nnt unumschrankter Vollmacht enb 
sendet. Zum allgemeinen Iudel erfolgte die 
Auflosung der Societat und die Niederher' 
stellung der vollen Freiheit im Handel nnt 
Wolle und Tuch. damit auch eine bessere 
Einnchiung de . s so umf angreichen Tuchmacher* 
gewcrbes. Noch heute lebt Widmann ' s An» 
denken in Iglau fort, wo seine Gewandtheit 
und UMcht nicht minder als sein Wohl« 
wollen fur Iglaus Fabrikswesen uon so 
wohlthatigen Folgen war, und in Wiirdigung 
dessen wurde ihm mit kaiserlichem Diplom 
iiao. 24. Juni 1730 der erblandisch-6sterrei» 
chischc Fr ei Herren st and und am 9. August 
1761 die steirische Landmannschaf t verliehen. 
Von seinen beiden in der Ehe mit tluria 
Rann Gogger von tlo'wenegg erzeugten Sohnen 
Johann Wenzel und Joseph setzte nur 
Letzterer das Geschlecht fort. Ueber Ersteren be» 
richteten wir Naheres in besonderer Biographie 
S. 248. Joseph (geb. 1724. gest. 1791) war 
k. k. Rath und hatie aus seiner Ehe mit 
Antonie Grafin Clam nur einen Lobn V i n - 
cenz, der. erst 31 Jahre alt, am 13. De> 
ccmber 1807 das Zeitliche segnete uno aus 
seiner Ehe mit Ernestine geborenen Freiin 
Roden von hirzenuil uiec Kinder, Franz, 
Albert , Anton und Vincenzia hincerlieB. 
Vincenzia starb schon 1808. Franz ohne 
Testament 1828. Nun theilten sich die beiden 
Neberlebendea in das Erbe. so daB Adal> 
bert Platsch und Anton die Herrschaft 
Wiese iibernahm. A das in Brunn befindliche 
Haus aber beide Briider in Gemeinschaft behielten. 
Freiherr Ad albert (geb, 14 Janner 
1804), gegenwartig Chef der alteren freiherr« 
' lichen Linie, ist k, k. Kammerer, wmde am 
16. August 1870 zum "andeshauvrmann von 
i Mahren, spater zum kaiserlichen '"edeimen 
! Nathe ernannt. Er war eine der 3tiil?rn der 
i verf assungstreue Parn'i des madrischen Nidels 
! und verdient schon dc5dalb ein ehrenvolles 
Andenken. Ms zwei ss' A en. run denen er die 
erste 1828 mii iiulie Freiin von Pullen (gest. 
1832), die zweice 185t! mic Erwine Freiin 

Seite 362 



Wurzbach5 5 . txt 
von 5charpf f cnstl ' lii schloB, bat rr sieben Kinder. 
Die erste Gattin gebar ihm eine Tochter. 
Mathilde, welche, erst mit Gtloknr Frei« 
Herrn von ftutmni, dann mit dessen Bruder 
Aul>olf uermalt, bereits gestorben ist; von 
den sechs Kindern der zweiten Gatiin leben 
nur ein Tohn, Abalbert (geb. 1868) . und 
zwei Tochter. Karoline und E r w i n e . Des 
obigen Grafen Ad albert jijngerer Vruder 
Anton datte sich 1834 mit leopolbine Grafin 
Gdro, 1> . ) z-5et>lnit zku vermalt, und der Sohn 
dieser C'he. Freiherr Victor, nachmals 
Lanoesoeriheidigungsmininer . erhielt nach 
Aussieben der Grafen 2edlnihky . da seine 
Mutter der letzte weibliche 3prcB der 3edl» 
nitzky'schen Familie war. durch kaiserliche 
Gnade mu Diplom vom ». December 1870 
die Gestaltung, mit seinem Namen und 
Wapyen den Namen und das Wappen der 
Grafen Tedlnitzky verbinden ; u durfen. 
Ueber oie Verdienste, die Aemter und Wiirden, 
welche die einzelnen Sprossen dieser 
Familie bekleidet haben, wird in den ein« 
zelnen Lebensstilen und in der genealogischen 
Nebersicht ausfilhrlich Nachricht gegeben. Was 
nun die Ehen dieser Familie betrifft, so 
finden wir in derselben die Namen der edel» 
sten Geschlechter des Kaiserstaates, wie: 

(5.1am, Roden von Hirzenau . Vetter 
uon der L i 1 i e . Puthon. Tedlnitzky, 
B u o 1 , Donhoff, Puteani und andere. 
Wappen. Ursprungliches f reiherNiches Wappen. 
Langlicher in der Mitte von der linken Leite 
schrage herab getheilter Schild, dessen oberer 
Theil roth und dessen unterer blau ist. I m 
Schilde ein geharnischter Arm, der in seiner 
Faust ein blankes Schwert halt, dessen Tpitze 
bis an das obere Eck des Schildes reicht. 
Letzterer ist schachartig. abwechselnd goloen und 
schwarz breit eingefafit, und zwar durch sechs 
goldene und sechs schwarze Felder. Auf dem 
Schilde erheben sich zwei einwarts gekehrte 
Turnierhelme . Auf der Krone des rechten 
zeigt sich ein einwarts gekehrter Adlcrsiug. 
dessen untere Halfte schwarz und dessen obere? 
Midmann, Johann Wenzel 248 Widmann' 1 Johann Wenzel 
golden ist: die Krone des linken Helmes 
tragt den geharnischten, das Schwert hal» 
tenden Arm. Die Helm decken. Die des 
rechten Helmes sind roth mit Silber, jene 
des linken blau mit Gold unterlegt. 
Wappen der neueren f reiherrlichen Linie. Roth 
iiber Blau quer getheilter Schild mit einer 
von Schwarz und Gold zwolfmal gestickten 
Einfassung umgeben. I n der oberen Halfte 
ruht auf dem gekrummten Elbogen ein freier 
goldgeranderter Harnisch, welcher mit der 
rechtsgekehrten gepanzerten Hand ein golden« 
gefafites blankes Schwert schraglinko geziickt 
halt. I n der unteren Halfce schweben drei 

(2 iiber j ) goldene Lilien. Den Schild be« 
deckt die Freiherrenkrone, auf welcher drei 
Turnierhelme sich erheben. Die Krone des 
rechten Helmes tragt den im Felde beschriebenen 

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Wurzbach5 5 . txt 
gehamischten Arm? aus der Hrone des 
mittleren wallen vier StrauBf edern, eine 
rothe, silberne, blaue und golorne; die Krone 
des dritten Helmes tragt einen von Gold 
iiber schwarz quergetdeilten geschlossenen Adler« 
flug. Die Helmdecken drs rcchtm Helmes 
sind roth mit Silber, die des mittleren rechts 
roth mit Silber, links blau mit Gold, jene 
des linken blau mit Gold unterlegt. Sch ild> 
Halter. Auf bronzener Arabeskenuerzierung 
zwei gegeneinander gekehrte schnurrbartige 
Manner in golden verzierten Harnischen mit 
offenen Visieren und vier StrauBfedern auf 
den Helmen, auf dem zur Rechten abwechselnd 
rothe und silberne, auf dem zur Linken ab« 
wechselnd blaue und goldene. Der rechts« 
stehende Mann mit weiBrother Achselscharpe 
halt in der gepanzerten freien Hand ein gol» 
dengefafttes blankes Schwert pfahlweise uor 
sich. und der linksstehende mit blaugoldener 
Achselscharpe tragt am Arm einen wie der 
Wappenschild eingefaftten runden blauen 
Schild, der mit einer goldenen Lilie be< 
legt ist 

Widlliann, Johann Wenzel Freiherr 
von (Staatsmann, Ort und Jahr 
seiner Geburt wie seines Todes unbe» 
kannt) . Er gehort der mahrischen Familie 
derWidmann an, iiber welche die Quel» 
len auf S. 246 Naheres berichten, und ist 
ein Sohn des Johann Anton Ritter 
von W i d m a n n (geb. 1673) , des 
eigentlichen Griinders des Ansehens dieser 
Familie, aus deffen Ehe mit Lucia 
Maria Gogger von Lowenegg. Da 
er 4740 bereits kaiserlicher Rath und 
Assessor bei dem k. mahrischen Tribunale 
war, so diirfte seine Geburt in das erste 
Jahrzehnt des achtzehnten Jahrhunderts 
fallen. I m Kriege gegen PreuBen 4741/42 
wurde er General ' Landeskriegscommissar, 
bei Errichtung der Landmiliz 1744 Mit» 
glied des Generalcommissariates, bei der 
neuen Organ isirung der Verwaltung 
durch Trennung der Justiz von der politischen 
4748 Assessor bei der k. k. mahrischen 
Deputation fur Contributions», Cameral 
» und Militarangelegenheiten, dann 
k. k. und k. bohmischer und ungarischer 
bevollmachtigter Minister im frankischen 
Kreise, 1739 zugleich am kurbayerischen 
Hofe. Aus dieser Stellung trat er 1763. 
Am 9. August 1766 ernannte ihn die 
Kaiserin Maria Theresia zum konig» 
lichen Oberstlandrichter in Mahren, was 
er bis 1772 blieb. Wahrscheinlich ist dies 
sein Todesjahr. Dr. Eduard Vehse in 
der unten genannten Quelle berichtet, 
daB im Jahre 1734, als der preuBische 
Kanzler Fiirst m Wien war, Widmann 
als osterreichischer Gesandter in Munchen 
fungirte und Ersterer sich iiber ihn fol« 
gendermaften aussprach: „Er ist nichts 
weniger als guter Abkunft, wird aber 

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Wurzbach55 . txt 
sehr in Wien ausgezeichnet . Ein auf« 
geweckter, lebhafter und geschickter Mann. 
Bei seiner letzten Anwesenheit in Wien 
hat er seine Mafiregeln so klug zu nehmen 
gewuBt, daB ihm die Kaiserin eine Zu» 
lage von 3000 fi. zugestand." Was 
Fiirst unter den Worten „er ist von 
nichts weniger als guter Abkunft" 
versteht, ist uns nicht ganz verstandlich, 
da Widmann's Vater J o h a n n An» 
ton nicht nur Freiherr war, sondern 
auch Hofrath bei der k. bohmischen Hof» 
kanzlet. Bei Fiirst scheint der Mensch^ 
Midmann-Sedlnihky 24 9 Midmann-Sedlnit zky 
nicht einmal beim Baron anzufangen. 
A r e t i n in seinen „Beitragen vornehmlich 
aus den Schatzen der Munchener 
National- und Hofbibliothek" theilt im 
6. Bande Widmann's Depeschen 
aus Munchen aus den Jahren 1730 
bis 1733 mit, welche die so wenig be» 
kannte bayrische Hof geschichte einigermafien 
illustriren. Freiherr von Wid» 
mann scheint unvermalt geblieben zu 
sein, wenigstens berichtet d'Elvert in 
seinem genealogischen Artikel iiber die 
Familie nichts von einer Gemalin desselben. 
I m Jahre 174 6 dotirte Widmann 
einen Caplan fur Winau und 

Platsch; diese letztere im Znaimer Kreise 
gelegene Herrschaft hatte er 1710 urn 
74.000 fl. rhein. gekauft und 1733 urn 
60.000 ft. rhein. seinem Bruder Joseph 
iiberlassen . 

Vehse (Eduard Dr.) . Oesterreichischer Hof 
und Adel (Hamburg, Hoffmaltn und Campe, 
kl. 8<>.) Bd. VIII, S. 95. - Notizen« 
b 1 a t t der historisch-statistischen Secrion der 
k. k. mahrisch ' schlesischen Gesellschaft zur Ve« 
forderung des Ackerbaueo, der Natur« und 
Landeskunde. Redigirt von Christian Ritter 
d'Elvert (Brunn. 4".) Jahrg. 18?7. Nr. 3. 
S. 30: „Die Grafen. Freiherren und Ritter 
von Widmann" . 

Widmann - Sedlnitzky, Victor Graf 
(Mitglied des Herrenhauses des 6ster» 
reichischen Reichsrathes , geb . inMahren 
am 8. September 1836, gest. 23. Janner 
4886) . Ein Sohn des 1866 verstor« 
benen Gutsbesitzers Anton Freiherrn 
von Widmann aus dessen Ehe mit 
Leopoldine Grafin Odrow^z-Sedlnit zky . 
Damals noch Freiherr, trat er 
1834, erst 18 Jahre alt, in die kaiserliche 
Armee und diente als Lieutenant, spater 
als Oberlieutenant im 9. Uhlanen-Regi» 
mente. 1839 machte er den Feldzug in 
Italien mit; 1861 quittirte er mit Bei« 
behalt des Militarcharakters und schied 
A 1868 ganz aus der Armee. 1868 ge- 
, langte er durch den zweiten Wahlkorper 
des GroBgrundbesit zes in den mahrischen 
Landtag; aber dieser, der am 18. Fe« 
> bruar seine Sitzungen begann, wurde 

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, mittels Patentes aao. 1. Marz 1867 
, am 4. desselben Monates aufgelost. 
Nun gelang es dem Baron, nicht nur 
seine Wahl fur den zweiten, nur vom 
6. bis 1 1 . April zum Zwecke der Neuwahlen 
fur Mahren in den Reichsrath 
tagenden Landtag zu behaupten, sondern, 
von letzterem auch die Sendung als Abgeordneter 
in den ersteren zu erhalten. 
SchlieBlich wurde der Baron auch in die 
1869er Session gewahlt, wo er fur den 
Communicationsausschufi iiber das Gesetz 
von der Erganzung des mahrischen Eisenbahnnet zes 
Bericht erstattete und den damaligen 
Handelsminister wegen Verzo» 
gerung dieses Baues interpellirte . Am 
6. Mai trat der Freiherr als Landesver« 
theidigungsminister in das Cabinet Po» 
t o c k i , von welchem Posten er acht 
Wochen spater, am 28. Juni, eni> 
hoben wurde. Eine Verof f entlichung 
Or. I . B. Holzinger's in der Gratzer 
„Tagespost" war die unmittelbare Ursache 
seiner Enthebung. Am 9. December 
1870 erhielt er, da das Graf engeschlecht 
Sedlnitzkyim Mannesstamme er« 
loschen, infolge seiner Abstammung mutterlicherseits 
von diesem Geschlechte, denn 
seine Mutter Leopoldine war die einzige 
Tochter des geheimen Rathes und 
B runner Appellationsgerichts»Prasiden« 
ten Anton letzten Grafen Odrowaz- 
Sedlnitzky, die Gestaltung, mit seinem 
Namen und seinem f reiherrlichen Wappen 
Namen und Wappen der Grafen Odro« 
waz > Sedlnitzky zu verbinden. Am 
27. September 1874 wurde er als lebens« 
langliches Mitglied in das Herrenhaus 
des osterreichischen Reichsrathes berufen.? 
Widmann-Scdlnit zky Widmung Joseph Victor 
I n dieser Eigenschaft sprach er im Mai 
1879 iiber die damals vom Grafen A n° 

d r a ssy bewerkstelligte osterreich isch-turkische 
Convention, welche die offentliche 
Meinung gelinde gesagt geradezu verbluffte, 
der Erste im Herrenhause das 
Verdammungsurtheil aus . Am 31. August 
1864 hatte sich der Gras mit Anna, 
Tochter des kaiserlich russischen General)) 
majors Lazar von Lazareff aus dessen 
Ehe mit Antoinerte geborenen Prinzessin 
B i r o n von K u r 1 a n d aus dem 
Hause W a r t e mberg, vermalt, die ihm 
am 1. Juni 1863 einen Sohn, den 
Grafen Anton gebar. 

F rem den «Vlat t. Herausgegeben von Gust. 
Heine (Wien, 4".) 1870. Nr. 128; Nr. !43: 
„Zur Genesis der Ministerschaf t eines jungen 
Lieutenants"; 1871, Nr. 64 in den „Tagesnenigkeiten" . 
— Neue Freie Presse 

(Wiener polit. Blatt) 1870. Nr. 2043: „Tie 
neuen Minister"; Nr. 2046: „Minister Baron 
Widmann"; Nr. 2047: „Ministerielles " ; 
Nr. 2048: „Zur Affaire Widmann"; Nr. 2088: 

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Wurzbach55 . txt 
„Die Demission eines Ministers". — Nenes 
W iener Tagblatt, 1870. Nr. 127: „Baron 
Widmann in Orak'; A ir. 12 A .- „Widmann' 
Sedlniftky"; Nr. 130 im Feuilleton: „Amt< 
licher A rlaj;"; im politischen Theile: „Zur 
Affaire Wiomann"; Nr. 131: „Zur Tituation"; 
Nr. 132: „Der Oemeinoeratb iiber 
Minister Widinann"-. Nr. 138: „Eine neue 
Widmanniade" ; Nr. 13 9: „Baron Widmann 
als Gesetzgeber " ; Nr. Iu9: A Der Rucktritt 
des Barons Widmann" . — Die Presse 

(Wiener polit. Blatt) 1870, Nr. 131.- „Brunn. 
11. Mai. Originalcorrespondenz " . — T a A es» 
presse (Wiener polit. Blatt) 187U. Nr. 129 
und 130 : „2taklf ederzeichnungen" . Von 
I . I 6i. (raBnig) . — Dieselbe. 1870, 
Nr. 170 im Leitartikel: „Wien. 21. Juni". 
— Allgemeine Zeitung (Augsburg. 
Cotta. 40.) 16. Mai 1870. Nr. 136. S. 1989: 
„Oesterreichisch»ungarische Monarchie". — 
Der Floh (Wiener Witz» und (5aricaturen< 
blatt) 1870. Nr. 21, 1. Beilage.- „Ein Bis — 
chen Sabelregiment " , 2, Beilage: „Baron 
Widmann ins Stammbuch"; Nr. 23. 1. Bei' 
lage : „Ein neues Lied von Widmann"; 

.Nr. 2«: „Widmann der Zweite". 
Portraits und Chargen. 1) Tagebuch des 
„Kikeriki". 11. Heft. 1870. Von S t u r . - 

2) „Figaro". 1870. Nr. 29 und 30. - 

3) „Der Floh". 22. Mai 1870. Nr. 21. Von 
K 1 i 5. - 4) „Kikeriki". 1870, Nr. 2;. 
Von T t u r . 

WidllllMN, Christian (Organist und 

Tonsetzer, geb . zu St. P 6 t t e n 1727, 

gest. im Stifte Seitenstetten am 

21. Mai 47881- Er kam, da er eine gute 

Stimme besaB, zunachst als Sangerknabe 

in das S t i f t seines Geburtsortes . Urn 

1760 erhielt er die Organisten- und 

Schullehrerstelle im Stifte Seitenstetteu, 

wo er bis zu seinem Tode blieb. Griind, 

lich musicalisch gebildet, verstand er den 

GeneralbaB und componirte Mehreres 

fur die Kirche, an der er diente Nach 

einem VerzeichniB seiner Compositionen . 

welcbes ?. Karl S t a d 1 e r , Musikdirector 

i im Stifte Seitenstetten, 1828 angefertigt, 

reichen seine Compositionen bis 1748, 

also bis zu seinem 21. Jahre, zuriick, 

und gehen bis 1786, also zwei Jahre 

vor seinem Tode. Sie bestehen aus 

12 Messen, 5 Offertorien, 3 Gradualen, 

6 .Vlina. m.it A i'.. 2 . A vo Nkginll, 1 Kiilve, 

1 I A uioi'.' s 1 I . ii . uaii . to, 2 I A B-iilk coeli. 
4 Vespern, 1 N A nitic . -tt . 2 'I'6 Deum, 

2 Veili H. 3i»iritu5, 1 A <? , nol . >ri A , sammtlich 
auf 4 Stimmen, theils mit nur 2 Violinen, 
theils mit 2 Violinen und Beglei« 

tung einiger Blasinstrumente ' , 1 Sequenz 

fur 2 Chore mit 2 Violinen und 2 Blasinstrumenten; 

und 1 Oratorium: „Der 

sterbende Fromme", zur Secundizf eier 

eines Priesters. Widmann ' s Compositionen 

werden im Mnsikarchiv des Stiftes 

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Wurzbach5 5 . txt 
Seitenstetten aufbewahrt. 

Nach einer im Archiv des Wiener (>onserua< 
toriumo befindlichen handschrif tlichen Auf» 
zeichnuna . 

WidllllNUl, Joseph Victor (Dichter 
und Schrif tsteller , geb . zu Nenno-f 

Stammtafel der Ritter, Freiherren von Widmann und der Grasen van 
Wiomann-Sedlnit zkn . 
Johann . 
Maria Werner. 
Georg 

geb. 16CK. t . 
Margarethe von Loro. 
Johann Michael -j- 1719 
(1707 ungar. . 1712 bohm. Ritterstand) . 
1 ) Anna Sabina Schiller. 
2) Maria Martini uon Pogareth. 
Aeltere frei- herrliche Linie. 
Adam Joseph 

geb. 22, Janner 1670. 5. 
Maria Elisabeth Soldner 
v^'N Siildenhofen. 
Karl Joseph, 
Postmeister 
zu Karlsbad und Egcr. 

Adalbert Vincenz Joseph Karl pljilipp Karl 
geb. 11. October 1797. geb. 9. August 1803, 5 1 . Janner 1876. geb. 1. Mai 180 E 

7 19. October 1866. Anna Grafin Vetter von der Filie -j- 3. April 1861. 

Antonie Knirsch. 5 «8. i^ctober 1843. Pauline Schroter. 

Johann Anton 1730 Freiherr 

geb . 1673 . s . 

Lucia Maria Vogger 

uon Lowencgg. 

Johann Adam, 

Dechant in Prag, 

Philipp, 

kais, Legationssecretar . 

Johann Wenzel sS. 248^ *) 

1742-1772. 

Joseph 

geb. 3. Juni 1724. 5 1791. 

Antonie Grafin Clam 

geb. 8. November 1743. -j-. 

Ferdinand 

geb. 19. October 1836. 

Marie von Lemonnier 

Emma 

geb. 23. .Malz 1852. 

urn Peter Franz Zibus. 

Jiingere frci- 

Adalbert 

geb. 7. Marz 1843, 

herrliche Linie. 

Nosa 

geb . 21 . August 

Emilie 

geb . 12 . April 

Vincenz 

geb, 3. September 1775. -f 1». December «807. 

Ernestine geborene Frciin uon Noden von Hirzenau 

grb. i:>. April 1777. 5 1830. 

Antonie 

geb . t . 

Seite 368 



Wurzbach55 . txt 
urn. Joseph Ignaz Freiherr 
von Zuol zu Darenberg 
Francisca 
A geb. t, 
. Niclas Ludwig 
r. A f von Donhoff. 
Zdenko 

grb. :i0. August 1834. 
Marie Antonie 
Ionisch 1L.267. Nr. o A l 
geb. 2U. Juni 1842. 
Dohnslaw 1 S . 224" 
geb. 12. Mari 183«. 
Gabriele Skene 
g«. 'd. 14 . April 13 A 2 . 
Maria Anna 

geB . 2. Drclmdcr I8!i7 
vm. Vskar 
MenB uon Tenffen. 
Marianne 
geb. 18 69. 
Elsa 
eb 1871. 
Francisca 

geb. ti. April 1839. 
urn. Aleranoer 
Daranyay v. Nagy-Varazd. 
Johann 
geb. 1876. 
Philipp Jaroslaro 
gel? 16. Juni 1841. 
Marie "ucerato 
geb. 1. Juni 183«. 
Fran) Adalbert 
- 2?. Ianncr 1828, geb. 15. Janner 1804 

1) Julie Frciin von Puthon 

geb. 20. August 1804. 5 30. Marz <832. 

2) Erwine Frciin von Scharpf f euf tcin 
geb. 3. Marz 1833. t 16. December 1883. 
Francisca 

geb. ! ) . October 1872. 

Lo 

geb. 30. August 1874. 

Paul 

geb. 27. Juni 187' 

Anton 

geb. 13. Ottobcr 1803. 

-j- 10. September !8<;6. 

Leopoldine Grasin 

Vdrow^-Sedlnit zky 

geb. 13. November 1812. 

Graftiche Linie. 

Vincenzia 

3, September 1808. 

Maihildc 

geb. 2«. Juni 1829. 5. 

vm. Wttokar Freiherr von Putcani. 

-s t3. September 1833. 

wiederum. Nudolf Freiherr von Puteani, 

Bruder ihres ersten Gatten. 

geb. 1837. 

Maria 

geb. 1838, ' 

Wladimir 

Seite 369 



Wurzbach55 . txt 
gcb . 18 6«. -S-. 
Karoline 

gcb. 26. Mai 1863. 
Ad albert 
gcb, 29. Mai 1868. 
Erwine 

geb. 4. Juli 1872 
Victor f S . 24 ! ) ) 
geb. 8, September 18:16. 
-j- 23. Janner 1886. 
seit 9. December 1870 
Graf Widmann- 
Seolnit zkn . 

Anna Fazar v. Lazareff 
geb. 26 Februar 1838. 
Anton 

gcb. 1. Juni 1863- 
Anna 

gcb 6.3cptcmber 1837. 
vm. Graf M<irscl!cill 

*) Die in den Klammern A befindlichen Zahlcu wciscn auf die Seite, wo die 
ausfuhrliche Lebensbeschreibung vorkommt . 
Zu v. Wurzbach's biogr. Lexikon Vd. I.V.£ 
Midmann, Ioscph Victor Midmann' 1 Joseph Victor 

w i h in Mahren am 20. Februar 1842) . > die Umgestaltung der Schulverhaltnisse 
Von osterreichischen Eltern geboren. Sein 
Vater war friiher Cif terciensermonch im 
Stifte Heiligenkreuz uachst Baden bei 
Wien, verlieB aber sein Kloster und 
rettete sich mit seiner Familie in die 
Schweiz, wo er zum Protestantismus 
iibertrar und 1843 protestantischer Pfarrer 
zu Liestal in Basel»Land wurde. Dort 
verlebte der Sohn seine Iugendjahre, be» 
erfolgte. Aus AnlaB derselben verab» 
schiedet, trat er in die Redaction des 
Berner politischen Blattes „Der Bund", 
in welchem er bis zur Stunde noch wickt . 
Widmann, eine tief poetisch angelegte 
Natur, gab bisher eine Reihe von Dich» 
tungen dramatischer und epischer Gestal» 
tung heraus, welche die Aufmerksamkeit 
der gebildeten Kreise auf den Poeten gesuchte 
daselbst auch die Schulen, aber der! richtet und dieselben, da er nichts weniger 

hauslicbe Unterricht iibte nachhaltigeren 
Einflufi auf das empfangliche Gemiith 
des Knaben, da der Vater denselben im 
Latein und Griechischen, die Mutter in 
der Musik unterrichtete, welch' Letztere 
durch ihre Kunst, auf dem Fliigel zu 
phantasiren, selbst einem Beethoven 
Bewunderung entlockt hatte. Als er 
herangewachsen war, besuchte er das 
Padagogium in Basel, wo Wilhelm 
Wackernagel als Lehrer wirkte und